Kitabı oku: «Buddhas Mittlerer Weg», sayfa 4

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f. Die Entdeckung des Mittleren Wegs

Das konkrete Entdecken des Mittleren Wegs lässt sich möglicherweise nicht einfach auf einen Moment des Erkennens reduzieren. Wenn es einen guten Kandidaten für einen solchen Moment im Pali-Kanon gibt, folgt er unmittelbar auf Siddharthas Erinnerung der Jhana-Erfahrung unter dem Rosenapfelbaum. Der Text geht dann weiter:

„Könnte das der Pfad zur Erleuchtung sein?“ Dann, im Anschluss an diese Erinnerung, kam die Erkenntnis: „Das ist der Pfad zur Erleuchtung.“{24}

In Hinblick auf den universellen Wert der Geschichte ist dies der wichtigste Punkt, nicht die Erleuchtung selbst. Sie bietet ein Erkennen der Natur des Pfades und weniger eine Behauptung über das Ziel. Der Pfad ist etwas, das wir alle in jedem Augenblick beurteilen und neu beurteilen müssen, das Ziel lediglich eine abstrakte Vorstellung des Zwecks, ihn zu beschreiten. Entscheidend ist, dass Siddhartha den Pfad erkennt, bevor er behauptet, das Ziel erreicht zu haben. Das macht deutlich, dass der Pfad nur insofern vom Ziel abhängig ist, als das Ziel zu einem Symbol für den Pfad wird. Das Ziel sagt uns nicht, in welcher Richtung der Pfad verlaufen soll. Der Pfad kann auf Grund seines universellen Charakters in der Erfahrung jedes Einzelnen immer nur darin bestehen, die Umstände zu beurteilen, in denen wir uns befinden, wie auch immer sie sind. Dieser Pfad kann auch dann beschritten werden, wenn das betreffende Individuum noch keine abschließenden Vorstellungen des Ziels hat. Alles, was man braucht, sind praktische Vorstellungen über den Weg selbst.

Oberflächlich betrachtet klingt die obige Passage jedoch so, als bestehe der Weg nur in der Jhana-Erfahrung. Würde man dies annehmen, wäre es leicht, den Schluss zu ziehen, der Pfad bestehe nur aus Aufstieg durch Jhanas bis man das Erwachen als eine Art Super-Jhana erlangt. Die Rolle der „höheren Jhanas“ in Bezug auf Alara Kalama und Udaka Ramaputta zu Beginn der Geschichte, könnte diese Art der Interpretation ebenfalls gefördert haben. Man könnte sich vorstellen, dass Siddhartha an seinen Lehrern (die nur die höheren Jhanas erreicht haben) vorbeisauste, um das Rennen zum endgültigen Ziel vor ihnen zu gewinnen. Doch all dies würde dazu führen, bestimmte Elemente der Geschichte zu verabsolutieren, während ihre universellere Bedeutung verloren ginge. Der Pfad ist jedem zugänglich und bietet einen Weg vorwärts, wo auch immer man sich befindet. Nicht jeder ist in der Lage, auch nur die niederen Jhanas zu erreichen, geschweige denn die höheren zu übertreffen. Wir dürfen die spezifischen Merkmale des Pfads von Siddhartha nicht mit dem Pfad an sich verwechseln, den die Geschichte auf breiterer Ebene symbolisiert.

Ich habe bereits erörtert, dass die Art und Weise, in der Siddhartha seine beiden spirituellen Lehrer übertrifft, vielmehr in der Art und Weise begründet liegt, wie sie ihre Errungenschaften verabsolutieren. Sie glauben, diese seien schon alles oder die Gesamtheit des Pfades. Die Erinnerung an die frühere Jhana-Erfahrung unter dem Rosenapfelbaum ist folglich in anderer Weise bedeutsam, denn sie verschafft Siddhartha ein breiteres, fundierteres Bewusstsein. Dieses Bewusstsein ermöglicht es ihm, damit aufzuhören, die Annahmen der Askese zu verabsolutieren. Er hat nun erkannt, dass es das Bewusstsein ist, das uns befähigt, über Verabsolutierung hinauszugehen. Jhana ist eine Quelle zunehmend integrierten Bewusstseins, aber es ist kein dauerhafter Zustand: Vielmehr wird es in der Meditation erlangt und geht danach verloren, sobald man sich wieder mit anderen Aktivitäten außerhalb der Meditation beschäftigt. Jhana ist also ein sehr nützlicher Zustand für Siddhartha, den es zu kultivieren gilt, um Verabsolutierung zu vermeiden – aber es ist nicht der einzig mögliche Weg, Verabsolutierung zu vermeiden. Nicht einmal das Erreichen des allerhöchsten Jhana-Zustands garantiert, dass er nie wieder verabsolutieren wird. Jhana ist wichtig für seinen individuellen Pfad und es mag für viele andere wichtig sein, aber es ist kein wesenhaftes Kennzeichen des Pfads im Allgemeinen und nicht bestimmend für den Pfad.

Siddharthas Erkennen des Pfads ist zugleich ein Erkennen des Mittleren Wegs angesichts der Wesensart der ihm vorangegangenen Geschichte. Der eingeschlagene Pfad besteht nicht in einer Rückkehr zu den Werten des Palasts. Dennoch übernimmt dieser eine Erfahrung, die er im Palastumfeld gemacht hat, als wertvoll, ebenso wie dessen positive Bewertung des Vergnügens. Der Pfad, den er gefunden hat, vermeidet zudem die Verabsolutierung der Werte des Waldes, sowohl die seiner spirituellen Lehrer als auch die der Askese, behält aber dennoch den umfassenderen Wert der spirituellen Suche bei, die der zentrale Wert des Waldes ist. Der Mittlere Weg besteht hier also im Kern darin, Verabsolutierung auf beiden Seiten zu vermeiden. Er sucht einen Pfad, der eine differenzierte Haltung gegenüber dem einnimmt, was bei widerstreitenden Glaubensinhalten hilfreich ist, ohne sie gänzlich zu übernehmen.

Der Gegensatz zwischen dem Palast und dem Wald mag eine symbolische Tragweite haben, die weit über den Kontext des Buddha hinausreicht. Er bietet jedoch keine vollständige Lösung für alle verabsolutierenden Gegensätze, die im menschlichen Leben möglicherweise auftreten, sondern ist vielmehr ein Beispiel für einen solchen Gegensatz. Er trägt auch dazu bei, einige Strukturelemente verabsolutierender Gegensätze darzulegen und zu zeigen, wie man sie vermeiden kann. Das Beispiel darf nicht als universelle Aussage über den Mittleren Weg missverstanden werden. Dies wird nicht nur aufgrund der Abhängigkeit vom besonderen Kontext des Buddha deutlich, sondern auch aufgrund der Interpretationsprobleme, die durch den Palast und den Wald aufgeworfen werden. Steht der Palast für soziale Konventionen oder für individualistische Genusssucht? Diese könnten in einem anderen Kontext, in dem Askese zur allgemeinen Pflicht geworden ist, leicht miteinander in Konflikt geraten. Steht der Wald für die Verabsolutierung bestimmter religiöser Erfahrungen oder für die Autorität religiöser Lehrer oder für Askese? Wiederum könnten diese miteinander in Konflikt stehen, z.B. wenn ein einflussreicher religiöser Führer ein wortgläubiger Fundamentalist wäre, der es verböte, Erfahrungen Vertrauen zu schenken. Es ist nicht immer klar, wofür Palast und Wald stehen und auch nicht, dass sie wirklich voneinander abhängig sind. Es wäre sehr einfach, dem Palast religiöse Motive zuzuschreiben oder eine königliche Förderung einzuführen, um den Wald zu korrumpieren.

Was hingegen klar ist, ist, dass in Siddharthas Bewusstsein zum Zeitpunkt, als er seine Urteile fällte, Palast und Wald Werte repräsentierten, die miteinander in Konflikt standen. Er entwickelte ein Modell, sich an den Mittleren Weg anzunähern, das jeder andere Mensch in einer ähnlichen, von absoluten Werten verschlungenen Lage anwenden könnte. Zuerst löste er sich von diesem Kontext, um das Gegenteil offen anzunehmen, aber er blieb sich andererseits auch der Grenzen jenes Gegenteils kritisch bewusst und nutzte dies, um auf eine hilfreichere und adäquatere dritte Option hinzuarbeiten. Um sich der Grenzen des Gegenteils bewusst zu werden, erwies sich zudem eine Rückbesinnung auf die Stärken der ersten Werteordnung als entscheidend.

Solch eine Strategie, die auf diese Weise entwickelt wurde, kann auf alle möglichen, offensichtlich sehr unterschiedlichen Szenarien übertragen werden, über die gesamte Bandbreite menschlicher Erfahrung hinweg. Lassen Sie mich einige Beispiele anführen:

 Ein Alkoholiker kämpft mit einer Sucht, in der der absolute Wert Alkohol den Lebenssinn übernimmt. Er geht fort in ein Reha-Zentrum, wo er „trocken wird“ und eine andere Sichtweise auf die Motive seiner Sucht gewinnt. Das Reha-Zentrum ist für ihn hilfreich, aber es stützt sich auf ein medizinisches Modell. Erst wenn er aufhört, von diesem Modell abhängig zu sein und mehr Eigenverantwortung für seine Genesung übernimmt, beginnt er, auf lange Sicht Wege aus dem Alkoholismus zu finden.

 Ein Mädchen, das in einer konservativen muslimischen Familie aufgewachsen ist, läuft weg und stürzt sich in ein Leben, in dem sie alles durch ihre Erziehung Verbotene genießt: allein leben, trinken, in Nachtclubs gehen, eine Vielzahl sexueller Beziehungen, atheistische Bücher lesen, usw. Nach einigen Jahren ist sie jedoch ausgebrannt und beginnt, die Sicherheit und Disziplin ihrer Herkunftsfamilie zu vermissen. Dann besucht sie einen Achtsamkeitskurs und fängt an zu meditieren, wobei sie beginnt, dieses Gefühl der Sinnhaftigkeit wiederzuentdecken, obwohl ihre Familie sie verstoßen hat.

 Ein Wissenschaftler hat sein ganzes Leben lang Beweise für eine bestimmte Art von Theorie erforscht, ist auf diesem Gebiet bekannt geworden und hat sie zur Grundlage seiner Karriere und seines Renommees gemacht. Ein jüngerer Kollege erzielt jedoch einen Durchbruch, der eine völlig andere Art von Theorie liefert. Die neue Theorie erklärt die gleichen Phänomene, beseitigt zudem zahlreiche rätselhafte Diskrepanzen und eröffnet eine ganz neue Forschungsrichtung. Ein Großteil der Arbeit des älteren Wissenschaftlers sieht jetzt wie Zeitverschwendung aus. Verbittert klammert er sich an seine alte Theorie und versucht sie zu verteidigen, aber seine Position wird zunehmend unhaltbar. So verkündet er schließlich in einer dramatischen öffentlichen Erklärung, dass sein jüngerer Kollege Recht hat, und dass er die alte Forschungsrichtung aufgeben wird. Beschämt spielt er eine untergeordnete Rolle in einem Forschungsprogramm, dass nun von seinem jüngeren Kollegen geleitet wird. Nach einigen Jahren gelingt es ihm jedoch durch seine weiterhin kritische Sicht auf die neue Forschungsrichtung, einige Schwächen der neuen Theorie zu identifizieren, so dass sie zweckdienlich modifiziert werden kann.

Bei all diesen grundverschiedenen Beispielen handelt es sich um Gegensatzpaare absoluter Überzeugungen. In einigen Fällen können diese Überzeugungen einen bestimmten sozialen Kontext zusammen mit einer Reihe anderer, voneinander abhängiger Überzeugungen vollständig dominieren (z.B. konservativer Islam). In anderen kann es sich nur um eine relativ losgelöste Überzeugung handeln, die in einem Kontext, in dem viele andere Überzeugungen vorläufig sind, eine Blockade schafft (z.B. Festhalten an einer wissenschaftlichen Theorie). Die Überzeugungen können sich auf vermutete Fakten oder Werte oder beides beziehen. Sie können wissenschaftlicher, ethischer oder ästhetischer Natur sein (oder eher eine Kombination aus allen). Die Gruppen, die diese absoluten Überzeugungen bestärken, können groß oder klein, formell oder informell und ihre Überzeugungen stark systematisiert oder völlig inkohärent sein. Die absoluten Überzeugungen können stark von obsessiven Wünschen und Ängsten untermauert werden, die Ursachen in der Vergangenheit haben können (z.B. Alkoholismus). Andererseits können sie relativ abstrakt und kontextabhängig sein (z.B. Festhalten an einer Theorie). Der Ansatz des Mittleren Wegs ermöglicht es, diese aufzulösen, da er sich über die Begrenzungen dieses Gegensatzpaars absoluter Werte hinausbewegt, wobei keine der beiden Annahmen vollständig akzeptiert wird. Auch wenn er als recht grobe Bewegung von einer Position in Richtung der entgegengesetzten beginnen mag, wird er doch zunehmend subtiler und im weiteren Verlauf weniger abhängig von einer Seite.

Der so verstandene Mittlere Weg ist ein Urteilsprinzip, keine metaphysische Behauptung oder ein Naturgesetz des Universums. Er zeichnet sich eher durch strukturelle Merkmale unserer Urteilsweise aus, weniger durch bestimmte Urteilsinhalte. Er garantiert keine bestimmten Ergebnisse durch diese Urteilsweise, sondern ermöglicht eine größere Angemessenheit des Urteils selbst. Er bewirkt dies, indem er sicherstellt, dass wir uns von Verabsolutierungen lösen, die leicht dieses Urteil blockieren können und uns in starren Reaktionsmustern gegenüber unserer Umwelt verharren lassen. Dieses Konzept einer größeren Angemessenheit des Urteils durch Vermeiden Verabsolutierungen kann auf viele weitere Arten gerechtfertigt werden, wie wir insbesondere in Abschnitt 7 sehen werden. Mir ist klar, dass dies nicht die herkömmliche buddhistische Darstellung dessen ist, worin der Mittlere Weg besteht. Ich werde in Abschnitt 4 aber Argumente gegen die Begrenztheit dieser traditionellen buddhistischen Darstellungen vorbringen. Vorerst möchte ich mich nur auf eine konstruktive Schilderung des Mittleren Wegs im Zusammenhang mit dem Buddha konzentrieren.

Die Elemente des Mittleren Wegs sind einer genauen Analyse wert, um klarer zu zeigen, wie er wirkt, sowohl im Leben des Buddha als auch in der allgemeinen Praxis. Ich habe fünf Schlüsselelemente des Mittleren Wegs herausgearbeitet, die ich nun auflisten und zur Geschichte des Buddha in Beziehung setzen möchte:

1 Skepsis Dies ist die grundsätzliche Anerkennung von Unsicherheit (nicht als eine in jeglicher Hinsicht negative Haltung misszuverstehen – s. Kapitel 4.a) Sie ergibt sich aus unserer endlichen verkörperten Erfahrung. Im frühen Leben des Buddha zeigt sich diese Skepsis in der Art und Weise, wie er weder die Dogmen des Palasts noch die des Waldes annimmt, sondern sie weiterhin als unsicher ansieht.

2 Vorläufigkeit Dies ist die Fähigkeit, sich nicht nur der Begrenztheit einer bestimmten Überzeugung kritisch bewusst zu sein, sondern auch Alternativen dazu zur Hand zu haben (was Fantasie erfordert). In Buddhas frühem Leben wird dies insbesondere durch das Vierte Zeichen verkörpert, das eine Alternative zum Palast bot, und die Jhana-Erfahrung unter dem Rosenapfelbaum, die eine Alternative zur Askese bot.

3 Agnostizismus Dies ist die Fähigkeit, unseren Glauben an eine der einander entgegengesetzten Verabsolutierungen aufzugeben. Wir beteiligen uns nicht an den gegenseitigen Schuldzuweisungen dieser beiden. Wir vermeiden standhaft absolute Überzeugungen, von denen wir wissen, dass sie nur innere oder äußere Konflikte verursachen werden. Diese Qualität kann sich nur entwickeln, sobald wir über die anfängliche Ablehnung des ersten Extrems hinausgegangen sind. Dann beginnen wir, dessen Verabsolutierungen in gleicher Weise wie die des zweiten Extrems abzuwägen, anstatt eine Verabsolutierung der anderen vorzuziehen. In Buddhas frühem Leben beginnt sich dieser Agnostizismus zu zeigen, als Siddhartha entschieden über die Askese hinausgeht, ohne die Werte des Palasts wieder anzunehmen.

4 Allmählichkeit Dies ist die Priorisierung einer graduellen Beurteilung von Qualitäten gegenüber absoluten Beurteilungen, die wahr oder falsch sein müssen. Vielleicht ist ihnen dies bereits in der Vorstellung begegnet, Grauschattierungen im Gegensatz zu „Schwarz-Weiß-Denken“, Dualismus oder Dichotomie anzuerkennen. Siddhartha begrüßt allmähliche Entwicklung hinsichtlich der Jhanas, als er Alara Kalama und Udaka Ramaputta hinter sich lässt. Was er ablehnt sind ihre verabsolutierenden Interpretationen ihrer Errungenschaften. Implizit sieht er diese Errungenschaften nur als Stationen innerhalb eines Spektrums meditativer Errungenschaften. Als er die Askese aufgibt, beginnt er auch allmählich eine Vorstellung von Genuss zuzulassen. Genuss ist dann nicht mehr etwas, was vollständig vermieden werden muss, sondern vielmehr als eine Erfahrung angesehen werden sollte, die Zustände der Verbundenheit schaffen kann.

5 Integration Während die skeptischen und agnostischen Prinzipien des Mittleren Wegs das Vermeiden von Absolutem betont, ist Integration das positive Gegenstück dazu. Sie besteht aus dem Prozess, zuvor gegensätzliche Wünsche, Bedeutungen und Überzeugungen zu vereinen. Integration wird durch das Vermeiden von Absolutem und von dadurch verursachten Konflikten ermöglicht. In Abhängigkeit der gewohnheitsmäßigen psychologischen Zustände des Individuums kann ein bestimmtes Urteil stärker integriert und damit angemessener werden. Diese Zustände werden wiederum durch den Grad der Integration zwischen Individuen im sozialen und politischen Kontext beeinflusst. Siddharthas Jhana-Erfahrung gibt ein Beispiel für Integration und zeigt die zentrale Bedeutung der Integration als psychologischen Effekt der Praxis des Mittleren Wegs. Ich werde in Abschnitt 5 ausführlich darauf eingehen, wie die vom Buddha gelehrten Praktiken die Entwicklung der Integration fördern können. Wie wir sehen werden, spiegelt Siddharthas weitere Entwicklung, nachdem er den Mittleren Weg entdeckt hat, weiterhin den Integrationsprozess wider.

Alle fünf dieser Elemente des Mittleren Wegs werden in der Beschreibung seiner Bedeutung und Praxis, die im weiteren Verlauf dieses Buchs zu finden ist, einen zentralen Platz einnehmen. Diese sind weniger durch ihre explizite Erwähnung in irgendeinem maßgeblichen Text legitimiert, sondern durch ihren praktischen Wert: einen, der von Menschen genutzt werden kann, ohne sich auf metaphysische Annahmen zu berufen. Aber man kann nach Inspirationsquellen für ihre Praxis suchen, vielleicht auch nach anerkannten Informationsquellen, um ihre Glaubwürdigkeit zu steigern. Man kann diese Inspiration oder Glaubwürdigkeit in der buddhistischen Tradition finden und die Erzählung, die ich hier über ihren Platz im Leben des Buddha schildere, kann Ihnen helfen, sie zu erkennen. Ebenso können es die Dinge, die ich im weiteren Verlauf dieses Buchs zu ihrem Platz in den Lehren des Buddha ausführen werde.

Um auf den Pali-Kanon zurückzukommen, es ist auch erwähnenswert, dass Siddharthas Entdeckung des Mittleren Wegs unmittelbar durch eine Handlung von symbolischer und praktischer Bedeutung erlangt wird:

Ich überlegte: "Es ist nicht leicht, dieses Glück mit einem so übermäßig ausgezehrten Körper zu erreichen. Angenommen, ich nähme feste Nahrung zu mir... Und ich aß etwas feste Nahrung - gekochten Reis und Brei. Nun warteten zu dieser Zeit fünf Bhikkhus auf mich und dachten: „Wenn unser Einsiedler Gotama einen höheren Zustand erreicht, wird er uns informieren. Aber als ich den gekochten Reis und den Brei aß, waren die fünf Bhikkhus angewidert und verließen mich mit dem Gedanken: „Der Einsiedler Gotama lebt jetzt luxuriös; er hat sein Streben aufgegeben und ist zum Luxus zurückgekehrt“.{25}

In Ashvaghosas Fassung nimmt diese Nahrung die zierlichere Form von „Milchreis“ an und wird von der Tochter eines Kuhhirten namens Nandabala offeriert.{26} Welche Version man auch immer im Sinn hat, diese Akzeptanz der Nahrung ist bedeutsam als Zeichen der Anerkennung der Bedürfnisse des Körpers. Sie markiert eine Rückkehr zu den Grundbedingungen unserer Erfahrungen, nach einem fruchtlosen Streben nach verabsolutierten Abstraktionen. Erkennt man an, dass die Entdeckung des Mittleren Wegs das bei weitem bedeutendste Ereignis im Leben des Buddha ist, scheint es, als ob dieses Ereignis viel umfassender rituell gefeiert werden sollte, als es der Fall ist. Man könnte sich eine Art buddhistischer Eucharistie vorstellen, bei der kleine Mengen von gekochtem Reis und Brei achtsam verzehrt werden, in Erinnerung an Buddhas bedeutendste und universellste Errungenschaft.

g. Maras Versuchungen

Die explizite Entdeckung des Mittleren Wegs, so groß seine Bedeutung auch sein mag, ist natürlich nicht das Ende der Geschichte. Die Praxis des Mittleren Wegs bleibt dann eine ständige Herausforderung für den Rest unseres Lebens. In den traditionellen Berichten über das Leben des Buddha wird die Zeitspanne zwischen der Entdeckung des Mittleren Wegs und dem Erreichen des Erwachens normalerweise als relativ kurz dargestellt. In dieser Zeit sitzt Siddhartha unerschütterlich in Meditation, entschlossen, sich nicht zu bewegen, bis er das Erwachen erlangt hat. An diesem Punkt treten jedoch die dunkelsten Kräfte in Erscheinung, um ihn abzulenken, und nur indem er standhaft bleibt, wird er nicht abgelenkt.

Siddharthas Praxis des Mittleren Wegs wird nun durch die Angriffe von Mara auf die Probe gestellt. Mara ist das buddhistische Äquivalent zu Satan, der Siddhartha angreift und versucht, um zu verhindern, dass er das Erwachen erlangt. Maras Prüfungen symbolisieren die Prüfungen, denen wir alle ständig ausgesetzt sind, wenn wir versuchen, den Mittleren Weg zu praktizieren, unabhängig davon, welchen Entwicklungsstand wir persönlich erreicht haben mögen. Im Pali-Kanon sind die Berichte über diese Übergriffe in Bezug auf die Chronologie in Buddhas Leben zweideutig: Es ist nicht ganz klar, ob sie vor oder nach dem Erwachen geschehen sein sollen. Die Tatsache, dass dies kaum eine Rolle spielt, sollte uns darauf aufmerksam machen, dass Erwachen die grundlegenden Bedingungen der Praxis des Mittleren Wegs, nämlich die der menschlichen Erfahrung, nicht ändern kann.

Mara versucht zunächst, Siddharthas Vertrauen zu untergraben, indem er ihn warnt, dass er sterben könnte, wenn er sich überanstrengt, solange er sich noch in einem so ausgezehrten Zustand durch seine früheren Entbehrungen befindet.{27} Damit scheint er die für uns alle erfahrbare Neigung zu repräsentieren, die wirkliche Beschäftigung mit dem Pfad aufzuschieben, weil der Zeitpunkt noch nicht optimal ist. Der Mittlere Weg kann jedoch jederzeit praktiziert werden, dort beginnend, wo Sie sich jetzt befinden.

Als dies nicht gelingt, greift Mara Siddhartha mit seiner Armee an, die eine Verkörperung seiner Ängste ist.{28} In einer Fassung greifen sie ihn passenderweise von hinten an,{29} was die Angst symbolisiert, die unerwartet aus dem Unbewussten hervorbrechen kann. Ashvaghosha berichtet ausführlich über diese furchterregenden Angriffe, die er sich als Horden von Unholden mit Tiergesichtern vorstellt, die Siddhartha umringen, während er unter dem Bodhi-Baum sitzt.{30} Diese Unholde schleudern heiße Kohlen auf ihn, aber sie verwandeln sich in rote Lotosblüten.{31} Entscheidend ist, dass Siddhartha diese Angriffe nicht besiegt, indem er zurückschlägt, sondern durch seinen Gleichmut, wodurch er sich nicht vor ihnen fürchtet.

Zu guter Letzt wird beschrieben, wie Mara Siddhartha in Versuchung führt, indem er seine Töchter – Tanha, Arati und Ragha – benutzt, die auf alle möglichen Arten versuchen, Siddhartha mit Wollust zu verführen.{32} Siddharthas potenzielle sexuelle Fantasien erhalten eine externalisierte Form. Selbstverständlich scheitern sie: Sie haben „versucht, einen Berg mit Stängeln von Lotosblumen zu zerschmettern“.{33} Siddharthas ausbleibende Reaktion wird darauf zurückgeführt, dass er „seine Begierde abgeschnitten hat“.{34} Solche Begriffe vermitteln allerdings nicht unbedingt die ausgewogene (und nicht repressive) Natur des Gleichmuts, der nötig ist, um einer solchen „Versuchung“ zu widerstehen.

Mara steht für die verabsolutierenden Kräfte in uns, die uns überwältigen, wenn wir mit Angst oder Verlangen konfrontiert werden. Einerseits lassen sie uns implizit oder explizit glauben, dass unsere projizierten Ängste (im Gegensatz zu den Bedingungen dahinter) uns verletzen können. Andererseits lassen sie uns glauben, dass unsere Projektionsobjekte der Begierde (im Gegensatz zu den Bedingungen dahinter) besessen werden können. Unsere Neigung, über Dinge in entgegengesetzten Absoluten zu denken, wird ständig durch die mächtigen Motive Angst und Begierde verstärkt, die aus der Amygdala und dem Striatum im hinteren Teil unseres Gehirns kommen. Diese Triebkräfte können uns in Extremsituationen davor bewahren, gefressen zu werden oder zu verhungern. Unter stabileren und zivilisierteren Bedingungen ist es jedoch viel wahrscheinlicher, dass sie unnötige Konflikte und Stress verursachen. Werden wir etwa mit dem unerwarteten Brüllen eines Tigers oder bewusst verführerischem Entblößen einer Brust konfrontiert, haben wir Urinstinkte, die gerne die Oberhand gewinnen. Aber es ist das ständige Wiedererinnern solcher Ereignisse, solange sie nicht auftreten, das unsere Fähigkeit stört, angemessen auf die viel häufigeren gewöhnlichen und vieldeutigen Ereignisse menschlichen Lebens zu reagieren: das harmlos herausfordernde Gerede eines Fremden, das harmlose Dröhnen eines Flugzeugs über uns oder der nicht aufreizende Blickkontakt, den ein Mann mit einer Frau auf der Straße bei ihren Alltagsbeschäftigungen aufnehmen mag. Es sind unsere Überreaktionen, die den Gleichmut bedrohen, der Teil der Praxis des Mittleren Wegs sein muss.

Daher müssen wir Maras Prüfungen in Hinblick auf die Notwendigkeit interpretieren, Verabsolutierungen auf praktisch und emotional begründete Weise zu vermeiden. Wir werden uns dann über diese extremen, emotionalen Reaktionen nicht aufregen. Gemäß dem Grundsatz des Agnostizismus können wir weder mit Angst noch mit zwanghaftem Verlangen allein durch Unterdrücken wirksam umgehen. Stattdessen müssen wir sie als Teil unserer verkörperten Situation anerkennen, während wir sie aufnehmen und sie in einem weiteren, im Körper verankerten Gewahrsein kontextualisieren. Unterdrücken funktioniert nicht, weil es uns nur in einen vorübergehenden Zustand erzwungener Selbstkontrolle führt, in dem wir weiterhin Energien aufwenden müssen, um die unerwünschten Emotionen in Schach zu halten. Unter diesen Umständen ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir die die Energie zum Unterdrücken verlieren, die erforderlich ist, um Mara in Schach zu halten. Wenn er sich also weiter an uns abarbeitet und unsere einzige Antwort Unterdrücken ist, wird er uns schließlich in Begierde oder Hass treiben.

Siddharthas Errungenschaft beruht nicht auf gewaltsamer Unterdrückung, sondern vielmehr auf Integration. Die durch Maras Armee geworfenen heißen Kohlen verwandeln sich in Blütenblätter, die nicht mehr die Wucht haben, neue Konflikte anzuregen, und somit harmlos für Siddhartha sind. Solange er sich auf eine integrative Praxis konzentriert, die sich auf seinen Körper als vereinende Grundlage des Bewusstseins stützt, kann Siddhartha die Reaktionen von Angst und Verlangen vermeiden. Auf diese Weise wird er zu einem starken Symbol der potenziellen Kraft unseres eigenen Gleichmuts. Es ist keineswegs so, dass er sich überhaupt nicht anstrengen braucht, oder, dass er die störenden Emotionen einfach so akzeptieren kann. Unterdrückung im Sinne bewusster Entschlossenheit, diese Emotionen nicht zu erwidern oder auf sie zu reagieren und gleichzeitig ihre Gegenwart zu akzeptieren, ist in der Tat notwendig. Andererseits ist es auch nicht einfach eine Frage des Mutes und der Standhaftigkeit im üblichen Sinne, denn er hat es nicht mit einem üblichen Feind zu tun. Sein Erfolg bei der Integration seiner störenden Emotionen hängt davon ab, ob er in der Lage ist, sie als Teil seiner selbst anzunehmen, ohne ihre trennende und störende Form zu akzeptieren. Dies hängt sowohl von seiner Weisheit und seinem Mitgefühl als auch von seinem Mut ab.

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