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Kitabı oku: «Briefe an Ludwig Tieck 3», sayfa 23

Various
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XXVII

Genf, d. 4ten April 1809.

Dein Brief, geliebter Freund, war mir ein sehr werthes Lebens- und Liebeszeichen, und ich begreife kaum, wie ich ihn so lange habe unbeantwortet lassen können. Indessen wird es Dir durch Friedrich und Deine Schwester nicht an Nachrichten von mir gefehlt haben. Was ich diesen Winter von Deiner Gesundheit gehört habe, bekümmert mich; der Winter in Jena wo Du zur Aufheiterung der Andern so viel beytrugest, wiewohl Du selbst so viel littest, ist mir noch lebhaft im Gedächtnisse. Wie mancherley ist seitdem mit uns und in der Welt vorgegangen! Wir sollten uns wirklich einmal wieder irgendwo zusammen finden, um aus dem Herzen darüber zu sprechen.

Solltest Du nach der Schweiz kommen, so wirst Du auf dem Schlosse meiner Freundin bestens aufgenommen seyn. Sie trägt mir auf, Dich zu grüßen. Schon seit langer Zeit hat sie lebhaft gewünscht, Dich kennen zu lernen, wenn es nur irgend eine Sprache giebt, worin ihr euch verständigen könnt. Sie hat fast alles von Dir gelesen, den Sternbald liebt sie am meisten.

Ich danke Dir für die desengaños über unsre ehemaligen Bekannten in Berlin. Deine Berichte scheinen mir nur allzu glaubhaft, auch von andern Seiten ist mir dergleichen zu Ohren gekommen. Es kann mir wohl sehr gleichgültig seyn, was jene in ihrer armseligen und dunkeln Existenz über mich ausbrüten. Nur bedauert man seine verlohrne Auslage an redlichen Gesinnungen. Schütz ist nach seinen Tragödien zu urtheilen ein großer Fratz geworden, die wahnwitzige Eitelkeit richtet solche Menschen zu Grunde. Ueber Fichte bist Du nun selbst besser aufgeklärt, sein Betragen in der Sache Deiner Schwester scheint unverantwortlich zu seyn. Von seinen Schriften will ich nichts sagen, es ist aus mit ihm. Was ist lächerlicher ja lästerlicher als seine Einbildung, das Christenthum wieder herstellen zu wollen, und seit dem Evangelisten Johannes der erste zu seyn, der es versteht? Man ist versucht, ihm seine Reden an die Deutschen des Muthes wegen anzurechnen; allein es ist eine solche Mischung von Zaghaftigkeit, Unwissenheit der Geschichte und Unvernunft darin, daß man sich darüber noch am bittersten betrüben möchte, daß wir keine besseren Propheten haben. – Schleiermacher, der Friedrichen und mir doch manches verdankt, soll sich ebenfalls feindselig betragen. Der einzige dankbare Schüler, den ich gehabt, ist Fouqué.

Auf Deine Uebersetzung von Love’s labours lost bin ich sehr begierig. Du solltest sie doch ja fertig machen und in demselben Format wie die meinige drucken lassen. Ich habe die Uebung in Wortspielen ganz verlohren, und würde sehr verlegen seyn, wie ich dieß Stück übersetzen sollte. Ueberhaupt geht es mir seltsam mit diesem gebenedeyten Shakspeare: ich kann ihn weder aufgeben, noch zum Ende fördern. Indessen hoffe ich diesen Sommer einen großen Ruck zu thun. Richard III. ist fertig, und Heinrich VIII. angefangen. Es ist leicht möglich, daß mir Mad. Unger Deine Arbeit am Shakspeare in einem etwas veränderten Lichte vorgestellt hat, damit es mir ein Antrieb zur Eile werden möchte. Uebrigens klagte sie vor einiger Zeit über Mangel an Nachrichten von Dir, und daß sie von manchem, was Du ihr versprochen, nichts weiter höre. Du hast freylich nicht nur ihr, sondern der Welt überhaupt vieles versprochen. Was wird aus allen Deinen dichterischen Planen? Auch über Shakspeare, über die altdeutschen Gedichte wolltest Du schreiben. Ich gestehe, ich bestellte mir von Dir lieber etwas als über etwas.

Melde mir baldigst, wohin ich Dir den zweyten Band des Spanischen Theaters und den ersten meiner Vorlesungen, die jetzt eben, auf die Messe, erscheinen, schicken lassen soll?

Lebe tausendmal wohl, und behalte mich in gutem Andenken. Dein Bruder wird Dir manches von mir erzählen können.

Unveränderlich Dein
treuer Freund
A. W. S.

XXVIII

Bonn, d. 30sten März 1828.

Nach so langen Jahren der Entfernung muß ich Dich, theurer Freund, doch endlich einmal wieder brüderlich begrüßen. Es war mir sehr Ernst, Dich vorigen Sommer von Berlin aus zu besuchen: ich forderte Deinen Bruder dazu auf; er konnte sich nicht los machen; und so unterblieb es, da mich ohnehin Familien-Verhältnisse ganz den entgegengesetzten Weg nach Hamburg und Hannover hinzogen. Dein Bruder hat herrliche Werke an’s Licht gefördert, und ist immer der alte getreue. Deine Novellen habe ich mit unendlichem Ergötzen gelesen – besonders die Zopfgeschichte – so etwas ist seit dem Don Quixote gar nicht wieder geschrieben.

Das Dichterleben ist hinreißend, es sollte in’s Englische übersetzt werden – farebbe furore! In meinen jetzt gesammelten kritischen Schriften ist von Dir die Rede, zwar kurz, aber ich hoffe, Du wirst zufrieden sein. Meine „Berichtigung einiger Mißdeutungen“ wird Dir nun auch wohl schon vorgekommen sein. Ich habe mich schwer dazu entschlossen, aber das Verhältniß zu Friedrich nöthigte mir diese Erklärung ab. Ich bin mit seinen neueren schriftstellerischen Offenbarungen im höchsten Grade unzufrieden. War’s nicht ein Jammer, daß ein solcher Geist so zu Grunde gegangen ist? Vor allen Dingen ermahne ich Dich, bitte Dich, beschwöre Dich, Deine Cevennen19 zu vollenden. Es ist nicht nur ein hinreißendes Werk, sondern auch in den jetzigen Zeitläufen eine männliche Handlung.

Komm doch einmal an den Rhein, laß Dich von Deinem Bruder mitbringen. Du solltest herzlich willkommen sein, und würdest mich ganz artig eingerichtet finden.

Meine Gesundheit hatte sehr gelitten, hat sich aber wieder befestigt. Fast täglich durchfliege ich die schöne Umgegend auf edlen und muthigen Rossen. Ich bin heiterer, wie je, die alte Neigung zum Scherze ist auch immer da.

Lebe tausendmal wohl und behalte mich in freundschaftlichem Andenken.

Ewig Dein
A. W. v. Schlegel.

XXIX

Bonn, d. 7ten October 1829.
Geliebtester Freund!

Ich empfehle angelegentlich Deiner wohlwollenden Aufnahme Herrn Bildhauer Cauer, einen geistreichen und talentvollen Künstler, der sich einige Jahre bei uns aufgehalten hat. Wir, nämlich Welcker und D’Alton mit mir, hätten ihn gern als Zeichenlehrer hier behalten; allein wir haben es nicht durchsetzen können: und so ist es natürlich, daß er einen Ort verläßt, wo wenig Aufmunterungen und Hülfsmittel für die Kunst vorhanden sind. Ich bin Hrn. Cauer noch besonders verpflichtet wegen der Gefälligkeit, womit er einem armen Knaben, den ich zum Künstler zu erziehen unternommen, sehr schätzbaren Unterricht ertheilt hat.

Lebe mit den Deinigen recht wohl, und behalte mich in freundschaftlichem Andenken.

Ewig der Deinige.
A. W. v. Schlegel.

XXX

Bonn, den 15ten Januar 1830.
Theuerster Freund!

Hier sende ich Dir einige Späße, welche ich Dich bitte mit aller möglichen Discretion anonym in eins der gelesensten Tageblätter zu bringen, deren ja eine Menge in Deiner Nähe erscheint. Hast Du diese erst fein säuberlich angebracht, dann will ich Dir noch einige esoterische, bloß zu Deinem Ergötzen mittheilen.

Den Briefwechsel habe ich erst jetzt gelesen: Du kannst denken, welchen Eindruck er auf mich gemacht hat. Oft habe ich gelacht, oft großes Erbarmen mit beiden gehabt, besonders aber mit dem kranken Uhu Schiller. Daß er nicht bloß auf Friedrich, sondern auch auf mich einen so unversöhnlichen Haß geworfen hatte, war mir doch einigermaßen neu. Mir ist es recht lieb, er ist nun vogelfrei für mich, da mir bisher die Rücksicht auf ein ehemaliges Verhältniß immer noch Zwang anthat. Mit Goethe hatte ich in jener Zeit keine Ursache unzufrieden zu seyn, er benahm sich ganz loyal gegen mich, auch war er viel zu klug, um sich, wie Schiller, zu überreden, wir jungen Leute wären gar nicht da, und würden nie etwas in der Welt bedeuten. Auf Goethe bin ich eigentlich nur deswegen böse, weil er durch Bekanntmachung solcher Erbärmlichkeiten sich und seinen Freund so arg prostituirt. Eine der lustigsten Partien ist die von dem Kunstbavian und die enthusiastische Bewunderung der beiden großen Männer für ihn. Das arme abgeschabte Thier wird nun hier auf den Jahrmarkt gebracht, um genärrt zu werden, nachdem offenkundig geworden, daß es weder zeichnen noch malen, weder sprechen noch schreiben, weder denken noch imaginiren kann. Ich habe etwa 20 Briefe von Schiller und 30 von Goethe. Was meynst Du, soll ich diese nun bei dieser Gelegenheit drucken lassen, und eine kurze Erzählung meiner persönlichen Verhältnisse mit beiden beifügen? Wäre es nicht vielleicht auch gut, die Aufsätze von Friedrich, welche den großen Haß entzündet haben, wieder abdrucken zu lassen? Ich erinnere mich unter andern, daß seine Anzeige der Xenien ein Meisterstück von Witz war. Ich habe deßhalb schon Reichardts Journal „Deutschland“ verschrieben; aber die Frage ist, ob sich noch Exemplare finden? Vielleicht hast Du es selbst, oder findest es in einer Familien-Bibliothek? Laß mich doch wissen.

Was meynst Du überhaupt zu einem neuen Abdruck von Friedrichs jugendlichen Schriften? Was er ausdrücklich verdammt hat z. B. die Lucinde, einige anstößige und wirklich tolle Fragmente &c. muß freilich ungedruckt bleiben: aber es sind so viel andre schöne Sachen, um die es wahrlich Schade wäre. Aus der Sammlung seiner Schriften, wie sie jetzt ist, wird niemand errathen, daß er unendlich viel gesellschaftlichen Witz besaß. Ich habe auch eine Unzahl von Briefen, noch habe ich die Packete nicht geöffnet. Es ließen sich daraus vielleicht sehr interessante Auszüge machen. Kurz, ich hätte Lust, dem früheren Friedrich gegen den spätern ein Denkmal zu setzen.

Schreibe mir bald, und empfiehl mich angelegentlich Deiner lieben Frau, Deinen Töchtern und der edlen und liebenswürdigen Gräfin von Finkenstein. Entschuldige so gut Du kannst, mein sündhaftes Nichtschreiben. Es ist ein Laster, wogegen alle guten Vorsätze nichts helfen. Deine Frau hat mir durch Zusendung Deines Porträts, gezeichnet von Auguste Buttlar, eine große Freude gemacht. Alle Freunde finden es meisterlich getroffen. Ich habe an meine Nichte nach Wien geschrieben, aber seit geraumer Zeit kein Lebenszeichen von ihr empfangen. Ich weiß nicht einmal ihre Adresse in der großen Hauptstadt. Warum verweilt sie immer dort, und wendet sich nicht nach Berlin, überhaupt nach dem Norden von Deutschland? Für Holland und die Niederlande könnte ich ihr sehr nachdrückliche Empfehlungen an die Königin schaffen und geben.

Ich halte jetzt wieder meine Wintervorlesungen für die Damen, die stärker besucht sind als je. Da würdest Du die schönsten Frauen und Mädchen von Bonn beisammen sehen.

Vor einiger Zeit, da ich in einer schlaflosen Nacht Deinen Fortunat las, habe ich, wie ich fürchte, durch mein Lachen alle Nachbarn aufgeweckt. Unser berühmter Arzt, v. Walther, bewundert besonders die Consultation der Aerzte. Bloß wegen der Hörner-Scenen muß ich Dich für einen Wohlthäter der Menschheit erklären.

Ich hecke immer allerlei Späße aus, die in meinem Portefeuille bleiben. Gedruckt sind nur ein paar kritische Vorreden in lateinischer Sprache. Im vorigen Jahre sind zwei starke Bände Indischer Text erschienen, bald ist wieder einer fertig. Du würdest diese Dinge wohl bewundern, wenn sie Dir in einer verständlichen Sprache zugebracht würden, welches denn auch geschehen soll. So eben habe ich Briefe aus Indien. Ich bin zum Mitgliede der literarischen Gesellschaft in Bombay ernannt. Zugleich kündigt mir der Gouverneur, General Malcolm eine Sendung von Manuscripten und andern Asiatischen Antiquitäten an, die auch bereits in London angekommen ist.

Nun lebe recht wohl, grüße Alle, schreibe mir bald und behalte mich lieb. Wenn Du wieder nach Bonn kommst, soll besser für Logis gesorgt seyn, denn ich habe das obere Stockwerk einrichten lassen. Die edlen Rosse stolzieren noch immer vor meinem Wagen.

Mit tausend herzlichen Wünschen

Ganz der Deinige
A. W. v. Schl.

XXXI

Bonn, d. 27. Mai 36.
Geliebtester Freund und Bruder!

Gestern brachte mir Herr Löbell zu meiner großen Freude Deinen Brief. Wir gingen sogleich auf meine Bibliothek, um den fraglichen Theil der Schauspiele des Lope de Vega zu suchen; aber, o Jammer! es fand sich, daß es derselbe sei, den du schon doppelt hast. Barcelona 1630. 4 Parte veynte. La discreta vengança. Locierto per lo dudoso. Pobreza no es vileza. Aranco domado etc. etc. Aus Verdruß, Dir nichts angenehmes schicken zu können, möchte ich Dir nun dieses dritte Exemplar zu Deinen zweien persönlich an den Kopf werfen, wozu Du mir hoffentlich Gelegenheit schaffen wirst.

Mit den Blumensträußen ist es leider eben so. Ich habe nur ein einziges Exemplar auf Velin, nicht einmal ein gewöhnliches, zum Behuf des Setzers, bei einem etwanigen neuen Druck. Ich begreife es aber nicht recht. Reimer lamentirte ja immer so, es habe wenig Absatz gefunden. Hat er etwa alles zu Maculatur gemacht? Unser gemeinschaftlicher Musenalmanach ist eine große Seltenheit geworden: mein wieder ergattertes Exemplar halt ich unter Schloß und Riegel. Das Athenäum ist vergriffen, die Charakteristiken und Kritiken vergriffen, mein Calderon vergriffen. Auch meine französische Schrift über die Phädra des Racine ist, wie mich ein von Paris kommender Italiener versichert, dort nicht aufzutreiben.

Wenn du die Kur in Baden gebrauchst, so führe doch ja Deinen Vorsatz aus, hierher zu kommen. Durch die erweiterte Dampfschifffahrt ist ja alles näher gerückt, man kommt den Rhein mit Blitzesschnelle hinunter. Von Mainz ist man zeitig den Nachmittag hier. Komm nur ja. Ich kann der Gräfin Finkenstein, Dir und Deiner Tochter recht hübsch eingerichtete Zimmer einräumen, da ich jetzt ganz allein mein Haus bewohne. Aber nur drei Tage, mein Freund, das wäre in der That nicht vernünftig. Richte Dich gleich wenigstens auf acht Tage ein. Den Rückweg kannst Du dann auf dem Rhein bis Mainz und über Frankfurt nehmen, oder auch nur bis Coblenz und dann quer über nach Cassel. Es ist wahrlich kein großer Umweg. Melde mir nur recht bald, ob Deine Reise nach Baden stattfindet, und von dort aus, wann ich Euren Besuch zu erwarten habe. Zu allem, was das Haus vermag, sollt Ihr bestens willkommen sein.

Ich bin sehr erfreut, daß die Nachrichten von Deiner Gesundheit einigermaßen günstig lauten. Oft habe ich Deine Geduld, Deine gute Laune und heitre Thätigkeit bei so vielen körperlichen Beschwerden bewundert. Wenn es nur mit Deiner lieben Frau besser stände! Grüße sie herzlich von mir, so wie Deine Töchter und die edle Gräfin. Löbell will dieses einschließen: um seine Antwort nicht zu verzögern, verspare ich alles übrige auf einen zweiten Brief. Mit unveränderlicher Liebe

Dein
A. W. Schlegel.

XXXII

Bonn, d. 2. Jun. 36.
Geliebtester Freund!

Ich gab an Löbell eine kleine Einlage, um meine Antwort ja nicht zu verzögern. Jetzt versichre ich Dich von neuem, daß mir dein Besuch unendlich willkommen sein, und daß Dein und Deiner beiden Reisegefährtinnen Empfang mir nicht die mindeste Unbequemlichkeit verursachen wird.

Löbell hat die artig eingerichteten Zimmer im obern Stock gesehn. Deine Schlafzimmer kennst Du; der Keller ist ziemlich gut besetzt, die Kalesche ist auch noch da. Es casa vuestra, Sennor.

Du sagst, ich halte mich tapfer. Ich bestrebe mich freilich. Diesen Frühling reite ich sogar wieder. Abends bei hellem Kerzenlicht, sauber geputzt und mit meinen Orden = pompons angethan, in der neuesten, noch nicht fuchsig gewordenen Perücke bringe ich noch eine leidliche Decoration heraus. Schöne Damen sagen mir, ich müsse wohl ein Geheimniß besitzen, um mich immerfort zu verjüngen. Aber die Pflege des Leibes nimmt Zeit weg. Dazu bedarf ich viel Schlaf und zu ungelegenen Stunden. Dies artet zuweilen in das Murmelthierische aus. Sei aber nur nicht bange vor meiner Schlafmützigkeit. Wenn ich wach bin, so bin ich es recht, besonders wenn eine geistige Anregung hinzukommt, und an guten Späßen soll es nicht fehlen.

Du hast Recht: ich hätte längst Dich in Dresden besuchen sollen, wiewohl sich an diesen Ort traurige Erinnerungen für mich geknüpft haben. Ich war auch oft darauf bedacht, aber zur Ausführung aller Reiseplane gehört Zeit und Geld. Die eben erwähnte körperliche Verfassung ist Ursache, daß ich mit meinen gelehrten Arbeiten gar nicht so vorrücke, wie ich wollte und sollte, was mich zuweilen recht muthlos macht.

Was das zweite betrifft, so habe ich leider die Kunst verlernt, wohlfeil zu reisen. Ich brauche einen Bedienten, einen eignen Wagen, Postpferde und gute Gasthöfe. In Paris bin ich durch die Gastfreiheit meiner Freunde geborgen; doch giebt es in einer Hauptstadt immer noch manche Ausgaben.

Mein Londoner Triumphzug, ein Aufenthalt von nur sechs Wochen, hat entsetzlich viel gekostet. Ich brauche Dir nicht zu sagen, daß mir der Göthesche Aufwasch und Auskehricht eben so zuwider ist, wie Dir. Ich lese das Zeug nicht. Der Alte muß nun durch dieses Fegefeuer gehen. Die Zeit wird die Schlacken wegläutern. Es muß zu einer Auswahl kommen: Werke des lebendigen Goethe.

Hier hast Du ein Wortspiel auf den Zelterschen Briefwechsel. – Dein Tischlermeister, den ich mit vielem Ergötzen gelesen, hat mich an ein ineditum erinnert, das ich seit undenklichen Zeiten, und zwar aus authentischer Quelle, dem autographen Original, besitze. Du kannst damit nach Belieben schalten. Melde mir doch die Adresse meiner Nichte Auguste Buttlar. Ich habe allzulange versäumt ihr zu schreiben. Wenn Du sie siehst, so grüße sie und entschuldige mich. – Gieb mir auch Nachricht von Deinem Neffen und Knorring. Von Deinem Bruder hatte ich letzthin einen Brief, der aber darüber nichts enthält. Nun merke wohl: bis Anfang September triffst Du mich sicher hier. Lebe unterdessen recht wohl, geliebter Freund. Herzliche Grüße an die Deinigen.

Dein treuer
A. W. Schlegel.

XXXIII

Bonn, den 12ten Aug. 36.
Geliebtester Freund!

Höchst bestürzt über den Zeitungs-Artikel von Deinem Unfalle, lief ich sogleich zu Löbell, in der vergeblichen Hoffnung, etwas beruhigendes zu erfahren. Erst gestern konnte er mir Deinen Brief mittheilen, der mich mit dem herzlichsten Bedauern erfüllt hat. Ich schreibe sogleich. Du mußt Dich nun nach beendigter Kur ausruhen und stärken, und das kann am beßten in meinem Hause geschehen, wo Du auf alle Weise gehegt und gepflegt werden sollst. Der Umweg hierher führt keine Ermüdung herbei, da Du ihn ganz zu Wasser machen kannst. Nämlich so: in Leopoldshafen schiffst Du Dich sammt Deinem Wagen ein; so hinunter bis Mainz. Da giebst Du Deinen Wagen einem Gastwirthe in Verwahrung, und fliegst mit dem Dampfschiffe in Einem Tage bis hierher hinunter. Hinauf geht es von hier in zwei Tagen. Von Mainz an nimmst Du dann den Wagen über Frankfurt, Gotha, Leipzig, Dresden.

Wenn Du keinen andern Grund hast, so nach Hause zu eilen, als die Besorgniß vor der schlimmen Jahreszeit und den verdorbenen Wegen, so ist beides noch weit entfernt, und läßt Dir alle Muße, bei mir zu verweilen. Die Folgen des Unfalls haben unerwartete Ausgaben verursacht; wie viel? Ein funfzig Thaler etwa? Ei nun, zur Ausfüllung der Lücke läßt sich ja wohl Rath schaffen. Ich pumpe Dir, und wenn ich es nicht in der Casse hätte, so pumpt mir der Banquier. Wie gesagt, überlege es wohl. Du wirst mich sehr erfreuen, wenn Du Dich zu einem ruhigen Aufenthalte von wenigstens acht Tagen entschließest. Mein Haus kennst Du, meine Küche kennst Du, meinen Keller kennst Du (nur nicht den himmlischen 34er Asmannshäuser; Champagner und alter Rheinwein ist auch da), meine bequeme Calesche kennst Du; unsre gemeinschaftlichen Zimmer kennst Du (diesmal will ich Dir aber das breiteste Bett einräumen); die neu aufgeputzten Damenzimmer im oberen Stock kennst Du noch nicht; das Badezimmer im Hintergebäude kennst Du in der neuen hübschen und sehr bequemen Einrichtung auch noch nicht. Freilich müßtest Du Dich mit natürlichen Bädern oder künstlichen Mineralbädern begnügen. Meine Späße kennst Du, meine gute Laune kennst Du, meine Schwatzhaftigkeit kennst Du, meine Passion für Dich kennst Du vielleicht nicht ganz.

Ich bleibe unverrückt hier, und werde um die Zeit, wo Du eintreffen kannst, meine ganze Zeit frei haben. Im Falle Deiner Weigerung würde ich mich nicht lange besinnen und Dich in Baden aufsuchen, aber vor dem Anfange der Ferien, besonders gegen Ende des Semesters müßte ich erst um Urlaub nachsuchen.

Nun laß mich bald etwas erfreuliches von Deiner Gesundheit und Deiner Ankunft vernehmen. Der gnädigen Gräfin meine ehrerbietigsten Empfehlungen. Lebe tausendmal wohl, geliebter Freund.

Dein
A. W. Schlegel.
19.Was würde wohl die Summe sein, wollte man alle in dieser Sammlung zerstreute Ermahnungen, die „Cevennen“ betreffend, addiren! – In der That blieb das Facit leider – Null.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
01 kasım 2017
Hacim:
410 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain