Kitabı oku: «Der Kopf ist das Rätsel um glücklich zu sein», sayfa 3
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25. November 2017
Ich wurde mal wieder wach mit Kopfschmerzen. Ich fühlte mich überhaupt nicht gut. Also mit Müh und Not duschen, anziehen und ab zum Frühstücken. Beim Essen hatte ich etwas kalt, was bei mir ja nicht normal ist. Ich gehöre zu denen, die immer so viel schwitzen und heiss haben. Ich war auch sehr müde. Also machte ich mich nachher gleich wieder auf den Weg ins Bett. Bevor ich mich aber reinlegte, machte ich mir die Bettflasche heiss und nahm sie mit unter die Decke. Ich liess den Fernseher an und kuschelte mich ein. Irgendwann schlief ich ein. Kurz vor 12.00 wurde ich wieder wach. Ich war ein wenig böse mit mir, da ich nicht so lange liegen bleiben wollte. Aber anscheinend hat es das gebraucht. Ab wieder zum Mittagessen. Ich sagte zu Elizabeth, die ihr Zimmer neben mir hat, heute Nachmittag gehen wir etwas spazieren, gell. Die Begeisterung war nicht so gross. Ich selber wollte eigentlich nach Wil mit dem Bus fahren, aber das Wetter war hier so grausam windig und kalt, dass es mich nicht gepackt hat. Also machten wir auf 15.15 Uhr ab. Wir haben uns eingeschrieben und gingen los. Oh mein Gott, war das kalt und windig. Ich sagte zu Elisabeth: ich glaube, wir schaffen keine halbe Stunde. Und sie grad darauf: wo ist das Restaurant? Und schon waren wir drinnen. Sie wollte mir einen Tee bezahlen, was ich nicht wollte, aber sie bestand darauf und ich nahm es dankend an. Beim Zurücklaufen zum Tisch bemerkte ich, dass sie Punschtee hatten. Ich liebe Punschtee über alles. Ich nahm 2 Päckchen und fragte die Kassiererin, was die kosten würden. Sie sagte mir, die sind nicht zu verkaufen, die gehören zum Tee und die kosten drei Franken. Oh, nein danke, das ist mir doch etwas zu viel. Ich wollte sie gerade zurücklegen, da rief sie mir: ich gebe ihnen die zwei für einen Franken. Ich habe gehört, wie viel Freude sie daran hatten, als sie den Punschbeutel gesehen haben. Ich fand das so lieb von ihr, dass ich 3 Mal Danke gesagt habe. Wir setzten uns in eine ruhige Ecke und genossen das heisse Getränk. Als wir wieder zurückgekommen sind, ging grad der Pflegefachmann vorbei. Er hat ein paar Worte mit uns gewechselt. Dabei habe ich mir an den Kopf gefasst. Elisabeth meinte: hast Du immer noch Kopfweh? Ich: ja, und es ist wieder stärker geworden. Er: wieso sind Sie nicht zu mir gekommen? Weil es mir eine Zeit lang gut ging und ich dachte jetzt brauche ich keine mehr. Er gab mir eine Tablette. Ich mag das ja nicht, wie ihr schon gelesen habt, aber jetzt kam ich nicht drum um. Also schluckte ich das grosse Ding runter. Da ja heute Samstag war, ist es immer so herrlich ruhig hier in der Klinik. Elisabeth und ich haben abgemacht, dass wir in der Lounge unseren Punschtee trinken. Wir mussten das ausnützen solange es ruhig ist. Wir sassen gemütlich zusammen, sie las und ich strickte. Später kam der Pflegefachmann dazu und plauderte mit uns. Abends kam noch eine Patientin zurück, die auch strickte bis zum Abendessen. Wir haben uns später verabredet für einen Filmabend. So ging der Samstag auch vorbei. Und Morgen beginnt ein neuer Tag. Es hatte ja auch Schnee gemeldet. Mal sehen, ob der Wetterbericht Recht hat.
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26. November 2017
Heute ist Sonntag und da bleib ich immer etwas länger im Bett. Als ich aufgestanden bin und die Vorhänge auf die Seite gezogen habe, sah ich hinauf zum Wald. Die Bäume waren leicht bedeckt mit etwas Schnee. Es sah aus wie Puderzucker. Aber immerhin etwas. Ich überlegte mir, was ich heute machen möchte. Auf jeden Fall muss ich heute nach draussen gehen, egal wie kalt es ist, aber ich gehe. Beim Mittagessen überlegte ich immer noch was ich machen soll. Ich wusste einfach nicht was. Ich ging wieder aufs Zimmer und setzte mich auf den Sessel und schaute etwas TV. Plötzlich klopfte der Pflegefachmann an meine Tür. Er sagte, ich müsse zum Blutdruck messen kommen. Och nein, ich hatte keine Lust. Es bringt eh nichts, er ist immer gleich hoch. Also raffte mich auf und ging halt hin. Es war wie ich sagte. Er fragte mich noch ein paar Sachen, ob ich evtl. angespannt sei und so weiter. Er meinte noch: es wird ja noch eine Blutabnahme gemacht. Ich: nein, die hatte ich doch schon. Oh mein Gott, mir wurde es grad anders. Er schaute sich noch meine Füsse an, weil sie gestern Abend etwas geschwollen waren. Eigentlich bemerkte ich das seit ein paar Tagen, habe einfach noch nichts davon geschrieben, weil ich es nicht für so wichtig fand. Jetzt muss ich das halt auch wieder beobachten. Am Morgen ist immer ok, aber halt am Abend. Als ich wieder zurück wollte in mein Zimmer, sah ich auf dem Weg dorthin, dass mein neuer Plan schon im Fach war. Ich nahm ihn mit und schaute ihn mir an. Tatsächlich, eine Blutabnahme am Montag. Das darf ja nicht wahr sein. Jetzt fängt das Ganze wieder von vorne an. Ich musste jetzt nach draussen gehen an die frische Luft. Ich packte mich warm ein und legte die Winterstiefel an. Eigentlich wollte ich die Stöcke mitnehmen, aber in diesem Moment fing es an so zu schneien, dass ich den Schirm brauchte. Ich war nicht mal 5 Minuten unterwegs, hörte es schon wieder auf. Na toll, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Stöcke mitgenommen. Aber man weiss es ja nie im Voraus. Ich merkte schon beim Laufen, dass es mir nicht so gut ging. Es kam plötzlich, ohne sich anzumelden. Ich ging weiter zu den Kühen um zu sehen, ob sie bei diesem Wetter auch draussen sind. Alles war zu und keine Kuh war zu sehen. Aber plötzlich traute sich doch eine den Kopf hinaus zu strecken. Ich rief zu ihr rüber Hallo und winkte ihr zu. Ich ging weiter und sie schaute mir tatsächlich trotz des Wetters hinter her. Ich bog links ab und ging weiter bis zur Kreuzung. Auf einmal, ohne an etwas zu denken, liefen mir die Tränen runter. Ich wusste nicht wieso und warum. Für mich ist das so schlimm, weil ich nicht weiss, warum das alles kommt. Beim Weitergehen fing es wieder zuschneien an. Ich habe das als kleines Zeichen gesehen. Ich liebe es ja, wenn es schneit. Da kann ich alles wieder vergessen. Als ich wieder bei der Klinik ankam, hat die Bezugsperson mir schon angesehen, dass es mir nicht so gut geht. Ich bin auf mein Zimmer gegangen, Bettflasche heiss gemacht und mich hingelegt. Ich kam aber nicht zur Ruhe. Ich wurde immer nervöser und unruhiger. Ich bin aufgestanden und habe mich in die Lounge gesetzt. Blutdruck messen konnte ich noch nicht, da sie besetzt war. Also habe ich wieder angefangen zu stricken. Dieses Mal aber langsam, nicht so schnell wie ich es sonst immer gemacht habe. Einfach langsam. Und nach etwas Zeit merkte ich, wie ich ruhiger wurde. Von jetzt an werde ich es so fortsetzen. So, jetzt wieder zum Blutdruckmessen gehen. Er war wie immer zu hoch. Sie fragte mich, was los ist mit mir, da ging die Heulerei schon wieder los. Ich erzählte ihr halt, dass ich das nicht verstehe, dass es einem plötzlich wieder schlecht geht. Sie meinte, das muss ich jetzt nicht verstehen. Wir sind dran und werden versuchen ihnen zu helfen. Dass wir sicher etwas machen müssen wegen dem Blutdruck ist klar, sagte sie und das weitere wird angeschaut. Aber es wird nicht angeschaut, woher der hohe Blutdruck kommt. Aber ich muss unbedingt lernen, wie mein Mann mir schon immer sagte: nicht immer so weit voraus denken. Ich muss lernen jeden Tag so zu nehmen wie er kommt. Jetzt habe ich schon 3 kleine Schritte gelernt und ich habe die Hoffnung, dass weitere kommen werden. Und wenn es noch ein paar Jahre dauert. Ich werde und ich möchte es schaffen. Als wir fertig waren mit dem Gespräch, setzte ich mich wieder in die Lounge zu Elisabeth. Die hat auch geweint. Aber nicht wegen mir. Wir sassen noch zusammen bis zum Nachtessen. Heute weiss ich eins genau. Ich werde früh zu Bett gehen und fernsehen. Morgen gibt es wieder Programm und man ist beschäftigt.
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27. November 2017
Aufgestanden, geduscht und ab zur Blutabnahme. Dieses Mal nahm ich es gefasst. Entweder geht es oder es geht nicht. Ein Wunder ist geschehen, sie stach rein und Blut kam. Es ging mir grad doppelt so gut. Blutdruck wie immer ohne Worte. Ab zum Frühstücken und wieder in den Raum, wo unser Wochenstart beginnt. Dieses Mal hat es mir sehr gut gefallen. Als ich den Raum betreten habe, lagen am Boden verschiedene Motive. Mir stach grad eines ins Auge. Rote Rosen. Ich liebe diese Blume. Als wir im Kreis sassen, sagte die Therapeutin: es darf sich jede eine Karte nehmen, die ihm zuspricht. Und wenn mehrere die gleiche wollen, müsst ihr das untereinander klären. Aber so weit kam es gar nicht. Es hat jede und jeder etwas gefunden. Ich natürlich meine Rosen. Als ich an der Reihe war, sagte ich Folgendes zu dem Bild, das ich genommen habe: ich habe die Rosen ausgesucht, weil ich die über alles liebe und sie wunderschön finde. Wenn ich in einen Laden gehe, wo es Blumen hat, besonders Rosen, geht mir immer das Herz auf. Dies ist aber seit ein paar Wochen bei mir verloren gegangen. Für mich sieht alles gleich aus. Und mein Ziel ist, die schönen Dinge wiederzusehen, was im Moment halt noch nicht möglich ist. Aber ich arbeite daran. Und ich werde nicht aufgeben. Punkt 9.00 waren wir fertig. Mein nächstes Ziel war Werken. Dort angekommen, wartete ich, bis mir jemand zu Hilfe kam, um zu zeigen wie man mit Ton umgeht. Ich setzte mich an einen Tisch und sie erklärte mir alles. Also fing ich an zu kneten, zu schlagen und zu klopfen. Das macht man so, damit die Luft raus geht, damit es im Ofen nicht sprengt. Ich hoffe nur, dass ich es richtig gemacht habe. Ich formte den Boden solange bis ich zufrieden war. So und jetzt den Rand nach oben. Das war eine Herausforderung für mich, aber ich hatte es geschafft. Als ich mir das gesamte Bild angeschaut hatte, dachte ich mir, irgendetwas fehlt noch. Ach, ich weiss es, ein Fussball. Also ran, formen, ritzen und ab in die Mitte vom Aschenbecher legen. So, jetzt kann er schön trocknen. Ich war sehr stolz auf mich. Ich bemerkte nicht mal die vielen Patienten, die da waren, so vertieft war ich. Viel zu schnell verging die Zeit. Also ab in die Lounge zurück, etwas stricken und Kaffee trinken. Ein paar Minuten später holte mich eine Pflegefachfrau in den Gang hinaus. Ich dachte schon, was kommt jetzt. Dabei wollte sie mir nur sagen, dass sich die Oberärztin und Hausärztin heute treffen und besprechen, wie es weiter gehen wird mit mir. Ok, dachte ich, warten wir ab. Nach dem Mittagessen klopfte es an meine Tür. Die Pflegefachfrau brachte mir einen Zettel mit einem Termin, den ich heute bei der Hausärztin bekommen habe. Eigentlich wollte ich heute spazieren gehen. Jetzt ist wieder nichts daraus geworden. Also ging ich vorher eine halbe Stunde bis zum Einzelgespräch mit meiner Therapeutin. Das Gespräch war teils gut, teils wieder mit Tränen. Aber ich liess es zu. Ich freue mich immer wieder darauf mit ihr zu reden. Zum Glück kann ich zwei Mal in der Woche zu ihr. Als wir fertig waren, bin ich wieder etwas gelaufen bis zum nächsten Termin. Pünktlich um 15.30 Uhr war ich bei der Hausärztin. Sie tastete mich bis zu den Knien ab. Das linke Bein hatte etwas mehr Wassereinlagerungen als das rechte. Was ich auch noch erfahren musste war, dass man im Blut gesehen hat, dass meine Schilddrüse eine Unterfunktion hat. Na super, jetzt wieder eine Tablette mehr. Aber sie sagte, das muss man behandeln. Also gibt es am Morgen 2 Tabletten mehr, dafür darf ich probieren, die halbe Temesta abzusetzen. Ich bekomme aber als Reserve eine, falls was ist. Aber sie meinte noch, wenn ich die Tabletten für die Schilddrüse nehme und der Blutdruck etwas runter ist, werde ich mit der Zeit merken, dass es mir besser gehen wird. Ja, hoffen wir das mal. So, genug gejammert. Jetzt gehe ich Nachtessen und geniesse den Abend mit etwas stricken in der Lounge oder im Zimmer. Ich weiss es noch nicht.
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28. November 2017
Heute Morgen musste ich meine erste Tablette für den Blutdruck einnehmen. Mir war es ja nicht wohl dabei, weil ich jedes Mal Angst davor habe, etwas Neues auszuprobieren. Es blieb mir aber nichts übrig. Also runter mit dem Ding. Da ich heute nur Arztvisite hatte am Morgen, ging ich nach dem Morgenessen wieder zurück auf mein Zimmer und strickte wie immer ein bisschen. Später als es Zeit wurde, wartete ich brav für die Visite. Die Oberärztin erklärte mir alles nochmals genau wegen dem hohen Blutdruck und wegen der Schilddrüse. Das hat mich etwas beruhigt und ich verabschiedete mich. Nach einer Stunde klopfte es an meine Türe. Es war Elisabeth. Wir 2 wollten wieder spazieren gehen. Also gingen wir los wie immer. Wir plauderten so viel, dass wir bald den See sahen, den sie gestaut haben. Ich habe erfahren, dass sie das jedes Jahr machen zum Eislaufen. Eine schöne Idee, finde ich. Sie wollte aber nicht mehr weiter und wir kehrten wieder um. Nach über der Hälfte vom Weg, ohne Böses zu denken, wurde es mir plötzlich so komisch. Mein Körper wurde schwer und meine Beine fingen an etwas zu zittern. Elisabeth wollte zurück und ich ging noch eine kleine Runde weiter. Aber es wurde mir langsam unheimlich. Ich hatte grosse Mühe mit Laufen. Wieder ab ins Zimmer und hinlegen. Es wurde nicht besser, eher noch schlimmer. Also aufstehen, zur Station laufen und es melden. Da haben sie mir den Blutdruck gemessen, der wieder zu hoch war. Aber das ist ja nichts Neues. Man sagte mir auch, dass es ein bisschen Zeit brauche bis sich das legt. Und wissen tun wir es eh noch nicht, ob das die Richtigen sind. So habe ich beschrieben, wie sich mein Körper anfühlte. Sie haben wieder der Oberärztin geschrieben. Ich schleifte mich zum Mittagessen und habe wenig gegessen. Ich hatte gar keinen Hunger. Ich wollte nur liegen. Ich bin nach oben gegangen und wieder zur Station, um zu fragen, ob sich die Oberärztin schon gemeldet hat. Ich sprach noch ein paar Worte mit meiner Bezugsperson. Ich wusste nicht, ob ich um eins in die Körperwahrnehmungsgruppe gehen soll. Sie meinte, vielleicht würde es mir guttun und mich etwas ablenken. Ich entschied mich zu gehen. Ich habe der Therapeutin erzählt, dass es mir nicht so gut geht. Sie sagte, ich soll einfach das machen, was für mich stimmt. Nach 15 bis 20 Minuten klopfte es an der Türe. Ich sah, dass meine Bezugsperson geklopft hatte. Mein Kopf fing schon wieder an sich zu fragen, ob sie wegen mir hier ist. Es war auch so. Ich musste raus Schuhe anziehen und auf dem Weg erklärte sie mir wieso. Die Oberärztin wollte mich sehen und sie haben einen Krankenwagen für mich gerufen. Ich: he, warum das denn? Ist es so schlimm um mich bestellt? Die Oberärztin war schon im Büro, aber noch am Telefon. Zur Sicherheit sagte man mir, ich solle doch Zahnbürste usw. einpacken, man weiss nie, ob sie mich vielleicht eine Nacht dortbehalten. Also machte ich das und wartete auf die Ärztin. Ich erzählte in Ruhe nochmals, was in mir vorging. Sie schaute mich an und meinte: also, Sie spüren ihre Beine und Sie reden auch nicht verwirrt? Ich: nein, ich spüre alles und rede immer so. Sie: Halt, Stopp, sofort Krankenwagen zurückrufen, es ist alles in Ordnung. Aber die vom Spital wussten gar nichts von einem Krankenwagen. Bei der Besprechung sind wir auf drei Möglichkeiten gekommen. Die erste war, weil ich die Temesta nicht genommen habe. Zweitens könnte es die Blutdrucktablette sein und als Drittes eine Angstpanikattacke. Um das jetzt heraus zu finden, wird es weiter beobachtet. Ich hätte um zwei noch Maltherapie gehabt, aber die Oberärztin sagte, ich soll mich jetzt hinlegen und später etwas an die Luft spazieren gehen. Also ging ich wieder ins Zimmer und packte alles wieder aus. Ich war ja schon froh, dass ich nicht ins Spital musste. Ich habe meine Bettflasche heiss gemacht und mich hingelegt. Es kamen nur noch Tränen, ich hätte mir in diesem Moment gewünscht, mein Mann wäre bei mir. Ich habe ihm geschrieben, ob ich anrufen kann, ich sei nur am Weinen. Ich wusste aber, dass er am Arbeiten ist und er es vielleicht nicht hört oder sieht. Später klopfte nochmals meine Bezugsperson an die Türe. Sie kam rein und sah, dass ich immer noch weinte. Sie blieb noch etwas bei mir und fragte, wieso ich weine. Ich weiss es nicht, sagte ich. Irgendwie ist mir alles zu viel. Sie beruhigte mich und ging wieder aus dem Zimmer. Ich schaute aus dem Fenster und beobachtete die Bauarbeiter, die gerade Beton in eine Schalung gossen. Ich merkte langsam, dass ich wieder etwas ruhiger wurde. Beim Laufen hatte ich einfach noch Mühe. Es hat ausgesehen, wie wenn ich etwas voll gewesen wäre. So beschreibe ich es. Später kam sie nochmals zu mir um zu fragen, ob mein Mann an den zwei Terminen, die sie mir gegeben hat, Zeit hätte für ein Gespräch hier. Ich sah später, dass mein Mann mir geschrieben hatte. Also rief ich ihn an und fragte. Er hat für den 8. Dezember das ok gegeben. So und jetzt wollte ich noch an die frische Luft. Elisabeth begleitete mich und wir gingen eine kleine Runde. 5 Minuten unterwegs und schon liefen mir die Tränen wieder. Es legte sich aber langsam. Beim Rückweg bemerke ich, dass an den Strassenlampen schöne Weihnachtsbeleuchtungen hingen, auch vor der Klinik. Ich habe zu Elisabeth gesagt: wir haben das nicht mal bemerkt als wir draussen waren. Sie meinte, dass sie vielleicht gar noch nicht beleuchtet waren. Das könnte auch sein. Aber es war wunderschön. Wieder zurück, habe ich mich noch etwas in die Lounge gesetzt bis zum Nachtessen. Als ich fertig war, wieder zum Blutdruckmessen. Sie getraute sich bald nicht mehr. Aber ich wusste ja, dass er immer noch zu hoch war. Und so ist es auch gewesen. Aber es braucht halt alles seine Zeit. Wie heisst es doch so schön? Geduld bringt Rosen. Also wieder zurück und bettfertig machen. Ich wollte heute wirklich mal früh ins Bett gehen. Ich schaute noch TV und irgendwann habe ich abgestellt.
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29. November 2017
Punkt 6.30 Uhr weckte mich der Klingelton vom Handy. Ich werde ab jetzt immer um diese Zeit aufstehen. So kann ich meine Medikamente regelmässig einnehmen. Schlafen kann ich ja hinterher wieder, wenn ich noch müde bin. Aber so bekomme ich eine Regelmässigkeit rein. Ich werde es auch daheim so weiter machen. Ich war immer noch etwas beduselt von gestern. Aber ich konnte doch immerhin besser laufen. Nach dem Morgenessen nochmals meinen Blutdruck messen, der momentan die Hauptrolle übernommen hat. Er war ein bisschen runter, aber nicht so viel. So und jetzt ab zur Achtsamkeitsgruppe. Ich ging mit einem Patienten dort hin. Als wir ankamen, sah ich, dass die Tür zu war. Oh weh, dachte ich, sind wir so viel zu spät? Ich schaute auf die Uhr und sah, dass wir gerade pünktlich waren. Als wir hineinkamen, sassen alle schon im Kreis. Also setzten wir uns dazu und hörten der Therapeutin zu was wir heute machen werden. Eines davon möchte ich kurz erzählen, weil mir das so gut gefallen hat. In der Mitte des Bodens lagen ganz viele bunte Tücher. Wir durften je eine Farbe aussuchen, aber nicht in die Hand nehmen. Als es soweit war, durfte jede Patientin und jeder Patient den anderen mitteilen, was sie mit der Farbe verbindet. Als ich an die Reihe kam, sagte ich: ich habe mir grün ausgesucht, obwohl es nicht meine Lieblingsfarbe ist. Aber dieses Grün verbindet mich immer mit dem Satz „Grün ist die Hoffnung“. Ich habe die Hoffnung wieder gesund zu werden. Ich gebe nicht auf. Es war beeindruckend, was jeder so gesagt hat. Leider ging die Zeit wieder viel zu schnell vorbei. Sie hat uns am Schluss gefragt, ob wir nächste Woche nochmals etwas mit den Farben machen möchten. Zum Beispiel, wenn wir draussen sind oder drinnen etwas sehen oder was ich rieche oder höre, wenn ich meine Farbe sehe, usw. Achtsamkeit spüren und beobachten. Wir waren alle damit einverstanden. So, jetzt habe ich nichts mehr, erst um 17.00 wieder ein Gespräch mit meiner Bezugsperson. Also zurück Kaffee holen und ab ins Zimmer. Später zog ich mich an und ging alleine spazieren. Aber nur eine halbe Stunde, da ich noch wacklig auf den Beinen war. Während dem Laufen ging mir wieder so viel durch den Kopf bis es klick machte und meine Stimme sagte: was hat du heute in der Achtsamkeitsgruppe durchgenommen? Ja stimmt, ich soll aufmerksam sein und die Farbe, die ich mir ausgesucht habe, sehen, beobachten, was für verschiedene grün es gibt, usw. So konnte ich mich wieder ablenken. Bald ist Mittagessen, bis dahin verzog ich mich wieder auf das Zimmer. Später am Mittag ging ich mit Elizabeth spazieren, aber auch nicht lange. Es war sehr grusig und kalt draussen. Den heutigen Tag konnte ich doch besser geniessen als den von gestern. So, jetzt wieder weiter zum Gespräch mit meiner Bezugsperson. Wir haben viel geredet, was mir wie immer sehr guttat. Am Schluss verdonnerte sie mich zum Vanillekipferl backen. Ich habe ja schon mal geschrieben, dass jede Woche jemand etwas bäckt für den Freitag. Sie hat mir gesagt, dass ich Hilfe bekommen werde und sie beobachte mich, wie ich umgehe mit mir. Bin ich nervös oder unruhig? Ich sagte: was ist, wenn mir der Teig nicht gelingt oder man kann es nicht essen? Und sie: das macht überhaupt nichts, darüber soll ich mir jetzt keine Gedanken machen. Ich wieder: sie sind gut. Sie musste lachen und meinte: sie schaffen das, das weiss ich. Sie will einfach, dass ich wieder Freude am Backen bekomme. Na toll, zum Glück habe ich noch 2 Wochen Zeit. Ich hoffe nur, das beschäftigt mich jetzt nicht bis es soweit ist. Also Nachtessen und ab zum Gottesdienst, der heute nur kurz war, aber wie immer schön. Ich geniesse diese Stille. So, jetzt habe ich Feierabend und geniesse es noch bis zum Schlafengehen.
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30. November 2017
Ich holte meine Medis ab und wollte gleich wieder gehen, aber nichts gewesen, ich musste wieder herhalten für den Blutdruck. Der mittlere war immer noch zu hoch. Nach dem Morgenessen zurück ins Zimmer und ich schrieb an meinem Tagebuch weiter. Aus dem Nichts kam plötzlich wieder das Herzrasen. Ich legte mich aufs Bett und versuchte herunterzufahren. Bevor es zur Psychologin ging, mussten wir nochmals messen. Er war noch höher als am Morgen. Wieso weiss keiner, ich auch nicht. Also ab zum Gespräch. Meine Psychologin bemerkte beim Gespräch, dass ich mich fast bei jedem Satz schlecht mache oder es nicht schätze, was ich geleistet habe in den Jahren. Mir fiel das nicht auf, erst als sie es mir gesagt hatte. Ich erzählte ihr, dass das von der Kindheit herkommt. Was ich auch gemacht hatte während der Schulzeit, entweder wurde ich ausgelacht oder man sagte, dass ich ja dumm und blöd bin oder man lachte mich aus, weil ich nicht so schöne Kleider anhatte wie die anderen. Also fing ich an, mich zurückzuziehen und machte beim Unterricht nicht mehr mit. Schliesslich wollte ich ja nicht ausgelacht werden. Das hat mich geprägt bis jetzt. Aber seit ich hier bin, kann ich überall mitreden und mitmachen und das ohne Angst. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in Gruppen arbeiten könnte, das wäre früher der Horror für mich gewesen. Aber hier ist das kein Problem für mich. Und ich muss sagen, es tut mir im Herzen gut. Und ich hoffe, dass ich das weiterhin behalten kann und ich keine Angst mehr haben muss. Ich bin auch nur ein Mensch und alle machen mal Fehler. Viel zu schnell verging wieder die Zeit. Wir mussten heute kürzen, weil ich zur Schlafhygienegruppe musste. Sie hat aber gesagt, dass wir nächste Woche länger machen werden. Jetzt gehe ich an den richtigen Ort. Ich war nämlich sehr müde. Ich wäre am Tisch am liebsten eingeschlafen. Aber da wir ja eine Gruppe waren, musste ich schon zuhören, damit ich mitreden konnte. Es ist interessant, was man da alles erfährt. Jeder musste erzählen, welche Schlafprobleme er oder sie momentan hat. Als ich an die Reihe kam, sagte ich, dass ich das Gefühl habe, halb zu schlafen und halb wach zu sein. Ich sehe die weisse Wand, drehe ich mich wieder, schaue zum Fenster und das immer abwechselnd. Am Morgen bin ich völlig kaputt. Die anderen Patienten haben Tipps gegeben und am Schluss die Therapeutin. Das werde ich heute Abend ausprobieren. Beim nächsten Mal wird sie uns sicher fragen, ob wir es umgesetzt haben. Gott sei Dank war es fertig. Ich schleifte mich mit fast geschlossenen Augen in mein Zimmer. Zum Glück musste ich nur durch eine Tür hinaus und die andere wieder hinein. Ich legte mich noch etwas hin bis zum Mittagessen. Heute hatte ich wieder Genussgruppe. Dieses Mal mussten wir uns Tiergeräusche anhören, danach verschiedene Instrumente und am Schluss verschiedene Sprachen. Beim ersten Tiergeräusch wusste ich es gleich, bei den anderen musste ich passen. Es war schwierig, auch bei den Instrumenten. Ausser beim Piccolo, aber das auch nur, weil die Therapeutin mir vorgezeigt hatte mit den Händen. Ich hätte sonst Querflöte gesagt. Bei den Sprachen hatte ich keine Chance. Aber ich fand es wieder toll. Das nächste Mal probieren wir verschiedene Schokolade. Ich freue mich jetzt schon darauf. Da ich noch 15 Minuten Zeit hatte bis zur Physiotherapie, ging ich noch 10 Minuten spazieren. Da mir ja die letzte Physio nicht so gutgetan hatte, sagte der Therapeut zu mir: und? Wie lange haben sie mich verflucht? Ich musste lachen und sagte: zwei Tage! Da hielt er seine Hände vor sein Gesicht. Das war so herzig. Aber nach den zwei Tagen war alles wieder in Ordnung. Er meinte, heute dürfen sie es wieder geniessen, das war so schön, ich bin fast weggewesen, so gut hat das getan. Ich genoss jede Minute und hoffte, dass die Zeit nicht so schnell verging. Aber halt, wie immer bleibt auch da die Uhr nicht stehen. Ich bedankte mich recht herzlich bei ihm. Ich ging zurück und holte Elisabeth ab zum Spazieren. Nachher Kaffee trinken und einfach fallen lassen. Später noch gestrickt, Nachtessen, wieder in die Lounge Tee trinken und ab ins Zimmer. Ich werde versuchen, wieder mal etwas früher ins Bett zu gehen. Ob ich das schaffen werde, steht noch in den Sternen.
