Kitabı oku: «Wie es Euch gefällt», sayfa 4
Ihr seid voll artiger Antworten. Habt Ihr Euch etwa mit
Goldschmiedweibern abgegeben und solche Sprüchlein von Ringen
zusammengelesen?
Orlando
Das nicht; aber ich antworte Euch wie die Tapetenfiguren, aus deren
Munde Ihr Eure Fragen studiert habt.
Jacques. Ihr habt einen behenden Witz; ich glaube, er ist aus Atalantens Fersen gemacht. Wollt Ihr Euch mit mir setzen, so wollen wir zusammen über unsre Gebieterin, die Welt, und unser ganzes Elend schmähen.
Orlando. Ich will kein lebendig Wesen in der Welt schelten als mich selber, an dem ich die meisten Fehler kenne.
Jacques
Der ärgste Fehler, den Ihr habt, ist, verliebt zu sein.
Orlando. Das ist ein Fehler, den ich nicht mit Eurer besten Tugend vertauschte. – Ich bin Eurer müde.
Jacques
Meiner Treu, ich suchte eben einen Narren, da ich Euch fand.
Orlando. Er ist in den Bach gefallen; guckt nur hinein, so werdet Ihr ihn sehn.
Jacques
Da werde ich meine eigne Person sehen.
Orlando
Die ich entweder für einen Narren oder eine Null halte.
Jacques
Ich will nicht länger bei Euch verweilen. Lebt wohl, guter Signor
Amoroso!
Orlando
Ich freue mich über Euren Abschied. Gott befohlen, guter Monsieur
Melancholie!
(Jacques ab.)
(Celia und Rosalinde treten vor.)
Rosalinde. Ich will wie ein naseweiser Lakai mit ihm sprechen und ihn unter der Gestalt zum besten haben. – Hört Ihr, Jäger?
Orlando
Recht gut; was wollt Ihr?
Rosalinde
Sagt mir doch, was ist die Glocke?
Orlando
Ihr solltet mich fragen, was ist's an der Zeit; es gibt keine
Glocke im Walde.
Rosalinde
So gibts auch keinen rechten Liebhaber im Walde, sonst würde jede
Minute ein Seufzen und jede Stunde ein Ächzen den trägen Fuß der
Zeit so gut anzeigen wie eine Glocke.
Orlando. Und warum nicht den schnellen Fuß der Zeit? Wäre das nicht ebenso passend gewesen?
Rosalinde. Mitnichten, mein Herr. Die Zeit reiset in verschiednem Schritt mit verschiednen Personen. Ich will Euch sagen, mit wem die Zeit den Paß geht, mit wem sie trabt, mit wem sie galoppiert und mit wem sie stillsteht.
Orlando
Ich bitte dich, mit wem trabt sie?
Rosalinde. Ei, sie trabt hart mit einem jungen Mädchen zwischen der Verlobung und dem Hochzeitstage. Wenn auch nur acht Tage dazwischen hingehn, so ist der Trab der Zeit so hart, daß es ihr wie acht Jahre vorkommt.
Orlando
Mit wem geht die Zeit den Paß?
Rosalinde. Mit einem Priester, dem es an Latein gebricht, und einem reichen Manne, der das Podagra nicht hat. Denn der eine schläft ruhig, weil er nicht studieren kann, und der andre lebt lustig, weil er keinen Schmerz fühlt; den einen drückt nicht die Last dürrer und auszehrender Gelehrsamkeit, der andre kennt die Last schweren mühseligen Mangels nicht. Mit diesen geht die Zeit den Paß.
Orlando
Mit wem galoppiert sie?
Rosalinde. Mit dem Diebe zum Galgen; denn ginge er auch noch sosehr Schritt vor Schritt, so denkt er doch, daß er zu früh kommt.
Orlando
Mit wem steht sie still?
Rosalinde. Mit Advokaten in den Gerichtsferien; denn sie schlafen von Session zu Session und werden also nicht gewahr, wie die Zeit fortgeht.
Orlando
Wo wohnt Ihr, artiger junger Mensch?
Rosalinde. Bei dieser Schäferin, meiner Schwester; hier am Saum des Waldes, wie Fransen an einem Rock.
Orlando
Seid Ihr hier einheimisch?
Rosalinde. Wie das Kaninchen, das zu wohnen pflegt, wo es zur Welt gekommen ist.
Orlando. Eure Aussprache ist etwas feiner, als Ihr sie an einem so abgelegnen Ort Euch hättet erwerben können.
Rosalinde. Das haben mir schon viele gesagt; aber in der Tat, ein alter geistlicher Onkel von mir lehrte mich reden; er war in seiner Jugend ein Städter und gar zu gut mit dem Hofmachen bekannt, denn er verliebte sich dabei. Ich habe ihn manche Predigt dagegen halten hören und danke Gott, daß ich kein Weib bin und keinen Teil an allen den Verkehrtheiten habe, die er ihrem ganzen Geschlecht zur Last legte.
Orlando. Könnt Ihr Euch nicht einiger von den vornehmsten Untugenden erinnern, die er den Weibern aufbürdete?
Rosalinde
Es gab keine vornehmsten darunter; sie sahen sich alle gleich wie
Pfennige: jeder einzelne Fehler schien ungeheuer, bis sein
Mitfehler sich neben ihn stellte.
Orlando
Bitte, sagt mir einige davon.
Rosalinde. Nein, ich will meine Arznei nicht wegwerfen, außer an Kranke. Es spukt hier ein junger Mensch im Walde herum, der unsre junge Baumzucht mißbraucht, den Namen Rosalinde in die Rinden zu graben, der Oden an Weißdorne hängt und Elegien an Brombeersträuche, alle – denkt doch! – um den Namen Rosalinde zu vergöttern. Könnte ich diesen Herzenskrämer antreffen, so gäbe ich ihm einen guten Rat, denn er scheint mit dem täglichen Liebesfieber behaftet.
Orlando
Ich bin's, den die Liebe so schüttelt; ich bitte Euch, sagt mir
Euer Mittel.
Rosalinde. Es ist keins von meines Onkels Merkmalen an Euch zu finden. Er lehrte mich einen Verliebten erkennen; ich weiß gewiß, Ihr seid kein Gefangner in diesem Käfig.
Orlando
Was waren seine Merkmale?
Rosalinde. Eingefallne Wangen, die Ihr nicht habt; Augen mit blauen Rändern, die Ihr nicht habt; ein ungeselliger Sinn, den Ihr nicht habt; ein verwilderter Bart, den Ihr nicht habt – doch den erlasse ich Euch, denn, aufrichtig, was Ihr an Bart besitzet, ist eines jüngeren Bruders Einkommen. – Dann sollten Eure Kniegürtel lose hängen, Eure Mütze nicht gebunden sein, Eure Ärmel aufgeknöpft, Eure Schuhe nicht zugeschnürt, und alles und jedes an Euch müßte eine nachlässige Trostlosigkeit verraten. Aber solch ein Mensch seid ihr nicht. Ihr seid vielmehr geschniegelt in Eurem Anzuge, mehr wie einer, der in sich selbst verliebt als sonst jemands Liebhaber ist.
Orlando. Schöner Junge, ich wollte, ich könnte dich glauben machen, daß ich liebe.
Rosalinde. Mich das glauben machen? Ihr könntet es ebensogut Eure Liebste glauben machen, was nie zu tun williger ist – dafür steh ich Euch – als zu gestehn, daß sie es tut; das ist einer von den Punkten, worin die Weiber immer ihr Gewissen Lügen strafen. Aber in ganzem Ernst: seid Ihr es, der die Verse an die Bäume hängt, in denen Rosalinde so bewundert wird?
Orlando. Ich schwöre dir, junger Mensch, bei Rosalindens weißer Hand: ich bin es, ich bin der Unglückliche.
Rosalinde
Aber seid Ihr so verliebt, als Eure Reime bezeugen?
Orlando
Weder Gereimtes noch Ungereimtes kann ausdrücken, wie sehr.
Rosalinde. Liebe ist eine bloße Tollheit, und ich sage Euch, verdient ebensogut eine dunkle Zelle und Peitsche als andre Tolle; und die Ursache, warum sie nicht so gezüchtigt und geheilt wird, ist, weil sich dieser Wahnsinn so gemein gemacht hat, daß die Zuchtmeister selbst verliebt sind. Doch kann ich sie mit gutem Rat heilen.
Orlando
Habt Ihr irgendwen so geheilt?
Rosalinde. Ja, einen, und zwar auf folgende Weise. Er mußte sich einbilden, daß ich seine Liebste, seine Gebieterin wäre, und alle Tage hielt ich ihn an, um mich zu werben. Ich, der ich nur ein launenhafter Junge bin, grämte mich dann, war weibisch, veränderlich, wußte nicht, was ich wollte, stolz, phantastisch, grillenhaft, läppisch, unbeständig, bald in Tränen, bald voll Lächeln, von jeder Leidenschaft etwas und von keiner etwas Rechtes, wie Kinder und Weiber meistenteils in diese Farben schlagen. Bald mochte ich ihn leiden, bald konnte ich ihn nicht ausstehn; dann machte ich mir mit ihm zu schaffen, dann sagte ich mich von ihm los; jetzt weinte ich um ihn, jetzt spie ich vor ihm aus: so daß ich meinen Bewerber aus einem tollen Anfall von Liebe in einen leibhaften Anfall von Tollheit versetzte, welche darin bestand, das Getümmel der Welt zu verschwören und in einem mönchischen Winkel zu leben. Und so heilte ich ihn, und auf diese Art nehme ich es über mich, Euer Herz so reinzuwaschen, wie ein gesundes Schafherz, daß nicht ein Flecken Liebe mehr daran sein soll.
Orlando
Ihr würdet mich nicht heilen, junger Mensch.
Rosalinde. Ich würde Euch heilen, wolltet Ihr mich nur Rosalinde nennen und alle Tage in meine Hütte kommen und um mich werben.
Orlando
Nun, bei meiner Treue im Lieben, ich will es; sagt mir, wo sie ist.
Rosalinde. Geht mit mir, so will ich sie Euch zeigen, und unterwegs sollt Ihr mir sagen, wo Ihr hier im Walde wohnt. Wollt Ihr kommen?
Orlando
Von ganzem Herzen, guter Junge.
Rosalinde. Nein, Ihr müßt mich Rosalinde nennen. – Komm, Schwester, laßt uns gehn.
(Alle ab.)
Dritte Szene
Der Wald
(Probstein und Käthchen kommen. Jacques in der Ferne, belauscht sie)
Probstein
Komm hurtig, gutes Käthchen; ich will deine Ziegen zusammenholen,
Käthchen. Und sag, Käthchen: bin ich der Mann noch, der dir
ansteht? Bist du mit meinen schlichten Zügen zufrieden?
Käthchen
Eure Züge? Gott behüte! Was sind das für Streiche?
Probstein. Ich bin hier bei Käthchen und ihren Ziegen, wie der Dichter, der die ärgsten Bocksprünge machte, der ehrliche Ovid, unter den Goten.
Jacques. O schlechtlogierte Gelehrsamkeit! schlechter als Jupiter unter einem Strohdach!
Probstein
Wenn eines Menschen Verse nicht verstanden werden und eines
Menschen Witz von dem geschickten Kinde Verstand nicht unterstützt
wird, das schlägt einen Menschen härter nieder als eine große
Rechnung in einem kleinen Zimmer. – Wahrhaftig, ich wollte, die
Götter hätten dich poetisch gemacht.
Käthchen
Ich weiß nicht, was poetisch ist. Ist es ehrlich in Worten und
Werken? Besteht es mit der Wahrheit?
Probstein
Nein, wahrhaftig nicht; denn die wahrste Poesie erdichtet am
meisten, und Liebhaber sind der Poesie ergeben, und was sie in
Poesie schwören, davon kann man sagen, sie erdichten es als
Liebhaber.
Käthchen Könnt Ihr denn wünschen, daß mich die Götter poetisch gemacht hätten?
Probstein
Ich tue es wahrlich, denn du schwörst mir zu, daß du ehrbar bist.
Wenn du nun ein Poet wärest, so hätte ich einige Hoffnung, daß du
erdichtetest.
Käthchen
Wolltet Ihr denn nicht, daß ich ehrbar wäre?
Probstein
Nein, wahrhaftig nicht, du müßtest denn sehr häßlich sein; denn
Ehrbarkeit mit Schönheit gepaart ist wie eine Honigbrühe über
Zucker.
Jacques
Ein sinnreicher Narr!
Käthchen Gut, ich bin nicht schön, und darum bitte ich die Götter, daß sie mich ehrbar machen.
Probstein. Wahrhaftig, Ehrbarkeit an eine garstige Schmutzdirne wegzuwerfen, hieße, gut Essen auf eine unreinliche Schüssel legen.
Käthchen Ich bin keine Schmutzdirne, ob ich schon den Göttern danke, daß ich garstig bin.
Probstein. Gut, die Götter sei'n für deine Garstigkeit gepriesen, die Schmutzigkeit kann noch kommen. Aber sei es, wie es will, ich heirate dich, und zu dem Ende bin ich bei Ehrn Olivarius Textdreher gewesen, dem Pfarrer im nächsten Dorf der mir versprochen hat, mich an diesem Platz im Walde zu treffen und uns zusammenzugeben.
Jacques (beiseite)
Die Zusammenkunft möchte ich mit ansehn.
Käthchen
Nun, die Götter lassen es wohl gelingen!
Probstein. Amen! Wer ein zaghaft Herz hätte, möchte wohl bei diesem Unternehmen stutzen; denn wir haben hier keinen Tempel als den Wald, keine Gemeinde als Hornvieh. Aber was tut's? Mutig! Hörner sind verhaßt, aber unvermeidlich. Es heißt, mancher Mensch weiß des Guten kein Ende; recht! mancher Mensch hat gute Hörner und weiß ihrer kein Ende. Wohl! es ist das Zugebrachte von seinem Weibe, er hat es nicht selbst erworben. – Hörner? Nun ja! Arme Leute allein? – Nein, nein, der edelste Hirsch hat sie so hoch wie der geringste. Ist der ledige Mann darum gesegnet? Nein. Wie eine Stadt mit Mauern vornehmer ist als ein Dorf, so ist die Stirn eines verheirateten Mannes ehrenvoller als die nackte Schläfe eines Junggesellen; und um soviel besser Schutzwehr ist als Unvermögen, um soviel kostbarer ist ein Horn als keins. (Ehrn Olivarius Textdreher kommt.) Hier kommt Ehrn Olivarius. – Ehrn Olivarius Textdreher, gut, daß wir Euch treffen. Wollt Ihr uns hier unter diesem Baum abfertigen, oder sollen wir mit Euch in Eure Kapelle gehn?
Ehrn Olivarius
Ist niemand da, um die Braut zu geben?
Probstein
Ich nehme sie nicht als Gabe von irgendeinem Mann.
Ehrn Olivarius
Sie muß gegeben werden, oder die Heirat ist nicht gültig.
Jacques (tritt vor)
Nur zu! nur zu! ich will sie geben.
Probstein
Guten Abend, lieber Herr. Wie heißt Ihr doch? Wie gehts Euch?
Schön, daß ich Euch treffe. Gotteslohn für Eure neuliche
Gesellschaft! Ich freue mich sehr, Euch zu sehn. – Ich habe hier
eben eine Kleinigkeit vor, Herr. Ich bitte, bedeckt Euch.
Jacques
Wollt Ihr Euch verheiraten, Hanswurst?
Probstein. Wie der Ochse sein Joch hat, Herr, das Pferd seine Kinnkette und der Falke seine Schellen, so hat der Mensch seine Wünsche; und wie sich Tauben schnäbeln, so möchte der Ehestand naschen.
Jacques. Und wollt Ihr, ein Mann von Eurer Erziehung, Euch im Busch verheiraten wie ein Bettler? In die Kirche geht und nehmt einen tüchtigen Priester, der Euch bedeuten kann, was Heiraten ist. Dieser Geselle wird Euch nur so zusammenfügen, wie sie's beim Tafelwerk machen; dann wird eins von euch eintrocknen und sich werfen wie frisches Holz: knack, knack.
Probstein (beiseite). Ich denke nicht anders, als mir wäre besser, von ihm getraut zu werden wie von einem andern; denn er sieht mir aus, als wenn er mich nicht recht trauen wurde; und wenn er mich nicht recht traute, so ist das nachher ein guter Vorwand, mein Weib im Stiche zu lassen.
Jacques
Geh mit mir, Freund, und höre meinen Rat.
Probstein
Komm, lieb Käthchen!
Du wirst noch meine Frau, oder du bleibst mein Mädchen.
Lebt wohl, Ehrn Olivarius. Nicht:
"O holder Oliver!
O wackrer Oliver!
Laß mich nicht hinter dir." Nein:
"Pack dich fort!
Geh! auf mein Wort,
Ich will nicht zur Trauung mit dir."
(Jacques, Probstein und Käthchen ab.)
Ehrn Olivarius. Es tut nichts; keiner von allen diesen phantastischen Schelmen zusammen soll mich aus meinem Beruf herausnecken.
(Ab.)
Vierte Szene
Der Wald. Vor einer Hütte
(Rosalinde und Celia treten auf)
Rosalinde
Sage mir nichts weiter, ich will weinen.
Celia
Tu es nur; aber sei doch so weise, zu bedenken, daß Tränen einem
Mann nicht anstehn.
Rosalinde
Aber habe ich nicht Ursache zu weinen?
Celia
So gute Ursache sich einer nur wünschen mag. Also weine.
Rosalinde
Selbst sein Haar ist von einer falschen Farbe.
Celia
Nur etwas brauner als des Judas seins. Ja, seine Küsse sind rechte
Judaskinder.
Rosalinde
Sein Haar ist bei alledem von einer hübschen Farbe.
Celia
Eine herrliche Farbe; es geht nichts über Nußbraun.
Rosalinde. Und seine Küsse sind so voll Heiligkeit wie die Berührung des geweihten Brotes.
Celia. Er hat ein Paar abgelegte Lippen der Diana gekauft; eine Nonne von des Winters Schwesterschaft küßt nicht geistlicher; das wahre Eis der Keuschheit ist in ihnen.
Rosalinde. Aber warum versprach er mir, diesen Morgen zu kommen, und kommt nicht?
Celia
Nein, gewißlich, es ist keine Treu und Glauben in ihm.
Rosalinde
Denkst du das?
Celia. Nun, ich glaube, er ist weder ein Beutelschneider noch ein Pferdedieb; aber was seine Wahrhaftigkeit in der Liebe betrifft, so halte ich ihn für so hohl als einen umgekehrten Becher oder eine wurmstichige Nuß.
Rosalinde
Nicht wahrhaftig in der Liebe?
Celia
Ja, wenn er verliebt ist; aber mich dünkt, das ist er nicht.
Rosalinde
Du hörtest ihn doch hoch und teuer beschwören, daß er es war.
Celia. (War) ist nicht (ist.) Auch ist der Schwur eines Liebhabers nicht zuverlässiger als das Wort eines Bierschenken: sie bekräftigen beide falsche Rechnungen. Er begleitet hier im Walde den Herzog, Euren Vater.
Rosalinde. Ich begegnete dem Herzog gestern und mußte ihm viel Rede stehn. Er fragte mich, von welcher Herkunft ich wäre; ich sagte ihm, von einer ebenso guten als er; er lachte und ließ mich gehn. Aber was sprechen wir von Vätern, solange ein Mann wie Orlando in der Welt ist?
Celia. O das ist ein reizender Mann! Er macht reizende Verse, spricht reizende Worte, schwört reizende Eide und bricht sie reizend der Quere, grade vor seiner Liebsten Herz, wie ein jämmerlicher Turnierer, der sein Pferd nach (einer) Seite spornt, seine Lanze zerbricht. Aber alles ist reizend, wo Jugend obenauf sitzt und die Zügel lenkt. Wer kommt hier?
(Corinnus kommt.)
Corinnus
Mein Herr und Fräulein, ihr befragtet oft
Mich um den Schäfer, welcher Liebe klagte,
Den ihr bei mir saht sitzen auf dem Rasen,
Wie er die übermütge Schäfrin pries,
Die seine Liebste war.
Celia
Was ist mit ihm?
Corinnus
Wollt ihr ein Schauspiel sehn, wahrhaft gespielt
Von treuer Liebe blassem Angesicht
Und roter Glut des Hohns und stolzer Hoffart:
Geht nur ein Endchen mit, ich führ euch hin,
Wenn ihr's beachten wollt.
Rosalinde
O kommt! gehn wir dahin;
Verliebte sehen nährt Verliebter Sinn.
Bringt uns zur Stell, und gibt es so das Glück,
So spiel ich eine Roll in ihrem Stück.
(Alle ab.)
Fünfte Szene
Ein anderer Teil des Waldes
(Silvius und Phöbe treten auf)
Silvius
Höhnt mich nicht, liebe Phöbe! Tut's nicht, Phöbe!
Sagt, daß Ihr mich nicht liebt, doch sagt es nicht
Mit Bitterkeit; der Henker, dessen Herz
Des Tods gewohnter Anblick doch verhärtet,
Fällt nicht das Beil auf den gebeugten Nacken,
Bis er sich erst entschuldigt. Seid Ihr strenger
Als der von Tropfen Bluts sich nährt und kleidet?
(Rosalinde, Celia und Corinnus kommen in der Entfernung.)
Phöbe
Ich möchte keineswegs dein Henker sein;
Ich fliehe dich, um dir kein Leid zu tun.
Du sagst mir, daß ich Mord im Auge trage;
's ist artig in der Tat und steht zu glauben,
Daß Augen, diese schwächsten, zartsten Dinger,
Die feig ihr Tor vor Sonnenstäubchen schließen,
Tyrannen, Schlächter, Mörder sollen sein.
Ich seh dich finster an von ganzem Herzen:
Verwundet nun mein Aug, so laß dich's töten.
Tu doch, als kämst du um! so fall doch nieder!
Und kannst du nicht: pfui! schäm dich, so zu lügen,
Und sag nicht, meine Augen seien Mörder.
Zeig doch die Wunde, die mein Aug dir machte.
Ritz dich mit einer Nadel nur, so bleibt
Die Schramme dir; lehn dich auf Binsen nur,
Und es behält den Eindruck deine Hand
Auf einen Augenblick; allein die Augen,
Womit ich auf dich blitzte, tun dir nichts,
Und sicher ist auch keine Kraft in Augen,
Die Schaden tun kann.
Silvius
O geliebte Phöbe!
Begegnet je – wer weiß, wie bald dies je! —
Auf frischen Wangen dir der Liebe Macht,
Dann wirst du die geheimen Wunden kennen
Vom scharfen Pfeil der Liebe.
Phöbe
Doch bis dahin
Komm mir nicht nah, und wenn die Zeit gekommen,
Kränk mich mit deinem Spott, sei ohne Mitleid,
Wie ich bis dahin ohne Mitleid bin.
Rosalinde (tritt vor)
Warum? ich bitt Euch – Wer war Eure Mutter,
Daß Ihr den Unglückselgen kränkt und höhnt
Und was nicht alles? Hättet Ihr auch Schönheit
(Wie ich doch wahrlich mehr an Euch nicht sehe,
Als ohne Licht – im Finstern geht zu Bett),
Müßt Ihr deswegen stolz und fühllos sein?
Was heißt das? Warum blickt Ihr mich so an?
Ich seh nicht mehr an Euch, als die Natur
Auf Kauf zu machen pflegt. So war ich lebe!
Sie will auch (meine) Augen wohl betören?
Nein, wirklich, stolze Dame! hofft das nicht.
Nicht Euer Rabenhaar, kohlschwarze Brauen,
Glaskugelaugen, noch die Milchrahmwange
Bezwingen meinen Sinn, Euch zu verehren. —
O blöder Schäfer, warum folgt Ihr ihr
Wie feuchter Süd, von Wind und Regen schwellend?
Ihr seid ja tausendfach ein hübschrer Mann
Als sie ein Weib. Dergleichen Toren füllen
Die ganze Welt mit garstgen Kindern an.
Der Spiegel nicht: Ihr seid es, der ihr schmeichelt;
Sie sieht in Euch sich hübscher abgespiegelt,
Als ihre Züge sie erscheinen lassen. —
Doch, Fräulein, kennt Euch selbst, fallt auf die Knie,
Dankt Gott mit Fasten für 'nen guten Mann;
Denn als ein Freund muß ich ins Ohr Euch sagen:
Verkauft Euch bald, Ihr seid nicht jedes Kauf.
Liebt diesen Mann! fleht ihm als Eurem Retter:
Am häßlichsten ist Häßlichkeit am Spötter! —
So nimm sie zu dir, Schäfer. Lebt denn wohl!
Phöbe
O holder Jüngling, schilt ein Jahr lang so!
Dich hör ich lieber schelten als ihn werben.
Rosalinde. Er hat sich in ihre Häßlichkeit verliebt, und sie wird sich in meinen Zorn verlieben. Wenn das so ist, so will ich sie mit bittern Worten pfeffern, so schnell sie dir mit Stirnrunzeln antwortet. – Warum seht Ihr mich so an?
Phöbe
Aus üblem Willen nicht.
Rosalinde
Ich bitt Euch sehr, verliebt Euch nicht in mich,
Denn ich bin falscher als Gelübd' im Trunk;
Zudem, ich mag Euch nicht. Sucht Ihr etwa mein Haus:
's ist hinter den Oliven, dicht bei an.
Wollt Ihr gehn, Schwester? – Schäfer, setz ihr zu. —
Komm, Schwester! – Seid ihm günstger, Schäferin,
Und seid nicht stolz; konnt alle Welt auch sehn,
So blind wird keiner mehr von hinnen gehn.
Zu unsrer Herde, kommt!
(Rosalinde und Celia ab.)
Phöbe
O Schäfer! nun kommt mir dein Spruch zurück:
"Wer liebte je und nicht beim ersten Blick?"
Silvius
Geliebte Phöbe —
Phöbe
Ha, was sagst du, Silvius?
Silvius
Beklagt mich, liebe Phöbe.
Phöbe
Ich bin um dich bekümmert, guter Silvius.
Silvius
Wo die Bekümmernis, wird Hilfe sein.
Seid Ihr um meinen Liebesgram bekümmert,
Gebt Liebe mir; mein Gram und Euer Kummer
Sind beide dann vertilgt.
Phöbe
Du hast ja meine Lieb, ist das nicht nachbarlich?
Silvius
Dich möcht ich haben.
Phöbe
Ei, das wäre Habsucht.
Die Zeit war, Silvius, da ich dich gehaßt:
Es ist auch jetzt nicht so, daß ich dich liebte;
Doch weil du kannst so gut von Liebe sprechen,
So duld ich deinen Umgang, der mir sonst
Verdrießlich war, und bitt um Dienste dich.
Allein, erwarte keinen andern Lohn
Als deine eigne Freude, mir zu dienen.
Silvius
So heilig und so groß ist meine Liebe,
Und ich in solcher Dürftigkeit an Gunst,
Daß ich es für ein reiches Teil muß halten,
Die Ähren nur dem Manne nachzulesen,
Dem volle Ernte wird. Verliert nur dann und wann
Ein flüchtig Lächeln: davon will ich leben.
Phöbe
Kennst du den jungen Mann, der mit mir sprach?
Silvius
Nicht sehr genau, doch traf ich oft ihn an.
Er hat die Weid und Schäferei gekauft,
Die sonst dem alten Carlot zugehört.
Phöbe
Denk nicht, ich lieb ihn, weil ich nach ihm frage.
's ist nur ein dummer Bursch – doch spricht er gut;
Frag ich nach Worten? – Doch tun Worte gut,
Wenn, der sie spricht, dem, der sie hört, gefällt.
Es ist ein hübscher Junge – nicht gar hübsch;
Doch wahrlich, er ist stolz – zwar steht sein Stolz ihm:
Er wird einmal ein feiner Mann. Das Beste
Ist sein Gesicht, und schneller als die Zunge
Verwundete, heilt' es sein Auge wieder.
Er ist nicht eben groß, doch für sein Alter groß;
Sein Bein ist nur so so, doch macht sich's gut;
Es war ein lieblich Rot auf seinen Lippen,
Ein etwas reiferes und stärkres Rot
Als auf den Wangen: just der Unterschied
Wie zwischen dunkeln und gesprengten Rosen.
Es gibt der Weiber, Silvius: hätten sie
Ihn Stück für Stück betrachtet so wie ich,
Sie hätten sich verliebt; ich für mein Teil,
Ich lieb ihn nicht, noch hass' ich ihn, und doch
Hätt ich mehr Grund zu hassen als zu lieben.
Denn was hatt er für Recht, mich auszuschelten?
Er sprach, mein Haar sei schwarz, mein Auge schwarz,
Und, wie ich mich entsinne, höhnte mich.
Mich wundert's, daß ich ihm nicht Antwort gab.
Schon gut! Verschoben ist nicht aufgehoben;
Ich will ihm einen Brief voll Spottes schreiben,
Du sollst ihn zu ihm tragen: willst du, Silvius?
Silvius
Phöbe, von Herzen gern.
Phöbe
Ich schreib ihn gleich;
Der Inhalt liegt im Kopf mir und im Herzen,
Ich will ganz kurz und bitter zu ihm sein.
Komm mit mir, Silvius!
(Ab.)