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Kitabı oku: «Der Page des Herzogs von Savoyen», sayfa 19

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IV.
Das Zelt der Abenteurer

Während alle diese Sicherheitsangelegenheiten getroffen wurden, auf denen die ganze Verantwortlichkeit der Vertheidigung der Stadt lastete und er sodann sich zu einer kurzen Ruhe entschlossen hatte, hatten unsere Abenteurer, die Coligny, unter von Procop entworfenem besondern Vorbehalt, in Sold genommen und nun geduldig auf das erste Kampfsignal warteten, ihr Zelt etwa hundert Schritte von dem Inselthore aufzuschlagen, auf einem freien Platze.

Sie waren alle beisammen und man legte Rechnung ab.

Yvonnet stand da und hatte eben die Hälfte von der Summe, die er von der Freigebigkeit Heinrichs II. erhalten, getreulich der Casse übergeben, eben so Procop die Hälfte des Honorars, das er als Testamentsverfertiger verdient; Maldent die Hälfte seines Führerlohnes; Malemort die Hälfte der Gratification für seinen Ritt zu Coligny und Pille-Trousse endlich die Hälfte des Gewinnes von dem Verkaufe des Fleisches, das die beiden Scharfenstein herbeigebracht.

Die letzteren hatten, da es keinen Kampf gegeben, nichts zur Masse zu zahlen und waren eben damit beschäftigt, ohne sich um die künftigen Bedürfnisse zu kümmern, den letzten Rest des Ochsenviertels zu braten.

Lactantius brachte zwei große Säcke Getreide und einen Sack Bohnen, die er statt des Geldes der Gesellschaft bot, ein Geschenk, welches unseren Abenteurern die Jacobiner machten.

Fracasso suchte noch immer vergeblich einen Reim.

Unter einer Art Schuppen, der in Eile aufgebaut worden war, kaueten die beiden Pferde, das Yvonnet’s und jenes Malemort’s, ihr Stroh und ihren Hafer. In dem Schuppen stand auch eine Handmühle, welche Heinrich und Franz drehen wollten, sobald man sie brauche.

Die Geldangelegenheiten der Gesellschaft standen gut und vierzig Goldthaler sollten in die gemeinschaftliche Casse wandern. Wenn die Gesellschaft unter solchen Bedingungen noch ein Jahr bestand, wollte Procop sich eine Notarstelle, Maldent ein kleines Gut zwischen Fère und Ham, das er lange kannte, kaufen, Yvonnet eine reiche Erbin heirathen, auf deren Hand ihm dann sein Vermögen und seine Eleganz sein doppeltes Recht gaben, Pille-Trousse dagegen in einer großen Stadt oder in der Hauptstadt selbst ein großes Metzgergeschäft anfangen, Fracasso seine Gedichte drucken lassen, Malemort endlich sich auf eigene Rechnung und so lange als es ihm gefiele, schlagen, um vor allen Vorwürfen der Cameraden und Vorgesetzten gesichert zu seyn. Die beiden Scharfenstein hatten keinen besondern Plan.

In dem Augenblicke als Maldent die letzten Goldstücke nochmals überzählte, fiel ein Schatten auf die Abenteurer, welcher andeutete, daß ein Körper zwischen ihnen und dem Lichte stehe.

Procop griff instinctmäßig nach dem Golde und Maldent bedeckte es noch rascher mit seinem Hute.

Yvonnet drehte sich um.

Derselbe junge Mann, welcher in dem Lager zu Fère um sein Pferd gehandelt hatte, stand in dem Zelteingange.

So schnell auch Maldent das Gold mit seinem Hure bedeckte, hatte es der Unbekannte doch gesehen und mit dem raschen Ueberblicke eines Mannes, der mit solchen Berechnungen vertraut ist, sofort erkannt, daß die Summe, die man seinen Blicken zu entziehen sich bemüht, etwa fünfzig Goldthaler betrage.

»Nun,« sagte er, »die Ernte scheint nicht schlecht gewesen zu seyn und es ist demnach die Zeit nicht gut gewählt, Euch ein Geschäft vorzuschlagen; Ihr werdet verflucht viel verlangen.«

»Das kommt aus das Geschäft an,« sagte Procop.

»Es gibt verschiedene Geschäfte,« meinte Maldent.

»Ist Aussicht auf Gewinn außer euren Anträgen?« fragte Pille-Trousse.

»Wenn Hiebe dabei vorkommen, wird man billig seyn,« setzte Malemort hinzu.

»Sobald es keine Unternehmung gegen eine Kirche oder sein Kloster ist, wird es sich wohl machen lassen,« sagte Lactantius.

»Besonders wenn es im Mondenschein geschehen soll,« fiel Fracasso ein, »ich bin für die nächtlichen Unternehmungen, sie allein sind poetisch und malerisch.«

Yvonnet sagte gar nichts, er sah den Fremden an.

Die beiden Scharfenstein waren mit dem Braten des Fleisches beschäftigt.

Alle erwähnten Bemerkungen, welche den Charakter desjenigen bezeichneten, von dem sie ausgingen, kamen fast gleichzeitig aus dem Munde der Abenteurer.

Der junge Mann lächelte.

Er antwortete dann auf alle Fragen zugleich und sah dabei nach der Reihe den der Abenteurer an, welchem der Theil der Antwort galt.

»Die Sache ist wichtig,« sagte er, »sogar von der größten Wichtigkeit, und obgleich außer meinem Antrage Aussicht auf Gewinn ist und viele Hiebe zu geben und zu empfangen seyn werden, gedenke ich Euch doch eine anständige Summe zu bieten, welche Jedem genügen dürfte… Die frommen Gemüther übrigens können sich beruhigen,« setzte er hinzu, »es ist weder von einer Kirche noch von einem Kloster die Rede, wie wir auf der andern Seite, der größeren Sicherheit wegen, wahrscheinlich nur in der Nacht handeln, nur muß ich sagen, daß ich eine dunkle Nacht einer hellen vorziehen würde.«

»In diesem Falle,« sagte Procop, welcher gewöhnlich den Auftrag hatte, für das Interesse der Gesellschaft zu sorgen, »setzt euren Antrag auseinander, man wird dann sehen, ob er annehmbar ist.«

»Es handelt sich darum,« sagte der junge Mann, »daß Ihr Euch verpflichtet, mir entweder bei einem nächtlichen Unternehmen oder bei einem Scharmützel, einem Gefechte oder einer Schlacht an hellem Tage zu folgen.

»Und was hätten wir dabei zu thun?«

»Den anzugreifen, den ich angreifen würde, ihn zu umringen und auf jeden Fall umzubringen.«

»Und wenn er sich ergibt?«

»Ich nehme ihn nicht anders an als auf Gnade und Ungnade.«

»Hm!« sagte Procop, »so ist es ein Haß auf Tod und Leben.«

»Ihr habt es getroffen.«

»Gut!« brummte Malemort, »das nenne ich reden.«

»Aber,« fiel Maldent ein, »wenn das Lösegeld gut wäre, würde es für uns doch vortheilhafter seyn das Lösegeld anzunehmen.«

»Ich werde deshalb auch mit Euch über das Lösegeld so wie über den Tod unterhandeln, damit alles in voraus vorgesehen sey.«

»Das heißt also,« sagte Procop, »Ihr kauft uns den Mann todt oder lebendig ab.«

»Todt oder lebendig, so ist es.«

»Wie viel für den Todten? Wie viel für den Lebendigen?«

»Gleichviel.«

»Gut!« sagte Maldent, »es kommt mir aber doch vor, als wäre ein Lebendiger mehr werth als ein Todter.«

»Nein, denn ich würde den Lebendigen von Euch nur kaufen, um ihn zu einem Todten zu machen«

»Nun wie viel gebt Ihr?« fragte Procop.

»Einen Augenblick,« sagte Yvonnet. »Erst muß Herr von Waldeck sagen, wovon die Rede ist.«

Der junge Mann trat rasch einen Schritt zurück.

»Ihr habt einen Namen ausgesprochen…,« sagte er.

»Der der eurige ist,« fiel Yvonnet ein, während die Abenteurer einander ansahen und zu begreifen anfingen, daß sie ihre Interessen durch den Geliebten Gudula’s führen lassen mußten.

Der junge Mann runzelte die dicken rothen Augenbrauen.

»Woher kennt Ihr mich?« fragte er.

»Soll ich es Euch sagen?« entgegnete Yvonnet.

Waldeck zögerte.

»Gedenkt an das Schloß Parcq,« fuhr der Abenteurer fort.

Waldeck erbleichte.

»Gedenkt an den Wald von Saint-Pol.«

»Eben weil ich daran denke,« sagte Waldeck, »bin ich hier und mache Euch den Antrag.«

»Dann soll der Herzog Emanuel Philibert getödtet werden,« sagte Yvonnet ruhig.

»Ei!« fiel Procop ein, »der Herzog von Savoyen!«

»Ihr seht daß es gut ist, sich genau um eine Sache umzusehen,« meinte Yvonnet zu seinen Cameraden, denen er einen Seitenblick zuwarf.

»Und warum sollte man den Herzog nicht tödten?« fragte Malemort.

»Das sage ich nicht,« entgegnete Procop.

»Das ist etwas Anderes,« meinte Malemort. »Der Herzog von Savoyen ist unser Feind, da wir dem Admiral dienen, und ich sehe nicht ein, warum wir den Herzog nicht ebenso gut umbringen sollten wie einen Andern.«

»Du hast vollkommen Recht, Malemort,« entgegnete Procop, »man kann den Herzog von Savoyen umbringen wie einen Andern, aber… er ist theuer!«

Malemort machte eine zustimmende Bewegung und sagte »Viel theuerer!«

»Ungerechnet,« fiel Lactantius ein, »daß man dabei seine Seele gefährdet.«

»Bah,« entgegnete Waldeck mit boshaftem Lächeln, »glaubst Du, daß Benvenuto Cellini – wenn er nicht einer andern Sache wegen in der Hölle ist – wegen der Ermordung des Connétable von Bourbon verdammt wurde?«

»Der Connétable von Bourbon war ein Rebell, distinguo,« sagte Procop.

»Und excommunicirt,« fiel Lactantius ein, »weil er gegen den Papst Clement VII. kämpfte; es wär ein gutes Werk, ihn zu tödten.«

»Nun freilich, euer Herzog von Savoyen ist ein Freund des Papstes Paul IV.,« entgegnete Waldeck achselzuckend.

»Von allem dem ist nicht die Rede,« sagte Pille-Trousse, »sondern von dem Preise.«

»So kommen wir wieder zur Sache,« entgegnete Waldeck. »Was sagt Ihr zu fünfhundert Goldthalern? Hundert als Draufgeld und vierhundert nach der That.

Procop schüttelte den Kopf.

»Da sind wir weit auseinander,« sagte er.

»Das thut mir leid,« entgegnete Waldeck, »denn ich habe mein letztes Wort und meinen äußersten Preis genannt, um keine Zeit zu verlieren. Ich habe fünfhundert Goldthaler und keinen Carolus mehr. Wenn Ihr nicht wollt, muß ich mich anderswo umsehen.«

Die Abenteurer sahen einander an. Fünf unter Sieben schüttelten den Kopf. Malemort allein war für Annahme, weil er voraussah, daß da Hiebe zu geben und zu empfangen seyn dürften. Fracasso war wieder in seine poetischen Träumereien verfallen.

»Uebrigens,« sagte Waldeck, »hat die Sache nicht so große Eile… Denkt darüber nach. Ich kenne Euch, Ihr kennt mich, wir sind in einer und derselben Stadt, wir können einander also leicht finden.«

Er grüßte die Abenteurer mit leichtem Kopfnicken, drehte sich um und ging.

»Soll ich ihn zurückrufen?« fragte Procop.

»Fünfhundert Goldthaler findet man nicht alle Tage auf der Straße,« sagte Malemort.

»Und wenn es wahr ist, daß es Alles ist, was er besitzt,« bemerkte Yvonnet, »das schönste Mädchen kann nur geben, was sie hat.«

»Brüder,« sagte Lactantius, »das Leben der Fürsten dieser Erde steht unter unmittelbarem Schutz des Himmels; man wagt seine Seele, wenn man es antastet. Man darf es also nur antasten für eine Summe, die es allen von uns möglich macht, den benöthigten Ablaß zu kaufen, es mag uns gelingen oder nicht gelingen… Die Absicht, meine Brüder – der würdige Prior der Jacobiner sagte mir das erst gestern noch – ist so gut wie die That.«

»Freilich,« sagte Pille-Trousse, »die Sache ist theuerer, und wenn wir die Sache für unsere Rechnung machten, ha?«

»Ja unternehmen wir die Sache!« fiel Malemort ein.

»Ihr Herren,« sagte Procop, »es ist die Idee des Herrn von Waldeck; es wäre ein Diebstahl, wenn wir ihm seine Idee nähmen, die er uns nur im Vertrauen mitgetheilt hat. Ihr kennt meine Grundsätze in Thatsachen.«

»Nun,« fiel Yvonnet ein, »wenn, wie Du sagst, die Idee sein ist und er ein Eigenthum daran hat, so müssen wir meiner Meinung nach die fünfhundert Goldthaler annehmen.«

»Wir wollen sie annehmen und losschlagen!« rief Malemort.

»Uebereilen wir uns nicht!« warnte Malemort.

»Und wenn er mit Andern abschließt?« fragte Yvonnet.

»Angenommen und frisch darauf los!« sagte Malemort,

»Ja, ja, angenommen, angenommen!« riefen Alle.

»Angenommen!« stimmten auch die beiden Scharfenstein ein, die in diesem Augenblicke mit dem gewaltigen Braten eintraten und, ohne zu wissen, wovon die Rede sey, auf die Seite der Mehrheit sich stellten, so daß sie wie gewöhnlich ihre Gutmüthigkeit zeigten.

»So laufe ihm Einer nach und rufe ihn zurück!« sagte Procop.

»Ich!« erbot sich Malemort, der auch sogleich forteilte, aber als er hinauskam, hörte er von der Inselvorstadt her einige Schüsse, die rasch zahlreicher wurden.

»Kampf Schlacht!« rief er, indem er den Degen zog und dahin lief, wo er den Lärm hörte, ohne auf Waldeck zu achten, der in entgegengesetzter Richtung fortgegangen war.

»Ah, man schlägt sich in der Inselvorstadt,« sagte Yvonnet. »Sehen wir doch was aus der Gudula wird!«

»Und unser Geschäft?« fragte Procop.

»Abgemacht!« entgegnete Yvonnet. »Was Du thust, ist wohl gethan. Ich gebe Dir Vollmacht.«

Und er eilte Malemort nach, der bereits über die erste Brücke war und die Insel betrat.

Folgen auch wir Malemort und Yvonnet, um zu sehen was in der Inselvorstadt vorging.

V.
Kampf

Man erinnert sich, daß der Admiral Befehl gegeben hatte, gegen Abend einen Ausfall zu machen, um die Häuser am Außenwall anzuzünden, von denen aus die Spanier gedeckt auf die Vertheidiger der Stadt schossen, die sich gegen dieses Feuer, das von oben kam, nicht schützen konnten.

Der Befehl war an Théligny, Jarnac und Luzarche gegeben.

Um sechs Uhr Abends hatten die drei Offiziere etwa hundert Mann ihrer Compagnien und hundertzwanzig Freiwillige aus den Bürgern unter Wilhelm und Johann Pauquet zusammengebracht.

Diese zweihundertzwanzig Mann wollten zweitausend angreifen.

Etwa dreißig Schritte von der alten Mauer theilt sich die Straße in zwei. Die eine führt nach Guise, die andere nach Fère.

An den beiden Seiten dieser Straße und an jeder der Abzweigungen standen die Häuser, die niederzubrennen waren.

War die kleine Schaar über die alte Mauer hinaus, mußte sie sich theilen, die eine rechts, die andere links angreifen und gleichzeitig anzünden.

Wilhelm und Johann Pauquet, welche die Oertlichkeiten genau kannten, führten die beiden Abtheilungen.

Halb sieben Uhr öffnete sich das Thor der Inselvorstadt und die kleine Schaar marschierte rasch hinaus.

So still alles auch abgemacht worden war, hatten die feindlichen Wachen den Ausfall doch bemerkt.

So kam es, daß die Franzosen an jeder Straße einen Haufen Spanier von doppelter Stärke trafen und überdies aus jedem Fenster auf sie geschossen wurde.

Der Angriff erfolgte indeß so ungestüm, daß die Spanier, welche die Straße besetzt hielten, geworfen wurden und man trotz dem Feuer aus den Fenstern in fünf oder sechs Häuser eindrang.

Es versteht sich von selbst, daß Malemort schreiend, fluchend, hauptsächlich aber um sich hauend an die Spitze der einen Abtheilung gelangt war und in ein Haus eindrang.

Darin vergaß er, daß man nichts darin wollte, als es anzünden, und so stieg er bis in das obere Stockwerk hinauf.

Auf der andern Seite vergaßen die, welche nach ihm hineinkamen, daß er darin sey, dachten nur an ihren Auftrag und häuften Holz in den unteren Zimmern auf, namentlich aber an der Treppe. Dann legten sie Feuer daran.

So geschah es mit zwei, drei Häusern.

Die Spanier hatten anfangs den Ausfall für einen gewöhnlichen gehalten und erriethen den Zweck erst an den Flammen, die aus den Häusern herausschlugen.

Sie nahmen alle ihre Kräfte zusammen und fielen mit zehnfach überlegener Macht die kleine Schaar an, die zurückgetrieben wurde.

Sie hatte den Zweck freilich nicht ganz, aber doch zum Theil erreicht.

Man erinnert sich, daß Yvonnet, der nicht zum Ausfalle commandirt war, sich vorgenommen hatte seine Zeit zu benutzen und sich zu Gudula zu begeben, die er so viel als möglich beruhigte. Sie war in sehr großer Angst, denn ihr Vater und ihr Oheim waren, wie wir wissen, bei dem Ausfalle.

Einen Augenblick war der Lärm, das Geschrei und das Knattern des Gewehrfeuers so arg, daß Yvonnet selbst neugierig wurde, was wohl vorgehe und auf den Boden des Hauses ging, wohin ihm das Mädchen folgte, halb aus Furcht, halb aus Liebe.

Von dem Dachfenster aus konnte er sehen, was vorging.

Die Flintenschüsse knallten noch immer, zugleich schlug aber Eisen auf Eisen, woraus hervorging, daß man Mann gegen Mann auf der Straße kämpfte.

Das war aber nicht Alles. Vier oder fünf Häuser brannten und in denselben sah man Menschen ängstlich hin und herlaufen, Spanier, welche von den Flammen überrascht worden waren und wegen der brennenden Treppen nicht herauskonnten.

In einem der Häuser schien das Entsetzen den höchsten Grad erreicht zu haben. Es war das, in welchem Malemort arbeitete, der sich um das Feuer nicht kümmerte und mitten unter Rauch und Flammen angriff.

Als Yvonnet durch das Bodenfenster sah, ging die Scene im ersten Stock vor sich.

Die am besten berathenen Spanier, welche sowohl das Feuer als den Mann, der ein wahrer Teufel zu seyn schien, gegen sich hatten, sprangen durch die Fenster. Andere stiegen instinctmäßig in den zweiten Stock hinauf.

Um die, welche durch die Fenster gesprungen waren, kümmerte sich Malemort nicht, dagegen verfolgte er die Fliehenden in den oberen Stock.

Das Feuer that unterdeß seine Arbeit als zerstörendes Element. Malemort verfolgte die Spanier, das Feuer Malemort.

Ohne Zweifel verdankte der Abenteurer diesmal eine bei ihm gar nicht gewöhnliche Unverwundbarkeit dem mächtigen Verbündetem der ihm folgte, auf den er aber gar nicht zu achten schien.

Bald verdunkelte der Rauch das zweite Stockwerk wie vorher das erste und das Feuer leckte mit den Flammenzungen durch die Decke.

Ein paar Spanier sprangen, unbekümmert um die Gefahr, aus den Fenstern des zweiten Stockes. Andere versuchten auf das Dach zu fliehen.

Zwei und die Hälfte eines Dritten sah man durch eine linke herauskommen; wir sagen die Hälfte eines Dritten, denn dieser schien plötzlich zurückgehalten zu werden.

Malemort bearbeitete die zurückgebliebene andere Hälfte.

Endlich sank dieser Spanier zurück und verschwand ganz.

Fünf Minuten später erschien das Gesicht Malemort’s, das man an der Maske – dem Verbande – erkannte, an der Luke.

Er sah die beiden Feinde vor sich fliehen und fing an sie zu verfolgen.

Man hätte glauben können, Malemort sey Dachdecker oder Seiltänzer gewesen, so sichern Fußes lief er auf dem Dache hin.

Die beiden fliehenden Spanier erkannten bald von welcher Gefahr sie bedroht waren.

Einer entschloß sich schnell, ließ sich aus dem Dache hinuntergleiten bis an ein Fenster, durch das er wieder in das Haus hineinkroch, auf das sie bereits gelangt waren und das noch nicht brannte.

Malemort achtete nicht au ihn und verfolgte den Zweiten.

Yvonnet und Gudula konnten von ihrem Bodenfenster aus alles genau sehen.

Malemort und der Spanier, den er verfolgte, gelangten so von Dach zu Dach bis auf das letzte, das am Flusse stand.

Es war von Holz und brannte bereits.

Am Ende des Daches erkannte der fliehende Spanier, daß er nicht weiter konnte, wenn sein Schutzpatron, der heilige Jakob, kein Wunder that, drehte sich um und schien entschlossen zu seyn, sein Leben theuer zu verkaufen.

Der Kampf begann, in dem Augenblicke aber, als er am heftigsten war, zerriß der Boden, auf dem er stand, und ließ Rauch und Flammen herausbringen. Das Dach wankte dann, sank ein und zog die beiden Kämpfer in den Glutkrater mit hinein.

Der Eine verschwand ganz und gar.

Der Andere klammerte sich an einen brennenden Balken, der noch fest war, ging auf demselben hin, mitten unter den Flammen, bis an das Ende und sprang von da, aus so bedeutender Höhe hinunter in die Somme.

Gudula konnte einen Aufschrei nicht unterdrücken; Yvonnet streckte sich so weit als möglich aus dem Dachfenster hinaus: war der kühne Taucher auf immer verschwunden oder kam er wieder zum Vorschein? War er der Spanier oder Malemort?

Bald schlug das Wasser im Flusse spritzend umher, man sah einen Kopf herausragen, dann Arme, dann einen Rumpf, die nach der alten Mauer zuschwammen.

Da der Schwimmer diese Richtung nahm, zweifelte Yvonnet nicht, daß es Malemort sey.

Yvonnet und Gudula eilten hinunter und nach der Stelle hin, wo der Schwimmer aller Wahrscheinlichkeit nach ans Land stieg. Und sie kamen in der That gerade zur rechten Zeit, um ihn halb verbrannt und halb ertrunken aus dem Wasser zu ziehen.

Es war Malemort, entsetzlich zugerichtet; aber dennoch waren nicht Alle so gut weggekommen wie er.

Nachdem die Soldaten und Bürger ein paar Häuser, wie gesagt, angezündet hatten, wurden sie durch die alten spanischen Compagnien gedrängt; sie konnten sich nicht ganz in der wünschenswerthen Ordnung halten und gaben damit den Spaniern Gelegenheit Revanche zu nehmen.

Dreißig Soldaten und zwanzig Bürger blieben auf dem Platze und es fehlte wenig, so wäre der Feind mit den Verfolgten in die Stadt eingedrungen. Zum Glück hörte Yvonnet die Spanier bereits siegtrunken herandringen, lief zu dem Zelte der Abenteurer, rief zu den Waffen und kam mit seiner Verstärkung von etwa hundert Mann zurück, die sich theils auf dem Walle verbreiteten, theils sich dem Feinde in dem Thore entgegenwarfen.

An der Spitze derer, welche der Vorstadt zu Hilfe eilten, befanden sich die beiden Scharfenstein, von denen der eine seine Keule, der andere sein zweihändiges Schwert führte. Die Hiebe fielen auf die Spanier wie Dreschflegelschläge in der Scheune und sie mußten vor den beiden Riesen zurückweichen.

Sobald die Spanier aus der Thorwölbung zurückgetrieben waren, galt es das Thor zu schließen, was keine leichte Aufgabe war, da sich die Belagernden dem mit aller Macht widersetzten. Die beiden Scharfenstein stemmten sich endlich selbst mit an die Thorflügel und schoben sie endlich glücklich zu.

Kaum war das geschehen, so hörte man den Ruf: »Auf die Mauern! Auf die Mauern!«

Es waren in der That zwei Breschen in die Mauer gemacht, eine an jeder Seite des Thores, um Erde hereinzuschaffen und Plattformen für die Artillerie zu bauen. Man hatte sie mit Wollsäcken und Schanzkörben verstopft.

Die Belagernden erblickten die Breschen und versuchten mittelst derselben die Stadt durch einen Handstreich zu nehmen.

Die beiden Scharfenstein erkannten die Gefahr, auf den ersten Blick und obwohl sie sonst immer bei einander kämpften, mußten sie doch diesmal ihre Kräfte theilen. Der eine wendete sich also zur linken, der andere zur rechten Bresche.

Der Feind stieg mit den langen Lanzen, welche damals die Waffen des spanischen Fußvolkes waren, auf beiden Seiten zum Sturm und trieb die Soldaten und Bürger vor sich her, welche vor diesem Lanzenwalde, der heranrückte, weichen mußten.

Heinrich Scharfenstein, der im Besitz der Keule war, erkannte, daß er mit seiner kurzen Masse gegen die zehn Fuß langen spanischen Lanzen nicht viel ausrichten könne, hing sie also an den Gürtel, nahm ein Felsenstück, das aus der Mauer lag, lief damit nach der Bresche und rief: »Vorgesehen! vorgesehen!«

An der Bresche befand sich Yvonnet.

Dieser bemerkte ihn, errieth seine Absicht und machte eine Bewegung, um anzudeuten, daß man die Spanier etwas heranrücken lassen möge, aber in dem Augenblicke, als sie die Hälfte der Mauer erstiegen hatten, erschien der Riese eben auf der Bresche, hob das Felsenstück, das er bis dahin auf der Achsel getragen hatte, über den Kopf und schleuderte es mit größter Gewalt gegen die erste Reihe der Spanier.

Der Felsenblock zermalmte Alles und riß Alles nieder. In dem so geöffneten Wege stürzte Heinrich Scharfenstein sich dann vor und schlug mit seiner Keule rechts und links die nieder, welche der Felsenblock nicht erreicht hatte.

Binnen weniger als zehn Minuten hatte er die Bresche geräumt.

Franz seinerseits hatte ebenfalls Wunder gethan.

Auch er hatte gerufen: »Vorgesehen!« und sich einen Weg durch die Reihen der Bürger und Soldaten gebahnt, dann aber mit seinem riesigen Schwerte Lanzen und Arme und Köpfe abgehauen, so daß die Spanier auch hier zurückwichen.

Durch einen unvorhergesehenen Vorfall hätte der tapfere Franz aber beinahe die Frucht der glorreichen Hilfe verloren, die er der Stadt Saint-Quentin gebracht.

Ein noch Kampflustigerer als er schlüpfte unter seinem Arme durch und verfolgte die Spanier.

Es war Malemort, der seine fünf Sinne wieder zusammengelesen, eine Flasche Wein getrunken hatte, die ihm Gudula gegeben, und zum Kampf zurückgekehrt war.

Leider bemerkten Einige, dass sie nur von einem Einzigen verfolgt wurden, kehrten um und drängten mit Uebermacht auf ihn ein. Malemort stürzte betäubt nieder.

Bürger und Soldaten, die es sahen, gaben ihr Bedauern laut zu erkennen; sie hielten den Tapfern für todt. Franz wußte zum Glück einen wie dicken Schädel sein Freund hatte, lief ihm zu Hilfe schlug einige Spanier mit seinem furchtbaren Schwerte nieder und schleppte Malemort zurück, bis ihn Lactantius empfing, der mit seinen Jacobinern herunterkam.

Hinter den Mönchen erschien der Admiral selbst mit einer kleinen Schaar Schützen, welche ein so wohlgenährtes Feuer eröffneten, daß die Spanier sich gänzlich zurückzogen.

Der Admiral zog Erkundigungen ein: der Verlust war groß gewesen und es hatte wenig gefehlt, so wäre die Inselvorstadt mit Sturm genommen worden. Mehrere Hauptleute drangen in den Hauptmann, diesen Punkt aufzugeben, welcher bereits sechzig Mann gekostet hatte, aber Coligny war dazu nicht zu bewegen, denn er sah in der Behauptung dieser Vorstadt wenigstens das Hinausziehen der Belagerung, wenn nicht die Sicherheit der Stadt.

Er befahl deshalb die Breschen in der Nacht wieder auszubessern und alles in Stand zu setzen.

Die Mönche erhielten diesen Auftrag, den sie mit Eifer vollzogen.

Da man einen Angriff in der Nacht fürchtete, so wachten die Schützen auf dem Wall, und an der ganzen Linie der Sümpfe der Somme standen von zwanzig zu zwanzig Schritte Schildwachen, damit sie im Nothfalle sogleich Lärm machten.

Die Nacht vom 3. zum 4. August war eine schreckliche für die Bewohner der Stadt, die da ihre ersten Todten zu beweinen hatte.

Die armen Bewohner der Vorstadt, die einsahen, daß da der Hauptpunkt des Angriffes und der Vertheidigung seyn werde, verließen ihre Häuser und nahmen auf Karren und in Körben ihre letzte Habe mit sich. Unter der Zahl dieser Auswanderer, welche die Vorstadt verließen, um eine Zuflucht in der Stadt selbst zu suchen, war auch Wilhelm Pauquet, dem sein Bruder sein Haus angeboten hatte.

An seinem Arme hing ihm die Tochter, die noch ganz betäubt von den letzten Vorfällen war und sich öfters umsah, entweder weil sie ungern aus dem Hause schied, in dem sie geboren und bisher glücklich gewesen war, oder weil sie sich überzeugen wollte, ob der schöne Yvonnet ihr auch nachsehe.

Yvonnet folgte wirklich in geziemender Entfernung dem Mädchen und den Webern, die Johann Pauquet dem Bruder geliehen hatte, damit sie seine Habe aus dem Hause fortbrächten.

Es war gewiß ein großer Trost für das arme Mädchen, als sie sah, daß Yvonnet ihr von weitem durch die ganze Stadt folgte, und sich endlich überzeugte, daß sie in ein Haus ging, das unter dem Namen des »gekrönten Weberschiffchens« bekannt war.

Unter dem Vorwande großer Müdigkeit, der nach einem solchen Tage wohl gelten konnte, bat Gudula um die Erlaubniß, sich sogleich in das Stübchen begeben zu dürfen, das ihr angewiesen wurde.

Gudula fing dann auch an zu glauben, daß es wirklich einen Gott für die Liebenden gebe, als sie sah, daß der Oheim ihr und dem Vater eine Art Gartenhaus angewiesen hatte, das auf den Wallweg ging.

Sobald sie allein in ihrer neuen Wohnung war, löschte sie auch die Lampe aus, als habe sie sich zu Bett begeben, und öffnete das Fenster, um die Umgebung zu mustern und zuzusehen, ob das Fenster leicht erstiegen werden könnte.

Es war sehr leicht. Dieser Theil des Walles war sicherlich der ödeste in der ganzen Stadt und eine acht bis zehn Fuß hohe Leiter, die man an das Fenster Gudula‘s lehnte, verrichtete dieselben Dienste wie der Prellstein am vorigen Hause.

Allerdings war die Scheidewand, welche das Zimmer Gudula’s von dem ihres Vaters trennte, sehr dünn und jedes Geräusch hier mußte dort gehört werden; aber konnte Gudula nicht eben so gut auf der Leiter hinunter zu Yvonnet steigen als dieser zu ihr hinauf?

Gudula beschäftigte sich mit allerlei solchen strategischen Plänen, in denen sie so geschickt zu seyn schien wie der Admiral selbst, als sie einen Schatten an der Gartenwand hinschleichen sah.

Yvonnet wollte nemlich ebenfalls die Oertlichkeiten kennen lernen und unternahm eine Recognoscirung des neuen Terrains, auf dem er nun zu manövrieren haben sollte.

Das Haus des Meisters Pauquet war nicht schwer zu belagern, namentlich für einen Mann, der, wie unser Abenteurer, Freunde in dem Orte selbst hatte.

Alles wurde demnach für die nächste Nacht verabredet und als man auf der Treppe den etwas schweren Tritt des Vaters hörte, schloß Gudula das Fenster, während Yvonnet in der Johannisstraße verschwand.

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10 aralık 2019
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