Sadece Litres'te okuyun

Kitap dosya olarak indirilemez ancak uygulamamız üzerinden veya online olarak web sitemizden okunabilir.

Kitabı oku: «Briefe an Ludwig Tieck 3», sayfa 24

Various
Yazı tipi:

XXXIV

Bonn, d. 11ten Jul. 37.
Geliebter Freund und Bruder!

Diese Zeilen überbringt Dir ein junger Geistlicher aus Genf, Herr Vernet, Enkel des berühmten Physikers Pictet, und Bruder der Baronin von Staël, der Wittwe meines verewigten Freundes. Aber seine Persönlichkeit empfielt ihn genugsam, auch ohne die Erwähnung einer so ausgezeichneten Verwandtschaft.

Er macht eine gelehrte und litterarische Reise durch Deutschland, und würde glauben, es nur unvollständig gesehen zu haben, wenn er nicht Dresden besucht und Deine Rede vernommen hätte. Gewähre ihm eine freundliche Aufnahme, ich werde es als einen Beweis Deiner Freundschaft betrachten. Er legt sich mit Eifer auf die deutsche Sprache durch Lesen und Hören. Ich habe mich, wie natürlich, immer auf Französisch mit ihm unterhalten; aber ich zweifle nicht, er wird im Stande sein, ein deutsches Gespräch zu führen, und Du wirst ihm Gelegenheit geben, die Anmuth zu bewundern, welche unsre Sprache in Deinem Munde hat. Durch ihn hoffe ich erwünschte Nachricht von Deinem Befinden zu erhalten.

Lebe recht wohl, geliebter Freund! Mit unveränderlicher Treue und Liebe

Dein alter
A. W. v. Schlegel.

XXXV

Bonn, d. 3ten Sept. 37.
Geliebtester Freund!

Vor einigen Tagen habe ich Dir durch Prof. Löbell die Briefe von Schiller und Goethe, nach der Zeit geordnet, in einer genauen und leserlichen Abschrift zugeschickt. Verfahre nun damit nach eignem Gutdünken. Wenn sie Dir nicht anziehend genug scheinen, so mögen sie immerhin ungedruckt bleiben. Aber getrennt oder zerstückelt dürfen sie nicht werden, weil sie sich gegenseitig erklären. Anmerkungen habe ich beigefügt, zum Theil für den Druck, zum Theil zu Deiner Notiz. Die Briefe von Schiller werden ziemlich vollständig seyn, von Goethe’s Briefen sind mir einige auf Reisen verloren gegangen.

Du möchtest wohl meine Beiträge in den ersten anderthalb Jahrgängen der Horen nachsehen, und die Auszüge aus dem Dante loben. Freilich würde ich es jetzt anders angreifen, und habe es theilweise schon anders angegriffen. (Revue des deux mondes, Tome VII. Quatrième série. 15. Août 1836.) Aber damals war es in der That eine neue Offenbarung. Kein Mensch wußte ja in Deutschland vom Dante, noch wollte davon wissen. Auch hat es mächtig nachgewirkt, wie alles was ich in ähnlicher Art gethan.

Aus dem Aufsatze: Etwas über W. Shakespeare &c. erhellet aufs klarste, daß damals noch niemand in Deutschland, auch Goethe und Schiller nicht, an einen versificirten Shakspeare dachte. Meine Uebersetzung hat das Deutsche Theater umgestaltet. Vergleiche nur Schillers Jamben im Wallenstein mit denen im Don Karlos, um zu sehen, wie sehr er in meine Schule gegangen.

In dem Aufsatze über Sprache und Sylbenmaaß war ich noch von der Einbildung angesteckt, man könne aus den Sitten halbwilder Völker die Anlagen der menschlichen Natur erforschen. Deswegen habe ich den Aufsatz nicht in meine Kritischen Schriften aufgenommen, wiewohl er sonst manches gute enthält.

Neuerdings ist doch hier und da einiges von mir im Druck erschienen, zum Theil in Französischer Sprache, was Dir wohl nicht zu Gesichte gekommen ist. Am meisten würde Dich das über die Ritterromane interessiren:

Schluß fehlt

XXXVI

Bonn, den 11. Jul. 1838.
Theuerster Freund!

Diese Zeilen überbringt Dir Herr Dubois, General-Inspector der Universität von Paris und Mitglied der Deputirten-Kammer. Er ist mir angelegentlich vom Herzoge von Broglie empfohlen worden, und ich empfehle ihn eben so angelegentlich Deiner wohlwollenden Aufnahme. Mache ihn mit der dortigen Kunstwelt bekannt, besonders auch mit Deinen eignen Werken. Auf die Frontons am Theater machte ich ihn schon aufmerksam, als auf das Beßte, was die neuere Zeit in diesem Fache hervorgebracht. Lebe recht wohl, und gieb mir bald gute Nachrichten von Dir.

Dein treuer Freund und Bruder
A. W. v. Schlegel.

XXXVII

Bonn, d. 9ten März 39.
Theuerster Freund!

Meine liebenswürdige und geistreiche Freundin, Frau Naumann, will die Güte haben, die beiliegenden Blätter an Dich zu besorgen. Ich bin mit Amtsgeschäften überhäuft und war seit mehreren Tagen unwohl; es fiel mir daher unmöglich, die Sendung mit einem Briefe zu begleiten. Doch bedarf es dessen wohl nicht. Ob ich jemals wieder über meinen Shakspeare sprechen würde, schien sehr zweifelhaft, weil mir die Sache unsäglich zuwider geworden war; daß ich aber, wenn ich spräche, meine Meinung frei heraus und ohne Rücksicht sagen würde, das war vorauszusehen. Lebe recht wohl.

Dein treuer Freund
A. W. v. Schlegel.

XXXVIII

Berlin, Hôtel de Russie, d. 7ten Aug. 41.
Theuerster Freund!

Gestern Abend fand ich die Einladung in einem Billet des kauderwelschen Skandinaviers Steffens vor, habe sie aber huldreich abgelehnt.

Um jeder Irrung bei dem mir versprochenen Besuche vorzubeugen, melde ich Dir nun schriftlich, daß das Hôtel de Russie, wo ich in dem Zimmer Nr. 9 wohne, bei der Schloßbrücke liegt, nur wenige Schritte rechts, wenn man vom Brandenburger Thor hereinkommt. Ich werde bis 3 Uhr zu Hause bleiben. Du kannst bei mir ein zweites Frühstück einnehmen. Solltest Du, was ich kaum glaube, die Nacht in Berlin bleiben, so könntest Du auch Zimmer im Hause finden. Jagor, der Sudelkoch, wohnt nicht weit von mir. Hr. von Olfers ebenfalls, und wenn Du zu ihm fährst, um im Triumph eingeführt zu werden, so werde ich Dir einen guten Stadtwagen besorgen. Es dauert gewiß bis 8 Uhr Abends:

 
Das war ein Toben, war ein Wüthen;
Ein jeder schien ein andres Thier.
 

Gewissermaßen ist es vorsichtig von mir gehandelt, daß ich mich nicht einstelle, denn ich hätte mich nicht enthalten können, Dich als den Preußischen National-Gott Potrimpos oder Pikallos, nach Deiner eignen Wahl, auszurufen.

Grüße Deine edle Freundin und liebenswürdige Tochter, und sage Ihnen, wenn ich ein Landgut bei Potsdam hätte, würde ich Ihnen die Speisen aus meiner Hofküche senden. Nächstens kommt ein Küchenzettel.

Dein in Dich vernarrter und überhaupt
närrischer Freund und Bruder
Wilhelm Martell.

Schlegel, Friedrich

Geb. am 10. März 1772 zu Hannover, gestorben am 12. Januar 1829 zu Dresden.

Lucinde, Roman (1799.) – Alarkos, Trauerspiel (1802.) – Florentin. – Gedichte (1809.) – Ueber die Sprache und Weisheit der Inder (1808.) – Geschichte der alten und neuen Litteratur, 2 Bde. (1815.) – U. a. m. – Sämmtl. Werke, 12 Bde. (1822 und später).

Wie zwei Brüder nach gemeinsam begonnenem, weltstürmendem Auftreten in Wissenschaft und Poesie, Beide in die Mysterien altindischer Weisheit sich vertiefend, und darin wandelnd, an ganz entgegengesetzten Ausgängen anlangend, einander fremd werden konnten – ja mußten, das wird aus diesen, an einen gemeinschaftlichen Vertrauten ihrer schönen Jugend gerichteten Briefe recht klar. Der ältere August Wilhelm, den Friedrich einen „Pedanten“ schilt, klagt über Friedrichs Verirrung, wie er es nennt, in religiösen und philosophischen Dingen, und daß der Bruder ihm völlig unverständlich geworden sei.

Tieck stand zwischen ihnen. In der durch den Lauf der Jahre oftmals entschlummerten, niemals erstorbenen Anhänglichkeit für diesen Zeugen erster schäumender Jugendkraft, finden sie sich denn wohl wieder, gleichsam auf neutralem Boden. Der Jüngere schied zuerst. —

Wir lassen seinen Briefen zwei Zuschriften der ihn überlebenden Gattin folgen; die zweite, so mild-versöhnliche, als schönstes Denkmal für den Verstorbenen, und für die ihn Ueberlebende!

I

(Ohne Datum.)

Ich sehe mit Ungeduld den Briefen über Shak. entgegen. Wenn es mir möglich ist, so frage ich heute noch selbst danach bey Ihnen vor. – Haben Sie Reichardt schon gesehen, der hier ist? – Ich habe ihm schon gesagt, daß Sie uns einen Beytrag versprochen haben, welches ihm natürlich sehr angenehm war. Wenn Sie ihn indessen sehn sollten: so wäre es recht gut, wenn Sie ihm als Herausgeber des Lyc. noch ein paar Worte darüber sagten.

Wenn Sie doch Ihren Beytrag selbst bringen könnten! Des Morgens bin ich immer zu Haus. Den weiten Weg zu Ihnen scheue ich gar nicht. Aber bey mir bleibt man viel sichrer allein, und so sehe ich Sie doch wenigstens jetzt am liebsten, ungeachtet ich auch Ihren häuslichen Cirkel, in dem ich Sie mich immer vorläufig einzuschreiben bitte, wenn ich auch jetzt nicht so oft da seyn kann, als ich wünschte, sehr liebenswürdig finde. Mein Interesse an Ihnen oder an der Poesie ist zu ernst. So etwas zerstreut sich gleich, wenn mehrere da sind. Ich bin in solchen Angelegenheiten sehr für die Zweysprach.

Ich lese jetzt Ihren Lovell zum zweytenmahl. – Mein Bruder läßt Sie herzlich grüßen, und hat große Freude an Ihren Werken und an den Nachrichten, die ich ihm von Ihnen habe geben können.

Empfehlen Sie mich Ihrer Schwester.

Ihr
Fr. Schlegel.

Das unterhaltende Büchelchen erfolgt mit vielem Danke zurück.

Wollen Sie wohl die Güte haben mir Richters Dornenstücke zu leihen, und mir Wackenroders Logis aufzuschreiben?

II

Dresden, den 27. Jul. 98.

Ich wollte Ihnen nicht eher schreiben, liebster Freund, bis ich Ihnen einigen Bericht über eine spanische Lectüre hier geben könnte. Bis jetzt ist aber noch nichts geschehn, weil ich dumm genug gewesen bin, mich in die Dummheit der Engländer recht sehr vertiefen zu lassen. Ich habe die Arbeiten des Malone &c. über die Aechtheit und Chronologie der Sh.schen Dramen durchgearbeitet, und wenigstens gelernt, wie wenig daraus zu lernen ist. Desto mehr finde ich in Sh.’s erotischen Gedichten (die ich in der Andersonschen Sammlung Engl. Dichter recht nett gedruckt beysammen fand) und in den sogenannten unächten Schauspielen zu lernen. Durch beyde ist mir ein ganz neues Licht über Sh. aufgegangen; und beyde haben mich auch beyläufig20 entzückt. Die ersten mehr auf eine subjektive Weise; d. h. ich bin dadurch gleichsam verliebt in Sh. geworden, und ich weiß mir fast nichts, was ich so ganz nach meinem innersten Gemüth liebenswürdig finde als Adonis und die Sonnette. Das Interesse an den Dramen ist objektiver, sie mögen nun von S. seyn oder nicht. Ich habe eine große Vorliebe für den Aeschylus jeder Art, sollte sie auch noch so Gothisch und Barbarisch seyn. In dieser Hinsicht hat Locrin sehr großen Reiz für mich, wegen des Kothurns, und die grelle Lustigkeit dazwischen ist sehr grandios. – Ich halte es indessen für im höchsten Grade wahrscheinlich, daß sie alle von Sh. sind, die meisten noch älter als die erotischen Gedichte. – Ich habe denn doch die Engl. Bestien excerpirt, da ich sie einmal gelesen hatte, und wenn Sie die Reedsche Ausgabe von 93 und Malone’s Essais über die Chron. noch nicht gelesen oder gehabt haben, kann ich Ihnen einige interessante Fakta mittheilen, wenn ich zurückkomme.

Wenn Sie nur vorher mit Ihrem Aufsatze über den Cervantes fertig würden! Sie glauben nicht, wie sehr ich es wünsche, Sie auch einmal über die Poesie poetisiren zu hören, und im Athenäum nicht bloß über Sie, sondern auch Sie selbst zu lesen. Ich setze Ihnen das Ende des August als letzten Termin. Sind Sie dann nicht fertig, so schreibe ich Ihnen druckend einen Brief über die spanischen Angelegenheiten, an die ich nun unverzüglich gehn will. Glauben Sie aber, daß Ihrem Geiste jede kritische Geburth nur durch die Zange entrissen werden kann, so geben Sie mir nur einen Wink, und Sie sollen unverzüglich eine epistola critica de novellis hisp. von mir erhalten und wir können dann nach Belieben mit der Correspondenz fortfahren. —

Geben Sie nur bald Nachricht von sich und empfehlen Sie mich den Ihrigen. Ihre Schwester Alberti sah ich zweymal; zuerst vor Empfang des Briefs, wo sie, jedoch in aller Zärtlichkeit etwas ungeduldig war; dann nachher als die Sonne wieder schien.

Ich umarme Sie herzlich. Ganz der

Ihrige
Friedrich Schlegel.

Das muß ich Ihnen doch noch sagen, daß Sie von wegen der Volksmährchen zwey Freunde haben, die Sie nicht kennen: Novalis und der Philosoph und Physiker Schelling, von dem ich Ihnen sagte.

Das Stück von Lope auf das Sujet von Romeo hat nicht diesen Titel. Welchen es hat, sagen die Canaillen nicht. – Die Puritanerin wollte mir im Anfang weniger zusagen, sie ist etwas schwer. Nun gefällt sie mir ganz vorzüglich. —

III

Jena, den 22ten Aug. 1800.

Es kommt sehr erwünscht, daß ich grade zu gelegener Zeit Deine Adresse erhalte, da ich eben einen Brief von Deinem Bruder für Dich habe, der an Wilhelm eingeschlossen war.

Dein Brief und Deine Sammlung hat mir große Freude gemacht. Die Sonette habe ich sogleich einigemal gelesen; sie gefallen mir sehr, auch bin ich zufrieden damit, daß das an mich sich durch die Dunkelheit und Sonderbarkeit so auszeichnet, in welcher Rücksicht mir nur noch das auf Sophie einen ähnlichen Eindruck gemacht hat.

Die Correctur werde ich gut und treulich besorgen; so auch das Exemplar an Hardenberg, der jetzt nicht in Berlin sein wird.

Ich habe noch manche Gedichte gemacht, aber fertig ist der 2te Theil noch nicht. Uebrigens habe ich mich nun auch zum Doctor machen lassen und lese den Winter Idealismus, wozu sich schon 60 gemeldet haben. Vielleicht kommt Schelling und was ihm anhängt, auch zurück, und so würde es Idealismus und Realismus genug geben, welches uns doch weiter nicht sehr kümmert, außer daß ich wünsche, Wilhelm wäre endlich ganz rein von diesen Händeln.

Du siehst ihn gewiß den Winter in Berlin; jetzt aber wird er noch einige Zeit wegbleiben.

Auch der junge Angebranntene ist da gewesen, um sich als Abgebrannten darzustellen. Er fiel mit einem unendlichen und unleidlichen Zutrauen über uns her, wurde aber dadurch der Veit und bald auch mir so fatal, daß ich ihn anfing mit einer gelinden Dosis Wahrheit zu behandeln, worauf er sich schleunig entfernte.

Daß ihm Deine Züchtigung richtig zu Händen gekommen, habe ich alle Sorge getragen, weil ich gerne aus der ersten Hand zusehen wollte, wie er es nähme. Er hat es so genommen, daß ich hätte wünschen können, die Medicin wäre noch kräftiger gewesen: über die Sache selbst zwar hat er sich mit der gemeinen Lebensart geäußert, kurz darauf aber war seine Meinung von Dir sehr geändert, er findet nun vieles an Dir auszusetzen, und unter anderm auch, daß der Zerbino langweilig sei.

Ritter ist fast der einzige, mit dem wir umgehn. Wir sehn ihn jetzt fast täglich, er hat sich für den Umgang seit Kurzem zum Erstaunen entwickelt, und sein Umgang macht mir so viel Freude, als der Umgang mit einem Sterblichen nur immer kann.

Lebe wohl und dichte fleißig. Grüße Deine Frau und Tochter. – Den Winter komme ich nicht nach Berlin, aber Ostern sehn wir uns ja wohl auf irgend eine Weise.

Friedrich S.

Noch eins, und zwar etwas wichtiges. Ideler läßt den D. Q. von mir wieder fordern. Ich habe geglaubt, Du hättest ihm denselben etwa in Berlin wieder gegeben, oder doch ein Wort mit ihm deswegen gesprochen. Ich bitte Dich daher, wenn Du den D. Q. an Ideler gegeben, sogleich eine Zeile desfalls zu schreiben.

Die Oper muß fertig gedruckt sein, doch habe ich den Titel noch nicht zur Correctur gehabt. Ganz rein von Fehlern mag sie wohl nicht sein. Bei dem Journal will ich mir aber alle Mühe geben. Wenn du Jacobi siehst, so sage ihm in Gedanken von mir: – Der mag mich – !

IV

Jena, den 5ten Novemb. 1801.
Geliebter Freund!

Du mußt mir verzeihn, daß ich Dir so lange nicht geschrieben habe. Ich war sehr beschäftigt und oft auch gestört durch die Kränklichkeit der Veit, die mich oft sehr unmuthig gemacht hat. Dennoch freue ich mich sehr in der Hoffnung, Dich bald zu sehn. Wir haben viel mit einander zu sprechen, und wollen dann recht viel zusammen sein.

Heute nur das Nöthigste von Geschäften. Die Geschichte der Gothischen Könige kann (Lücke) nicht finden, wie er Dir wohl wird geschrieben haben. Die Charakteristiken hast Du nun. Sowohl den Aeschylus als die guerres civiles kannst Du leicht in Dresden haben, daher halte ich’s für besser, sie lieber selbst mitzubringen.

In diesen Tagen war Karl Hardenberg bei mir auf der Durchreise nach Meiningen, wo er etwa 4 Wochen bleiben wird. Er war nur eine Stunde bei mir, indessen habe ich doch gleich die Zeit benutzt, um über die Herausgabe von Novalis Schriften das Nöthige mit ihm zu reden. Er war alles sehr zufrieden, wie Du es eingerichtet hast, und wie ich es ihm vorschlug. Die Biographie, die er zu machen Lust hat, soll für sich bestehn, und also darfst Du darauf nicht warten. Ich wünschte nun herzlich, daß Du den Druck gleich anfangen ließest, da eben keine große Vorrede nöthig ist, und diese immer noch nachher gedruckt werden kann: denn es ist doch am besten, wir machen sie, wenn wir zusammen sind, gemeinschaftlich.

Ich dächte nun, Du nähmest in den ersten Theil, was fertig ist vom Ofterdingen, auch das Fragment zum 2ten Theil, ferner einen Bericht von dem, was er Dir mündlich über die Fortsetzung gesagt, und wenn so viel Raum ist, etwa noch den Lehrling zu Sais.

Den zweiten Theil können dann die Hymnen an die Nacht, die geistlichen Lieder, und die Fragmente, die ich aus seinen Papieren wählen werde ausfüllen. Zu diesen denke ich das Beste und Wichtigste aus den Blühenstaub, Glauben und Liebe und Europa zu nehmen. Da alle diese drei Aufsätze in ihrer Ganzheit und individuellen Beziehung nur irre leiten würden über den Charakter des Schriftstellers; da die Hymnen über die Nacht hingegen am schönsten und leichtesten im Ganzen erklären, so halte ich auch ihren unveränderten Abdruck für nothwendig.

Karl geht sehr ein in diese Idee, auch hat Novalis selbst noch in der letzten Zeit immer einen ganz besondern Werth in die Vollendung dieser Arbeit gelegt. Der Papiere sind so viele, daß Karl sie mir nicht schicken kann; ich werde also diesen Winter auf 8–14 Tage hingehen, um an Ort und Stelle zu sehen, wie viel und auf welche Weise sich daraus nehmen läßt. Was Du mir in Rücksicht der Bedingungen von Unger &c. schreibst, ist gut. 25 Exemplare müßten wir dem Bruder wohl wenigstens geben.

Hast Du nicht ausdrücklich so viele bei U. bedungen, so müßten die übrigen von uns nachgekauft werden. Ueber die Anerbietung, die Du mir in dieser Rücksicht machst, bin ich etwas erstaunt, besonders über die Veranlassung derselben.

Ich habe Wilhelm gelegentlich zu verstehn gegeben, wie weit entfernt Du in dieser Angelegenheit von aller eigennützigen Absicht seist. Er behauptet aber, nie ein Mißtrauen der Art und gegen Dich gehabt noch geäußert zu haben. Freilich weiß er immer nicht recht, was er sagt, oder schreibt, wenn er einmal in Hitze ist. Was die Sache selbst betrifft, so kann ich Dein Anerbieten keineswegs unbedingt annehmen, sondern höchstens nur in Rücksicht der Zeit und Reisen, die es mir wohl diesen Winter kosten wird, eingehen, daß wir zu gleichen Theilen gehn; worüber Du denn Ungern Deine Disposition geben magst. Ob er mir es giebt oder abrechnet, ist mir im Grunde ziemlich eins, und mag von ihm selber abhängen.

Vielleicht geh ich in diesen Tagen auf ein paar Wochen nach Berlin und dann könnte ich die Correctur selbst besorgen; sonst dächte ich, übertrügst Du sie Wilhelmen, weil er sie doch gewiß sehr genau besorgen wird.

Ich freue mich, daß gerade wir das Unternehmen gemeinschaftlich besorgen und sehe es als einen guten Anfang an für künftige Projecte. Es freut mich von Herzen, daß Du Lust hast, etwas in Gemeinschaft mit mir zu unternehmen; alles nähere darüber mündlich; ich habe alles schon ausgedacht.

Wilhelm ist in diesen Tagen wieder nach Berlin gegangen. Ich habe ihn ziemlich oft gesehn, einigemal recht interessant mit ihm gesprochen, doch nimmt seine Pedanterie sehr zu, und er wird immer breiter und härter. Wir berührten die Familienverhältnisse nicht, aber er hat wohl dafür gesorgt, daß ich sie ein paarmal empfunden habe. Unter anderm hat W. mich einmal auf eine solche Weise beleidigt, die es mir unmöglich macht, ferner an dem Almanach Antheil zu nehmen, so leid es mir der Sache selbst und auch Deinetwegen ist.

Du erinnerst Dich vielleicht, daß ich vorigen Winter ein Gedicht, der welke Kranz gemacht habe, und wer mich und meine Verhältnisse kennt, der wird allenfalls errathen können, daß es sich auf Auguste bezieht und an eine Freundin von mir gerichtet ist (welches aber das Gedicht selbst nichts angeht). Damals hat er nicht nur zwei Seiten voll Lobes über Sylbenmaß und Stil des Gedichtes an mich darüber geschrieben, sondern auch in den stärksten Ausdrücken davon geschrieben, wie es ihn rühre, und wie es ihm lieb und werth sei. – Viermal wenigstens habe ichs ihm in einer umständlichen Specification von allem, was ich zum Almanach geben wolle, ausdrücklich mit genannt, und jedesmal hat er es mit den größten Beifallsbezeugungen auf’s lebhafteste acceptirt, bis er mir’s jetzt vor Kurzem, da der Almanach fast fertig war, zurückgeschickt mit einem albernen, verächtlichen Geschwätz von Persönlichkeit, innerer Religion, und daß ich nicht würde mit einem zerrissenen Herzen rechten wollen. Du kennst mich genug, um zu wissen, ob mir viel daran gelegen sein kann, ein solches Gedicht von mir gedruckt zu sehn oder nicht; aber Du mußt auch fühlen, welche unausstehliche persönliche Beleidigung grade bei diesem Gedicht in der Zurückgabe liegt. Ich war lange in Verlegenheit, was ich thun sollte; endlich beschloß ich, gar nicht zu antworten, denn thät ich es einmal, so hätte es schwerlich anders geschehen können, als auf eine Weise, die völlig jedes Verhältniß zwischen uns unmöglich gemacht hätte. Um aber nicht ähnliche Gefahr zu laufen ( – vor der ich bei der größten Behutsamkeit nicht sicher sein würde, da die Gedichte, die man zu einem Almanach geben kann, mehr oder weniger ins Subjective spielen, und da Karoline alles dazu zu machen weiß, was auch noch so wenig dahin gehört) – und auch weil jenes Betragen W.’s so unwürdig, und besonders seiner gewohnten Pünktlichkeit als Herausgeber so entgegengesetzt ist, daß ich berechtigt bin, vorauszusetzen, Karoline sei die Urheberin jener Beleidigung; und ich nun unmöglich an einem Werke Theil nehmen kann, dessen unsichtbare Herausgeberin eine Person ist, die sich in jeder Rücksicht infam gegen mich betragen hat; so muß es bei jenem Entschluß bleiben, und ich wünsche nur, daß – was doch früher oder später geschehen muß – ich darüber mit W. nicht auf eine Art zur Sprache kommen mag, die jede fernere Gemeinschaft zwischen uns unmöglich macht. Schreibst Du ihm also darüber, so thu es auf die gelindeste Art.

Dein Bruder ist seit einiger Zeit in Weimar, und auch dann und wann hier, wo ich ihn einigemal gesehn, wenn gleich nicht viel, weil er bei W.’s logirt und da sehr fest gehalten wird.

Die Art, wie er über seine Kunst spricht, mißfällt mir nicht; doch scheint mir’s, daß ihm ein Umgang mit Dir auf längere Zeit sehr nöthig wäre. Er ist sich im Wesentlichen gar nicht klar, und leidet im weniger Wesentlichen (was doch auf das Wesentliche bald wesentlichen Einfluß hat) sehr an Halbheit, Unkenntniß und falschen Vorstellungen. Er muß aber recht lange mit Dir beisammen sein und Du mußt es gelinde angehn lassen. Uebrigens weiß ich freilich nicht viel von ihm; vor einigen Wochen kam er einmal sehr freundschaftlich und wollte mich auch für Dich zeichnen; seit er aber jetzt wieder hier ist, ist nicht weiter die Rede davon gewesen, und ich weiß weiter nichts, als daß er Schelling statt dessen zeichnet.

Ja überhaupt, muß ich Dir sagen, ist sein Benehmen dieses letztemal so gegen mich, daß es mich in Verlegenheit setzt, und wenn Dein Bruder unhöflich gegen mich ist, so nehme ichs ihm nicht übel, weil ichs schon voraussetze; aber ich darf auch wohl voraussetzen, daß eine neue Klätscherei aus der alten wohlbekannten Kutte daran Schuld ist.

Herzliche Grüße von der Veit an Dich, und von uns beiden an Deine Frau. Es soll uns recht freuen, Euch in Dresden vergnügt und gut eingerichtet zu sehn. Auf die kleine Dorothea freue ich mich sehr, sowie auf die kleine Auguste.

Ich wollte Dir heute noch weit mehr schreiben, über den göttlichen H. Dümmling u. s. w.

Aber die Veit ist eben gar nicht wohl. Lebe also recht wohl.

Friedrich.

Die Romanze rechne ich zu den göttlichsten und vollendetsten Werken, die Du gemacht hast. Die andern Gedichte im Almanach – der Zornige, Sanftmüthige, Einsamkeit – sind nur Anklänge aus einer neuen Region Deiner Poesie, von der ich bald größere Studien zu sehn wünsche. Grüße meine Schwester herzlich, wenn Du sie siehst, und sag’ ihr, daß ich sehnlich auf Nachricht von ihr warte.

20.Es dürfte angemessen sein, österreichische Leser daran zu erinnern, daß „beiläufig“ hier nicht in dem von ihnen gebrauchten Sinne, sondern in norddeutscher Bedeutung für: „nebenbei“ zu verstehen ist.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
01 kasım 2017
Hacim:
410 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain