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Kitabı oku: «Briefe an Ludwig Tieck 3», sayfa 17
II
Breslau, am 28t. Oktober 1826.
Verehrtester Freund!
Ueberbringerin dieser Zeilen ist Madame Brunner, die bei dem hiesigen Theater ein paar Jahre hindurch das Fach einer Bravoursängerin mit vielem und anhaltendem Beifall ausgefüllt hat. Es ist ihr Wunsch, wo möglich in Dresden zu einigen Gastrollen zu gelangen und daß Sie die Güte haben, für dieses Wunsches Erfüllung, so viel Sie vermögen, beizutragen, ist der Zweck dieser lettera – oder vielmehr letterinellina – di raccommandazione, um welche die Künstlerin, die auch eine Virtuosin auf der Geige ist, mich ersucht hat. Doch bedarf ich’s leider! wohl eigentlich selbst Ihnen empfohlen zu sein!
Mit unveränderlicher inniger und ausnehmender Verehrung
IhrtreuergebensterKarl Schall.
III
Breslau, am 17t. März 1827.
Lassen Sie, mein Höchstverehrter, sich den Ueberbringer dieser Zeilen, Herrn Heinrich Romberg, Sohn des trefflichen verstorbenen Andreas auf das angelegentlichste empfehlen. Der sehr ausgezeichnete junge Künstler, der sich durch sein sehr gründlich ausgebildetes und höchst graziöses Violinspiel hier, wie in Berlin, verdienten großen Beifall ergeigt hat, ist Allen, die ihn näher kennen lernten, auch durch sein ganzes anmuthiges und feines Wesen lieb und werth geworden, und so empfiehlt sich dieser Empfohlene freilich selbst besser, als man ihn durch ein Rekommandationsschreiben zu empfehlen vermag. Sein Sie ihm räthlich und thätlich in dem, was er in Dresden bezweckt, nach Vermögen behülflich. Die Musen werden’s Ihnen lohnen!
Für wie so Vieles aus Ihrem reichen Geistesschatz der Lesewelt Gegönnte, hab’ ich Ihnen wieder zu danken!! Das soll und muß ausführlich geschehen, noch ehe der März uns in den April schickt. Bis dahin und immer, mit dem Toast Tieck for ever!
Ihrtreuergebenster und Siehöchstverehrenderadmirer friend and servantCharles Sound.
IV
Breslau, am 22. August. (Ohne Jahreszahl.)
Mit der am 19. dieses von hier abgegangenen Fahrpost hab’ ich, unter der Adresse der „Intendanz des Königlichen Hoftheaters zu Dresden,“ eine contradictio in adjecto, i. e. ein Druckmanuskript abgesandt, das ich Ihrer Aufmerksamkeit und Güte, mein Hochverehrter, zu empfehlen wage, obgleich ich einiges Bedenken tragen sollte dies zu thun, wenn ich nämlich bedenke, wie ganz unbeachtet von Ihnen mein vor mehreren Jahren an Sie abgesandtes Lustspiel „Eigene Wahl“ geblieben ist. Nun, es geht mir diesmal wohl glücklicher mit dem Manne, an dessen günstigem Urtheil mir so sehr, sehr viel gelegen ist und den ich so innig verehre wie wenige Lebende, welche Casualzweideutigkeit im doppelten Sinne gilt. Mit der nächsten, am 26., von hier abgehenden Fahrpost, send’ ich Ihnen ein Exemplar des fraglichen Lustspiels zum Privatgebrauch; (möchten Sie es eines vorlesenden werth finden!) Dann schreib’ ich Ihnen mehr als heute und mancherlei von
IhremIhnen höchst und tiefst ergebnenKarl Schall,Eigenthümer und Redakteurder Breslauer Zeitung.
V
Breslau, am 26. August 1832.
Ich weiß nicht ob Sie, Verehrtester, zufällig wissen, daß ich eine ziemlich lange Zeit, (von Anfang April 1830 bis Anfang Juli dieses Jahres), in Berlin gelebt und geliebt habe, wo es mir bei sehr lieben freundschaftlichen Verbindungen sehr wohl und durch arge, ganz ungewöhnlich andauernde Leiden, mit denen ein gar böser Krankheitsdämon, ein chronisches Asthma von der schlimmsten Gattung, mich geplagt, sehr schlecht ergangen ist. Nachdem diese Leiden durch eine höchst glückliche Pillenerfindung meines dortigen, mir sehr befreundeten, Arztes, des Medicinalrath Casper, sich bedeutend verringert, hab’ ich die poetische Feder in starke, fleißige Bewegung gesetzt. Da ist denn mancherlei zu Papiere gebracht worden, darunter das schon neulich erwähnte Lustspiel „Schwert und Spindel,“ wovon Sie nun beiliegend ein Exemplar, ein Ihnen gewidmetes, erhalten. Ein zweites Druckmanuskript, auch ein Lustspiel, wird übermorgen sendungsfertig und soll dann in zwei Exemplaren alsbald nach Dresden an die Direktion Ihrer Bühne und an Sie abgehen. Den Oktober und im Dezember versend’ ich dann noch zwei größere, einen Theaterabend füllende, Lustspiele und ein Roman von mir „die Leute“ wird auch noch im Laufe dieses Jahres der Lesewelt und der Kritik geboten.
Möchte mir für diese Produktionen die Freude Ihres Beifalls zu Theil werden! Es ist keine Schmeichelredensart, sondern die reinste, ehrlichste Wahrheit, wenn ich Sie versichere, daß mir an dem Beifall keines auf Erden lebenden Menschen – ich darf sagen nur halb so viel – gelegen ist, als an dem Ihrigen; doch sollen Sie mir, wenn Sie mir ihn versagen, oder wie Sie ihn bedingen und beschränken müssen, das unumwunden und ehrlich sagen, d. h. schreiben. Nächsten Mittwoch geht das oben erwähnte zweite Lustspiel an Sie ab und wenn Sie es erhalten und gelesen, schreiben Sie mir wohl baldmöglichst – ich bitte schönstens darum – über die beiden Stücke.
Es hat mich freilich, wie ich schon neulich berührte, recht sehr stutzig und unmuthig gemacht, daß Sie, als ich Ihnen vor mehreren Jahren das Lustspiel „Eigene Wahl“ sandte, diese Sendung gar nicht beantworteten und das Stück nicht zur Aufführung brachten. Wenn ich da so las und bedachte, was doch so für Stücke mitunter auf Ihre Bühne gekommen sind, – doch passons là dessus und lassen Sie mich Ihnen in dieser Beziehung nur noch sagen, daß ich doch mindestens gar zu gern gewußt hätte, warum Sie jenes Lustspiel, auf das ich zwar keinen besonderen, aber doch einigen, Werth lege, so ganz ignorirt haben.
Für wie Schönes, Herrliches haben Ihnen im vorigen Jahr alle diejenigen zu danken gehabt, die den ganzen Werth und die mannichfache gediegene Trefflichkeit Ihrer Werke zu fühlen und zu erkennen vermögen! Ich glaube mich zu diesen zählen zu dürfen und habe durch die Mondscheinnovelle und den Novellenkranz Feierstunden des poetischen Genusses gehabt und mir wiederholt, wie man sie, wenn von lebenden Dichtern die Rede ist, nur noch durch Sie erleben kann.
Aber Sie wissen doch, daß nicht nur Robert, mit dem ich, ehe ihn Cholerafurcht und Verletzungen seines Selbstgefühls, des sehr reizbaren, im vorigen Jahre von Berlin nach Baden trieben, sehr viel zusammengelebt, ein todter Dichter ist, sondern auch seine schöne, liebe Frau eine todte Dichterin. Für mich ein paar schwer zu verschmerzende Verluste!
Warum soll ich nicht hier und gegen Sie erwähnen, was Sie vielleicht schon von Friedr. v. Raumer selbst wissen, daß ich nämlich in Berlin mit ihm ganz auseinander gekommen bin.15 – — – — – Das verletzte mich ungemein, und ich mied von da ab den Verletzer. Das war Unrecht von mir, da mir Gelegenheit, mich mit ihm ausgleichend zu besprechen, wiederholt geboten war. Gern hätt’ ich mich vor meiner Abreise von Berlin mit ihm erklärt und versöhnt, das wollt’ ich aber nicht, weil ich eben Schwert und Spindel dem dramaturgischen comité eingereicht, dessen Mitglied, wie Sie wissen, Raumer, ich weiß nicht, soll ich sagen war oder ist. Er sollte nicht glauben, ich wolle seine Zustimmung gewinnen. Das Stück wurde angenommen kurz vor meiner Abreise. Auch das andere, Ihnen mit der nächsten Fahrpost zu sendende, ist nun angenommen, aber der Bericht, der mir das anzeigt, läßt einen comité ganz unerwähnt, und ist von Baron Arnim, dem Schwager Bettinens und sogenanntem Pitt-Arnim, unterzeichnet, der in Graf Rederns Abwesenheit interimistischer Intendant ist und wohl perpetuirlicher werden wird. Der comitè ist oder war eine höchst verkehrte Einrichtung und es hat mich erboßt, daß Raumer sich dazu hergegeben. – — – — Ich kann seinen sich meist sehr vornehm anstellenden dramaturgischen Urtheilen selten ganz beistimmen und finde sie oft, wo er nicht mit Ihren Kälbern pflügt – und auch da durch falsche Anwendung zuweilen – recht verkehrt und persönlich-partheiisch.
Gern möcht’ ich Ihnen einmal über die Berliner Theaterverhältnisse, und über wie vieles Andere und Wichtigere, mein Herz und meinen Geist ausschatten, aber mündlich. Als ich nach Berlin ging (nämlich bei meiner letzten Hinreise) wollt’ ich im Herbst 1830 oder Frühling 1831 einen Abstecher nach Dresden machen, aber diesen festen Vorsatz ließ mein Kranksein nicht zur Ausführung gelangen. Nun, il vaut mieux tard que jamais und deo favente soll das Jahr 1833 nicht vorübergehen, ohne daß mir einer meiner liebsten Erdenwünsche in Erfüllung geht, der nämlich, eine Zeitlang Ihres persönlichen Umgangs, Ihrer Belehrung, Ihres Wohlwollens, das ich mir gegönnt hoffe, mich recht gründlich und innerlich und förderlich zu erfreuen. Nur leidliche Gesundheit, wie ich sie jetzt – Gott sei dafür gepriesen! – genieße. Sie fehle Ihnen, mein innigst Verehrter, nicht und befähige Sie Ihr schönes, helles, magisches Licht noch lange leuchten zu lassen. Ainsi soit-il!
Mit der aufrichtigsten und herzlichsten Verehrung
IhrKarl Schall,Eigenthümer der Breslauer Zeitung.
VI
Breslau, d. 17. Sept. 1832.
Erlauben Sie mir Ihnen, höchstverehrter Freund, in dem Ueberbringer dieses unverwelklichen grünen Blättchens, Herrn Geheimen Regierungsrath und General-Landschafts-Repräsentanten von Kracker, einen meiner ältesten Freunde angelegentlichst zu empfehlen. Er wünscht bei seinem Aufenthalt in Dresden Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen und Sie werden in ihm einen ausgezeichnet wackeren und vielseitig gebildeten und unterrichteten Mann kennen lernen.
Möcht’ ich, wenn Sie diese Zeilen erhalten, schon freundliche Nachricht durch einen Brief von Ihnen bekommen haben!
TreuergebenstK. Schall.
Schenk, Eduard von
Geboren zu Düsseldorf am 10. Oktober 1788, gestorben daselbst am 26. April 1841.
Ein (seit 1831) Staatsminister, der die deutsche Bühne, ohne gerade ein Dichter zu sein wie Kollege Göthe, mit poetischen, wirksamen, überall gern gesehenen Dramen beschenkt hat. – Belisar – die Krone von Cypern – machten ihren Weg über alle größeren Theater, und gaben Künstlern und Künstlerinnen ersten Ranges erwünschte Gelegenheit, die Macht ihrer Darstellungsmittel würdig zu entfalten.
Eine Gesammtausgabe dramatischer Werke erschien von 1829–35 in drei Bänden.
Schenk’s Briefe an Tieck zeigen uns den früheren königl. bayrischen Rath und Studiendirektor, späteren Minister, als einen wahrhaft humanen, ehrenwerthen Menschen. Was in dem Schreiben vom siebenten Julius 1826 über den Einfluß eines Mannes wie Tieck auf akademisch-geistiges Leben, was darin über die Stellung des Dichters gesagt ist, der wenn er gleich keine Brodt- und Fach-Kollegia halten, doch schon durch seine Persönlichkeit segensreich wirken könnte… das sollte man recht vielen Curatoren und hohen Senaten deutscher Universitäten zu geneigter Beherzigung empfehlen, wofern sich Mittel und Wege finden ließen, es ihnen zu insinuiren! – Doch wer dringt durch schußfeste, von dicken Büchern ringsum aufgebaute Mauern?
I
München, den 7. Julius 1826.
Unvergeßlich sind mir die Stunden, verehrungswürdigster Herr Hofrath, die ich während Ihres lezten, nur zu kurzen Aufenthaltes zu München in Ihrer Gesellschaft zubrachte. Sie gestatteten dem Manne, der vor 16 Jahren als Jüngling den gefeyerten Dichter nur schüchtern schweigend aus ehrerbietiger Entfernung bewundert hatte, Ihnen zu nahen, sich mit Ihnen über die anziehendsten Gegenstände der Literatur und Kunst wie über die heiligsten Angelegenheiten der Menschheit traulich zu besprechen, und Sie selbst schienen sich mit Wohlwollen zu ihm herab zu neigen. Diese schöne Erinnerung geht mir jezt lebhafter als je durch die Seele; sie erhöht das freudige Gefühl, welches die Veranlassung meines Schreibens an Sie in mir erregen mußte. – Doch zur Sache!
Es ist Ihnen ohne Zweifel aus öffentlichen Blättern bekannt, daß der König, mein allergnädigster Herr, die Versezung der Universität von Landshut nach München beschloßen hat, daß diese Versezung schon im nächsten Wintersemester stattfinden wird und daß in den Kreis der würdigen Männer des Inlandes, die zu Mitgliedern der neuen Universität bereits bestimmt sind, auch einige ausgezeichnete Gelehrte des Auslandes oder vielmehr des übrigen Deutschlands eingeladen werden sollen. In die Zahl dieser Männer hat nun des Königs Majestät auch Sie, verehrtester Herr Hofrath, eingeschlossen und mir den äußerst angenehmen Auftrag ertheilt, Ihnen diese Einladung mit der Bitte zu eröffnen, mir vorläufig gefälligst die Bedingungen mittheilen zu wollen, unter welchen Sie diesen Ruf, – im Falle Sie überhaupt Ihre gegenwärtigen Verhältniße in Dresden zu verlaßen geneigt sind, – annehmen würden.
Die Gegenstände, über welche Sie an der hiesigen Universität Vorlesungen halten würden, sind ganz Ihrer eigenen Wahl überlaßen. Weit entfernt, Ihre akademische Wirksamkeit auf den engen, systematisch gezogenen Kreis gewöhnlicher Collegien beschränken zu wollen, lebt vielmehr der König der Ueberzeugung, daß ein Mann, wie Ludwig Tieck, durch seine Persönlichkeit, durch seine freyesten Vorträge und Gespräche, selbst durch die Würde und Anmuth seines geselligen Umganges mehr wirken und anregen könne, als Andere durch die ausführlichsten und ausholendsten Vorlesungen über Aesthetik, Literatur-Geschichte u. s. w. Wählen Sie aus dem umfaßenden Gebiete Ihrer Forschungen einzelne Theile, lesen Sie über Shakespear, Dante, Calderon oder lesen Sie einzelne Werke dieser großen Dichter nur vor und es wird sich ein liebevoller Kreis jugendlicher Zuhörer begierig um Sie sammeln und er wird durch diese ewigen Muster – so vorgetragen und so erläutert, – wahre Kunst und wahre Schönheit kennen lernen.
Ich brauche Ihnen nicht erst anzuführen, mit welcher begeisterten Liebe Sie von Ihren hiesigen Freunden werden aufgenommen werden, – aber das muß ich beyfügen, daß außer Ihnen auch noch einige andere treffliche Männer, und unter diesen Ihr Freund Raumer in Berlin zu der hiesigen Universität eingeladen sind. Es würden sich also in München Ihre in Deutschland zerstreuten Freunde um Sie sammeln.
Wegen des Gehaltes bitte ich Sie, mir Ihre Wünsche gefälligst zu eröffnen. Auch wird es Ihnen hier an Muße nicht fehlen, uns fortwährend durch neue Hervorbringungen Ihres Genius zu erfreuen. —
Indem ich schließe, wage ich die Bitte, mich dem Herrn von Lüttichau, Ihrem verehrten Freunde, vielmal zu empfehlen und ihm vorläufig zu melden, daß ich ihm das Manuscript des Belisar, welches er zur Einsicht verlangt hat, demnächst übersenden werde.
Mit innigster Verehrung
Ew. Wohlgebohrn
gehorsamsterE. Schenk,Ministerial-Rath und Vorstandder Kirchen- und Studien-Sektion.
II
München, den 6. Jänner 1828.
Ihren Brief vom 12. November v. J., – mein hochverehrter Freund, – hat mir Baron von Freyberg überbracht und wenn ich Ihnen meine Freude darüber, meinen Dank dafür nicht sogleich schriftlich ausdrückte, so bitte ich Sie, die Schuld dieser Säumniß nur meinen, während der gegenwärtigen Versammlung unserer Stände noch vermehrten Berufs-Geschäften zuzurechnen. – Von meinen Empfindungen für Sie sind Sie gewiß überzeugt; die Gefühle der höchsten Verehrung, ich darf sagen, der innigsten Liebe für Sie sind durch das mir zu Theil gewordene Glück Ihrer persönlichen Bekanntschaft wohl erhöht, aber nicht erst hervorgerufen worden; schon vor zwanzig Jahren entstanden sie in der Brust des 18jährigen Jünglings und innig hatte ich mich darauf gefreut, Ihnen jene Gefühle in München als einem der herrlichsten Mitglieder unserer wissenschaftlichen Anstalten besthätigen zu können.
Diese Hoffnung ist nun verschwunden und was mich am meisten betrübt ist das Hinderniß selbst, welches sich Ihrer Uebersiedelung nach München entgegenstellte, – nämlich der schwankende Zustand Ihrer Gesundheit. Möge sich diese dauernd stärken und Ihnen vielleicht später die Erfüllung unseres lebhaften Wunsches, Sie hier zu besitzen, möglich machen. In jedem Falle aber, – Sie mögen Sachsen oder Bayern angehören, – bitte ich Sie um die Fortdauer Ihres Wohlwollens und um die Erlaubniß, mich mit Ihnen zuweilen schriftlich unterhalten, Sie um Rath und Belehrung ersuchen zu dürfen. —
Daß ich Sie um diesen Rath in Beziehung auf Belisar nicht vor dem Hervortreten dieses Stückes auf die deutschen Bühnen gebeten, geschah aus einer vielleicht grundlosen Schüchternheit, aus vielleicht zu weit getriebener Bescheidenheit; ich legte auf das Werk, obgleich ich mir meines ernsten, aufrichtigen Wollens und Strebens bewußt war, in objektiver Hinsicht keinen bedeutenden Werth, ich wollte nur sehen, ob jenes Streben bey meinen Mitbürgern Anerkennung finde und wagte, aufgemuntert von einigen Freunden und von unserm Könige, die Darstellung des Stücks auf der hiesigen Bühne. Der glückliche Erfolg täuschte oder verblendete mich nicht, denn ich sah weit geringere Produkte mit demselben Beyfall belohnt. Noch weniger Eindruck machten auf mich die darüber laut gewordenen Stimmen der öffentlichen Blätter, denn weder Lob noch Tadel traf den rechten Punkt und hielt das rechte Maaß. Dazu kam der Drang der Berufs-Geschäfte, die meine Gedanken von diesem Gegenstand ganz ablenkten, so daß ich selbst die Briefe der verschiedenen Theaterdirektionen, die das Stück zu besitzen wünschten, nur spät beantwortete.
Um so mehr haben die wenigen Bemerkungen, die Sie, mein verehrtester Freund, mir über Belisar mitzutheilen die Güte hatten, mich erfreuen, ja mich begeistern müssen. Ein Wort der Anerkennung meines Strebens aus Ihrem Munde gilt mir mehr als alles Lob aller deutschen Tageblätter zusammengenommen und Ihr Tadel erhebt mich, weil er mich belehrt und weiter bringt. Ihre Bemerkung, daß die Handlung in den lezten Akten vernachläßigt sey, trifft den Nagel auf den Kopf; ich wußte lange Zeit nicht, was ich aus dem lezten Akt, – in dem mir gleich Anfangs blos die lezte Scene, der Tod Belisars, klar vor der Seele stand, machen sollte und habe denselben zweymal umarbeiten müssen. Es ist unvermeidlich, daß man diese Verlegenheit dem Stücke ansehe. Die Scene der Antonina in diesem lezten Akt ist eine offenbare Nachahmung jener herrlichen Scene der Kaiserin Mutter in Ihrem Octavian, den ich während der Universitäts-Jahre beynahe auswendig gelernt hatte. Auch fürchte ich, daß man der Diktion die ängstliche Feile zu sehr ansieht; die Regellosigkeit der Trochäen unserer beyden berühmtesten Schicksals-Tragödien, Schuld und Ahnfrau, vermeidend und die geregelte Form der spanischen Redondillen und Assonanzen streng durchführend, fiel ich in den entgegengesetzten Fehler.
Ihr Wunsch, das Stück in Dresden erst dann geben zu lassen, wenn es dort gut gegeben werden könne, – ein Wunsch, in dem ich den theilnehmenden, wohlwollenden Freund erkenne, ist ohne mein Zuthun und gegen meine, Ihrem trefflichen Pauli ausgedrückte Bitte leider unerfüllt geblieben. Man hat dort den Belisar aufgeführt, ohne einen Belisar zu haben. Doch will ich dieses unangenehme Ereigniß gerne verschmerzen, wenn Sie, mein verehrter Freund, mich nur nicht für mitschuldig an demselben halten. —
Was ich seitdem gedichtet, ist ziemlich unbedeutend. Ein vor Belisar gedichtetes, allein erst später aufgeführtes Trauerspiel „Henriette von England,“ über dessen Werth oder Unwerth ich sehr zweifelhaft bin, werde ich Ihnen nächstens mit der Bitte um Ihr aufrichtiges Urtheil zusenden. Die Uebersetzung des Dante schreitet nur langsam vorwärts.
Darf auch ich eine Frage an Sie wagen, mein geliebter Freund? Seit zwey Jahren sehnen wir uns nach der Ausgabe Ihrer Werke, vorzüglich nach der Vollendung Ihres herrlichen Sternbald, – dann nach Ihrer Uebersetzung des Shakespear und hoffen noch immer vergebens. Ihre Cevennen haben uns nach jenen lang erwarteten Schätzen nur noch lüsterner gemacht. Ihre Meisterschaft scheint mit jedem Werke zuzunehmen, obgleich mir Genoveva und Octavian, vielleicht weil es dramatische Werke sind und sich bey mir in die schönsten Erinnerungen meiner Jugend verweben, doch immer die liebsten von Ihren Schöpfungen sind. —
Schelling hat hier ein neues Leben begonnen, reich an Wirksamkeit und Segen. Seine philosophischen Vorlesungen sind von dem glücklichsten Einfluß auf den Geist unserer Hochschule; sie versammeln einen Kreis von 3–400 Zuhörern aus allen Ständen. Uebrigens hat sein philosophisches System erst jezt seine wahre Begründung durch das Christenthum und zwar nicht im rationalistischen, sondern im althergebrachten, buchstäblichen Sinne, genommen.
Mit innigster Verehrung und Liebe
der IhrigeEduard Schenk.
