Kitabı oku: «Gesammelte Werke», sayfa 3

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Womit du bald dein Wohlthun büßen mußt.

Ergrimmt, daß eines Tags Geschöpfe wagen,

Titanen gleich, nur stolz auf sich zu baun,

Wird dich des Donnrers Wort in Banden schlagen.

Mit Ketten, ehrnen Ringen, und den Klau'n

Der Keil' und Nägel wird an öde Klippen

Der Erde Strand dich festgeschmiedet schau'n.

Da harrest du, des Felsens schroffe Rippen

Dein Lager, aufrecht, unbeweglich, wach;

Dir labt kein Nektar die verdorrten Lippen.

Nie hörst du deiner Menschen kindlich Ach,

Kein Lebenstritt naht so verwaisten Fernen,

Der Wiederhall nur ächzt dir einsam nach.

Die Sonnen zieh'n, es zieht mit ihren Sternen

Die Nacht vorbei; eh deine Kunst dich lös't,

Mag dir zu rauschen dort die See verlernen.« –

Sinkt dieser dann, von meiner Gab' entblößt,

Zum Knecht zurück? wird sein der Blitz nicht schonen,

Wenn vom Olymp mein Bundsgenoß mich stößt? –

Zeus kann die Bildnerei dir bitter lohnen,

Doch hemmen darf er nicht was sie erzielt,

Denn selbst die Macht muß dem Verhängniß frohnen.«

So will ich dulden was die Noth befiehlt.

Ich bin unsterblich, und mein ew'ger Wille

Wird von der Qual, ein Berg vom Sturm, umspielt. –

»Weh mir, die ich dein Unheil dir enthülle!

Durch Riesentrotz, Titan', erwirbst du bloß,

Daß Zeus der Rache Maaß noch höher fülle.

Er läßt der Blitze Flammenwirbel los,

Daß Meer und Aether durch einander brausen;

Hohldonnernd stürzt die Felskluft in den Schooß

Des dumpfen Hades dich: da wirst du hausen,

Bis Zeus dem Tageslicht zurück dich bringt,

Dir selbst zur Schmach, den Himmlischen ein Grausen.

Sein Flügelhund, der gier'ge Geier, springt

Umschattend auf die starr gebundnen Glieder,

Zerfleischt die Brust dir; was er Tags verschlingt,

Erwächst der blut'gen Leber nächtlich wieder;

Lautschwirrend kommt der ungerufne Gast,

Schwebt langsam fort mit triefendem Gefieder.« –

Nichts fremdes übt wer seinen Haßer haßt:

Kronion aber herrscht, der Ungerechte,

Durch meine Hülf' im himmlischen Pallast.

Nun hält der Tartarus die alten Mächte,

Und feig gehorcht der jungen Götter Schaar.

Wo ist ein Starker, der mich retten möchte?

Dir legt die Zukunft ihr Geheimniß dar,

O meiner Mutter heil'ges Haupt! ich flehe

Beim Styr dich an: mach mir sie offenbar.

Ob nie ein Ringer für das Recht erstehe

Aus sterblichem und göttlichem Geschlecht,

Der Götterkraft zum Heldenthum erhöhe?

Wenn der, vom Mühsal ewig ungeschwächt,

Gefahren sucht, und tilget Ungeheuer,

Und Räuber zähmt, und Unterdrückte rächt:

Dann treibt ihn auch des freien Muthes Feuer,

Das ich verlieh, in Wüsten ohne Pfad;

Er kommt, zerreißt die Bande, würgt den Geier.

Ja er vollbringt's, und zürnte seiner That

Der Donnrer auch, und hätt' ihn der gezeuget,

Der mit der Herrschaft Fuß mich niedertrat. –

Der Japetide rief's, doch Themis schweiget.

Wie Gram und Zweifel ihr im Busen schwoll,

Hat sie die Stirn verschleiert abgeneiget.

Sie weiß, daß einst der Tag erscheinen soll,

Wo ihrem Sohn Herakles heil'ge Stärke

Mit Rettung nahet, gleicher Gottheit voll.

Auf daß er mehr auf ihre Warnung merke,

Verschwieg sie was sein weiser Sinn erspäht;

Was schreckt ihn nun bei dem verwegnen Werke?

Er kehrt zum Bilde sich, das vor ihm steht,

Und spricht: Geh! wirke! trage Leid und Wonne!

Der Funke blitzt und Lebensodem weht,

Der freie Mensch blickt zur verwandten Sonne.

Die entführten Götter

O Römerinnen, Römer nicht!

Wo ist die Heldenkraft der Ahnen?

Vergeßen habt ihr Namen, Ruhm und Pflicht

Und tief erröthen jene großen Manen.

Du, ewig nun zu eigner Schmach!

Leb wohl, o Stadt der sieben Hügel!

Bald stürzt dein ödes Pantheon uns nach,

Uns aber leiht der Sieg die leichten Flügel.

Vom Himmel lockten uns herab

Die freundlich bildenden Hellenen;

Von uns empfangend was ihr Sinn uns gab,

Vermählten sie das Göttliche dem Schönen.

Als Freiheit mit der Tugend starb,

Erloschen Hellas Rosenschimmer,

Und Stärke, die ein grauses Recht erwarb,

Stieß den Altar der holden Kunst in Trümmer.

Doch sahn wir, im Vernichten groß,

Mit Lust der Wölfin Pflegesöhne;

Wir theilten gern der hohen Roma Looß,

Daß sie uns Herrscher über Herrscher kröne.

In der Triumphe Prachtgewühl

Empfieng Quirinus seine Brüder;

Das Kapitol ward ein Olymp: da fiel

Vor seinem Raub der Sieger betend nieder.

Zeus Adler flog dem Heer voran,

Er thronte, der Gesetze Wächter –

Senat und Volk ward Einem unterthan,

Und schnell entartet sanken die Geschlechter.

Wild schwärmten an der Tiber Strand

Des Nordens Riesen, sie zu strafen.

Von Knechten und Barbaren abgewandt

Schien ein Jahrtausend unsre Macht zu schlafen,

Bis mit dem jungen Morgenroth

Entwohnte Hymnen uns umwallen.

Es war die Kunst, die Huldigung uns bot,

Und neue Feste, neue Tempelhallen.

Auf! feßle jetzt uns noch, o Rom,

Durch große Thaten, schöne Werke!

Versank auf ewig in der Zeiten Strom

Der Bilder Geist so wie der Helden Stärke?

In dumpfer Trägheit Nebelduft

Prahlst du mit gähnenden Ruinen;

Du bist der Vorwelt eingesunkne Gruft,

Wo weder Rosen blühn, noch Lorbeern grünen.

Ihr aber, die ihr, siegberauscht,

Ausoniens myrtumkränzte Fluren

Gleich eurem Rhodan wogend überrauscht,

Und einem Brennus folgt auf Brennus Spuren!

Ruft uns mit reiner Opferglut,

So soll euch unsre Huld belohnen.

Allein ihr trotzet in der Freiheit Hut,

Und wollt uns zwingen, unter euch zu wohnen?

Habt ihr für uns ein Heiligthum?

Und läßt sich Hellas Reiz erfechten?

Sind Götter auch ein menschlich Eigenthum?

Ihr geizt umsonst nach des Olympus Mächten!

Wer würdig uns zu ehren weiß

Trägt uns in seiner Brust, sein eigen:

Doch trittst du ungeweiht in unsern Kreiß,

So deckt uns Nacht und die Orakel schweigen.

Lebensmelodien

Der Schwan.

Auf den Waßern wohnt mein stilles Leben,

Zieht nur gleiche Kreiße, die verschweben,

Und mir schwindet nie im feuchten Spiegel

Der gebogne Hals und die Gestalt.

Der Adler.

Ich haus' in den felsigen Klüften,

Ich braus' in den stürmenden Lüften,

Vertrauend dem schlagenden Flügel

Bei Jagd und Kampf und Gewalt.

Der Schwan.

Mich erquickt das Blau der heitern Lüfte,

Mich berauschen süß des Kalmus Düfte,

Wenn ich in dem Glanz der Abendröthe

Weich befiedert wiege meine Brust.

Der Adler.

Ich jauchze daher in Gewittern,

Wenn unten den Wald sie zersplittern,

Ich frage den Blitz, ob er tödte,

Mit fröhlich vernichtender Lust.

Der Schwan.

Von Apollos Winken eingeladen,

Darf ich mich in Wohllautströmen baden,

Ihm geschmiegt zu Füßen, wenn die Lieder

Tönend wehn in Tempe's Mai hinab.

Der Adler.

Ich throne bei Jupiters Sitze;

Er winkt und ich hol' ihm die Blitze,

Dann senk' ich im Schlaf das Gefieder

Auf seinen gebietenden Stab.

Der Schwan.

Von der sel'gen Götterkraft durchdrungen,

Hab' ich mich um Leda's Schooß geschlungen;

Schmeichelnd drückten mich die zarten Hände,

Als ihr Sinn in Wonne sich verlor.

Der Adler.

Ich kam aus den Wolken geschoßen,

Entriß ihn den blöden Genoßen;

Ich trug in den Klauen behende

Zum Olymp Ganymeden empor.

Der Schwan.

So gebar sie freundliche Naturen,

Helena und euch, ihr Dioskuren,

Milde Sterne, deren Brüdertugend

Wechselnd Schattenwelt und Himmel theilt.

Der Adler.

Nun tränkt aus nektarischem Becher

Der Jüngling die ewigen Zecher;

Nie bräunt sich die Wange der Jugend,

Wie endlos die Zeit auch enteilt.

Der Schwan.

Ahndevoll betracht' ich oft die Sterne,

In der Flut die tiefgewölbte Ferne,

Und mich zieht ein innig rührend Sehnen

Aus der Heimat in ein himmlisch Land.

Der Adler.

Ich wandte die Flüge mit Wonne

Schon früh zur unsterblichen Sonne,

Kann nie an den Staub mich gewöhnen,

Ich bin mit den Göttern verwandt.

Der Schwan.

Billig weicht dem Tod ein sanftes Leben;

Wenn sich meiner Glieder Band' entweben,

Lös't die Zunge sich: melodisch feiert

Jeder Hauch den heil'gen Augenblick.

Der Adler.

Die Fackel der Todten verjünget:

Ein blühender Phönix, entschwinget

Die Seele sich frei und entschleiert,

Und grüßet ihr göttliches Glück.

Die Tauben.

In der Myrten Schatten

Gatte treu dem Gatten

Flattern wir und tauschen

Manchen langen Kuß.

Suchen und irren,

Finden und girren,

Schmachten und lauschen,

Wunsch und Genuß.

Venus Wagen ziehen

Schnäbelnd wir im Fliehen,

Unsre blauen Schwingen

Säumt der Sonne Gold.

O wie es fächelt,

Wenn sie uns lächelt!

Leichtes Gelingen!

Lieblicher Sold!

Wende denn die Stürme,

Schöne Göttin! Schirme

Bei bescheidner Freude

Deiner Tauben Paar!

Laß uns beisammen!

Oder in Flammen

Opfre uns beide

Deinem Altar.

Die Stunde vor dem Abschiede

Aus deinen Augen sah ich Thränen fließen:

Unglücklicher! ich hatte sie erregt,

Von zärtlichem Verlangen hingerißen

Dein Innerstes zu ungestüm bewegt.

Es nahte schon des Abschieds bange Stunde,

Verschwunden dieser Tage kurzes Glück;

Aus unserm, wie im Flug geschloßnen Bunde

Sahst du auf deinen öden Weg zurück.

O daß der Gram zerrütten soll mit Schmerzen

Der Wonne Sitz, den lieblich blühnden Leib!

Daß irgend wer zerrüttend deinem Herzen

Mit Haß zu nah getreten, zartes Weib!

Laß deine Thräne sanft hinweg mich trinken,

Laß mich sie trocknen mit gelindem Hauch!

Sieh schon sie hier in meinem Auge blinken:

O gieng' in mich dein Leiden über auch!

Dem Mann, der seinem Glücke stürmt entgegen,

Ziemt auch der Kampf mit feindlichem Verdruß;

Doch schonend sollte Ruh des Weibes pflegen,

Denn still erwartet sie der Freude Gruß.

Willst du mir deinen Schmerz im Kuße reichen?

Gern nähm' ich Herbes von so süßem Mund.

Der Kummer müßte dem Entzücken weichen,

Der Freundin Schmachten würd' in mir gesund.

Warnung

Ja, ich gestehe mir es mit Entzücken,

Ich bin dir hingegeben:

Doch, süßer Freund, bewahr' es wie dein Leben.

Der Lieb' ist nichts so eigen,

Als sich mit holder Schüchternheit umschleiern.

Hat sie schon nicht zu sorgen,

Und dürfte kühn sich zeigen,

Will sie geheim doch ihre Weihe feiern

Und bricht der helle Morgen

Auf günst'ge Schatten ein, die sie verborgen

So wird verstört, mit Beben,

Auch ihrer Träume zartester entschweben.

Ich scheue nicht das Necken

Gespitzter Zungen, noch des Pöbels Tadel.

Das wollt' ich muthig leiden

Uns aller Welt entdecken,

Stolz auf die Wahl und meines Herzens Adel.

Allein von diesen Freuden

Beneid' ich Andern selber das Beneiden,

Kein fremder Sinn soll streben,

Zur Ahndung unsers Glücks sich zu erheben.

Wohl muß es bitter schmerzen,

Erlischt, in des Vergeßens Strom getauchet,

Der Liebe schönes Glühen.

Doch wenn aus stillem Herzen

Du von den Lippen erst das Wort gehauchet,

Kannst du's zurück nicht ziehen:

Drum werde nimmer dem Verrath verziehen;

Vergeßen sei vergeben,

Wenn neue Wünsche seinen Schlaf beleben.

Es drängen sich die Seelen

Der Liebenden im Blick an's Licht der Sonne,

Wie hinter Schloß und Riegel;

Sie innigst zu vermählen,

Erschließet erst der Kuß das Thor der Wonne,

Und löset ihre Flügel.

Jetzt aber sei dir dieser Kuß als Siegel

Des Schweigens mitgegeben,

Das keine Macht vermöge wegzuheben.

Die Erfindung des Kußes

1.

Die Grazien besprachen mit einander

Sich von der Menschenbildung Zügen einst,

Wie die Natur in ihrer holden Zierde

Die Seele ausgesprochen, und wie jedem

Belohnende Bestimmung sie verliehn.

Die Stirne, denkend, thront im Antlitz oben,

Es schlingt sich über ihrer offnen Fläche

Der Haare vielfach wechselnd Diadem:

Denn der Gedank' ist König in dem Geist.

Der Nase, die von ihr sich niedersenkt,

Des Ebenmaßes unverrückte Säule,

Weht huldigend der Frühling seine Düfte,

Und Zephyr linden lauen Hauch entgegen.

Das Ohr, bescheiden seitwärts angefügt,

Trinkt achtsam doch des Wohllauts ganze Fülle.

Die Wangen blühen so durchsichtig zart,

Daß bald der jungen Freude leichtes Wallen,

Und bald die Scham, bei'm leisesten Berühren, –

Nicht ohne süßes Bangen, denn sie ist

Die Morgenröthe seliger Gefühle, –

Mit Rosenglut sie überströmen kann.

Die Augen geben und empfangen Strahlen,

Die Welt ist ihre, von dem Aug' der Sonne

Mit aller Farben Glorie ausgestattet.

Doch kehren sie von ihren weiten Flügen

Gern wieder in die Näh'; es sucht der Blick

Verbrüdertes, worin er sich erkenne,

Und Auge spiegelt sich in Aug' entzückt.

Wenn es sich dann, von vielem Sehn ermüdet,

Mit seiner Wimper seidnem Vorhang schirmt,

So dämmern noch im eng verhüllten Lager

Zerfließende Gestalten vor ihm auf.

Die Lippen aber, die beseelten Rosen,

So sprach Euphrosyne, die sich gefällig

Zu Red' und Lächeln regen, stets gesellig,

Beredt zu schweigen wißen, wie zu kosen,

Sie, die das innerste Gemüth erschließen:

Was wurde für ein Lohn zu Theil den süßen?

Daß sie die Nahrung, die der Leib empfängt,

Zuerst berühren? Das ist wieder Dienst,

Belohnung nicht: verschmähn sie doch zu kosten,

Und gönnen gern dem Gaume seine Freuden.

Und was ist Hybla's Honig, was der Saft

Von Lesbos, selbst des Göttertisches Gaben,

Verglichen mit der Worte süßer Kraft,

Worin sich, froh berauscht, die Seelen laben?

Ja müssen nicht die geistigen sich schämen,

Das irdische Bedürfniß hinzunehmen?

Wie du doch eiferst, Schwester, so erwiedert

Aglaja lächelnd; nimm dich nur in Acht,

Daß nicht der zu bewegten Rednerin

Des Mundes leicht geschwungner Zug sich krause,

Und deine Sorg' um ihn ihn selbst entstelle.

Ist denn des schönen Thuns Gefühl nicht Lohn?

Und fühlen nicht die Lippen, wie sie reden

Und wie sie lächeln?

Das Auge sieht sich nicht, es grüßt im Auge

Des Andern aus der Ferne nur den Geist;

Und sind sie doppelt schon, und thun das Gleiche,

Doch rollet in der eignen Sphäre jedes,

Und unbewußt ist ihre Harmonie.

Die Lippen aber sind die Dienerinnen

Der freundlichen Geselligkeit, und selbst

Gesellig: ist ihr Leben und Bewegen

Nicht ewig wiederholter zarter Gruß?

Weil sie denn so als Paar sich innig fühlen,

Vereinigt athmen und vereinigt spielen,

So laß sie sich mit andern Lippen paaren,

Um ihre eigne Süße zu erfahren.

Der Grazien jüngste hört' es liebevoll,

Und neigte sich der Schwester, die gesprochen.

Ihr reger Busen, kaum entknospet, schwoll

Von ihres Herzens ahndungsvollem Pochen.

Sie öffnet halb den Mund, der Anmuth haucht,

Und Lippe wird an Lippe sanft getaucht.

Da war mit reinem zärtlichen Verlangen

Der erste Kuß gegeben und empfangen.

2.

Cythere, hingelehnt in Myrtenschatten,

Belauschte sie, und sagte zu sich selbst:

Ihr holden Kinder, was vermöchten Lippen

Zu Red' und zu Gesang, wenn nicht die Zunge

In ihren Schranken wohnt', und schwünge sich

Mit unermüdlicher Gewalt? Ist sie

Das goldne Plectrum für die Silbersaiten

Der Stimme nicht? sie nicht der Pfeil des Bogens,

Der glühnde Worte schnellt? der Sprache Zügel?

Wenn sich, in sanften Wünschen eingeschloßen,

Jungfräuliche Gemüther liebend finden,

Da mögen Lippen sich bescheiden drücken,

Und gnügen wird dieß Zeichen des Vereins.

Ihr kennt nicht jenes namenlose Streben,

Das jedes andern Triebes Banden lös't,

Sich selber, Seel' und Leib, und Füll' und Leben

An den Geliebten opfernd hinzugeben,

Die beiden Wesen ganz in eins verflößt.

Wenn dieß der Sinn' und Herzen sich bemeistert,

Dann soll die Zunge auch, zum Kuß begeistert,

Das Mark durchblitzen gleich Cupido's Pfeilen

Mit Wunden, die nur süßer Tod kann heilen.

Von solchen Küßen lehrte Cypris Gunst

Den schönen Jäger, bei noch sprödem Muthe,

Zuerst vor allen Sterblichen die Kunst,

Wie sie bei ihm in kühler Waldnacht ruhte.

Es ward ihr Kuß zum heißen Liebesschwur,

In dem erstummt die Zungen sich verwirrten,

Daß Wonne schauernd durch die Wipfel fuhr,

Und buhlender der Göttin Tauben girrten.

Nikon und Heliodora

Idylle.

Der Abend senkt sich kühlend auf die Fluren,

Des Tags Getümmel schwindet in die Ferne,

Die ganze Schaar ermüdeter Naturen

Vernimmt den leisen Wink zum Ruhen gerne.

Nur, wie der wachsame Pilot Arkturen,

So folgt der Liebende dem Abendsterne,

Der ihn, als strahlte durch die Nacht Aurora,

Entgegen führet seiner Heliodora.

Entgegen führet seiner Heliodora

Den trauten Nikon Hoffnung und Verlangen.

Sie naht sich ihm, erröthend wie Aurora,

Vom Thaue banger Scham beperlt die Wangen.

Es schließt sich nickend jedes Kind der Flora,

Doch duftender und voller aufgegangen

Entfaltet ihren Kelch der Liebe Blume,

Du stille Nacht, in deinem Heiligthume.

Nikon.

Du stille Nacht, in deinem Heiligthume

Find' ich Erhörung meiner kühnsten Bitte;

Sie wagt für mich, und achtet sich zum Ruhme

Der Zärtlichkeit zu lieb verletzte Sitte.

Im Blumenschmuck, sie selber eine Blume,

Kommt sie, es rauschen im Gebüsch die Tritte.

Ich flieg' in deine Nähe, Holde! Süße!

Daß ich mit Liebeshauch dich warm begrüße.

Heliodora.

Daß ich mit Liebeshauch dich warm begrüße,

Konnt' ich dem Herzen, Thörichte, nicht wehren;

Mich lockte mehr als des Verlangens Süße

Des Weibes Wonne, zärtlich zu gewähren.

Doch wenn ich bitter mein Vertrauen büße,

Wenn deine Schwür' in Märchen sich verkehren: –

Eh meine Rosen welkend sich entfärben,

Mög ich hier vor des Himmels Antlitz sterben!

Nikon.

Mög' ich hier vor des Himmels Antlitz sterben, –

Nein, Tod in deinem Arm wär' Wonn' und Leben, –

Verbannt von dir erschleiche mich Verderben,

Bin ich dir nicht mit reinster Treu ergeben!

Sei ruhig, theure Freundin, laß die herben

Bekümmerniße mit dem Wind entschweben.

Vergeßenheit von allem Harm umspielet

Die Brust, die ganz den Liebsten in sich fühlet.

Heliodora.

Die Brust, die ganz den Liebsten in sich fühlet,

Hebt freier sich von enger Furcht entladen.

Wie wenn ein Zephyr ihr Gewand durchwühlet,

Wird sie, sich zu enthüllen, eingeladen;

Der Strom der Luft, der alle Sehnsucht kühlet,

Lockt sie, in seinen Wellen sich zu baden:

Der ganze Himmel senkt darein sich nieder,

Es strahlen freundlicher die Sterne wieder.

Nikon.

Es strahlen freundlicher die Sterne wieder

Aus deinem Augenstern, im milden Schatten.

Mich schlägt bei Tag die hohe Schönheit nieder,

Vor ihrem Prangen muß der Blick ermatten,

Doch jetzt, da die gesenkten Augenlieder

Der Nacht mit Dämmerung die Helle gatten,

Schau ich, und fürchte nicht, daß ich erblinde:

Entnommen ist der Liebe ihre Binde.

Heliodora.

Entnommen ist der Liebe ihre Binde,

Daß sie ihr Bild rings um sich kann erblicken.

Wie leise Seufzer säuseln nun die Winde,

Die Blumen duften ahndungsvoll Entzücken,

Die Quellen flüstern, und es scheinen linde

Die Büsche sich den Büschen anzudrücken,

Und buhlerischer durch die Schatten wallen

Die Brautgesänge süßer Nachtigallen.

Nikon.

Die Brautgesänge süßer Nachtigallen

Hör' ich in liebevollem Streit erklingen;

Der Thau begegnet und vermählt im Fallen

Mit Düften sich, die in die Lüfte dringen.

Wie wechselnd einig unsre Stimmen schallen,

So laß auch Lippe mit der Lippe ringen:

Der Seele näher, an des Odems Pforte,

Besprechen sich unausgesprochne Worte. –

Besprechen sich unausgesprochne Worte,

So muß verstummen des Gesanges Lallen;

Er führt die Liebenden nur bis zur Pforte

Des Tempels, wo die sel'gen Opfer fallen,

Bis sie aus ihrer Freuden stillem Porte

Verklärt hervor und neugeboren wallen.

Erröthend fand und lächelnd noch Aurora

Nikon am Busen seiner Heliodora.

Die Bestattung des Braminen

 Eine Phantasie, an meinen Bruder in Ostindien.

Hingelehnt an dieses Palmbaums Kühle,

Weilen wir in schwermuthsvoller Ruh.

Bruder, hier ergieß' ich was ich fühle,

Hauche du dein Mitgefühl mir zu.

Laß uns hier der Menschen Looß erwägen,

Und dann seufzen: dieß ist unser Looß!

Hin zu irren auf bedornten Wegen

In des Grabes finstern Schooß.

Meine Seele schmachtet aus dem Kerker,

Auf gen Himmel bebt der matte Blick;

Unsichtbare Kraft nur wirft sie stärker

In den Staub, worin sie wohnt, zurück.

Aber einst, von Schmerz und Schwäch' entladen,

Soll, mit ew'ger Schönheit angethan,

Sie die Heimat finden, und sich baden

In des Lichtes Ocean.

Aber horch! aus tiefer Ferne hallet

Kaum vernommnes Rauschen; schwül und schwer

Ruht die Luft, und das Getöse wallet

Durch die Ebne langsam auf uns her.

Lauter stöhnt's und lauter in den Palmen,

Deren Wipfel schauervoll sich regt,

Wie, vom West durchwühlt, ein Feld mit Halmen

Immer höh're Wellen schlägt.

»Das ist Leichenzug. – Auf diesem wilden

Acker, wo kein Thau auf Kräuter fließt,

Wo die Sonne, nicht um zu vergülden,

Nur zu dörren, glühnde Strahlen schießt,

Brütet der Verwesung schwarzer Flügel

Seit Aeonen über manchem Staub,

Und vor jedem morschen Knochenhügel

Wölkt sich nichts, als Todtenstaub.

Siehst du sie herannahn? Schädel zittern

Dumpfertönend unter jedem Schritt.

In der Schaar von Männern, Greisen, Müttern,

Wanken Kinder, jetzt nicht hüpfend, mit.

Nicht in Trauerfarben gehn die Weiber,

Prangen mit Geschmeid' und Perlen nicht,

Kummer schmückt die abgehärmten Leiber,

Thränen salben ihr Gesicht.

Weiber, bleibt zurück! – die Gatten, Brüder

Störet sonst des Jammers Ungestüm.

Schweigend setzen sie den Leichnam nieder,

Schichten dort ein Bett aus Cedern ihm.

Laß uns näher an den Schauplatz treten.

Wenn nun Lüfte seinen Rest zerstreun,

Wer es sei, laß uns im Stillen beten:

Friede segne sein Gebein!

Sie entschleiern ihn. Die welken Wangen

Und die glatte Scheitel wie so schön!

Sehnlich soll mein Blick an ihnen hangen,

Bis vom Holzstoß helle Flammen wehn.

Lächelnd fühltest du die Stirn erkalten,

Lächelnd sanken dir die Augen zu;

Engelküße prägten in die Falten

Wonn' und Paradiesesruh.

»Ach, bist du's, Cudwallo? – Höre, höre! –

Doch, verschloßen ist mir ja dein Ohr. –

Einen liebevollen Blick gewähre! –

Ach! dein Aug' umnebelt düstrer Flor. –

Frommer Greis, auch du bist hingeschieden!

Denke mein! Gehab' dich ewig wohl!

Lehrte doch dein Bildniß jeden müden

Pilger, wie er sterben soll.

Du entschliefst mit einer heil'gen Bitte,

Wenn die Flur im Mondenschimmer lag;

Und mit Hymnen tratst du vor die Hütte,

Wenn der Tag aus Purpurwolken brach.

Gott nur suchtest du mit heißer Liebe,

Und der Gnädige verbarg sich nicht.

Harmonie war jeder deiner Triebe,

Deine Mien' erwärmend Licht.

O wie oft, entwichen dem Getümmel,

Lehrtest du erhabne Weisheit mich.

Silbern blickte Hesperus am Himmel,

Dunkle Büsche nickten feierlich.

Meine Seele hieng an deinem Munde;

Deine Worte strömten stark und hell

Mir in's Herz, wie in dem Wiesengrunde

Vor uns hin der frische Quell.«

Still! denn lautres Weherufen kündet

Nun den letzten, letzten Abschied an;

Sieh den Knaben, der das Opfer zündet,

Angeschmiegt an seine Mutter nahn!

Er vollbringt, hinweggewandt, mit Beben,

Fast betäubt, das grausame Gebot.

Sieht, gleich Blitzen, Flammen sich erheben,

Fühlet tief im Innern Tod.

Schreiend ras't am Rand der rothen Gluten

Jedes Weib, zerrauft die Locken, wäscht

Die zerpochte Brust mit Thränenfluten,

Deren Guß den Brand der Qual nicht löscht.

Fest am Boden haftend, bläßer, stummer,

Fürchterlicher sitzt der Männer Kreiß.

Gram belastet, schwer wie Sterbeschlummer,

Ihrer Glieder starres Eis.

Und die Flamme lodert. Laute Klage

Tobt noch einmal: sie verlaßen ihn!

So wie, aufgeschreckt vom Donnerschlage,

Dunstgewölk' aus hohler Klippe ziehn.

Irrend tönt das ächzende Gewimmer,

Und gedämpft durch's wehende Gefild.

Sie entschwinden meinem Blick: doch nimmer

Meinem Geist ihr harmvoll Bild.

Aufgewirbelt von des Westwinds Hauche

Steigt und fällt die Asche, schwarz und lau

Und verfälscht von dem zerfloßnen Rauche

Dämmert rings der Atmosphäre Blau.

Einsam weht die Flamme! Matt beschimmert

Von des Horizonts Gestaden her,

Sterbend, wie ein Krankenlämpchen, flimmert,

Zittert sie, und ist nicht mehr.

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