Kitabı oku: «Mensch. Maschine. Kommunikation.», sayfa 14

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2 Zur Netflixserie Be right back

Black Mirror (Erstausstrahlung 2011) ist eine Serie, die thematisch eher dystopische Gesellschaftsprobleme zeichnet. Jede Folge kann für sich allein stehen. In der Episode Be right back geht es um das junge Paar Martha und Ash, welches auf das Land zieht. Ash ist auf den sozialen MedienMedium/Medien äusserst aktiv und teilt viele Details seines Lebens via TweetsTweet und anderen Onlinebeiträgen mit der Internetcommunity. Als Ash bei einem Autounfall stirbt, wird Martha von einer Freundin bei einem Betaprogramm angemeldet. Dabei werden alle TweetsTweet und Posts von Ash analysiert. Dadurch wird ein künstlicher R-Ash konstruiert, mit welchem Martha sich via AppApp unterhalten kann.Roboter1 Zunächst widerstrebt ihr der Gedanke, so mit ihrem verstorbenen Liebhaber zu interagieren. Als sie jedoch merkt, dass sie von Ash schwanger ist, meldet sie sich doch bei dem Programm an, um ihm dies ‹mitteilen› zu können. Aus dem anfänglichen Widerstand gegen die Ash-Kopie wird nach und nach eine regelrechte Sucht. So wünscht sie sich, mit R-Ash übers Telefon sprechen zu können, und dies gelingt, indem sie alle Videos von Ash auf die App lädt, die App dann das Stimmmuster von Ash analysiert und auf diese Weise realitätsnah wiedergeben kann. Martha wünscht sich aber noch mehr Nähe zu R-Ash. Sie kauft sich einen humanoidenhumanoid RoboterRoboterPartner-, welcher nach seiner Installation wie Ash aussieht und spricht. R-Ash lebt nun mit Martha in ihrem Haus. Bald bröckelt jedoch die Idylle, da Martha Unterschiede zum verstorbenen Ash feststellen kann: R-Ash blinzelt nicht, schläft nicht, reagiert in ihrer sexuellen Beziehung völlig anders als Ash (da Ash nichts über sein Sexualleben gepostet hat, konnte die App keine Analyse darauf aufbauen und R-Ash dementsprechend programmieren) und ist kommunikativ dem verstorbenen Partner nicht sehr ähnlich. Am Ende versucht Martha, R-Ash dazu zu bekommen, sich selbst zu zerstören, indem er von einer Klippe springt. Dies misslingt jedoch, da sie ihren Freund nicht nochmals sterben sehen kann, auch wenn es diesmal ‹nur› eine Kopie von ihm ist. In der letzten Szene sieht man den Geburtstag von Marthas und Ashs Tochter einige Jahre später. Da es ihr Geburtstag ist, darf die Tochter R-Ash besuchen, der mittlerweile auf dem Dachboden verstaut wurde. Damit endet die Episode.

3 Streitgespräche

In einer vierzigminütigen Folge einer Serie wird viel gesprochen – viel zu viel, als dass jegliches Gespräch zwischen Martha und den beiden Ashs betrachtet werden könnte. Der Schwerpunkt liegt deshalb auf den Streitgesprächen zwischen Martha und Ash sowie Martha und R-Ash. Um die Analyse nachvollziehbar gestalten zu können, wird zunächst ein Einblick in die linguistische Gesprächsanalyse gegeben. Auch zum Thema Streit sind zunächst einige grundsätzliche Bemerkungen erforderlich.

3.1 Zum theoretischen Rahmen

Bei einem Gespräch gibt es (mindestens) einen Hörer und einen Sprecher, wobei der Hörer nonverbal, paraverbal und verbal zum Gesagten beiträgt. Je nach Inhalt bringt sich der Hörer aktiv in das Gespräch ein. Dies bezeichnet man als back-channel-Verhalten; würde dies der Hörer nicht tun, wäre der Sprecher möglicherweise verunsichert. Das turn-taking kann durch Fremdwahl (direkte Bestimmung) oder Selbstwahl erfolgen. Für den Wechsel gibt es zusätzlich vier Formen: (1) mit oder ohne Sprechpause (Sprechpause wird auch gap genannt), (2) mit einem overlap, (3) mit längeren Pausen oder Schweigen und (4) durch Unterbrechung. Wie lange man hingegen das Rederecht hat, «hängt von Faktoren wie Ort, Zeitpunkt, Öffentlichkeitscharakter des Gesprächs, Beziehung der GesprächsteilnehmerInnen» ab (Linke et al. 2004: 303).

Streit findet häufig in Alltagsgesprächen statt, das heisst, es handelt sich um Interaktionen in unserem alltäglichen Leben. In einem Streit gibt es oft Störungen, die in einem normalen Alltagsgespräch repariert werden oder gar nicht vorhanden sein sollten. Solche Störungen können beispielsweise Anbrüllen des Partners oder Vorwürfe sein. Es handelt sich somit um die «sprachliche Manifestation einer Konfliktaustragung zwischen mindestens zwei Aktanten, die (1) verbal divergierende Standpunkte oder Problemsichtweisen demonstrieren» und «hinsichtlich des Stils zwischen sachlichem und emotionalem Gesprächsstil unterschieden werden» (Spiegel 1995: 18). Überdies braucht es eine gewisse Streitbereitschaft und es muss demonstriert werden, dass ein Interaktionspartner den anderen enttäuscht, verletzt oder dessen Identität bedroht hat. Wie weit eine Streiteskalation geht, hängt von den Aktanten ab – diese haben innerhalb ihrer Beziehung ausgehandelt, in welchen Normen ihre Streitgespräche normalerweise ablaufen.

Ein Streit erfolgt eskalationsweise: Streitsteigernde Gesprächshandlungsschritte müssen angenommen werden, damit das Gespräch in einem Streit eskaliert. Nicht jeder Streit hat gleich viele Eskalationsstufen. Ohnehin sind diese teilweise schwer abtrennbar, da die Eskalation meist sprunghaft verläuft (siehe Spiegel 1995: 24 f.). Nach der Eskalation folgt bei einer Konfliktreduzierung eine Deeskalation. Solch eine kann aufgrund von Konfliktvermeidungsstrategien auch eintreten, bevor es überhaupt zu einem Streit kommt. Besteht wiederum eine Streitsituation, gibt es drei Möglichkeiten, um eine Streitbeendigung herbeizuführen: (1) die «bewusste Konfliktreduzierung durch Problembearbeitung», (2) Streitentschärfung mittels «Ermüdung, Unlust (einschlafen lassen), Ablenkung», (3) Beenden des Streits durch Abbrechen der sozialen Beziehung (Spiegel 1995: 26f.). Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Störungen in einem Gespräch normal sind und häufig unbewusst repariert werden. Wo diese Störungen jedoch nicht beseitigt werden können, entsteht Streit.

3.2 Die Kommunikation zwischen Martha und Ash

Bei den Gesprächen zwischen Martha und Ash handelt es sich um Gespräche unter vier Augen (alle Gespräche finden in einem privaten Raum ohne Zuhörer statt). Die Gesprächspartner sind gleichberechtigt und ihre feste soziale Beziehung ist die eines Paares. Alle Gespräche können als ungeplante Familiengespräche gelten (siehe Brinker & Sager 2010: 64). Streit ist etwas Menschliches – dementsprechend gibt es auch zwischen Martha und Ash Reibungen und Spannungen, die nicht immer kommunikativ ideal gelöst werden. Im Folgenden werden solche Situationen analysiert, in denen Martha mit Ash kommunizieren will, dieser jedoch durch sein Mobiltelefon zu sehr abgelenkt und dadurch in seiner ResponsivResponsivitätität eingeschränkt ist.Responsivität1 Dies führt zu KommunikationsproblemenKommunikationsproblem beim Paar.

Streit führt das Paar (in den gezeigten Sequenzen) zwar nicht, doch ist erkennbar, dass Martha nicht mit Ashs Kommunikationsverhalten einverstanden ist. Gleich zu Beginn wird eine Szene gezeigt, in welcher Ash mit dem SmartphoneSmartphone beschäftigt ist und durch dieses abgelenkt ist. In der Sequenz ab 00:00:47 kehrt Martha mit zwei Kaffeebechern zum Auto zurück,Netflix2 in welchem Ash am Mobiltelefon auf sie wartet. Er reagiert auf ihr verbales Hon sowie der wiederholten Nennung seines Namens (3) nicht,3 erst als sie mit dem Ellbogen an die Scheibe klopft, öffnet er ihr die Tür (da ihre beiden Hände die Kaffeebecher halten). Doch anstatt ihr zu helfen, widmet er sich gleich wieder seinem Telefon. Auf Marthas initiierende Frage Can you take those (5) reagiert er nicht. Trotz Marthas Schweigen erkennt Ash die Aufforderung zum SprecherwechselSprecherwechsel nicht. Auf I snotted in yours, is that okay? (6) antwortet er, Yeah … what? (7). Sein Gesichtsausdruck wechselt dabei von freundlich-interessiert zu irritiert, sein Lächeln fällt zusammen (bei what). Die Initiation Marthas, die angenommen werden müsste (siehe Brinker und Sager 2010: 69), nimmt Ash nicht an.

Ash zeigt somit NonresponsivitätResponsivität – weder hört er, was Martha gesagt hat und weshalb, noch reagiert er angemessen. Er kooperiert nicht mit der Obligation, die Marthas erste Aussage innehält, die als Bitte formuliert ist – es gibt keine Verbindung der Aussagen beim Turn-taking. Hätte Ash sie gehört, wäre Marthas Bitte Teil einer zweigliedrigen GesprächssequenzGesprächssequenz gewesen, die als Bitte mit Reaktion zu kategorisieren wäre (siehe Brinker & Sager 2010: 84). Marthas zweite Aussage kann als Art der Beschwerde über Ashs fehlende Antwort interpretiert werden (siehe Spiegel 1995: 37). Hätte die zweigliedrige Sequenz funktioniert, wäre Marthas zweiter Turn nicht nötig gewesen. Ihre Reklamation ist jedoch eine spielerische, die darauf schliessen lässt, dass die Gespräche zwischen Martha und Ash eine gewisse Routine haben, bei denen die Sprecher nicht wegen einer kleinen Fehlkommunikation oder Störung das Gespräch eskalieren lassen. Erst auf Marthas Aussage Palms, burning palms (8) erkennt Ash, was sie mit those aus der vorherigen Bitte gemeint hat: die beiden Kaffeebecher in ihren Händen, mit denen sie nicht in den Wagen einsteigen kann. Sie unterstützt ihre Aussage mit kleinen, schnellen Nickbewegungen und sieht Ash intensiv an. Wiederum kann diese Aussage als Reklamation angesehen werden, diesmal merkt Ash, dass seine Reaktion inadäquat war, und ändert den problematischen Zustand. Eine Problembehandlung von Ashs NonresponsivitätResponsivität wird jedoch nicht durchgeführt, wodurch das Konfliktpotential bestehen bleibt – man kann nur von einer vorübergehenden Deeskalation sprechen, der Streitpunkt selbst müsste erst noch ausgetragen werden, wenn einer der Partner das Problem richtig lösen will (siehe Spiegel 1995: 25f.).

In einer nächsten Szene ab 00:03:28 wiederholt sich dieses Schema. Martha will zu Hause kochen und fragt Ash in einem initiierenden Schritt: Soup alright? (15), worauf dieser – wiederum am Telefon – in einem respondierenden Schritt antwortet: Yeah great (16). Martha sieht Ash an, der im angrenzenden Wohnzimmer mit dem Rücken zu ihr auf dem Sofa sitzt. Ash schaut bei seiner Antwort nicht vom Bildschirm auf. Auf ihre Frage, die ohne grosse Verzögerung folgt, welche Art von Suppe Ash möchte, antwortet dieser erst nach einer etwas längeren Pause. Diese wird beim SprecherwechselSprecherwechsel als störend empfunden, da der Wechsel nicht mehr als gap (kurze Sprechpause) wahrnehmbar ist. Auf Ashs Antwort the second one (19), bei der Ash nach wie vor nicht zu Martha sieht oder auch nur den Kopf bewegt, fragt Martha: There’s only one bowl. Do you mind having yours out of a shoe? (20). Bei der letzten Aussage sieht Martha nicht mehr Ashs Rücken an, sondern starrt in die Luft in ErwartungErwartungshaltung einer (unpassenden) Rückmeldung. Darauf erwidert Ash wiederum nach einer längeren Pause ein zustimmendes Mm … hm (21) und sieht wie zuvor nicht von seinem Bildschirm auf. Als Reaktion verzieht Martha nach einer Pause ihr Gesicht, presst ihre Lippen zusammen, stellt die Suppe ab und bewirft Ash mit einem Tuch. Dieser versteht nicht annähernd, weshalb seine Freundin einen Gegenstand nach ihm geworfen hat. Wiederum ist klar, dass Ashs Antwort trotz gegebenen Hörersignalen als NonresponsivitätResponsivität bezeichnet werden kann (denn seine Hörersignale passen nicht zu Marthas Aussagen), und an Marthas nonverbalem Verhalten ist ebenfalls erkennbar, dass sie von Ashs Verhalten zumindest bis zu einem gewissen Grad genervt ist. Ash gelingt es nicht, wenn er an seinem Telefon ist, auch nur mit einer Teilresponsivität und schon gar nicht mit einer ResponsivResponsivitätität auf Marthas Fragen und Aussagen zu antworten. Er ist unkooperativ gegenüber seiner Gesprächspartnerin. Somit gelingt auch der Sprecherwechsel nicht. Marthas Fragen sind alle eine Fremdzuweisung an Ash, dieser realisiert diese Zuweisungen aber nicht, kann die Zuweisung deswegen nicht annehmen und dementsprechend nicht angemessen reagieren. Die missglückten Turnwechsel von Martha zu Ash erfolgen alle nach Pausen, die von Martha als unangenehm wahrgenommen werden. Ash selbst merkt jedoch nicht, dass Martha ebenfalls erst nach einer Pause die Aussage There’s only one bowl. Do you mind having yours out of a shoe? macht. Hätte er die Pause bemerkt, hätte er auch Marthas Irritation über seine Antwort bemerkt. Ihr Umgang mit Ashs Reaktionen lässt darauf schliessen, dass dies kein neues Problem in ihrer Beziehung ist. Dadurch, dass das Problem bereits bekannt ist, hat es keine Lösungsdringlichkeit (nicht wie ein neu entstandenes Problem), da das Paar diese Art von Störungen in der Kommunikation wahrscheinlich bereits thematisiert hat.

Weitere Szenen von missglückter Kommunikation gibt es in der Serie nicht mehr, nach sieben Minuten Laufzeit stirbt Ash. Die restliche Kommunikation verläuft erfolgreich, solange Ash nicht mit seinem Telefon beschäftigt ist. Sobald Ash jedoch sein SmartphoneSmartphone benutzt, wird er nonresponsivResponsivität und als Gesprächspartner unaufmerksam. Das SmartphoneSmartphone ist somit ein Störfaktor, der eine gelungene Kommunikation zwischen dem Paar verunmöglicht. Anhand von Marthas Verhalten (Fangfragen stellen) kann man jedoch davon ausgehen, dass sie sich an die Situation gewöhnt hat und alle Gespräche ähnlich verlaufen.

3.3 Die Kommunikation zwischen Martha und R-Ash

Im vorherigen Kapitel wurde Streit mit menschlichen Eigenschaften assoziiert. Wie funktioniert demgegenüber der Streit zwischen einem Menschen und einem RoboterRoboter? Hierbei stellt sich vor allem die Frage, wie weit ein RoboterRoboter überhaupt für Streitkommunikation programmiert werden kann/soll – auch wenn dieser offiziell als PartnerroboterRoboterPartner- konstruiert wird und Konflikt zu einer Partnerschaft gehört.

Bei den Gesprächen zwischen Martha und R-Ash handelt es sich ebenfalls um Gespräche unter vier Augen, jedoch geschieht dies aus anderen Gründen: Martha will nicht, dass jemand R-Ash zu Gesicht bekommt, da ihr dies unangenehm wäre. Bei den Gesprächen mit Ash ist es Zufall,1 dass keine Interaktionen mit anderen Personen gezeigt werden. Zudem gibt es keine Gleichberechtigung der Gesprächspartner. Martha ist als administrator (333) von R-Ash registriert. Das heisst, der RoboterRoboter ‹gehorcht› Martha – sein Ziel ist es, für Martha nützlich zu sein, nicht wie ein eigeninitiativer Gesprächspartner zu handeln. Was das heisst, soll während der folgenden Analyse der Streitgespräche gezeigt werden. Ein grundsätzliches ProblemKommunikationsproblem bei dieser Konstellation ist, dass Martha an das Kommunikationsverhalten von Ash gewohnt ist, welches R-Ash nur anhand von TweetsTweet und Beiträgen auf sozialen MedienMedium/Medien imitieren kann – dieses repräsentiert jedoch nicht Ashs Alltagskommunikation mit Martha, was dazu führt, dass Martha eine falsche ErwartungshaltungErwartungshaltung hat.

Solange Martha mit R-Ash noch via Chat und Telefon kommuniziert, gibt es keine Uneinigkeiten oder Störungen und daraus resultierend auch keinen Streit. KommunikationsproblemeKommunikationsproblem entstehen erst, wenn Martha den humanoidenhumanoid RoboterRoboter bei sich hat. Die erste Szene, die genauer betrachtet werden soll, ist, als R-Ash neu als RoboterRoboter bei Martha im Haus ist (ab 00:30:40). Martha ist verunsichert und gestresst, weshalb sie ein Glas Wein trinken will, obwohl sie schwanger ist. R-Ash starrt ihr ohne Regung nach, als sie in die Küche geht, und initiiert das Gespräch, indem er sie nach einigen Schlucken fragt: Are you sure that’s … (212), worauf Martha erwidert: I know I’m not supposed to. It won’t kill us (213). Sie unterbricht R-Ashs Aussage und erzwingt den SprecherwechselSprecherwechsel. Dabei hält sie keinen Blickkontakt zu ihm. Anstelle einer empathischen Antwort will R-Ash Martha darlegen, wie die offiziellen Empfehlungen für Schwangere lauten, worauf Martha laut und genervt meint: Oh, fuck the official advice, it’s one night (215). Wiederum fällt sie ihm ins Wort, doch gibt es hier noch keinen Streit.

Als die beiden später in das Schlafzimmer gehen, reagiert Martha erneut ungehalten über R-Ashs Kommunikationsverhalten. Sie zieht ihr Oberteil aus, dabei lacht sie unsicher, während R-Ash sie ausdruckslos anstarrt. Als sie R-Ashs Hand auf ihre Brust legt, reagiert dieser nicht. Folgende Konversation beginnt ab 00:33:27:2


239 M: Hello?
240 R: Hi.
241 M: Your hand’s on my tit?
242 ((R takes hand away; M puts it back))
243 M: You’re doing wonders for my self-esteem here.
244 R: There’s no record of my sexual response. + I didn’t discuss that
245 side of things online.

Mit Aussage 239 meint Martha keine Begrüssungsformel, sondern sie erwartet mit diesem «Hello» eine Reaktion von R-Ash. Das untermauert sie, indem sie R-Ash mit einem erwartenden Gesichtsausdruck in die Augen schaut. R-Ash weiss jedoch nicht, dass Hello nicht immer eine Paarsequenz aus Gruss-Gruss ist (siehe Brinker & Sager 2010: 78) und antwortet dementsprechend mit «Hi» – dies ist in der Situation völlig unpassend. Er versucht durch seine Antwort eine zweigliedrige Sequenz herzustellen, doch ist hier keine Begrüssungsformel gemeint. Dabei schaut er Martha freundlich in die Augen und zeigt keine Reaktion auf Marthas intensiven Blick. R-Ash weicht hier vom konventionellen Schema ab, eine Kooperation mit seiner Gesprächspartnerin ist ihm nicht möglich (siehe Brinker & Sager 2010: 78). Dadurch, dass er nicht kooperiert (oder nicht kooperieren kann), gibt es auch keine Gesprächskohärenz: R-Ashs ProgrammierungProgrammierung scheitert daran, dass er nicht in der Lage ist, den Kontext des Gesprächs miteinzubeziehen.

Martha versuchte nun herauszufinden, weshalb R-Ash keine Regung zeigt. Sie runzelt die Stirn, worauf R-Ash seine Hand wieder von Marthas Brust wegnimmt, diese zieht seine Hand jedoch wieder mit Nachdruck an ihre Brust und drückt sie zusätzlich. R-Ashs Gesichtsausdruck bleibt dabei neutral. Erst als Martha ironisch ihr Selbstbewusstsein in Zeile 243 anspricht, realisiert R-Ash, dass von ihm etwas erwartet wird, das er aber nicht getan oder verstanden hat. Dementsprechend spricht er nach dem SprecherwechselSprecherwechsel mit Sprechpause seine Roboterfunktionen an (vgl. die Zeilen 244 und 245). Doch dies ist unpassend und nimmt nicht Bezug auf Marthas Aussage. Der Sprecherwechsel funktioniert damit zwar insofern, als R-Ash eine Antwort gibt, aber nicht die erwartete. Die zweite Aufforderung zum Sprecherwechsel funktioniert hingegen nicht. Denn nach Marthas Aussage (241) und ihrem Blick wäre dies ein Indiz für R-Ash, dass er mit der Sprecherrolle an der Reihe ist. Doch Marthas Fremdzuweisung des Rederechts scheitert.

Die bisher gezeigten Szenen mit R-Ash zeigen, dass Martha bereits über kleinere Fehlkommunikationen und Störungen irritiert zu sein scheint. Dies liegt gewiss auch daran, dass es grosse Unterschiede in der Kommunikation zwischen Ash und R-Ash gibt und Martha das Kommunikationsverhalten von Ash, nicht aber von R-Ash gewöhnt ist. In der nächsten analysierten Szene wird Martha zum ersten Mal richtig wütend. Ihre Schwester besucht sie, weshalb Martha R-Ash im Schlafzimmer versteckt. Nachdem die Schwester wieder gegangen ist, starrt Martha nachdenklich ins Leere. Als R-Ash zu ihr in die Küche kommt, weint sie und er erkundigt sich nach ihrem Befinden, worauf sich folgendes Gespräch entwickelt: (ab 00:38:38):


281 ((After visit of her sister))
282 R: Hey ++ is everything alright?
283 M =nodding=: Yeah, I’m fine. (It’s fine.)
284 R: What did your friend say?
285 M: That was my sister ++ You know her. ++ She said that I was + She said
286 that she was happy that I moved on.
287 R: Moved on to what? =grinning= ((M shaking head)) +++ Is that not the
288 sort of thing I’d say? + I mean ++ it is, isn’t it? + Are you sure
289 everything’s alright-
290 M =angry=: Yes! ((drops glass)) Shit! ((R wants to help her
291 with the glass shatters)) +4+ It’s okay, I can do it. I can do it. ++
292 I can do it. ((Pushes his hand away)) =shouts= Don’t!
293 ((Hurts R with a shard))

Martha geht bereits aufgewühlt in das Gespräch mit R-Ash, da ihre Schwester davon ausgeht, dass Martha einen neuen Mann kennengelernt hat. Dazu kommt Marthas Schock, dass R-Ash ihre Schwester nicht erkennt, obwohl er sie kennen sollte. R-Ashs Frage, über was sie hinweggekommen sei, löst bei Martha aus, dass sie ungläubig den Kopf schüttelt. Er stellt daraufhin zwar eine Gesprächskohärenz her, indem er move aus Marthas Aussage wiederholt. Doch stellt er diese Frage mit einem Grinsen im Gesicht. Dementsprechend kann Martha sich in diesem Moment nicht sicher sein, ob R-Ash die Phrase move on from something sprachlich nicht versteht oder ob er einen dummen Spruch machen wollte. Das Grinsen deutet auf Letzteres hin, dies ist aus ihrer Sicht jedoch nicht angebracht, da sie ein schlechtes Gewissen hat, weil sie ihrer Schwester etwas vorspielt. Dementsprechend wird sie wütend. Statt dass es R-Ash dabei belässt, drängt er Martha mit einer zweiten Frage zu einer Reaktion, die in einem wütenden Yes endet. Er realisiert nicht, als Martha sich von ihm abwendet und sich ihm dann unzufrieden wieder zuwendet, dass er sie in diesem Moment in Ruhe lassen sollte. Die Fremdzuweisung in Zeile 288 funktioniert nicht, Martha ist nicht gewillt, seine Frage zu beantworten. Dadurch entsteht eine Pause, die R-Ash mit einer weiteren Aussage füllt. Bevor Martha Yes! ruft (290), schaut sie wiederum von R-Ash weg und fasst sich verzweifelt an den Kopf. R-Ashs Frage überlappt mit Marthas Yes, Martha macht damit eine Fremdbestimmung beim SprecherwechselSprecherwechsel, da R-Ashs Frage noch nicht beendet war. Als R-Ash ihr helfen will, Scherben aufzuräumen, obwohl sie wütend auf ihn ist, wird sie noch aufgebrachter. Das Gespräch stoppt abrupt in dem Moment, wo Martha R-Ashs Hand verletzt, indem sie ihn wegstösst und er in eine Scherbe greift. R-Ash zeigt während der gesamten Szene keine Reaktion. Das Wegschieben seiner Hand geschieht nur, weil er jede von Marthas Aussagen ignoriert und fortfährt, als würde sie nicht sprechen.

Zusammenfassend handelt es sich um eine missglückte Kommunikation, weil R-Ash unpassende Fragen stellt, eine nicht situationsadäquate Mimik hat, eine Reaktion Marthas versucht zu erzwingen, die sie nicht zeigen will, und ihre Signale nicht versteht. Am Ende wird die Störung nicht behoben, das Gespräch bricht ab. In der nächsten Szene, die in der Serie anschliessend an die vorherige stattfindet, bleibt die gereizte Stimmung Marthas bestehen. Das Paar liegt nachts im Bett und Martha versucht zu schlafen, beginnt dann aber doch ein Gespräch (Szene beginnt ab 00:40:01).


296 M: Look, if you’re going to pretend to be asleep, you could at least
297 breathe, okay? + It’s just eerie.
298 R: Like this? ((breathes heavily))
299: M +5+ ((sits up, switches lights on)): It doesn’t work. I can tell that
300 you’re faking it+++
301 R: Would you like me to have sex with you? +
302 M ((angry)): Can you just go downstairs?
303 R: Okay. ((wants to leave))
304 M =shouts=: No! That’s- ++ Ash would argue over that. He wouldn’t just
305 leave the room because I’d ordered him to.
306 R: Okay. ((wants to come back))
307 M ((desperate)): What, n- + Ah, fucking hell +++
308 R ((confused)): Don’t cry, darling.
309 M =shouts=: Oh, don’t! Just get out! + Get out! ++ Go on!
310 R: So you do want me to go?- ((while leaving the room))
311 M ((screaming)): Just get out! Get
312 out! Get out! Get out! Get out! Get out! You’re not enough of him. You
313 are nothing, you’re nothing! ((Hitting him on the chest)) Fight me.
314 R ((calmly)): I don’t do that.
315 M ((angry)): (Fucking) fight me! Hit me! Hit me! Hit me, come on! Why
316 are you just standing there taking this? How can you take this?
317 R: Did I ever hit you?
318 M: No + no, of course you didn’t … but you might’ve done if I done this!
319 ((hitting him)) Or this… I don’t … I don’t know. Maybe you would have
320 but you wouldn’t, would you. You wouldn’t.
321 R ((calmly): I could insult you.
322 M ((confused and angry)): What?
323 R: There’s tons of invective in the archive. I liked speaking my mind.
324 I could throw some of that at you.
325 M ((angry): Get out of this house! (~42:00)

Das Streitgespräch funktioniert hier aus verschiedenen Gründen nicht, und dementsprechend kann auch keine Lösung zum Problem gefunden werden. Martha initiiert das Gespräch, welches R-Ash zuerst auch nach einer kurzen Sprecherpause annimmt. Sie ist mit dem Ergebnis jedoch nicht zufrieden, was in Zeile 299 erkennbar ist. Sie schaltet das Licht an, was ebenfalls eine Störung ist und ihre Unzufriedenheit signalisiert, da sie eigentlich schlafen will. Darauf folgt nach einer längeren Pause R-Ashs unpassende Aussage (301), welche die Situation zum Eskalieren bringt, da Martha einen anderen respondierenden Schritt erwartet hat und Ashs Antwort als Zurückweisung ihrer Aussage interpretiert. Nach dem Prinzip der «bedingten Erwartbarkeit» weicht R-Ash mit dieser Aussage vom konventionellen Schema ab, was Sanktionen zur Folge haben kann. Man könnte auch von einem misslungenen Versuch der Deeskalation sprechen, mit dem R-Ash eine Ablenkung vom Problem erreichen will. Aus Marthas Sicht akzeptiert er ihr Problem jedoch nicht, was eine Problemlösung schwierig bis unmöglich macht. Deshalb reagiert sie selbst auf R-Ashs Frage 301 nach einer längeren Sprecherpause mit Zurückweisung und initiiert damit eine neue Handlungskette. R-Ash nimmt diese wörtlich und realisiert nicht, dass Martha von ihm als Partner Eigeninitiative erwartet und nicht Gehorsamkeit. Ihre Aussage war eine Aufforderung zur Diskussion und nicht zu einer Tat. Bei einem menschlichen Paar wäre diese Aussage sicherlich auch streiteskalierend, da bei gleichberechtigten PartnerRoboterPartner-n der eine den anderen nicht ohne Weiteres aus dem gemeinsamen Bett schicken kann – Wegschicken agiert nicht konfliktreduzierend. R-Ash nimmt aber alles wörtlich, dementsprechend ist auch die Aussage in Zeilen 304 und 305 eine Aufforderung, zurück ins Bett zu kommen. Martha hätte sich hier eine Diskussion gewünscht. Ihre Äusserung war vom Sprechhandlungstyp her ein Vorwurf, und bestimmte Reaktionsmöglichkeiten sind per Konvention an Sprechhandlungstypen gebunden. Auf einen Vorwurf kann eigentlich nur «Bestreiten», «Sich-Rechtfertigen» oder «Sich-Entschuldigen» folgen (Brinker & Sager 2010: 78). Doch R-Ash scheint diese Konventionen nicht zu kennen.

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