Kitabı oku: «Hauptwerke: Der Kaufmann von Venedig, Der Widerspenstigen Zähmung, Die Komödie der Irrungen, Ein Sommernachtstraum, V...», sayfa 12
Als zarter Gast die zarte Wohnung hüte?
O kommt, ihr eigensinn'gen, schwachen Würmer!
Mein Sinn war hart wie einer nur der euern,
Mein Herz so groß, mein Grund vielleicht noch besser,
Um Wort mit Wort, um Zorn mit Zorn zu schlagen: –
Jetzt seh' ich's, unsre Lanzen sind nur Stroh,
Gleich schwach wir selbst, schwach wie ein hülflos Kind,
Scheinen wir nur, was wir am mind'sten sind.
Drum dämpft den Trotz, beugt euch dem Mann entgegen,
Ihm unter seinen Fuß die Hand zu legen: –
Wenn er's befiehlt, zum Zeichen meiner Pflicht,
Verweigert meine Hand den Dienst ihm nicht.
PETRUCHIO.
Das nenn' ich eine Frau! Küss' mich, mein Mädchen! –
LUCENTIO.
Glück zu, Herr Bruder, du bezwangst dein Käthchen!
VINCENTIO.
Das klingt recht fein, wenn Kinder fromm und fügsam!
LUCENTIO.
Doch schlimm, wenn Frau'n verstockt und ungenügsam.
PETRUCHIO.
Nun, Käthchen, komm zu Bette: –
Drei sind vermählt, doch zwei nur schlecht, ich wette.
Gut' Nacht, ihr Herrn, und traft ihr schon das Weiße,
Ich bin's, der heut mit Recht der Sieger heiße.
Petruchio und Katharina ab.
HORTENSIO.
Die Widerspenst'ge hast du gut gebändigt.
LUCENTIO.
Ein Wunder bleibt's, daß dies so glücklich endigt.
Ab.
Die Komödie der Irrungen
Erster Aufzug
Erste Szene
Halle im herzoglichen Palast.
Es treten auf der Herzog von Ephesus, Ägeon, der Kerkermeister und Gefolge.
ÄGEON.
Fahr' fort, Solin! Sei Förd'rer meines Falles,
Dein Urteil ende Schmerz und Gram und alles!
HERZOG.
Kaufmann aus Syrakus, hör' auf zu rechten;
Ich kann parteiisch das Gesetz nicht kürzen.
Die Fehd' und Zwietracht, die uns jüngst erwuchs
Durch Eures Herzogs tückische Mißhandlung
Ehrsamer Kaufherrn, meiner Untertanen,
(Die, Geld entbehrend, um sich loszukaufen,
Sein hart Gesetz mit ihrem Blut gebüßt) –
Bannt alle Gnad' aus unserm droh'nden Blick.
Denn seit dem tödlichen und innern Zwist,
Des Bosheit Eure Stadt von uns getrennt,
Verbot ein feierlicher Volksbeschluß,
So bei den Syrakusern wie bei uns,
Daß kein Verkehr sei zwischen beiden Häfen.
Noch mehr:
Läßt ein geborner Epheser sich sehn
Auf Jahrmarkt oder Mess' in Syrakus;
Und kommt ein Mann, aus Syrakus entstammt,
Zum Hafenplatz von Ephesus, – der stirbt;
Sein ganz Vermögen fällt dem Herzog zu:
Es sei denn, daß er tausend Mark bezahlt,
Der Strafe zu entgehn, als Lösegeld. –
Nun, deine Habe, noch so hoch geschätzt,
Beläuft sich, denk' ich, kaum auf hundert Mark;
Deshalb bist du dem Tod mit Recht verfallen.
ÄGEON.
Das ist mein Trost; erfüllt man dein Gebot,
Stirbt mit der Abendsonn' auch meine Not.
HERZOG.
Wohl, Syrakuser, sag uns kurz den Grund,
Warum du zogst aus deiner Vaterstadt,
Und was dich hergeführt nach Ephesus?
ÄGEON.
O schwerste Pflicht, die du mir auferlegt,
Dir auszusprechen unaussprechlich Leid!
Doch, daß die Welt bezeuge, Vatersehnsucht,
Nicht niedrer Frevel, wirkte meinen Tod, –
Erzähl' ich dir, so viel mein Gram erlaubt.
Ich stamm' aus Syrakus und wählte mir
Ein Weib zur Gattin; ich durch sie beglückt,
Und sie durch mich, wenn uns kein Unstern traf.
Mit ihr lebt' ich vergnügt; mein Reichtum wuchs
Durch Reisen, die ich oft mit Glück vollführt
Nach Epidamnus, bis mein Faktor starb.
Die große Sorg' um preisgegebne Güter
Riß mich aus meiner Gattin treuem Arm.
Noch nicht sechs Monden waren wir getrennt, –
Als jene schon (obgleich erliegend fast
Der süßen Strafe, die des Weibes Erbteil,)
Anstalt getroffen, um mir nachzureisen,
Und schnell und froh gelangte sie zu mir.
Nicht lange war sie dort, da wurde sie
Beglückte Mutter von zwei wackern Söhnen;
Die, seltsam, jeder so dem andern ähnlich,
Daß man sie nur durch Namen unterschied.
Zur selben Stund' und in demselben Wirtshaus
Kam eine arme Frau ins Wochenbett
Mit Zwillingssöhnen, die sich völlig glichen;
Und beide, weil die Eltern ganz verarmt,
Kauft' ich und zog sie groß zum Dienst der meinen.
Mein Weib, nicht wenig stolz auf ihre Knaben,
Betrieb die bald'ge Heimkehr, Tag für Tag;
Ungern gewährt' ich's ihr, ach, nur zu schnell!
Wir schifften ab:
Und kaum 'ne Meil' in See von Epidamnus,
Als die dem Wind stets untertän'ge Tiefe
Uns manche Vorbedeutung wies des Unglücks.
Und länger blieb uns wenig Hoffnung mehr;
Denn, was von trübem Licht der Himmel gönnte,
Bot unsern furchterfüllten Seelen nur
Die zu gewisse Bürgschaft nahen Todes.
Ich selber hätt' ihn freudig wohl umarmt;
Allein das stete Jammern meines Weibes,
Die, was sie kommen sah, voraus beweinte,
Und meiner lieben Knaben ängstlich Schrei'n,
Die nur das Weinen, nicht die Furcht verstanden,
Zwang mich, nach Aufschub noch für uns zu spähn –
Denn Aufschub nur, kein Rettungsmittel gab's.
Das Schiffsvolk sucht' im Boote sich zu bergen,
Uns ließen sie das Schiff, zum Sinken reif.
Mein Weib, besorgter für den Jüngstgebornen,
Hatt' ihn befestigt an 'nem kleinen Notmast,
Wie ihn der Seemann mitnimmt für den Sturm;
Zu dem band sie den einen Sklavenzwilling;
Und ich war gleich bemüht für beide andre.
Die Kinder so verteilt, mein Weib und ich,
Die Blicke treu auf unsre Sorge heftend,
Banden uns an des Mastbaums Enden fest;
Und auf den Wogen treibend mit dem Strom
Gelangten wir, so schien es, gen Korinth.
Nun endlich brach die Sonne mild herein,
Die Nebel wichen, die uns widerstrebt,
Und durch die Wohltat ihres holden Lichts
Ward still die Flut, und unser Aug' entdeckte
Zwei Schiffe, die mit Eile sich uns nahten,
Dies von Korinth, von Epidaurus jenes. –
Doch eben jetzt, – weh mir, was mußt' ich sehn!
Errat' aus dem Erzählten, was geschehn! –
HERZOG.
Nein, weiter, alter Mann, brich' so nicht ab;
Denn Mitleid darf ich, wenn nicht Gnade schenken.
ÄGEON.
Oh, taten das die Götter, braucht' ich nicht
Sie jetzt mit Recht der Grausamkeit zu zeihn! –
Denn, eh' die Schiff' uns nah auf zwanzig Knoten,
Gerieten wir an ein gewaltig Riff,
Und heftig angetrieben an den Fels
Brach unser hülfreich Fahrzeug mitten durch:
So daß in dieser ungerechten Scheidung
Fortuna jedem, gleichverteilend, ließ,
Was seines Lebens Freud' und Sorge sei.
Ihr Teil, der Armen! der befrachtet schien
Mit mindrer Last, obschon nicht minderm Gram,
Ward schneller fortgetrieben vor dem Wind;
Und aufgefangen sah ich alle drei
Durch Fischer aus Korinth, wie mir's erschien.
Zuletzt nahm uns ein andres Schiff an Bord,
Und hörend, wen das Glück durch sie erlöst,
Gab uns die Mannschaft freundlichen Willkommen,
Und raubt' auch wohl den Fischern ihre Beute,
Wenn nicht die Jacht ein schlechter Segler war:
Und deshalb lenkte sie den Lauf zur Heimat. –
Jetzt wißt Ihr, wie ich all mein Heil verlor
Und Mißgeschick mein Leben nur erhielt,
Um meines Unglücks Trauermär zu melden.
HERZOG.
Um derer willen, die du so beklagst,
Tu' mir die Freundschaft und berichte noch,
Wie's jedem denn und dir seitdem erging.
ÄGEON.
Den jüngsten Sohn, und doch mein ältstes Leid,
Befiel nach achtzehn Jahren heiße Sehnsucht
Nach seinem Bruder: so bestürmt' er mich,
Daß ihn sein Diener (der im gleichen Fall,
Beraubt des Bruders, dessen Namen führte)
Begleiten dürf', um jenen zu erspähn.
Und weil er krank aus Liebe zum Verlornen,
Wagt' ich es, den Geliebten zu verlieren. –
Fünf Jahr durchsucht' ich alles griech'sche Land,
Durchzog die fernsten Winkel Asiens
Und kam, heimfahrend, jetzt nach Ephesus;
Zwar hoffnungslos, wollt' ich doch diesen Ort
Wie jeden, wo nur Menschen sind, durchforschen.
Hier endet die Geschichte meines Lebens,
Und glücklich preis ich meinen frühen Tod,
Gäb' all mein Reisen mir Gewähr: sie lebten.
HERZOG.
Unseliger Ägeon! Vorbestimmt,
Den höchsten Grad der Trübsal zu erdulden!
Oh, glaub' mir, wär's nicht wider das Gesetz
Und wider Krone, Würd' und fürstlich Wort,
Das, wollt' er's auch, kein Herrscher darf umgehn,
Mein Herz verföcht' als Anwalt deine Sache.
Doch, ob du gleich verfallen bist dem Tod,
Und Widerruf des abgestimmten Spruchs
Zu großem Eintrag unsrer Ehre führte, –
Doch will ich dich begünst'gen, wie ich's kann.
Drum, Kaufmann, frist' ich dir noch diesen Tag,
Daß du dir Hülf' in Freundeshülfe suchst.
Frag' alle, die du kennst in Ephesus,
Bitt' oder borge, bis die Summ' erfüllt, –
Und lebe: kannst du's nicht, so stirbst du dann.
Schließer, du stehst für ihn.
SCHLIESSER.
Wohl, gnäd'ger Fürst.
ÄGEON.
Zwar hülf- und trostlos, will's Ägeon wagen,
Bis morgen nur sein Leben zu vertagen.
Alle gehn ab.
Zweite Szene
Markt.
Es treten auf Antipholus von Syrakus, ein Kaufmann und Dromio von Syrakus.
KAUFMANN.
Deshalb sagt aus, Ihr seid von Epidamnus,
Sonst wird auf Euer Gut Beschlag gelegt.
Noch heut erst ward ein Syrakuser Kaufmann
Verhaftet, der allhier gelandet ist; –
Und weil er nicht sein Leben lösen kann,
Trifft ihn der Tod nach unserm Stadtgesetz,
Eh' noch die müde Sonn' im Westen sinkt. –
Hier ist Eu'r Geld, das Ihr mir anvertraut.
ANTIPHOLUS.
Geh, trag's in den Zentauren, unsern Gasthof,
Und bleib' dort, Dromio, bis ich wiederkomme.
In einer Stund' ist Mittagessens Zeit;
Bis dahin will ich mir das Volk betrachten,
Den Käufern zusehn, die Paläste merken,
Und dann in meinen Gasthof schlafen gehn,
Weil ich ermüdet bin vom weiten Reisen.
Nun mach' dich fort! –
DROMIO.
Wohl mancher möcht' Euch jetzt beim Worte nehmen
Und wandern mit so hübschem runden Schatz.
Ab.
ANTIPHOLUS.
Ein treuer Bursch, mein Herr, der mir schon oft,
Wenn ich verstimmt durch Schwermut oder Kummer,
Den Sinn erleichtert hat mit munterm Scherz.
Wollt Ihr mich nicht begleiten durch die Stadt
Und dann ins Wirtshaus gehn und mit mir speisen?
KAUFMANN.
Ich ward bestellt, mein Herr, von ein'gen Wechslern,
Wo mich ein vorteilhaft Geschäft erwartet;
Deshalb verzeiht; doch nach der fünften Stunde,
Wenn's Euch gefällt, treff' ich Euch auf dem Markt
Und bleibe dann bei Euch bis Schlafenszeit; –
Jetzt ruft mich jener Handel von Euch ab.
ANTIPHOLUS.
Lebt wohl so lang'; ich schlendre dann allein
Und wandre auf und ab, die Stadt zu sehn.
KAUFMANN.
Seid Eurem besten Wohlsein dann empfohlen!
Geht ab.
ANTIPHOLUS.
Wer meinem besten Wohlsein mich empfiehlt,
Der wünscht mir, was ich nie erreichen kann.
Ich gleich' in dieser Welt 'nem Tropfen Wasser,
Der einen andern Tropfen sucht im Meer;
Er stürzt hinein, zu finden den Gefährten,
Und ungesehn verschwimmt er selbst im Forschen.
So ich, indem ich Mutter such' und Bruder,
Verschwind' ich Armer selbst auf ihrer Spur.
Dromio von Ephesus kommt.
Hier kommt mein wahrer Lebensalmanach. –
Wie nun! Was kehrst du denn so bald zurück?
DROMIO VON EPHESUS.
Sobald zurück? Fragt doch, warum so spät?
Die Gans verbrennt, das Ferkel fällt vom Spieß,
Die Glock' im Turm schlug zwölf, und meine Frau
Macht, daß es eins auch schlug auf meiner Backe;
Sie ist so heiß, weil Eure Mahlzeit kalt ward;
Die Mahlzeit wurde kalt, weil Ihr nicht heim kommt;
Ihr kommt nicht heim, weil Ihr nicht Hunger habt;
Euch hungert nicht, weil Ihr die Fasten bracht;
Doch wir, die Fasten halten und Gebet,
Wir büßen, was Ihr sündigt früh und spät.
ANTIPHOLUS.
Still doch! Spar' deine Lunge! Sag mir jetzt,
Wo ließest du das Geld, das ich dir gab?
DROMIO VON EPHESUS.
Oh, die sechs Dreier, Herr, vom letzten Mittwoch,
Für den zerrißnen Schwanzriem meiner Frau? –
Die hat der Sattler, ich behielt sie nicht.
ANTIPHOLUS.
Ich bin zu Späßen heut nicht aufgelegt;
Sag mir, und scherze nicht: wo ist das Geld?
Da wir hier fremd sind, wie getraust du dich,
So große Summ' aus deiner Acht zu lassen?
DROMIO VON EPHESUS.
Ich bitt' Euch, scherzt, wenn Ihr zu Tische sitzt!
Mich sendet unsre Frau zu Euch als Post,
Und kehr' ich heim, traktiert sie mich als Pfosten.
Denn was Ihr fehlt, kerbt sie mir auf den Kopf.
Mich dünkt, Eu'r Magen sollt' Euch Glocke sein
Und Euch nach Hause schlagen ohne Boten.
ANTIPHOLUS.
Hör', Dromio, dieser Spaß kommt sehr zur Unzeit;
Spar' ihn mir auf für eine beßre Stunde!
Wo ist das Gold, das ich dir anvertraut?
DROMIO VON EPHESUS.
Mir, Herr? Ei wahrlich, Herr, Ihr gabt mir nichts.
ANTIPHOLUS.
Hör' mich, Herr Schlingel! Laß die Albernheit
Und sag, wie du besorgtest deinen Auftrag.
DROMIO VON EPHESUS.
Mein Auftrag war, vom Markt Euch heimzuholen
In Euer Haus, den Phönix, Herr, zum Essen;
Die Frau und ihre Schwester warten schon.
ANTIPHOLUS.
Nun denn, so wahr ich Christ bin, steh mir Rede:
An welchen sichern Ort bracht'st du das Geld?
Sonst schlag' ich dir den lust'gen Schädel mürbe,
Der Possen reißt, wenn mir's verdrießlich ist.
Wo sind die tausend Mark, die ich dir gab? –
DROMIO VON EPHESUS.
Zwar ein'ge Marken trägt mein Kopf von Euch,
Auch ein'ge Marken Eurer Frau mein Rücken;
Doch das beläuft sich nicht auf tausend Mark: –
Wollt' ich Eu'r Gnaden die zurückbezahlen,
Ich glaub', Ihr stricht sie nicht geduldig ein.
ANTIPHOLUS.
Von meiner Frau? Sag, Kerl, von welcher Frau?
DROMIO VON EPHESUS.
Eu'r Gnaden Liebste, meine Frau im Phönix,
Die jetzt noch fastet, bis Ihr kommt zum Essen,
Und bittet, daß Ihr eilig kommt zum Essen.
ANTIPHOLUS.
Was, Schurke, neckst du mich ins Angesicht,
Da ich's verbot? Da hast du eins, Herr Schlingel!
DROMIO VON EPHESUS.
Was meint Ihr, Herr? Um Gottes willen, haltet!
Laßt Ihr die Hand nicht ruhn, brauch' ich die Beine.
Er läuft davon.
ANTIPHOLUS.
Bei meiner Treu! durch irgendeinen Streich
Ward mir der Tropf um all mein Gold geprellt! –
Man sagt, die Stadt sei voll Betrügerei'n,
Behenden Gauklern, die das Auge blenden,
Nächtlichen Zaubrern, die den Sinn verstören,
Mordsücht'gen Hexen, die den Leib entstellen,
Verlarvten Gaunern, schwatzenden Quacksalbern,
Und von Freigeistern aller Art und Zucht.
Wenn das der Fall ist, reis' ich um so eh'r.
Gleich such' ich im Zentauren meinen Knecht;
Ich fürchte sehr, mein Geld bewahrt' ich schlecht.
Geht ab.
Zweiter Aufzug
Erste Szene
Zimmer.
Adriana und Luciana treten auf.
ADRIANA.
Mein Mann kommt nicht zurück, auch nicht der Diener,
Den ich so eilig sandt', ihn aufzusuchen;
Gewiß, Luciana, es ist schon zwei Uhr.
LUCIANA.
Vielleicht, daß ihn ein Kaufmann eingeladen
Und er vom Markt zur Mahlzeit ging wohin.
Laß jetzt uns essen, Schwester; sei nicht mürrisch,
Ein Mann ist über seine Freiheit Herr,
Die Zeit der Männer Herrin; wie sie's fügt,
Gehn sie und kommen; drum sei ruhig, Schwester!
ADRIANA.
Ward Männern größre Freiheit zugeteilt?
LUCIANA.
Ja, weil ihr Streben nicht im Hause weilt.
ADRIANA.
Wollt' ich ihm so begegnen, trüg' er's kaum!
LUCIANA.
Du weißt, der Mann ist deines Willens Zaum.
ADRIANA.
Nur Esel zäumt man so bequem und leicht!
LUCIANA.
Nun, trotz'ge Freiheit wird durch Zucht gebeugt.
Kein Wesen gibt's, das nicht gebunden wär',
Sei's auf der Erde, sei's in Luft und Meer;
Tier, Fisch und Vogel folgt als seinem König
Dem Manne stets und ist ihm untertänig;
Den Menschen, göttlicher, – den Weltgebieter,
Der weiten Erd' und wilden Fluten Hüter,
Dem sein Verstand und seines Wissens Kraft
Den Vorrang über Fisch und Vogel schafft, –
Verehrt das Weib als machtbegabten Herrn:
Drum dien' auch du, und folg' ihm treu und gern!
ADRIANA.
Um nicht zu dienen, bleibst du unvermählt?
LUCIANA.
Nein! weil der Eh'stand so viel Sorgen zählt.
ADRIANA.
Doch wärst du Frau, trügst du die Knechtschaft still?
LUCIANA.
Gehorchen lern' ich, eh' ich lieben will. –
ADRIANA.
Wie, wenn dein Mann fortbliebe, hielt'st du's aus?
LUCIANA.
Ich harrte ruhig, bis er käm' nach Haus!
ADRIANA.
Geduld, nie aufgereizt, wird leicht geübt;
Sanftmütig bleibt der wohl, den nichts betrübt.
Den Armen, den das Unglück ganz verstört,
Spricht man zur Ruh', wenn man ihn weinen hört; –
Doch trügst du gleiche Schmerzen, gleiche Plagen,
Du würdest selbst noch bittrer dich beklagen.
Dich hat kein rauher Gatte je beleidigt,
Sonst hätt'st du wohl Geduld nicht zahm verteidigt;
Wird erst ein Mann so viel an dir verschulden,
Dann jagst du aus dem Dienst blödsinnig Dulden.
LUCIANA.
Nun wohl, wer weiß! Zur Probe möcht' ich frein. –
Da kommt dein Knecht, weit kann dein Mann nicht sein.
Dromio von Ephesus kommt.
ADRIANA. Sprich, ist dein säum'ger Herr jetzt bei der Hand?
DROMIO VON EPHESUS. Nein, mit mir war er bei zwei Händen, und das können meine zwei Ohren bezeugen.
ADRIANA. Sag, sprachst du ihn? Vernahmst du sein Begehr?
DROMIO VON EPHESUS.
Ja, sein Begehren schrieb er mir aufs Ohr;
Ich faßt' ihn nicht, wie schlagend auch die Gründe.
LUCIANA. Sprach er so zweideutig, daß du seine Meinung nicht begreifen konntest?
DROMIO VON EPHESUS. Nein, er schlug so grade zu, daß mein Rücken die Schläge nur zu gut begriff; und dabei doch so zweideutig, daß ich sie kaum fassen konnte.
ADRIANA.
Doch sag, ich bitt' dich, kommt er bald nach Haus?
Mir scheint, er denkt recht treu an seine Frau! –
DROMIO VON EPHESUS.
Hört, Frau, der Herr ist, glaub' ich, hörnertoll.
ADRIANA.
Wie, Schurke! Hörnertoll?
DROMIO VON EPHESUS.
Nicht hahnreitoll, doch sicher rasend toll;
Als ich ihn bat, zum Essen heim zu kommen,
So fragt' er mich nach tausend Mark in Gold.
»'s ist Essenszeit«, sagt' ich; »mein Gold«, sagt' er.
»Das Fleisch brennt an«, sagt' ich; »mein Gold!« sagt' er.
»Kommt Ihr nicht bald?« sagt' ich; »mein Gold!« sagt' er;
»Wo sind die tausend Mark, die ich dir gab?«
»Die Gans verbrennt«, sagt' ich; »mein Gold!« sagt' er.
»Die Frau«, sprach ich – »zum Henker mit der Frau!«
»Ich weiß von keiner Frau; fort mit der Frau!« –
LUCIANA.
Sprach wer?
DROMIO VON EPHESUS.
Sprach unser Herr;
»Ich weiß«, sprach er, »von Haus nicht, noch von Hausfrau«; –
Und meinen Auftrag, der der Zunge zukam,
Trägt meine Schulter heim, das dank' ich ihm:
Denn, kurz und gut, er gab mir Schläge drauf.
ADRIANA.
Geh wieder hin, du Schurk', und hol' ihn her!
DROMIO VON EPHESUS.
Noch einmal gehn, und neue Prügel holen?
Um Gottes willen, schickt 'nen andern Boten!
ADRIANA.
Lauf, Schurk', sonst schlag' ich kreuzweis' dir den Kopf!
DROMIO VON EPHESUS.
Dann segnet er das Kreuz mit neuen Schlägen,
Und so bekomm' ich ein geweihtes Haupt.
ADRIANA.
Fort, Plaudermaul, hol' deinen Herrn zurück! –
DROMIO VON EPHESUS.
Bin ich so rund mit Euch, als Ihr mit mir,
Daß Ihr mich wie 'nen Fußball schlagt und stoßt?
Hin und zurück nach Lust schlägt mich ein jeder:
Soll das noch lange währ'n, so näht mich erst in Leder!
Geht ab.
LUCIANA.
Pfui, wie entstellen dich die zorn'gen Falten!
ADRIANA.
Er wird gewiß sein Liebchen unterhalten,
Indes ich hier mit seinem Lächeln geize.
Nahm schon das Alter aller Anmut Reize
Von meiner Wange? Sein dann ist die Schuld! –
Ist stumpf mein Witz? mein Wesen ohne Huld?
Verlernt' ich die gewandte, flücht'ge Rede,
Durch seine Kält' und Rauheit ward sie spröde.
Wenn ihm der andern muntrer Putz gefällt,
Ist's mein Vergehn, was er mir vorenthält? –
Was für Ruinen magst du an mir finden,
Die nicht sein Werk? Wenn meine Reize schwinden,
Er will es so; von ihm ein Sonnenblick
Brächt' alle vor'ge Anmut mir zurück.
Doch er, der wilde Hirsch, rennt aus den Pfählen
(Mein ist er satt), sich auswärts Kost zu stehlen.
LUCIANA.
Selbstqual der Eifersucht! Hör' auf zu klagen! –
ADRIANA.
Ein fühllos Herz mag solche Schmach ertragen!
Ich weiß, sein Sehnen treibt ihn stets von hier;
Wo weilt er sonst? Was bleibt er nicht bei mir?
Du weißt es, er versprach mir eine Kette; –
Ach, wär's nur das, was er vergessen hätte,
So wär' ihm doch mein Bett nicht schon verhaßt! –
Ich seh', ein Kleinod, noch so reich gefaßt,
Erblindet; zwar, den Wert wird's nicht verlieren,
Wenn man's berührt; doch allzu oft Berühren
Raubt ihm den Glanz; so gibt's auch keine Ehre,
Der Trug und Falschheit nicht verderblich wäre; –
Und kann ich nicht durch Schönheit um ihn werben,
Will ich, den Rest verweinend, trostlos sterben.
LUCIANA.
O Torheit, so durch Eifersucht verderben!
Sie gehen ab.
