Kitabı oku: «Im goldenen Käfig», sayfa 7

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Der Umzug

Die Normalität kehrte teilweise in unser Leben zurück, doch es wurde nie wieder wie vor unserer Reise nach Marokko. Bilal arbeitete und ich kümmerte mich um Youns, das Haus und um meine Arbeit mit den Gewürzen. Mit dem Frühling kam auch die Vitalität zurück und ich hatte Lust, hinaus in die Natur zu gehen. Ich bemerkte, dass der Bereich hinter dem Haus vernachlässigt wurde und mit Unkraut und Sträuchern bedeckt war, doch keiner der Nachbarn wollte es in Ordnung bringen. Ich fing an, das Unkraut auszureißen, grub den Boden um, wendete ihn und pflanzte Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Zucchini und Salat an. Im Hochsommer konnte ich so viel von diesem Gemüse ernten, dass ich einiges davon an unsere Nachbarn und Freunde verschenkte. Pina und Carla waren entzückt von meinen Erdbeeren. Bevor sie zu mir nach oben kamen, gingen sie am Garten vorbei und aßen sich damit satt. Sie standen dann mit roten Mündern vor meiner Tür und sagten: »Oh, Aicha! Wir haben zwei große Schnecken zwischen deinen Erdbeeren gesehen und haben die reifsten gegessen. Die Erdbeeren waren aber wirklich gut, weist du?« Wir lachten gemeinsam, während wir uns begrüßten.

Den Boden bearbeiten und mich mit nackten Füßen um die Pflanzen zu kümmern, ist meine Stärke. Ich legte Youns auf eine Decke in den Schatten unter dem Kirschbaum. Während er spielte und brabbelte, arbeitete ich im Garten. Ich genoss es, die Pflanzen mit dem Wasserschlauch zu bespritzen und dabei meine nackten Füße zu erfrischen. Ich war erfüllt von einer tiefen Dankbarkeit für ausreichend Wasser und für die ebenfalls reichliche Ernte, aber vor allem war ich dankbar für die Freude, frei arbeiten zu können, statt auf Befehl und unter Schlägen von Herren, wie in der Vergangenheit. Ich beobachte die Setzlinge, wie sie vor meinen Augen wuchsen, dies bereitete mir immense Freude. Ich spürte noch immer die Nachwirkungen der Lähmung, die mich doch glücklicherweise nicht davon abhielten, ein normales Leben zu führen. Ab und zu fiel mir noch Essen aus dem Mund oder mir lief etwas Speichel aus dem Mundwinkel, wenn ich sprach. Aus psychologischer Sicht verfiel ich oft in eine plötzliche Traurigkeit, die ich mir nicht erklären konnte. Auch mein Auge schloss sich noch nicht ganz. Sehr lange Zeit war meine rechte Körperhälfte vollkommen anders als die linke. Doch Gott sei es gedankt, mit der Zeit ging es mir körperlich besser, obwohl ich mich seelisch nie ganz erholte.

Es war mitten im Sommer und ich musste Bilal davon überzeugen, eine andere Wohnung zu finden, bevor der Winter Einzug hielt. Mein Kind und ich litten unter der Kälte in diesem alten Haus, abgesehen davon, dass es immer noch jede halbe Stunde von den vorbeifahrenden Zügen erschüttert wurde. Und außerdem wollte ich von Heidi wegziehen. Ich konnte es nicht mehr sehen, wie sie um Bilal herumschwänzelte. Sie hatte sogar versucht, ein Picknick am See mit uns zu organisieren. Ich hatte genug davon, zu sehen, wie sie auch Youns liebgewann. Sie kam oft, um ihn abzuholen und spielte mit ihm in ihrem Haus. Er war ja auch ein ganz Lieber; all unsere Bekannten und Nachbarn hatten sich in ihn verliebt. Seltsamerweise mochte ich Heidi und konnte nicht leugnen, dass sie eine sympathische und nette Frau war, aber es störte mich, dass sie immer noch Gefühle für Bilal hatte.

Eines Tages sagte ich Bilal ganz klar: »Wenn du mir untreu bist und ich das herausfinde, ist für immer Schluss mit uns.« Um die Wahrheit zu sagen, ich hätte nicht einmal gewusst, wohin ich gehen sollte, da ich noch nicht vollständig integriert war. Ich wusste nicht, ob ich tatsächlich allein zurechtkommen würde. Aber er nahm meine Worte ernst. Ab diesem Tag erzählte er mir, ohne dass ich ihn fragte, was er gemacht hatte, wenn er unterwegs war, wohin er ging und mit wem er zu tun hatte. Er ging nie mehr wieder allein zu Heidi nach Hause und auch sie entfernte sich Stück für Stück von uns, bis sich unsere Wege endgültig trennten. Bilal vermied letztlich sogar, allein zu Lisa nach Hause zu gehen, um Miriam abzuholen. Endlich hatte ich Ruhe von der Belastung, die durch Bilals Ex-Freundinnen verursacht wurden.

Über meine liebe Freundin Doris, die ursprünglich aus Italien stammte, fanden wir eine Wohnung in einem Drei-Familienhaus, nicht weit von Carlas Zuhause entfernt. Unsere neue Wohnung lag im Stadtteil Herblingen, am anderen Ende der Stadt. Doris und ich hatten uns über Carla und Pina kennengelernt und schlossen sofort eine enge Freundschaft und verstanden uns sehr gut. Doris ist eine sehr aufgeweckte Person, fröhlich, mit einem großen Herzen und ihren Freunden gegenüber treu. Bemerkte sie zum Beispiel, dass ich Schwierigkeiten hatte, so half sie mir stets dabei, eine Lösung zu finden, da ich noch immer nicht alle Regeln für das Überleben in diesem Land kannte. Sobald sie hörte, dass wir eine neue Wohnung suchten, unterstützte sie uns, um eine in der Nähe von Carla zu finden, damit ich nicht zu weit von den Leuten entfernt wohnen würde, die ich kannte. Sie selbst wohnte auch nur zehn Minuten von meinem neuen Zuhause entfernt. Vor dem Umzug jedoch musste ich an den Mandeln operiert werden. Ich blieb eine Woche im Krankenhaus, während sich Carla und Pina abwechselnd um Youns kümmerten. Dieses Mal konnte ich mit dem Krankenhauspersonal auf Italienisch gut kommunizieren. Die Operation hingegen verlief nicht gut. Ich musste am selben Tag noch zwei Mal operiert werden, um die Blutung zu stoppen. Nachdem ich aus der Narkose aufwachte, musste ich sehr viel Blut brechen, das sich in meinem Magen angesammelt hatte. Ich hielt mir eine Tasse aus Metall vor den Mund, aus dem ununterbrochen Blut floss. Als der Arzt sah, dass die Blutung auch vier Stunden nach der Operation noch nicht aufgehört hatte, setzte er mich erneut unter Narkose, um die Wunden zu nähen. Meine Mandeln waren sehr groß und weitläufig im Rachenbereich verteilt. Als sie mir entfernt wurden, verursachte dies eine große Wunde im Rachen. Ich glaube, dass die Frau aus Agadir daran schuld war, dass meine Mandeln eine so seltsame Form hatten. Sie wollte sie mir damals bei lebendigem Leibe mit dem Fingernagel auskratzen, als ich sechs Jahre alt war. Mein Hals war geschwollen und ich hatte brennende Schmerzen. Ich konnte weder sprechen noch essen. Ich bekam Eis, um meinen Hals zu kühlen. Erst einige Tage später konnte ich püriertes Gemüse zu mir nehmen. Nach der Operation war ich von dem vielen Blutverlust stark geschwächt.

Nachdem ich wieder gesund war, zogen wir um. Die neue Wohnung war sehr schön, mit eingebauter Heizung, und die Böden waren mit glänzendem Holz belegt. Die Familie, die vor uns dort gewohnt hatte, waren Italiener. Sie wollten wieder nach Italien zurückziehen, daher verkauften sie uns ihre Möbel, allerdings zu einem sehr hohen Preis. Sie nutzten unsere Unerfahrenheit und Naivität aus. Doch trotz dieser Täuschung war ich glücklich, in ein so schönes, warmes und komfortables Haus ziehen zu können. Ich war glücklich, wenn ich Youns frei auf dem Boden spielen lassen konnte, ohne ihm zu Hause eine Mütze und eine dicke Jacke anziehen zu müssen. Wir hatten zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, die Küche und das Badezimmer, sogar mit Badewanne, wo Youns und ich uns gemeinsam im Schaumbad amüsierten. Endlich hatten wir auch einen Kleiderschrank und ein normales Bett. Im Zimmer von Youns standen eine Kommode und ein Bettchen. Im Wohnzimmer lag ein Orientteppich, es gab braune Holzmöbel und zwei bordeauxfarbene Sofas. Die Vorhänge waren mintfarben. Die Wohnung lag im zweiten Stock und wurde von der Sonne durchflutet – natürlich nur, wenn sie schien. Leider fehlten mir der schöne Garten und die Obstbäume, die unser altes Haus umgeben hatten. Es war klar, dass ich es nicht lange ohne die Gartenarbeit aushalten konnte, die mich so glücklich machte, daher mieteten wir bald einen Garten, der eine Dreiviertelstunde zu Fuß von unserem Haus entfernt lag. Ich lief mit Youns im Kinderwagen hin und zurück, um mir das Busticket zu sparen. Ich hatte meinen kleinen Job nicht mehr, der mir eine finanzielle Hilfe gewesen war. In dieser Wohnung gab es keinen Platz, um mit den Gewürzen arbeiten zu können. Dennoch war ich glücklich, einen neuen Garten zu haben, der sich als genauso fruchtbar wie mein erster erwies. Ich pflanzte und erntete Gemüse ohne Ende. Wir hatten uns eine öffentliche Gefriertruhe in der Nähe des Gartens gemietet. So konnte ich das Gemüse waschen und schneiden und für den Winter einfrieren. Ich hatte soviel, dass ich meinen Freunden davon schenken können. Alles, was ich pflanzte, wuchs wie von Zauberhand. Ich hatte keinerlei Wissen über Gartenarbeit, ich folgte einfach meinem Gefühl. Bilal kam oft vorbei, um mir zu helfen und die Erde umzugraben, was eine sehr schwere Arbeit war. Auch Youns hatte ein Beet für sich, das er selber umgraben und gießen konnte. Er war klein, aber ich bezog ihn in alles mit ein, was ich tat. Er lernte schnell, nicht dort zu spielen, wo ich frisch gesät oder gepflanzt hatte, sondern nur in seinem Beet oder in der Wiese an der Seite des Gartens. Auf der linken Seite war ein kleiner Bachlauf, mit dem er sich vergnügte, indem er Wasser für sein Beet schöpfte. Im Garten hatten wir außerdem einen kleinen Holzschuppen voller Heu. Wenn Youns und ich müde wurden, legten wir uns Arm in Arm zum Schlafen ins Heu. Die Nachbarn um den Garten waren sehr nett. Sie zeigten mir, wie man die Gartenarbeit auf Schweizer Art verrichtete, brachten mir die Saat- und Pflanzregeln und vieles andere bei. Wer Setzlinge übrig hatte, schenkte sie den Nachbarn. Youns war liebenswert und zufrieden und sang stets vor sich hin. Er liebte vor allem die Musik. Zu Hause wollte er immer klassische Musik hören, solange, bis er mit dem Daumen im Mund einschlief. Bald fand ich Arbeit als Reinigungskraft in Neuhausen, in dem Coop, in dem auch Bilal arbeitete. Die neue Wohnung war teurer und belastete uns zusätzlich zu dem Unterhalt für Miriam und den Schulden, die wir der Bank zurückzahlten. Um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen, stand ich morgens um halb fünf auf. Ich machte Youns, der noch schlief, fertig, legte ihn in seinen Kinderwagen und nahm den ersten Bus um etwa fünf Uhr. Dann musste ich einmal umsteigen, um von Herblingen nach Neuhausen zu gelangen. Ich arbeitete drei Stunden oder gar länger, von Montag bis Samstag. Glücklicherweise jammerte Youns niemals. Er lag in seinem Kinderwagen in der Küche des Coop, und wenn er Hunger hatte, gab ich ihm ein Fläschchen, das er allein trank, dann sang er vor sich hin und schlief wieder ein. Bilal und all seine Kollegen kamen oft vorbei, um ihn zu begrüßen und ein wenig mit ihm zu sprechen. Schnell wurde er von allen Mitarbeitern im Coop geliebt. Ich putzte den Boden des Supermarkts, wie ich es in Marokko getan hatte, mit dem Unterschied, dass es hier wesentlich bequemer war und ich einen sehr netten Chef hatte. Er verließ sich auf mich und lobte mich für meine gute Arbeit, die ich schnell und genau erledigte. Er sagte immer: »Machen Sie langsam. Niemand ist hinter Ihnen her.« Aber ich kannte nichts anderes, da ich doch während meiner gesamten Kindheit auf diese Weise gearbeitet hatte. Ich fühlte mich geehrt und gleichzeitig machte ich mich klein und senkte den Kopf, ich war es schlicht nicht gewohnt, gelobt zu werden. Auch Bilal war ein guter Mitarbeiter, unser Chef wusste uns beide sehr zu schätzen. Wenn ich nach Hause zurückkam, sank ich noch einmal ins Bett und Youns und ich schliefen in inniger Umarmung noch ein wenig. Am Nachmittag gingen wir in den Garten oder auf den Spielplatz, besuchten Freunde oder sie kamen zu uns. Ich war sehr glücklich, in einer solch komfortablen Wohnung zu wohnen. Bilal hingegen war nicht sehr glücklich, er musste für die neue Wohnung 550 Franken zahlen, statt 130, wie für die alte, zusätzlich hatte er die Möbel für 2000 Franken gekauft. Er sagte oft: »Wenn wir geblieben wären, wo wir waren, hätten wir all das Geld für Marokko sparen können. Stattdessen haben wir sinnlos Möbel gekauft. Wir hätten mit dem zurechtkommen können, was wir hatten.« »Du findest, dass unsere Lebensqualität nichts zählt, nur um Geld dort hinzuschicken? Für was überhaupt? Damit deine Familie im Luxus lebt, ohne einen Finger krumm zu machen, während dein Sohn und ich im Winter unter der Kälte leiden? Natürlich! Sie wohnen in einem Haus, das du gebaut und mit neuen Möbeln ausgestattet hast, wohingegen wir uns mit gebrauchten zufriedengeben müssen. Wer zahlt die Schulden, die du für sie gemacht hast? Sind es nicht wir, die wie zwei Esel arbeiten müssen? Wenn du sparen willst, spar bei ihnen, nicht bei mir und deinem Kind.« Natürlich erwähnte ich immer nur seine Brüder, Schwestern, die Schwager und Schwägerinnen und die Nichten und Neffen, die auf unsere Kosten lebten, und niemals seine Eltern, die zurecht finanziell zu unterstützen waren, um leben zu können, nicht jedoch, um im Luxus zu schwelgen, während wir im Elend hausten. Unsere Diskussionen drehten sich immer um seine Familie.

Außerdem wollte ich nicht mehr, dass er unangekündigt Gäste am Abend mitbrachte, denen ich dann Essen kochen musste. Ich war jederzeit bereit, Freunde zu Hause zu empfangen, aber nicht spät in der Nacht. Das Ergebnis meiner Rebellion war: eine Ohrfeige, gefolgt von schweren Beleidigungen auf Arabisch, die mich weitaus mehr verletzten und demütigten als die Ohrfeige selbst. Er sagte Dinge wie: »Für wen hältst du dich eigentlich? Vergiss nicht, wo ich dich herausgeholt habe und in welcher Lage du dank mir jetzt bist«, eine Anspielung auf meinen niedrigen sozialen Stand, aus dem er mich gerettet hatte. Doch ich blieb bei meiner Meinung und erwiderte: »Siehst du nicht, das ich mich um unser Kind und den Garten kümmere und arbeiten gehe? Ist das zu wenig? Ich muss schlafen gehen, damit ich früh aufstehen kann.« Mein Leben veränderte sich sehr, mein Gesundheitszustand, meine Arbeit und die Fürsorge für meinen Kleinen, dazu die Probleme mit meiner Schwiegermutter und meiner Vergangenheit, die sich lautlos in meinem Kopf herum drehte wie ein Mühlstein. All das war äußerst ermüdend.

Neue Welten

Mit der Zeit konnte ich immer besser Italienisch schreiben und lesen. Ich las jeden Tag und entdeckte immer wieder Dinge, die mir neu waren, die mich allerdings auch erkennen ließen, wie ungebildet ich war und dass ich nichts über die Welt wusste. Ich wusste nichts über unseren Planeten, nichts über Geographie, nichts über die Geschichte der Weltbevölkerung, ich hatte keine Ahnung von den Kulturen andere Länder, wusste noch nicht einmal von deren Existenz, wusste nichts über die Natur oder sonst irgendetwas. Wenn unsere Freunde über internationale Ereignisse sprachen, staunte ich mit offenem Mund und wusste zu keinem Thema auch nur irgendetwas zu sagen. Ich war die einzige Dumme, es schien, als wäre ich in einem Bunker unter der Erde aufgewachsen. Ich wusste nicht, dass es zwei Weltkriege und den schrecklichen Vietnamkrieg gegeben hatte. Jetzt entdeckte ich durch mein Lesen die Weltgeschichte, sowohl die unseres Jahrhunderts als auch die der vergangenen: die Geschichte der Römer, Ägypter, Perser, Griechen, Amerikaner und so weiter. Ich liebte die Geschichte über die Ureinwohner Australiens, der Aborigines, die der Indianer in Amerika und von Amazonien in Brasilien und die Geschichte Südamerikas. Ich interessierte mich für die Kultur Chinas und Japans, für das Leben in Tibet und das der Afrikaner, wie in der Savanne, und viele mehr. Ich liebte es, diese Geschichten zu lesen oder sie als Dokumentation im Fernsehen anzusehen. Was mich am meisten faszinierte, waren die Eskimos, die in einer Schneewelt lebten und in Häusern aus Eisblöcken wohnten. Ich konnte mir nicht vorstellen, in diesem Teil der Welt zu leben, angesichts der unglaublichen Kälte. Ich las gern über die Natur und entdeckte Pflanzen und Tiere, die ich nie zuvor gesehen hatte. Ich informierte mich sehr gern über Medizin, wo ich doch als Kind den Wunsch hatte, Ärztin zu werden. Doch dies war mir unmöglich, da mir als Sklavin verboten war, zur Schule zu gehen. Außerdem hatte ich entdeckt, dass es auf der Welt noch andere Religionen gab, nicht nur eine, und dass der Planet Erde in mehrere Kontinente unterteilt war – und dass die Erde rund und der größte Teil davon von Wasser bedeckt war, eine Tatsache, die ich mir vorher nie hätte vorstellen können. Doch neben den schönen Dingen, die ich entdeckte, gab es auch negative und schmerzhafte. Zum Beispiel die Existenz gefährlicher Waffen und Atombomben, die den Planeten Erde zerstören konnten. Dies ließ mich schaudern und rief Zweifel an meiner Sicherheit hervor. Ich war schockiert, als ich im Fernsehen die Bombe in Hiroshima explodieren sah und dass alle anderen vorhandenen Bomben die gleiche Macht hatten. Diese Entdeckung stellte den Frieden und die Sicherheit, die ich in der Schweiz erlangt hatte, auf den Kopf. Ich hatte Angst vor einem dritten Weltkrieg, über den man in den 80er Jahren sprach. Ich hörte nicht mehr auf zu lesen, oft bis spät in die Nacht hinein. Bilal wachte auf und sagte: »Kannst du das Licht ausmachen und aufhören zu lesen?« »Ja, das ist die letzte Seite, versprochen.« Dann blätterte ich lautlos auf die nächste Seite, auf die eine weitere folgte. Ich entdeckte, dass der Kosmos nicht nur aus der Sonne, dem Mond und den Sternen bestand, die für meine Augen sichtbar waren, sondern auch aus einem unendlichen Raum voller Planeten und dass die Milchstraße aus Milliarden von Galaxien bestand und diese wiederum aus Milliarden von Sternen. Auch diese Entdeckung verdrehte mir den Kopf. Es war zu viel für mein kleines und begrenztes Gehirn. Mir wurde klar, dass ich in einem großen und wundervollen Universum und auf einer riesigen Erde lebte, die nicht nur aus Marokko und der Schweiz bestand, die einzigen Länder, die ich zu diesem Zeitpunkt kannte. Allerdings verursachten mir diese Erkenntnis auch großen mentalen Stress und riefen in mir Angst und Unsicherheit hervor. Ich benötigte Zeit, um all das neue Wissen, das ich auf einen Schlag erhalten hatte, zu verarbeiten. Eine Erkenntnis, die mich am meisten bestürzte, waren die beiden Weltkriege und die Versklavung in Afrika. Dies tat mir sehr weh und ließ mich ein Meer an Tränen vergießen. Es zerriss mir das Herz, wenn ich las oder in den alten Filmen sah, wie die Weißen vor Hunderten von Jahren die Afrikaner gefangen genommen hatten, um sie in Amerika zu verkaufen und sie dort zum Arbeiten zu zwingen.

Es quälte mich zu wissen, dass Tausende afrikanische Familien ihren Dörfern und Familien entrissen wurden. Kinder wurden aus den Händen ihrer Eltern gerissen und als kleine Sklaven verkauft. Frauen wurden von den Weißen vor ihren Ehemännern vergewaltigt, um die schwarzen Männer zu demütigen. Meiner Meinung nach sind die Verletzungen, die durch diese schlimme Unterdrückung und den Rassenhass verursacht wurden, bis heute im kollektiven Gedächnis der Afrikaner auf dem gesamten afrikanischen und dem amerikanischen Kontinent vorhanden. Verletzungen, die durch das Brandzeichen der Sklaverei eingebrannt wurden und Jahrhunderte lang anhielten. Ich fühlte mich mit diesen Menschen sehr verbunden, da ich dasselbe Brandzeichen trug, das die Menschen gewaltsam unterteilt hat: in schwarz und weiß, arm und reich, adlig und sozial deklassiert. Doch dieses Zeichen wird nicht von Gott gesetzt, der alle auf die gleiche Weise geschaffen hat und alle auf die gleiche Weise liebt. Auch die schreckliche Misshandlung von Millionen von Menschen während des Zweiten Weltkriegs und der Kriege in Vietnam und Tibet, die ich nur aus Filmen und Büchern kannte, brachte mich zum Weinen und machte mich lange Zeit traurig. Ich konnte diese Geschichten nicht lesen, ohne mich in den Schmerz der Menschen hineinzuversetzen. Für mich war dies alles nicht einfach nur Geschichte, sondern ein Schmerz, der im kollektiven Gedächnis von Millionen von Menschen weiterlebt.

Leider musste ich einsehen, dass in jedem Teil des Planeten Menschen leben, die sich im Laufe der Jahrhunderte wie wilde Bestien verhalten hatten, die ihre eigenen Interessen durch zerstörerische Kriege, Sklaverei oder die Unterdrückung anderer durchgesetzt haben. Ich entdeckte auch die Religionen und ihre politischen Vorteile. Sie haben oft ihre Macht ausgenutzt, um Seelen zu unterwerfen, anstatt sich um sie zu kümmern. So entdeckte ich, dass die Welt und ihre Geschichte nicht so gut waren, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Am Ende war ich mir nicht mehr sicher, ob es nicht besser gewesen wäre, in meiner kleinen ungebildeten Welt zu bleiben, anstatt weiterhin neue Welten zu entdecken, wie eine unerfahrene Abenteurerin, die sich in den gefährlichen Dschungel begibt. Doch meine Wissbegier sorgte dafür, dass ich nicht davon ablassen konnte, immer mehr zu erfahren, allerdings lernte ich, dass Wissen auch Schmerz mit sich brachte.

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