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Kitabı oku: «Der Page des Herzogs von Savoyen», sayfa 15

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Beide gingen in den Hof hinunter, wo der Cardinal einem Pagen befahl, sofort ein gesatteltes Pferd herbeizubringen.

Der Page kam nach fünf Minuten mit dem Pferde.

Nemours schwang sich mit der Zierlichkeit eines vollendeten Reiters in den Sattel und jagte im Galopp durch die große Allee des Parkes.

Er hatte sich erkundigt, welche Richtung der König eingeschlagen und erfahren, daß er sich nach Poissy zu wenden habe.

Das hatte er gethan und hoffte, der Hörnerruf werde ihm schon anzeigen, wo der König sich befinde.

Er sah und hörte nichts.

Ein Arbeiter meldete ihm, die Jagd habe sich nach Conflans gezogen.

Er ritt also nach dieser Seite hin.

Nach einer Viertelstunde bemerkte er einen Reiter, der sich in den Steigbügeln emporrichten, um weiter sehen zu können und die Hand an das Ohr hielt, um besser zu hören.

Der Reiter gehörte offenbar zur Jagd und suchte sich zurechtzufinden.

Wenn er aber auch nicht bei der Jagd war, wußte er jedenfalls besser als der eben aus Italien angekommene junge Herzog wissen, wo der König zu treffen seyn werde.

Nemours ritt also auf den Jäger zu.

Dieser glaubte von dem Ankommenden Auskunft erhalten zu können und ritt ihm auch entgegen.

Bald ritten sie rascher, denn sie erkannten einander.

Der Jäger, welcher sich wieder zurechtzufinden gesucht hatte, war der Capitän der schottischen Garde. Sie näherten sich einander mit der artigen Vertraulichkeit, welche die jungen Herren jener Zeit auszeichnete. Uebrigens war der Eine, Nemours, aus fürstlichem Hause und der Andere, Graf von Montgomery, vom ältesten normannischen Adel.

Damals gab es in Frankreich einige alte Namen, welche mit den Mächtigsten und Ruhmreichsten gleichzustehen meinten, wenn sie auch geringere Würden bekleideten. So war es zum Beispiele mit den Montgomerys, den Rohans, den Coucys und den Montmorencys.

Wie es Nemours erwartet, hatte Montgomery sich von der Jagd verirrt und suchte sich wieder zurechtzufinden. Der Ort, wo er war, eignete sich auch ganz gut dazu, denn es war ein freier Platz auf einer Anhöhe, zu welcher jedes Geräusch hinaufbringen mußte, und von wo man sechs Wege übersehen konnte.

Die beiden jungen Männer, die einander seit einem halben Jahre nicht gesehen, hatten wichtige Fragen einander vorzulegen, Montgomery über die Armee und die kriegerischen Unternehmungen Guise’s, Nemours dagegen über den Hof und die Liebesabenteuer, die unterdeß da vorgekommen.

Sie befanden sich im lebhaftesten Gespräche, als der Graf von Montgomery die Hand auf den Arm des jungen Nemours legte.

Er glaubte Hundegebell zu hören.

Beide horchten. Der Graf hatte sich wirklich nicht getäuscht: am Ende einer langen Allee sahen, sie plötzlich pfeilschnell einen ungeheuern Eber erscheinen und fünfzig Schritte hinter ihm folgten die Hunde.

In demselben Augenblicke setzte Montgomery das Horn an den Mund, um denen, welche gleich ihm abgekommen seyn möchten, die Zeichen zu geben. Und es schienen viele zu fehlen, denn den Hunden folgten nur drei Personen, ein Herr und zwei Damen.

Nach dem Eifer, mit welchem der Herr sein Pferd antrieb, glaubten die beiden jungen Männer den König zu erkennen, aber die Entfernung war zu groß, als daß sie hätten erkennen können, welche Damen so kühn und so nahe ihm folgten.

Nemours und Montgomery jagten sogleich fort, um dem Eber entgegenzukommen.

Der König hatte allerdings einen Eber aufgejagt. Dieser wendete sich aber nicht an einer Stelle im Walde, wo nur hohe Bäume standen, sondern nach dem dichtesten Gestrüpp, so daß nach einer Viertelstunde nur noch die eifrigsten Jäger hinter dem Könige waren und von allen Damen nur noch drei: Margarethe, die Schwester des Königs, Diana von Poitiers und die kleine Königin Maria Stuart. Von ihnen waren noch mehre zurückgeblieben, so daß der König endlich nur noch die Valentinois und die kleine Marie bei sich sah, das heißt, die beste und kühnste Reiterin.

Endlich stand der Eber und die Hunde versuchten ihn zu packen.

Der König blies ins Horn und sah sich nach seinem Waffenträger um. Alle fehlten, selbst die, deren Pflicht es war, ihn nie zu verlassen. Nur die beiden Damen erschienen. Die kleine Marie hatte Schleier und Barret verloren und ihr schönes braunes Haar hing lose um ihre gerötheten Wangen.

Die Leute kamen allmälig auf.

Der Eber wehrte sich tapfer. Obgleich von sechzig Hunden angegriffen, hielt er doch noch immer Stand. Der König mußte der Sache ein Ende machen, wenn er nicht seine besten Hunde verlieren wollte.

Er ließ sich das Gewehr reichen.

Die Lunte war schon im voraus angebrannt.

Heinrich war ein vortrefflicher Schütze und fehlte selten.

Er näherte sich dein Eber, dessen Augen glühten wie zwei Kohlen, auf fünfundzwanzig Schritte, zielte nach den Augen des Thieres und schoß.

Das Thier hatte den Schuß in den Kopf erhalten, aber weil es sich während des Abdrückens bewegte, schief in die Stirn, so daß die Kugel von dem Knochen abprallte und einen Hund niederstreckte.

Man konnte am Kopfe des Thieres zwischen Auge und Ohr die blutige Spur der Kugel sehen.

Heinrich wunderte sich eine Zeit lang, daß der Eber auf den Schuß nicht fiel, während sein Pferd zitternd sich auf die Hinterbeine gesetzt hatte und mit den vorderen arbeitete.

Er reichte das abgeschossene Gewehr zurück und verlangte ein anderes.

Das andere war bereit und wurde ihm gereicht!

Der König setzte es an.

Ehe er aber Zeit hatte zu zielen, schüttelte der Eber, der sich wahrscheinlich einem zweiten Schusse nicht aussetzen wollte, die Hunde plötzlich mit aller Kraft ab, fuhr blutig unter ihnen hindurch und unter den Beinen des Pferdes des Königs hin, das sich bäumte und schmerzlich wieherte und bald blutend mit dem Könige zusammenbrach.

Alles war so blitzschnell geschehen, daß Niemand hatte daran denken können, gegen den Eber zu eilen, welcher sich zu dem König wandte, ehe dieser Zeit hatte seinen Hirschfänger zu ziehen. Jetzt versuchte er darnach zu greifen, aber es war nicht möglich; der Hirschfänger lag unter dem König.

So muthig der König war, wollte er doch schon um Hilfe rufen, denn der häßliche Kopf des Ebers mit den glühenden Augen, dem blutigen Nachen und den scharfen Hauern war nur noch einige Zoll von seiner Brust, als er plötzlich neben sich eine Stimme vernahm, die in festem Tone zu ihm sprach:

»Sire, rührt Euch nicht; ich stehe für Alles.«

Dann fühlte er einen Arm, welcher den seinigen emporhob und sah eine breite scharfe Klinge blitzen, welche sich hinter dem Schulterblatt in den Leib des Ebers bis an das Heft bohrte.

Gleichzeitig zogen zwei kräftige Arme den König zurück, so daß den Hauern des verendenden Thieres nur der neue Gegner ausgesetzt blieb.

Der, welcher den König zurückzog, war der Herzog von Nemours; der, welcher den Eber ins Herz gestoßen hatte, der Graf von Montgomery.

Dieser zog den Degen aus dem Leibe des Thieres, wischte ihn auf dem grünen Rasen ab, steckte ihn wieder in die Scheide, trat zu Heinrich II., als ob nichts Außerordentliches geschehen sey, und sagte:

»Sire, ich habe die Ehre dem Könige den Herzog von Nemours vorzustellen, der aus Italien kommt und dem Könige Nachrichten von dem Herzog von Guise und der tapfern Armee bringt.«

VIII.
Connétable und Cardinal

Zwei Stunden nach dem Auftritte, den wir beschrieben haben, nach der Beruhigung der aufrichtigen und officiellen Besorgniß, nach den Glückwünschen an Gabriel de Lorge, Grafen von Montgomery und Jakob von Savoyen, Herzog von Nemours, die beiden Lebensretter des Königs, über den Muth und die Gewandtheit, welche sie bewiesen und nachdem – die Hauptsache, die unter keinen Umständen vernachlässigt werden durfte – das Thier im großen Hofe des Schlosses im Beiseyn des Königs, der Königin und aller in Saint-Germain anwesenden Herren und Damen ausgeweidet war, trat Heinrich II. lächelnd wie ein Mann, der einer Todesgefahr entgangen ist und sich um so lebensfrischer fühlt je größer die Gefahr war, in sein Cabinet, in welchem ihn außer seinen gewöhnlichen Räthen der Cardinal Carl von Lothringen und der Connétable von Montmorency erwarteten.

Wir haben den Connétable schon einige male genannt, aber bisher versäumt, was wir für die andern Helden dieser Geschichte thaten, ihn nemlich aus seinem Grabe zu holen und vor die Leser zu stellen wie den großen Connétable von Bourbon, den seine Soldaten nach dem Tode zu einem Maler trugen, damit derselbe ihnen ein Bild von ihm male, stehend und in voller Rüstung, als lebe er.

Anne von Montmorency war damals das Haupt jener alten Familie christlicher oder französischer Barone, wie sie sich nannten, welche dem Lande zehn Connétables gegeben hat.

Er nannte und betitelte sich Anne von Montmorency, Herzog, Pair, Marschall, Großmeister, Connétable und erster Baron Frankreichs, Ritter des St. Michaels- und Hosenbandordens, Capitän der hundert Ordonanzen des Königs, Gouverneur von Languedoc, Graf von Beaumont, Dammartin und von La Fère-en-Tardenois und von Châteaubriant, Vicomte von Melun und Montreuil, Baron von Amville, Préaux, Montbron, Offemont, Mello, Châteauneuf, Dangu, Méru, Thoré, Savoisy, Gourville &c., Herr von Écouen, Chantilly, Isle-Adam, Conflans, Nogent &c.7

Da er im Jahre 1493 geboren, so war er jetzt ein Mann von vierundsechzig Jahren, aber er hatte noch die Kraft eines Dreißigers, damit aber auch alle rohen Eigenschaften des Soldaten; sein Muth war blind, er achtete nie auf die Gefahr und kümmerte sich nicht um Anstrengung, Hunger und Durst. In seinem Stolze und seiner Eitelkeit ließ er nur dem Herzoge von Guise den Vortritt, aber auch nur als Prinzen von Lothringen, denn als General und Commandant glaubte er weit über dem Vertheidiger von Metz und dem Sieger von Penty zu stehen. Für ihn war Heinrich II. nur der kleine, Franz I. aber der große Herr, und Andere mochte er nicht anerkennen. Als seltsamer Hofmann und in seinem hartnäckigen Ehrgeiz erlangte er zum Vortheile seiner Größe und seines Reichthums durch plumpes und rohes Wesen, was ein Anderer durch Schmiegsamkeit und Schmeichelei erhalten haben würde. Uebrigens war ihm Diana von Poitiers da behilflich, wo er gescheitert seyn würde; sie kam hinter ihm mit ihrer lieblichen Stimme, ihrem lieblichen Blicke und lieblichen Gesichte und glich das wieder aus, was der ewige Zorn des Soldaten verdorben hatte. Er hatte bereits vier großen Schlachten beigewohnt und hatte in jeder als tüchtiger Soldat, der dreinschlägt, gehandelt, in keiner als kluger Führer. Diese vier Schlachten waren zuerst die von Ravenna… Er war damals achtzehn Jahre alt und folgte als Dilettant und zu seinem Vergnügen der allgemeinen Fahne, wie man es nannte, d.h. der Fahne der Freiwilligen. Die zweite Schlacht war die von Marignan. Da führte er eine Compagnie von hundert Mann und er hätte sich rühmen können, daß die gewaltigsten Schwerthiebe und Streitaxtschläge von ihm ertheilt worden wären, wenn nicht sein großer Herr, Franz I., dieser Riese oft neben oder gar vor ihm gewesen wäre, der seinerseits die Welt erobert hätte, wenn die Eroberung dem zugefallen wäre, welcher am stärksten, oder wie man damals sagte am härtesten zuschlug. Die dritte Schlacht war die von Bicoque, wo er Oberst der Schweizer war und als todt liegen blieb; die vierte endlich die von Pavia, der er als Marschall beiwohnte. Da er nicht vermuthete, daß die Schlacht am nächsten Tage stattfinden solle, hatte er in der Nacht eine Recognoscirung vorgenommen; erst bei dem Donner der Kanonen kam er zurück und wurde gefangen wie die Andern, sagt Brantôme;8

Während der Herzog von Guise bei den Bürgern und Angestellten beliebt war, haßte der Connétable Bürger und Angestellte und gab seinen Haß bei jeder Gelegenheit zu erkennen. Eines Tages war es sehr heiß, ein Präsident kam zu ihm, um von Amtswegen mit ihm zu sprechen, Montmorency empfing ihn mit der Mütze in der Hand und sagte:

»Nun, Herr Präsident, heraus, was Ihr mir zu sagen habt und bedeckt Euch.«

Der Präsident aber glaubte, Montmorency bleibe ihm zu Ehren unbedeckt und antwortete:

»Ich werde mich nicht eher bedecken, bis Ihr es selbst thut.«

Da sagte der Connétable:

»Herr, Ihr seyd ein großer Esel. Glaubt Ihr denn, ich bliebe euretwegen unbedeckt? Ihr irrt dann, ich thu’s meinetwegen, weil es mir zu warm ist. Aber… redet.«

Der Präsident war so verblüfft, daß er nur stotterte, und Montmorency fuhr deshalb fort:

»Herr Präsident, Ihr seyd wahrhaftig ein Esel. Geht nach Hause und lernt eure Lection, und wenn Ihr sie könnt, so kommt wieder, aber nicht eher.«

Und er drehte ihm den Rücken zu.

Die Einwohner von Bordeaux hatten sich empört und den Gouverneur getödtet; da wurde der Connétable gegen sie geschickt. Sie zitterten vor Angst, zogen ihm zwei Tagereisen entgegen und brachten ihm die Schlüssel der Stadt. Er aber, der in voller Rüstung zu Pferde saß, antwortete:

»Ihr Herren von Bordeaux, geht mit euern Schlüsseln; ich habe dergleichen und bessere selbst.«

Und er zeigte auf seine Kanonen.

»Beseht sie Euch; die machen besser auf… Ich will Euch lehren, gegen den König aufzustehen und seinen Gouverneur zu morden. Alle lasse ich Euch hängen.«

Und er hielt Wort.

Herr von Strozzi, der den Tag vorher mit seinen Leuten vor ihm manövrirt hatte, ging zu ihm, um ihm seine Aufwartung zu machen, obgleich er ein Verwandter der Königin war. Sobald Montmorency ihn sah, rief er:

»Ei guten Tag, Strozzi! Eure Leute haben ihre Sache gestern trefflich gemacht, und es sah sich gut zu. Sie haben heute aber auch Geld bekommen?«

»Ich danke, Herr Connétable,« antwortete Strozzi, »und ich freue mich sehr, daß Ihr mit den Leuten zufrieden seyd, denn ich habe Euch eine Bitte von ihnen zu überbringen.«

»Welche, Strozzi? Sprechen Sie.«

»Das Holz ist sehr theuer in der Stadt, das Wetter aber kalt; sie bitten darum, Ihr möchtet Ihnen doch ein Schiff geben, das am Strande liegt, nichts taugt und Montréal heißt. Sie wollen es zerschlagen und Feuer von den Stücken anmachen.«

»Das will ich, ja. Sie mögen sich recht wärmen daran.«

Während er speiste, kamen die Räthe des Hofes und Beamten der Stadt. Strozzi hatte entweder nicht gut gesehen oder verstand sich nicht auf Schiffe; genug, das von ihm bezeichnete war noch vollkommen seetüchtig. Die würdigen Beamten kamen deshalb, um dem Connétable vorzustellen, welcher Schaden geschehe, wenn ein noch in gutem Stande befindliches Schiff zerschlagen werde.

Bei dem vierten Worte unterbrach sie der Connétable in seiner gewöhnlichen Weise:

»Gut! Gut! Gut! Wer seyd Ihr Dummköpfe, die Ihr mich controliren wollt? Wenn ich es für gut finde – und ich weiß nicht was mich abhält? – werde ich eure Häuser statt des Schiffes abtragen lassen. Ich werde es thun, wenn Ihr nicht bald macht, daß Ihr fortkommt. Geht und bekümmert Euch um eure Angelegenheiten, nicht um die meinigen.«

Das Schiff wurde noch an demselben Tage zerhauen.

Seit man Friede hatte, ließ der Connétable seinen größten Zorn an den Geistlichen der reformierten Kirche aus, gegen die er den heftigsten Haß hegte. Seine Erholung und Unterhaltung bestand zum Beispiel darin, daß er in die protestantischen Kirchen ging und die Geistlichen von der Kanzel jagte. Eines Tages hatte er erfahren, daß sie mit Erlaubniß des Königs ein Consistorium hielten; er begab sich sofort nach Popincourt, trat in die Versammlung, warf die Kanzel um, zerbrach die Bänke und richtete ein großes Feuer darin an. Deshalb erhielt er den Namen Bänkeverbrenner.

Alle diese Rohheiten beging der Connétable, während er Gebete murmelte, besonders das Vater unser, sein Lieblingsgebet, das er in der groteskesten Weise mit den barbarischen Befehlen vermischte, die er nie zurücknahm.

Wehe wenn man ihn den Anfang seines Gebetes murmeln hörte!

»Vater unser, der Du bist im Himmel,« sagte er; packet mir den oder den; dein Name werde geheiliget, hängt mir den an den Baum da; dein Reich komme; jagt den durch die Piken; dein Wille geschehe; schießt mir den Hund vor meinen Augen nieder; auf Erden wie im Himmel; haut mir die Kerle in Stücke, die den Thurm gegen den König zu halten wagten; unser tägliches Brot gib uns heute; steckt das Dorf in Brand; vergib uns unsere Schuld wie wir vergeben unsern Schuldigern; steckt’s an allen vier Ecken an, kein Haus darf stehen bleiben; und führe uns nicht in Versuchung; wenn die Kerle schreien, werft sie ins Feuer. Amen!

Das nannte man das Pater noster des Connétable.

Das war denn der Mann, welchen König Heinrich II., als er in das Cabinet trat, dem schlauen, geistreichen aristokratischen Cardinal von Lothringen, dem wichtigsten Herrn der Kirche, dem gewandtesten Diplomaten seiner Zeit, gegenüber sitzen sah.

Man kann sich denken, welche Opposition diese beiden einander so ganz entgegengesetzten Naturen einander machen oder welche Unruhen solch doppelter Ehrgeiz in dem Staate verbreiten mußte. Und dies um so mehr als die Familie Montmorency nicht minder zahlreich war als die Familie Guise, da der Connétable von seiner Frau – Frau von Savoyen, Tochter des Bastards René von Savoyen – fünf Söhne hatte, die-Herren von Montmorency, von Amville, von Méru, von Montbron und von Thoré, und fünf Töchter, von denen vier an die Herren von La Trémouille, Turenne, Ventadour und Candale verheirathet waren, die fünfte aber und schönste Äbtissin von St. Peter in Rheims wurde.

Diese ganze zahlreiche Nachkommenschaft mußte versorgt werden und der Connétable war zu geizig, etwas zu thun, da ja der König da war.

Alle standen auf und entblößten das Haupt als Heinrich erschien.

Er begrüßte Montmorency mit einer freundschaftlichen und fast soldatischen Handbewegung, während er den Kopf vor Carl von Lothringen neigte.

»Ich habe Euch rufen lassen,« sagte er, »denn der Gegenstand, über den ich euern Rath hören will, ist ernst. Herr von Nemours ist aus Italien angekommen, wo die Sachen schlecht stehen wegen des Wortbruchs Sr. Heiligkeit und des Verrathes der Meisten unserer Verbündeten. Anfangs ging alles gut; Strozzi hatte Ostia genommen. Freilich hatten wir in den Gräben der Stadt Herrn von Montluc verloren, einen lieben Herrn, für dessen Seele ich um euer Gebet bitte. Dann hatte sich der Herzog von Alba, welcher die nahe Ankunft eures erlauchten Bruders, werther Cardinal, kannte, nach Neapel zurückgezogen. Alle Plätze in der Umgegend von Rom waren demnach vor uns nach einander besetzt worden. Der Herzog rückte gegen Reggio, wo ihn sein Schwiegervater, der Herzog von Ferrara, mit achthundert Pferden und zehntausend Mann Fußvolk erwartete. Hier wurde Rath gehalten zwischen dem Cardinal Caraffa und Johann von Lodève, dem Gesandten des Königs. Einige glaubten, man müsse Cremona oder Pavia angreifen, während der Marschall von Brissac die Feinde in Athem erhielt; Andere stellten vor, ehe man sich dieser beiden Plätze, der festesten in Italien, bemächtigen könnte, würde der Herzog von Alba seine Armee durch Aushebungen in Toscana und dem Königreiche Neapel verdoppelt haben. Der Cardinal Caraffa war anderer Ansicht; er schlug vor in die Mark Ancona einzurücken, deren schlecht befestigte Plätze sich, wie er meinte, auf die erste Aufforderung ergeben würden, der Herzog von Ferrara aber stellte vor, da die Vertheidigung des heiligen Stuhles der Hauptzweck des Unternehmens sey, müsse der Herzog von Guise geradewegs nach Rom marschieren. Der Herzog von Guise entschied sich für diese Ansicht und wollte die zehntausend Mann Fußvolk und achthundert Reiter Ferrara’s mit sich nehmen; dieser hielt sie aber unter dem Vorgehen zurück, er könne jeden Augenblick entweder von dem Großherzog Cosmo die Medici oder von dem Herzog von Parma angegriffen werden, welcher zu Spanien übergegangen. Der Herzog von Guise mußte also seinen Weg mit den wenigen Truppen fortsetzen, die ihn begleiteten und konnte nichts hoffen, als auf die Zusammenziehung der Truppen, welche, nach der Aussage des Cardinal Caraffa, in Bologna warteten. Als der Herzog mit dem Cardinal in Bologna ankam, sah er sich vergeblich nach Truppen um. Euer Bruder, werther Cardinal beklagte sich laut, aber man antwortete ihm, er werde in der Mark Ancona zehntausend Mann treffen, welche Se. Heiligkeit habe ausheben lassen. Der Herzog glaubte diesem Versprechen und setzte seinen Weg durch die Romagna fort. Da erwartete ihn keine Verstärkung; er ließ unsere Armee unter dem Herzog von Aumale zurück und reiste direct nach Rom, um von Sr. Heiligkeit selbst zu erfahren was er zu thun habe. Da der Papst nicht ausweichen konnte, so antwortete er, er habe allerdings fünfundzwanzigtausend Mann zu diesem Kriege zu liefern; aber darunter seyen die Besatzungen in den festen Plänen der Kirche begriffen. Da achtzehntausend Mann päpstliche Truppen zu diesem Zwecke verwendet waren, sah der Herzog von Guise ein, daß er nur auf die Truppen zu rechnen habe, welche er mit sich gebracht. Auch würden diese hinreichen, versicherte Se. Heiligkeit, da die Franzosen bisher in ihren Unternehmungen gegen Neapel nur dadurch gescheitert waren, weil sie das Oberhaupt der Kirche gegen sich gehabt hätten. Jetzt sey dies mit ihnen, und in Folge dieses, wenn auch nur geistigen oder geistlichen Beistandes könnte ihnen der Sieg nicht fehlen. Der Herr von Guise ist in dieser Hinsicht so ziemlich wie Ihr, werther Connétable,« fuhr Heinrich fort, »er zweifelt an seinem Glücke nicht, so lang er sein gutes Schwert an der Seite hat und einige tausend Tapfere hinter ihm marschieren. Er beschleunigte also die Ankunft seines Heeres und sobald es angelangt war, verließ er Rom, nahm Campli mit Sturm und ließ Männer, Weiber und Kinder über die Klinge springen.«

Der Connétable nahm die Nachricht von dieser Execution mit dem ersten billigenden Zeichen auf, das er bis dahin gegeben hatte. Der Cardinal blieb gelassen.

»Von Campli,« fuhr der König fort, »brach der Herzog auf, um Civitella zu belagern, das, wie es scheint, auf einem steilen Berge liegt und gute Befestigungen hat. Man beschoß die Citadelle, aber ehe die Bresche gangbar wurde, wollte unsere Armee in ihrer gewöhnlichen Ungeduld einen Sturm unternehmen. Leider war der Ort auf allen Seiten, von Bastionen umgeben und die Folge war, daß die Unsern mit Verlust von zweihundert Todten und dreihundert Verwundeten zurückgetrieben wurden.«

Ein vergnügtes Lächeln spielte um die Lippen des Connétable, der Unbesiegliche hatte vor einer kleinen Feste zurückweichen müssen.

»Unterdeß,« fuhr der König fort, »hatte der Herzog von Alba seine Truppen in Chieti gesammelt, rückte den Belagerten mit 3000 Spaniern, 6000 Deutschen, 3000 Italienern und 300 Calabresen entgegen. Der Herzog von Guise besaß nicht die Hälfte einer solchen Macht und er entschloß sich deshalb die Belagerung aufzuheben und den Feind im, freien Felde, zwischen Fermo und Ascoli, zu erwarten. Er hoffte, der Herzog von Alba werde die ihm gebotene Schlacht annehmen. Dieser weiß aber, daß wir uns an sich nicht halten können, und weicht so dem Kampfe aus oder nimmt ihn nur in solchen Stellungen an, die uns keine Aussicht auf Erfolg lassen. In dieser Lage und, weil er von dem Papste weder Geld noch Mannschaft erhalten kann, schickt der Herzog von Guise den Herzog von Nemours zu mir, um entweder eine ansehnliche Verstärkung oder die Erlaubniß zu erhalten, Italien zu verlassen. Eure Meinung nun? Sollen wir eine letzte Anstrengung machen, unserm geliebten Herzog von Guise die Truppen und das Geld senden, die er braucht, oder sollen wir ihn zu uns zurückrufen und damit jeden Anspruch auf das Königreich Neapel aufgeben, das ich, auf das Versprechen Sr. Heiligkeit, bereits meinem Sohne Carl bestimmt hatte?«

Der Connétable machte eine Geberde als wolle er um das Wort bitten, er deutete aber auch an, er sey bereit, zuerst den Cardinal sprechen zu lassen. Dieser indeß gab zu verstehen, der Connétable möge nun sprechen. Es war das überhaupt die Tactik des Cardinals seinen Gegner zuerst sprechen zu lassen.

»Sire,« sagte der Connétable, »nach meiner Meinung darf man eine so gut angefangene Sache nicht aufgeben und keine Anstrengung scheuen, um euer Heer und euren General in Italien zu halten.«

»Und Ihr, Herr Cardinal?« fragte der König.

»Ich,« antwortete Carl von Lothringen, »ich bitte den Herrn Connétable um Verzeihung, aber ich bin ganz entgegengesetzter Ansicht.«

»Das wundert mich nicht, Herr Cardinal,« sagte der Connétable mit Bitterkeit, »es wäre auch das erste Mal, daß wir miteinander übereinstimmten. Eurer Meinung nach soll also euer Bruder zurückkommen?«

»Es wäre, glaube ich, gute Politik, ihn zurückzurufen.«

»Allein oder mit der Armee?« fragte der Connétable.

»Mit der ganzen Armee.«

»Und warum? Meint Ihr, es gäbe noch nicht genug Straßenräuber?«

»Straßenräuber gibt es vielleicht genug, Herr Connétable, überflüssig viel gute Soldaten und große Feldherren hat man aber nicht.«

»Ihr vergesst, Herr Cardinal, daß wir mitten im Frieden sind und daß man im Frieden mit großartigen Eroberern nichts anzufangen weiß.«

»Ich bitte Ew. Majestät,« wendete der Cardinal sich an den König, »den Herrn Connétable zu fragen, ob er ernstlich an die Dauer des Friedens glaubt.«

»Freilich glaube ich daran,« antwortete der Connétable. »Schöne Frage!«

»Und ich,« entgegnete der Cardinal, »glaube nicht nur nicht daran, sondern bin sogar der Meinung, Ew. Majestät, müssen den König von Spanien sobald als möglich angreifen, wenn diesem der Ruhm nicht werden soll, Euch anzugreifen.«

»Trotz dem feierlich beschworenen Waffenstillstande?« fragte der Connétable mit einem Eifer, daß man hätte glauben können, er denke, wie er spreche, »vergeßt Ihr denn, Herr Cardinal, daß es eine Pflicht ist seinen Schwur zu halten? daß das Wort der Könige noch unverletzlicher seyn muß als ein anderes Wort, und daß Frankreich sein Wort nie gebrochen hat, nicht einmal gegen die Türken und Saracenen?«

»Warum, wenn dem so ist,« fragte der Cardinal, »hat euer Neffe Chatillon, statt sich ruhig in seinem Gouvernement der Picardie zu halten, einen Ueberrumplungsversuch gemacht, der ihm gelungen wäre ohne eine alte Frau, die zufällig da vorüberging, wo man die Sturmleitern anlegte, und Lärm machte.«

»Warum mein Neffe das gethan hat?« fragte der Connétable, der in die Falle ging, »das will ich Euch sagen.«

»Hören wir,« sagte der Cardinal, der sich dann an den König wandte und mit besonderer Betonung hinzusetzte: »Höret, Sire.«

»Ah, Se. Majestät weiß es so gut wie ich,« antwortete der Connétable, »denn wie sehr er sich auch mit seinen Liebschaften zu beschäftigen scheint, lassen wir ihn doch in keinem Punkte in Unkenntniß.«

»Wir hören, Herr Connétable,« sagte der Cardinal nochmals kalt. »Ihr wollt uns sagen, was die Unternehmung des Admirals gegen Douai motivieren könnte.«

»Zehn Gründe kann ich angeben.«

»So nennt dieselben.«

»Zuerst,« sagte der Connétable, »zuerst der Versuch, den der Graf von Mégue, Gouverneur von Luxemburg, durch seinen Haushofmeister gemacht hatte, welcher mit tausend Thalern baar und dem Versprechen einer Pension von gleicher Summe drei Soldaten der Garnison von Metz bestach, welche die Stadt überliefern sollten…«

»Welche mein Bruder so ruhmvoll vertheidigt hat,« sagte der Cardinal, »wir haben von diesem Versuche gehört, welcher wie der eures Neffen, des Admirals, zum Glück scheiterte. Aber das ist nur Eine Entschuldigung und Ihr verspracht uns zehn, Herr Connétable.«

»Wartet nur. Ihr wisst noch nicht, Herr Cardinal, daß derselbe Graf von Mégue einen Soldaten der Garnison von Marienburg gewonnen, der sich für eine große Summe, welche er erhalten, verpflichtet hatte, alle Brunnen des Ortes zu vergiften, und daß das Unternehmen nur mißlang, weil er fürchtete, ein Einziger werde nicht hinreichen, darum sich an Andere wendete und diese Andern die Sache verriethen. Ihr werdet nicht behaupten, Herr Cardinal, die Sache sey falsch, da ja der Soldat gerädert worden ist.«

»Das würde allerdings kein Grund seyn mich zu überzeugen; Ihr, Herr Connétable, habt in eurem Leben so viele Leute hängen und rädern lassen, die ich für so unschuldig halte wie die, welche die heidnischen Kaiser Nero, Commodus und Domitian in dem Circus sterben ließen.«

»Herr Cardinal, wollt Ihr vielleicht gar das Unternehmen des Grafen von Mégue gegen die Brunnen von Marienburg läugnen?«

»Im Gegentheil, Herr Connétable, ich habe schon gesagt, daß ich es zugebe, aber Ihr habt uns zehn Entschuldigungen eures Neffen versprochen und wir kennen erst zwei.«

»Sie werden gefunden werden, sie werden gefunden werden, verlaßt Euch darauf. Sollte Euch vielleicht unbekannt seyn, daß der Graf von Berlaimont, der Intendant der Finanzen von Flandern, mit zwei Soldaten aus der Gascogne ein Complott machte, indem diese versprachen, mit Hilfe des Herrn von Vèze, Capitän eines Fähnchens zu Fuß, dem Könige von Spanien die Stadt Bordeaux zu überliefern, vorausgesetzt, daß sie durch fünf- bis sechshundert Mann unterstützt würden? Läugnet einmal dies neue Complott des katholischen Königs, und ich werde Euch antworten, ich, daß einer der beiden Soldaten, der bei St.-Quentin verhaftet wurde, alles ausgesagt und auch gestanden hat, er habe den versprochenen Lohn im Beiseyn des Bischofs von Arras, Anton Perrenot, empfangen. Läugnet das einmal, Herr Cardinal, läugnet das!«

»Ich werde mich wohl hüten,« antwortete der Cardinal lächelnd, »da es in der That die Wahrheit ist, Herr Connétable, und ich nicht daran denke, meine Seele durch eine so große Lüge zu gefährden; aber das alles gibt doch nur erst drei Verletzungen des Vertrages durch den König von Spanien und Ihr spracht von zehn.«

»Sie sollen Euch geliefert werden, alle zehn und im Nothfalle gehe ich sogar bis zum Dutzend. Hat man nicht den Jacob la Flèche, einen der besten Ingenieure Philipps II., beim Sondiren der Furten der Oise überrascht und nach La Ferté gebracht, wo er gestand, der Herzog von Savoyen, Emanuel Philibert, habe ihm durch Berlaimont Geld dafür zahlen lassen, daß er die Pläne von Montreuil, Roye, Doullens, St.-Quentin und Mézières aufnehme, die Plätze, deren sich die Spanier bemächtigen wollen, um die Verproviantirung von Marienburg zu verhindern.«

»Auch das ist wahr, Herr Connétable, aber wir sind noch immer weit von zehn.«

»Müssen denn gerade zehn Beweise seyn, daß der Vertrag in der That durch die Spanier gebrochen worden ist und mein Neffe ein Recht hatte, einen Versuch gegen Douai zu machen?«

»Ich hatte auch keinen andern Zweck, als Euch zu diesem Anführen zu bringen, Herr Connétable, und ich werde mich durch diese vier Beweise überzeugen lassen, daß der Vertrag durch Philipp II. gebrochen ist. Wenn aber der Vertrag nicht einmal, sondern viermal gebrochen wurde, so hatte der König von Spanien sein Wort nicht gehalten, so wird der König von Frankreich das seinige nicht verletzen, wenn er seine Armee und seinen General aus Italien zurückruft und sich zum Kriege rüstet.«

7.Wie man an dieser Unzahl von Titeln sieht, konnte der König wohl in Paris König sein; Montmorency aber war Herzog, Graf, Baron in allem rund um Paris, so sehr, daß das Königtum in dessen Herzogtümern, Grafschaften und Baronnien gefangen schien.
8.und bei dieser schicksalhaften Niederlage von Pavia wurden alle gefangen, selbst der König.

Türler ve etiketler

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10 aralık 2019
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