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Wiedersehn

Der Frühlingssonne holdes Lächeln

Ist meiner Hoffnung Morgenroth;

Mir flüstert in des Westes Fächeln

Der Freude leises Aufgebot.

Ich komm, und über Thal und Hügel,

O süße Wonnegeberin,

Schwebt, auf des Liedes raschem Flügel,

Der Gruß der Liebe zu dir hin.

Der Gruß der Liebe von dem Treuen,

Der ohne Gegenliebe schwur,

Dir ewig Huldigung zu weihen

Wie der allwaltenden Natur;

Der stets, wie nach dem Angelsterne

Der Schiffer, einsam blickt und lauscht,

Ob nicht zu ihm in Nacht und Ferne

Des Sternes Klang hernieder rauscht.

Heil mir! ich athme kühnes Sehnen,

Und athm' es bald an deiner Brust,

Und saug' es ein mit deinen Tönen,

Im Pulsschlag namenloser Lust.

Du lächelst, wenn mein Herz, umfangen

Von deiner Näh', dann wilder strebt,

Indes das selige Verlangen

Der Güt' um deine Lippe schwebt.

Du liebst mich, göttlich hohes Wesen!

Du liebst mich, sanftes, zartes Weib!

Es gnügt. Ich fühle mich genesen,

Und Lebensfüll' an Seel' und Leib.

Nein, noch mit dem Geschick zu hadern,

Das schnell mich wieder von dir reißt,

Verschmäht mein Blut, das durch die Adern

Mit stolzen leichten Wellen kreißt.

Fragment

Im Sommer 1791.

Und schmacht' ich so mit allen meinen Sinnen

Nach deinem süßen, labungsvollen Kuß,

Und kann nicht Einen Blick von dir gewinnen,

Nicht Einen Hauch, nicht Einen leisen Gruß –

O Traute, welch unseliges Beginnen,

Daß ich von dir mich selbst verbannen muß?

So glühend jung, du Göttin meiner Freuden,

Soll ich vom Sonnenblick der Liebe scheiden?

Soll einsam nun auf fernen, öden Fluren –

Doch nein! auch hier ist Gottes freie Welt;

Kein Raum begränzt die himmlischen Azuren:

Ich ruh' auch hier umwölbt vom Sternenzelt.

Die Pflegerin der irdischen Naturen,

Die alles Dasein schafft und trägt und hält,

Seh' ich sie nicht ringsum die Wesen laben?

Versagt sie mir auf ewig ihre Gaben?

Getrost! ich hab' aus ihrer ew'gen Fülle

An deinem Busen Labung eingesaugt.

Dein gütevoller unbegränzter Wille

Hat in ein Meer von Wonne mich getaucht;

Muthwill'ge Schönheit in der Unschuld Hülle

Hat flüsternd mir Gewährung zugehaucht,

Hat schüchtern sich mit holdem Widerstreben

Der glühenden Umarmung hingegeben.

Der Geliebten

Bruchstück. 1811?

Heil sei dir, Fried' und Wonne,

Alles, was mir gebricht!

Auch diese heitre Sonne

Hemmt meine Klage nicht.

Ich möchte dir nur leben,

Und ganz dein eigen sein.

Was hilft das eitle Streben?

Bin selber ja nicht mein.

Mich hält mein Looß gebunden,

Wohl ist es mir bewußt;

Drum sind die flücht'gen Stunden

Nur qualenvolle Lust.

Du bist voll Lieb' und Milde,

In dir wohnt alle Huld.

Ich bin so wüst und wilde,

Und trägst mich mit Geduld.

Du solltest mich verbannen

Noch eh' die Stunde schlägt,

Die bald mich fern von dannen,

Von deinem Antlitz trägt.

Derselben

Bange nicht der Thränen willen,

Die in Strömen mir entquillen,

Die ich nicht zu hemmen weiß.

Nächtlich um den Busen starrte

Und umsonst auf Sonne harrte

Aufgebirgt des Grames Eis.

Deiner Blicke trautes Lächeln,

Deiner Worte lindes Fächeln

Strahlte, hauchte mir in's Herz.

Himmelskind! da sind die stolzen

Felsen willig hingeschmolzen,

Ist gelöst der alte Schmerz.

Und wie Thau und Regen fließen,

Fühl' ich frische Blumen sprießen

Tief aus sehnendem Gemüth,

Und ich weihe dir zu Kränzen

Allen Schmuck des neuen Lenzen,

Der in meiner Seele blüht.

Lied

Eine holde süße Kranke

Ist mein stätiger Gedanke.

Milde Sonne, laß dich schauen!

Haltet inne, rauhe Lüfte!

Gieße deine Balsamdüfte,

Frühling, auf Toscanas Auen.

Grüne Lauben will ich bauen,

Daß sie nicht im Sturme wanke,

Diese Blume, diese Kranke.

Ach, es wechselt auf den Wangen

Liljenbläß' und Glut der Rosen.

Wag' ich's, ihnen liebzukosen,

Unter Ahnden, unter Bangen?

Darf sich schmiegen mein Verlangen,

Innig, wie des Epheu's Ranke,

Um die lieblich blüh'nde Kranke?

Deine Stimme flüstert leise,

Dem Gesange sonst vertraut;

Aber Eines Wortes Laut

Haucht sie doch in Flöten-Weise.

Dieses Wort, des Kraft ich preise

Vor der Götter Nektartranke,

Liebe heißt es, liebe Kranke.

Aus der Wimpern Schatten strahlen

Laß mir deine dunkeln Augen;

Laß von deinen Lippen saugen

Bange Wonn' und süße Qualen.

Einmal noch! zu tausendmalen!

Bis ich bebe, bis ich schwanke,

Und im Sehnen selbst erkranke.

Unbeklommen wird sich heben

Bald die liebevolle Brust,

Fühlt sie nur ein Theil der Lust,

Die sie kann in Fülle geben.

Alles Heil soll dich umschweben,

Der ich neues Dasein danke,

Nina, meine holde Kranke!

Der welke Kranz

Es war noch Mai, da hast du sie gebrochen,

In Blumen ausgesprochen,

Selber Blüthe,

Was blühend im Gemüthe

Schon sich regte

Und heilig sich bewegte,

Was kindlich, ach! der Freund so gerne hegte,

Wenn sie ihr Herzchen legte

An das seine,

Wo ich nun ewig weine.

Die Veilchen sandte mir das Kind zum Zeichen,

Die so mein Herz erweichen,

Daß die Augen

Den Schmerz, den sie nun saugen,

Nie vollenden,

Sich oft noch zu ihr wenden,

Und finden welk den Kranz dann in den Händen,

Wie der, hat sie, zu enden

Früh erkoren,

Sich unbewußt verloren.

Nimm hin die hohe, köstlich liebe Gabe,

Das Einz'ge, was ich habe

Von der Theuern,

Ihr Bild mir zu erneuern,

Wenn in Thränen

Dem Tode zu das Sehnen

So gern entflieht des Daseins eitlem Wähnen.

Doch erst laß mich in Thränen

Ganz versenken

Das süße Angedenken!

Uns, die in Lust des Todes Leben fanden,

Kühn die Natur verstanden

In den Flammen,

Wo Lieb' und Schmerz zusammen

Uns verbunden,

Uns sei die Stirn umwunden

Vom Zeichen, dessen Sinn wir längst gefunden.

Denn blühten aus den Wunden

Oft nicht Rosen,

Uns schmerzlich liebzukosen?

Laß denn des Mädchens Schatten uns umschweben,

Der Wehmuth hingegeben,

Bis wir im Tode Eins noch inn'ger leben,

Und dann dieß tiefe Streben

Ganz vereinet,

Das lächelnd sich beweinet.

Zueignung des Trauerspiels Romeo und Julia

Nimm dieß Gedicht, gewebt aus Lieb' und Leiden,

Und drück' es sanft an deine zarte Brust.

Was dich erschüttert, regt sich in uns beiden,

Was du nicht sagst, es ist mir doch bewußt.

Unglücklich Paar! und dennoch zu beneiden;

Sie kannten ja des Daseins höchste Lust.

Laß süß und bitter denn uns Thränen mischen,

Und mit dem Thau der Treuen Grab erfrischen.

Den Sterblichen ward nur ein flüchtig Leben:

Dieß flücht'ge Leben, welch ein matter Traum!

Sie tappen, auch bei ihrem kühnsten Streben,

Im Dunkel hin, und kennen selbst sich kaum.

Das Schicksal mag sie drücken oder heben:

Wo findet ein unendlich Sehnen Raum?

Nur Liebe kann den Erdenstaub beflügeln,

Nur sie allein der Himmel Thor entsiegeln.

Und ach! sie selbst, die Königin der Seelen,

Wie oft erfährt sie des Geschickes Neid!

Manch liebend Paar zu trennen und zu quälen

Ist Haß und Stolz verschworen und bereit.

Sie müßen schlau die Augenblicke stehlen,

Und wachsam lauschen in der Trunkenheit,

Und, wie auf wilder Well' in Ungewittern,

Vor Todesangst und Götterwonne zittern.

Doch der Gefahr kann Zagheit nur erliegen,

Der Liebe Muth erschwillt, je mehr sie droht.

Sich innig fest an den Geliebten schmiegen,

Sonst kennt sie keine Zuflucht in der Noth.

Entschloßen sterben, oder glücklich siegen

Ist ihr das erste heiligste Gebot.

Sie fühlt, vereint, noch frei sich in den Ketten,

Und schaudert nicht bei Todten sich zu betten.

Ach! schlimmer droh'n ihr lächelnde Gefahren,

Wenn sie des Zufalls Tücken überwand.

Vergänglichkeit muß jede Blüth' erfahren:

Hat aller Blüthen Blüthe mehr Bestand?

Die wie durch Zauber fest geschlungen waren,

Löst Glück und Ruh und Zeit mit leiser Hand,

Und, jedem fremden Widerstand entronnen,

Ertränkt sich Lieb' im Becher eigner Wonnen.

Viel seliger, wenn seine schönste Habe

Das Herz mit sich in's Land der Schatten reißt,

Wenn dem Befreier Tod zur Opfergabe

Der süße Kelch, noch kaum gekostet, fleußt.

Ein Tempel wird aus der Geliebten Grabe,

Der schimmernd ihren heil'gen Bund umschleußt.

Sie sterben, doch im letzten Athemzuge

Entschwingt die Liebe sich zu höherm Fluge.

Dieß mildert dir die gern erregte Trauer,

Die Dichtung führt uns in uns selbst zurück.

Wir fühlen beid' in freudig stillem Schauer,

Wir sagen es mit schnell begriffnem Blick:

Wie unsers Werths ist unsers Bundes Dauer,

Ein schön Geheimniß sichert unser Glück.

Was auch die ferne Zukunft mag verschleiern,

Wir werden stets der Liebe Jugend feiern.

Pygmalion

  In qual parte del ciel', in quale idea

  Era l'esempio, onde natura tolse

  Quel bel viso leggiadro, in ch'ella volse

  Mostrar quaggiù, quando lassù potea.

 Petrarca.

Festlich duften Cypriens Altäre,

Von Gesang ertönet Paphos Hain.

Schön geordnet ziehn geschmückte Chöre

In den myrtumkränzten Tempel ein.

Rosig blüh'nde Mädchen, zarte Knaben;

Alle bringen sie Gelübd' und Gaben,

All' erflehn, Verlangen in der Brust,

Liebe, Reiz und Jugendlust.

Wollust athmet aus den Rosenlauben,

Wo sich willig manches Paar verirrt,

Wo ein Paar von buhlerischen Tauben

Ihrer Ankunft süß entgegen girrt.

Küße hört man flüstern in den Büschen,

Wo sich Licht und Dunkel lieblich mischen,

Wo der Grund, mit Moosen überwebt,

Sich zum Lager schwellend hebt.

Aber einsam in sich selbst verschloßen,

Schaut Pygmalion dem Feste zu;

Das Frohlocken muthiger Genoßen

Weckt ihn nicht aus seiner ernsten Ruh.

Suchtest du denn von den Schönen allen,

Holder Jüngling, keiner zu gefallen?

Oder hat, für die dein Sinn entbrannt,

Spröde sich dir abgewandt?

Ach, ihm kam wohl mancher Gruß entgegen,

Mancher Wink verhieß ihm Gunst und Glück,

Und es hob von schnellern Herzensschlägen

Mancher Busen sich vor seinem Blick.

Doch umsonst! nie öffnet er die Arme,

Daß davon umstrickt ein Herz erwarme;

Dieser Mund, wo frisch die Jugend blüht,

Wird von Küßen nie durchglüht.

Höher strebt sein einziges Begehren.

Hingeschmiegt an einen zarten Leib

Würde dennoch Sehnsucht ihn verzehren;

Was ihm fehlt, gewährt kein irdisch Weib.

Nicht um Blumen, gleich dem Schmetterlinge,

Auf zur Sonne mit des Adlers Schwinge

Schwebt sein Geist, und athmet reine Luft,

Unberauscht von süßem Duft.

Zur Geliebten hat er sich erlesen,

Die noch nie ein sterblich Auge sah;

Nur ein Schatte, doch ein mächtig Wesen,

Ist sie fern ihm, und doch ewig nah.

Tief in seines Innern heil'ger Stille

Pflegt die Dichtung sie mit reger Fülle,

Und umarmt das göttlich schöne Bild,

Halb von eignem Glanz verhüllt.

In erstauntes Anschaun so versunken,

Fühlt er sich allein, wann er erwacht.

»Götter!« seufzt er dann, »nur Einen Funken,

Einen Funken eurer Schöpfermacht!

Bin ich bloß zu eitlem Wahn geboren?

Meine Lieb' an einen Traum verloren,

Der von ihrem Odem nie beseelt

Liebevoll sich mir vermählt?

Oder thronet, die ich lieb', im Saale

Des Olymp mit sel'ger Allgewalt?

Trinkt sie jeden Tag aus goldner Schaale

Jugend und ambrosische Gestalt?

Wird sie zürnend den Vermeßnen tödten,

Der in Lieb' entbrennt, statt anzubeten?

Oder lächelt sie, voll Größ' und Huld,

Seiner hoffnungslosen Schuld?

Göttin, deren neugeborne Schöne

Einst das Meer in Purpurglut getaucht!

Du, die in die Brust der Menschensöhne,

Wie der Götter, linde Wonne haucht!

Sieh mit unaussprechlichem Verlangen

Mich am Schatten deines Bildes hangen;

Diese Züge hoher Anmuth lieh

Nur von dir die Fantasie.

Zwar dich darf kein Sterblicher erblicken,

Wie du bist, wie dich der Himmel kennt;

Kaum durchblitzen würd' ihn das Entzücken

Einen schnell vernichtenden Moment.

Aber laß, wie Frühlingswehn, dein Lächeln

Eine jungfräuliche Stirn umfächeln,

Wie die Sonn' im Bache sich beschaut:

Und ich grüße sie als Braut!«

Also fleht er oft, doch aus den Sphären

Steigt Erhörung niemals ihm herab.

Nur die Kraft kann seinen Wunsch gewähren,

Die zuerst dem Wunsche Flügel gab.

Hoffst du Labung außer dir? Vergebens!

In dir fließt die Quelle schönes Lebens;

Schöpfe da, und fühle froh geschwellt

Deine Brust, dein Aug' erhellt.

Eine Stimme, tröstend im Versagen,

Flüstert in die Seel' ihm diesen Rath.

Nein! nicht länger will er schmachtend zagen:

Träume reifen zu Entschluß und That.

Muthig, was er liebt, sich zu erschaffen,

Schärft er seines Geistes goldne Waffen;

Still verheißt dem Sinnenden die Kunst

Hülfe, statt der Götter Gunst.

Jener Zaubrer wandelnder Gestalten,

Dädalus, erzog ihn einst für sie,

Lehr't ihn Bildung aus dem Stoff entfalten,

Bis sie schön zum Ebenmaaß gedieh.

Gern besiegt von seines Meißels Schlägen,

Schien der starre Felsen sich zu regen,

Und er ward auf seines Lehrers Spur

Nebenbuhler der Natur.

Wie Prometheus Menschen, seine Brüder,

Bildet' er der Götter ganzes Chor;

Zog zur Erde nur den Himmel nieder,

Nicht die Erde zum Olymp empor.

Edle Wesen, irdische Heroen,

Doch nicht groß wie die unnennbar Hohen,

Schien ihr mildres, nicht umstrahltes Haupt

Der Unsterblichkeit beraubt.

Und der Künstler wohnt' in ihrer Mitte,

Frei und fröhlich ihnen zugesellt,

Sie bewirthend nach der biedern Sitte

Jener ersten unschuldvollen Welt,

Wo die Himmlischen auf stillen Fluren

Oft mit Menschen Freud' und Leid erfuhren,

Wo Apoll, ein unerkannter Hirt,

Singend Tempe's Thal durchirrt.

Aber seit ein namenloses Sehnen,

Süß und quälend, seine Brust entzweit,

Seit der Wahn des nie erblickten Schönen

Ihn berauscht mit Allvergeßenheit,

Ließ er ruhn die kunstbegabten Hände,

Unbesorgt ob er ein Werk vollende,

Das nur halb, mit zweifelhaftem Sieg,

Aus dem Stein in's Leben stieg.

Nun, da zu der holden Unsichtbaren

Ihn hinan des Muthes Fittig trägt,

Will er seinen Augen offenbaren,

Was sein Busen heimlich längst gehegt.

In der Flut begeisternder Gedanken,

Die entbunden um die Sinne schwanken,

Liebeglühend, tritt Pymalion

In der Werkstatt Pantheon.

Und, o Wunder! in verklärtem Lichte

Stehen rings die stolzen Bilder da;

Es enthüllt dem staunenden Gesichte

Gottheit sich, wie er sie nimmer sah.

Wie von reinem Nektarthau durchfloßen,

Wonnevoller Ewigkeit Genoßen,

Schön und furchtbar, scheinen sie erhöht

Zu des Urbilds Majestät.

Auf des Donnergottes heitre Brauen

Wallt der Locken hoher Schwung zurück;

Juno thront, die Königin der Frauen;

Pallas senkt den sinnig ernsten Blick.

Bacchus bietet hold die frohen Gaben,

Weiche Jugend blüht dem Götterknaben;

Hermes regt den Sinn, behend und schlau,

Mit der Glieder leichtem Bau.

Selbstgenügsam, in entzückter Feier

Schwebt Apoll, mit Daphne's Laub umkränzt,

Haucht Gesänge zu der stummen Leier,

Die in seinem Arm, ein Kleinod, glänzt.

Und o du! süßlächelnde Dione,

Mit der Anmuth zartem Gürtel! schone!

Gab er nicht zum Opfer Seel' und Sinn

Ganz, Urania, dir hin?

Freudig, doch mit ahndungsvollem Schweigen,

Blickt er auf der Himmelsmächte Kreis,

Richter sind sie ihm und heil'ge Zeugen,

Wie er ringt nach der Vollendung Preis,

Nicht zu ruhn, noch feige zu ermatten,

Schwört er, bis er den geliebten Schatten,

Einen Fremdling in der niedern Welt,

Seinen Göttern dargestellt.

Schöner Stein! in Paros kühlen Grüften

Hat die Oreade dir gelacht;

Ja, du wurdest aus den Felsenklüften

In beglückter Stund' hervorgebracht!

Von der Hand Pygmalions erkoren,

Reiner Marmor! wirst du neu geboren.

Was sein Stahl dir liebend raubt, vergilt

Tausendfach das holde Bild.

Wann Aurora kaum noch deine Weiße

Röthet, eilt der Künstler schon herzu,

Und ihn winkt von immer süßerm Fleiße

Nur die Nacht gebieterisch zur Ruh.

Wann des Schlafes Arm ihn leis' umfangen,

Spielt um ihn das schmeichelnde Verlangen,

Zeichnet sein gelungnes Werk der Traum

Dämmernd in des Aethers Raum.

Endlich geht die freundlichste der Sonnen

Ueber ihm, Vollendung bringend, auf.

Endlich, endlich ist das Ziel gewonnen,

Und die Palme kühlt des Siegers Lauf.

Vor ihm blüht das liebliche Gebilde,

Gleich der Rose, die der Frühlingsmilde,

Welche webend, athmend um sie floß,

Kaum den Purpurkelch erschloß.

Hüllenlos, von Unschuld nur umgeben,

Scheint sie sich der Schönheit unbewußt,

Ihre leicht gebognen Arme schweben

Vor dem Schooß und vor der zarten Brust.

Reine Harmonie durchwallt die Glieder,

Deren Umriß, von der Scheitel nieder

Zu den Sohlen, hingeathmet fliegt,

Wie sich Well' in Welle schmiegt.

Schön begränzt ihr Dasein stille Gnüge,

Friedlich wohnet es in sich daheim;

Und es ruht im Spiel der linden Züge

Unentfaltet künft'ger Liebe Keim.

Gleich als ob sie nimmer traur' und zürne,

Lacht ihr heller Blick, die ebne Stirne;

Ihre halbgeschloßne Lippe schwoll,

Süßer Tön' und Küße voll.

Selig festgezaubert im Betrachten,

Schaut Pygmalion und glüht und schaut.

Bald verstummt er, aufgelös't in Schmachten,

Bald erschallt des Herzens Hymne laut.

Einen Gegenstand der Huldigungen

Hat sich nun die treue Lieb' errungen,

Die nach dem, was nirgends war, zuvor

In der Oede sich verlor.

Seine Seele, die Erwiedrung heischet,

Leihet der Geliebten, was sie fühlt,

Gern vom eignen Wiederschein getäuschet,

Der um jene Jugendfülle spielt.

Mit des Steines nachgeahmtem Leben

Strebt er sich so innig zu verweben,

Daß sein Herz, von Lieb' und Lust bewegt,

Wie in beider Busen schlägt.

Was ersann er nicht, ihr liebzukosen?

Welche süße Namen nannt' er nicht?

Das Gebüsch verarmt an Myrt' und Rosen,

Die er sorgsam ihr in Kränze flicht.

Aber ach! wann wird ihr holdes Flüstern

Seinen Liebesreden sich verschwistern?

Wann besiegelt der erwärmte Mund

Wiederküßend ihren Bund?

Lächelnd einst, wie mildes Frühlingswetter,

Schaut Urania vom lichten Thron;

Von der Menschen Vater und der Götter

Fordert sie der reinsten Treue Lohn:

Sieh! allein von allen Erdensöhnen

Hat Pygmalion, dem höchsten Schönen

Huldigend, und frei vom Sinnenbrand,

Sich zu meinem Dienst gewandt.

Nicht aus Trotz, zu eitlem Schöpferruhme;

Folgsam lauschend nur dem innern Ruf,

Stellt' er im verborgnen Heiligthume

Uns die Gattin dar, die er sich schuf.

Jenen Funken, den Prometheus raubte,

Zum Verderben seinem stolzen Haupte,

Gieb ihn mir für den bescheiden Sinn

Meines Künstlers zum Gewinn.«

So die Göttin, und mit Wohlgefallen

Winkt ihr Zeus, und neigt den Herrscherstab;

Locken, den Olymp erschütternd, wallen

Auf die Stirn ambrosisch ihm herab.

Ein gewohntes Opfer darzubieten,

Stand Pygmalion in Duft und Blüthen,

Als es wie ein Blitz sein Mark durchdrang,

Daß er zagend niedersank.

Doch ihn locken ferne Melodien

Zauberisch in's Leben bald zurück.

Rosenfarbne Morgenschimmer fliehen

Um das Bild und laben seinen Blick.

Wie von eines Aetherbades Wogen

Wird sie sanft gewiegt und fortgezogen:

Soll sie eures Himmels Zierde sein?

Götter! Götter! sie ist mein.

Und er fliegt hinzu und schlingt die Arme

Kühn und fest um das geliebte Weib.

Glühend, schauernd fühlt er, sie erwarme;

Seinem Drucke weicht der Marmorleib.

Und es schlägt ihr Herz die ersten Schläge,

Und die Pulse werden hüpfend rege,

Und das Drängen junger Lebenslust

Schwellt die ungeduld'ge Brust.

Und ihr Auge – Wonne würd' ihn tödten,

Schlöß' es sich dem fremden Tage nicht.

Ach, sie drückt mit schüchternem Erröthen

An des Jünglings Busen ihr Gesicht.

Liebe! Liebe! stammeln beider Zungen,

Und die Seelen, ganz in Eins verschlungen,

Hemmt ein Kuß im schwesterlichen Flug

Mit geheimnißvollem Zug.

Prometheus

  Ein erhabenes Antlitz verlieh er dem Menschen, und hieß ihn

  Schau'n gen Himmel und frei das Haupt zu den Sternen erheben.

 Ovidius.

O goldne Zeit, auf ewig hingeschwunden!

Wie süß bethört es, deine ferne Spur

In alter Sänger Sprüchen zu erkunden!

Da hauchte stets des Frühlings Milde nur,

Und es gedieh (so lehrt die heil'ge Sage)

Freiwillig alle Füll' im Schooß der Flur.

Noch Krankheit kannten sie, noch Furcht, noch Klage;

In süßer Ruhe, brüderlich gesellt,

Verlebten sie des gleichen Lebens Tage.

Nie alternd blühte jene frühe Welt;

Sie starben, wie dem Schlummer hingegeben,

So wie die reife Frucht vom Baume fällt.

Wo kein Gebot, war auch kein Widerstreben:

Des alten Kronos väterlichen Thron

Schien Liebe nur zu gründen und zu heben.

Viel Zeiten waren wechsellos entfloh'n,

Und ach! sie zählte niemand: da entflammte

Begier nach Thaten seinen kühnen Sohn.

Des Vaters Haupt vom stillen Herrscheramte

Zu bannen rang, unruhig, das Geschlecht,

Das mit dem Zeus aus Rheas Schooße stammte.

Doch die Titanen stehn für Kronos Recht.

So trennten sich die himmlischen Gewalten,

Und weltverheerend tobte das Gefecht.

Das Licht erlosch, des Himmels Vesten hallten,

Die Erde wankt', als ob zum Tartarus

Hinab ein jäher Riß sie sollte spalten.

Sonst ruhig in sich kreißend, schwoll der Fluß

Okeanos aus seines Bettes Tiefen,

Und brach herein mit brausendem Erguß.

Unendlich war ihr Kampf; vergebens riefen

Sie der Entscheidung, Kraft an Kraft gebannt,

So lang des Donnrers neue Blitze schliefen.

Kaum aber warf aus allgewalt'ger Hand

Zeus seine tausend sturmbeschwingten Wetter,

Gekrach und Dampf und unauslöschbarn Brand:

So stürzten die Titanen, ohne Retter,

Betäubt, geblendet, in die öde Nacht,

Und Götter wurden Sieger über Götter.

Hoch thront nun im Olymp Kronions Macht,

Den Raub der Welt vertheilt er seinen Treuen,

Des bangen Erdenvolks wird nicht gedacht.

Da des Verderbens Wolken sich zerstreuen,

Und, wer entronnen, aufwacht zum Gefühl,

Erstarrt ihr Blick auf grausen Wüsteneien.

Wo sonst des Lebens fröhliches Gewühl

Entzückend webte, wo bethaut von Düften,

Nur Liebe flüsterte, nur Scherz und Spiel:

Da lauert jetzt in düstern Felsengrüften

Das Raubthier, einsam schallt des Hungers Schrei,

Verloren zwischen unwirthbaren Klüften.

Nichts blieb vom Fluche der Zerrüttung frei;

Das Friedlichste verwildert, blut'ge Sitte

Führt, ehern, das Gesetz der Noth herbei.

Die Furcht beherrscht des Menschen irre Tritte.

Er schmachtet durstig in des Sommers Glut,

Ihn schirmt vor Frost kein Lager, keine Hütte.

Selbst die Erinnrung vom entfloh'nen Gut

Erliegt des Elends lastendem Gewichte,

Kein Hoffen weckt ihm den erstorbnen Muth.

In sich verdüstert, tappt er auch im Lichte,

Als säh' er nicht; hört, ohne zu verstehn,

Gedankenlos wie wüste Traumgesichte.

Da stieg Prometheus von Olympos Höhn,

Schaut' auf den Sohn des Staubes, seufzt', und sagte:

Und sollst du so durch fremde Schuld vergehn?

Ich warnte die Titanen: doch wer fragte

Der Weisheit Rath? wer spottete nicht mein,

Als ich das Schicksal zu enthüllen wagte?

Der regen Vorsicht werd' es Macht verleihn,

Denn reifen müße die Geburt der Zeiten;

Sie könne nicht in stolzer Ruh gedeihn.

So wählt ich, ungern zwar, für Zeus zu streiten.

Nur meine Mutter rettet' ich und mich,

Und half den Fall des eignen Stamms bereiten.

Dich aber, Mensch! erheb' ich über dich.

Die goldne Kindheit darf nicht wiederkehren,

Die dir im weichen Schooß der Lust verstrich.

Drum lerne handeln, schaffen und entbehren!

Ob alles wider Dich verschworen scheint,

Soll innre Kraft doch siegend dich bewehren.

Allein wer hört? wer faßt mich? Wo erscheint

Noch die Gestalt in diesem blöden Wilde,

Die Erd' und Himmel schön in sich vereint?

Laßt sehn denn, wie ich schaffend neu sie bilde.

Der Mutterboden beut den Stoff mir schon,

Das Leben dann die himmlischen Gefilde.

So spricht in sich der Themis weiser Sohn,

Und geht an's Werk mit sinnender Geberde,

In reiner Flut erweichend reinen Thon.

Er formet sorgsam, daß die Bildung werde,

Wie der Entwurf sie fordert: schon erhebt

Der neue Mensch sein Antlitz von der Erde,

Voll leichter Kraft, die scheinbar ihn belebt,

Die Arme schwellt, die breite Brust ihm ründet,

Und gleichgewogen durch die Glieder strebt.

Das edle Haupt, die feste Stirn verkündet

Ein Wesen, wohl gefaßt auf Freud' und Leid,

Kühn, lebensfroh, und in sich selbst gegründet.

Der Bildner blickt mit stiller Gnügsamkeit

Auf dieß Geschöpf, aus seinem Geist entsprungen

Worin sein eignes Dasein sich erneut.

Noch prüft er ernst, ob jeder Theil gelungen,

Dann säumt er nicht. Es hatte jetzt die Nacht

Die Sternenhüll' um Land und Meer geschwungen,

Kein sterblich noch unsterblich Auge wacht:

Da wandelt schweigend auf des Aethers Pfaden

Der Japetid', auf schlauen Raub bedacht,

Hin zu des Osts entlegensten Gestaden,

Wo Helios ambrosisches Gespann

An goldnen Krippen steht, vom Joch entladen.

Prometheus will, was seine Kunst ersann,

Mit heil'gen Kräften paaren: dort nur glühet

Was würdig sein Gebild beseelen kann,

Der Quell, dem alle Lebensfüll' entblühet.

Da schöpfet er, und trägt den Funken fort,

Der willig ihm auf seine Fackel sprühet.

Er eilt zurück zu dem verlaßnen Ort;

Doch als er naht, (kaum dämmerte der Morgen)

Erwartet zürnend ihn der Themis Wort.

Noch Künftiges, noch Fernes bleibt verborgen

Vor ihrem Sinn; durchschaut vom Anbeginn

Hat sie des Sohnes Thun mit wachen Sorgen.

Aus Delphos Grotten tritt sie zu ihm hin,

Wo sie der Brüder Fall noch still betrauert;

Wo vor der heiligen Enthüllerin

Des Schicksals einst das Herz der Menschen schauert,

Bis Phöbos junge Kraft den Python schlägt,

Der in der Haine Graun verderbend lauert.

»Dämonischer!« so spricht sie: »was erregt

Den frevlen Muth dir, diese Saat zu säen,

Die eine Welt Gefahren in sich trägt?

Die That ist nicht mehr dein, wann sie geschehen;

Sie strömt die Zeiten durch: die Spindel rollt,

Wie sie der Nacht uralte Töchter drehen.«

Wär' auch Mißlingen aller Mühen Sold,

Erwiedert er: doch soll mich niemals reuen

Was ich nach tiefem Forschen fest gewollt.

Kann Götter die Unsterblichkeit erfreuen,

Die fremd vorbeischleicht, die sie, ewig todt,

Durch Thaten nie zum Eigenthum sich weihen? –

Drauf Themis: »Sohn! der Zorn des Herrschers droht

»Dem, der mit Hohem Niedres will vermengen.

Du höhnst der Ordnung trennendes Gebot.

Durch diese Glut erhitzt, wird aus den Engen

Des kleinen Lebens, das ein Hauch zerstört,

Dein Zögling stolz zum Götterlooß sich drängen.« –

Nur selbst sich gnügen, wenn kein Gott ihn hört:

(Prometheus sprach's) wer achtet seiner Leiden?

Sie zu bekämpfen werd' ihm nicht verwehrt.

Wie möchte Zeus dieß arme Streben neiden?

Er thront allwaltend: schreckt ein Wesen ihn,

Das von der Gottheit Tod und Ohnmacht scheiden? –

»Wohl! kann der Mensch sich diesen nicht entziehn:

Vom Wunsch gespornt, doch an den Staub gebunden,

Verzehrt er sich in streitendem Bemühn.

Des Thieres Angst ist mit dem Schmerz verschwunden;

Was war und sein wird, drückt den regen Geist.

So hast du ihm nur neue Qual erfunden.« –

Nein! die der dumpfen Thierheit ihn entreißt,

Voraussicht, wird ihm ihre Schwester senden,

Die Hoffnung, welche muthig dulden heißt.

Das Schwerste wird er, so gestärkt, vollenden;

Wo der Nothwendigkeit sein Will' erliegt,

Wird er ihn ordnend in sein Innres wenden. –

»Und wenn er auch ein hohes Ziel ersiegt,

Bald wird er doch sein bittres Looß verklagen,

Daß Will' und Kraft mit ihm in Nichts verfliegt.

Wie Wellen sich am Klippenrand zerschlagen,

Muß auf Geschlecht Geschlecht, in stetem Kreiß,

Die Bahn durchlaufen und dem Preis' entsagen.« –

Das Gute stirbt nicht: der bescheidne Fleiß,

Die tapfre That, sie bringen Frucht und laben;

Den Enkel schattet das gepflanzte Reiß.

Und immer reicher durch der Vorwelt Gaben

Beut ein Geschlecht dem andern froh die Hand,

Und paart im Wettlauf Greise, Männer, Knaben.

Die Stärke weicht dem ordnenden Verstand.

Sich selbst und alles wird der Mensch gestalten,

Mit Anmuth zierend was die Noth erfand.

Er heißt den Grund verborgne Schätz' entfalten;

Er zähmt das Roß; er weiß auf offnem Meer

Mit leinbeflügeltem Geschirr zu walten.

Die Felshöh starrt nicht unbeweglich mehr:

Leichtschwebend, wie gelockt vom Zauberklange,

Wölbt sie, und fügt, und reiht sich um ihn her.

Was unsichtbar in Red' und in Gesange

Dem Ohr vorbei wallt, stellt er bleibend dar,

Daß fernen Zeiten es, ein Denkmahl, prange.

Ich nenne Kleines; zahllos blüht die Schaar

Der Künst' empor; von diesem Sonnenfunken

Glüht einst die Erd' ein lichter Weihaltar. –

»O Sohn! du bist von Schöpferwahne trunken!

Wie wären sonst vor eitlem Gaukelschein

Der Vorsicht Lehren deinem Geist entsunken?

Ja! Flamm' und Brand wird dieser Funke sein;

Die Sterblichen verderbend wird er wüthen,

Den Aether trüben, und die Erd' entweihn.

Kein Zügel kann den frechen Willen hüten;

Ihm fröhnt der Witz und jede Kunst, und schafft

Daß ungeheure Wünsch' im Herzen brüten.

Doch, was er auch weitgreifend an sich rafft,

Nichts gnüget ihm; er jagt nach neuem Raube,

Weil im Besitz die schnöde Lust erschlafft.

Und schlauvermeßne, jedem Rechte taube

Gewalt spannt Völker in des Joches Schmach,

Ihr Fußtritt beugt die Nacken tief zum Staube.

Die Zwietracht geht ihr Ruhe-würgend nach,

Und den Verein der Menschen knüpft die Treue,

Die Eide bricht, so oft sie Eide sprach.

Dann schließt zu blut'gem Tanz sich Reih' an Reihe;

Hellblinkend jauchzt der erd'entrißne Stahl,

Daß er dem Tode Hekatomben weihe.

Doch offnes Morden bringt nur kurze Qual:

Groll, schleichender Verrath und gift'ge Tücke

Trieft von den Bechern, selbst beim Brudermahl.

An's Licht gesandt vom nächtlichen Geschicke,

Entschleiert Nemesis ihr Angesicht,

Und mißt die Greu'l mit richtend ernstem Blicke,

Und ruft zur furchtbarn, namenlosen Pflicht

Die ewig eingedenken Rächerinnen,

Um deren Stirn Gorgonenhaar sich flicht.

Die Schuld kann nirgends ihrem Netz entrinnen.

Blutathmend, Qual-weissagend heult ihr Lied,

Durchwühlt die Adern und verwirrt die Sinnen.« –

Mich schrecket nicht dein schauendes Gemüth,

O Mutter! Ob dein Mund nie Lügen redet,

Ich weiß, daß auch, was du verschweigst, geschieht.

Wenn jedes Frevels sich der Mensch entblödet,

Bleibt das ihm Vollmacht doch zu höherm Heil,

Womit er oft unselig sich befehdet.

Blind eilt zum Ziel, ein abgeschnellter Pfeil,

Des Thieres Trieb; es irrt nur wer da wählet:

Sich selbst zu lenken ist des Freien Theil.

Erkenntniß wurzelt ihm, wo er gefehlet,

Steigt fest und fester aus der Täuschung Flut,

Und wird zur Weisheit, durch Entschluß gestählet.

Der Meister seines Innern läßt die Wuth

Der Lüste sich einander blind zerschellen,

Und Niedriges verschmäht wer Großes thut.

Wenn Maaß und Heldenkraft sich so gesellen,

Wird die Gewalt entthront, das Recht gebeut,

Nur Liebe macht die freien Herzen schwellen.

Sobald Gefahr dem schönen Bunde dräut,

Für alle jeder, und für jeden alle

Sind sie, den Tod zu suchen, froh bereit;

Und unbezwungen bei des Tapfern Falle

Strebt seine Tugend selbstbewußt empor,

Und lebt, vergöttert, in der Lieder Halle.

Nach Kämpfen geht der Friede mild hervor:

Zum Oelbaum grünt die Lanze, Schwerter pflügen,

Und sichre Fülle wohnt bei offnem Thor.

Der Adler kann auch über Meere fliegen.

Ist aus dem Chaos nicht durch Lieb' und Zwist

Die Ordnung aller Ding' emporgestiegen?

Vollendung strahlt, die kein Gedank' ermißt,

Erst durch des Irrsals Nächte diesem Wesen,

Das sich zu schaffen nur geschaffen ist.

Zeus hat die Welt; dich hab' ich mir erlesen!

Du Werk und Abbild meiner Thatenlust.

Frei sollst du sein: was zaudr' ich, dich zu lösen? –

»Noch halt! o halt, Prometheus! meine Brust

Stöhnt ahndend unter den unnennbarn Plagen,

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
24 nisan 2026
Hacim:
350 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
9783849635305
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
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