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Kitabı oku: «Der Wohlstand der Nationen», sayfa 39
Zweiter Teil
Von der Unvernunft solcher außerordentlichen Beschränkungen nach anderen Grundsätzen
Im Vorhergehenden habe ich zu zeigen gesucht, wie unnötig es sogar nach den Grundsätzen des Handelssystems ist, außergewöhnliche Beschränkungen auf die Einfuhr von Waren aus solchen Ländern zu legen, mit denen die Handelsbilanz als ungünstig angenommen wird.
Nichts kann jedoch alberner sein als diese ganze Lehre von der Handelsbilanz, auf welche nicht allein diese Einschränkungen, sondern fast alle anderen Handelsregelungen gegründet sind. Wenn zwei Plätze miteinander Handel treiben, so nimmt diese Lehre an, dass, wenn die Handelsbilanz sich ausgleicht, keiner von ihnen etwas verliert oder gewinnt; wenn sie sich aber in irgendeinem Grade auf die eine Seite neigt, einer von ihnen verliert und der andere gewinnt, genau in dem Verhältnis ihrer Abweichung von dem Gleichgewicht. Beide Annahmen sind falsch. Ein Handel, der mittelst Ausfuhrprämien und Monopolen gewaltsam herbeigeführt ist, kann für das Land, zu dessen Gunsten er angeblich eingerichtet worden ist, ungünstig sein und ist es in der Tat gewöhnlich, wie ich später zeigen werde. Der Handel aber, der ohne Gewalt oder Zwang zwischen zwei Plätzen naturgemäß besteht, ist stets vorteilhaft für beide, wenn auch nicht für jeden gleich vorteilhaft.
Unter Vorteil oder Gewinn verstehe ich nicht die Zunahme der Gold- und Silbermenge, sondern die Zunahme des Tauschwertes des jährlichen Boden- und Arbeitsertrags des Landes, oder die Zunahme der jährlichen Einkünfte seiner Bewohner.
Gleicht sich die Bilanz aus, und besteht der Handel zwischen den beiden Plätzen lediglich im Austausch ihrer selbsterzeugten Waren, so werden sie in den meisten Fällen nicht allein beide gewinnen, sondern gleichmäßig oder beinahe gleichmäßig gewinnen; jeder wird in diesem Fall einen Markt für einen Teil der überschüssigen Produkte des andern darbieten; jeder wird ein Kapital ersetzen, das in der Produktion und Veredlung dieses Teils von überschüssigen Produkten des andern angelegt war und das unter eine gewisse Zahl seiner Einwohner verteilt, ihnen Einkommen und Unterhalt gab. Ein Teil der Einwohner eines jeden wird daher indirekt sein Einkommen und seinen Unterhalt von dem andern beziehen. Da die umgesetzten Waren ebenfalls als gleichwertig angenommen sind, so werden auch die im Handel angelegten Kapitalien in den meisten Fällen gleich oder nahezu gleich sein, und da beide in der Produktion heimischer Erzeugnisse der beiden Länder angelegt sind, so wird das Einkommen und der Unterhalt, die ihre Verteilung den Einwohnern eines jeden darbieten wird, gleich oder nahezu gleich sein. Diese Einkünfte und dieser Unterhalt, die man sich gegenwärtig gewährt, werden je nach dem Umfang ihrer Geschäfte größer oder kleiner sein. Wenn sie sich jährlich z. B. auf £ 100,000 oder auf eine Million auf jeder Seite belaufen, so würde jeder der Plätze den Einwohnern des andern in dem einen Fall ein jährliches Einkommen von £ 100,000, in dem andern ein solches von einer Million gewähren.
Wäre ihr Handel so beschaffen, dass einer der Plätze dem andern nur heimische Produkte zuführte, während die Rücksendungen des andern lediglich aus fremden Waren beständen, so würde die Bilanz sich dennoch ausgleichen, da Waren mit Waren bezahlt weiden. Beide Plätze würden in diesem Falle gewinnen, aber nicht gleichmäßig gewinnen, und die Einwohner des Bandes, das nur heimische Erzeugnisse ausführte, würden die grüßten Einkünfte aus dem Handel ziehen. Wenn England z. B. von Frankreich nur die heimischen Erzeugnisse dieses Landes ein führt und keine Waren heimischer Erzeugung hat, die dort im Begehr sind, mithin jene durch Hinsendung einer großen Menge auswärtiger Waren, wie Tabak oder ostindische Waren, zahlt, so würde dieser Handel zwar den Einwohnern beider Länder ein gewisses Einkommen verschaffen, aber denen Frankreichs mehr als denen Englands. Das ganze jährlich darin angelegte französische Kapital würde jährlich unter die Einwohner Frankreichs verteilt werden. Unter die Engländer dagegen würde nur der Teil des englischen Kapitals, der zur Erzeugung der englischen Waren diente, mit denen jene auswärtigen Waren gekauft wurden, jährlich verteilt weiden. Der größere Teil von ihm würde die Kapitalien ersetzen, welche in Virginien, Hindostan und China angelegt sind und den Einwohnern dieser fernen Länder Einnahmen und Unterhalt gegeben hatten. Wären die Kapitalien mithin gleich oder nahezu gleich, so würde die Anlage des französischen Kapitals das Einkommen des französischen Volkes weit mehr vermehren als diejenige des englischen Kapitals das Einkommen des englischen Volkes. Frankreich würde in diesem Fall einen direkten Außenhandel mit England treiben, während England einen weitschweifigen Handel derselben Art mit Frankreich treiben würde. Die verschiedenen Wirkungen eines im direkten und eines in einem weitschweifigen Außenhandel angelegten Kapitals sind bereits ausführlich erörtert worden.
Es gibt wahrscheinlich nirgends zwischen zwei Ländern einen Handel, der gänzlich im beiderseitigen Austausch heimischer Erzeugnisse, oder heimischer Erzeugnisse einerseits und fremder Waren andererseits, bestände. Fast alle Länder tauschen miteinander teils heimische, teils ausländische Waren aus. Das Land aber, in dessen Ausfuhr der größte Teil von heimischer Erzeugung und der mindeste fremdländischen Ursprungs ist, wird stets am meisten gewinnen.
Wenn England die jährlich von Frankreich eingeführten Waren nicht mit Tabak und ostindischen Waren, sondern mit Gold und Silber bezahlte, so würde in diesem Fall die Bilanz als ungleich gelten, da Waren nicht mit Waren, sondern mit Gold und Silber bezahlt würden. Doch auch in diesem Fall, wie in dem vorhergehenden, würde der Handel den Einwohnern beider Länder ein Einkommen verschaffen, obwohl denen Frankreichs ein größeres als denen Englands. Einiges Einkommen würde er auch denen Englands verschaffen. Das Kapital, das in der Erzeugung englischer Waren, welche dieses Gold und Silber ankauften, angelegt war; das Kapital, das unter gewisse Einwohner Englands verteilt war und ihnen ein Einkommen verschafft hatte, würde dadurch ersetzt sein und ihnen die Fortsetzung ihrer Geschäfte ermöglicht haben. Das Gesamtkapital Englands würde durch diese Gold- und Silberausfuhr nicht mehr vermindert worden als durch die Ausfuhr eines gleichen Betrags an anderen Waren. Im Gegenteil, in den meisten Fällen würde es vermehrt werden.
Es werden keine anderen Waren ins Ausland gesendet als für die eine größere Nachfrage im Auslande als daheim angenommen wird und für die, der Erwartung zufolge, ein größerer Wert zurückkommt als ausgeführt wird. Wenn der Tabak, der in England nur £ 100,000 wert ist, in Frankreich Wein kauft, der in England £ 110,000 wert ist, so wird der Tausch das Kapital Englands um £ 10,000 vermehren. Ebenso wenn £ 100,000 englisches Gold französischen Wein kaufen, der in England £ 110,000 wert ist, wird dieser Tausch das Kapital Englands gleichfalls um £ 10,000 vermehren. Da ein Kaufmann, der für £ 110,000 Wein in seinem Keller hat, ein reicherer Mann ist als der, welcher nur für £ 100,000 Tabak in seinem Speicher hat, so ist er gleicherweise ein reicherer Mann als der, welcher nur für £ 100,000 Gold in seiner Kasse hat. Er kann eine größere Menge Fleiß in Bewegung setzen und einer größeren Menge von Leuten Einkommen, Unterhalt und Beschäftigung gewähren als jeder der beiden anderen. Aber das Kapital des Landes ist den Kapitalien aller seiner verschiedenen Einwohner gleich, und die Menge des Fleißes, die darin jährlich unterhalten werden kann, ist derjenigen gleich, die diese Kapitalien insgesamt zu erhalten vermögen. Sowohl das Kapital des Landes, wie die Menge des Gewerbfleißes, die darin jährlich unterhalten werden kann, müssen daher in der Kegel durch diese Ausfuhr vermehrt werden. Allerdings würde es vorteilhafter für England sein, wenn es die Weine Frankreichs mit seinen Eisenwaren und Tuchen kaufen könnte als dass es sie mit dem Tabak Virginiens oder mit dem Gold und Silber Brasiliens und Perus kaufen muss. Ein direkter Außenhandel ist stets vorteilhafter als ein weitschweifiger; aber ein weitschweifiger Außenhandel, der mit Gold und Silber betrieben wird, scheint nicht weniger vorteilhaft zu sein als ein gleich weitschweifiger mit anderen Waren. Auch wird ein Land, das keine Minen besitzt, durch seine jährliche Ausfuhr von Gold und Silber nicht wahrscheinlicher an diesen Metallen erschöpft als ein Land, das keinen Tabak baut, durch die gleiche jährliche Ausfuhr dieser Pflanze. Wie ein Land, das die Mittel hat, Tabak zu kaufen, ihn niemals lange entbehren wird, so wird auch ein Land, das die Mittel hat, Gold und Silber zu kaufen, niemals lange an ihnen Mangel leiden.
Das Geschäft, das ein Arbeiter mit dem Bierhaus treibt, sagt man, ist ein verlustbringendes Geschäft; und das Geschäft, das ein Industrievolk mit einem Weinlande treibt, kann als ein Geschäft von gleicher Art betrachtet werden. Ich antworte, dass das Geschäft mit dem Bierhaus nicht notwendig ein verlustbringendes ist. Seiner eigenen Natur nach ist es genau so vorteilhaft, wie jedes andere, obwohl vielleicht eher dem Missbrauch ausgesetzt. Die Beschäftigung eines Brauers, und selbst diejenige eines Branntweinschenkers, sind so notwendige Arbeitsteilungen, wie irgendeine. Es wird im Allgemeinen für einen Arbeiter vorteilhafter sein, die Menge, die er braucht, vom Brauer zu kaufen als sie selbst zu brauen, und ist er arm, so wird es in der Regel vorteilhafter für ihn sein, seinen Bedarf im Kleinen von dem Detaillisten zu kaufen als im Großen vom Brauer. Er kann unzweifelhaft zu viel von beiden kaufen, ebenso wie von jedem andern Geschäftsmann in seiner Gegend, vom Fleischer, wenn er ein Schlemmer ist, vom Tuchhändler, wenn er gerne unter seinesgleichen durch seine äußere Erscheinung glänzt. Trotzdem ist es für die große Masse der Arbeiter vorteilhafter, dass alle diese Geschäfte frei sind, obwohl diese Freiheit in allen gemissbraucht werden kann und in einigen vielleicht mehr gemissbraucht wird als in andern.
Einzelne können zwar ihr Vermögen durch übermäßigen Verbrauch geistiger Getränke zugrunde richten; aber es scheint keine Gefahr zu haben, dass eine ganze Nation es tun werde. In jedem Lande gibt es eine Menge Leute, die für solche Getränke mehr ausgeben als sie dürften; aber die allermeisten werden dafür weniger ausgeben. Es verdient auch bemerkt zu worden, dass, wenn wir die Erfahrung zu Rate ziehen, die Billigkeit des Weins eine Ursache nicht der Trunkenheit, sondern der Nüchternheit zu sein scheint. Die Einwohner der Weinländer sind in der Regel die nüchternsten Leute in Europa, wie die Spanier, Italiener und die Einwohner der südfranzösischen Provinzen beweisen. In ihrer täglichen Kost sind die Leute selten unmäßig. Niemand gibt sich die Miene der Freigebigkeit und Gastfreiheit, wenn er von einem Getränke reichlich spendet, das so billig ist wie Dünnbier. Im Gegenteil, in den Ländern, welche entweder wegen zu großer Hitze oder Kälte keine Trauben hervorbringen und wo der Wein mithin teuer und selten ist, ist Trunkenheit ein allgemeines Laster, wie unter den nördlichen Nationen und allen denen, die unter den Tropen leben, z. B. den Negern an der Küste Guineas. Wenn ein französisches Regiment von einer der Nordprovinzen Frankreichs kommt, wo der Wein ziemlich teuer ist, und in den Südprovinzen einquartiert wird, wo er sehr billig ist, so lassen sich die Soldaten, wie ich oft habe bemerken hören, zuerst durch die Billigkeit des guten Weines und die Neuheit der Sache verführen; aber nach einem mehrmonatlichen Aufenthalt werden die meisten von ihnen so nüchtern, wie die anderen Bewohner. Würden die Zölle auf fremde Weine und die Akzise auf Malz, Bier und Ale plötzlich beseitigt, so könnte es in Großbritannien gleichfalls Vorkommen, dass das Militär und die unteren Klassen des Volks ganz allgemein sich zeitweilig der Trunkenheit hingäben; aber vermutlich würde bald eine dauernde und fast allgemeine Mäßigkeit darauf folgen. Gegenwärtig ist Trunkenheit keineswegs das Laster der vornehmeren Leute oder derjenigen, die sich die kostspieligsten Getränke leicht anschaffen können. Ein von Bier trunkener Edelmann wird kaum jemals unter uns zu sehen sein. Die Beschränkungen des Weinhandels in Großbritannien scheinen überdies nicht sowohl darauf berechnet, die Leute zu hindern, wenn ich so sagen soll, ins Bierhaus zu gehen als dahin zu gehen, wo sie das beste und billigste Getränk kaufen können. Die Einfuhr portugiesischen Weins ist begünstigt, diejenige französischen Weins erschwert. Die Portugiesen, sagt man allerdings, sind bessere Kunden für unsre Fabrikanten als die Franzosen und müssen daher einen Vorzug vor ihnen genießen. Da sie unsre Kunden sind, meint man, müssen wir auch die ihrigen sein. So erhebt man die kleinen Kunstgriffe der Krämer zu politischen Grundsätzen für das Verhalten eines großen Deichs; denn nur der geringste Krämer macht sich die Beschäftigung seiner Kunden zur Kegel. Ein großer Kaufmann kauft seine Waren stets da, wo sie am billigsten und am besten sind, ohne Rücksicht auf irgendein Interesse der Art.
Durch Grundsätze wie diese jedoch sind die Nationen überredet worden, dass ihr Interesse erheische, alle ihre Nachbarn an den Bettelstab zu bringen. Jedes Volk soll mit neidischem Auge auf die Wohlfahrt aller der Völker, mit denen es Handel treibt, blicken und ihren Gewinn als seinen eigenen Verlust betrachten. Der Verkehr, der unter Nationen wie unter Individuen naturgemäß ein Band der Einigung und Freundschaft sein sollte, ist die fruchtbarste Quelle der Zwietracht und Feindschaft geworden. Der launische Ehrgeiz von Königen und Ministern ist während des gegenwärtigen und des verflossenen Jahrhunderts der Ruhe nicht minder verhängnisvoll gewesen als der schamlose Neid der Kaufleute und Fabrikanten. Die Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit der Beherrscher des Menschengeschlechts ist ein altes Übel, gegen das, fürchte ich, die Natur der menschlichen Dinge kaum eine Abhilfe zulässt. Allein die niedrige Habsucht und der Monopolgeist der Kaufleute und Fabrikanten, die niemals die Beherrscher der Menschen sind, noch sein sollten, können zwar vielleicht nicht gebessert werden, aber sehr leicht ist es zu verhindern, dass sie die Ruhe irgendeines anderen Standes als des eigenen, stören.
Dass es der Monopolgeist war, der ursprünglich diese Lehre sowohl ersann wie verbreitete, ist unzweifelhaft; und die Leute, welche sie zuerst lehrten, waren keineswegs solche Toren, wie man glauben könnte. In allen Ländern ist es und muss es stets das Interesse der großen Masse des Volks sein, ihre Bedürfnisse von denen, die verkaufen, so billig wie möglich zu kaufen. Der Satz ist so einleuchtend, dass es lächerlich wäre, sich die Mühe zu geben ihn zu beweisen; auch würde er niemals in Frage gestellt worden sein, wenn nicht die interessierte Sophistik der Kaufleute und Fabrikanten den gesunden Menschenverstand beirrt hätte. Ihr Interesse ist in dieser Beziehung demjenigen der großen Masse des Volkes genau entgegengesetzt. Wie es das Interesse der Zunftmeister ist, die übrigen Einwohner zu verhindern, andere Leute als sie selbst zu beschäftigen, so ist es das Interesse der Kaufleute und Fabrikanten eines jeden Landes, sich das Monopol des höhnischen Marktes zu sichern. Daher rühren in Großbritannien und in den meisten anderen europäischen Ländern die hohen Zölle auf fast alle von fremden Kaufleuten eingeführte Waren; daher die hohen Zölle und Verbote auf alle die ausländischen Fabrikate, die mit den eigenen in Wettbewerb treten können; daher auch die außerordentlichen Einschränkungen auf die Einfuhr fast aller Sorten von Waren aus denjenigen Ländern, mit denen die Handelsbilanz für ungünstig gilt, d. h. gegen die die nationale Feindseligkeit am gewaltigsten entflammt ist.
Der Reichtum einer benachbarten Nation aber, wie gefährlich im Krieg und in der Politik er sein mag. ist im Handel sicherlich vorteilhaft. In einem Zustande der Feindseligkeit kann er unsere Feinde in den Stand setzen, den unsrigen überlegene Flotten und Armeen zu unterhalten; aber in einem Stande des Friedens und Verkehrs, muss er sie ebenso befähigen, mehr Werte mit uns auszutauschen und den direkten Produkten unsrer Industrie, oder was mit ihnen gekauft sein mag, einen besseren Markt darzubieten. Wie ein reicher Mann wahrscheinlich ein besserer Kunde für die gewerbfleißigen Leute in seiner Nachbarschaft ist als ein armer, so ist es gleicherweise ein reiches Volk. Ein reicher Mann, der selbst Fabrikant ist, ist allerdings ein sehr gefährlicher Nachbar für alle diejenigen, welche dasselbe Geschäft treiben. Allein seine übrigen Nachbarn also bei weitem die Mehrzahl, gewinnen durch den guten Absatz, den sein Aufwand ihnen gewährt. Sie gewinnen selbst dadurch, dass er seine ärmeren Wettbewerber unterbietet. Die Fabrikanten eines reichen Volkes können auf dieselbe Art unzweifelhaft sehr gefährliche Nebenbuhler für diejenigen seiner Nachbarn sein. Allein gerade dieser Wettbewerb ist für die große Masse des Volkes vorteilhaft, das außerdem durch den guten Absatz, den der große Aufwand eines solchen Volkes in jeder anderen Beziehung darbietet, erheblich gewinnt. Privatleute, die ein Vermögen erwerben wollen, denken niemals daran, sich in entfernte und arme Provinzen des Landes zurückzuziehen, sondern gehen entweder in die Hauptstadt oder in eine der großen Handelsstädte. Sie wissen, dass, wo wenige Kapitalien umlaufen, wenig zu gewinnen ist, dass hingegen, wo viele in Bewegung sind, ein Teil davon ihnen zufallen kann. Dieselben Grundsätze, welche auf diese Art den gesunden Menschenverstand von einem oder zehn oder zwanzig Individuen leiten, müssen auch das Urteil von einer oder zehn oder zwanzig Millionen bestimmen und ein ganzes Volk veranlassen, den Reichtum seiner Nachbarn als eine mutmaßliche Ursache und Gelegenheit, für sich selbst Reichtum zu erwerben, anzusehen. Ein Volk, das sich durch auswärtigen Handel bereichern will, wird es sicherlich am wahrscheinlichsten tun, wenn seine Nachbarn sämtlich reiche, gewerbfleißige und handeltreibende Völker sind. Ein großes Volk, das auf allen Seiten von nomadenhaften armen, unzivilisierten Völkerschaften umgeben ist, kann ohne Zweifel durch die Kultur seines Bodens und durch seinen inneren Handel Reichtum erwerben, aber nicht durch auswärtigen Handel. Es scheint, dass auf diese Art die alten Ägypter und in der Neuzeit die Chinesen ihren großen Reichtum erworben haben. Die alten Ägypter, so wird behauptet, vernachlässigten den auswärtigen Handel, und die neueren Chinesen blicken auf ihn bekanntermaßen mit der äußersten Verachtung und halten ihn kaum des leisesten gesetzlichen Schutzes wert. Die neueren Grundsätze des auswärtigen Handels haben wegen der Neigung, alle unsre Nachbarn arm zu machen, soweit sie diese beabsichtigte Wirkung hervorbringen können, die Tendenz, eben diesen Handel unbedeutend und verächtlich zu machen.
Es geschah infolge dieser Grundsätze, dass der Handel zwischen Frankreich und England in beiden Ländern so viel Entmutigungen und Beschränkungen unterworfen ist. Wenn diese beiden Länder jedoch ihr wirkliches Interesse zu Rate zögen, ohne jede Handelseifersucht oder nationale Feindseligkeit, so konnte der Handel Frankreichs für Großbritannien vorteilhafter werden als der jedes anderen Landes, und aus demselben Grund der Handel Großbritanniens für Frankreich. Frankreich ist der nächste Nachbar Großbritanniens. In dem Handel zwischen der Südküste Englands und den nördlichen und nordwestlichen Küsten Frankreichs können die Zahlungen, ebenso wie im Binnenhandel 4-, 5- oder 6-mal im Jahr erwartet werden. Das in diesem Handel angelegte Kapital könnte daher in jedem der beiden Länder 4-, 5- oder 6-mal so viel Gewerbfleiß in Bewegung setzen und 4-, 5- oder 6-mal so viel Leuten Arbeit und Unterhalt verschaffen als ein gleiches Kapital in den meisten anderen Zweigen des auswärtigen Handels. Zwischen den entferntesten Teilen Frankreichs und Großbritanniens könnten die Zahlungen mindestens einmal im Jahr erwartet werden, und auch dieser Handel würde demnach mindestens ebenso vorteilhaft sein, wie die meisten anderen Zweige unseres europäischen Handels. Er würde mindestens dreimal so vorteilhaft sein als der berühmte Handel mit unseren nordamerikanischen Kolonien, in welchem die Eingänge selten in kürzeren Zeiträumen als drei Jahren, oft erst in vier oder fünf Jahren, erfolgen. Überdies fasst Frankreich ungefähr 24 Millionen Einwohner, während unsere nordamerikanischen Kolonien kaum mehr als 3 Millionen haben dürften; und Frankreich ist ein viel reicheres Land als Nordamerika, obwohl dort wegen der ungleicheren Verteilung des Reichtums mehr Armut und Bettelei herrscht als im anderen Lande. Frankreich könnte deshalb einen mindestens achtmal so umfangreichen und wegen der großen Häufigkeit der Zahlungen einen 24-mal so vorteilhaften Markt darbieten als der ist, den unsere nordamerikanischen Kolonien jemals darboten. Der Handel mit Großbritannien würde für Frankreich genau ebenso vorteilhaft sein und dem Reichtum der Bevölkerung und der Nähe der beiden Länder entsprechend dieselbe Überlegenheit über den Handel Frankreichs mit seinen Kolonien besitzen. Dies ist der ungeheure Unterschied zwischen dem Handel, den die Weisheit beider Nationen entmutigen zu müssen glaubte und dem, den sie am meisten begünstigt hat.
Dieselben Umstände aber, die einen offenen und freien Verkehr zwischen den beiden Ländern für beide so vorteilhaft gemacht haben würden, haben diesem Handel gerade die grüßten Hindernisse bereitet. Da sie Nachbarn sind, sind sie notwendig Feinde, und der Reichtum und die Macht eines jeden wird deswegen für den andern desto furchtbarer; und was die Vorteile nationaler Freundschaft vermehren würde, dient nur dazu, die Heftigkeit des Nationalhasses zu entflammen. Beide sind reiche und gewerbsame Nationen und die Kaufleute und Fabrikanten einer jeden fürchten die wetteifernde Geschicklichkeit und Tätigkeit der andern. Die Handelseifersucht ist erwacht und sie nährt den Nationalhass und wird wiederum von ihm genährt. Und die Handeltreibenden beider Länder behaupten mit all der leidenschaftlichen Anmaßung interessierter Heuchelei den sicheren Untergang eines jeden infolge jener ungünstigen Handelsbilanz, die, wie sie behaupten, die unfehlbare Wirkung eines ungehemmten Verkehrs mit dem andern sein würde.
Es gibt keinen Handelsstaat in Europa, dem der herannahende Ruin von den Doktoren dieses Systems aus einer ungünstigen Handelsbilanz nicht oft vorausgesagt worden wäre. Nach all der Angst jedoch, die sie davor erregt haben, nach all den vergeblichen Versuchen fast aller handeltreibenden Nationen, diese Bilanz zu ihren Gunsten und gegen ihre Nachbarn zu wenden, scheint es nicht, dass irgendein Volk in Europa durch diese Ursache in irgendeiner Beziehung verarmt wäre. Vielmehr sind alle Städte und Länder in dem Verhältnis, wie sie ihre Häfen allen Nationen geöffnet haben, durch diesen freien Handel, statt davon wie nach den Satzungen des Handelssystems hätte erwartet werden müssen, ruiniert worden zu sein, bereichert worden. Allerdings gibt es in Europa einige wenige Städte, die in gewisser Beziehung den Namen von Freihäfen verdienen, aber kein Land, das ihn verdient. Holland nähert sich vielleicht diesem Charakter am meisten, obwohl es noch sehr entfernt davon ist, und Holland zieht anerkanntermaßen nicht allein seinen ganzen Reichtum, sondern auch die meisten seiner anderen notwendigen Unterhaltsmittel aus dem auswärtigen Handel.
In der Tat gibt es eine andere bereits erörterte, von der Handelsbilanz sehr verschiedene Bilanz, die, je nachdem sie günstig oder ungünstig ist, notwendig die Blüte oder den Verfall eines jeden Volkes veranlasst. Dies ist die Bilanz der jährlichen Produktion oder Konsumtion. Wenn, wie bereits bemerkt, der Tauschwert der Jahreserzeugung denjenigen des Verbrauchs übersteigt, muss das Volkskapital jährlich im Verhältnis zunehmen. Das Volk lebt in diesem Falle von seinem Einkommen, und was es jährlich davon erspart, kommt natürlich zu seinem Kapital hinzu und wird so angelegt, dass es die Jahresproduktion auch weiterhin vermehrt. Wenn der Tauschwert der Jahresproduktion hinter dem der Jahreskonsumtion zurückbleibt, so muss das Volkskapital jährlich nach Maßgabe des Defizits abnehmen. Die Ausgaben des Volks überschreiten in diesem Falle seine Einnahmen, und es greift notwendig sein Kapital an. Sein Kapital, und zugleich mit ihm der Tauschwert des Jahresprodukts seines Fleißes muss daher notwendig abnehmen. Diese Bilanz der Erzeugung und des Verbrauchs ist von der sogenannten Handelsbilanz durchaus verschieden. Sie könnte auch bei einem Volk, das keinen auswärtigen Handel hat, sondern von aller Welt isoliert wäre, platzgreifen. Sie kann auf dem ganzen Erdenrund platzgreifen, dessen Reichtum, Bevölkerung und Kultur sowohl allmählich steigen, wie allmählich sinken kann.
Die Bilanz der Produktion und Konsumtion kann beständig zugunsten einer Nation sein, wenn auch die Handelsbilanz in der Regel gegen sie ist. Eine Nation kann vielleicht ein halbes Jahrhundert lang mehr einführen als ausführen; das Gold und Silber, das während dieser ganzen Zeit zu ihr kommt, kann sofort wieder Weggehen; ihre umlaufende Münze kann allmählich abnehmen und verschiedenes Papiergeld an deren Stelle treten, und selbst die Schulden, die sie bei den Völkern, mit denen sie hauptsächlich Handel treibt, eingebt, können allmählich wachsen, und dennoch kann ihr wirklicher Reichtum, der Tauschwert des jährlichen Produkts ihres Bodens und ihrer Arbeit, während derselben Periode in viel größerem Maße wachsen. Der Zustand unserer nordamerikanischen Kolonien und der Handel, den sie vor Beginn der gegenwärtigen Unruhen35 mit Großbritannien trieben, können zum Beweis dienen, dass dies keineswegs eine unmögliche Annahme ist.

