Kitabı oku: «Gesammelte Werke», sayfa 5
49.
Da sprach sie: Theurer Mann, ich muß es klagen
Daß ihr so weggeht wie ein freier Gast,
Und, wenn ich's darf mit euren Hulden sagen,
Verdient ich's freundlicher um euch; ihr laßt
Mich hier allein in dreien Sorgen zagen.
Zuerst so trag' ich eines Kindes Last
Von euch, des ich wohl nie genes', ich Arme:
Die reine Magd sich mein und sein erbarme!
50.
Und wenn mein Herr und Bruder es erfährt,
So läßt er mich des grimmen Todes sterben.
Ja, wenn er auch den Leib mir nicht versehrt
Wird er doch Gut und Ehre mir verderben;
Dann muß mit mir verstoßen, arm, unwerth,
Mein vaterloses Kind die Trübsal erben.
Auch wird mein Land, mein Volk und hoch Geschlecht
Durch meine Schmach an Ehren sehr geschwächt.
51.
Er sagte drauf: Seid wohlgemuth, o Traute!
Mir ist so lieber Tag an euch begegnet,
Wenn, eu'r vergeßend, ich mein Glück mir baute,
So wär' ich wohl auf ewig ungesegnet.
Die hohe Kraft, die uns mit Lust bethaute,
Vereint uns, wenn es blitzt und stürmt und regnet.
Mein Schicksal bleibt von eurem ungeschieden,
Kein Leid geschieht euch je mit meinem Frieden.
52.
Jetzt möchte König Mark mich landlos achten,
Begehrt' ich euch zum ehlichen Gemahl;
Doch wird er mich als Schwager nicht verachten,
Wenn ich besiegt der mächt'gen Feinde Zahl.
Schnell rückzukehren war mein Ziel und Trachten,
Doch, weil ihr bangt, biet' ich euch diese Wahl:
Ich bleibe hier, zum Dienst euch und zur Steuer;
Wo nicht, fahrt mit, und was ich bin, ist euer.–
53.
Ach Herr und Freund, wie wohl erweis't ihr's mir!
Ich will's euch danken mit fußfäll'ger Seelen.
Doch ist für mich kein länger Bleiben hier,
Ich kann die Angst nicht um mein Kindlein hehlen.
Der beste Rath ist euch zu folgen schier,
Kann ich geheim mich nur von hinnen stehlen.
Fahrt erst zu Nacht, so hilft die Meisterin
Zu eurem Schiffe mir verkleidet hin.
54.
Als sie erwägt, wie sich's am besten füge,
Gieng Riwalin, Urlaub von Mark zu nehmen.
Dem sagt er, wie daheim die Sache liege,
Er müße schnell den falschen Morgan zähmen.
Ihm folget mancher Wunsch zu Heil und Siege,
Von Rittern, die sich um sein Scheiden grämen.
Der König hofft, er werd' an Gut und Ehren
Gefördert, bald zu seinem Hofe kehren.
55.
Derweil die noch den letzten Becher trinken
Auf gute Fahrt, fiel schon die Sonn' in's Meer,
Und heimlich thäten nun die Sterne winken.
Da schlich das Fräulein unbemerkt daher,
Zur Bucht, allwo des Schiffes Segel blinken,
Als Edelknabe, den zu guter Lehr
In Waffenkunst der Ritter mitgenommen;
So harrt sie dort schon, eh er hingekommen.
56.
Sie stießen ab, sie schnitten durch die Wellen,
Die nur mit Plätschern um den Kiel sich regen.
Gelinde Lüfte kaum die Segel schwellen,
Das Schiffvolk konnte meist zur Ruh sich legen,
So schnarchten auch im Raume die Gesellen,
Hingleitend unbesorgt auf feuchten Wegen,
Als noch der Ritter sammt dem holden Buben,
Umarmt, die Blicke zum Gestirn erhuben.
57.
Das blinket in der Fluten Widerscheine
Wie naß vor Wehmuth; sie ergreift ein Wähnen,
Als ob die Welt aus tausend Augen weine,
Und ihre Liebe schwimm' im Meer der Thränen.
Da weigern ihre Augen nicht alleine
Die Flut zu mehren, hingethaut in Sehnen.
Bald hatte Liebesblick sie neu umlächelt,
Ihr Hauch die Thränenseen weggefächelt.
58.
Die Nacht floh hin, von statten gieng die Fahrt,
Am dritten Tage kamen sie zu Land.
Der Marschalk, mit den Seinigen geschaart.
Hieß froh willkommen seinen Herrn am Strand,
Dem er alsbald umständlich offenbart,
Wie er die großen Sorgen kaum bestand.
»Doch weil euch Gott in Zeiten hergesendet.
Ist Rath und Trost uns allen ausgespendet.«
59.
Hiernächst vertraut ihm Riwalin mit Fleiß
Von Blanscheflur sein liebes Abenteuer.
Ja Herr, ich seh', ihr wachs't an Würd und Preis
Von Tag zu Tag, erwiedert sein Getreuer
Ihm hoch erfreut; denn solche Blume weiß
Krönt euren Namen wohl, und macht ihn theuer
Bei aller Welt; eu'r Glück und eure Wonne
Steigt herrlich auf, so wie die Morgensonne.
60.
Nun laßt die Gute gleiche Güt' erproben:
Wenn wir der Noth gewehrt mit unsern Waffen,
Werd' öffentlich ein Hochzeitfest erhoben,
Da sollt ihr's reich und königlich ihr schaffen,
Daß König Mark es selber möge loben.
Zuvor noch laßt, daß Lai'n es seh'n und Pfaffen,
Zu rechter Eh' euch in der Kirche weihen;
Glaubt, alles wird euch beßer drum gedeihen.
61.
Also geschah's nach Rüals biederm Wort.
Weil nun die Herrn zu hartem Zeitvertreib
Das Land durchreiten mußten da und dort,
Führt Blanschefluren, um so theuren Leib
Besorgt, der Marschalk auf ein festes Ort,
Cantell genannt, da wohnt sein eigen Weib;
Der anbefahl er sie, der reinen, steten,
Der Weibesehre Spiegel, Frau Floreten.
62.
Den Winter über war mit seiner Beute
Morgan auf einer starken Burg geseßen.
Die beiden rüsten Zeug indes und Leute,
Ermuthigend, wer sich des Streits entseßen,
Und sind bereit, da sich das Jahr erneute,
Sich mit dem Feind' in offnem Feld zu meßen.
Von Parmenie die blühnde Ritterschaft
Stand wider Morgans übergroße Kraft.
63.
So kam es an der Landwehr zum Gefechte,
Wo Kunst und Muth und Stärke sich bewährt.
Gewalt der Rechte wurde da zum Rechte,
Und es beschwert statt Zungen sich das Schwert.
Wie wenig ward geschont der guten Knechte!
Wie manchem war sein Letztes da bescheert!
Hier war der Staub gelöscht, dort das Gras blutig,
Doch Parmenie stand im Gedränge muthig.
64.
Bis, da die Schaaren der Bretagner weichen,
Und jene setzten siegesfreudig nach,
Mit wildem Schrei aus Waldung und Gesträuchen
Vom Hinterhalt hervor ein Haufe brach.
Gar tapfre Reiter mußten wohl erbleichen,
Wenn sie ein Speer plötzlich im Rücken stach.
Drob ward ihr Heer zerrißen und verworr'n,
Daß Riwalin es sah mit großem Zorn.
65.
Indes die pflichtvergeßnen Unterthanen
Der treue Marschalk, seinem Herrn zum Schutz,
Zu sammeln eilt um die bekannten Fahnen,
Beut der allein dem Feinde Wehr und Trutz,
Und weiß sich vorwärts weiten Raum zu bahnen.
Er drang hindurch, wenn nicht im blut'gen Schmutz
Der Gaul ihm ausglitt, und vom Sporn gerißen
Sich stampfend, bäumend, über sich geschmißen.
66.
Noch mancher Feind erschrack des dumpfen Halls,
Als seine Waffen klirrten über ihm.
Der freche Morgan freut sich seines Falls,
Er sprengt herzu, durchbohrt mit Ungestüm,
Wo Helm und Harnisch gränzen, ihm den Hals,
Nicht fragend, ob sich solcher Streich geziem',
Statt ihn zu fahn um Lösung, wie bei Fürsten
Die Sitte gilt; so brennt sein Rachedürsten.
67.
Als Riwalin die Diener fallen sah'n
Ermannten sie vordringend sich zum Kampf:
Viel tapfre Thaten nun zu spät geschah'n.
Wo der Held lag im letzten Todeskrampf,
Tobt zehnfach wütend auf blutrothem Plan
Geklirr, Mord, Zeter, Wiehern und Gestampf,
Daß sie, wie grimmig Morgans Krieger schnaubten,
Den Leichnam und das Feld zuletzt behaupten:
68.
Drauf ward der todte Herzog aufgehaben,
Zur Burg in seiner Ahnen Gruft zu wallen.
Ihr denkt wohl, wie die Seinen sich gehaben:
Sie sind gemuthet und in Noth gefallen
Als die, so Ehr' und Gut mit ihm begraben,
Vom eignen Mann zum obersten Vasallen.
Doch er ist hin, man muß sich sein entwegen,
Und beten, Gott im Himmel woll' ihn pflegen.
69.
Nur Blanscheflur nicht um den Gatten weinet,
Wiewohl kein Weib so tödlich Leid erwarb;
Das macht, sie war im Innern ganz ersteinet,
Der Klage Laut auf ihrer Zung' erstarb.
Die Sonn' ihr nur mit bleichem Glanze scheinet,
Ihr Aug' umhüllet düstre Trauerfarb.
So lag sie in den Qualen, kaum noch ächzend,
Nach ihrer bangen Seel' Entbindung lechzend.
70.
Da fuhr ein Zucken durch den starren Leib,
Des Lebens Wehen aus des Todes Nöthen.
Vier Tage wand sich das trostlose Weib:
Kann's nicht der Gram, so muß ihr Kind sie tödten.
O süßes Kind, im Mutterschooße bleib'!
Was ringest du nach andern Grabesstäten?
So denkt sie stets mit innigstem Erbarmen;
Ein Söhnlein lebt, man gab es ihren Armen.
71.
Sie sprach es hegend am gebrochnen Herzen:
Ich habe, da ich dich empfieng, getrauert,
Dein Vater traurig lag in wunden Schmerzen,
In Trauer hat mich die Geburt durchschauert,
Traurig umwölkt sich deine Sterne schwärzen,
Weil du verwaist und von Gefahr umlauert.
Drum heiße Tristan mit dem traur'gen Namen.
Das ist mein letzter Muttersegen. Amen.
72.
Der Sohn genas, die Mutter lag erblichen,
Und ward zu Riwalin in's Grab getragen.
Ihr Kind sei todt der Todten Schooß entwichen,
Befahl der Marschalk allem Volk zu sagen,
Obschon das Land ob solchem jämmerlichen
Berichte noch trübsel'ger mußte klagen.
Das ordnet Rüal mit getreuen Listen,
Der Waise Leib und Gut und Recht zu fristen.
73.
Denn hätte Morgan um das Kind gewußt,
Er ruhte nicht, er mußt' es dann verderben.
Auf beßre Zeiten hofft die treue Brust
Das Land zu sparen seinem ächten Erben.
Jetzt, da es blutet nach dem Kriegsverlust,
Hieß er die Edlen selbst um Frieden werben.
So ward der Zwist gesühnet und entschuldigt,
Und ward dem Oberlehensherrn gehuldigt.
74.
Er will den Knaben auferziehn als sein,
Und mahnt sein Weib sich Schwangern gleich zu halten.
Geräth und Kammer richtet auf den Schein
Sie klüglich zu mit heimlichen Anstalten;
Die Amme schafft das Kind gar still herein,
Als sollte bei der Kreißenden sie walten.
Der war's vertraut: sonst ward die Mär' erfunden,
Die Marschalkin sei eines Sohns entbunden.
75.
Und als sie ingelegen ihre Wochen,
Trug sie ihn lieb zum Gotteshaus hinauf.
Da wurde Segen über sie gesprochen,
Der Kleine dann benamt im heil'gen Tauf
Wie ihm der Mutter scheidend Wort versprochen.
Ich nenn' ihn Tristan nach der Zeiten Lauf,
Sprach Rüal; Gott kann's beßer mit ihm machen,
Daß er einst fröhlich mag des Namens lachen.
76.
Es war ja wahrlich wahr und kein Betrug,
Wenn sich Florete zu dem Sohn bekannte:
Er fühlt zu ihr der Kindestriebe Zug;
Sie mütterlich nie keines theurer nannte,
Das selbst sie unter ihren Brüsten trug.
Mit süßem Fleiß ihr Sinn sich zu ihm wandte,
Die Tugendreiche hegt ihn früh und spat,
So daß er niemals unsanft niedertrat.
77.
Ihm waren Scherz und Freiheit Spielgenoßen,
Doch das Geleit der Kindheit nahm die Flucht.
Als bei der Mutter sieben Jahr verfloßen,
Nahm ernster ihn der Vater in die Zucht;
Als seiner Freuden Blüthe kaum entsproßen,
Ward sie vom Reif der Sorgen heimgesucht:
So wandelte sein Leben sich allmählig,
Das ward seitdem noch leider arbeitselig.
78.
Zwar fügt sich Tristan allem Fleiße gerne,
Sein Vater gab ihm einen Meister zu,
Der war begabt mit guter Weisheit Kerne,
Und sann zu allen Stunden ohne Ruh
Wie nun sein Zögling eins, nun andres lerne,
Ein Ding heut wohl und morgen beßer thu'.
Der fremden Zungen Kunst, der Bücher Satzung
War täglich seines jungen Sinnes Atzung.
79.
Von heiliger Geschicht, und Lehr der Weisen,
Von Recht und Sitte muß der Knabe wißen;
In seinen Reden stand er sehr zu preisen,
So war er auch auf Musica beflißen,
Daß seine zarten Finger schöne Weisen
Auf allerhande Saitenspielen rißen.
Ihm war, was irgend nur ein löblich Werk,
Bis er's gefaßt, sein emsig Augenmerk.
80.
Bald lernt' er auch mit Schenkeln und mit Zügeln
Das Roß zu jedem Tritt und Wendung rühren,
Und fest im Sitz geschloßen und den Bügeln
Den Schild und Speer nach Ritterweise führen,
Dann ringen, springen, und den Lauf beflügeln,
Den Degen und im Wurf den Schaft regieren,
Dann durch den Forst die Hasen, Füchse, Hirschen
Mit Hunden jagen, mit Geschoße pirschen.
81.
Davon erstarkt der zarten Glieder Kraft,
Doch ließ man sie vor Uebermaß bewahren.
Rüal verstand sich wohl auf Ritterschaft,
Er war ja selbst in seinen jungen Jahren,
In manchem Abenteur und Spiel sieghaft,
Zum Hof des Uter Pendragon gefahren,
Wo Merlins Kunst und Weisheit vorbereitet,
Was Artus Herrschaft herrlich dann verbreitet.
82.
Kein Königssohn ist also hoch geboren,
Der beßer lernt in seines Hofes Mitten,
Als Tristan, der sein erblich Glück verloren,
Was adlich ist in Rede, Tracht und Sitten.
An ihm war alles schön und auserkoren,
Holdseligkeit und Zier auf seinen Tritten;
Wie er an klein und groß bescheiden thut,
So trägt auch alle Welt ihm holden Muth.
83.
An vierzehn Jahre war etwa der Knabe,
Da trug sich's zu, daß vor die Burg Cantell
Von Norweg über See voll Kaufmannshabe
Ein Schiff, mit Segeln und mit Rudern schnell,
Zu landen kam: es führte reiche Gabe,
Viel seidnes Zeug, Kleinode blank und hell.
Die Fremden legten ihren Markt nun aus,
Die Märe kam dem Marschalk in sein Haus.
84.
Zwei seiner Söhne hatten froh vernommen,
Da wären Falken, schönes Federspiel;
Worauf den Tristan sie bei Seit genommen,
Der allen stets der freundlichste Gespiel,
Er möchte mit zu ihrem Vater kommen,
Ob es auf seine Bitte dem gefiel',
Daß er mit ihnen zu dem Schiffe gienge,
Und kaufte da dergleichen schöne Dinge.
85.
Der Marschalk führt sie selbst zum Strand hernieder,
Es lacht das Herz den muntern kleinen Schalken
Nach all dem bunten lustigen Gefieder,
Blauschnabelichten Schmerlen, Pilgerfalken
Und Sperbern, die in Reihen hin und wieder
Sie sitzen sah'n auf Stangen und auf Balken.
Nun feilschet Tristan für die andern zwei
Und sich, daß jedem eine Gnüge sei.
86.
Sie schickten sich nach Hause schon zu gehn,
Da mußte Tristan innen an der Wand
Von ungefähr ein Schachbrett hängen sehn,
An welchem zierlich Felder so wie Rand
Wohl eingelegt von glattem Holze stehn;
Dabei ein köstliches Gestein sich fand,
Das war von edlem Elfenbein gegraben,
Gar meisterlich durchbrochen und erhaben.
87.
Ei, edle Kaufherrn, wißt ihr in dem Schache,
Das ihr da feil habt, selber auch zu ziehn?
So sagte Tristan in norweger Sprache,
Daß ihrer jeder drob verwundert schien,
Wie solche unbekannte fremde Sache
Dem Kind mit andern Gaben wär' verliehn.
Hier sind genug, sagt einer, die's verstehen;
Wollt ihr: wohlauf! so will ich euch bestehen.
88.
So hatten diese sich zum Spiel gesetzt,
Und Rüal sprach: Ich habe heim zu eilen,
Du, Tristan, weil die Kurzweil dich ergetzt,
Magst, bis du sie vollbracht, allhier noch weilen.
Bei deinem Meister laß' ich dich für jetzt,
Der nimmt dein wahr und kann dir Rath ertheilen.
Er ging von dannen mit den andern zwein,
Und Curvenal und Tristan blieb allein.
89.
Das Kaufmannsvolk erstaunte nicht geringer,
Da sie den klugen Knaben spielen sahn.
Er rührt im Brette die behenden Finger,
Des Gegners Listen können ihn nicht fahn,
Er dringt mit starkem Thurm und schlauem Springer
Vor allen mit der Königin hinan.
Dazwischen flogen von der Schachspiel-Kunde
Die fremden Wörtlein zierlich ihm vom Munde.
90.
Sie hatten seine edle Hofesart,
Und Wuchs und Bildung des holdsel'gen Jungen,
Und seine süßen Künste wohl gewahrt,
Und wurden von Gewinnes Lust bezwungen.
Sie dachten: Wie belohnt wär' unsre Fahrt,
Wenn wir so köstlich diese Beut' errungen!
Ein solcher Diener ziert den größten König,
Wo wir ihn bieten, frommt er uns nicht wenig.
91.
Sie winkten sich mit Augen, und zum Lauf
War heimlich alles bald im Schiff bereit.
So gebt ihr diesen Stein mir in den Kauf?
Rief Tristan, ganz vertieft in seinen Streit.
Sie winden leis' indes die Anker auf,
Und stoßen ab, und sind vom Strande weit,
Eh er es merkt; was drauf ihm widerfahren,
Sollt ihr im folgenden Gesang erfahren.
Todten-Opfer für Augusta Böhmer
1. Sinnesänderung
Ich wollte dieses Leben
Durch ein unendlich Streben
Zur Ewigkeit erhöh'n.
Ich fragte nicht nach drüben,
Mein Hoffen und mein Lieben
War mir hienieden schön.
Was die Natur gewoben,
Was Menschen drauf erhoben,
Verband mir Poesie.
So wähnt' ich klar zu lösen
Das Gute sammt dem Bösen
Zu hoher Harmonie.
Was plötzlich abgebrochen,
War dennoch ausgesprochen
Dem ordnenden Gefühl:
Ein Lied war mir die Jugend,
Der Fall der Heldentugend
Ein göttlich Trauerspiel.
Doch bald ist mir zerronnen
Der Muth, so dieß begonnen,
Die Gnügsamkeit in Dunst.
Gefeßelt vom Verhängniß
Im irdischen Gefängniß:
Was hilft mir weise Kunst?
Die Rose kaum entfaltet,
Doch süßer mir gestaltet
Als aller Schmuck der Welt,
Die hat ein Wurm gestochen,
Die hat der Tod gebrochen,
Die hat der Sturm gefällt.
Nun schau' ich zu den Sternen,
Zu jenen ew'gen Fernen,
Wie tief aus öder Kluft;
Und, ihre blauen Augen
Dem Himmel zu entsaugen,
Küß' ich die leere Luft.
O, werde mein Orakel,
Du, die du ohne Makel
Der falschen Welt entflohst!
Sieh mich in meiner Demuth
Und hauch in meine Wehmuth
Der zarten Liebe Trost.
Wenn dort die Ros' erblühte,
So sei die heil'ge Güte
Endlos gebenedeit.
Zwar sehnlich werd' ich schmachten,
Doch nicht vermeßen trachten
Aus dieser Sterblichkeit.
Wo ich mich wiederfinde
Bei meinem süßen Kinde,
Muß Heil sein, Wonn' und Licht.
Sie wird, wenn meiner Zungen
Der Klage Laut verklungen,
Mein himmlisches Gedicht.
Den strahlenden Karfunkel
Nahm ich in grausem Dunkel
Der Schlange Tod vom Haupt.
Ich will ihn bei mir tragen,
In allen Lebenstagen
Wird er mir nie geraubt.
2. Auf der Reise
Von ferne kommt zu mir die trübe Kunde.
Es trennt mich ein Gebirg mit Wald und Klüften,
Blau dämmernd in des Horizontes Düften,
Von dort, wo ich erlitt die Todeswunde.
Da mach' ich auf die Wandrung mich zur Stunde:
Wo Bäche stürzend rauschen in den Schlüften,
Wo Felsen sich gewölbt zu dunkeln Grüften,
Da ist der Pfad mit meinem Sinn im Bunde.
Hier reis'te jüngst hindurch, die ich betraure,
Nicht achtend auf des schroffen Wegs Beschwerde;
Zur heitern Landschaft südlich hingezogen.
Mai war's, nun heißt es Sommer, und ich schaure
Von kaltem Sturm; ihr ward zum Grab die Erde:
Der Lenz hat Allen, Jugend ihr gelogen.
3. Der Gesundbrunnen
Der Himmel lacht, es wehen warme Lüfte,
Die Gauen blüh'n ringsum mit Wein und Korne.
Hier schirmen Hügel vor des Nordwinds Zorne
Ein kleines Thal voll frischer Wiesendüfte.
Und es ergießt der Schooß der kühlen Klüfte
Heilsamen Trank in ewig regem Borne.
Da fällt mich die unheimliche, verworrne
Vorahndung an: hier sind auch Todtengrüfte.
Kannst du dich so, Natur, mit Mord besudeln?
Wie, oder war dir jede Kraft und Tugend
Vom unerbittlichsten Gestirn gebunden?
Ja, hier, wo selbst die Quellen Leben sprudeln,
Hat, in der Rosenfülle froher Jugend,
Mein süßes Leben seinen Tod gefunden.
4. Der erste Besuch am Grabe.
Schon Wochen sind es, seit sie hier versenket
Den süßen Leib, von aller Huld umfloßen,
Der das geliebte Wesen eingeschloßen,
Zu dem umsonst mein Sehnen nun sich lenket.
Welk ist der Kranz, dem Grabe frisch geschenket,
Und nicht ein Halm dem Hügel noch entsproßen;
Die Sonne zielt mit glühenden Geschoßen,
Noch Thau noch Regen hat den Staub getränket.
Auch werd' ich dazu nicht des Himmels brauchen.
Kehr' dich nur weg, fühlloses Weltenauge!
Ihr Wolken mögt euch anderswo ergießen.
Nur meine Thränen, heil'ger Boden, sauge!
Bei warmem Liebesblick und kühlem Hauchen
Der Seufzer sollen Wunderblumen sprießen.
5. Geliebte Spuren
Dich sollt' ich haßen, und ich muß dich lieben,
Ort! der mein Kleinod geizig wollte haben,
Nicht um sich sein zu freun, es zu vergraben;
Selbst reicher nicht, indeß ich arm geblieben.
Hier sind noch ihre Spuren eingeschrieben:
Auf diesen Wiesen saß sie; Schatten gaben
Ihr Busch und Baum, und Früchte, sie zu laben;
Die Blumenlust ließ Au und Feld sie üben.
Hier sang sie noch dem Echo muntre Lieder;
Jungfräulich wandelnd im Cyanenkranze
Ließ sie das goldne Haar anmuthig flattern.
Bald aber sank sie, ach! entseelt danieder,
Wie den Gespielen weggerafft im Tanze
Eurydice vom Stiche falscher Nattern.
6. Das Schwanenlied
Oft, wenn sich ihre reine Stimm' erschwungen,
Schüchtern und kühn, und Saiten drein gerauschet,
Hab' ich das unbewußte Herz belauschet,
Das aus der Brust melodisch vorgedrungen.
Vom Becher, den die Wellen eingedrungen,
Als aus dem Pfand, das Lieb' und Treu getauschet,
Der alte König sterbend sich berauschet,
Das war das letzte Lied, so sie gesungen.
Wohl ziemt sich's, daß der lebensmüde Zecher,
Wenn dunkle Fluten still sein Ufer küßen,
In ihren Schooß dahingiebt all sein Sehnen.
Mir ward aus liebevoller Hand gerißen,
Schlank, golden, süßgefüllt, bekränzt, der Becher;
Und mir zu Füßen braus't ein Meer von Thränen.
7. Die himmlische Mutter
Der Himmel, sagt man, kann Gewalt erleiden.
O drängen meiner Blicke Liebespfeile
Die Wolken durch, daß ich an deinem Heile,
Geliebtes Kind, mein Herz doch möchte weiden!
Du mußtest von der treuen Mutter scheiden:
Ward eine Mutter droben dir zu Theile?
Wer sagt dir Tröstung, die dein Mitleid heile,
Wenn du so fern herabschaust auf uns beiden?
Ein heil'ges Wort hat Botschaft ja gesendet,
Dort walt' ein weiblich Bild der Muttertriebe,
Das Herz der Welt, in ewigem Umarmen.
O, wenn von ernster Glorie Strahl geblendet,
Die zarte Seele flieht zum Schooß der Liebe:
Birg du, Maria, sie in deinen Armen.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.
