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Kitabı oku: «Briefe an Ludwig Tieck 3», sayfa 18
III
Regensburg, den 6. May 1835.
Erlauben Sie mir, hochverehrter Herr und Freund, daß ich mich durch diese Zeilen in Ihr wohlwollendes Andenken zurückrufe. Der Ueberbringer derselben ist Herr Appellations-Gerichts-Accessist Halenke aus Regensburg, der im verflossenen Jahre eine Reise durch Italien gemacht hat und nun auch den Norden Deutschlands und England kennen zu lernen wünscht. Er hat mich bey dieser Veranlassung um ein Wort der Empfehlung gebeten, das ihn bey dem größten, – vielmehr dem einzigen großen unter den lebenden Dichtern Deutschlands einführen soll. Er ist ein sehr wackerer, gebildeter junger Mann und ich wage daher zu bitten, daß Sie ihm einige Minuten vergönnen wollen.
Seit ich zum leztenmal das Glück hatte, Sie zu sehen, verehrtester Freund, hat sich in meinen äußern Lebensverhältnissen Vieles umgestaltet; doch fühle ich mich in meiner gegenwärtigen Stellung und Umgebung weit glücklicher und zufriedener als in München, dessen reiche wissenschaftliche und Kunstschätze ich zwar hier entbehre, doch auch dort unter der fast erdrückenden Last der Berufs-Geschäfte nur wenig genießen konnte. —
Ich hoffe, daß auch Ihre Gesundheit keine neue Erschütterung mehr zu erleiden gehabt hat. Die Kraft und überschwängliche Fülle Ihres Geistes hat zwar zu keiner Zeit durch Ihre körperlichen Leiden gehemmt oder gedrückt werden können, indessen quillt gerade seit den letzten Jahren der Strom Ihrer Dichtungen so reich, so tief, lebendig und heiter, daß er auch auf ein ununterbrochenes äußeres Wohlseyn schließen läßt.
Daß unser edler König Ihrem herrlichen Genius dieselbe anerkennende Huldigung dargebracht hat, die er einst Göthe’n gezollt, hat mich auch um Seinetwillen innig gefreut; es war mir ein neuer Grund, auf meinen König stolz zu seyn.
Und nun noch das Geständniß einer Kühnheit nebst der Bitte um deren Verzeihung! Ich habe in dem, jetzt erscheinenden dritten Bande meiner Schauspiele mein neuestes dramatisches Werk: „Die Griechen in Nürnberg“ ohne Ihre vorgängige Zustimmung Ihnen, verehrtester Freund, gewidmet. Ich werde Ihnen das Buch, sobald der Druck vollendet, zu übersenden die Ehre haben, fühle aber jetzt schon, daß die Kühnheit, ein so geringes Werk einem solchen Manne, – und noch dazu hinter Seinem Rücken, – zu dedicieren, nur durch das Vertrauen auf Ihr mir so vielfach bewiesenes Wohlwollen und durch die Wärme innigster Freundschaft und unbegränzter Verehrung entschuldigt werden kann, mit welcher ich unwandelbar beharre
der IhrigeE. Schenk.Den 17. Juny 1835.
Der junge Mann, der Ihnen dieses Schreiben überbringen sollte, ist in Amberg erkrankt und hat, hiedurch an seiner Weiterreise verhindert, mir dasselbe zurückgesendet. Da jedoch meine Zeilen mehr ein Empfehlungsbrief für mich selbst als für ihn seyn sollen, so bin ich so frey, sie Ihnen unverändert durch die Post zu übersenden.
Schenk.
Schlegel, August Wilhelm
Geboren zu Hannover 8. September 1767, gestorben zu Bonn am 12. Mai 1845.
Gedichte (1800) – Ion, Tragödie (1803) – Vorlesungen über dramatische Kunst und Litteratur, 3 Bde. (1809–11) – Poetische Werke, 2 Bde. (1811–15) – Indische Bibliothek, 2 Bde. (1820–26) – Kritische Schriften &c. &c.
All’ diese Büchertitel, mögen sich auch an einige derselben unsere jugendlich-begeisterten Erinnerungen knüpfen, sind doch keinesweges genügend die umfassenden Verdienste des Mannes einigermaßen zu bezeichnen. Wohin wir blicken, ist er von Jugend auf Vorgänger, Führer, Lehrmeister gewesen auf dem Wege zur Erkenntniß des Großen und Schönen in der Poesie aller Völker. Er ist’s gewesen, der mit genialem Fleiße Calderons geheimnißvolle Tiefen deutschem Verständniß näher gerückt; Er hat uns zuerst durch große kühne That dargethan, daß Shakspeare auch uns gehört; die siebzehn Dramen, die Schlegel (und wann? und ohne Vorbild; ohne jegliche Beihilfe!) verdeutschte, sind so recht unser Eigenthum geworden.
Leider kam eine Zeit, wo man sich die Miene gab, vergessen zu wollen, was wir ihm verdanken. Es ist ihm schändliches Unrecht widerfahren. Aber es läßt sich nicht leugnen: das größte Unrecht hat er sich selbst gethan durch thöricht-kindische Eitelkeit, die er leider unbefangen zur Schau trug. Wer ihn nach diesem äußerlichen Scheine beurtheilte, hatte freilich leichtes Spiel, um ihn lächerlich zu finden, wohl gar lächerlich zu machen. Wer jedoch Pietät genug besaß, in’s Innere zu dringen und den Kern des Mannes zu durchforschen, der verkannte gewiß nicht, daß er sich treu geblieben trotz mancher scheinbarer Geckereien.
Das sollen nun auch diese Briefe darthun, die ein halbes Jahrhundert umfassen, und aus deren letzten noch uns derselbe August Wilhelm entgegentritt, den wir um seiner humoristisch-derben redlichen Aufrichtigkeit willen, schon in den ersteren lieben lernten.
Gewöhnlich wollen auch Diejenigen, die ihn im Ganzen zu würdigen wissen, den Kritiker, den Sprachkünstler, den Uebersetzer allein gelten lassen, während sie den Dichter kaum anerkennen.
Erstens vergessen sie, daß um so zu übersetzen, wie Er’s den größten Dichtern gethan, der Uebersetzer selbst ein großer Dichter sein muß. Zweitens aber scheinen sie (Schlegels polemischer Poesieen, welche unerreichbare Meisterstücke bleiben, nicht zu gedenken), Dichtungen unter den seinigen vergessen zu haben, deren Tiefe und Gedankenreichthum der höchstmöglichen Formvollendung ganz entspricht. Unser Bürger wußte schon, weshalb er „dem jungen Aar, dessen Flug die Wolken überwinden“ würde, prophetisch zurief:
„Dich zum Dienst des Sonnengott’s zu krönen,
Hielt ich nicht den eignen Kranz zu werth, —
Doch Dir ist ein besserer bescheert!“
I
(Ohne Datum, ohne Auf- und Unterschrift.)16
Freylich kann jeder über mich denken, sagen und schreiben was er will; so lange ich es nicht erfahre und keine nachtheilige Wirkungen davon auf mich zurückfallen, gehts mich nichts an. Wenn aber jemand ein ungünstiges Urtheil über mich gefällt und mitgetheilt hat, wovon ich Wirkungen erfahre, so sehe ich nicht, daß es ein Eingriff in seine Rechte wäre, ihn darüber zu fragen, da er ja immer die Freyheit hat, mir eine Antwort zu verweigern, wenn er die Frage für ungebührlich hält. Selbst die Absicht, mit welcher ein solches Urtheil mitgetheilt seyn möchte, würde den Fall nicht verändern, wie mich däucht – wenn jemand mein Zutrauen mit freundschaftlicher Theilnahme aufnimmt, so bin ich ihm vielen Dank dafür schuldig, aber die Verbindlichkeit, die er mir dadurch auflegt, giebt ihm kein Recht zu richterlichem Ansehen über mich. – Ich habe mich in der Vermuthung, die zu meiner Frage Veranlassung gab, geirrt, und bitte in dieser Rücksicht um Verzeihung. – Was den Ton, die Manier, den Ausdruck betrifft, womit ich etwas sage, so bin ich eben nicht gewohnt, mich darüber zur Rechenschaft ziehn zu lassen. Es thut mir leid, wenn Sie damit unzufrieden sind, aber ich habe keine Antwort darauf. – Wenn ein Mann von Ehre sich von mir beleidigt hält, und ich kein Unrecht von meiner Seite anerkenne, so muß ich ihn den Weg zur Ausgleichung selbst wählen lassen. —
II
Jena, den 11ten Dec.(Ohne Jahreszahl.)
Es ist schön, daß unsre Briefe einander auf halbem Wege entgegen gekommen sind. Die Correspondenz ist also nun förmlich eingerichtet, bis zur persönlichen Bekanntschaft, auf die ich mich lebhaft freue.
Haben Sie Dank für die übersandten Volksmährchen, sie haben mir eine sehr angenehme Lectüre gewährt, es verdrießt mich nun noch mehr, daß sie ein Andrer, wie mir däucht, nicht mit sonderlicher Einsicht, beurtheilt hat, und ich sinne darauf, wie diese Versäumniß wieder gut zu machen wäre. Ihr Don Quixote soll mir gewiß nicht entgehen; ich bin überzeugt, daß es Ihnen damit sehr gelingen wird, da Sie die darstellende Prosa so in Ihrer Gewalt haben. Der Don Quixote ist vielleicht unter allen Romanen vor W. Meister derjenige, der am meisten von dem epischen Numerus hat, worüber ich in der Beurtheilung von Hermann und Dorothea einiges gesagt. Die vielen spanischen Participien werden Ihnen einige Noth machen; ich denke, sie müssen in den meisten Fällen in direkte Sätze aufgelöst werden, so daß ungefähr eine so leichte Wortfolge und Structur, wie im W. M., bei gleicher Fülle, heraus käme.
Ihr Prolog unter den Volksmährchen ist ein allerliebster Einfall, und voll von allerliebsten Einfällen. In dem blonden Ekbert fand ich ganz die Erzählungsweise Göthes in seinem Mährchen, im W. M. u. s. w. Sie haben sich diesen reizenden Ueberfluß bei gleicher Klarheit und Mäßigung auf eine Art angeeignet, die nicht bloß ein tiefes und glückliches Studium, sondern ursprüngliche Verwandtschaft der Geister verräth. So auch mit den Liedern. Man hätte mich mit einigen davon täuschen können, sie wären von Göthe. Seltner glaubte ich darin einen von den zerstreuten Zauberklängen in Shaksp.’s Liedern zu hören. Ueberhaupt würde man, wie mir däucht, Ihre innige Vertrautheit mit diesem Dichter weniger vermuthen. Vielleicht kommt es nur daher, weil Sie noch nichts in Sh.s Form dramatisirt haben. Ein romantisch komisches Schauspiel, der ernsthafte Theil in fünffüßigen Jamben, auch wohl mit untermischten Reimen, nur der komische Dialog in Prosa, das müßte Ihnen herrlich gelingen. Ich glaube, Sie müssen bei Ihren nächsten Dichtungen hauptsächlich darauf achten, Ihre Kraft zu einer recht entschiedenen Wirkung zu konzentriren, und vielleicht ist selbst die äußere Schwierigkeit hierzu ein Mittel.
Den Lovell lese ich mit großem Interesse, doch scheint mir von ihm bis zu einigen der Volksmährchen noch ein großer Schritt zu sein.
Im Berneck und der schönen Magelone finde ich noch einige Erinnerungen an die frühere Manier. Jener hat mich überhaupt am wenigsten befriedigt. In der Magelone wurde mir die Schwierigkeit sichtbar, schwärmerische Regungen der Liebe in einem alten Kostüm ohne moderne Einmischungen darzustellen. Doch sind die Lieder allerliebst, und auch einige Stellen der Erzählung, z. B. den Traum S. 185, 186 könnte Göthe eben so geschrieben haben. Sie verzeihen, theuerster Freund, daß ich Ihnen mein Urtheil so unbefangen sage, als ob wir schon Jahre lang mit einander umgegangen wären. Lassen Sie mich doch auch einmal Ihre Meinung über meine Gedichte im Almanach erfahren, wenn es Ihnen nicht mühselig ist, und Sie es in der Kürze können.
Auf Ihre Briefe über Shakespeare bin ich sehr begierig. Wie sind Sie mit meinem Aufsatze über Romeo zufrieden gewesen? Ich hoffe, Sie werden in Ihrer Schrift unter anderm beweisen, Sh. sei kein Engländer gewesen. Wie kam er nur unter die frostigen, stupiden Seelen auf dieser brutalen Insel? Freilich müssen sie damals noch mehr menschliches Gefühl und Dichtersinn gehabt haben, als jetzt. Ihre beiden Conjecturen im Sturm leuchten mir sehr ein, doch weiß ich nicht, ob ich sie in die Uebersetzung aufnehmen darf – es würde eine Note fordern, und ich mache keine Noten. – Die Englischen Kritiker verstehen sich gar nicht auf Sh. – ich will Ihnen ein Beispiel einer schlechten Conjectur von Malone geben, der doch sonst für den besten gilt, und auch, wo es bloß auf das diplomatische Vergleichen und Auftreiben veralteter Redensarten ankommt, wirklich ist. Die Stelle ist in What you will, in meiner Uebersetzung S. 197.
She took the ring of me: I’ll none of it. Hier will Malone nach me ein Fragezeichen setzen: Sie sollte den Ring von mir genommen haben? Der dumme Mensch kann nämlich nicht begreifen, daß Viola Gegenwart des Geistes genug hat, um in Olivias Erfindung hinein zu gehen, und sie nicht gegen den Malvolio Lügen zu strafen. – So ist im Romeo eine Stelle, über die sich Johnson den Kopf zerbricht, obgleich nichts leichter zu verstehen ist. Es wäre rühmlich für unsre Nation, wenn wir einmal eine kritische Ausgabe des Engl. Sh.’s bekämen, welche den in England erschienenen vorzuziehen wäre. Nicht selten wünschte ich Sie über einzelne Stellen Sh-s befragen zu können, ob Sie sie eben so wie ich verstehen?
Leben Sie recht wohl.
Ihr ergebensterA. W. Schlegel.
III
Jena, den 30. Nov. 98.
Liebster Tieck!
Sie haben mich durch Ihren freundschaftlichen Brief und durch Ihr Urtheil über meine letzten Gedichte sehr erfreut. Das letzte kann ich Ihnen in Ansehung des Sternbalds noch nicht erwiedern, – ich las den 2ten Band nicht gründlich genug, und muß ihn im Zusammenhang mit dem ersten noch ruhiger erwägen, ein Genuß, den ich jetzt eben bei ein Paar ziemlich freien Tagen vor mir habe. Schicken Sie mir nur den 2ten Theil für Göthe, ich werde ihn bestens besorgen, und Ihnen auch, wenn Sie es wollen, Goethe’s Urtheil mittheilen. Wegen des Shaksp. kann ich nicht unterlassen, Sie ohne Aufhören und ohne alle Gnade zu tribuliren, bis Sie die Recension geliefert haben – mir liegt erstaunlich viel daran. Da Sie die Sache so sehr in Ihrer Gewalt haben, so kann die Verlegenheit bei dem kritischen Geschäft bloß von dem Mangel an Uebung herrühren, und Sie werden es selbst noch in der Folge sehr bequem finden, wenn Sie sich in diese hinein geschrieben haben, und nun nach Belieben mit den Autoren umspringen können. Am Ende rechne ich es Ihnen noch gar als eine Gefälligkeit von mir an, daß ich Ihnen Gelegenheit zu einer Recensirübung gebe? Also die Recension, mein lieber Tieck! Den Maulthierszaum! meinen Maulthierszaum! An Ihrem Zerbino wird jetzt hier gedruckt; ich mache mein Unrecht gegen ihn wieder gut, daß ich ihn in Berlin nicht einmal konnte vorlesen hören, und habe, da die Setzer und Frommann selbst mit Ihrer Hand nicht zum Besten fortkommen können, die letzte Correctur übernommen. Zwei Bogen habe ich schon gehabt, es geht rasch mit dem Druck, und man erwartet wieder Manuscript von Ihnen. Ich habe mich an diesem Anfange schon sehr ergötzt. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen schon einmal den Vorschlag that, einen Spaß-Almanach, aber nur ein einziges Mal, herauszugeben? Wenn Sie Lust dazu haben, wollen wir uns näher verabreden – wir beiden müßten die Hauptsache dabei thun – mein Bruder lieferte uns eine Anzahl witziger Fragmente, – Bernhardi einen Aufsatz – übrigens müßten wir uns an keine Form ausschließend binden – Prosa, Verse, Räsonnement, Erzählung, Parodie, kleine Dramen in Hans Sachsischer Manier, Epigramme in Distichen u. s. w. – Mir sind eigentlich schon von einem Buchhändler Vorschläge geschehen, bei dem ich wieder anfragen könnte.
Sollte er nicht wollen, so schlügen wir es etwa Unger vor, der ja mancherlei Kalender herausgiebt.
Falk’s Taschenbuch vom nächsten Jahr ist noch nicht da – ich glaube doch nicht, daß es sich lange mehr halten kann.
Von wem sind denn die Schattenspiele, die in B. herauskommen?
Was macht Ihr Don Quixote? Vergessen Sie ihn ja nicht.
Meine Frau läßt sich für den alten Phantasus schönstens bedanken, der ihr unendlich viel Vergnügen gemacht hat, – überhaupt für die vielen reizenden Liederchen.
Grüßen Sie Ihre liebe Frau von mir und Bernhardi.
Ganz IhrA. W. Schlegel.
IV
Jena, d. 16. Aug. 99.
Es hat uns gefreut, ein Zeichen des Lebens von Dir selbst zu erhalten; von Deiner Ankunft in Giebichenstein hatte uns Hardenberg schon benachrichtigt.
Ich will Dir nur gestehen, daß ich über Dein Schweigen schon ein wenig ergrimmt gewesen, und daß Du etwas sehr schönes dadurch versäumt hast. Nämlich gleich nach Deiner Abreise verfiel ich auf’s Dichten, und habe eine Anzahl Sonette und eine Canzonetten zu Stande gebracht. Dies wollte ich Dir zuerst schicken, um sie dann an Friedrich zu übermachen; nun habe ich die Abschrift in meinem Zorn an diesen gesandt, und Du bekommst sie nicht eher zu sehn, als bis Du mir die in Fischartschen Ausdrücken angekündigte Rezension schickst, d. h. auf Skt. Nimmerstag.
Gut, daß nur endlich der erste Band der Dichtungen fertig ist, und Zerbino seine Reise nach dem schlechten Geschmack, ich meine: unter das Publikum, bald antreten kann. Es ist eben gut, daß er zugleich mit dem neuesten Athenäum kommt, das ich nun endlich auch habe, und in der That sehr ergötzlich finde. Wie Friedrich meldet, hat der lit. Reichsanzeiger in B. große Sensation gemacht, und von den beleidigten Parteien sich schon viel Zetermordio dagegen erhoben.
Caroline hat eine solche Angst vor den Folgen, daß sie noch nicht gewagt hat, hinein zu gucken, und überall wo sie es nur von ferne liegen sieht, die Hände über den Kopf zusammen schlägt. Man muß sehen, ob man vermittelst dieses Motivs noch am Ende durchdringt und die Fortsetzung des Athenäums möglich macht. Frölich hat sich die Sache auch nicht zweimal sagen lassen, und gleich die Fortsetzung der anstößigen Rubriken gemeldet. Es wäre artig, wenn am Ende unsre schönen ernsthaften Sachen auf Unkosten der Teufeleien leben müßten. Da ich diesmal fast alles gemacht habe, so kann ich für’s erste auf meinen Lorbeern ruhn, und Alles von Euch erwarten.
Bernhardi hat sich zu Verschiednem angeboten, und Du wirst Dich hoffentlich auch nicht lumpen lassen, wenn Du bedenkst, daß Teufeleien die zärtlichste Art sind, mir Liebe zu beweisen, ja noch zärtlicher, als durch Rezensionen. Thu aber bald dazu – ich wünschte sehr, daß das nächste Stück noch auf Michaelis erschiene, und wenn Du etwas ausheckst, so schick’ es mir zuvörderst zu.
Ich wäre etwa in der Stimmung, noch mancherlei zu dichten, wenn ich nicht an den verwünschten Richard den II. müßte, in den ich gar nicht hinein kommen kann, weil ich durch die vielen Zerstreuungen ganz verwildert bin. Die Sonette gehören, unter uns, zu dem besten, was ich noch je gemacht habe. Ich bin nun sehr begierig auf Deine Genoveva. Bleibe ja bei dem Entschlusse, erst wenn sie fertig, den Druck anfangen zu lassen.
Goethe ist immer noch in W. —
Meine Verwandten, die hinüber gereist sind, haben ihn in sehr guter Laune getroffen und gesprochen. Was er zum Athenäum sagt, weiß ich noch nicht, – ich habe es ihm erst heute geschickt.
Lebe wohl – viele herzliche Grüße von allen an Dich und Deine liebe Frau.
Höre, ich werde mir ein Sonett von Dir zum Geschenk ausbitten. Ich habe in dem alten auf die Cleopatra die Terzinen zurecht gerückt, das auf die Leda aus meinem eignen Italiänischen übersetzt, und möchte nun noch einen Pendant auf die Io von Correggio dazu haben, die Du wohl aus dem englischen Kupferstiche kennen wirst.
Du mußt dies aber ein wenig strenge arbeiten, damit man es wirklich für mein Werk halten kann. – Vielleicht schicke ich von diesen beiden eine Abschrift noch mit – es sind die beiden einzigen, die ich Friedrich noch nicht mitgeschickt!
Lebe nochmals wohl.
DeinA. W. S.
Wenn Du eine Gelegenheit weißt, Schellings Schrift früher nach B. an Friedrich ohne Kosten zu befördern, als Du selbst hingehst, so thu es doch. Er verlangt sehr danach.
V
Bamberg, d. 14. Sept. 1800.
Habe Dank für Deinen innigen freundschaftlichen Brief, der mir wohlthätige Thränen entlockt hat. Freilich bin ich jetzt leichter zu rühren, als je: es ist, als hätte ich alle meine Thränen hierauf gespart, und manchmal habe ich ein Gefühl gehabt, als sollte ich ganz in Thränen aufgelöst werden. Wenn die geliebten Wesen in unsern Gesinnungen leben, wie Du sagst, so hätte Auguste nie mehr gelebt, als jetzt; ich wußte zwar, daß ich sie sehr liebte, aber ihr Tod hat alle noch verborgene Liebe ans Licht gerufen. Um das schmerzlich süße Andenken zu nähren, ist noch ein Bild von ihr vorhanden, zwar vor beinah zwei Jahren gemalt, aber doch ähnlich. Vor Kurzem haben wir für’s erste eine Zeichnung darnach bekommen; mit einem leisen Heiligenschein umgeben, steht sie auf meinem Zimmer, und wird stündlich von mir betrachtet und angebetet.
Caroline dankt herzlich für Eure Theilnahme. Sie hatte vor ein paar Wochen eine Unpäßlichkeit, die ihre Kräfte gleich wieder völlig erschöpfte, jetzt ist es besser, doch wird sie schwerlich ihre volle Gesundheit wieder bekommen. Wie ist es möglich bei diesem Gram, der sie oft halbe Nächte wach und weinend erhält.
Du hast mich sehr dadurch verbunden, daß Du gleich an Deinen Bruder geschrieben. Zwar muß ich beinah die Hoffnung aufgeben, daß er nach Deutschland kommen und die Arbeit des Monuments über sich nehmen wird. Denn nicht lange, nachdem ich den Brief an Dich abgeschickt, erhielt ich über Jena einen von ihm, als Antwort auf den, vorigen Winter, bei Dir eingelegten, worin er äußert, daß er auf den Winter schon nach Italien zu gehen hofft. Indessen, wer weiß, ob er sich nicht bei der ungewissen Aussicht auf den Frieden und den unruhigen Zeiten, noch entschließt, seinen Plan zu verändern, und Gesellschaft mit Humboldts macht, um den Winter mit Dir und andern Freunden in B. zuzubringen? Es wäre herrlich.
Auf jeden Fall kann es nicht schaden, daß Du ihm geschrieben, denn es ist sein Auftrag an mich, Dich zu mahnen. Wenn er nun auch den Vorschlag wegen des Sarkophags nicht eingehen kann, so hat er doch bei Gelegenheit einige Nachricht von Deinem Thun und Treiben bekommen. Ich selbst habe ihm noch nicht antworten können, weil er mir seine Addresse nicht meldet, die Du nicht vergessen wirst, Deinem nächsten Briefe beizufügen.
Auf den Fall, daß Dein Bruder nicht zurück kommt, habe ich bei Schadow vorläufig anfragen lassen. Will oder kann dieser nicht, oder ist zu übertrieben in seinem Preise, so werde ich Goethe erst zu Rathe ziehn, an wen ich mich am beßten wenden könnte. Vielleicht an Dannecker in Stuttgart? Freilich wäre ich gern gegenwärtig bei dem Entwurfe. – Ob es mir erlaubt wird, das Denkmal in den Brunnenspatziergang an die schöne Stelle, die ich ausgewählt, zu setzen, darüber habe ich bei den unruhigen Kriegszeiten noch keine Entscheidung erhalten können. Die Sache liegt mir sehr am Herzen, und die Kosten werden wir nicht dabei sparen – eine beträchtliche Summe ist schon dafür bestimmt. Nun von unsern literarischen Beschäftigungen und Planen. Cotta schreibt mir: ich möchte wegen des poetischen Taschenbuchs das Grundhonorar selbst bestimmen, er wollte darnach die Anzahl des hierzu erforderlichen Absatzes reguliren; welches mir ganz billig scheint. Ich werde nun 60 Lsd. vorschlagen, so kommt doch, wenn wir 12 Bogen 12º à 24 pag. (also 288–300 S.) rechnen, auf den Bogen 5 Lsd. – Freilich werden wir alle Beiträge honoriren müssen, da wir schwerlich andre aufnehmen, als von Friedrich, Hardenberg und Schelling. Alle drei haben mir die besten Besprechungen gemacht. Spare von nun an doch alle Deine Gedichte, die nicht in größere Compositionen gehören, dafür auf. Es hat mich schon geängstigt, als ich hörte, daß Du an Friedrich 20 Sonette für das poetische Journal geschickt. Gesehen habe ich dieses noch nicht, wie wohl mir schon vor einiger Zeit geschrieben ward, es sei fertig gedruckt. Ich erwarte es posttäglich mit der größten Begierde.
Ich für mein Theil bestimme alles, was ich von jetzt an dichte, für das Taschenbuch, und habe mancherlei Ideen und Plane. – Ueber den Gegenstand meiner Trauer ist erst ein Lied und ein Sonett entstanden, ich habe nicht Ruhe und Muße gehabt, es wird aber eine ganze Reihe werden. Auch andre ernsthafte Sachen habe ich vor, vielleicht vom Legendenwesen.
Ich weiß nicht, ob ich Dir schon geschrieben, daß ich nach Deiner Abreise von Jena eine Burleske, oder vielmehr eine Composition und Sammlung von Burlesken angefangen, auf Kotzebue’s Siberische Verhaftung und Reise. Ich habe es seitdem hingelegt, weil ich natürlich keine Stimmung dazu hatte.
Das Ding muß grade herauskommen, wenn er nach Deutschland zurückkehrt. Nun heißt es in der neuesten Allgem. Zeitung, er sei immer noch gefangen in Schlüsselburg.
Sollte sich also seine Freilassung so lange verzögern, so könnte ich mich wohl entschließen, die Sachen, versteht sich, unter der besondern Rubrik: „Ehrenpforte und Triumphbogen für den Theaterpräsidenten von Kotzebue bei seiner Rückkehr in das Vaterland der Plattheit,“ in das Taschenbuch zu geben, welches dadurch unstreitig großen éclat machen würde. Fertig sind 6 Sonette, einige Epigramme in Distichen, ein componibles Lied und eine Romanze. Nun sollten noch Sonette und Epigramme, eine epistolarische Reisebeschreibung in Terzinen, und ein ganz kleines Dramolet hinzukommen. – Es muß, versteht sich, vorher nichts davon verlauten.
Schelling giebt uns gewiß manches, für’s Erste die letzten Worte des Pfarrers &c. und dann vermuthlich einige Lieder. Er würde wohl mehr dichten, wenn er jetzt nicht viel Zeit durch Kränklichheit verlöre. Er hat letzthin einen Gesang aus Dante’s Paradies ganz durch in Terzinen übersetzt, den er erst noch durchbessern, und Dir dann für das Journal anbieten wollte. Ich könnte allenfalls eine Anmerkung über den Dante und die Weise ihn zu übersetzen, dazu geben. —
So viel vom Taschenbuch. Mit dem andern Project, dem kritischen Institut, ist es auch in Richtigkeit. – Cotta nimmt es in Verlag, und zahlt 3 Lsd. für den Bogen. Mit Anfang 1801 soll es erscheinen. Es wäre schon eine vorläufige Ankündigung gedruckt worden, wenn wir nicht noch mit Fichte in allerlei Unterhandlungen wären, und auf seinen Entschluß warteten, ob er die Redaction gemeinschaftlich mit mir übernehmen will.
Dir den ganzen Verlauf zu erzählen, wäre zu weitläuftig, Du kannst Dich in Berlin gleich von Schleiermacher davon unterrichten lassen. Der Letzte wird Dir auch den schriftlichen Entwurf der Jahrbücher mittheilen. Ich hoffte, er sollte Dich noch in Berlin treffen, da Du aber nicht mehr da warst, so hielt ich es nicht für nöthig, ihn Dir besonders zu schicken, da ich schon mündlich alles mit Dir durchgesprochen hatte. Denke nun ja mit rechtem Eifer und bald auf Beiträge. Erwarte dabei nicht meine Vorschläge, sondern besinne Dich selbst auf die im Guten oder Ueblen merkwürdigen Erscheinungen, besonders im dramatischen und Romanenfache, die Du übernehmen möchtest, und gieb sie mir an. In der Form, weißt Du, bist Du durchaus nicht gebunden. Ich trage jetzt Schillern die Selbstanzeige seines Wallenstein an, läßt er sich nicht darauf ein, so gebe ich ihn in Deine Hände. Ich werde es Dir baldigst melden, und wünsche sehr, es noch für den ersten Band zu bekommen.
In der Sammlung von Schillers Gedichten sind auch wieder schöne Fehlgriffe, – doch man muß ihm nicht alles auf einmal vorrücken.
Eine Anzeige Deiner romantischen Dichtungen von Dir selbst würde mir und auch gewiß Frommann sehr erwünscht sein. Du klagst mit Recht über die verwünschte Nothwendigkeit, für Geld arbeiten zu müssen. Indessen werden doch die Zeiten allmälig wieder besser, und wenn sich die Jahrbücher und das Taschenbuch im Gange erhalten, wie ich zu Gott hoffe, und wozu wir das unsrige thun wollen, so ist Dir da sowohl für kleinere Gedichte, als kritische Arbeiten ein besseres Honorar gesichert, als Du bisher bekamst. Mit den größern Werken ist mein Rath, sie lieber länger zurück zu halten, als unter ihrem Preis wegzugeben. – Mit den Novellen soll es, wie ich hoffe, auch noch gehen, wenigstens denke ich den Soltau so zugerichtet zu haben, daß er noch vor Ende des Don Quixote völlig den Hals brechen muß. Ich bin hier, besonders in der letzten Zeit recht fleißig gewesen. Heinrich V. ist mir sehr sauer geworden, auch habe ich, so sehr ich das Stück liebe, mit Abneigung daran gearbeitet. Endlich habe ich diesen Stein vom Herzen und Heinrich VI. entschädigt mich durch die Leichtigkeit und Schnelle, womit er von Statten geht. In sechs Tagen sind 2 Acte fertig geworden, und ich denke noch das Ganze von hieraus zu expediren. Alsdann begleite ich Carolinen nach Braunschweig, gehe auch nach Hannover auf einige Tage und so nach Jena zurück. Hier werde ich nun die Arbeiten für die Jahrbücher sogleich vornehmen, und dann vermuthlich in der letzten Hälfte des Winters nach Berlin kommen, wo wir recht viel zusammen leben wollen. Ich sehne mich recht nach unsern Gesprächen und Vorlesungen. Du wirst mich vielleicht in manchen Stücken verändert finden, – es muß natürlich den Sinn mehr von der äußern Welt abziehen, wenn man vor allem mit einem abgeschiedenen Wesen lebt. – Die Flecke auf der ersten Seite sind Spuren von Thränen, – ich erwähne es nicht als eine Seltenheit, – denn diese Libationen auf das Grab des geliebten Mädchens werden sich immer erneuern, diesen Tod werde ich nie aufhören, zu beweinen. Auf die erste Nachricht habe ich geglaubt, wahnsinnig zu werden, – dieser wüthende und empörte Schmerz stellte sich auch bei dem Besuche in (unlesbar) wieder ein. In der mildesten und heitersten Stimmung liegt mir doch die Wehmuth beständig nahe. Lebe recht wohl, mein geliebter Freund, ich grüße Deine Amalie aufs herzlichste und küsse die allerliebste kleine Dorothea. Wenn Du mir von Hamburg aus noch antwortest, so addressire nach Braunschweig beim Professor Wiedemann, sonst nach Jena. Nochmals Adieu.
DeinA. W. S.
Denke Dir, vor einigen Tagen lasen wir ganz zufällig in einer französischen Zeitung, daß der gute Eschen, auf einer Alpenreise, in eine Eisspalte gestürzt und kläglich umgekommen ist. Es hat mich recht gejammert. Er hat mir noch seinen Horaz geschickt mit einem Briefe, den ich erst bekam, wie er schon todt war.
