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Kitabı oku: «Casanovas Heimfahrt», sayfa 5

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Mit dem letzten Gang zugleich brachte die Magd ein Schreiben, das ein Bote aus Mantua soeben für den Chevalier abgegeben hätte. Olivo, der merkte, wie Casanova vor Aufregung erblaßte, gab Auftrag, dem Boten Speise und Trank zu reichen, dann wandte er sich an seinen Gast mit den Worten: »Lassen Sie sich nicht stören, Chevalier, lesen Sie ruhig Ihren Brief.« – »Mit Ihrer Erlaubnis«, erwiderte Casanova, erhob sich, mit einer leichten Verneigung, vom Tisch, trat ans Fenster und öffnete das Schreiben mit gut gespielter Gleichgültigkeit. Es kam von Herrn Bragadino, seinem väterlichen Freund aus Jugendtagen, einem alten Hagestolz, der, nun über achtzig, und vor zehn Jahren Mitglied des Hohen Rats geworden, Casanovas Sache in Venedig mit mehr Eifer als die andern Gönner zu führen schien. Der Brief, ausnehmend zierlich, nur von etwas zittriger Hand geschrieben, lautete wörtlich:

»Mein lieber Casanova. Heute endlich befinde ich mich in der angenehmen Lage, Ihnen eine Nachricht zu senden, die, wie ich hoffe, in der Hauptsache Ihren Wünschen gerecht werden dürfte. Der Hohe Rat hat sich in seiner letzten Sitzung, die gestern abend stattfand, nicht nur bereit erklärt, Ihnen die Rückkehr nach Venedig zu gestatten, sondern wünscht sogar, daß Sie diese Ihre Rückkehr tunlichst beschleunigen, da beabsichtigt wird, die tätige Dankbarkeit, die Sie in zahlreichen Briefen in Aussicht gestellt haben, baldigst in Anspruch zu nehmen. Wie Ihnen vielleicht nicht bekannt ist, mein lieber Casanova (da wir ja Ihre Gegenwart so lange entbehren mußten), haben sich die innern Verhältnisse unsrer teuern Vaterstadt im Laufe der letzten Zeit sowohl in politischer als auch in sittlicher Hinsicht einigermaßen bedenklich gestaltet. Geheime Verbindungen bestehen, die gegen unsre Staatsverfassung gerichtet sind, ja einen gewaltsamen Umsturz zu planen scheinen, und wie es in der Natur der Dinge liegt, sind es vor allem gewisse freigeistige, irreligiöse und in jedem Sinne zuchtlose Elemente, die an diesen Verbindungen, die man mit einem härteren Worte auch Verschwörungen nennen könnte, in hervorragendem Maße teilhaben. Auf öffentlichen Plätzen, in den Kaffeehäusern, von Privatörtlichkeiten gar nicht zu reden, werden, wie uns bekannt ist, die ungeheuerlichsten, ja geradezu hochverräterische Unterhaltungen geführt; aber nur in den seltensten Fällen gelingt es, die Schuldigen auf frischer Tat zu ertappen oder ihnen etwas Sicheres nachzuweisen, da gerade gewisse, auf der Folter erzwungene Geständnisse sich als so unzuverlässig erwiesen haben, daß einige Mitglieder unsres Hohen Rats sich dafür aussprachen, in Hinkunft von einer solchen grausamen und dabei oft irreführenden Untersuchungsmethode lieber abzusehen. Zwar ist kein Mangel an Leuten, die sich gern in den Dienst der Regierung stellen, zum Besten der öffentlichen Ordnung und des Staatswohls; aber gerade von diesen Leuten sind die meisten als gesinnungstüchtige Anhänger der bestehenden Verfassung zu sehr bekannt, als daß man sich in ihrer Gegenwart so leicht zu einer unvorsichtigen Bemerkung oder gar zu hochverräterischen Reden hinreißen ließe. Nun wurde von einem der Senatoren, den ich vorläufig nicht nennen will, in der gestrigen Sitzung die Ansicht ausgesprochen, daß jemand, dem der Ruf eines Mannes ohne sittliche Grundsätze und überdies der Ruf eines Freigeistes voranginge – kurzum, daß ein Mensch wie Sie, Casanova, sobald er sich in Venedig wieder zeigte, zweifellos gerade in den verdächtigen Kreisen, von denen hier die Rede ist, sofortiger Sympathie und – bei einiger Geschicklichkeit von seiner Seite – bald einem rückhaltlosen Vertrauen begegnen müßte. Ja meines Erachtens würden sich mit Notwendigkeit, wie nach dem Walten eines Naturgesetzes, gerade diejenigen Elemente um Sie versammeln, an deren Unschädlichmachung und exemplarischer Bestrafung dem Hohen Rat in seiner unermüdlichen Sorge um das Wohl des Staates am meisten gelegen ist, und so würden wir es nicht nur als einen Beweis Ihres patriotischen Eifers, mein lieber Casanova, sondern auch als ein untrügliches Zeichen Ihrer vollkommenen Abkehr von all jenen Tendenzen betrachten, die Sie seinerzeit unter den Bleidächern zwar hart, doch, wie auch Sie heute einsehen (wenn wir Ihren brieflichen Versicherungen glauben dürfen), nicht ganz ungerecht büßen mußten, – wenn Sie sich bereit fänden, in dem oben angedeuteten Sinne sofort nach Ihrer Heimkehr bei den nun genügend gekennzeichneten Elementen Anschluß zu suchen, sich ihnen in freundschaftlicher Weise zuzugesellen, wie einer, der den gleichen Tendenzen huldigt, und von allem, was Ihnen verdächtig oder sonstwie wissenswürdig erschiene, dem Senat unverzüglichen und eingehenden Bericht zu erstatten. Für diese Dienste wäre man geneigt, Ihnen fürs erste einen monatlichen Gehalt von zweihundertfünfzig Lire auszusetzen, abgesehen von Extragratifikationen in einzelnen besonders wichtigen Fällen, sowie Ihnen natürlich auch alle Ihnen in Ausübung Ihres Dienstes erwachsenden Kosten (als da sind Freihalten des einen oder andern Individuums, kleine Geschenke an Frauenspersonen usw.) ohne Bedenklichkeit und Knickerei ersetzt würden. Ich verhehle mir keineswegs, daß Sie gewisse Skrupel werden niederzukämpfen haben, ehe Sie sich in dem von uns gewünschten Sinne entscheiden sollten; aber erlauben Sie mir als Ihrem alten und aufrichtigen Freunde (der auch einmal jung gewesen ist), Ihnen zur Erwägung zu geben, daß es niemals als unehrenhaft gelten kann, seinem geliebten Vaterlande irgendeinen für dessen gesichertes Weiterbestehen notwendigen Dienst zu erweisen, auch wenn es ein Dienst von einer Art wäre, wie sie dem oberflächlich und nicht patriotisch denkenden Bürger als minder würdig zu erscheinen pflegen. Auch möchte ich noch hinzufügen, daß Sie, Casanova, ja Menschenkenner genug sind, um den Leichtfertigen vom Verbrecher oder den Spötter vom Ketzer zu unterscheiden; und so werden Sie selbst es in der Hand haben, in berücksichtigungswerten Fällen Gnade vor Recht ergehen zu lassen, und immer nur denjenigen der Strafe zuzuführen, dem eine solche Ihrer eigenen Überzeugung nach gebührt. Vor allem aber bedenken Sie, daß die Erfüllung Ihres sehnlichsten Wunsches – Ihre Rückkehr in die Vaterstadt —, wenn Sie den gnädigen Vorschlag des Hohen Rates ablehnen sollten, auf lange, ja, wie ich fürchte, auf unabsehbare Frist hinausgeschoben wäre, und daß ich selbst, wenn ich auch das hier erwähnen darf, als einundachtzigjähriger Greis nach aller menschlicher Berechnung auf die Freude verzichten müßte, Sie jemals in meinem Leben wiederzusehen. Da Ihre Anstellung aus begreiflichen Gründen nicht so sehr einen öffentlichen als einen vertraulichen Charakter tragen soll, bitte ich Sie, Ihre Antwort, die ich mich anheischig mache, dem Hohen Rate in der nächsten, heute über acht Tage stattfindenden Sitzung mitzuteilen, an mich persönlich zu adressieren; und zwar mit möglichster Beschleunigung, da, wie ich schon oben andeutete, täglich Gesuche von zum Teil höchst vertrauenswürdigen Personen an uns gelangen, die sich dem Hohen Rat aus Liebe zum Vaterland freiwillig zur Verfügung stellen. Freilich gibt es kaum einen unter diesen, der es an Erfahrung und Geist mit Ihnen, mein lieber Casanova, aufzunehmen imstande wäre; und wenn Sie zu alldem noch meine Sympathie für Sie ein wenig in Betracht ziehen, so kann ich kaum daran zweifeln, daß Sie dem Rufe, der von so hoher und wohlgeneigter Stelle an Sie ergeht, freudig Folge leisten werden. Bis dahin bin ich in unveränderlicher Freundschaft Ihr anhänglicher Bragadino.

Nachschrift. Es wird mir angenehm sein, Ihnen sofort nach Ankündigung Ihres Entschlusses einen Wechsel im Betrage von zweihundert Lire auf das Bankhaus Valori in Mantua zur Bestreitung der Reisekosten auszustellen. Der Obige.«

Casanova hatte längst zu Ende gelesen, aber noch immer hielt er das Blatt vors Gesicht, um die Totenblässe seiner verzerrten Züge nicht merken zu lassen. Das Geräusch des Mahles mit Tellergeklapper und Gläsergeklirr ging indes weiter, doch niemand sprach ein Wort. Endlich ließ sich Amalia schüchtern vernehmen: »Die Schüssel wird kalt, Chevalier, wollen Sie sich nicht bedienen?« – »Ich danke«, sagte Casanova und ließ sein Antlitz wieder sehen, dem er nun dank seiner außerordentlichen Verstellungskunst einen ruhigen Ausdruck zu verleihen vermocht hatte. »Es sind vortreffliche Nachrichten, die ich hier aus Venedig erhalten habe, und ich muß unverzüglich meine Antwort absenden. Ich bitte daher um Entschuldigung, wenn ich mich sofort zurückziehe.« – »Tun Sie ganz nach Ihrem Belieben, Chevalier«, sagte Olivo. »Aber vergessen Sie nicht, daß in einer Stunde das Spiel beginnt.«

Casanova ging auf sein Zimmer, sank auf einen Stuhl, kalter Schweiß brach an seinem ganzen Körper aus, Frost warf ihn hin und her, und der Ekel stieg ihm bis zum Halse hinauf, so daß er glaubte, auf der Stelle ersticken zu müssen. Einen klaren Gedanken zu fassen, war er vorerst außerstande, und seine ganze Kraft verwandte er darauf, sich zurückzuhalten, ohne daß er zu sagen gewußt hätte, wovor. Denn hier im Hause war ja niemand, an dem er seinen ungeheuren Zorn hätte austoben können, und den dumpfen Einfall, daß Marcolina irgendwie an der namenlosen Schmach mitschuldig sei, die ihm widerfahren, vermochte er immerhin noch als Tollheit zu erkennen. Als er sich zur Not gesammelt, war sein erster Gedanke, an den Schurken Rache zu nehmen, die geglaubt hatten, ihn als Polizeispion dingen zu können. In irgendeiner Verkleidung wollte er sich nach Venedig schleichen und all die Wichte auf listige Weise vom Leben zum Tode bringen – oder wenigstens den einen, der den jämmerlichen Plan ausgeheckt hatte. War es etwa gar Bragadino selbst? Warum nicht? Ein Greis – so schamlos geworden, daß er diesen Brief an Casanova zu schreiben wagte, – so schwachsinnig, daß er Casanova – Casanova! den er doch einst gekannt hatte – für einen Spion eben gut genug hielt! Ah, er kannte eben Casanova nicht mehr! Niemand kannte ihn mehr, so wenig in Venedig als anderswo. Aber man sollte ihn wieder kennenlernen. Er war freilich nicht mehr jung und schön genug, um ein tugendhaftes Mädchen zu verführen – und kaum mehr gewandt und gelenkig genug, um aus Kerkern zu entwischen und auf Dachfirsten zu turnen – aber klüger war er noch immer als alle! Und wenn er nur einmal in Venedig war, so konnte er dort treiben und lassen, was ihm beliebte; es kam nur darauf an, endlich dort zu sein! Dann war es vielleicht gar nicht nötig, irgendwen umzubringen; es gab allerlei Arten von Rache, witzigere, teuflischere, als eine gewöhnliche Mordtat wäre; und wenn man zum Schein etwa den Antrag der Herren annahm, so war es die leichteste Sache von der Welt, gerade diejenigen Leute zu verderben, die man verderben wollte, und nicht diejenigen, auf die es der Hohe Rat abgesehen hatte und die unter allen Venezianern gewiß die allerbravsten Kerle waren! Wie? Weil sie Feinde dieser niederträchtigen Regierung waren, weil sie als Ketzer galten, sollten sie in dieselben Bleikammern, wo er vor fünfundzwanzig Jahren geschmachtet, oder gar unters Beil? Er haßte die Regierung noch hundertmal mehr und mit bessern Gründen als jene taten, und ein Ketzer war er sein Leben lang gewesen, war es heute noch und mit heiligerer Überzeugung als sie alle! Er hatte sich ja selber nur eine vertrackte Komödie vorgespielt in diesen letzten Jahren – aus Langeweile und Ekel. Er an Gott glauben? Was war denn das für ein Gott, der nur den Jungen hold war und die Alten im Stich ließ? Ein Gott, der sich, wann es ihm beliebte, zum Teufel wandelte, Reichtum in Armut, Unglück in Glück, und Lust in Verzweiflung kehrte? Hast du deinen Spaß mit uns – und wir sollen zu dir beten? – An dir zweifeln ist das einzige Mittel, das uns bleibt – dich nicht zu lästern! – Sei nicht! Denn, wenn du bist, so muß ich dir fluchen! Er ballte die Fäuste zum Himmel, er reckte sich auf. Unwillkürlich drängte sich ein verhaßter Name auf seine Lippen. Voltaire! Ja, nun war er in der rechten Verfassung, seine Schrift gegen den alten Weisen von Ferney zu vollenden. Zu vollenden? Nein, nun erst sollte sie begonnen werden. Eine neue! Eine andre! – in der der lächerliche Greis hergenommen werden sollte, wie er es verdiente… um seiner Vorsicht, seiner Halbheit, seiner Kriecherei willen. Ein Ungläubiger der? Von dem man in der letzten Zeit immer wieder hörte, daß er sich aufs trefflichste mit den Pfaffen stand und zur Kirche, an Festtagen sogar zur Beichte ging? Ein Ketzer der? Ein Schwätzer, ein großsprecherischer Feigling – nichts andres! Nun aber war die fürchterliche Abrechnung nah, nach der von dem großen Philosophen nichts übrig bleiben sollte als ein kleines witziges Schreiberlein. Wie hatte er sich aufgespielt, der gute Herr Voltaire… »Ah, mein guter Herr Casanova, ich bin Ihnen ernstlich böse. Was gehen mich die Werke des Herrn Merlin an? Sie sind schuld, daß ich vier Stunden mit Dummheiten verbracht habe.« – Geschmackssache, mein bester Herr Voltaire! Man wird die Werke Merlins noch lesen, wenn die Pucelle längst vergessen ist… und auch meine Sonette wird man möglicherweise dann noch schätzen, die Sie mir mit einem so unverschämten Lächeln zurückgaben, ohne ein Wort darüber zu äußern. Doch das sind Kleinigkeiten. Wir wollen eine große Angelegenheit nicht durch schriftstellerische Empfindlichkeiten verwirren. Es handelt sich um die Philosophie – um Gott…! Wir wollen die Klingen kreuzen, Herr Voltaire, sterben Sie mir nur gefälligst nicht zu früh.

Schon dachte er daran, seine Arbeit auf der Stelle zu beginnen, als ihm einfiel, daß der Bote auf Antwort wartete. Und mit fliegender Hand entwarf er einen Brief an den alten Dummkopf Bragadino, einen Brief voll geheuchelter Demut und verlogenen Entzückens: er nehme die Gnade des Hohen Rats mit freudiger Dankbarkeit an und erwarte den Wechsel mit wendender Post, um sich seinen Gönnern, vor allem seinem hochverehrten väterlichen Freunde Bragadino sobald als möglich zu Füßen legen zu dürfen. Während er eben daran war, den Brief zu versiegeln, klopfte es leise an die Tür; Olivos ältestes Töchterlein, die Dreizehnjährige, trat ein und bestellte, daß die ganze Gesellschaft bereits versammelt sei und den Chevalier mit Ungeduld zum Spiel erwarte. In ihren Augen glimmte es sonderbar, ihre Wangen waren gerötet, das frauenhaft dichte Haar spielte bläulich-schwarz um ihre Schläfen; der kindliche Mund war halb geöffnet: »Hast du Wein getrunken, Teresina?« fragte Casanova und machte einen langen Schritt auf sie zu. – »Wahrhaftig – und der Herr Chevalier merken das gleich?« Sie wurde noch röter, und wie in Verlegenheit strich sie sich mit der Zunge über die Unterlippe. Casanova packte sie bei den Schultern, hauchte ihr seinen Atem ins Gesicht, zog sie mit sich, warf sie aufs Bett; sie sah ihn mit großen hilflosen Augen an, in denen das Glimmen erloschen war; doch als sie ihren Mund wie zum Schreien öffnete, zeigte ihr Casanova eine so drohende Miene, daß sie fast erstarrte und alles mit sich geschehen ließ, was ihm beliebte. Er küßte sie zärtlich wild und flüsterte: »Du mußt es dem Abbate nicht sagen, Teresina, auch in der Beichte nicht. Und wenn du später einen Liebhaber kriegst oder einen Bräutigam oder gar einen Mann, der braucht es auch nicht zu wissen. Du sollst überhaupt immer lügen; auch Vater und Mutter und Geschwister sollst du anlügen; auf daß es dir wohl ergehe auf Erden. Merk› dir das.« – So lästerte er, und Teresina mußte es wohl für einen Segen halten, den er über sie sprach, denn sie nahm seine Hand und küßte sie andächtig wie die eines Priesters. Er lachte laut auf. »Komm«, sagte er dann, »komm, meine kleine Frau, wir wollen Arm in Arm im Saal unten erscheinen!« Sie zierte sich wohl ein wenig, lächelte aber dabei nicht unzufrieden.

Es war die höchste Zeit, daß sie aus der Tür traten, denn Olivo kam eben erhitzt mit gerunzelten Brauen die Treppe herauf, und Casanova vermutete gleich, daß unzarte Scherze des Marchese oder des Abbate über das lange Ausbleiben der Kleinen ihm Bedenken verursacht haben mochten. Seine Züge erheiterten sich sofort, als er Casanova wie zum Scherz in die Kleine eingehängt auf der Schwelle stehen sah. »Verzeihen Sie, mein bester Olivo«, sagte Casanova, »daß ich warten ließ. Ich mußte meinen Brief erst zu Ende schreiben.« Er hielt ihn Olivo wie ein Beweisstück entgegen. »Nimm ihn«, sagte Olivo zu Teresina, indem er ihr die etwas verwirrten Haare zurechtstrich, »und bring› ihn dem Boten.« – »Und hier«, fügte Casanova hinzu, »sind zwei Goldstücke, die gibst du dem Mann: er möge sich beeilen, daß der Brief noch heute richtig von Mantua nach Venedig abgehe – und meiner Wirtin möge er bestellen, daß ich… heute abend wieder daheim bin.« – »Heute abend?« rief Olivo. »Unmöglich!« – »Nun, wir werden sehen«, sagte Casanova herablassend. – »Und hier, Teresina, ein Goldstück für dich«… und auf Olivos Einrede: »Leg› es in deine Sparbüchse, Teresina; der Brief, den du in Händen hast, ist seine paar tausend Goldstücke wert.« – Teresina lief, und Casanova nickte vergnügt, es machte ihm einen ganz besondern Spaß, das Dirnchen, deren Mutter und Großmutter ihm auch schon gehört hatten, im Angesicht ihres eigenen Vaters für ihre Gunst zu bezahlen.

Als Casanova mit Olivo in den Saal trat, war das Spiel schon im Gange. Die emphatische Begrüßung der andern erwiderte er mit heitrer Würde und nahm gegenüber dem Marchese Platz, der die Bank hielt. Die Fenster waren gegen den Garten zu offen; Casanova hörte Stimmen, die sich näherten; Marcolina und Amalia kamen vorüber, blickten flüchtig in den Saal, verschwanden und waren dann nicht mehr zu sehen. Während der Marchese die Karten auflegte, wandte sich Lorenzi mit großer Höflichkeit an Casanova. »Ich mache Ihnen mein Kompliment, Chevalier, Sie waren besser unterrichtet, als ich es gewesen bin: unser Regiment marschiert in der Tat bereits morgen vor Abend aus.« Der Marchese schien erstaunt. »Und das sagen Sie uns erst jetzt, Lorenzi?« – »Es ist wohl nicht so wichtig!« – »Für mich nicht so sehr«, meinte der Marchese, »aber für meine Gattin! Finden Sie nicht?« Er lachte in einer abstoßenden heisern Art. »Übrigens ein wenig doch auch für mich! Da ich gestern vierhundert Dukaten an Sie verloren habe und am Ende keine Zeit bleibt, sie zurückzugewinnen.« – »Auch uns hat der Leutnant Geld abgewonnen«, sagte der jüngere Ricardi, und der ältere, schweigende, sah über die Schulter zu dem Bruder auf, der, wie gestern, hinter ihm stand. – »Glück und Frauen…« begann der Abbate. Und der Marchese schloß statt seiner: »Zwingt, wer mag.« – Lorenzi streute seine Goldstücke wie achtlos vor sich hin. »Da sind sie. Wenn Sie wünschen, alle auf ein Blatt, Marchese, damit Sie Ihrem Gelde nicht lange nachzulaufen haben.« Casanova verspürte plötzlich eine Art Mitleid für Lorenzi, das er sich selbst nicht recht erklären konnte; doch da er von seinem Ahnungsvermögen etwas hielt, war er überzeugt, daß der Leutnant im ersten Gefechte, das ihm bevorstand, fallen werde. Der Marchese nahm den hohen Satz nicht an; Lorenzi bestand nicht darauf; so ging das Spiel, an dem sich auch die andern in ihrer bescheidenen Weise, wie tags vorher, beteiligten, vorerst nur mit mäßigen Einsätzen weiter. Schon in der nächsten Viertelstunde wurden diese höher; und vor Ablauf der darauffolgenden hatte Lorenzi seine vierhundert Dukaten an den Marchese verloren. Um Casanova schien sich das Glück nicht zu kümmern; er gewann, verlor und gewann wieder in fast lächerlich regelmäßigem Wechsel. Lorenzi atmete auf, als sein letztes Goldstück zum Marchese hinübergerollt war und erhob sich. »Ich danke, meine Herren. Dies wird nun«, er zögerte – »für lange mein letztes Spiel in diesem gastfreundlichen Hause gewesen sein. Und nun, mein verehrter Herr Olivo, gestatten Sie mir noch, mich von den Damen zu verabschieden, ehe ich nach der Stadt reite, wo ich vor Sonnenuntergang eintreffen möchte, um meine Zurüstungen für morgen zu treffen.« – Unverschämter Lügner, dachte Casanova. In der Nacht bist du wieder hier und – bei Marcolina! Neu flammte der Zorn in ihm auf »Wie?« rief der Marchese übel gelaunt, »der Abend noch stundenfern, und das Spiel soll schon zu Ende sein? Wenn Sie wünschen, Lorenzi, mag mein Kutscher nach Hause fahren und der Marchesa bestellen, daß Sie sich verspäten.« – »Ich reite nach Mantua«, entgegnete Lorenzi ungeduldig. – Der Marchese, ohne darauf zu achten, sprach weiter: »Es ist noch Zeit genug; rücken Sie nur mit Ihren eigenen Goldstücken heraus, so wenig es sein mögen.« Und er warf ihm eine Karte hin. »Ich habe nicht ein einziges Goldstück mehr«, sprach Lorenzi müde. – »Was Sie nicht sagen!« – »Nicht eines«, wiederholte Lorenzi wie angeekelt. – »Was tut›s«, rief der Marchese mit einer plötzlichen, nicht sehr angenehm wirkenden Freundlichkeit. »Sie sind mir für zehn Dukaten gut, und wenn›s sein muß, für mehr.« – »Ein Dukaten also«, sagte Lorenzi und nahm Karten auf. Der Marchese schlug sie mit den seinen. Lorenzi spielte weiter, als verstände sich das nun von selbst; und bald war er dem Marchese hundert Dukaten schuldig. Casanova übernahm die Bank und hatte noch mehr Glück als der Marchese. Es war indes wieder ein Spiel zu dreien geworden, heute ließen sich›s auch die Brüder Ricardi ohne Einspruch gefallen; mit Olivo und dem Abbate waren sie bewundernde Zuschauer. Kein lautes Wort wurde gewechselt, nur die Karten sprachen, und sie sprachen deutlich genug. Der Zufall des Spieles wollte, daß alles Bargeld zu Casanova hinüberfloß, und als eine Stunde vergangen war, hatte er zweitausend Dukaten zwar von Lorenzi gewonnen, aber sie kamen alle aus des Marchese Tasche, der nun ohne einen Soldo dasaß. Casanova stellte ihm zur Verfügung, was ihm belieben sollte. Der Marchese schüttelte den Kopf. »Ich danke«, sagte er, »nun ist es genug. Für mich ist das Spiel zu Ende.« Aus dem Garten klang das Lachen und Rufen der Kinder. Casanova hörte Teresinas Stimme heraus; er saß mit dem Rücken gegen das Fenster und wandte sich nicht um. Noch einmal versuchte er, zugunsten Lorenzis, er wußte selbst nicht warum, den Marchese zum Weiterspielen zu bewegen. Dieser erwiderte nur durch ein noch entschiedeneres Kopfschütteln. Lorenzi erhob sich. »Ich werde mir erlauben, Herr Marchese, die Summe, die ich Ihnen schulde, morgen vor zwölf Uhr mittags persönlich in Ihre Hände zu übergeben.«Der Marchese lachte kurz. »Ich bin neugierig, wie Sie das anstellen wollen, Herr Leutnant Lorenzi. Es gibt keinen Menschen in Mantua oder anderswo, der Ihnen auch nur zehn Dukaten leihen würde, geschweige zweitausend, insbesondre heute, da Sie morgen ins Feld gehen; und es ist nicht so ausgemacht, daß Sie zurückkehren.« – »Sie werden Ihr Geld morgen früh acht Uhr erhalten, Herr Marchese, auf – Ehrenwort.« – »Ihr Ehrenwort«, sagte der Marchese kalt, »ist mir nicht einmal einen Dukaten wert, viel weniger zweitausend.« – Die andern hielten den Atem an. Doch Lorenzi erwiderte nur, anscheinend ohne tiefere Erregung: »Sie werden mir Genugtuung geben, Herr Marchese.« – »Mit Vergnügen, Herr Leutnant«, entgegnete der Marchese, »sobald Sie Ihre Schuld bezahlt haben.« – Olivo, aufs peinlichste berührt, sagte ein wenig stotternd: »Ich bürge für die Summe, Herr Marchese. Leider habe ich nicht Bargeld genug zur Hand, um sofort – doch mein Haus, meine Besitzung« – und er wies mit einer ungeschickten Bewegung rings im Kreise umher. »Ich nehme Ihre Bürgschaft nicht an«, sagte der Marchese, »um Ihretwillen, Sie würden Ihr Geld verlieren.« Casanova sah, wie sich alle Blicke auf das Gold richteten, das vor ihm lag. – Wenn ich für Lorenzi bürgte – dachte er. Wenn ich für ihn zahlte… Dies könnte der Marchese nicht zurückweisen… Wär› es nicht beinahe meine Verpflichtung? Es ist ja das Gold des Marchese. – Doch er schwieg. Er fühlte, wie ein Plan in ihm dumpf erstand, dem er vor allem Zeit lassen mußte, sich klar zu gestalten. »Sie sollen Ihr Geld noch heute vor Anbruch der Nacht haben«, sagte Lorenzi. »In einer Stunde bin ich in Mantua.« – »Ihr Pferd kann den Hals brechen«, erwiderte der Marchese, »Sie auch… am Ende gar mit Absicht.« – »Immerhin«, sagte der Abbate unwillig, »kann Ihnen der Leutnant das Geld nicht herzaubern.« Die beiden Ricardi lachten, brachen aber gleich wieder ab. »Es ist klar«, wandte sich Olivo an den Marchese, »daß Sie dem Leutnant Lorenzi vor allem einmal gestatten müssen, sich zu entfernen.« – »Gegen ein Pfand«, rief der Marchese mit funkelnden Augen, als machte ihm sein Einfall ein besondres Vergnügen. »Das scheint mir nicht übel«, sagte Casanova etwas zerstreut, denn sein Plan reifte heran. Lorenzi zog einen Ring vom Finger und ließ ihn auf den Tisch gleiten. Der Marchese nahm ihn. »Der mag für tausend gelten.« – »Und der hier?« Lorenzi schleuderte einen zweiten Ring vor den Marchese hin. Dieser nickte und meinte: »Für ebensoviel.« – »Sind Sie nun zufrieden, Herr Marchese?« sagte Lorenzi und schickte sich an, zu gehen. »Ich bin zufrieden«, entgegnete der Marchese schmunzelnd, »um so mehr, als diese Ringe gestohlen sind.« Lorenzi wandte sich rasch um, und über den Tisch hin erhob er die Faust, um sie auf den Marchese niedersausen zu lassen. Olivo und der Abbate hielten seinen Arm fest. »Ich kenne die beiden Steine«, sagte der Marchese, ohne sich von seinem Platz zu rühren, »wenn sie auch neu gefaßt sind. Sehen Sie, meine Herren, der Smaragd hat einen kleinen Fehler, sonst wäre er zehnmal soviel wert. Der Rubin ist tadellos, aber nicht sehr groß. Beide Steine stammen aus einem Schmuck, den ich selbst einmal meiner Frau geschenkt habe. Und da ich doch nicht annehmen kann, daß die Marchesa diese Steine für den Leutnant Lorenzi zu Ringen hat fassen lassen, so können sie, – so kann offenbar der ganze Schmuck nur gestohlen sein. Also – das Pfand genügt mir, Herr Leutnant, bis auf weiteres.« – »Lorenzi!« rief Olivo. »Von uns allen haben Sie das Wort, daß keine Seele jemals erfahren wird, was soeben hier vorgegangen ist.« – »Und was auch Herr Lorenzi begangen haben mag«, sagte Casanova, »Sie, Herr Marchese, sind der größte Schuft.« – »Das will ich hoffen«, erwiderte der Marchese. »Wenn man einmal so alt ist wie unsereiner, Herr Chevalier von Seingalt, darf man sich wenigstens in der Schurkerei von niemandem andern übertreffen lassen. Guten Abend, meine Herren.« Er stand auf, niemand erwiderte seinen Gruß, und er ging. Für eine kurze Weile ward es so still, daß wieder das Lachen der Kinder vom Garten her wie in übertriebener Lautheit vernehmlich wurde. Wer hätte auch das Wort zu finden vermocht, das jetzt bis in Lorenzis Seele gedrungen wäre, der noch immer mit über dem Tisch erhobenem Arm dastand wie vorher? Casanova, der als einziger auf seinem Platz sitzengeblieben war, fand ein unwillkürliches künstlerisches Gefallen an dieser zwar sinnlos gewordenen, gleichsam versteinerten, aber drohend-edlen Geste, die den ganzen Jüngling in ein Standbild zu verwandeln schien. Endlich wandte sich Olivo an ihn wie mit einer Gebärde der Beschwichtigung, auch die Ricardis näherten sich, und der Abbate schien sich zu einer Anrede entschließen zu wollen; da fuhr es durch Lorenzis Glieder wie ein kurzes Beben; eine gebieterisch unwillige Bewegung wehrte jeden Versuch einer Einmischung ab, und mit einem höflichen Neigen des Kopfes verließ er ohne Hast den Raum. Im selben Augenblick erhob sich Casanova, der indes das Gold, das vor ihm lag, in ein Seidentuch zusammengerafft hatte, und folgte ihm auf dem Fuß. Er fühlte, ohne die Mienen der andern zu sehen, daß sie alle der Meinung waren, er beeile sich nun, dasjenige zu tun, was sie die ganze Zeit über von ihm erwartet, und werde Lorenzi die gewonnene Geldsumme zur Verfügung stellen.

In der Kastanienallee, die vom Hause zum Tore führte, holte er Lorenzi ein und sagte in leichtem Tone: »Würden Sie mir erlauben, Herr Leutnant Lorenzi, mich Ihrem Spaziergang anzuschließen?« Lorenzi, ohne ihn anzusehen, erwiderte in einem hochmütigen, seiner Lage kaum ganz angemessenen Tone: »Wie›s beliebt, Herr Chevalier; aber ich fürchte, Sie werden in mir keinen unterhaltenden Gesellschafter finden.« – »Sie, Leutnant Lorenzi, vielleicht einen um so unterhaltenderen in mir«, sagte Casanova, »und wenn Sie einverstanden sind, nehmen wir den Weg über die Weinberge, wo wir ungestört plaudern können.« Sie bogen von der Fahrstraße auf denselben Pfad ein, den, die Gartenmauer entlang, Casanova tags vorher mit Olivo gegangen war. »Sie vermuten ganz richtig«, so setzte Casanova ein, »daß ich gesonnen bin, Ihnen die Summe Geldes anzubieten, die Sie dem Marchese schuldig sind; nicht leihweise, denn das – Sie werden mir verzeihen – hielte ich für ein allzu riskantes Geschäft, sondern als – freilich geringen Gegenwert für eine Gefälligkeit, die Sie mir zu erweisen vielleicht imstande wären.« – »Ich höre«, sagte Lorenzi kalt. – »Ehe ich mich weiter äußere«, erwiderte Casanova im selben Tone, »bin ich genötigt, eine Bedingung zu stellen, von deren Annahme durch Sie ich die Fortsetzung dieser Unterhaltung abhängig mache.« – »Nennen Sie Ihre Bedingung.« – »Ich verlange Ihr Ehrenwort, daß Sie mich anhören, ohne mich zu unterbrechen, auch wenn das, was ich Ihnen zu sagen habe, Ihr Befremden oder Ihr Mißfallen oder gar Ihre Empörung erregen sollte. Es steht vollkommen bei Ihnen, Herr Leutnant Lorenzi, ob Sie nachher meinen Vorschlag annehmen wollen, über dessen Ungewöhnlichkeit ich mich keiner Täuschung hingebe, oder nicht; aber die Antwort, die ich von Ihnen erwarte, ist nur ein Ja oder Nein; und wie immer sie ausfallen sollte, – von dem, was hier verhandelt wurde, zwischen zwei Ehrenmännern, die vielleicht beide zugleich Verlorene sind, wird niemals eine Menschenseele erfahren.« – »Ich bin bereit, Ihren Vorschlag zu hören.« – »Und nehmen meine Vorbedingung an?« – »Ich werde Sie nicht unterbrechen.« – »Und werden kein andres Wort erwidern als Ja oder Nein?« – »Kein andres als Ja oder Nein.« – »Gut denn«, sagte Casanova. Und während sie langsam hügelaufwärts stiegen, zwischen den Rebenstöcken, unter einem schwülen Spätnachmittagshimmel, begann Casanova: »Lassen Sie uns die Angelegenheit nach den Gesetzen der Logik behandeln, so werden wir einander am besten verstehen. Es besteht offenbar keine Möglichkeit für Sie, sich das Geld, das Sie dem Marchese schuldig sind, bis zu der von ihm festgesetzten Frist zu verschaffen; und für den Fall, daß Sie es ihm nicht zahlen sollten, auch darüber kann kein Zweifel sein, ist er fest entschlossen, Sie zu vernichten. Da er mehr von Ihnen weiß (hier wagte sich Casanova weiter vor als er mußte, doch er liebte solche kleine nicht ganz ungefährliche Abenteuer auf einem im übrigen vorgezeichneten Weg), als er uns heute verraten hat, sind Sie tatsächlich völlig in der Gewalt dieses Schurken, und Ihr Schicksal als Offizier, als Edelmann wäre besiegelt. Das ist die eine Seite der Sache. Dagegen sind Sie gerettet, sobald Sie Ihre Schuld bezahlt und die – irgendwie in Ihren Besitz gelangten Ringe wieder in Händen haben; – und gerettet sein: das heißt für Sie in diesem Fall nicht weniger, als daß Ihnen ein Dasein wieder gehört, mit dem Sie schon so gut wie abgeschlossen hatten, und zwar, da Sie jung, schön und kühn sind, ein Dasein voll Glanz, Glück und Ruhm. Eine solche Aussicht scheint mir herrlich genug, besonders wenn auf der andern Seite nichts winkt als ein ruhmloser, ja schimpflicher Untergang, um ihr zuliebe ein Vorurteil aufzuopfern, das man persönlich eigentlich niemals besaß. Ich weiß es, Lorenzi«, setzte er rasch hinzu, als sei er einer Entgegnung gewärtig und wollte ihr zuvorkommen, »Sie haben gar keine Vorurteile, so wenig als ich sie habe oder jemals hatte; und was ich von Ihnen zu verlangen willens bin, ist nichts andres, als was ich selbst an Ihrer Stelle unter den gleichen Umständen zu erfüllen mich keinen Augenblick besonnen hätte, – wie ich mich auch tatsächlich nie gescheut habe, wenn es das Schicksal oder auch nur meine Laune so forderte, eine Schurkerei zu begehen oder vielmehr das, was die Narren dieser Erde so zu nennen pflegen. Dafür war ich aber auch, gleich Ihnen, Lorenzi, in jeder Stunde bereit, mein Leben für weniger als nichts aufs Spiel zu setzen, und das macht alles wieder wett. Ich bin es auch jetzt – für den Fall, daß Ihnen mein Vorschlag nicht gefiele. Wir sind aus gleichem Stoff gemacht, Lorenzi, sind Brüder im Geiste, und so dürfen sich unsre Seelen ohne falsche Scham, stolz und nackt, gegenüberstehen. Hier sind meine zweitausend Dukaten – vielmehr die Ihren – wenn Sie es ermöglichen, daß ich die heutige Nacht an Ihrer Stelle mit Marcolina verbringe. Wir wollen nicht stehenbleiben, Lorenzi, wir wollen weiterspazieren.«

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
150 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain

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