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Kitabı oku: «Der Page des Herzogs von Savoyen», sayfa 14
An der andern Seite des Königs befand sich, wie gesagt, Diana von Saint-Vallier, Gräfin von Breze, Tochter des Herrn von Saint-Vallier, der als Mitschuldiger des Connétable von Bourbon verurtheilt worden war, auf dem Grèveplatze enthauptet zu werden, als er bereits auf dem Schaffote kniete und unter dem Schwerte des Nachrichters als Gnade – wenn dies eine Gnade zu nennen ist – die Umwandlung seiner Strafe in lebenslängliches Gefängniß erhalten hatte, »welches Gefängniß aus vier steinernen Mauern ohne ein Fenster bestehen sollte, ausgenommen das kleine, durch welches man ihm Essen und Trinken reiche.«
Alles war Geheimniß und Wunder bei Diana, die 1499 geboren, in der Zeit, in welcher wir angelangt sind, achtundfünfzig Jahre zählte, durch ihr jugendliches Aussehen und ihre wirkliche Schönheit aber selbst die schönsten und jüngsten Damen am Hofe verdunkelte, so daß der König sie denn auch vor allen und über alle liebte.
Man sagte Folgendes von dem Geheimniß und Wunder an der schönen Diana, welche der König Heinrich II. 1548 zur Herzogin von Valentinois ernannt hatte.
Zuerst, sagte man, stammte sie von der Fee Melusine ab und die Liebe des Königs zu ihr und die wunderbare Schönheit, welche sie behalten, wären eine Folge dieser Abstammung, denn Diana von St. Vallier habe von ihrer Ahnfrau, der großen Zauberin, das zweifache Geheimniß geerbt, immer schön zu seyn und immer geliebt zu werden.
Diese ewige Schönheit verdanke Diana, versicherte man, trinkbarem Golde, das sie genieße. Man weiß welche Rolle trinkbares Gold in allen chemischen Präparaten des Mittelalters spielte.
Die endlose Liebe dagegen verdanke sie einem Zauber- ringe, welchen der König von ihr erhalten habe und der die Kraft besitze, den König, so lange er ihn trage, in sie verliebt zu erhalten.
Dieses letztere Gerücht wurde fast allgemein geglaubt, denn Frau von Nemours erzählte Allen, die sie hören wollten, die Anekdote, die wir ebenfalls erzählen wollen.
Der König war erkrankt und die Königin Catharina von Medici hatte zu Frau von Nemours gesagt:
»Meine liebe Herzogin, der König hat eine besondere große Zuneigung für Euch; geht zu ihm in sein Gemach, setzt Euch an sein Bett und sehet zu, daß Ihr im Gespräch ihm vom dritten Finger der linken Hand den Ring ziehen könnt, den er da trägt und der ein Talisman ist, welchen ihm die Valentinois gegeben hat, um ihn in sie verliebt zu machen.«
Niemand am Hofe liebte die Herzogin von Valentinois sehr, nicht weil sie boshaft war, aber die Jungen liebten sie nicht, weil sie, wie gesagt, immer jung blieb, und die Alten haßten sie, weil sie nicht alt wurde. Die Herzogin von Nemours übernahm also gern den Auftrag, begab sich in das Zimmer des Königs, setzte sich an das Bett und zog im Spiele in der That dem Kranken den Ring ab, dessen Eigenschaft Heinrich selbst nicht kannte. Kaum aber war der Ring von dem Finger des Königs, als dieser die Herzogin ersuchte, seinem Kammerdiener zu rufen, d.h. ihm zu pfeifen. Man weiß, daß bis zur Frau von Maintenon, welche die Klingeln erfand, Könige, Fürsten und vornehme Herren ihre Leute durch Pfeifen auf silbernen oder goldenen Pfeifen herbeiriefen. Die Herzogin von Nemours that was der König wünschte, der Kammerdiener trat ein und erhielt den Befehl durchaus Niemanden herein zu lassen.
»Auch nicht die Frau Herzogin von Valentinois?« fragte der Diener verwundert.
»Die Herzogin so wenig als sonst Jemanden,« antwortete der König übellaunig, »der Befehl leidet keine Ausnahme.«
Eine Viertelstunde darauf war die Herzogin von Valentinois erschienen und nicht vorgelassen worden. Dasselbe geschah nach einer Stunde zum zweiten Male. Nach abermals zwei Stunden, als man sie wiederum abweisen wollte, drang sie mit Gewalt ein, trat zu dem Könige, ergriff die Hand desselben, bemerkte, daß der Ring fehlte, erfuhr was geschehen war und forderte von dem Könige, daß er den Ring sofort von der Herzogin von Nemours zurückverlange. Der Befehl des Königs, den Ring abzugeben, lautete so bestimmt, daß die Nemours, welche ihn der Königin noch nicht überliefert hatte, Schlimmes befürchtete und den Ring zurückstellte. Sobald der Ring wieder an dem Finger des Königs war, hatte die Fee auch ihre ganze Gewalt wieder erlangt, die übrigens von diesem Tage an größer und größer wurde.
Trotz der gewichtigen Autoritäten, welche die Geschichte anführt – in Bezug auf das trinkbare Gold haben wir das Zeugniß Brantôme’s, in Bezug auf den Ring Bestätigungen von de Thou und Nicolaus Pasquier – möchten wir doch glauben, daß bei dem Wunder der schönen Diana keine Zauberei im Spiele war und daß es hundert Jahre später Ninon d’Enclos erneuern sollte. Wir sind auch geneigt, für die einzige und wirkliche Zauberei das Recept zu halten, das sie selbst Jedermann mittheilte, der sie darum fragte, nemlich bei jeder Witterung und selbst bei der größten Kälte ein Bad in Brunnenwasser. Uebrigens stand die Herzogin jeden Tag mit der Sonne auf, machte einen zweistündigen Spazierritt und legte sich dann wieder in das Bett, in welchem sie las oder mit ihren Frauen plauderte.
Das war noch nicht alles; alles bei der schönen Diana wurde in Zweifel gezogen und bekritelt.
Mézeray erzählt, Franz I. habe Johann von Poitiers, den Vater Dianas nur begnadigt, nachdem er der Tochter das Kostbarste genommen. Nun geschah dies 1523. Diana, die 1499 geboren, war vierundzwanzig Jahre alt und seit zehn Jahren mit Ludwig von Breze verheirathet. Wir bestreiten nicht, daß Franz I. der schönen Diana gewisse Bedingungen gestellt hat, aber das geschah nicht, wie Mézeray sagt, einem vierzehnjährigen Mädchen und wenn man den armen Breze nicht sehr verleumden will, dem seine Witwe das kostbare Grabmal erbauen ließ, das man in Rouen noch bewundert, kann man nicht wohl annehmen, daß er der Frau von vierundzwanzig Jahren das durch den König habe nehmen lassen, was das Kostbarste des vierzehnjährigen Mädchens war.
Kurz und gut, Diana, die seit sechsundzwanzig Jahren Witwe und seit einundzwanzig Jahren die Geliebte Heinrich II. war, hatte trotz ihren achtundfünfzig Jahren den frischesten, schönsten Teint, den man sehen konnte, das schönste lockige schwarze Haar, einen wunderbar schönen Wuchs, und einen Hals und Busen ohne Mängel.
Das war wenigstens die Meinung des alten Connétable von Montmorency, der, obwohl selbst vierundsechzig Jahre alt, ganz besondere Vorrechte haben wollte, welche den König sehr eifersüchtig gemacht haben würden, wenn nicht stets diejenigen, die eine Sache zuerst wissen sollten, am letzten etwas davon erführen, ja sehr oft gar nichts davon wissen.
Hinter dem Könige, der zwischen seiner Schwester und der Herzogin ritt, folgte der Dauphin Franz, welcher ebenfalls zu seiner Rechten seine Schwester Elisabeth und zu seiner Linken seine Braut Maria Stuart hatte.
Der Dauphin war vierzehn, seine Schwester Elisabeth dreizehn und Maria Stuart ebenfalls dreizehn Jahre alt.
Der Dauphin war ein schwächliches, kränkliches Kind mit blassem Gesicht, braunem Haar und matten Augen ohne einen bestimmten Ausdruck, außer wenn sie die junge Königin Maria Stuart ansahen, denn dann belebten sie sich und nahmen einen begehrlichen Ausdruck an, welcher den Knaben zum jungen Manne machte. Uebrigens hatte er wenig Neigung zu den starken Leibesübungen, die sein Vater so sehr liebte und er schien einem unablässigen Schmachten und Sehnen verfallen zu seyn, dessen Ursache die Aerzte vergebens zu ergründen suchten. Sie hätten dieselbe vielleicht, wenn sie sich durch die Flugschriften jener Zeit hätten leiten lassen, in dem Capitel von den zwölf Cäsaren gefunden, wo Sueton die Promenaden Nero’s mit seiner Mutter Agrippina im Tragsessel beschreibt. Wir müssen indeß sogleich auch hinzusehen, daß Catharina von Medici als Fremde und als Katholikin sehr verhaßt war und daß man nicht alles ohne Prüfung glauben darf, was die Flugschriften, Lieder und Satyren jener Zeit, die fast alle von Calvinisten herrührten, von ihr sagen. Der frühzeitige Tod der jungen Prinzen Franz und Carl, denen ihre Mutter Heinrich vorzog, trug nicht wenig dazu bei allen jenen boshaften Gerüchten, die fast als historische Wahrheiten zu uns gelangt sind, Glauben zu verschaffen. Die Prinzessin Elisabeth war, obgleich ein Jahr jünger als der Dauphin, weit mehr ein junges Mädchen als er ein junger Mann. Ihre Geburt war gleichzeitig eine Privatfreude und ein Staatsglück gewesen, denn in dem Augenblicke, als sie das Licht erblickte, wurde der Friede zwischen Franz I. und Heinrich VIII. unterzeichnet. So brachte die, welche durch ihre Heirath den Frieden mit Spanien bringen sollte, mit ihrer Geburt den Frieden mit England. Uebrigens hielt ihr Vater Heinrich II. ihre Schönheit und ihren Charakter so hoch, daß er, als er die junge Schwester Claude vorher an den Herzog von Lothringen vermählt hatte, zu Jemanden sagte, der sich darüber aussprach: »Meine Tochter Elisabeth gehört nicht zu denen, die sich mit einem Herzogthume begnügen, sie muß ein Königreich haben.«
Sie bekam das Königreich, mit demselben aber auch Unglück und Tod.
Ein besseres Geschick erwartete leider auch die schöne Marie nicht, die links von dem jungen Dauphin, ihrem Bräutigam, ritt.
Manches Unglück hat ein Echo durch die ganze Welt gefunden und zieht nicht blos die Blicke der Zeitgenossen auf sich, sondern auf Jahrhunderte hindurch, so oft der Name genannt wird, die Augen der Nachwelt. Solcher Art ist das allerdings etwas verdiente Unglück der schönen Marie, welches soweit das gewöhnliche Maß überstieg, daß die Fehler, ja die Verbrechen der Schuldigen vor der Strenge der Strafe verschwunden sind.
Am 20. August 1548 war sie in Morlaix angekommen und hatte zum ersten Male den Boden Frankreichs betreten, wo sie ihre einzigen schönen Tage verleben sollte. Sie brachte jene Guirlanden schottischer Rosen mit, welche man die vier Marien nannte, die in demselben Jahr, ja in demselben Monate wie sie geboren waren und hießen: Marie Fleming, Marie Seaton, Marie Livington und Marie Beatoun. Sie war damals ein schönes liebenswürdiges Kind und wurde allmälig ein schönes Mädchen. Ihre Oheime, die Guise, welche in ihr die Verwirklichung ihrer großen ehrgeizigen Pläne zu sehen glaubten und ihre Herrschaft nicht blos über Frankreich, sondern durch Marie über Schottland, vielleicht selbst über England ausbreiten wollten, behandelten sie wie eine Gottheit.
So schrieb der Cardinal von Lothringen an seine Schwester Marie von Guise:
»Deine Tochter wuchs und wächst alle Tage an Schönheit und Tugend. Der König plaudert gern mit ihr und sie weiß ihn so gut zu unterhalten wie Eine von fünfundzwanzig Jahren.«
Ja es war die Knospe jener Rose, die sich der Liebe und dem Genusse öffnen sollte. Sie that nichts was ihr nicht Vergnügen machte, dagegen mit Leidenschaft Alles, was ihr gefiel. Sie tanzte bis sie ermattet umsank; sie ritt im Galopp, bis der beste Renner erschöpft war, und wenn sie einem Concerte beiwohnte, so verursachte ihr die Musik electrische Zuckungen. Von Juwelen blitzend, geliebkoset, geliebt und verehrt, war sie in ihrem dreizehnten Jahre eines der Wunder des an Wundern so reichen Hofes der Valois. Catharina von Medici, welche außer ihrem Sohne Heinrich wenig liebte, sagte: »Unsere kleine schottische Königin braucht nur zu lächeln, um alle französischen Köpfe zu verdrehen.« Und Ronsard sagte in glatten Versen:
»Im Frühling entstand sie zwischen Lilien
Und beschämt selbst die Lilien durch ihre Weiße
Und die Rosen, welche das Blut des Adonis färbten,
Erbleichten vor ihrer Farbe.
Amor bildete ihre Augen aus seinen schönen Pfeilen
Und die Grazien, die drei Töchter des Himmels,
Schmückten diese Königin mit ihren besten Gaben und
Stiegen selbst vom Himmel herab, um sie besser bedienen zu können.«
Das königliche Kind verstand die Feinheiten aller solcher Schmeicheleien; weder Prosa noch Verse hatten Geheimnisse für sie; sie sprach griechisch, lateinisch, italienisch, englisch, spanisch und französisch, und wie die Poesie und die Wissenschaft ihr eine Krone reichten, ersuchten auch die andern Künste um ihre Gunst. Sie begab sich mit dem Hofe von Saint-Germain nach Chambord, von Chambord nach Fontainebleau und von Fontainebleau nach dem Louvre. Hier blühte sie unter Gemälden von Titian, unter Fresken von Rosso, unter den Meisterwerken Leonardo da Vinci’s, unter Statuen Pilon's, unter Sculpturen Goujon’s, unter Capellen und Portiken Philibert Delorme’s, so daß man zu glauben versucht wird, wenn man sie unter so vielen Wundern des Genies so reizend, so poetisch, so vollkommen sieht, sie sey kein menschliches Wesen, sondern eine Venus, die von der Leinwand herabgetreten, eine Hebe, die von ihrem Piedestal gestiegen.
Da uns der Pinsel des Maler's fehlt, versuchen wir mit der Feder des Romandichters ein Bild von dieser reizenden Schönheit zu geben.
Sie war, wie gesagt, vierzehn Jahre alt. Ihre Gesichtsfarbe hatte etwas von der Lilie, der Pfirsich, der Rose, vielleicht von der Lilie mehr, als von den andern. Ihre hohe, an dem obern Theile gewölbte Stirn schien der Sitz einer stolzen Würde zu seyn, zugleich – eine ungewöhnliche Mischung – voll Sanftmuth, Klugheit und Kühnheit. Man fühlte, daß der Wille, der unter dieser Stirn ruhte und nach Leben und Genuß strebte, über die gewöhnlichen Leidenschaften hinausgehen und im Nothfalle zur Befriedigung ihrer sinnlichen und despotischen Triebe selbst bis zum Verbrechen gehen würde. Ihre zarte, feine, aber feste Nase war die Adlernase der Guisen. Ihr Ohr lag klein wie eine Perlenmuschel flach schimmernd unter den klopfenden Schläfen. Ihre Augen, die eine braune oder vielmehr zwischen Braun und Violett liegende Farbe hatten, waren von feuchter Durchsichtigkeit, aber doch voll Feuer unter ihren braunen Wimpern und schön gezeichneten Brauen. Zwei reizende Grübchen endlich vollendeten an den beiden Winkeln einen Mund mit halbgeöffneten Purpurlippen, der im Lächeln Freude um sich zu verbreiten schien und über dem frischen rundlichen Kinne thronte.
So war die, welche Ronsard und Du Bellay ihre zehnte Muse nannten; so war der Kopf, welcher einunddreißig Jahre später in Fotheringay durch den Henker Elisabeths abgeschlagen werden sollte.
Hätte ein Zauberer der Menge, welche den glänzenden Reiterzug unter den großen Bäumen des Parkes von St. Germain verschwinden sah, das Schicksal verkündet, welches diese Könige, Prinzen, Prinzessinnen, vornehme Herren und Damen erwartete, würde einer in grobem Kittel sein Geschick mit dem der Herren in Seide und Sammt und der Damen mit perlengestickten Miedern und Röcken von Goldbrocat vertauschen wollen? Lassen wir sie unter dem grünen Dorne der Buchen und Kastanienblätter verschwinden und kehren wir nach St. Germain zurück, wo Catharina von Medici unter dem Vorwande leichten Unwohlseyns zurückgeblieben war.
VII.
Die Jagd des Königs
Kaum waren die Pagen und Knappen, welche den Zug schlossen, ebenfalls in das Dickicht hinein geritten, welches damals gleichsam einen Gürtel um den Park von St. Germain zog, so trat Catharina von dem Balcon zurück, nahm Carl und Heinrich mit sich, schickte den älteren zu seinem Lehrer, den jüngeren zu seinem Oheim und behielt nur die kleine Margarethe bei sich, welche noch so jung war, daß sie alles sehen und hören konnte.
Sie hatte ihre beiden Söhne entfernt, als ihr vertrauter Diener eintrat und ihr meldete, daß die von ihr erwarteten beiden Personen in ihrem Cabinet ihrer Befehle harrten.
Sie stand sogleich auf, schwankte einen Augenblick, ob sie nicht auch die kleine Prinzessin fortschicke, hielt aber doch wohl die Anwesenheit derselben nicht für gefährlich, nahm sie an der Hand und ging nach ihrem Cabinet hin.
Catharina von Medici war damals eine Frau von achtunddreißig Jahren und schöner voller majestätischer Gestalt. Sie hatte ein edles Gesicht, einen sehr schönen Busen und herrliche Hände. Ihre schwarzen Augen waren fast immer halb verschleiert, ausgenommen, wenn sie in den Herzen ihrer Gegner lesen wollte; dann hatte ihr Blick den doppelten Glanz und die doppelte Spitze zweier Schwerter, die gleichzeitig aus der Scheide gerissen und in eine Brust gestoßen wurden, wo sie einige Zeit verweilten, bis sie auch die äußersten Tiefen erforscht.
Sie hatte viel gelitten und viel gelächelt, um ihre Leiden zu verbergen. Anfangs, in den ersten zehn Jahren ihrer Ehe, welche unfruchtbar waren und wo man zwanzigmal davon sprach sie zu verstoßen und dem Dauphin eine andere Gemahlin zu gehen, schützte die Liebe des Dauphins sie allein und kämpfte gegen die schrecklichsten und unerbittlichsten aller, Gründe, gegen – Staatsgründe. Endlich 1544, nach elfjähriger Ehe, gebar sie den Prinzen Franz.
Aber schon seit neun Jahren war ihr Gemahl der Liebhaber der Diana von Poitiers.
Wenn sie gleich im Anfange ihrer Ehe eine glückliche Mutter und fruchtbare Gattin gewesen wäre, hätte sie vielleicht als Frau und als Königin gegen die schöne Herzogin angekämpft, aber ihre Unfruchtbarkeit setzte sie unter eine Maitresse herab, statt zu kämpfen, beugte sie sich und gewann sich durch ihre Demuth den Schutz ihrer Nebenbuhlerin.
Der ganze Adel vom Schwert, alle glänzenden Krieger, welche den Adel nur achteten, wenn er eine aus Blut ausgewachsene und auf dem Schlachtfelde gepflückte Blume war, hielten überdies nicht gar viel von dem Handelsgeschlechte der Medici. Man scherzte und höhnte über den Namen und das Wappen: ihre Ahnen wären Aerzte (Medici) und ihre Wappen nicht Kanonenkugeln, wie sie sagten, sondern Pillen. Selbst Maria Stuart, welche die Herzogin von Valentinois mit ihrer schönen Hand liebkoste, wußte Catharina gelegentlich zu trotzen. »Geht Ihr mit uns zur flotentinischen Krämerin?« fragte sie den Connétable von Montmorency.
Catharina ertrug alle diese Beleidigungen; sie wartete. Worauf wartete sie? Sie wußte es gewiß selbst nicht. Heinrich II. ihr königlicher Gemahl, war in gleichem Alter mit ihr und so gesund, daß er lange Tage zu leben hoffen durfte. Gleichviel, sie wartete mit der zähen Ausdauer des Genies, das seinen eigenen Werth fühlt und schätzt und begreift, daß die Zukunft ihm nicht fehlen könne, da Gott nichts umsonst thue.
Sie hatte sich damals den Guisen zugewendet.
Heinrich, ein schwacher Charakter, verstand nie allein Herr zu seyn; bald war er der Herr mit dem Connétable und die Guisen unterlagen, bald war er der Herr mit den Guisen und der Connétable stand in Mißgunst.5
Uebrigens waren die Guisen eine gar edle und stolze Familie. Eines Tages, als der Herzog Claude mit seinen sechs Söhnen dem Könige Franz I. bei dem Lever im Louvre seine Aufwartung machte, hatte der König zu ihm gesagt:
»Vetter, ich halte Euch für einen sehr glücklichen Mann, da Ihr Euch vor eurem Tode noch in so schöner und reicher Nachkommenschaft wieder aufleben sehet.«
Und Claude hinterließ in der That, als er starb, die reichste, gewandteste und ehrgeizigste Familie im Lande. Diese sechs Brüder, welche ihr Vater dem Könige Franz I. vorgestellt hatte, besaßen allein ungefähr achtmal hunderttausend Livres jährlicher Einnahmen, das heißt mehr als vier Millionen unseres jetzigen Geldes.
Voran stand der Aelteste, der Herzog Franz, der Benarbte6, der große Herzog von Guise. Seine Stellung am Hofe war fast die eines Prinzen von Geblüt. Er hatte einen Almosenier, acht Secretäre, zwanzig Pagen und achtzig Leute im Dienst, Hunde, die nur den grauen des Königs nachstanden, Ställe voll edler Pferde, die er aus Afrika, der Türkei und Spanien besaß, und kostbare Falken, welche ihm von Soliman und allen ungläubigen Fürsten gesandt wurden seines Ruhmes wegen. Der König von Navarra schrieb ihm, um ihm die Geburt eines Sohnes zu melden, der später Heinrich IV. wurde. Selbst der Connétable von Montmorency, der stolzeste Baron seiner Zeit, schloß einen Brief an ihn mit den Worten: Euer ganz ergebener und gehorsamer Diener und er dagegen schrieb nur: Euer guter Freund, was übrigens nicht wahr war, da das Haus Guise und das Haus Montmorency in ewiger Fehde lagen.
Man muß die Chroniken jener Zeit gelesen haben, um sich eine Vorstellung von der Macht dieses bevorzugten Geschlechts zu machen, das auf den Straßen wie dem Schlachtfelde stark war und auf den Märkten wie in den Cabineten des Louvre, von Windsor und dem Vatikan gehört wurde, besonders wenn es durch den Mund des Herzogs selbst sprach. Man lasse sich einmal im Artilleriemuseum zu Paris den Harnisch zeigen, welchen dieser Aelteste der Guisen bei der Belagerung von Metz trug, und man wird daran die Spur von fünf Kugeln sehen, von denen drei tödtlich gewesen seyn würden, wenn sie sich nicht an diesem Stahlwall gebrochen hätten.
Auch war es eine Freude für die Pariser, wenn er aus seinem Palaste kam und, bekannter und beliebter als selbst der König, auf einem seiner Lieblingspferde, mit Wamms und Hosen von rother Seide, dem Sammtmantel, dem Barret mit rother Feder, gefolgt von vierhundert Herren, durch die Straßen der Hauptstadt ritt; alle liefen dann hinzu, brachen Zweige von den Bäumen, pflückten Blumen ab, warfen die Zweige und die Blumen vor sein Pferd und riefen: »Es lebe unser Herzog!«
Er richtete sich dann in den Steigbügeln auf, wie er es an Schlachttagen that, um weiter zu sehen und die Schüsse auf sich zu ziehen, oder verbeugte sich nach rechts und links, begrüßte artig die Frauen, die Männer und die Greise, lächelte den jungen Mädchen zu, liebkosete die Kinder und war so der wahre König, nicht der König des Louvre, der König von St. Germain, Fontainebleau oder Tournelles, sondern der König der Straßen, Plätze und Märkte, der wahre, wirkliche König, der König der Herzen.
Auch zögerte der König nicht, auf die Gefahr hin, den Waffenstillstand zu brechen, dessen Frankreich zu sehr bedurfte, den Herzog Franz von Guise zum Befehlshaber des Heeres zu ernennen, das er nach Italien sandte, als der Papst Paul III., wegen eines Streites mit den Colonna, welche die Aussicht auf Beistand durch Philipp II. so kühn gemacht hatte, die Waffen gegen den heiligen Stuhl zu ergreifen, den König von Spanien der Krone Spaniens für verlustig erklärte und dieselbe Heinrich II. antrug.
Diesmal, vielleicht zum ersten Male, waren Guise und Montmorency einig. Hatte Franz von Guise Frankreich verlassen, so war Anne von Montmorency der erste Mann im Lande und während der große Feldherr jenseits der Berge seine Pläne des Ruhmes verfolgte, arbeitete er, der sich für einen großen Staatsmann hielt, am Hofe für seine ehrgeizigen Entwürfe, unter denen vor der Hand der liebste der war, seinen Sohn mit Diana zu vermählen, der rechtmäßigen Tochter der Herzogin von Valentinois, Witwe des Herzogs von Castro aus dem Hause Farnese, der bei der Erstürmung von Hesdin gefallen.
Der Herzog Franz von Guise befand sich also in Rom und kriegte gegen den Herzog von Alba.
Nach dem Herzog Franz von Guise kam der Cardinal von Lothringen, ein großer Herr der Kirche, welcher seinem Bruder wenig nachstand und den Pius V. den Papst über den Bergen nannte. Er war ein zweischneidiger Unterhändler, stolz wie ein Guise und schlau wie ein Italiener. Später sollte er den großen Gedanken der Ligue entwerfen und ausführen, welcher seinen Neffen allmälig die Stufen des Thrones hinaufführte, bis Oheim und Neffe von dem Schwerte der Fünfundvierzig getroffen wurden. Wenn die sechs Guisen am Hoflager waren, verfehlten nie die vier jüngern, der Herzog von Aumale, der Großprior, der Marquis von Elbeuf und der Cardinal von Guise, zuerst zu dem Cardinal Carl zu gehen, dann gingen alle fünf zu dem Herzoge Franz, der sie zum König führte.
Uebrigens hatten beide, der Kriegsmann und der Geistliche, ihre Batterien für die Zukunft aufgeführt: der Herzog Franz hatte sich zum Herrn des Königs und der Cardinal Carl zum Liebhaber der Königin gemacht. Der ernste Estoile erzählt die Sache so, daß auch der ungläubigste Leser keinen Zweifel über diesen Punkt hegen kann. »Einer meiner Freunde,« sagt er, »hat mir erzählt, daß er mit dem Diener des Cardinals in einem Zimmer schlief, welches an das der Königin Mutter ging, und gegen Mitternacht den genannten Cardinal, nur mit einem Schlafrocke bekleidet, zur Königin gehen sah und sein Freund ihm mittheilte, er würde das Leben verlieren, wenn er von dem, was er gesehen, etwas sage.«
Die vier andern Fürsten des Hauses Guise, welche eine sehr unbedeutende Rolle in dieser Geschichte spielen, brauchen wir nicht weiter zu schildern.
Jener Cardinal Carl, welchen man in der Nacht nur mit einem Schlafrocke bekleidet hatte zur Königin gehen sehen, erwartete jetzt Catharina von Medici in ihrem Cabinet.
Catharina wußte es, aber unbekannt war ihr, daß sie ihn nicht allein finden werde.
Ihn begleitete nemlich ein Mann von fünf- bis sechsundzwanzig Jahren in eleganter Reisekleidung.
»Ah, Ihr seyd es, Herr von Nemours!« sagte die Königin, als sie den jungen Mann erblickte. »Ihr kommt aus Italien… Welche Nachrichten bringt Ihr aus Rom?«
»Schlechte, Madame,« antwortete der Cardinal, während der Herzog von Nemours sich vor der Königin verbeugte.
»Schlechte? Sollte unser werther Vetter von Guise geschlagen worden seyn?« fragte Catharina. »Und wenn Ihr ja sagtet, würde ich es nicht glauben, so wenig halte ich es für möglich.«
»Nein, Guise ist nicht geschlagen,« antwortete Nemours, »das ist unmöglich wie Ihr sagt; aber er wurde von den Caraffa’s verrathen und von dem Papste selbst verlassen; darum sandte er mich zu dem Könige, ihm zu sagen, seine Stellung sey weder für seinen noch Frankreichs Ruhm länger haltbar und man möge ihn zurückrufen oder Verstärkungen senden.«
»Und unserer Uebereinkunft gemäß,« sagte der Cardinal, »führe ich Herrn von Nemours vorher zu Euch.«
»Aber,« entgegnete Catharina, »wenn der König, Herrn von Guise zurückruft, gibt er seine Ansprüche auf das Königreich Neapel und die meinigen auf das Herzogthum Toscana auf.«
»Allerdings,« antwortete der Cardinal, »aber bemerkt wohl, daß wir sehr bald den Krieg in Frankreich haben werden und daß dann nicht Neapel und Florenz zu erobern, sondern Paris zu schützen ist.«
»Paris? Ihr scherzet, Herr Cardinal. Ich glaube, Frankreich kann Frankreich vertheidigen und Paris schützt sich allein.«
»Ich fürchte, daß Ihr im Irrthum befangen seyd,« antwortete der Cardinal. »Der beste Theil unserer Truppen ist im Vertrauen auf den Waffenstillstand mit meinem Bruder nach Italien gegangen und ohne das zweideutige Benehmen des Cardinals Caraffa, ohne den Verrath des Herzogs von Parma, der vergaß, was er dem König von Frankreich schuldig war und zu dem Kaiser überging, würden uns die Fortschritte in Neapel und die Nothwendigkeit, daß der König Philipp zum Schutze Neapels sich ebenfalls schwächte, vor einem Angriffe geschützt haben; jetzt aber, da Philipp II. weiß, seine Mannschaft in Italien reiche hin, uns im Schach zu halten, wird er nach Frankreich blicken und aus dessen Schwäche Vortheil zu ziehen suchen, abgesehen davon, daß der Neffe des Herrn Connétable einen Streich gemacht hat, welcher den König von Spanien fast entschuldigt, wenn er den Waffenstillstand bricht.«
»Ihr meint die Unternehmung gegen Douay?« fragte Catharina.
»Allerdings.«
»Ihr wißt,« fuhr die Königin fort, »daß ich den Admiral so wenig liebe wie Ihr, stürzt ihn also, ich werde Euch nicht hindern, vielmehr mit aller Macht dazu behilflich seyn.«
»Und was beschließt Ihr vorläufig?« fragte der Cardinal, der fortfuhr als Catharina zögerte: »O, Ihr könnt vor Herrn von Nemours offen sprechen; er ist zwar auch aus Savoyen, aber so sehr unser Freund, als sein Vetter Emanuel Philibert unser Feind.«
»Beschließt Ihr, lieber Cardinal,« antwortete Catharina mit einem Seitenblicke auf den Prälaten, »ich bin nur ein Weib, das in Politik nicht viel versteht.«
Der Cardinal hatte den Blick Catharina’s verstanden. Sie hatte keine Freunde, nur Verbündete.
»Gebt nur immer eine Meinung ab, Madame,« sagte Carl von Guise, »ich werde mir erlauben sie zu bekämpfen, wenn sie der meinigen widerspricht.«
»Nun,« sagte Catharina, »da der König das alleinige Haupt des Staates ist, so muß er vor Allem von wichtigen Dingen benachrichtigt werden. Meiner Meinung nach hat also Herr von Nemours, ist er nicht zu ermüdet, ein Pferd zu nehmen, den König aufzusuchen, wo er sich auch befinden mag, und ihm die Nachrichten mitzutheilen, die Ihr mir, werther Cardinal, in eurer Freundschaft zu mir, zu meinem Bedauern vor ihm gemeldet habt.«
Der Cardinal wendete sich zu dem Herzoge von Nemours, wie um ihn zu fragen, dieser aber antwortete mit einer Verbeugung:
»Handelt es sich um den Dienst des Königs, so bin ich nie ermüdet.«
»Ja diesem Falle,« sagte der Cardinal, »werde ich Euch ein Pferd geben lassen und den Secretären anzeigen, daß nach der Rückkehr des Königs von der Jagd eine Rathssitzung gehalten werden wird. Kommt, Herr von Nemours.«
Der junge Herzog verbeugte sich ehrerbietig vor der Königin und schickte sich, an dem Cardinal von Lothringen zu folgen, als Catharina den Arm des Letzteren leicht berührte.
»Geht voraus, Herr von Nemours,« sagte Carl von Guise.
»Gnädiger Herr…« fiel Jakob von Nemours zögernd ein.
»Ich bitte darum.«
»Und ich,« sagte die Königin, indem sie ihm die schöne Hand reichte, »befehle es, Herr Herzog.«
Der Herzog errieth, daß die Königin dem Cardinale ohne Zweifel noch etwas zu sagen habe, gehorchte ohne weiteres, küßte die Hand der Königin, ging voraus und ließ den Thürvorhang absichtlich hinter sich niederfallen.
»Was wollt Ihr mir sagen, werthe Königin?« fragte der Cardinal.
»Ich wollte sagen,« antwortete Catharina, »daß der gute König Ludwig XI., der für fünfmal hunderttausend Thaler, die ihm geliehen wurden, unseren Ahnherrn Lorenzo di Medici die Erlaubniß gab, drei Lilien in unser Wappen zu nehmen, häufig sprach: »Wenn meine Nachtmütze mein Geheimniß wüßte, würde ich meine Nachtmütze verbrennen.« Bedenkt diese Worte des guten Königs Ludwig XI. lieber Cardinal… Ihr schenkt zu leicht Vertrauen.«
Der Cardinal lächelte über den Rath, der ihm gegeben wurde. Der, welcher für den mißtrauischsten Diplomaten jener Zeit galt, hatte größeres Mißtrauen gefunden. Freilich bei der Florentinerin Catharina von Medici.
Der Cardinal entfernte sich mit diesem guten Rathe und sah, daß der junge Mann zehn Schritte weit in dem Corridor hingegangen war, damit er nicht neugierig erscheine.
Sire, wenn Ihr Euch, wie Carl begehrt,Wie Diana will, zu sehr laßt lenken,Bald schmelzt, erstarrt, erweicht, Euch wendet,So seid Ihr nicht mehr, Sire, nicht mehr als Wachs! Man weiß, welchen Einfluß Diana hatte, Carl, seinerseits, war der Cardinal von Lothringen.
