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Kitabı oku: «Der Page des Herzogs von Savoyen», sayfa 26

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Dandelot kannte die Gegend zwar nicht, aber doch die Lage der vorzüglichen Oerter um Saint-Quentin her, Laon, La Fère, Ham, und ahnte instinicmäßig den Punkt wo fünfundzwanzig bis sechsunddreißig Stunden jenseits dieser Städte Paris lag. Vor allem mußte er sich der Gefahr entziehen; er ritt also geradeaus.

Als er das Dorf Essigny-le-Grand erreichte und der Mond aufging, konnte er wenigstens einigermaßen sehen wo er sich befand. Vorzugsweise wünschte er einen einzelnen Menschen zu finden, einen Bauer aus der Umgegend, der ihm als Führer diene, oder ihn doch wenigstens auf den rechten Weg bringen könne.

Darum erhob er sich öfter in den Steigbügeln und sah sich rings um.

Mit einem Male sah er einen menschlichen Schatten sich erheben; auf diesen Schatten ritt er zu, aber der Schatten schien eben so sehr zu wünschen zu fliehen, als der Reiter ihn einzuholen. Der Schatten war also war angelaufen, so schnell als ihn die Beine tragen wollten, und Dandelot hatte ihn gejagt; der Schatten hatte seine Richtung nach dem Walde von Rémigny zu genommen, Dandelot dies errathen und sein Pferd durch alle Mittel zu einem schnelleren Laufe angetrieben; der Schatten hatte nur noch etwa zwanzig Schritte bis in den Wald und Dandelot war etwa dreißig von dem Schatten; da machte er eine letzte Anstrengung, deren Erfolg wir gesehen haben. Das Pferd rannte endlich den Fliehenden nieder, Dandelot sprang von dem Pferde herunter, um dem Gefallenen beizustehen, von dem er Nachweisungen über den Weg zu haben wünschte, und erkannte zu seinem Erstaunen und zugleich zu seiner Freude in dem Gejagten und Erjagten den Abenteurer Yvonnet.

Yvonnet seinerseits erkannte mit gleichem Erstaunen, aber mit noch weit größerer Freude, den Bruder des Admirals, den Herrn Dandelot von Coligny.

V.
Die Erwartung

Die Nachricht von dem Verluste der Schlacht von Saint-Quentin hatte wie ein unerwarteter Donnerschlag ganz Frankreich durchzuckt und besonders ein Echo in dem Schlosse zu Saint-Germain gefunden.

Der Connétable von Montmorency, der alte grillige und unwissende Haudegen, bedurfte der unerklärlichen Unterstützung, die ihm die Treue und unerschütterliche Gunst Dianas von Poitiers gewährte, niemals mehr, um nicht ganz in Ungnade zu fallen.

Der Schlag war in der That furchtbar, denn die Hälfte des Adels war mit dem Herzog von Guise bei der Eroberung von Neapel beschäftigt und die andere Hälfte vernichtet.

Einige adelige Herren, die verwundet und athemlos, um den Herzog von Nevers her, der in dem Schenkel verwundet war, der großen Schlächterei entgingen, bildeten allein die active Streitkraft, welche Frankreich geblieben.

Vier oder fünf ärmliche Städte mit Mauern in schlechtem Zustande, ohne entsprechende Lebensmittel und Munition, mit geringer Besatzung, Ham, La Fère, Laon, Le Catelet und, gleichsam ein verlorener Posten mitten im Feuer, Saint-Quentin, die am mindesten starke, am mindesten vertheidigte, am wenigsten haltbare dieser Städte.

Drei feindliche Armeen, eine spanische, eine niederländische, eine englische, die beiden erstern durch langen Wechsel zwischen Sieg und Niederlage erbittert, die dritte neu, frisch, durch die Erinnerung an Poitiers, Crécy und Azincourt gereizt,

Ein einzeln stehender König ohne persönliches Genie, muthig, aber muthig wie es die Franzosen sind, fähig ein trefflicher Soldat, unfähig selbst nur ein mittelmäßiger Feldherr zu seyn.

Als Rathgeber nur der Cardinal von Guise und Catharina von Medici, das heißt die vorsichtige italienische Politik in Verbindung mit der französischen List und dem lothringischen Stolze.

Daneben ein frivoler Hof von Königinnen und Prinzessinnen, leichtfertigen und galanten Damen: die kleine Königin Marie, die kleine Prinzessin Elisabeth, Margarethe von Frankreich, Diana von Poitiers, ihre Tochter so ziemlich mit einem der Söhne des Connétable von Montmorency verlobt, und die kleine Prinzessin Margarethe.

Darum schien denn auch die Nachricht von dem Verluste bei der Stadt von Saint-Quentin nur die Vorläuferin von zwei nicht minder schrecklichen seyn zu müssen, nemlich von der Einnahme der Stadt Saint-Quentin und von dem Marsche der dreifachen feindlichen Armee gegen Paris.

Der König ordnete deshalb insgeheim Vorbereitung einer Reise nach Orléans an, jener alten Feste von Frankreich, die vor hundert Jahren etwa, von einer Jungfrau wieder erobert, das Tabernakel der heiligen Kirche der Monarchie gewesen war.

Die Königin, die drei Prinzen, die kleine Prinzessin und der ganze weibliche Hof sollten sich bereit halten, auf den ersten Wink, bei Tag oder in der Nacht, abzureisen.

Der König selbst sollte sich zu den Trümmern der Armee begeben, wo sie sich auch befinden möge, und mit ihnen kämpfen, bis er den letzten Tropfen seines Blutes vergossen. Alle Maßregeln waren getroffen, daß im Falle seines Todes der Dauphin Franz ihm auf dem Throne folge, mit Catharina von Medici als Regentin und dem Cardinal von Lothringen als Rath.

Außerdem waren, wie wir angeführt zu haben glauben, Boten an den Herzog Franz von Guise abgeschickt worden, damit derselbe seine Rückkehr beschleunige und so viel als möglich von der italienischen Armee mit sich bringe.

Nachdem diese Anstalten getroffen worden, hatte Heinrich II. mit ängstlicher Spannung nach weiteren Nachrichten aus der Picardie gewartet.

Er hatte erfahren, daß Saint-Quentin gegen alle Wahrscheinlichkeit und selbst gegen alle Hoffnung sich noch halte.

Fünfzehntausend Mann waren unter ihren Mauern vernichtet worden und die heldenmüthige Stadt kämpfte gegen die siegreiche dreifache Armee mit höchstens vierhundert oder fünfhundert Soldaten.

Allerdings hatte Saint-Quentin außer seiner Besatzung seine Bürgerschaft, die wir handelnd gesehen haben.

Man wartete mit gleicher Spannung einen Tag, zwei Tage, drei Tage auf die Nachricht von der Einnahme der Stadt.

Nichts der Art kam, im Gegentheil man erfuhr, daß Dandelot mit einigen hundert Mann in die Stadt gelangt sey und daß er und der Admiral geschworen hätten, sich unter den Trümmern der Stadt zu begraben.

Man wußte, daß Coligny und Dandelot hielten, was sie schwuren: der König war also einigermaßen beruhigt, denn wenn auch die Gefahr noch immer bestand, drohte sie doch weniger.

Die ganze Hoffnung Frankreichs beruhte, wie man steht, auf Saint-Quentin.

Heinrich II. betete zu Gott, daß die Stadt sich noch acht Tage möchte halten können; bis dahin, und um schneller Nachrichten erhalten zu können, reiste er nach Compiègne, wo er sich nur einige Stunden von dem Kriegsschauplatze befand.

Catharina von Medici begleitete ihn.

Wenn Heinrich II. einen guten Rath brauchte, wendete er sich an Catharina von Medici. Wenn er sich einen süßen Augenblick wünschte, suchte er ihn bei Diana von Poitiers.

Der Cardinal von Guise blieb in Paris, um dasselbe zu beaufsichtigen und zu ermuthigen.

Im Nothfalle trennten sich der König und die Königin, der König begab sich zur Armee, wenn es noch eine Armee gab, um ihr durch seine Anwesenheit neuen Muth zu machen, Catharina dagegen kehrte nach Saint-Germain zurück, um die Reise des Hofes nach Orléans zu leiten.

Heinrich fand die Bewohner weniger erschrocken und besorgt, als er gefürchtet hatte. Die Gewohnheit der Armeen im vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderte, auf ihren Eroberungen keinen Schritt sich vorzuwagen, bis sie sich des Besitzes der Städte auf ihrem Wege versichert, gab Compiègne noch Ruhe, da es durch Ham, Le Catelet und La Fère noch gedeckt war.

Heinrich bezog das Schloß, und alsbald wurden Spione in der Richtung nach Saint-Quentin ausgeschickt, um zu ermitteln, wie es mit der Stadt stehe, so wie Boten nach Laon und Soissons, um zu erkunden, was aus der Armee geworden.

Die Spione kamen zurück und meldeten, Saint-Quentin halte sich noch immer und mache auch keine Miene, sich ergeben zu wollen.

Die Boten kamen zurück und sagten, zwei- bis dreitausend Mann, – der Rest der Armee – hätten sich in Laon um den Herzog von Nevers gesammelt.

Der Herzog hatte überdies den möglichen Nutzen von diesen Heertrümmern gezogen.

Er kannte die Langsamkeit dieses Belagerungskrieges, welchen nach dem Falle Saint-Quentins die spanische Armee vielleicht unternahm, und that also zunächst nichts, als daß er die Besatzungen der Städte verstärkte, welche den Marsch des Feindes aufhalten konnten. Er schickte den Grafen von Sancerre mit seinen Reitern und einigen Andern nach Guise, den Capitän Bourdillon mit Reitern und Fußvolk nach La Fère und endlich den Baron von Polignac nach Le Catelet, Humieres nach Péronne, Chausnes nach Corbie, Sésois nach Ham, Montigny nach Chauny &c. Er selbst blieb in Laon mit etwa tausend Mann, wohin ihm der König neue Truppen senden sollte.

So legte man einen ersten Verband auf die Wunde, aber nichts deutete noch an, daß die Wunde nicht tödtlich sey.

Man kann sich nicht leicht etwas Traurigeres denken als das alte Schloß von Compiègne, das an sich so düster war, durch die Anwesenheit der königlichen Gäste aber noch mehr verdüstert wurde. Wenn Heinrich II. in dieses Schloß kam, was meist drei- bis viermal des Jahres geschah, brachte er in das Schloß und die Stadt den herrlichen, reizenden Hof von jungen Damen und Herren mit, der ihm stets folgte, füllte die Corridore und gothischen Säle mit Musik und Festklängen und ließ im Walde Hörner wiederklingen.

Diesmal war es nicht so. Gegen Ende des Tages war ein schwerer Wagen am Schloßthor angekommen, ohne irgendwie die Neugierde der Stadtbewohner angeregt zu haben. Kaum hatte der Pförtner darauf geachtet. Ein Mann von etwa vierzig Jahren mit fast afrikanischer Gesichtsfarbe, schwarzem Bart und hohlen Augen und eine Frau von sechsunddreißig Jahren mit weißer feiner Haut, lebhaften Augen, mächtigen Zähnen und schwarzem Haar stiegen aus dem Wagen und ihnen folgten drei oder vier Personen. Der Pförtner sah sie erstaunt an und rief dann rasch hinter einander: »Der König! Die Königin!« Aber auf einen Wink Heinrichs schwieg er, geleitete sie in den innern Hof und machte das Thor hinter ihnen zu.

Am nächsten Tage erfuhr man in Compiègne, König Heinrich II. und Catharina von Medici, die Königin, wären in der Nacht traurig und betrübt angekommen und bewohnten das Schloß.

Alsbald war die Bevölkerung in Bewegung gekommen, hatte sich versammelt und unter dem Rufe: »Es lebe der König! Es lebe die Königin!« vor die Wohnung des Königspaares sich begeben.

Heinrich wurde immer sehr geliebt, Catharina von Medici war wenigstens noch nicht, verhaßt.

Beide zeigten sich auf dem alten eisernen Balcon.

»Freunde,« sagte der König, »ich bin in eure Mauern gekommen, um die Marken Frankreichs selbst zu vertheidigen. Von hier aus wird mein Auge und Ohr fortwährend nach Saint-Quentin gerichtet seyn. Hoffentlich kommt der Feind nicht bis hierher, für jeden Fall aber möge sich ein Jeder nach dem Beispiele der muthigen Bewohner von Saint-Quentin zur Vertheidigung rüsten. Wer Nachrichten erhält, gute oder schlechte, von der belagerten Stadt und sie mir mittheilen will, wird im Schlosse willkommen seyn.«

Von neuem hatte das Volk gerufen: »Es lebe der König!« Heinrich und Catharina hatten darauf jene königliche Geberde gemacht, welche seit so langer Zeit die Völker täuschte, nemlich die Hand auf das Herz gelegt, und sich wieder zurückgezogen.

Hinter ihnen hatten sich die Fenster geschlossen: jedermann bereitete sich zur Vertheidigung vor und der König zeigte sich nicht wieder.

Die Gärtner, die man fragte, hatten erzählt, er gehe nachdenklich in den dunkelsten Gängen des Parkes umher, bisweilen bis um ein oder zwei Uhr Früh, bleibe plötzlich stehen, horche so und lege sogar das Ohr an den Erdboden, als wolle er die fernen Kanonenschüsse hören.

Dann gehe der König unruhig in das Schloß zurück und steige auf eine Art Thurm hinauf, von wo man die Straße von Saint-Quentin weithin übersehen, an die sich jene von Ham und Laon anschließe. Sein Auge scheine jeden Reisenden zu fragen, der sich auf dieser Straße zeige, und er erwarte freudig und doch ängstlich in jedem den Boten zu erblicken, der an ihn gesandt worden.

Der König war am 15. August angekommen; die Tage vergingen, ohne daß er Lärm hörte oder einen Boten kommen sah. Er wußte nichts, als daß Saint-Quentin sich noch immer hielt.

Am 24. ging Heinrich II. wie gewöhnlich in dem Parke umher, als plötzlich ein fernes Rollen sich hören ließ. Er blieb stehen und horchte, aber er brauchte das Ohr gar nicht an den Erdboden zu legen, um zu erkennen, daß gewaltige Kanonenschüsse ohne Unterbrechung auf einander folgten.

Drei Tage lang, weit in die Nacht hinein und lange vor Sonnenaufgang ließ sich dieser Donner vernehmen und Heinrich meinte, es könne kein einziges Haus in Saint-Quentin stehen bleiben.

Am 27. um zwei Uhr Nachmittags hatte der Donner aufgehört.

Was war geschehen? Was bedeutete die Stille, die noch schrecklicher war als das entsetzliche Donnern vorher?

Saint-Quentin war ohne Zweifel unterlegen.

Heinrich wartete bis sieben oder acht Uhr Abends, ob der Donner nicht etwa von neuem beginne. Er hoffte noch, daß die Belagerer aus Ermattung der Stadt würden einen Waffenstillstand haben bewilligen müssen.

Um neun Uhr Abends konnte er indeß seine Besorgniß nicht länger bergen und schickte zwei oder drei Boten auf verschiedenen Wegen ab, damit, wenn der eine dem Feinde in die Hände falle, doch die andern wenigstens entkommen.

Bis Mitternacht ging er in dem Park umher, dann kehrte er in das Schloß zurück, legte sich nieder und suchte vergebens den Schlaf. Da er keine Ruhe fand, stand er mit Tagesanbruch auf, um auf den Thurm zu steigen.

Kaum war er daselbst angekommen, als er am Ende der Straße, auf die er so oft geblickt hatte, in einer Rauchwolke welche die ersten Strahlen der Sonne zu bescheinen begannen, ein Pferd mit zwei Reitern in Galopp nach der Stadt zu kommen sah.

Heinrich zweifelte keinen Augenblicke die beiden Reiter konnten nur Boten seyn, welche ihm Nachricht von Saint-Quentin bringen wollten. Er sandte ihnen entgegen, damit sie an dem Thore keinen Aufenthalt erfuhren. Eine Viertelstunde später hielt das Pferd vor dem Fallthore des Schlosses und Heinrich gab seine Verwunderung, ja fast seine Freude laut zu erkennen, als er Dandelot erblickte und hinter demselben auf der Schwelle des Thores ehrerbietig einen Zweiten stehen sah, dessen Gesicht ihm auch nicht fremd war, wenn er sich auch nichts sofort zu erinnern vermochte, wo er dieses Gesicht gesehen.

Unsere Leser, die wahrscheinlich ein besseres Gedächtniß haben, als König Heinrich II. und denen wir übrigens auch zu Hilfe kommen, werden es noch wissen, daß es im Schlosse Saint-Germain gewesen, als unser Abenteurer als Knappe dem unglücklichen Théligny diente, der in den ersten Tagen der Belagerung gefallen war.

Wenn man Dandelot und Yvonnet auf einem Pferde ankommen sieht, verlangt man ohne Zweifel nicht, daß wir erzählen, wie nach der Erkennungsscene am Walde von Rémigny sofort das beste Vernehmen zwischen dem Fliehenden und dem verfolgenden Flüchtlinge eingetreten war; wie Yvonnet, welcher die Gegend ganz genau kannte, da er sie bei Tag und Nacht nach allen Richtungen hin durchstreift hatte, sich als Führer Dandelot anbot und wie dieser Bruder des Admirals dafür den Liebhaber Gudula’s aufforderte, hinter ihm auf das Pferd zu steigen, was den doppelten Vortheil hatte, daß der Führer nicht müde und der Reiter nicht aufgehalten wurde.

Das Pferd freilich hätte vielleicht eine andere Anordnung vorgezogen, aber es war ein edles muthiges Thier; man sieht, daß es sein Bestes gethan hatte.

IV.
Die Pariser

Die Nachrichten, welche die beiden Boten brachten, gehörten zu denen, die bald gesagt sind, auf die man aber oft zurückkommt.

Nach dem Hauptbericht, den Dandelot von der Einnahme der Stadt gab, ging der König auf Einzelheiten ein, die ihm zum Theil von dem General, zum Theil von dem Abenteurer erzählt wurden, so daß er so ziemlich alles erfuhr, was unsere Leser wissen.

Die Hauptsache war: die Stadt war genommen und der Connétable und Coligny waren gefangen, d.h. in Abwesenheit des Herzogs von Guise die beiden besten Feldherren, und man wußte noch nicht, ob die siegreiche feindliche Armee vor den anderen Städten sich aufhalten oder geraden Weges auf Paris marschiren werde.

Der Kampf vor allen Städten war ein Krieg, welcher dem furchtsamen scheuen Temperamente Philipps II. entsprach.

Gerade auf Paris zu marschiren, war dagegen ein Entschluß, welcher dem Unternehmungsgeiste Emanuel Philiberts zusagte.

Wozu es kommen würde, wußte weder Dandelot noch Yvonnet.

Dandelot meinte, der Prinz von Savoyen und der König von Spanien würden unmittelbar gegen Paris marschiren.

Diese Frage überstieg die Höhe der strategischen Ansichten Yvonnet‘s zwar vollständig, da er aber durchaus eine Meinung aussprechen sollte, so schloß er sich der Dandelot‘s an.

So gab es eine Majorität dafür, daß die Sieger keine Zeit verlieren, die Besiegten dagegen keine Zeit zu verlieren haben würden.

Es wurde denn auch beschlossen, daß die beiden Boten, nachdem sie sich etwas erholt hätten, mit einem Auftrage weiter gehen sollten, jeder in einer seiner Stellung entsprechenden Weise.

Dandelot sollte Catharina von Medici nach Paris begleiten, denn Heinrich, welcher aus der Nähe des Feindes nicht weichen wollte, schickte die Königin fort, damit sie einen Aufruf an den Patriotismus der Pariser erlasse.

Yvonnet dagegen sollte nach Laon sich begeben, Briefe des Königs an den Herzog von Nevers bringen und unter irgend einer Verkleidung um die spanische Armee herumzuschleichen suchen; um womöglich die Absichten des Königs von Spanien zu erfahren.

Derjenige, welcher diesen gefährlichen Auftrag übernahm, hatte eine ziemlich sichere Aussicht ergriffen und gehangen zu werden; in der Nacht würde Yvonnet auch gezittert haben, bei Tage aber hatte die Aufgabe gar nichts Widerwärtiges für ihn.

Er nahm also den Antrag an.

Dandelot wurde von dem König ermächtigt, sich mit dem Cardinal von Lothringen zu verständigen, der die Verwaltung der Finanzen hatte, welche Gelder er und sein Bruder in der schlimmen Lage wohl brauchten; Yvonnet seinerseits erhielt zwanzig Goldthaler für die Nachricht, die er brachte und für den Auftrag, den er ausführen sollte. Außerdem ermächtigte ihn der König, wie er bekanntlich schon früher einmal gethan hatte, das beste Pferd im Stalle für sich auszusuchen.

Um zehn Uhr Früh, also etwa nach sechsstündiger Ruhe, brachen die beiden Boten wiederum auf, nur daß sie einander am Thore den Rücken zukehrten, da der eine sich nach Osten, der andere nach Westen wendete.

Wir werden Yvonnet, den minder wichtigen von den beiden Personen, später wieder finden, oder, wenn, wir ihn nicht wieder finden sollten, doch wenigstens hören, was aus ihm geworden ist, wir folgen deshalb Dandelot und der Königin Catharina von Medici, die in seiner Gesellschaft und unter seiner Obhut so schnell nach Paris hinreist, als es die Schwere des mit vier Pferden bespannten Wagens gestattet.

Nach dem Spruche, daß die Gefahr von weitem oft viel furchtbarer aussieht als in der-Nähe, war auch in Paris die Angst anfangs vielleicht größer gewesen als in Compiègne. Niemals seit der Zeit, als die Engländer von den Feldern von Saint-Denis auf die Thürme der Notre-Dame hatten sehen können, hatten die Pariser in solcher Aufregung gelebt. Wenn man am Tage nach dem Eintreffen der Nachricht von der Schlacht bei Saint-Quentin die mit Möbeln beladenen Wagen, die Reiter und Reiterinnen gesehen hätte, würde man geglaubt haben, wenigstens der dritte Theil der Bewohner von Paris ziehe aus. Und es war allerdings mehr als ein Ausziehen, es war eine Flucht; die Hauptstadt flüchtete in die Provinz.

Allmälig freilich, als man sah, daß die Nachrichten nicht noch schlimmer kamen, begannen die, welche in Paris geblieben waren, in Folge der namentlich die Franzosen auszeichnenden Eigenthümlichkeit, über Alles zu lachen, die Geflüchteten zu verspotten, so daß diese denn auch wirklich allmälig zurückkamen und endlich die Muthigsten wurden.

In dieser Stimmung fanden Catharina und Dandelot, als sie am Nachmittage des 28. Augusts 1557 anlangten, die Pariser, denen sie die Nachricht brachten, daß auch die Stadt Saint-Quentin sich ergeben habe.

Von der Art wie solche Nachrichten verbreitet werden, hängt nicht selten der Eindruck ab, welchen sie machen.

»Gute Leute,« sagte Dandelot zu der ersten Gruppe Bürger, die er traf, »Ruhm und Ehre den Bewohnern der Stadt Saint-Quentin! Fast einen Monat lang haben sie in einem Platz ausgehalten, welchen die Tapfersten acht Tage zu halten nicht versprochen haben würden. Durch diesen Widerstand haben sie dem Herrn von Nevers Zeit gegeben eine Armee zu sammeln, welcher Se. Majestät der König Heinrich II. jeden Augenblick neue Verstärkungen sendet, und Ihre Majestät die Königin kommt zu Euch, um euern Patriotismus und eure Liebe zu euerm König anzurufen.«

Bei diesen Worten bog sich die Königin zum Wagen heraus und rief:

»Ja, gute Leute, ich komme im Namen des Königs Heinrich II. um Euch zu melden, daß alle Städte bereit sind, ihr Bestes zu thun, wie es Saint-Quentin gethan hat. Illuminirt also zum Zeichen des Vertrauens, das der König zu Euch hat, und der Liebe, die Ihr für ihn habt. Heute Abend werde ich mich in dem Rathhause mit eurem Magistrate, dem Cardinal von Lothringen und Herrn Dandelot über die Maßregeln besprechen, welche zu ergreifen sind, um den Feind zurückzutreiben, welcher durch die lange Dauer der Belagerung unserer ersten Stadt entmuthigt ist.«

Diese Art, dem Volke eine der schrecklichsten Nachrichten mitzutheilen, welche jemals die Einwohner einer Hauptstadt erhalten haben, zeugte von großer Kenntniß des Volkes. Diese besaß Dandelot, denn er hatte auch die Rede der Königin vorbereitet.

Die Folge davon war, daß das Volk, das entsetzt durch die Straßen gelaufen wäre, wenn man ihm nur gesagt hätte: »Saint-Quentin ist genommen und die Spanier marschiren gegen Paris,« aus Leibeskräften rief: »Es lebe König Heinrich II. Es lebe die Königin Catharina! Es lebe der Cardinal von Lothringen! Es lebe Herr Dandelot!« sich um den Wagen der Königin und das Pferd des Generals drängte und sie fast jubelnd bis zum Louvre begleitete.

Am Thore des Louvre erhob sich Dandelot noch einmal in den Steigbügeln, um über die zahllose Volksmenge hinauszuragen, welche den Platz und die Straßen erfüllte, und mit starker Stimme rief er:

»Liebe Freunde, Ihre Majestät die Königin trägt mir, auf Euch daran zu erinnern, daß sie sich nach einer Stunde in das Rathhaus begeben wird, wohin der Magistrat berufen werden soll; sie wird zu Pferde mitten unter Euch erscheinen und an der großen Anzahl, in welcher Ihr Euch einfindet, wird sie die Liebe erkennen, die Ihr zu ihr habt. Vergesset die Fackeln und das Illuminiren nicht.«

Ein unermeßliches Lebehoch erschallte und die Königin konnte überzeugt seyn, daß das Volk, das sie durch wenige Worte gewonnen, bereit sey, wie die Bewohner von Saint-Quentin alle Opfer zu bringen, selbst das Leben hinzugeben.

Catharina von Medici begab sich mit Dandelot in den Louvre hinein; sofort wurde der Cardinal von Lothringen gerufen und ihm aufgetragen die Beamten der Stadt, die Maires und Schöffen und Innungsvorsteher um neun Uhr Abends in das Rathhaus bestellen zu lassen.

Man hat schon gesehen, daß Dandelot etwas gut einzurichten wußte; die Abendstunde wählte er auch des Effectes wegen.

Die Meisten von denen, welche am Louvre waren, nahmen sich vor, nicht von der Stelle zu gehen, um sich sicher dem königlichen Zuge anschließen zu können und die besten Plätze zu bekommen.

Einige nur entfernten sich im Auftrage, um Fackeln herbeizuholen.

Auf der andern Seite liefen die Volksherolde, die bei allen großen Begebenheiten als öffentliche Ausrufer dienen, durch die Straßen, die von dem Louvre nach dem Rathhause führten:

»Bürger von Paris, illuminirt eure Fenster, die Königin Catharina wird sich in das Rathhaus begeben!«

Auf diese Aufforderung, die nichts Gebietendes, nichts Zwingendes hatte, im Gegentheile den Bürgern es überließ, was sie thun wollten, begann man in allen Häusern an dem Wege, welchen die Königin nehmen mußte, geschäftig nach Lampen, Lichtern und Laternen zu laufen und durch jedes erleuchtete Fenster seinen Enthusiasmus auszusprechen, den man nach der Zahl der brennenden Lichter schätzen konnte.

Zur bestimmten Zeit erschien die Königin zu Pferde zwischen Dandelot und dem Cardinal von Lothringen, in Begleitung eines geringen Gefolges, wie es einer Königin ziemt, welche von dem Unglück des Königshauses an ihr Volk appellirt, in der Straße Saint-Honoré und zog weiter.

Dieser Zug, den die Ereignisse zu einem Trauerzuge hätten machen sollen, wurde ein wahrer Triumph, welcher die berühmten Proclamationen: »Das Vaterland ist in Gefahr,« in späterer Zeit hinter sich zurückließ, denn bei diesen war alles vorbereitet, bei Catharina alles improvisirt.

Von vier bis neun Uhr hatte sie Zeit gehabt, den jungen Dauphin Franz aus Saint-Germain holen zu lassen. Das bleiche, kränkliche Kind paßte recht wohl für das Drama: es war das Gespenst der Dynastie Valois, die in der reichsten Nachkommenschaft, die jemals ein König hatte, den alten Priamus ausgenommen, erlöschen sollte.

Vier Brüder! Freilich drei dieser Brüder wurden – wahrscheinlich – vergiftet und der vierte ermordet.

An dem Abende aber, den wir zu beschreiben versuchen, lag die geheimnißvolle Zukunft noch in dem wohlthätigen Dunkel verhüllt, welches sie den Blicken der Menschen verbirgt. Jeder beschäftigte sich nur mit der Gegenwart, und die Gegenwart gewährte allerdings selbst denen Beschäftigung genug, die sonst ewig ruhelos sind.

Zehntausend Personen begleiteten die Königin; hunderttausend standen in den Straßen, um sie vorüberkommen zu sehen; zweimal hunderttausend vielleicht sahen von den Fenstern aus nach ihr.

Die, welche sie begleiteten, und die, welche in den Straßen standen, trugen Fackeln, die eine phantastische Helle verbreiteten, zumal in Verbindung mit der Illumination.

Die Leute an den Fenstern schwenkten Tücher oder warfen Blumen herab.

Alle riefen: »Es lebe der König! Es lebe die Königin! Es lebe der Dauphin!«

Bisweilen wiederum zog gleichsam ein Hauch der Drohung und des Todes über die Menge hin und man hörte sie dumpf grollen, während man mit den Schwertern an einander schlug und Büchsen abschoß.

Es war der Ruf, der man weiß nicht wo entstand und sich ins Unendliche fortpflanzte:

»Tod den Engländern! Tod den Spaniern!«

Bei diesem Rufe überlief den Muthigsten ein Schauer, denn alle fühlten, daß es der Ruf des eingewurzelten Hasses eines ganzen Volkes sey.

Die Königin, der Dauphin und ihr Gefolge, die um neun Uhr den Louvre verließen, kamen erst um halb elf Uhr in dem Rathhause an, denn überall mußte der Zug sich im buchstäblichen Sinne Bahn brechen, denn kein Soldat zog voraus und machte Platz. Im Gegentheil Jedermann wollte das Pferd, das Kleid oder gar die Hände der Königin und des Thronerben berühren.

Unter Freudengeschrei und Betheuerungen der Hingebung, womit das Volk sie begleitete, langte die Königin am Ziele an.

Der Magistrat und alle Berufenen warteten auf der Vortreppe.

Die Königin, der Dauphin, der Cardinal und Dandelot brauchten noch eine Viertelstunde.

Niemals war der Circus Nero‘s glänzender erleuchtet, auch nicht in den Nächten, in denen man Christen verbrannte, die man in Schwefel und Harz gewälzt hatte.

Lichter blitzten an allen Fenstern, Fackeln flammten auf dem ganzen Platze vor dem Rathhause, zogen sich auf den Quais hin und selbst bis aus die Spitze der Notre-Dame hinauf.

Der Fluß schien flüssiges Feuer zu treiben.

Die Königin und der Dauphin verschwanden in dem Portale des Rathhauses, um sich gleich darauf auf dem Balcon zu zeigen.

Man wiederholte in Begeisterung die Worte, welche Catharina gesagt haben sollte:

»Gute Leute, wenn der Vater bei eurer Vertheidigung stirbt, so bringe ich Euch hier seinen Sohn.«

Und bei dem Anblicke dieses Sohnes, welcher der arme kleine Franz II., bedauerlichen Andenkens, seyn sollte, klatschte man in die Hände und jubelte.

Die Königin blieb auf dem Balcon, um den Enthusiasmus zu erhalten, und ließ den Cardinal von Lothringen und Dandelot die Geschäfte abmachen.

Sie that wohl daran, denn sie besorgten die Geschäfte und besorgten sie gut.

»Sie beruhigten,« sagt die Geschichte Heinrichs II. von Lambert, »den Magistrat und die vornehmsten Bürger der Stadt Paris über die Liebe des Königs, der bereit sey sein Leben zu opfern, um die Gefahren abzuwenden, die sie zu bedrohen schienen; sie versicherten, daß der Verlust, den Frankreich erlitten, wie schmerzlich er auch sey, wohl ausgeglichen werden könne, wenn nur Se. Majestät in den getreuen Unterthanen den Eifer finde, den sie bisher immer für den Ruhm und das Wohl des Staates gezeigt; sie setzten hinzu, daß der König nicht gezögert habe, sein eigenes Besitzthum zu verpfänden, um seine Unterthanen nicht zu schwer zu belasten, daß er aber nun, da er dieses Auskunftsmittel nicht mehr habe, auf freiwillige Gaben rechnen müsse, die er um so mehr erwarte, da das französische Volk, je dringender das Bedürfniß sey, um so größere Anstrengungen machen müsse, den König in den Stand zu setzen, dem Feinde gleiche Streitkräfte entgegen zuführen.«

Diese Rede that ihre Wirkung. Die Stadt Paris bewilligte sofort dreimal hunderttausend Livres als erste Kriegskosten und forderte die ersten Städte im Lande auf ein Gleiches zu thun.

Was die Vertheidigungsmittel betraf – und man weiß, daß keine Zeit zu verlieren war – so schlug Dandelot vor:

Zuerst den Herrn von Guise mit seiner Armee aus Italien zurückzurufen, was übrigens bereits beschlossen war, so daß man die daraus bezüglichen Befehle schon längst abgesandt hatte;

zweitens dreißigtausend Mann französische und zwanzigtausend ausländische Truppen zu sammeln ;

endlich die Zahl der Reiterei zu verdoppeln.

Um die Riesenkosten in einem Augenblicke zu bestreiten, als die königlichen Güter verpfändet und die Staatstasten leer waren, machte Dandelot folgenden Antrag:

»Die Geistlichkeit, ohne irgend eine Ausnahme, werde aufgefordert, dem Könige als Geschenk ein jährliches Einkommen anzubieten;

»der Adel, obgleich durch seine Vorrechte von jeder Steuer frei, soll sich selbst nach seinem Vermögen besteuern.«

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
620 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain