Kitap dosya olarak indirilemez ancak uygulamamız üzerinden veya online olarak web sitemizden okunabilir.
Kitabı oku: «Der Page des Herzogs von Savoyen», sayfa 16
Der Connétable biß sich auf den weißen Schnurbart, sein schlauer Gegner hatte ihn dahin gebracht, daß er gerade das Gegentheil von dem zugegeben, was er hatte sagen wollen.
Uebrigens hatte der Cardinal kaum ausgesprochen und der Connétable biß noch immer auf seinen Schnurbart, als eine Trompete, die eine fremde Melodie blies, im Hofe des Schlosses Saint-Germain sich hören ließ.
»Welcher Page macht den schlechten Spaß mir das Ohr durch eine englische Melodie zu zerreißen? Erkundigt Euch, Herr von Aubespine, und sorgt dafür, daß der Page für seinen Muthwillen eine Züchtigung bekomme.«
Herr von Aubespine ging hinaus, um die Befehle des Königs auszuführen, nach fünf Minuten aber kam er zurück.
»Sire,« sagte er, »weder ein Page noch ein Knappe noch ein Piqueur hat geblasen, sondern ein wirklicher englischer Trompeter, welcher einen Herold begleitet, den Euch eure Cousine, die Königin Marie, sendet.«
Herr von Aubespine war kaum zu Ende, als von neuem eine Trompete sich hören ließ und man eine spanische Melodie erkannte.
»Aha,« sagte der König, »erst die Frau und dann der Mann, wie es scheint.«
Und mit der Majestät, welche bei Gelegenheit die alten Könige von Frankreich anzunehmen verstanden, setzte er hinzu:
»Meine Herren, in den Thronsaal! Benachrichtigt eure Leute, ich werde es dem Hofe melden lassen. Was uns auch unsere Cousine Marie und unser Vetter Philipp melden lassen, ihr Bote muß mit den gebührenden Ehren empfangen werden.«
IX.
Der Krieg
Man hatte die Klänge der englischen und spanischen Trompete nicht blos in dem Rathssaale, sondern in dem ganzen Palaste gleich einem doppelten Echo von Norden und Süden vernommen.
Der König fand den Hof schon vorbereitet; alle Damen standen an den Fenstern und blickten neugierig nach den beiden Herolden und dem Gefolge derselben.
An der Thür des Rathssaales redete den Connétable ein junger Offizier an, den ihm sein Neffe, der Admiral, sandte, derselbe welchen wir bei dem Kaiser Carl V. an dem Abende nach der Abdankung sahen.
Der Admiral war Gouverneur der Picardie, hatte also im Falle eines Angriffs den ersten Stoß auszuhalten.
»Ah, Ihr seyd es, Théligny,«9 sagte der Connétable halb laut. »Ihr bringt mir Nachrichten von dem Admiral?«
»Ja, gnädiger Herr.«
»Habt Ihr schon Jemand gesehen und eure Nachrichten mitgetheilt?«
»Diese Nachrichten sind für den König,« antwortete der junge Offizier,,es ist mir aber empfohlen worden, sie vorher Euch mitzutheilen.«
»So folgt mir.«
Wie der Cardinal von Lothringen den Herzog von Nemours zu Catharina von Medici geführt hatte, geleitete der Connétable Herrn von Théligny zu der Herzogin von Valentinois.
Unterdeß versammelte man sich in dem Empfangssaal.
Nach einer Viertelstunde hatte der König zu seiner Rechten die Königin, auf den Stufen des Thrones die großen Kronbeamten, um sich her auf den Stühlen Margarethe und Elisabeth von Frankreich, Maria Stuart, die Herzogin von Valentinois, die vier Marien, kurz den ganzen glänzenden Hof der Valois und er befahl den englischen Herold eintreten zu lassen.
Lange vorher, ehe man ihn eintreten sah, hörte man in dem Nebenzimmer das Klirren seiner Sporen und jener seiner Begleiter, dann endlich trat er über die Schwelle des Saales, im Wappenrock mit den Wappen Englands und Frankreichs, bedeckten Hauptes und blieb erst zehn Schritte vor dem Throne des Königs stehen.
Hier entblößte er das Haupt, ließ sich auf ein Knie nieder und sprach mit lauter Stimme folgende Worte:
»Marie, Königin von England, Irland und Frankreich, entbietet Heinrich, König von Frankreich, ihren Gruß. Weil Du Verkehr und Freundschaft mit den englischen Protestanten, den Feinden unserer Person, unseres Glaubens und unseres Staates, unterhalten und ihnen Hilfe und Schutz gegen die gerechten Verfolgungen zugesagt hast, die gegen sie gerichtet sind, erklären wir, Wilhelm Norry, Kronherold von England, Dir den Krieg zu Land und zu Wasser und werfen Dir hiermit zum Zeichen der Aufforderung den Handschuh hin.«
Der Herold warf nach diesen Worten seinen eisernen Handschuh, der klappernd an den Boden fiel, vor die Füße des Königs.
»Gut,« antwortete der König ohne aufzustehen, »ich nehme die Kriegserklärung an, aber Jedermann soll wissen, daß ich getreulich alles gethan und gehalten habe, was ich der Freundschaft für die Königin schuldig war. Da sie Frankreich in so ungerechter Sache angreifen will, so hoffe ich von der Gnade Gottes, es werde ihr nicht gelingen so wie ihren Vorgängern. Uebrigens spreche ich so ruhig und artig, weil eine Königin Euch sendet, wäre es ein König, so würde ich einen andern Ton annehmen.«
Dann wendete er sich an Maria Stuart und sagte:
»Da Euch, meine freundliche Königin von Schottland, der Krieg nicht minder angeht als mich und Ihr auf die Krone Englands so viel wenn nicht mehr Rechte habt als unsere Schwester Marie auf den von Frankreich, so hebt, bitte ich, den Handschuh auf und schenkt dem tapfern Sir William Norry die goldene Kette, die Ihr am Halse tragt und welche meine liebe Herzogin von Valentinois durch die Perlenschnur ersetzen wird, die sie trägt und die ich dann selbst in einer Art ersetzen werde, daß sie nicht zu viel dabei verliert. Geht, nur eine Frauenhand kann den Handschuh einer Frau aufheben.«
Maria Stuart stand auf, löste mit ihrer lieblichen Anmuth die goldene Kette von ihrem schönen Halse, hing sie dem Herold um und sagte dann mit dem Stolze, der ihrem Gesichte so gut stand:
»Ich hebe diesen Handschuh auf nicht nur im Namen Frankreichs, sondern auch im Namen Schottlands. Herold, meldet dies meiner Schwester Maria.«
Der Herold erhob sich, neigte leicht den Kopf und trat zur Linken des Thrones, während er sprach:
»Es wird nach den Wünschen des Königs Heinrich von Frankreich und der Königin Maria von Schottland geschehen.«
»Man lasse den Herold unseres Bruders Philipp II. eintreten,« sagte Heinrich.
Dasselbe Sporengeklirr meldete den spanischen Herold, der stolzer noch als sein englischer College eintrat, den castilianischen Schnurbart streichend sich zehn Schritte von dem Könige stellte und ohne niederzuknien nur mit einer Verbeugung sprach:
»Philipp von Gottes Gnaden König von Castilien, Leon, Granada, Navarra, Aragonien, Neapel, Sicilien, Majorca, Sardinien, der Inseln Indiens und der Länder des Oceans, Erzherzog von Oesterreich, Herzog von Burgund, Lothier, Brabant, Limburg, Luxemburg und Geldern, Graf von Flandern und Artois,10 Herr von Friesland, Mecheln, den Städten und Gebieten Utrecht, Ober-Yssel und Gröningen, Herrscher in Asien und Afrika, thun Dir, Heinrich von Frankreich, zu wissen, daß wir wegen der Unternehmungen gegen die Stadt Douai und wegen der Plünderung der Stadt Sens auf Befehl und unter Leitung deines Gouverneurs der Picardie den von uns beschworenen Waffenstillstand für gebrochen halten und Dir den Krieg erklären zu Wasser und zu Lande. Zum Zeichen dieser Aufforderung werfe ich im Namen meines genannten Königs und Herrn, ich, Guzman von Avila, Herold von Castilien, Leon, Granada, Navarra und Aragonien, Dir meinen Handschuh hin.«
Er zog den rechten Handschuh ab und warf ihn keck und trotzig vor die Füße des Königs.
Da konnte man das gebräunte Gesicht des Königs Heinrich II. erbleichen sehen und mit leicht bewegter Stimme sprach er:
»Unser Bruder Philipp II. kommt uns zuvor und richtet an uns die Vorwürfe, die er verdiente, aber da er so viele persönliche Beschwerden gegen uns hat, würde er besser gethan haben, wenn er uns persönlich herausgefordert hätte. Wir würden gern mit unserm Leibe für unsere Thaten eingetreten seyn und Gott der Herr dann zwischen uns entschieden haben. Sagt ihm, Don Guzman von Avila, daß wir trotzdem gern den Krieg annehmen, den er uns erklärt, daß ich aber mit noch größerem Vergnügen auf einen Zweikampf eingehen werde, wenn er diesen jetzt noch vorziehen sollte.«
Da der Connétable ihm den Arm berührte, fuhr Heinrich fort:
»Setzt hinzu, daß Ihr gesehen, wie bei diesem Vorschlage mein guter Freund, der Connétable, meinen Arm berührte, weil er weiß, daß eine Prophezeiung sagt, ich würde mein Leben in einem Zweikampfe verlieren. Auf die Gefahr hin, daß diese Prophezeiung in Erfüllung gehe, bleibe ich bei dem Antrage, obgleich ich zweifle ob die Prophezeiung meinen Bruder so weit beruhigen dürfte, um ihn zu entscheiden, den Zweikampf anzunehmen. Herr von Montmorency, hebt Ihr, als Connétable von Frankreich, den Handschuh des Königs Philipp auf.«
Zu dem Herold aber sagte er ferner, indem er hinter sich hervor ein bereitgestelltes Säckchen mit Gold nahm:
»Nehmt, es ist weit von hier nach Valladolid, und da Ihr mir eine so gute Nachricht überbracht habt, ist es nicht recht, daß Ihr unterwegs von eurem Gelde oder dem eures Herrn zehrt. Nehmt also diese hundert Goldthaler als Reisekosten.«
»Sire,« antwortete der Herold, »mein Herr und ich sind aus dem Lande, in welchem das Gold wächst und wir brauchen uns nur zu bücken, wenn wir dergleichen bedürfen.«
Er verbeugte sich vor dem Könige und trat einen Schritt zurück.
»Ach, stolz wie ein Castilianer!« flüsterte Heinrich. »Herr von Montgomery, nehmt das Säckchen und werft seinen Inhalt durch das Fenster den Leuten unten zu.«
Montgomery nahm das Säckchen, öffnete das Fenster und warf das Gold den Dienstleuten im Hofe zu, die es mit Jubel auflasen.
»Meine Herren,« fuhr Heinrich fort, indem er aufstand, »gewöhnlich ist Fest bei dem Könige von Frankreich, wenn ein benachbarter König ihm den Krieg erklärt. Heute wird also Doppelfest seyn, da wir gleichzeitig die Kriegserklärung eines Königs und einer Königin erhalten haben.«
Darauf wendete er sich an die beiden Herolde, von denen der eine links, der andere rechts stand, und sagte:
»Sir William Norry, Don Guzman von Avila, da Ihr die Veranlassung des Festes, so seyd Ihr als Vertreter der Königin Maria und des Königs Philipp von rechtswegen eingeladen.«
»Sire,« flüsterte der Connétable dem Könige zu, »wollt Ihr geruhen die neuen Nachrichten aus der Picardie anzuhören, welche mir mein Neffe durch einen Lieutenant Théligny sendet?«
»Ja wohl,« antwortete der König. »Bringt mir den Offizier, Vetter; er soll willkommen seyn.«
Fünf Minuten nachher verbeugte sich der junge Mann vor dem Könige und wartete dann, daß dieser das Wort an ihn richte.
»Nun?« fragte der König, »welche Nachrichten bringt Ihr von dem Befinden des Admirals?«
»Von dieser Seite sehr gute, denn der Herr Admiral hat sich nie wohler befunden.«
»Dann möge Gott ihn bei Gesundheit Erhalten und alles wird gut gehen. Wo habt Ihr ihn verlassen?«
»In La Fère, Sire.«
»Und welche Nachrichten solltet Ihr mir überbringen?«
»Sire, er beauftragte mich, Euch zu sagen, Ew. Majestät möge sich auf einen schweren Krieg vorbereiten. Der Feind hat über fünfzigtausend Mann zusammengezogen und der Admiral glaubt, alles, was derselbe bisher gethan, sey nur eine falsche Demonstration, um seine wahren Absichten zu verbergen.«
»Und was that der Feind bisher?«
»Der Herzog von Savoyen der Oberbefehlshaber,« « antwortete der junge Lieutenant, »rückte in Begleitung des Herzogs von Aerschoot, des Grafen von Mansfeld, des Grafen von Egmont und der ersten Offiziere seines Heeres bis Givet, wo der Sammelplatz der feindlichen Truppen war.«
»Das habe ich durch den Gouverneur der Champagne, den Herzog von Nevers, erfahren,« antwortete der König, »er setzte in seiner Depesche sogar hinzu, er glaube, Emanuel Philibert habe es besonders auf Rocroy und Mézières abgesehen, und weil ich das neu befestigte Rocroy nicht für fähig hielt, eine lange Belagerung auszuhalten, habe ich dem Herzog von Nevers empfohlen, zu sehen, ob es nicht besser sey, es aufzugeben. Seit dieser Zeit habe ich keine Nachrichten erhalten.«
»Diese bringe ich, Sire,« sagte Théligny. »Herr von Nevers hält den Ort für fest genug, hat sich darin eingeschlossen und den Feind hinter den Mauern so gut empfangen, daß derselbe nach einigen Gefechten in denen er einige hundert Mann verloren, sich durch die Furt von Houssu zurückziehen mußte. Der Admiral zweifelt nicht, daß er nun Guise belagern werde, in dem sich Herr von Vassé befindet.«
»Welche Truppen befehligt der Herzog von Savoyen?«
»Flammändische, spanische und deutsche, Sire, vierzigtausend Mann Fußvolk und etwa fünfzehntausend Reiter.«
»Und über wie viele können Chatillon und Nevers verfügen?«
»Wenn sie alle ihre Leute zusammennehmen, werden sie kaum achtzehntausend Mann Fußvolk und fünf bis sechstausend Reiter zur Verfügung haben, ungerechnet, Sire, daß unter den letzteren tausend fünfhundert bis zweitausend Engländer sind, auf die man sich nicht würde verlassen können, wenn ein Krieg mit England ausbräche.«
»Da Besatzung in den Städten gelassen werden muß, so werden wir Euch also kaum zwölf- bis vierzehntausend Mann geben können, lieber Connétable,« sagte Heinrich zu Montmorency.
»Nun ich werde mit den Wenigen mein Bestes thun. Ich habe gehört, daß ein berühmter General im Alterthum, Xenophon mit Namen, nur zehntausend Mann hatte und einen glänzenden Rückzug fast hundertfünfzig Stunden weit ausführte und daß Leonidas, König von Sparta kaum tausend Mann bei sich hatte, als er an den Thermopylen das Heer des Königs Xerxes, das weit zahlreicher war als das des Herzogs von Savoyen, acht Tage lang aufhielt.«
»So verliert Ihr den Muth nicht, guter Connétable?«
»Im Gegentheil, Sire, ich bin, bei Gott! nie so freudig und voll Hoffnung gewesen. Ich möchte nur Jemanden haben, der mir über den Zustand der Stadt St.-Quentin Auskunft geben könnte.«
»Warum, Connétable?« fragte der König.
»Weil man mit den Schlüsseln von St.-Quentin die Thore von Paris öffnet, Sire, das ist ein altes Soldatenwort… Kennt Ihr St.-Quentin, Herr von Théligny?«
»Nein, aber wenn ich wagte… «
»Immer wagt, der König erlaubt es.«
»Nun, Herr Connétable, so will ich sagen, daß ich einen Knappen habe, den mir der Herr Admiral gegeben hat und der Euch Auskunft über die Stadt geben könnte, wenn er wollte.«
»Wenn er wollte?« fiel der Connétable ein. »Er muß wollen.«
»Er wird sich gewiß nicht weigern auf die Fragen des Herrn Connétable zu antworten, da er aber ein pfiffiger Mensch ist, wird er nach seinem Belieben antworten.«
»Nach seinem Belieben, Herr Lieutenant? Ich denke nach dem meinigen.«
»Das eben ist der Punkt, über den Ew. Gnaden sich nicht täuschen mag. Er wird antworten, wie es ihm gefällt, und da der Herr Connétable St.-Quentin nicht kennt, werdet Ihr nicht wissen, ob er die Wahrheit sagt oder nicht.«
»Wenn er nicht die Wahrheit sagt, lasse ich ihn hängen.«
»Das ist allerdings ein Mittel, ihn zu strafen, doch nicht um Nutzen aus ihm zu ziehen. Glaubt mir, Herr Connétable, er ist sehr schlau, pfiffig und tapfer, wenn er will.«
»Wie so, wenn er will? Er ist also nicht immer tapfer?« fiel der Connétable ein.
»Er ist tapfer, wenn es in seinem Interesse, liegt sich zu schlagen; von einem Abenteurer kann man nicht mehr erwarten.«
»Mein lieber Connétable,« sagte der König, »wer den Zweck will, muß auch die Mittel wollen. Der Mann kann uns nützlich seyn; Herr von Théligny kennt ihn; lasset diesen ihn ausfragen.«
»Meinetwegen,« antwortete der Connétable, »aber Sire, ich habe eine Art mit den Leuten zu reden…«
»Ja,« antwortete Théligny lächelnd, »diese Art kennen wir; sie hat ihre gute Seite, aber bei dem Yvonnet, den ich meine, würde sie bewirken, daß er bei der ersten Gelegenheit zum Feinde überginge und die Dienste, die er uns hätte leisten können, jenem zuwendete.«
»Dem Feinde? Donner… dem Feinde?« rief der Connétable aus. »So muß man ihn auf der Stelle hängen lassen. So ist euer Knappe ein Bandit, ein Verräther, Herr von Théligny?«
»Er ist ein Abenteurer!«
»Und solcher Leute bedient sich mein Neffe?«
»Krieg ist Krieg, Herr Connétable!« entgegnete Théligny lächelnd. Dann wendete er sich an den König und sagte:
»Ich stelle meinen armen Yvonnet unter den Schutz Ew. Majestät und bitte, daß ich ihn mit mir nehmen darf, so wie ich ihn hergebracht habe, was er auch thun und sagen möge.«
»Ihr habt mein Wort!« entgegnete der König. »Holt euern Diener.«
»Wenn es der König erlaubt, so werde ich ihm nur winken und er wird erscheinen.«
»Thut das.«
Théligny trat an das Fenster, das auf den Rasen des Parkes sah, öffnete und rief. Nach fünf Minuten erschien Yvonnet in der Thür in demselben Lederkoller, in demselben braunen Sammetwamms in denselben Stiefeln, wie wir ihn den Lesern schon vorgeführt haben.
In der Hand hielt er dasselbe Barret mit derselben Feder.
Er war nur um zwei Jahre älter geworden.
Eine kupferne Kette, die einmal vergoldet gewesen war, hing von seinem Halse auf die Brust.
Er brauchte sich nur einmal umzusehen, um zu erkennen, wen er vor sich habe, und er erkannte ohne Zweifel den König oder den Connétable, vielleicht sogar Beide, denn er blieb ehrerbietig an der Thür.
»Komm nur näher, Yvonnet,« sagte der Lieutenant. »Du stehst vor Sr. Majestät dem König Heinrich II. und dem Herrn Connétable, die Dich zu sehen wünschten, nachdem ich deine Verdienste gerühmt.«
Zum großen Erstaunen des Connétable schien sich Yvonnet gar nicht zu wundern, daß seine Verdienste ihm solche Gunst gewonnen.
»Ich danke, Herr Lieutenant,« sagte Yvonnet, der drei Schritte vortrat und dann halb aus Mißtrauen halb aus Ehrfurcht stehen blieb, »meine Verdienste, so klein sie sind, lege ich Sr. Majestät zu Füßen und stelle mich dem Herrn Connétable zu Diensten.«
Der König bemerkte wohl, wie verschieden er seine Huldigung aussprach. Dies fiel wahrscheinlich auch dem Connétable auf, denn er sagte:
»Schon gut, schon gut, keine Redensarten, Stutzer! Man antwortet bestimmt oder…«
Yvonnet sah Théligny von der Seite an, als wolle er in fragen: »Bin ich hier einer Gefahr ausgesetzt oder erweiset man mir eine Ehre?«
Théligny begann nach dem Wunsche des Königs und auf dessen Versprechen vertrauend das Verhör.
»Lieber Yvonnet,« sagte er, »der König weiß, daß Du ein galanter Mann, bei den Schönen beliebt bist und alles Geld, das Du durch Klugheit und Muth erlangst, auf deinen Anzug verwendest. Der König will deine Klugheit sofort, deinen Muth später erproben und hat mich beauftragt, Dir zehn Goldthaler zu bieten, wenn Du ihm oder dem Herrn Connétable einige bestimmte Auskunft über die Stadt St.-Quentin geben willst.«
»Hat mein Lieutenant Sr. Majestät zu sagen die Güte gehabt, daß ich zu einer Gesellschaft gehöre, welche geschworen hat, die Hälfte des Verdienstes eines Jeden in eine gemeinsame Casse zu legen, so daß also von den zehn Goldthalern, die mir geboten werden, für mich nur fünf bleiben, die andern fünf aber in die Casse fließen?«
»Was hindert Dich, Schwachkopf, sie alle zehn zu behalten und von deinem Glücke nichts zu sagen?« fiel der Connétable ein.
»Mein Wort, Herr Connétable. Hm! Wir sind zu kleine Leute, als daß wir unser Wort brechen dürfen.«
»Sire,« bemerkte der Connétable, »ich traue allen denen nicht, welche alles nur für Geld thun wollen.«
Yvonnet verbeugte sich vor dem Könige und sagte: »Ich bitte Ew. Majestät um die Erlaubniß zwei Worte sagen zu dürfen.«
»Dieser Kerl…«
»Connétable,« fiel der König ein, »ich bitte…« Und lächelnd setzte er hinzu:
»Sprich Du.«
Der Connétable zuckte die Achseln, trat drei Schritte zurück und ging auf und ab, als wolle er von dem Gespräch nichts weiter hören.
»Sire,« sagte Yvonnet mit einer Anmuth, welche einem vollendeten Hofmanne Ehre gemacht haben würde, »ich ersuche Ew. Majestät sich erinnern zu wollen, daß ich keinen Preis auf die kleinen oder großen Dienste gesetzt habe, die ich Euch leisten kann und als ergebener und gehorsamer Unterthan leisten muß; mein Lieutenant, Herr von Théligny, hat von zehn Goldthalern gesprochen. Da Ew. Majestät ganz gewiß von der Gesellschaft nichts weiß, welche zwischen mir und acht Cameraden im Dienste des Herrn Admirals besteht, so glaubte ich davon sprechen zu müssen, weil Ihr mir zehn Goldthaler zu geben glaubtet, mir aber nur fünf geben würdet, da die fünf andern in die gemeinschaftliche Casse fließen müssen. Möge Ew. Majestät jetzt mich zu befragen geruhen; ich bin bereit zu antworten und zwar ohne daß von fünf, zehn oder zwanzig Goldthalern die Rede ist, rein und einfach aus Ehrfurcht, aus Gehorsam und Hingebung, die ich meinem Könige schuldig bin.«
Der Abenteurer verbeugte sich vor Heinrich so würdevoll, als wäre er der Gesandte eines italienischen oder deutschen Fürsten gewesen.
»Ganz recht,« entgegnete der Königs »rechnen wir nicht vorher, Ihr werdet Euch wohl dabei befinden.«
Yvonnet lächelte, was bedeutete: »Oh ich weiß schon, mit wem ich es zu thun habe.«
Aber alle diese kleinen Verzögerungen reizten die Ungeduld des Connétable, der sich wieder an den jungen Mann stellte, mit dem Fuße stampfte und sagte:
»Nun, da die Bedingungen gemacht, wirst Du mir sagen, Kerl, was Du von St.-Quentin weißt?«
Yvonnet sah den Connétable an und antwortete mit dem jovialen neckischen Gesicht, welches den Parisern eigen ist:
»St.-Quentin? St.-Quentin ist eine Stadt an der Somme, sechs Stunden von La Fère, dreizehn Stunden von Laon, vierunddreißig Stunden von Paris, sie hat zwanzigtausend Einwohner und eine Stadtbehörde von fünfundzwanzig Personen, nemlich einen regierenden Bürgermeister, einen abtretenden Bürgermeister, elf Geschworne, elf Schöppen. Diese Behörde wählt selbst ihre Nachfolger, welche sie nach einem Parlamentsbeschlusse vom 16. December 1335 und einer Charte des Königs Carl V. vom Jahre 1412 unter den Bürgern wählt.«
»Na, na, na!« rief der Connétable. »Was soll das? Ich will wissen was Du von St.-Quentin weißt, Kerl!«
»Ich sage Euch ja eben, was ich weiß und ich kann meine Angaben verbürgen, denn ich habe sie von meinem Freunde Maldent, der aus Noyen stammt und drei Jahre bei einem Sachwalter in St.-Quentin war.«
»Sire,« fiel der Connétable ein, »glaubt mir, wir bringen aus dem Kerl nichts heraus, so lange er nicht auf dem hölzernen Pferde sitzt und an jedem Beine vier Zwölfpfünder trägt.«
Yvonnet verzog keine Miene.
»Ich bin doch nicht ganz eurer Meinung, Connétable; ich glaube nur, daß wir nichts aus ihm bringen, so lange wir ihn fragen, daß er aber alles sagen wird, was wir zu wissen wünschen, wenn wir ihn durch Herrn von Théligny befragen lassen. Wenn er weiß, was er eben gesagt hat, so weiß er gewiß auch mehr. Nicht wahr, Yvonnet, Du hast nicht blos die Geographie und die Constitution der Stadt St.-Quentin studirt, sondern kennst auch den Zustand ihrer Wälle und die Stimmung der Bewohner?«
»Möge mein Lieutenant mich befragen oder der König mir die Ehre erzeigen, die Fragen an mich zu richten, auf die er eine Antwort wünscht, und ich werde mein Bestes thun, meinen Lieutenant zu befriedigen oder dem Könige zu gehorchen.«
»Der Kerl fließt über von Süßigkeit!« murmelte der Connétable.
»Nun, lieber Yvonnet,« sagte Théligny, »beweise Sr. Majestät, daß ich nicht gelogen als ich ihm deine Klugheit rühmte, und sage ihm und dem Herrn Connétable, in welchem Zustande sich die Wälle der Stadt in diesem Augenblicke befinden.«
Yvonnet schüttelte den Kopf.
»Er weiß nichts!« fiel der Connétable ein.
»Sire,« antwortete Yvonnet, den die Bemerkung des Connétable an der Ambition faßte, »ich werde die Ehre haben, Ew. Majestät zu sagen, daß die Stadt St.-Quentin kaum vor einem Handstreiche geschützt ist, weil sie nicht weiß, daß sie irgend einer Gefahr ausgesetzt ist und folglich auch an eine Vertheidigung nicht gedacht hat.»
»Aber sie hat Wälle?« fragte der König.
»Allerdings,« antwortete Yvonnet, »Wälle mit runden und viereckigen Thürmen, die durch Courtinen verbunden sind und mit zwei Hornwerken, von denen das eine die Inselvorstadt vertheidigt; Brustwehren fehlen und es ist nur ein Graben vorhanden; an vielen Stellen ragen die Höhen in der Nähe darüber hinaus und selbst mehre Häuser am Rande des äußern Grabens; rechts vom Wege nach Guise zwischen der Somme und dem Inselthore ist die alte Mauer – so heißt der Wall an dieser Stelle – dermaßen verfallen, daß ein halbwegs gewandter Mann sie leicht ersteigen kann.«
»Kerl, wenn Du Ingenieur bist, warum sagtest Du es nicht gleich?« rief der Connétable aus.
»Ich bin nicht Ingenieur, Herr Connétable.«
»Was bist Du sonst?«
Yvonnet schlug die Augen mit affectirter Bescheidenheit nieder.
»Er ist verliebt, Herr Connétable,« antwortete Théligny. »Um zu seiner Geliebten zu gelangen, welche in der Inselvorstadt, in der Nähe des Thores derselben, wohnt, mußte er den Zustand der Mauer genau kennen lernen.«
»Das ist ein Grund,« sagte der Connétable.
»Nun weiter,« fiel der König ein, »und ich werde Dir ein schönes goldenes Kreuz gehen, das Du deinem Mädchen bringst, sobald Du sie wieder besuchst.«
»Nun, nie wird ein goldenes Kreuz, das kann ich mit Gewißheit behaupten, an einem schönern Halse geglänzt haben, Sire, als an Gudula’s.«
»Ich glaube gar, der Kerl will uns nun sein Mädchen beschreiben,« sagte der Connétable.
»Warum nicht, Vetter, wenn sie hübsch ist?« fragte der König lächelnd.
»Du bekommst das Kreuz, Yvonnet. Sage aber, ist wenigstens eine Besatzung in St.-Quentin?«
»Nein.«
»Nein?« wiederholte der Connétable. »Warum nicht?«
»Weil die Stadt quartierfrei und die Vertheidigung derselben ein Recht der Bürgerschaft ist, auf das man viel hält.«
»Die Bürgerschaft! Recht!… Sire, glaubt mir, es geht alles schlecht, so lange die Bürgerschaft, die Gemeinden, Gott weiß was für Rechte in Anspruch nehmen, die sie wer weiß woher haben.«
»Woher? das will ich Euch sagen, Vetter: von den Königen, meinen Vorgängern.«
»Ew. Majestät beauftragt mich, der Bürgerschaft die Rechte wieder zu nehmen und die Sache wird schnell gethan seyn.«
»Das werden wir uns später überlegen, lieber Connétable; vor der Hand wollen wir uns mit dem Spanier beschäftigen, das ist die Hauptsache. Es muß eine tüchtige Besatzung nach St.-Quentin gelegt werden.«
»Darüber unterhandelte der Herr Admiral eben als ich abreiste,« sagte Théligny.
»Und er wird seinen Zweck erreicht haben,« bemerkte Yvonnet, »da er Meister Johann Pauquet für sich hatte.«
»Wer ist der Meister Johann Pauquet?« fragte der König.
»Der Oheim Gudula’s, Sire,« antwortete Yvonnet in einem Tone, aus welchem ziemliche Eitelkeit sprach.
»Wie, Kerl,« fiel der Connétable ein, »Du machst der Nichte einer Magistratsperson den Hof?«
»Johann Pauquet ist keine Magistratsperson, Herr Connétable.«
»Was ist dein Pauquet sonst?«
»Der Syndicus der Weber.«
»Herr Jesus!« rief der Connétable aus. »In welcher Zeit leben wir, daß man mit einem Syndicus der Weber unterhandeln muß, wenn es dem Könige beliebt, eine Besatzung in eine Stadt zu legen! Sage deinem Hans Pauquet, ich würde ihn hängen lassen, wenn er den Soldaten, die ich schicken werde, nicht nur die Thore der Stadt, sondern auch die Thüre seines Hauses aufmachte.«
»Ich glaube, der Herr Connétable wird wohl thun, wenn er die Sache durch Herrn Chatillon leiten läßt,« entgegnete Yvonnet kopfschüttelnd, »der weiß besser wie man mit Johann Pauquet spricht.«
»Kerl, willst Du raisonniren?« fiel der Connétable mir einer drohenden Geberde ein.
»Vetter, Vetter,« sagte Heinrich, »ich bitte, laßt den Mann ausreden. Ihr werdet Euch selbst von der Wahrheit seiner Angaben überzeugen können, da die Armee unter eurem Befehl steht und Ihr sobald als möglich Euch zu derselben begebt.«
»Und morgen schon!« entgegnete der Connétable. »Es juckt mich die Bürger zur Raison zu bringen… Ein Weber-Syndicus!… Ein schöner Kerl zum Unterhandeln mit einem Admiral! Pfui!«
Und er trat ärgerlich an ein Fenster.
»Ist der Zugang zur Stadt leicht?« fragte der König.
»Von drei Seiten ja, Sire: von der Inselvorstadt, von Rémicourt und von der Capelle her; von Tourrival aber geht es durch den Sumpf von Grosnard, der gefährlich ist.«
Der Connétable war wieder näher getreten, um diese Einzelheiten zu hören, die ihn interessierten.
»Würdest Du Dich im Nothfalle verpflichten, ein Truppencorps durch den Sumpf in die Stadt oder aus der Stadt zu führen?«
»Ohne Zweifel, aber ich habe dem Herrn Connétable bereits gesagt, daß einer aus unserer Verbindung oder Gesellschaft, Maldent, dies noch besser thun könnte, weil er drei Jahre in St.-Quentin wohnte, während ich nur in der Nacht in der Stadt war und den Weg immer sehr schnell machte.«
»Warum schnell?«
»Weil ich in der Nacht und allein mich fürchte.«
»Du fürchtest Dich? Und das gestehst Du?«
»Warum nicht, weil es so ist? Ich fürchte mich vor den Sterblichen, den Gespenstern und Werwölfen.«
Der Connétable lachte laut aus, während es Yvonnet eiskalt über den Rücken lief.
»Mein lieber Théligny,« entgegnete der Connétable, »ich gratuliere zu dem Knappen; ich werde ihn in der Nacht nicht benutzen.«
»Es wird besser seyn, wenn Ihr mich am Tage verwendet.«
»Und wenn man Dich in der Nacht zu Gudula gehen lässet, nicht wahr?«
»Herr Connétable, meine Besuche bei ihr sind nicht nutzlos gewesen, wie Ihr seht, und der König ist auch der Meinung, da er mir ein Kreuz versprochen hat.«
»Herr Connétable, lasset dem jungen Mann vierzig Goldthaler für die Nachrichten zahlen, die er uns gegeben hat und für die Dienste, die er uns weiter leisten will. Besonders fügt zehn Thaler dazu für ein Kreuz.«
Der Connétable zuckte die Achseln und brummte:
»Vierzig Thaler? Vierzig Hiebe!«
»Ihr hört, Vetter, ich habe mein Wort gegeben; sorgt dafür, daß darnach geschehe.« Zu Théligny fügte er hinzu: »Herr Lieutenant, der Herr Connétable wird anordnen, daß Ihr Pferde hier und in Compiègne findet, damit Ihr rasch vorwärts kommt. Scheut Euch nicht sie todt zu reiten, wenn Ihr nur morgen in Fère ankommt. Der Admiral kann nicht schnell genug erfahren, daß der Krieg erklärt ist.
Der Lieutenant und Yvonnet verbeugten sich und folgten dem Connétable.
Zehn Minuten später jagten sie fort, und der Connétable begab sich wieder zu dem Könige.
