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Kitabı oku: «Gräfin Elisa von Ahlefeldt, die Gattin Adolphs von Lützow, die Freundin Karl Immermann's», sayfa 14

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24

Münster, den 11. Februar 1841.

Endlich, gütigste Frau Gräfin, kann ich für Ihr köstliches Neujahrsgeschenk, Ihre unvergleichliche Zuschrift vom 1. Januar, meinen Dank bezeigen, einen Dank, der nie inniger ausgesprochen ist. Wie hätte ich damit bis hieher zögern können, wenn es mir eher möglich gewesen! – Aber es sind dies die ersten Zeilen meiner Hand seit dem vorigen Weihnachtsfeste, wo die sibirische Witterung, die erstarrende, ewige Kälte meine Natur und namentlich die Brust so angegriffen und mit einem unablässigen Husten, den ich nie gekannt, dergestalt gequält hat, daß mir alle Lust am Leben entfloh. – Jetzt ist alles wieder in guter Ordnung; das schöne Genesungsgefühl durchdringt mich lieblich, und Auge und Herz sind wieder mit neu erwachten süßen Gefühlen auf die edle Freundin gerichtet. Wie oft hat in den schlimmen Tagen und schlaflosen Stunden der Inhalt Ihrer Zeilen mich erquickt – wie oft habe ich an Ihr schönes Herz mich geschmiegt! Und wie schmerzhaft war es mir, Ihnen nichts sagen zu können! – Sie haben mich mit neuer Kraft gestählt; mein Geist schwingt sich über die weite Schneewelt empor; ich kann mich wieder des Lebens und der Freundin freuen! Möchte ich nur aus diesem Schwunge Sie selbst erreichen! – Holdes Wiedersehen – wirst Du mir werden? – O, ich hoffe! – ich glaube. – Bei Ihrem vor mir liegenden Blättchen wird mir zu Muthe, als ob ich in Ihr liebes Auge sähe, was ich immer so gern gethan! – Mit Poesie und Kunst eröffnet mir Ihre schöne Hand die Pforte der neuen Zeit. Möge sie für uns heilbringend sein. – Alle Schritte, Worte, Thaten unseres trefflichen Königs nehme ich zu Herzen. Wie viel Schönes hat er in kurzer Zeit vollbracht. O, hätte ich, trotz dem Regen, ihn selbst gehört! – Es lassen sich Stimmen hören, als halte man den Rosenglanz jener unvergleichlichen Feier schon für erblichen! Ich meine aber, so kann nur hypochondrischer Mißmuth reden. – Daß der König gleich seinen Sitz in Sanssouci genommen, seine erste Verfügung von dort aus ergehen ließ, war mir ein sehr angenehmes und willkommenes Zeichen der neuen Zeit. – Die hiesigen Katholiken – namentlich der Adel – waren nie so preußisch. Doch werden sie sich ohne Zweifel in der Hoffnung betrügen, daß ihnen der Erzbischof wiedergegeben wird! Das kann und will ich nicht denken!

Wie oft gedenke ich Immermann's! O, theurer Name, von so Vielen beweint! – Wie herrlich, daß der König seiner jungen Wittwe nun die volle Summe von 400 Thalern als Pension bewilligt! –

Ach, so ist nun auch schon die kleine Unterhaltung zu Ende. Ich muß schließen, womit ich begonnen habe, mit Ergüssen des Dankes, der Freude und Liebe gegen die edle, die liebenswürdige Freundin – an die ich so gern denke, an deren Bilde ich oft mit ganzer Seele hänge, in die ich mich oft hineinlebe, als wäre ich eins mit ihr. O, daß ich schließen muß, und damit alles sich wieder in die Ferne zieht! – Bis zum Wiedersehen der geliebten Elisa

der ergebenste Freund

Möller.

25

Münster, den 11. Februar 1842.

Theuerste Frau Gräfin!

Ich bin aus langer Finsterniß an's Licht gekommen, der Erstling meiner neuen Tage sei der innigste Herzensgruß an Sie, meine holdselige Freundin! – Nie kann ein Dank beseelter ausgesprochen sein, als der, den ich hiermit ausdrücke dafür, daß Sie, sich immer gleich, mir hold und zugethan bleiben, Sie sind mir dadurch wie ein Stern aus besseren Welten. Sie denken wohl nicht, wie oft in den nächstvorigen Tagen Sie wie eine holde, unsichtbare Macht aus weiter Ferne mich getröstet und erhoben haben. Ich habe nämlich eine lange Zeit durch den barbarischen Winter gelitten, mit Nervenschwäche und einem grippenartigen Uebel gekämpft. Es kam hinzu, daß auch meine guten Kinder und Enkel von ähnlichen Uebeln heimgesucht wurden. –

Jetzt bin ich an den hellen Tag gekommen und freue mich unaussprechlich, Ihnen wieder frisch und fröhlich schreiben zu können. Die hier eingetretenen frühlingsmäßigen Tage durchströmen mich mit neuer Lebenslust. O, daß ich heute Sie sähe – die Freundin auch der Natur – gewiß röthet die so schön aufgegangene Morgensonne höher Ihre Wange, und die blauäugigte Athene blickt lächelnd zu dem ihr befreundeten Himmel! Gewiß ist es so, denn ich sehe Sie ja! An diese liebliche Vorstellung – (o, wie sie mich anzieht!) knüpft sich eine andere, schon ältere, aber immer wiederkehrende, und immer ungestümer werdende – Sie nicht mehr nur im Geiste – sondern Auge in Auge, Hand in Hand – mit einem Worte – von Angesicht zu Angesicht, leibhaftig zu sehen, und daß ich Sie – Potsdamerstraße 38 begrüße und besuche! Der Mai müßte dazu gewählt, und von mir ein Urlaub auf längere Zeit erbeten werden. Himmel, wenn ich dann ganz frank und frei, gleich den Vögelein über den Wolken mich bewegen, frei athmen, die Welt wie mein fühlen, und das Leben recht eigentlich genießen kann – und das in Ihrer Nähe – des ewigen Zwanges entledigt!

Wie danke ich dem Himmel, daß die Götterkraft der Freuden, der Liebe, mich wieder durchdringt. Wie leicht und schön wird da das Leben! –

Die ganze Reise des Königs ist ein Triumphzug der edelsten Art, nicht nach blutigen Siegen, sondern nach einer unermeßlichen Herzenseroberung. Mehr ist kein Titus geliebt worden. – Ohne Zweifel wird in Elberfeld auch Friedrich Krummacher, meiner Schwester Sohn, zur Cour kommen, und es wird sich nun wohl bald zeigen, ob man ihn nach Berlin will. Er hat mir gar sehr gerühmt, Ihnen seine Aufwartung gemacht zu haben, wie auch der Frau Paalzow.

Eben komme ich von Fräulein von Wrede; sie wurde beredt, als sie Ihr Lob aussprach, und kann nicht genug rühmen von Berlin und des schönen Tages, wo sie mit Ihnen und Wach's zusammengewesen. – Freundin Engels empfiehlt sich sehr. Im Ganzen hält sie sich wohl und thätig in Handel und Wandel.

Herr von Vincke ist dem König entgegengereist, seine Familie sehr wohlauf. So auch die von Pfuel'sche, die uns auch hier sehr werth ist.

Die Berliner Zeitungen lese auch ich sehr fleißig, und grade diese um so lieber, da ich dadurch an Sie zu denken veranlaßt werde. Ist etwas Hübsches vorgefallen, so sehe ich Sie dabei gegenwärtig, z. B. bei den Conzerten des dort so hoch gefeierten Liszt, der übrigens auch bei uns einige große Concerte gegeben.

Wie viel auch historisch Wichtiges haben Sie mir im jüngsten Briefe erzählt. Wie soll ich dabei Ihnen genug danken. Sie verstehen sich vor allem auf die Freuden des Freudemachens.

Buchstaben befriedigen mich so wenig, ich meine immer noch nichts gesagt zu haben. Bei und mit und in Ihnen sein, ist allein das Rechte. Das Sie mir nur hold bleiben mögen! Fräulein von Wrede sagte mir heute, Sie seien eine unvergängliche Schöne! Ich hörte das mit Freude und den besten Wünschen. Hoffentlich führt mich der Mai zum fröhlichen Anschaun! Ihre lieben, holden Hände tausendmal küssend, empfiehlt sich Ihnen mit warmem Herzen der innig ergebene Freund

Möller.

26

Münster, den 14. April 1843.

Eben, holdselige Freundin, geht die Morgensonne auf und verklärt mein Gärtchen, aber auch, und mehr noch, meinen Sinn, mein Herz und Gemüth. Denn ich habe Muth gefaßt, Ihnen zu schreiben. Emil Krummacher, Prediger in Duisburg, Sohn meiner Schwester in Bremen, Bruder des Fritz Krummacher zu Elberfeld, der im vorigen Jahr Ihnen einen Besuch zu machen so glücklich gewesen, zieht in diesen Tagen nach Berlin, den König einer Kirchensache wegen zu sprechen. Diesem will ich dies Blättchen geben, es Ihnen zu überbringen. – Daß ich so lange habe schweigen können, möchte ich die Götter befragen. Und doch gehören Sie zu einem meiner herrschendsten Gedanken, und wird dies auch nie bei mir aufhören. Sie sind mir auf dem Wege meines Lebens eine so theure, unvergeßliche Erscheinung geworden, daß es keiner Schriftzeichen bedarf; sie reichen nie hin, mein Innerstes auszudrücken; ein holder Genius aus einer schöneren Welt sind und bleiben Sie mir. – O, lassen Sie mir den unentbehrlichen Trost, daß Sie mir zugethan bleiben! Mehr als ich auszudrücken vermag,

Ihr ergebener

Möller.

27

Münster, den 28. August 1844.

Unmöglich ist es mir, hochgeliebte Freundin, meinen sehr werthen Freund, Consistorialassessor Daub, (Prediger an der hiesigen evangelischen Kirche) nach Berlin zum dortigen Gustav-Adolphverein abreisen zu lassen, ohne ihm ein Wörtchen an Sie mitzugeben, ohne ihn zu bitten, den Muth zu fassen, zu Ihnen zu eilen, daß er meinen Liebes- und Friedensgruß Ihnen bringe, und mir dafür einen Abglanz Ihres holden lieben Wesens zurückgebe. Wie mit erneuerter Liebe werde ich seiner mich freuen, wenn er von Ihnen zu mir gekommen ist. Ich glaube an eine Welt, wo Alles vergolten, an ein Unvergängliches – schon darum, weil meine Liebe, mein Vertrauen, meine Sehnsucht – nach Ihnen, Ihrem Herzen und Wesen schlechthin unveränderlich und unvergänglich ist. Sobald Ihr liebes Bild in mir lebendig wird, ergreift mich ein wundersam schönes Gefühl, dem ich keine Abnahme, kein Ende wünschen möchte. – Sie lächeln wohl eines solchen Bekenntnisses? Wie sollte ich es aber verhehlen! Es ist mir ein gar zu süßes Bedürfniß, es auszusprechen.

Eine völlige Unmöglichkeit wäre es jetzt für mich, mit Herrn Daub mich aufzumachen, bei der Eile, womit gereist werden muß – bei hiesiger äußerster Geschäftigkeit, und bei der Sündfluth des Regens, obwohl ich mir es für Augenblicke romantisch denke, Ihnen zur Seite, auch über den Weltocean in einer Noah'schen Arche zu segeln. –

Meine einzige, herzlichtreue Schwester, Eleonore Krummacher zu Bremen habe ich durch den Tod verloren, was eine Wehmuth über mein ganzes noch übriges Leben bringt. Es ist dadurch auch die ohnehin geschwächte Gesundheit meines Schwagers so stark angegriffen, daß er es schwerlich überwinden wird. Mit diesem Schwager, dem Dichter und Schriftsteller, habe ich das Schönste auf Erden genossen – vollkommene Freundschaft! Diesen Engel des Lebens habe ich in allen seinen Seligkeiten kennen gelernt, so daß ich schon deßhalb sagen darf: Ich habe nicht umsonst gelebt!

 
»Das arme Herz hienieden –
Von manchem Sturm bewegt!
Wann findet es den Frieden? –
Wenn es sich nicht mehr regt.«
 

Meine alte Freundin Engels hält sich zum Bewundern froh und gesund. Immer dieselbe! gekräftigt und glücklich im Handel für Bedürftige. – Von Pfuel's sind noch nicht aus Ostende zurück; sie sind mir sehr lieb. – Die Milanollo's haben Sie auch gehört? Nichts Schöneres in dieser Art hab' ich vernommen.

Aber wohin habe ich mich verirrt – so zu schwatzen! Doch werden Sie es gütig beurtheilen. Mit Geliebten plaudert sich's so gern! –

Ach, daß ich schließen muß. Es war mir, als ob ich bei Ihnen wäre! Selige Zeit, wo es sich einst wirklich so verhielt! – Lassen Sie mir den Trost, daß Sie noch mein gedenken – mir noch zugethan sind – mich nicht vergessen! Ich habe Sie gar zu lieb! Christiane Engels empfiehlt sich bestens. Ein freundlicher Himmel umschwebe Sie stets! Immer und immer, o, liebe holde Elisa! –

Der herzergebene

Möller.

Briefe von Henriette Paalzow an Elisa

1

Berlin, den 29. Oktober 1833.

Es kommt ein Briefchen angeflogen, das will der gütige Freund Immermann Ihnen geben, daß Sie nicht erschrecken und denken, ich bürde Ihnen einen Briefwechsel auf – nichts soll es – nichts will es, als Ihnen sagen: es ist zu schwer, Sie ganz zu lassen, wenn man Sie einmal wieder gesehen hat – und daran knüpft sich die Lust, so ein Blättchen voll zu schreiben mit kleinen Liebkosungen – und daß ich es eben thue, das hat wieder der Freund mit seiner überzeugenden Zusage, Sie gegen jeden Schreck zu bewahren, herbeigeführt. Sie wissen also damit, daß wir ihn wirklich noch hier getroffen, und der Wunsch uns erfüllt ist, ihn zu sehen – dabei war er gut zu uns, wie es unglaublich wär', wüßte ich nicht, daß Sie ihn sicher darum gebeten hatten – aber er war mir nur desto lieber darum, und wir beide sind ihm so recht dreist gleich nachgelaufen, und haben von ihm erwischt, was die Andern über ließen – aber, was ließ das auf Immermann wartende Berlin übrig? Sie können denken, nicht viel – täglich saß er überdieß an den Fleischtöpfen des gräflichen Camachus, so daß mir gleich der Athem stockte, als ich ihm meine kleine zweibeinige Junggesellenwirthschaft anbieten wollte – lange hielte er es nicht aus, trotz der stillen Absonderung bei sich, deren er gewiß in hohem Maaße fähig ist, und der Stempel eines großen Geistes, wie ich immer gefunden.

Wenn man ihm Ruhe und Einsamkeit mitten in Berlin verschaffen könnte – würde ich von nun an nichts wünschen, als er wohnte künftig hier – aber er würde Mode werden, alle Soireen, bei denen Immermann fehlte, würden sich disgustirt halten – müßte man da nicht Trauer um ihn anlegen, oder einen Verhaftsbefehl auswirken, und ihn in ein hübsches, stilles Gefängniß befördern – ich kann mir keine passende Lage für ihn hier denken, und freue mich, wie er wieder hinter der hohen, grünen Hecke in die stillen Raume verschwinden wird, wo die Geister gehorsam und unverscheucht von dem leeren Lärm geschäftigen Müßiggangs ihm dienen.

Wie gefällt er uns so noch bei weitem mehr, als wir sicher hatten – wie ist er über all das andere, still heiter, jugendlich unbefangen und bescheiden wie alle bedeutende Menschen, die sich immer was besseres denken können als sie leisten, gar nicht kraus, gar nicht tragisch oder bitter blickend – wir hatten das alles auch ausgehalten, und ihn doch lieb gehabt, aber nun sich es nicht vorfindig, bin ich so lustig und unbefangen, wenn ich ihn sehe, und wie Kinder sich fragen: wollen wir zusammen spielen? so möchten wir auch was ähnliches.

Ach, könnte ich zuweilen in Ihr Bauernhaus laufen! wie steht es mir vor in all seinen Einzelnheiten – und Sie! wie entzückt mich jeder heitere Blick, den ich Ihnen abgelauscht – diese ruhigen, milden Züge, aus denen der Streit verschwunden, und die Anmuth, mit der Gesundheit zurückgekehrt. Sie müssen glücklich sein, denn so sieht Glück aus!

Dann blicke ich in meinen Räumen umher – und frage, ob es Ihnen just so recht sein würde, und denken Sie nur, ich sage immer: ja! und nicke ordentlich meinem grünen Thurm (wie ich und die Freunde es bei mir nennen) zu, als wär' er unruhig darum. Albern bin ich auch immer noch, das haben Sie längst gemerkt, und besser, ich gestehe es Ihnen ein.

Schön war unsere Rückreise! Einmal an der Ahr saßen wir auf einem Felsen bei dem alten Ahrschloß und dem höchsten Wunder herbstlicher Lichteffecte; wenn mir das einfällt, nun mich Berlin wieder eingefangen hat, so begreife ich nicht, warum wir wiedergekommen sind. Berlin erdrückt mich, dieser Lärm! so viel Leute! so viel Redensarten – ich wünsche oft, es wäre eine große Schlafstube und alle Leute lägen zu Bett und schliefen, vielleicht hätte ich dann Muth zu wachen, aber so kribbelt alles so begierig durcheinander, daß ich die Augen zumachen muß, um nicht zu schwindeln. Besser wird es mit der Zeit, das weiß ich auch – wenn ich erst keine Visitenkarte mehr habe, und des Morgens im Bett mir den Tag eintheile, wie eine fleißige Maid, die noch bei der Mutter ist – dann werde ich jede Stunde heiterer und finde zuletzt alle Menschen liebenswürdig, weil ich sie nicht mehr besuchen muß – einige besuche ich natürlich gern, und diese unterbrechen dann reizend diese glückseligste Ruhe! Ruhe! es ist für mich ein Zauber in dem Worte – mein schwer sich entwickelnder Geist hat sie zu Allem nöthig, ich fühle, ich bin nichts, oder mit dem wenigen, was ich geben kann, ganz verschüchtert, und wie mit festen Deckeln verschlossen, wenn es um mich lärmt und sich beträgt und weiß und thut – und ich alles nicht begreife, und den Anfang nicht verstanden habe, wenn sie schon prätendiren das Ende gemacht zu haben. Denken Sie selbst, wie schlecht ich da zurecht komme, überdieß mit meinem Verlangen die Dinge wirklich zu verstehn.

Wenn da eine liebe Hand kommt, die nicht eine rednerische Stimme bei sich hat und die Deckel springen lassen kann, weil sie nicht darauf hämmert, sondern bloß aufheben hilft, wie ich da glücklich bin. Sie könnten das auch! und da haben Sie meine hundertste Liebeserklärung! – und lassen Sie meinen Bruder noch überdies Ihre schönen Hände küssen und vergessen Sie ihn nicht, wie er Sie verehrt und bewundert – und seien Sie gut und nicht böse über dies styllose Brieffragment – und – Immermann sagt, Sie hätten sich auch zu mir gefreut – und ich glaube es und bin Ihnen gut und getreu bis in den Tod.

Henriette P. geb. Wach.

2

Berlin, den 17. Dezember 1833.

Mein grüner Thurm war von Dezemberstürmen und Regenströmen wie in ein doppeltes Bollwerk gegen die Außenwelt gehüllt und ich saß vergnüglich mitten drin, und freute mich des schwierigen Hinein- und Hinauskommens. Da kam Ihr Briefchen und mir war, als ob ein Blumenstrauß durch's Fenster geflogen wäre, und wie man nicht aufhört, Blumen zu betrachten, und wie sie bald die Atmosphäre umwandeln, und wie ein Glück ohne Namen uns erhöhn, so war mir und keine liebere Stunde Ihnen zu antworten, als die, die ich Ihnen so schön verdanke!

Als ich es gefunden hatte, daß ich Ihnen antworten müßte, lachte ich ganz lustig hin, und mit allem Guten, was die Stunde mir gebracht, dankte ich dies meiner jungen Freundschaft mit Immermann herzlicher als er denkt.

Denn sicher ist, liebe, theure Freundin, vor Ihren holdseligen Worten wäre ich doch noch mit allen ins Leben springenden Empfindungen blöde stehen geblieben, zweifelnd ob ich antworten dürfe – aber mein junger Freund schenkt mir etwas, und wo seit dem Christenthum hätte man nicht gedankt ob einer Gabe?

Dabei ist es äußerst reizend für mich, daß ich noch nicht weiß, was er mir schenkt; denn mein treuer Diener ringt erst darum mit Sturm und Regen und Postdienern und Packkammern. Ich denke, es ist »Merlin«! – Dies wollte ich längst schon der Welt gern aus den rohen Händen nehmen und wäre ich ein König, wollte ich die Tafelrunde wählen, die es wie ein goldner Reif den Juwel umschließen sollte. Ich erfuhr daran wieder eine Erfüllung! – gleich Ruhe damit! – ein unerschütterliches, reines, drüber Genießen – entweder ein nicht Verstehn, oder ein durch Verstehn dessen, warum die Welt roh mit wird! Wenn es also das ist! was wird es hübsch sein, wenn ich weiß, er selbst dachte es mir zu!

Theure Gräfin! Mein ganzes Briefchen wird – zwar nicht bunt wie ein Blumenstrauß, aber bunt wie heitere Gedanken! – und sie kann ich nicht lassen, wenn ich Sie denke! Nichts Süßeres, als wenn die Welt wieder um eine kleine glückselige Insel größer wird – Felsen und Ströme und Wälder und Schlösser und Hütten, die thun's nicht – sondern die göttliche Staffage der Erde, die Menschen! Weiß ich nur irgendwo dies beste Geschenk des Himmels, ist mir so selig wie dem Astronomen, vor einem sich plötzlich mit einem neuen Sternenbild anfüllenden leeren Himmelsraum! Immer und für immer habe ich Sie bei aller Trennung festgehalten, froh mich begnügend, daß ich wußte Sie waren da! Aber Sie so wiederzufinden, an den langen bescheiden empfundenen Besitz das lebendige Glück eines verstehenden Ineinanderblickens zu reihen, das sind Glanzlichter, zu denen man sagt: das Leben ist doch schön! Leicht sehe ich ein Bild von dem, was mich lebhaft erfaßt hat, und jeder Blick hin giebt mir das Bild – es ist dann das geistige Resultat, was in mir davon gekommen. So sehe ich nicht die Thür zu Ihrem Häuschen, sondern ich sehe einen Eingang zu Ihnen mit goldnen Saiten bespannt! auch Immermann sehe ich nicht dahinter, aber einen Dichter. Drüber sehe ich Sie nicht – aber einen schönen weißen Schwan mit breiten weiten Flügeln – nicht Ihre Zimmer, aber tief grünen, frischen Epheu dicht in einander gerankt, darauf ruht der Schwan, und hört zu! Sehen Sie, so allerliebst kommt es mir jedesmal in die Seele, wenn ich an Sie denke!

Ob ich müde würde, die Thür zu öffnen, an die Sie klopften?

Am liebsten spreche ich mit Wilhelm von Ihnen! Wie glücklich bin ich, daß er so glücklich war, Sie zu sehen! Er küßt Ihre schönen Fingerspitzen! Lassen Sie ihn gut wohnen in Ihren holden Gedanken neben mir!

Von ganzem Herzen

Ihre Henriette, nicht wahr? Wach?

(Ich mache Ihnen Alles nach vor Vergnügen! Dies ist an Immermann!)

»Merlin« war's nicht! sondern was ganz Neues, wo Sie immer mitspielen, was ich noch gar nicht kenne und nun recht vergnügt heute Abend am Kamin ergreifen werde. Wären Sie's nicht just, ein wunderbar alter Freund in ganz neuer Gestalt! – Könnte ich mein Briefchen an unsere Gräfin nur verbrennen, so aber lasse ich es – und fürchte nicht einmal, daß Sie nun »Merlin« nachschicken, da ich kindisch fast meine Lust darauf verrieth. Ich besitze es auch schon – Schadow merkte leicht meinen Wunsch seines Besitzes, er schrieb einen freundlichen Gruß hinein, und ich nahm's mit Freuden! Also war meine Hoffnung »Merlin« käme aus der Hülle, weiter nichts, als Sie sollten es mir damit gönnen – das können Sie nun nachträglich besorgen – wenn's Ihnen so ist, und dann bin ich durch Ihre heutige Gabe im Vortheil! Wie lieb ist es von Ihnen, daß Sie mich anreden, und dann sogar beschenken! Beides danke ich Ihnen herzlich! Was Sie mitbrachten nach dem grünen Thurm – das dachten Sie, fänden Sie vor – Ihr Gefolge saß bloß nieder an unserem Heerd, Sie glauben in Ihrer unergründlichen Bescheidenheit, es seien unsere Hausgötter! – Doch auch so bleibt uns noch ein schöner Antheil, auch daß Sie eintreten wollten, und daß Sie ihre Anwesenheit fühlten, bedenke ich mit Behagen, und lege es mir zum Troste zurecht, wenn viele Gäste kommen und gehen, und der Heerd leer bleibt von dem unsichtbaren Gefolge, das die Götter nur denen geben, die sie lieben! Außer was Sie mir durch Ihr persönliches Kennen an reicherem Antheil geschenkt, haben Sie mir noch so besonders in meinem Bruder wohlgethan – seine jungfräuliche Sprödigkeit fremden Geistern gegenüber, war an Ihnen wie umsonst oder vergessen – dabei sah ich das erstemal nicht zu, wie sie ihn so selten schnell belebt, sondern ich bekam ihn von Ihnen schon als aufgeblühte Blume zurück!

Ich möchte, daß Sie ihn liebten! ja, Sie thun es wahrscheinlich schon, denn ich glaube nicht an eine Liebe ohne die andere! – Mit alledem überlege ich mir immer, ob ich Sie lieber hier möchte, oder dort weiß! Ich habe eine Leidenschaft zur Resignation! – Das spielt mir ebensoviel Streiche, als andern Leuten die Begehrlichkeit – dann träume ich wieder von der stolzen Festigkeit, womit wir das äußere Leben in aller Gestalt zwingen uns den Inhalt zu geben, den wir just nöthig – das wende ich alles auf Sie an! Denn ich will lieber den großen Gewinn hingeben, Sie hier zu wissen, als Ihnen den dürren Boden, auf dem meine dünnen Sohlen oft brennen, unter Ihren cothurnten Fuß wünschen! Aber wenn Sie gut zwingen können, und das traue ich Ihnen zu – schlage ich mir alle Resignation aus dem Sinn!

Auch rechne ich dann zusammen, was wir haben! Koppe, den haben Sie erkannt! und mit dem ganzen Stolz der Freundschaft fühle ich, wie er Ihnen ausreichend sein müßte – an Tiefe und Fülle des Wissens – an gehender und nehmender Kraft der Ideen, an Schönheit des Gemüths und des Herzens! Er machte Ihnen eine Sendung – Grüße von uns contrebandiren schon mit – nun kann ich ihn wieder grüßen von Ihnen und bin dessen froh!

Ob ich Wilhelm noch das Eckchen lasse? ich thue es wegen meiner Leidenschaft zur Resignation! Es gehe Ihnen so gut als Sie verdienen und wir wünschen!

Henriette.

Herzlichen Dank, mein hochverehrter Freund, für die freundlichen Zeilen Ihres Andenkens! Möchten Sie in glücklicher Einsamkeit und Ruhe, welche paradiesisch sein muß, dem unnützen Gehämmere und Geklatsche der Welt zusehen, welches andrerseits Vortreffliches liefert, doch wobei man gern Zuschauer ist, wenn man selbst schafft! Der gnädigen Gräfin mich zu Füßen legend, verbleibe ich in herzlicher Ergebenheit

Wilhelm Wach.
Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
05 temmuz 2017
Hacim:
280 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
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