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Kitabı oku: «Der Page des Herzogs von Savoyen», sayfa 18

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Bald wirbelten die Trommeln zum Zeichen, daß alle Nichtstreiter sich von den Wällen und Thürmen zu entfernen hätten.

Endlich blieben in der ganzen Linie nur die Kämpfenden zurück, die schweigend da standen wie stets die Menschen bei der Annäherung der Gefahr.

Man erkannte bereits deutlich den Vortrab.

Er bestand aus den Pistolenschützen, die zwischen Rouvroy und Harly über die Somme gegangen waren und schnell sich um die ganze Stadt verbreiteten.11

Hinter den Pistolenschützen folgten drei- bis viertausend Mann, in denen man an der Regelmäßigkeit ihres Marsches einen Theil jener alten spanischen Schaaren erkennen konnte, welche für die besten Truppen in der Welt galten. Sie gingen ebenfalls über die Somme und nahmen ihre Richtung nach der Inselvorstadt.

»Alles wohl erwogen, Yvonnet,« sagte Théligny, »so glaube ich, der Tanz wird nach dem Hause deines Schatzes zu losgehen. Wenn Du zusehen willst, komm mit.«

»Recht gern, Herr Lieutenant,« antwortete Yvonnet, dem es bereits schauernd über alle Glieder lief wie im Anfange jedes Kampfes.

Er preßte die Lippen zusammen, während sein Gesicht leicht erbleichte, und wendete sich nach dem Inselthore hin, nachdem Théligny die Hälfte seiner Mannschaft führte, während die Uebrigen bei den Bürgern blieben, um dieselben zu unterstützen und ihnen im Nothfalle mit gutem Beispiele voranzugehen.

Man gelangte in die Inselvorstadt. Yvonnet ritt vielleicht hundert Schritte voraus, so daß er Zeit hatte, an dem Fenster Gudula’s anzuklopfen, die erschrocken aufmachte, um dem Mädchen den Rath zu geben, in das Erdgeschoß zu gehen, weil aller Wahrscheinlichkeit nach die Kugeln bald kommen und die Häuser begrüßen würden.

Er hatte noch nicht ausgesprochen als eine Kugel in den Giebel des Hauses schlug.

Yvonnet klammerte sich mit den Händen an dem Fenster an, suchte mit seinen Lippen unter den Blumen die zitternden Lippen des Mädchens, drückte einen gar zärtlichen Kuß darauf und sagte:

»Wenn mir was Menschliches begegnet, Gudula, so vergiß mich nicht gar zu bald und wenn Du mich vergißt, thu’s nicht um einen Engländer, Deutschen, Spanier.«

Ohne auf die Betheuerung des Mädchens zu warten, daß sie ihn ewig lieben werde, entfernte er sich nach der alten Mauer zu und befand sich da ziemlich an der Stelle, wo er bei seinen nächtlichen Wanderungen gewöhnlich übergestiegen war.

Da begann Tanz und Musik, wie Théligny vorhergesagt hatte.

Die Musik war geräuschvoll genug und die, welche sie hörten, bückten sich mehr als einmal; allmälig aber gewöhnten selbst die Bürger, die anfangs von den Soldaten ausgelacht wurden, sich an die Sache und dann wurden sie wohl gar noch eifriger als die Andern.

Die Spanier rückten unterdeß in solcher Macht heran, daß die Bürger und Soldaten den ersten Wall, den sie zu vertheidigen beabsichtigt hatten, verlassen mußten, denn er hatte keine Brustlehne und wurde überall von den umliegenden Höhen beherrscht, war also nicht zu halten. Sie zogen sich demnach in guter Ordnung zurück, ließen drei Todte auf der Stelle, nahmen aber ihre Verwundeten mit.

Yvonnet schleppte einen Spanier, dem er seinen Degen durch den Leib gestoßen und die Büchse abgenommen hatte, da er ihm aber die Patronen nicht hatte noch abnehmen können, so nahm er den ganzen Mann mit, wahrscheinlich weil er hoffte, seine Mühe werde nicht umsonst und auch in den Taschen des Todten etwas zu finden seyn.

Dieses gute Zutrauen lohnte sich; außer dem dreimonatlichen Solde, welcher am Tage vorher an die Spanier bezahlt worden war, um ihnen Muth zu machen, besaß jeder auch sonst etwas, da sie seit fünf bis sechs Tagen geplündert hatten. Wir wissen nicht, ob der Spanier Yvonnet’s mehr oder weniger als die Andern geplündert hatte. Yvonnet schien aber mit dem Inhalt der Tasche ganz wohl zufrieden zu seyn.

Hinter den Soldaten Théligny’s und den Bürgern nahmen die beiden spanischen Anführer, Julian Romeron und Carondelet von dem äußern Walle Besitz und bemächtigten sich aller Häuser, die an der Straße von Guise so wie an der von Fère standen und die Obervorstadt bildeten; als sie aber über den Raum zwischen dem äußern Walle und der alten Mauer rücken wollten, wurden sie von einem so wohl genährten Feuer empfangen, daß sie nach den Häusern zurückgehen mußten, aus deren Fenstern sie schossen, bis die Dunkelheit dem Kampf ein Ende machte.

Erst da glaubte Yvonnet sich umsehen zu dürfen. Da sah er kaum zehn Schritte hinter sich und über die Böschung des Walles hervorragend, das blasse Gesicht eines reizenden Mädchens, das unter dem Vorwande sich zu überzeugen, ob ihr Vater da sey, sich trotz des Verbotes daher gewagt hatte.

Er blickte von dem Mädchen auf seinen Lieutenant.

»Yvonnet,« sagte der Letztere, »zwei Tage und zwei Nächte bist Du im Dienst; Du wirst müde seyn; überlaß Anderen die Sorge an dem Walle zu wachen und ruhe bis morgen aus. Du wirst mich immer da finden, wo das Feuer ist.«

Yvonnet ließ sich das nicht zweimal sagen, sah nach Gudula und ging scheinbar, ohne sich um das Mädchen zu kümmern fort, als begebe er sich in die Stadt.

Wahrscheinlich in Folge der Dunkelheit verirrte er sich, denn nach zehn Minuten war er wieder in dem Gäßchen, vor dem Fensterchen auf dem Prellsteine.

Yvonnet hielt sich da fest an zwei weiße Händchen die alsbald aus dem Fenster sich herausstreckten und ihn so geschickt hineinzogen, daß man leicht erkannte, es geschehe dies nicht das erste Mal.

Das was wir hier erzählt haben geschah am 2. August 1557.

III.
Der Admiral hält sein Wort

Malemort hatte, wie man vorausgesehen, die sechs Stunden zwischen St.-Quentin und dem Lager zu Fère sehr schnell zurückgelegt.

Nach kaum anderthalb Stunden war er an der Thür des Admirals. Wenn man bei dem Anblicke dieses Mannes, der im Galopp mit blutbefleckten Kleidern und verbundenem Gesicht ankam, auch Malemort durchaus nicht erkennen konnte, so war es doch nicht schwer, in ihm einen Unglücksboten zu errathen.

Er wurde sofort zu dem Herrn von Coligny geführt.

Der Admiral war in Gesellschaft seines Oheims, des Connétable, der eben angekommen.

Malemort berichtete die Einnahme von Origny, die Niedermetzlung derer, welche das Castell vertheidigen wollten, die Verbrennung der Dörfer in der Richtung, in welcher das spanische Heer vorgerückt.

Sofort wurden die Rollen zwischen Oheim und Neffen vertheilt.

Coligny sollte unmittelbar mit fünf- bis sechshundert Mann aufbrechen um sich in St.-Quentin einzuschließen und da bis aufs Aeußerste auszuhalten.

Der Connétable wollte sich mit den übrigen Soldaten im Lager mit dem Heere des Herzogs von Nevers vereinigen, das nur acht- bis neuntausend Mann stark, also zu schwach war, um das spanische anzugreifen welches fünfzigtausend Kampffähige zählte, und dasselbe demnach nur beobachtete, um von jeder Gelegenheit Nutzen zu ziehen.

Der Admiral ließ sofort zum Aufsitzen blasen und zum Aufbruch trommeln, beschloß aber auf den Rath Maldent’s, den er als Führer gewählt hatte, nicht den unmittelbaren Weg zu nehmen, sondern jenen über Ham einzuschlagen. Nach den erhaltenen Angaben meinte er, die Spanier würden Saint-Quentin von Rémicourt, der Johannes- und der Inselvorstadt angreifen und erwartete demnach von jeder dieser drei Seiten Bekämpfung seines Planes.

Der einzige Weg, welcher Maldent’s Ansicht nach noch frei seyn konnte, war der von Ham nach Saint-Quentin, welcher durch Sümpfe führte, in die sich ein mit der Oertlichkeit nicht genau Bekannter gar nicht wagen konnte.

Der Admiral nahm drei Compagnieen Fußvolk mit sich, die von den Hauptleuten Saint-André, Rambouillet und Ludwig Roy geführt wurden; die dritte aber, die erst denselben Tag aus der Gascogne angekommen, war so ermüdet, daß sie unterwegs blieb zwischen Fère und Ham.

In dem Augenblicke als der Connétable und der Admiral Fère verließen – der Admiral auf seinem Wege nach Ham, der Connétable ihn begleitend – sahen sie mitten auf dem Wege einen großen schwarzen Hund sitzen, der mit aller Macht zu heulen anfing. Man jagte ihn fort, aber er lief etwa hundert Schritte weiter, setzte sich dann wieder wie vorher mitten in den Weg und heulte noch schauerlicher als das erste Mal. Als er von neuem vertrieben wurde, machte er es wieder so und er heulte noch verzweiflungsvoller.

Da sah der Connétable Coligny an und fragte:

»Was meinst Du dazu, Neffe?«

»Es ist eine sehr unangenehme Musik,« antwortete der Admiral, »und ich glaube wir werden die Komödie dazu liefern.

»Ja, vielleicht aber auch die Tragödie,« antwortete der Connétable.12

Nach dieser Prophezeiung umarmten einander Oheim und Neffe, der Admiral setzte seinen Weg nach Ham fort, der Connétable aber kehrte nach Fère zurück, das er denselben Abend noch verließ, aber als er aus der Stadt kam, erwartete ihn eine andere Verkündigung.

Er war kaum eine Stunde auf dem Wege nach Laon hingeritten, als ein Pilger in einem langen Gewande und mit einem langen Barte seinem Pferde in den Zügel fiel und ihm zurief:

»Montmorency! Montmorency! Ich melde Dir, daß nach drei Tagen dein ganzer Ruhm Staub seyn wird.

»Mag seyn,« antwortete der Connétable, »ich melde Dir, daß vorher deine Kinnlade zerbrochen seyn wird.«

Damit gab er ihm einen so derben Faustschlag, daß der arme Prophet ohnmächtig und mit verrenkter Kinnlade niederfiel.13

Der Connétable setzte seinen Weg fort, wie es der Admiral gethan hatte, jeder mit einer schlimmen Anzeige.

Gegen fünf Uhr Abends kam der Admiral in Ham an. Er hatte die Absicht, seinen Weg ohne Aufenthalt bis Saint-Quentin fortzusetzen. Demnach brach er, nachdem er seinen Leuten eine Stunde Rast gegönnt hatte, mit zwei Compagnien und seinen Gendarmen auf.

Die Herren von Jarnac und von Luzarche hatten in Ham alles aufgeboten, um ihn zurückzuhalten, indem sie ihn darauf hinwiesen, welche Dienste er im freien Felde leisten könnte, und sich sogar erboten, an seiner Statt in Saint-Quentin sich einzuschließen; aber er hatte geantwortet:

»Lieber will ich alles verlieren, was ich habe, als den braven Leuten, die ihre Stadt vertheidigen wollen, die versprochene Hilfe nicht bringen.«

Er brach auf.

An dem Thore von Ham begegnete er dem Abte von Saint-Prix. Der Prälat hieß Jacob von La Motte, war Canonicus von Saint-Quentin, Chartres, Paris und Le Mans und besaß außerdem zwei Prioreien. Da Coligny glaubte, der Prälat komme von Saint-Quentin, so ritt er zu ihm.

Der Abt hatte bei den ersten Kanonenschüssen gegen die Stadt dieselbe verlassen und wollte in der Eile den König von der Lage Saint-Quentins benachrichtigen, sowie ihn um Hilfe bitten.

»Herr Abt,« sagte der Admiral, »da Ihr zu dem Könige geht, sagt Sr. Majestät, daß Ihr mir an der Spitze einer guten Schaar begegnet, und daß wir diese Nacht um Gottes Hilfe nach Saint-Quentin zu kommen gedenken, wo ich ihm gute Dienste zu leisten hoffe.«

Und er setzte seinen Weg fort.

Eine Stunde weiter hin bemerkte er, daß die Flüchtlinge von Origny, und den andern Dörfern in der Umgegend von Saint-Quentin in der Stadt keine Zuflucht gefunden hatten und weiter hinfliehen mußten. Die Unglücklichen waren ganz erschöpft; Einige schleppten sich noch fort, andere aber lagen halb verhungert und erschöpft unter den Bäumen.

Der Admiral ließ Einiges unter sie vertheilen und setzte seinen Weg fort.

Zwei Stunden von Saint-Quentin überfiel ihn die Nacht, aber Maldent war ja bei ihm; er bürgte für alle, die ihm folgen wollten, und erbot sich, wahrscheinlich weil er auf eine gute Belohnung zuletzt wartete, mit einem Stricke um den Hals vor dem Pferde des Admirals zu gehen.

Die Compagnie Rambouillet’s schlug den bezeichneten Weg ein, der Hauptmann Saint-André behauptete aber, einen guten Führer zu haben und bat seinen eigenen Weg gehen zu dürfen.

Es war ein Jeder so ganz auf sich angewiesen, daß der Admiral nicht zu verlangen wagte, es solle sich jeder so wie er auf Maldent verlassen.

Saint-André zog demnach seinen Weg und der Admiral den seinen.

Es zeigte sich kein Hinderniß auf dem Wege nach Saint-Quentin. Die Stadt war noch nicht ganz eingeschlossen; man hatte die eine Seite den Engländern vorbehalten, die jeden Augenblick erwartet wurden, und gerade auf dieser Seite erschien der Admiral.

Auf der Höhe von Savy, d.h. drei Viertelstunde vor der Stadt, hatte man sich vorsichtig umgesehen und auch an den Feuern des feindlichen Heeres erkannt, daß gleichsam der Weg absichtlich für die kleine Schaar des Admirals freigelassen sey.

Er fürchtete deshalb einen Hinterhalt.

Procop, der in seinem Umgange den picardischen Dialect erlernt hatte, erbot sich auf Entdeckung auszugehen.

Der Admiral nahm dies an und ließ Halt machen.

Nach drei Viertelstunden kam Procop zurück und meldete, daß der Weg vollkommen frei sey und er so weit habe an den Wall kommen können, daß er die Wachen darauf gesehen. Er habe überdies über den kleinen Flußarm, der (damals) an der Mauer fließe, der Wache gepfiffen, und als diese aufmerksam geworden, leise die Ankunft des Admirals gemeldet, so daß der Posten am Thore bereits benachrichtigt sey und der Admiral sofort einrücken könne.

Coligny billigte alles, was Procop gethan hatte, und brach ruhiger wieder auf.

Dreißig Schritte vom Thore erhob sich ein Mann in einem Graben. Er hatte ein Pistol in der Hand und war bereit Feuer zu geben, wenn die vorrückende Schaar eine feindliche sey.

Man sah auf den Wällen etwas wie einen dichten Schatten: hundert Mann waren an den Punkt beordert worden für den Fall, daß hinter der Anzeige an die Wache eine List des Feindes verborgen liege.

Der Mann mit dem Pistol, der gleichsam aus der Erde emporgewachsen, war der Lieutenant Théligny. Jetzt trat er vor und sagte:

»Frankreich und Théligny.«

»Frankreich und Théligny,« antwortete der Admiral.

Es war also die versprochene Verstärkung und man öffnete das Thor.

Der Admiral mit seinen hundert Mann zog ein.

Sogleich verbreitete sich in der Stadt die Nachricht von dieser Ankunft; die Leute traten laut jubelnd, halb bekleidet, aus ihren Häusern; viele wollten illuminiren; einige hatten schon angefangen.

Der Admiral gebot zu schweigen und die Lichter auszulöschen, denn, er fürchtete, daß die feindliche Armee aufmerksam und doppelt wachsam werde. Saint-André war ja auch mit seinen Leuten noch nicht angekommen.

Gegen drei Uhr Früh hatte man von ihnen noch nichts gehört.

Da der Tag bald anbrechen mußte und es von Wichtigkeit war, daß sie nicht unter die Spanier geriethen, ging Lactantius mit sechs oder acht seiner Jacobiner hinaus.

Die Mönche, welche ihre Tracht vor jedem Verdachte schützte, wollten sich in der Umgegend zerstreuen und die verirrte Compagnie sammeln.

Das Anerbieten wurde angenommen und sie machten sich auf den Weg.

Zwischen vier und fünf Uhr erschien ein erstes Häuflein von sechzig Mann mit zwei Mönchen.

Gegen sechs Uhr fand sich ein zweites von fünfundfünfzig bis sechzig Mann mit einem andern Mönche ein. Dabei war der Hauptmann Saint-André.

Ihr Führer hatte sich verirrt und sie mit irregeführt.

Die andern Mönche kamen nach einander zurück, und unter Gottes Schutz war diesmal Niemanden ein Unglück geschehen.

Sobald die Letztere angekommen waren, ließ Coligny Appell schlagen.

Die Besatzung war durch ihn um zweihundertundfünfzig Mann verstärkt worden. Zwar war dies der Zahl nach eine kleine Hilfe, aber die Anwesenheit dessen, der, sie brachte, hatte den Furchtsamsten wieder Muth gegeben und dadurch allein schon mächtig gewirkt.

Théligny, der Bürgermeister und der Gouverneur der Stadt berichteten dem Admiral genau, was am Tage vorher geschehen war und Coligny, der sich mehr und mehr überzeugte, daß die Inselvorstadt bis zum Aeußersten vertheidigt werden müsse, wendete sich zunächst dahin. Auf der alten Mauer, wo die Kugeln um ihn pfiffen, beschloß er, daß man noch denselben Tag, gegen Abend, einen Ausfall machen wolle, um die nächsten Häuser anzuzünden, von denen aus die Spanier fortwährend die Soldaten auf den Wällen beunruhigten. Wenn dies gelang und man den Belagerern den Außenwall wieder abnahm, dessen sie sich am vorigen Tage bemächtigt hatten, so konnte man einen Laufgraben von der alten Mauer ziehen und die Courtinen vor dem Feuer des Feindes decken.

Bis dahin und um alle möglichen Mittel der Vertheidigung auf diesem Punkt zu concentriren, befahl der Admiral an jeder Seite des Walles eine Schießscharte zu öffnen, an die man zwei Geschütze führte.

Nachdem diese ersten dringenden Maßregeln getroffen waren, dachte Coligny daran, daß es Zeit sey, die Zahl und den Werth des Feindes zu erforschen, mit dem er es zu thun haben sollte.

Nach den Fähnchen auf den Zelten war die Nation leicht zu erkennen, welcher die Soldaten angehörten, wie die Fürsten, die sie befehligten.

An der Stelle, wo sich der Admiral befand, nemlich auf dem am weitesten vorspringenden Winkel der alten Mauer, hatte der Admiral drei vollkommen getrennte Lager vor sich, deren jedes sich auf einem Hügel befand.

Das entfernteste war das des Grafen von Schwarzenberg.

Das mittlere war jenes der Grafen von Egmont und Horn, die beiden Unzertrennlichen, die selbst der Tod nicht zu scheiden vermochte.

Das nächste Lager war das Emanuel Philiberts.

Vor sich hatte der Admiral die spanischen Truppen, gegen welche man am Tage vorher gekämpft unter Don Julian Romeron und Carondelet.

Links endlich ragte die äußerste Spitze des Hauptlagers vor.

Dieses Lager, welches fast eine halbe Stunde Raum bedeckte und in dem der Herzog von Savoyen später seine Zelte aufschlug, war fast ganz von dem Flusse, der Somme, umgeben, welche einen Halbkreis von ihrem Ursprunge bis dahin bildet, wo sie zwischen St.-Quentin und der Inselvorstadt durchgeht.

In diesem Lager befanden sich die Quartiere des Feldmarschalls von Binincourt, des Markgrafen von Berg, des Markgrafen von Valle, des Herzogs von Saïmona, des Grafen von Schwarzenberg, des Grafen von Mansfeld, Bernhards von Mendoza, Ferdinands von Gonzaga, des Bischofs von Arras, des Grafen von Feria, des Grafen Rinago, des Grafen von Veaugier, des Marschalls von Carcheris, des Herzogs Erich von Braunschweig, des Herzogs Ernst von Braunschweig, des Don Johan Manrique, des Herrn von Bouffu, des Herrn von Parlaymont, des Grafen von Mégue, des Herrn Lazari von Schwendy, das Quartier der schweren Reiterei und der Hellebardiere.

Der Inselvorstadt gerade gegenüber war das flamändische Lager und da stand eine Batterie, die ein solches Feuer gab, daß der Weg, von wo sie schoß, bis auf den heutigen Tag das Höllengäßchen heißt.

Nach dieser vorläufigen Musterung begab sich der Admiral in das Rathhaus, ordnete an, daß man ihm ein Verzeichniß der kampffähigen Männer gebe, daß man alle Waffen aufsuche, die in der Stadt etwa noch vorhanden seyn könnten, und diejenigen heranziehe, Männer und Frauen, welche an den Erdarbeiten mithelfen wollten, daß man zu diesem Zwecke alle Werkzeuge wie Schaufeln, Hacken, Spaten und Körbe zusammenbringe und daß alles Getreide, Mehl, Wein, Vieh, kurz die Vorräthe sowohl in dem städtischen Magazine als in den Privathäusern aufzeichne, damit Ordnung in den Verbrauch komme und nichts verschwendet werde. Endlich verlangte er ein genaues Verzeichniß nicht nur von dem Geschütz, sondern auch von der Menge des Pulvers, der Kugeln und der Männer, welche die Geschütze bedienen könnten.

Bei dem Umgange, den der Admiral gemacht, hatte er nur zwei Mühlen gesehen: eine Windmühle am Ende der Billonstraße, bei dem rothen Thurme, und eine Wassermühle an der Somme in der unteren Inselvorstadt. Das war offenbar nicht genug zur Lieferung des Mehlbedarfes für eine Stadt von zwanzigtausend Einwohnern.

Er sprach diese Besorgniß aus, aber die Schöffen beruhigten ihn durch die Versicherung, daß es in der Stadt fünfzehn bis sechzehn Handmühlen gebe, welche im Nothfalle allein hinreichen würden, das für die Stadt nöthige Mehl zu liefern.

Dann sorgte Coligny für die Unterkunft der Compagnien, wobei er die Eintheilung der Stadt in vier Viertel wohl annahm, diese vier Viertel aber in sechzehn Theile schied, zu deren Beaufsichtigung er sechzehn Bürger und sechzehn Offiziere einsetzte, damit alle Beschlüsse im Verein gefaßt würden. Die Truppen wurden zur Bewachung der Mauern in Verbindung mit den Bürgern vertheilt. Die Schöffen blieben in permanenter Sitzung, um jeden Augenblick den Anforderungen entsprechen zu können, die an sie gerichtet werden könnten. Endlich stellte der Admiral dem Stadtrathe die Herren vor, die das bildeten, was man heut zu Tage seinen Stab nennt und die seine Mittelspersonen bei der Behörde seyn sollten.

Außerdem wurde der Hauptmann Languetot zum Aufseher der Artillerie ernannt, und man theilte ihm zehn Gendarmen zu, welche nachzusehen hatten, wie viel Pulver bei jedem Geschütze täglich verbraucht werde und überdies dafür sorgen sollten, daß dieses so kostbare Pulver vor jeder Gefahr behütet werde.

Auf der Wanderung über die Wälle hatte Coligny bei dem Johannesthore, etwa hundert Schritte von den Mauern, eine große Anzahl Gärten mit Obstbäumen bemerkt, welche von hohen buschigen Hecken eingeschlossen waren. Diese Hecken boten dem Feinde insofern Schutz, daß er unbemerkt sich den Wällen nähern konnte. Da diese Gärten den angesehensten Bewohnern der Stadt angehörten, so verlangte der Admiral die Zustimmung des Rathes, sie zu beseitigen. Diese Zustimmung wurde ohne alle Schwierigkeit gegeben und gleich darauf erhielten die Zimmerleute in der Stadt den Auftrag die Bäume und Hecken zu beseitigen, die zu Faschinen verwendet werden sollten.

Als Coligny sich so vielfach überzeugt hatte, welch guter Geist in der Stadt herrsche, begab er sich in das Haus des Gouverneurs, wohin er alle Offiziere der Compagnien beschieden hatte.

Er theilte ihnen mit, was er gethan hatte, sprach von dem guten Geiste der Bürgerschaft und von dem Entschlusse derselben, die Stadt auf das Aeußerste zu vertheidigen und forderte sie auf, die schlimme Lage so weit als nur immer möglich zu mildern und ein gutes Einvernehmen zwischen den Soldaten und den Bürgern zu erhalten.

Jeder Hauptmann mußte überdies sofort ein Verzeichniß seiner Compagnie einreichen, damit der Admiral genau die Zahl der Leute kenne, auf die er rechnen dürfe und die er zu erhalten habe.

Endlich begab er sich mit einem Ingenieur zu einem Thurme und zeigte ihm von da, wo man Ausgrabungen zu machen und Erhöhungen zu ebnen habe.

Nachdem Alles besorgt und er mit dem Offizier allein geblieben war, den er an den Connétable zu schicken gedachte, um von demselben eine Verstärkung zu erlangen, während es noch möglich sey den Platz zu verproviantiren, entschied er sich dafür, daß der Weg von Savy, der ganz mit Weinstöcken bedeckt war und zwischen kleinen Hügeln hervor kam, der geeignetste für den Heranzug der Truppen sey. Der Capitän Saint-André war in der That bei hellem Tage ohne gesehen zu werden daher gekommen.

Nun erst dachte Coligny daran, daß er ein Mensch sey, und gönnte sich einige Stunden Ruhe.

11.besetzten das Umfeld der Thore von Rémicourt, Saint-Jean und Ponthoille
12.Mémories de Mergey.
13.Mémories de Melvi.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
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