Kitabı oku: «Hauptwerke: Der Kaufmann von Venedig, Der Widerspenstigen Zähmung, Die Komödie der Irrungen, Ein Sommernachtstraum, V...», sayfa 11

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Vierte Szene

Straße in Padua.

Tranio und der Magister, als Vincentio gekleidet, treten auf.

TRANIO.

Dies ist das Haus, Signor: sagt, soll ich rufen?

MAGISTER.

Jawohl! Was sonst? Und wenn ich mich nicht täusche,

Muß sich Signor Baptista mein erinnern; –

Bald sind es zwanzig Jahr; in Genua war's,

Da wohnten beide wir im Pegasus.

TRANIO.

So ist es recht. – Bleibt nur in dem Charakter,

Seid strenge, wie es einem Vater ziemt!

Biondello kommt.

MAGISTER.

Seid unbesorgt! Doch seht, hier kommt Eu'r Bursch,

Den müßt Ihr noch belehren.

TRANIO.

Um den seid unbekümmert! He, Biondello,

Nimm dich zusammen, ja, das rat' ich dir,

Halt' fest im Sinn, dies sei Vincentio.

BIONDELLO.

Ei, das ist meine Sache.

TRANIO.

Doch hast du's auch Baptista angemeldet?

BIONDELLO.

Der Alte, sagt' ich ihm, sei in Venedig,

Und daß Ihr heut in Padua ihn erwartet.

TRANIO.

Du bist ein tücht'ger Kerl; nimm das zum Trinken!

Hier kommt Baptista: nun macht ernste Mienen! –

Baptista und Lucentio kommen.

Signor Baptista! glücklich angetroffen!

Vater,

Dies ist der Herr, von dem ich Euch erzählt.

Ich bitt' Euch, handelt väterlich an mir,

Gebt mir mein Erbteil nun um Biancas willen!

MAGISTER.

Sacht, sacht, mein Sohn! –

Mit Eurer Gunst, mein Herr! – Nach Padua kommend,

Um Schulden einzufodern, setzt mein Sohn

In Kenntnis mich von einer großen Sache,

Betreffend sein' und Eurer Tochter Liebe.

Und teils des Rufes halb, in dem Ihr steht,

Teils um des Liebesbunds von seiner Seite,

So wie von ihrer: – Nicht ihn hinzuhalten,

Stimm' ich dazu, in väterlicher Sorgfalt,

Ihn bald vermählt zu sehn: und sagt Ihr »ja«

So williglich als ich, sollt Ihr mich sicher

(Verständ'gen wir uns erst) höchst dienstlich finden,

Damit gemeinsam der Kontrakt sich schließe.

Denn schwierig kann ich gegen Euch nicht sein,

Mein Teurer, Eures guten Rufes halb! –

BAPTISTA.

Verzeiht, Signor, was ich erwidern muß:

Eu'r bünd'ger kurzer Antrag ist mir lieb;

So viel ist wahr: Lucentio, Euer Sohn,

Liebt meine Tochter, und sie liebt ihn wieder,

Wenn beide nicht die größten Heuchler sind.

Deshalb, wenn Ihr nichts weiter habt zu sagen,

Als daß Ihr wie ein Vater an ihm handeln,

Und meinem Kind ein Wittum wollt verschreiben,

So ist es gut: die Heirat ist gemacht,

Eu'r Sohn erhält mein Kind mit gutem Willen.

TRANIO.

Ich dank' Euch, Herr. Wo scheint's Euch wohl am besten,

Uns zu verloben und den Eh'kontrakt

Nach gegenseitigem Vertrag zu stiften?

BAPTISTA.

Nur nicht bei mir: Ihr wißt, es haben Ohren

Die Wände, meine Dienerschaft ist groß,

Der alte Gremio auch paßt immer auf,

So kann man dort gar leicht uns unterbrechen.

TRANIO.

In meiner Wohnung denn, wenn's Euch gefällt:

Dort wohnt mein Vater; dort, noch diesen Abend,

Verhandeln wir die Sache still und heimlich.

Schickt diesen Diener hin zu Eurer Tochter;

Mein Bursch soll gleich uns den Notar besorgen.

Das Schlimmste bleibt, – daß, hastig so bestellt,

Ihr hast'ge, magre Vorbereitung findet.

BAPTISTA.

Das gilt mir gleich. Nun, Cambio, eilt nach Haus

Und sagt an Bianca, sich bereit zu halten:

Und wenn Ihr wollt, erzählt, was sich begeben,

Lucentios Vater kam nach Padua,

Und sie wird nun wohl bald Lucentios Frau. –

LUCENTIO.

Daß dies gescheh', fleh' ich zu allen Göttern!

TRANIO.

Halt' dich nicht auf mit Göttern, sondern geh!

Signor Baptista, zeig' ich Euch den Weg?

Willkomm'! – Ihr trefft wohl heut nur eine Schüssel,

In Pisa mach' ich's wieder gut. –

BAPTISTA.

Ich folg' Euch.

Tranio, Magister und Baptista ab.

BIONDELLO. Cambio! –

LUCENTIO. Was sagst du, Biondello?

BIONDELLO. Ihr saht doch meinen Herrn mit den Augen blinzeln und Euch anlachen?

LUCENTIO. Und das heißt, Biondello?

BIONDELLO. Ei, das heißt nichts; aber er ließ mich hier zurück, Euch den Sinn und die Moral seiner Zeichen auszulegen.

LUCENTIO. Nun, so bitte ich dich, kommentiere sie denn!

BIONDELLO. Also denn wie folgt. Baptista ist fest und schwatzt mit dem trügenden Vater eines trügerischen Sohns.

LUCENTIO. Nun, und was weiter? –

BIONDELLO. Ihr sollt seine Tochter zum Abendessen führen.

LUCENTIO. Und dann? –

BIONDELLO. Der alte Pfarrer an der Sankt Lukaskirche steht Euch jede Stunde zu Gebot.

LUCENTIO. Und was soll nun das alles? –

BIONDELLO. Das weiß ich nicht; nur das weiß ich, daß sie sich jetzt mit einer nachgemachten Versicherung beschäftigen. Denkt Ihr nun darauf, Euch ihrer zu versichern, cum privilegio ad imprimend um solum: macht, daß Ihr zur Kirche kommt: nehmt Pfarrer, Küster und ein paar gültige Zeugen mit: –

Und hilft Euch nicht zum Ziele, was ich Euch jetzt erdacht,

Sagt Eurer schönen Bianca nur auf ewig gute Nacht!

LUCENTIO. Höre noch, Biondello ...

BIONDELLO. Ich habe keine Zeit. Ich kenne ein Mädchen, die verheiratete sich an einem Nachmittag, als sie in den Garten ging und Petersilie pflückte, um ein Kaninchen zu füllen; warum denn nicht auch Ihr, Herr? Und so lebt wohl! Mein Herr hat mir aufgetragen, nach Sankt Lukas zu gehn, damit der Pfarrer zur Hand sei, wenn Ihr mit Eurem Appendix ankommen werdet.

Ab.

LUCENTIO.

Ich kann und will, wenn sie's zufrieden ist:

Sie wird es tun, weshalb denn sollt' ich zweifeln?

Mag's gehn, wie's will. Zu ihr! Mein Herz vertraut ihr:

Cambio, frisch auf! Erwirb die holde Braut dir!

Ab.

Fünfte Szene

Feld.

Petruchio, Katharina und Hortensio treten auf.

PETRUCHIO.

Um's Himmels willen, schnell! Nochmals zum Vater! –

Mein Gott, wie hell und freundlich scheint der Mond! –

KATHARINA.

Der Mond? Die Sonne! Jetzt scheint ja nicht der Mond! –

PETRUCHIO.

Ich sag', es ist der Mond, der scheint so hell.

KATHARINA.

Ich weiß gewiß, die Sonne scheint so hell.

PETRUCHIO.

Bei meiner Mutter Sohn, und das bin ich,

Mond soll's sein, oder Stern, oder was ich will,

Eh' ich zu deinem Vater weiter reise:

Geht nur und holt die Pferde wieder her!

Stets Widerspruch! und nichts als Widerspruch! –

HORTENSIO.

Gebt ihm doch recht, sonst kommt Ihr nicht vom Fleck.

KATHARINA.

Nein, bitt' Euch, kommt, da wir so weit gelangt;

Sei's Mond und Sonn' und was dir nur gefällt,

Und wenn du willst, magst du's ein Nachtlicht nennen;

Ich schwör', es soll für mich dasselbe sein.

PETRUCHIO.

Ich sag', es ist der Mond.

KATHARINA.

Natürlich ist's der Mond.

PETRUCHIO.

Ei, wie du lügst! 's ist ja die liebe Sonne! –

KATHARINA.

Ja, lieber Gott! es ist die liebe Sonne! –

Doch nicht die Sonne, wenn du's anders willst:

Der Mond auch wechselt, wie es dir gelüstet,

Und wie du's nennen willst, das ist es auch,

Und soll's gewiß für Katharinen sein.

HORTENSIO.

Glück auf, Petruchio, denn der Sieg ist dein.

PETRUCHIO.

Nun vorwärts denn! So läuft die Kugel recht

Und nicht verdreht mehr gegen ihre Richtung.

Doch still! Was für Gesellschaft kommt uns da? –

Vincentio in Reisekleidern tritt auf.

Zum Vincentio.

Gott grüß' Euch, schönes Mädchen! Wohinaus?

Sprich, liebes Käthchen, sprich recht offenherzig,

Sahst du wohl je ein frischres Frauenbild? –

Wie kämpft auf ihrer Wange Rot und Weiß!

Nie funkeln wohl zwei Sterne so am Himmel,

Wie an dem Himmelsantlitz ihre Augen.

Du holdes Kind, noch einmal guten Morgen;

Käthchen, umarm' sie ihrer Schönheit wegen!

HORTENSIO.

Er macht den Mann noch toll, den er zur Frau macht.

KATHARINA.

Aufblüh'nde Schöne! Frische Mädchenknospe,

Wohin des Weges? Wo ist deine Heimat? –

Glücksel'ge Eltern von so schönem Kind!

Glücksel'ger noch der Mann, dem günst'ge Sterne

Zur holden Eh'genossin dich bestimmten! –

PETRUCHIO.

Was! Käthchen! Ei, ich hoff', du bist nicht toll?

Das ist ein Mann, alt, runzlig, welk und grau,

Und nicht ein Mädchen, wie du doch behauptest.

KATHARINA.

Verzeiht dem Wahn der Augen, alter Vater;

Die Sonne traf mir blendend das Gesicht,

Und was ich sah, erschien mir jung und grün.

Nun merk' ich erst, Ihr seid ein würd'ger Greis:

Verzeiht, bitt' ich, dies törichte Verkennen!

PETRUCHIO.

Tu's, guter alter Mann, und laß uns wissen,

Wohin du reisest. – Ist es unser Weg,

Soll die Gesellschaft uns erfreulich sein.

VINCENTIO.

Mein werter Herr, und schöne muntre Dame,

Die durch solch seltsam Grüßen mich erschreckt, –

Vincentio heiß' ich, komm' aus Pisa her,

Nach Padua geh' ich jetzt, dort zu besuchen

Den Sohn, den ich seit lange nicht gesehn.

PETRUCHIO.

Wie heißt er? sagt!

VINCENTIO.

Lucentio, edler Herr.

PETRUCHIO.

Das trifft sich gut, für deinen Sohn am besten:

Und nach Verwandtschaft nun, wie nach dem Alter

Mag ich Euch jetzt geliebter Vater nennen.

Die Schwester meiner Frau hier, dieser Dame,

Ist deines Sohnes Weib jetzt; staune nicht,

Noch zürne drum: untadlig ist ihr Ruf,

Die Mitgift reich, sie selbst aus gutem Hause,

Auch außerdem von Sitt' und Eigenschaft,

Wie eines Edelmanns Gemahlin ziemt.

Erlaubt, Vincentio, daß ich Euch umarme,

Und gehn wir, deinen wackern Sohn zu sehn.

Den deine Ankunft sicher hoch erfreut.

VINCENTIO.

Ist's Wahrheit? Oder ist's nur kecker Mutwill',

Daß Ihr als lust'ger Reisender die Laune

An Fremden übt, die auf der Straß' Ihr findet?

HORTENSIO.

Nein, ich versichr' Euch, alter Herr, so ist's.

PETRUCHIO.

Komm, geh nur mit und sieh die Wahrheit selbst;

Du traust wohl nicht, weil wir dich erst geneckt.

Petruchio, Katharina und Vincentio ab.

HORTENSIO.

Petruchio, schön! Du hast mir Herz gemacht! –

Zur Witwe! Wär' sie noch so widerspenstig,

Jetzt hast du Selbstvertraun und Mut und kennst dich.

Ab.

Fünfter Aufzug
Erste Szene

Straße.

Von der einen Seite treten auf Biondello, Lucentio und Bianca; Gremio geht auf und ab ihnen gegenüber.

BIONDELLO. Nur schnell und still, Herr, denn der Priester wartet.

LUCENTIO. Ich fliege, Biondello; aber sie haben dich vielleicht im Hause nötig: darum verlaß uns!

BIONDELLO. Nein, meiner Treu, erst müßt Ihr die Kirche im Rücken haben, und dann will ich zu meinem Herrn zurück, sobald ich kann. –

Lucentio, Bianca und Biondello ab.

GREMIO. Mich wundert, wo nur Cambio bleiben mag.

Petruchio, Katharina, Vincentio und Diener treten auf.

PETRUCHIO.

Hier ist die Tür, dies ist Lucentios Haus,

Mein Vater wohnt mehr nach dem Markte zu,

Dorthin muß ich, und also lass' ich Euch.

VINCENTIO.

Ihr müßt durchaus mit mir vorher noch trinken:

Ich denk', ich kann Euch hier als Wirt begrüßen,

Und angerichtet finden wir wohl auch.

Klopft an die Tür.

GREMIO.

Sie haben Geschäfte da drinnen, Ihr müßt stärker klopfen.

Magister oben am Fenster.

MAGISTER. Wer klopft denn da, als wollt' er die Tür einschlagen?

VINCENTIO. Ist Signor Lucentio zu Hause, Herr? –

MAGISTER. Zu Hause ist er, Herr, aber nicht zu sprechen.

VINCENTIO. Wenn ihm nun aber jemand ein- oder zweihundert Pfund brächte, um sich einen guten Tag zu machen? –

MAGISTER. Behaltet Eure hundert Pfund für Euch, er hat sie nicht nötig, solange ich lebe.

PETRUCHIO. Nun, ich hab's Euch wohl gesagt, Euer Sohn sei in Padua beliebt. – Hört einmal, Herr, ohne viel unnütze Weitläuftigkeit: sagt doch, ich bitte Euch, dem jungen Herrn Lucentio, sein Vater sei von Pisa angekommen und stehe hier an der Tür, um ihn zu sprechen.

MAGISTER. Du lügst: sein Vater ist von Pisa angekommen und kuckt hier aus dem Fenster.

VINCENTIO. Bist du sein Vater?

MAGISTER. Ja, Herr, so sagt mir seine Mutter, wenn ich ihr glauben darf.

PETRUCHIO. Was soll das heißen, guter Freund? Das ist ja offenbare Schelmerei, daß Ihr einen fremden Namen annehmt.

MAGISTER. Legt Hand an den Schurken! Er denkt wohl jemand hier in der Stadt unter meiner Maske zu betrügen?

Biondello kommt züruck.

BIONDELLO. Ich habe sie in der Kirche zusammen gesehn; der Himmel verleih' ihnen günstigen Wind! – Aber was ist hier? Mein alter Herr Vincentio? Nun sind wir alle verloren und zu Grunde gerichtet!

VINCENTIO. Komm her, du Galgenstrick: –

BIONDELLO. Ich hoffe, das kann ich bleiben lassen!

VINCENTIO. Komm hieher, Spitzbube! Was, hast du mich vergessen? –

BIONDELLO. Euch vergessen? Nein, Herr, ich konnte Euch nicht vergessen, denn ich habe Euch in meinem Leben nicht gesehn.

VINCENTIO. Was, du ausgemachter Schelm! Deines Herrn Vater, Vincentio, nie gesehn?

BIONDELLO. Was! meinen würdigen, liebewerten alten Herrn? Ei, versteht sich, Signor: da kuckt er ja zum Fenster heraus! –

VINCENTIO. Ist dem wirklich so? Schlägt ihn.

BIONDELLO. Hülfe! Hülfe! Hier ist ein verrückter Mensch, der mich umbringen will. Läuft davon.

MAGISTER. Zu Hülfe, mein Sohn! Zu Hülfe, Signor Baptista! –

PETRUCHIO. Komm, liebes Käthchen, laß uns zurücktreten und warten, wie dieser Handel ablaufen wird.

Sie gehn auf die Seite.

Magister, Baptista, Tranio und Diener treten auf.

TRANIO. Herr, wer seid Ihr denn, daß Ihr Euch herausnehmt, meinen Diener zu schlagen? –

VINCENTIO. Wer ich bin, Herr? Nun, Herr, wer seid denn Ihr? O ihr unsterblichen Götter! O du geputzter Schlingel! Ein seidnes Wams, samtne Hosen, ein Scharlachmantel und ein hochgespitzter Hut! O ich bin verloren, ich bin verloren! Unterdes ich zu Hause den guten Wirt mache, bringen mein Sohn und mein Bedienter alles auf der Universität durch!

TRANIO. Nun, was gibt's denn?

BAPTISTA. Was! Ist der Mensch mondsüchtig?

TRANIO. Herr, nach Eurer Tracht scheint Ihr ein stiller alter Mann, aber Eure Reden verraten Euch als einen Verrückten. Ei, Herr, was geht's denn Euch an, und wenn ich Gold und Perlen trage? Dank sei es meinem guten Vater, ich bin imstande, es dran zu wenden! –

VINCENTIO. Dein Vater, o Spitzbube! der ist ein Segelmacher in Bergamo! –

BAPTISTA. Ihr irrt Euch, Herr, Ihr irrt Euch! Sagt mir doch, wie denkt Ihr denn, daß er heißt?

VINCENTIO. Wie er heißt! Als wüßte ich nicht, wie er heißt! Ich habe ihn vom dritten Jahr auf groß gezogen, und sein Name ist Tranio.

MAGISTER. Fort mit dir, du toller Esel! Er heißt Lucentio, und ist mein einziger Sohn und Erbe aller meiner, des Signor Vincentio, Güter.

VINCENTIO. Lucentio! Oh, er hat seinen Herrn umgebracht! Verhaftet ihn, ich befehle es Euch im Namen des Dogen. Oh, mein Sohn! mein Sohn! Sag mir, Bösewicht, wo ist mein Sohn Lucentio? –

TRANIO. Ruft einen Gerichtsdiener her:

Einer von den Bedienten geht und holt einen Gerichtsdiener.

Bringt diesen verrückten Menschen ins Gefängnis! Vater Baptista, ich mache es Euch zur Pflicht, ihn fortzuschaffen.

VINCENTIO. Mich ins Gefängnis bringen?

GREMIO. Haltet, Gerichtsdiener, er soll nicht in Verhaft! –

BAPTISTA. Redet nicht drein, Signor Gremio, ich sage, er soll in Verhaft.

GREMIO. Nehmt Euch in acht, Signor Baptista, daß Ihr nicht durch diese Geschichte hinters Licht geführt werdet: ich getraue mir's darauf zu schwören, dies sei der rechte Vincentio.

MAGISTER. Schwöre, wenn du's dir getrauest!

GREMIO. Nein, zu schwören getraue ich mir's just nicht.

TRANIO. So solltest du lieber auch sagen, ich sei nicht Lucentio?

GREMIO. Ja, dich kenne ich als den Signor Lucentio.

BAPTISTA. Fort mit dem alten Narren, in Arrest mit ihm!

VINCENTIO. So werden Fremde fortgeschickt und gemißhandelt! O abscheulicher Bösewicht!

Biondello kommt zurück mit Lucentio und Bianca.

BIONDELLO. Ja, wir sind zu Grunde gerichtet, und ... dort ist er: verleugnet ihn, verschwört ihn, sonst sind wir alle verloren.

LUCENTIO knieend.

Verzeiht mir, Vater!

VINCENTIO.

Lebst du, liebster Sohn?

Biondello, Tranio und der Magister laufen davon.

BIANCA knieend.

Verzeiht, o Vater!

BAPTISTA.

Was hast du getan?

Wo ist Lucentio?

LUCENTIO.

Hier: ich bin Lucentio,

Rechtmäß'ger Sohn des wirklichen Vincentio.

Durch heil'ges Recht ward deine Tochter mein,

Indes dein Auge täuscht' ein falscher Schein.

GREMIO.

Nun ja! Das nenn' ich tücht'ge Schelmerei, uns alle zu betrügen!

VINCENTIO.

Wo blieb denn Tranio, der verdammte Wicht,

Der prahlt' und Trotz mir bot ins Angesicht? –

BAPTISTA.

Ei, sagt mir, ist nicht dies mein Cambio?

BIANCA.

Hier: umgewandelt in Lucentio.

LUCENTIO.

Dies Wunder tat die Liebe. Biancas Liebe

Ließ meinen Stand mit Tranio mich vertauschen,

Indes er meine Rolle hier gespielt:

Und freudig bin ich endlich eingelaufen

In den ersehnten Hafen meines Glücks.

Was Tranio tat, dazu zwang ich ihn selbst:

Verzeiht ihm, mir zu Liebe, teurer Vater!

VINCENTIO. Ich will dem Schurken die Ohren abschneiden, der mich ins Gefängnis schicken wollte.

BAPTISTA. Aber hört, Herr: Ihr habt also meine Tochter geheiratet, ohne nach meiner Einwilligung zu fragen?

VINCENTIO.

Seid unbesorgt, wir stellen Euch zufrieden: –

Doch ich muß fort und strafen die arge Büberei.

Ab.

BAPTISTA.

Und ich den Grund erforschen all dieser Schelmerei.

Ab.

LUCENTIO. Geliebte, Mut! dein Vater wird versöhnt.

Lucentio und Bianca ab.

GREMIO.

Mein Kuchen ist noch zäh, doch geh' ich mit ins Haus,

Hab' ich schon nichts zu hoffen als meinen Teil am Schmaus. –

Ab.

Petruchio und Katharina treten vor.

KATHARINA. Komm, lieber Mann, zu sehn, was daraus wird.

PETRUCHIO. Erst küsse mich, Käthchen, dann wollen wir gehn.

KATHARINA. Was! hier auf offner Straße?

PETRUCHIO. Was? schämst du dich meiner?

KATHARINA. Nein, Gott bewahre; aber ich schäme mich, dich hier zu küssen.

PETRUCHIO.

Nun, dann nur fort nach Hause: he! Bursch! gleich reiten wir.

KATHARINA.

Da hast du deinen Kuß: nicht wahr, nun bleibst du hier?

PETRUCHIO.

Ist das nun so nicht besser? Mein liebstes Käthchen, sieh:

Einmal besser als keinmal, und besser spät als nie.

Ab.

Zweite Szene

Zimmer.

Ein Bankett wird gebracht. Baptista, Vincentio, Gremio, der Magister, Lucentio, Bianca, Petruchio, Katharina, Hortensio und die Witwe treten auf; Tranio Biondello, Grumio und andre warten auf.

LUCENTIO.

Zwar spät, doch endlich stimmt, was Mißklang schien,

Und Zeit ist's, wenn der wilde Krieg vorüber,

Der Angst zu lächeln, der bestandnen Not. –

Begrüß', geliebte Bianca, meinen Vater,

Mit gleicher Zärtlichkeit begrüß' ich deinen: –

Bruder Petruchio, Schwester Katharine,

Und du, Hortensio, mit der lieben Witwe,

Trinkt, seid vergnügt: Willkommen meinem Hause!

Es diene dies Bankett nun zum Beschluß

Nach unserm großen Gastmahl. Bitte, setzt euch,

So gut zum Schwatzen ist's, als um zu essen.

Sie setzen sich.

PETRUCHIO.

Und nichts als sitzen, sitzen, essen, essen.

BAPTISTA.

Die Freundlichkeit ist heimisch hier in Padua.

PETRUCHIO.

Was nur in Padua heimisch, find' ich freundlich.

HORTENSIO.

Uns beiden wünsch' ich, dieses Wort sei wahr!

PETRUCHIO.

Nun, auf mein Wort! Hortensio scheut die Witwe.

WITWE.

Nein, glaubt mir nur, ich scheue mich vor niemand.

PETRUCHIO.

Wie sinnreich sonst, doch fehlt Ihr meinen Sinn:

Ich meint', Hortensio scheue sich vor Euch.

WITWE.

Wer schwindligt ist, der denkt, die Welt geht rund.

PETRUCHIO.

Ei! rund erwidert.

KATHARINA.

Sagt, wie meint Ihr das?

WITWE.

Ich zahl' ihm nur in gleicher Münze wieder,

Was ich von ihm empfing.

PETRUCHIO.

Von mir empfing sie?

Hortensio, wie gefällt dir das? Laß hören!

HORTENSIO.

Wie sie die Red' empfangen, meint die Witwe.

PETRUCHIO.

Gut eingelenkt! Küßt ihn dafür, Frau Witwe!

KATHARINA.

Wer schwindligt ist, der denkt, die Welt geht rund:

Ich bitt' Euch, sagt mir, was Ihr damit meintet? –

WITWE.

Eu'r Mann, der sich 'ne Widerspenst'ge nahm,

Mißt meines Mannes Kreuz nach seinem Gram:

Das war's, was ich gemeint.

KATHARINA.

So war's gemein gemeint.

WITWE.

Ja, denn Euch meint' ich.

KATHARINA.

Ich wär' gemein, gäb' ich noch acht auf Euch.

PETRUCHIO.

Drauf los, Käthchen!

HORTENSIO.

Drauf los, Witwe!

PETRUCHIO. Einhundert Mark, mein Käthchen kriegt sie unter!

HORTENSIO. Das wär' mein Amt.

PETRUCHIO. Gesprochen wie ein Amtmann! Auf dein Wohl!

Trinkt dem Hortensio zu.

BAPTISTA.

Was sagt Freund Gremio zu dem schnellen Witz?

GREMIO.

Sie stoßen mit den Köpfen gut zusammen.

BIANCA.

Wie, Stoß und Kopf? Ein Witzkopf möchte sagen,

Eu'r Kopf und Stoß sei nur wie Kopf und Horn.

VINCENTIO.

So, Fräulein Braut? hat Euch das aufgeweckt?

BIANCA.

O ja, doch nicht erschreckt; drum schlaf' ich fort.

PETRUCHIO.

Das sollt Ihr nicht: weil Ihr einmal begonnen,

Müßt Ihr noch zwei drei, spitze Worte dulden.

BIANCA.

Bin ich Eu'r Wild? So wechsl' ich das Revier,

Verfolgt mich denn und zielt mit Eurem Bogen;

Willkommen seid ihr alle.

Bianca ab mit Katharina und der Witwe.

PETRUCHIO.

Sie hat nicht standgehalten. Signor Tranio,

Ihr zieltet nach dem Vogel, traft ihn nicht;

Gesundheit jedem, der da schießt und fehlt!

TRANIO.

O Herr, Lucentio hetzte mich als Windhund.

Der läuft für sich und fängt für seinen Herrn.

PETRUCHIO.

Ein gutes, schnelles Bild, nur etwas hündisch.

TRANIO.

Doch daß Ihr für Euch selbst gejagt, war gut,

Denn Euer Wild, so meint man, führt Euch weit.

BAPTISTA.

Oho! Petruchio, Tranio traf Euch jetzt.

LUCENTIO.

Ich danke dir den Hieb, mein guter Tranio!

HORTENSIO.

Bekennt, bekennt: hat er Euch nicht getroffen?

PETRUCHIO.

Ich muß gestehn, er streifte mich ein wenig,

Und da der Witz an mir vorbeigeflogen,

Zehn gegen eins, so traf er Euch ins Herz.

BAPTISTA.

Nun, das ist ausgemacht, mein Sohn Petruchio,

Ihr habt die Widerspenstigste von allen.

PETRUCHIO.

Ich aber sage nein. Dies zu beweisen,

Laßt jeden Botschaft senden seiner Frau,

Und wessen Frau vor allen folgsam ist

Und kommt zuerst, wenn er sie rufen läßt,

Gewinnt die Wette, die wir hier bestimmen.

HORTENSIO.

Genehmigt. Wie viel setzt Ihr?

LUCENTIO.

Zwanzig Kronen.

PETRUCHIO.

Zwanzig Kronen?

So viel setz' ich auf meinen Hund und Falken,

Doch zwanzigmal so viel auf meine Frau.

LUCENTIO.

Einhundert denn!

HORTENSIO.

Genehmigt!

PETRUCHIO.

Topp! es sei!

HORTENSIO.

Wer macht den Anfang?

LUCENTIO.

Das will ich: – Biondello,

Sag meiner Frau, sie solle zu mir kommen.

BIONDELLO.

Ich geh'.

Ab.

BAPTISTA.

Halbpart, Herr Sohn, daß Bianca kommt.

LUCENTIO.

Nichts halb; ich will das Ganze mir gewinnen.

Biondello kommt zurück.

Wie nun! Was gibt's?

BIONDELLO.

Herr, unsre Frau läßt sagen,

Daß sie zu tun hat und nicht kommen kann.

PETRUCHIO.

Ah ha! sie hat zu tun und kann nicht kommen!

Heißt das antworten?

GREMIO.

Ja, und noch recht höflich;

Wenn Eure nur nichts Schlimmres läßt erwidern.

PETRUCHIO.

Ich hoffe Beßres.

HORTENSIO.

Geh, Bursch, zu meiner Frau, ersuche sie,

Sogleich zu kommen!

Biondello ab.

PETRUCHIO.

Oho! ersuche sie!

Dann muß sie freilich kommen! –

HORTENSIO.

So? Ich fürchte,

Bei Eurer wird Euch kein Ersuchen helfen.

Biondello kommt zurück.

Nun, wo ist meine Frau? –

BIONDELLO.

Sie sagt, Ihr habt wohl einen Scherz im Sinn:

Sie komme nicht; sie wünscht, Ihr kommt zu ihr.

PETRUCHIO.

Schlimmer und schlimmer! Will sie nicht? O schmählich,

Nicht auszuhalten, völlig unerträglich! –

Du, Grumio, geh sogleich zu meiner Frau,

Sag, ich befehl' ihr, sie soll zu mir kommen. –

Grumio ab.

HORTENSIO.

Ich weiß die Antwort!

PETRUCHIO.

Nun?

HORTENSIO.

Sie wolle nicht.

PETRUCHIO.

So schlimmer steht's um mich, und damit gut.

Katharina kommt.

BAPTISTA.

Nun heil'ger Gott! Seht, da kommt Katharine!

KATHARINA.

Was wollt Ihr, Herr, daß Ihr nach mir gesandt?

PETRUCHIO.

Wo ist Hortensios Frau und deine Schwester? –

KATHARINA.

Da drin am Feuer sitzen sie und schwatzen.

PETRUCHIO.

Geh, hol' sie her; und wollen sie nicht kommen,

Führ' sie gegeißelt ihren Männern her! –

Geh! sag' ich, bringe sie uns augenblicks!

Katharina ab.

LUCENTIO.

Hier ist ein Wunder, wollt ihr Wunder sehn.

HORTENSIO.

Jawohl! mich wundert, was nur das bedeute! –

PETRUCHIO.

Ei, Friede deutet's, Lieb' und ruhig Leben,

Ehrwürdig Regiment, rechtmäß'ge Herrschaft,

Kurz, was nur irgend süß und glücklich ist.

BAPTISTA.

Nun, dir sei alles Heil, guter Petruchio:

Die Wett' ist dein; ich aber füge noch

Zu dem Gewinste zwanzigtausend Kronen,

Der andern Tochter eine andre Mitgift;

Denn anders ist sie, als sie je gewesen.

PETRUCHIO.

Ich will die Wette besser noch gewinnen,

Sie soll mehr Zeichen von Gehorsam geben,

Der neu erworbnen Sitt' und des Gehorsams.

Katharina kommt zurück mit Bianca und der Witwe.

Nun seht, sie kommt und bringt die trotz'gen Weiber,

Gefangne weiblicher Beredsamkeit. –

Die Haube, Katharine, steht dir nicht:

Fort mit dem Plunder! tritt sie gleich mit Füßen!

Katharina tut es.

WITWE.

Gott, laß mich Ursach' nie zum Kummer haben,

Bis ich so albern mich betragen werde!

BIANCA.

Pfui! das ist ja ein läppischer Gehorsam! –

LUCENTIO.

Ei, wäre dein Gehorsam nur so läppisch!

Deines Gehorsams Weisheit, schöne Bianca,

Bringt mich um hundert Kronen seit der Mahlzeit.

BIANCA.

So kind'scher du, darauf etwas zu wetten!

PETRUCHIO.

Kathrine, dir befehl' ich:

Erklären sollst du den starrköpf'gen Weibern,

Was sie für Pflicht dem Herrn und Eh'mann schuldig.

WITWE.

Ei was, Ihr scherzt, wir wollen keine Predigt.

PETRUCHIO.

Tu's, sag' ich dir, und mach' mit der den Anfang!

WITWE.

Nein doch.

PETRUCHIO.

Ja, sag' ich, mach' mit der den Anfang!

KATHARINA.

Pfui, pfui! entrunzle diese droh'nde Stirn,

Und schieß' nicht zorn'ge Pfeil' aus diesen Augen,

Verwundend deinen König, Herrn, Regierer.

Das tötet Schönheit wie der Frost die Flur,

Zerstört den Ruf wie Wirbelwind die Blüten,

Und niemals ist es recht noch liebenswert.

Ein zornig Weib ist gleich getrübter Quelle

Unrein und sumpfig, widrig, ohne Schönheit:

Und ist sie so, wird keiner, noch so durstig,

Sie würd'gen, einen Tropfen draus zu schlürfen.

Dein Eh'mann ist dein Herr, ist dein Erhalter,

Dein Licht, dein Haupt, dein Fürst; er sorgt für dich

Und deinen Unterhalt, gibt seinen Leib

Mühsel'ger Arbeit preis zu Land und Meer,

Wacht Nächte durch in Sturm, und Tag' in Kälte,

Wenn du im Hause warm und sicher ruhst;

Und fodert zum Ersatz nicht andern Lohn

Als Liebe, freundlich Blicken und Gehorsam:

Zu kleine Zahlung für so große Schuld.

Die Pflicht, die der Vasall dem Fürsten zollt,

Die ist die Frau auch schuldig ihrem Gatten.

Und ist sie trotzend, launisch, trüb und bitter,

Und nicht gehorsam billigem Gebot,

Was ist sie als ein tückischer Rebell,

Sünd'ger Verräter an dem lieben Herrn?

Wie schäm' ich mich, daß Frau'n so albern sind!

Sie künden Krieg und sollten knieen um Frieden!

O daß sie herrschen, lenken, trotzen wollen,

Wo sie nur schweigen, lieben, dienen sollen!

Weshalb ist unser Leib zart, sanft und weich,

Kraftlos für Müh' und Ungemach der Welt,

Als daß ein weiches Herz, ein sanft Gemüte

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
920 s.
ISBN:
9783754178744
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
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