Kitabı oku: «Die Gewissensentscheidung», sayfa 7
Mein Kopf fing an, sich zu drehen. Dass Trommer ein Mistkerl war, das wusste ich ja mittlerweile schon, aber was für ein Mistkerl, das wurde mir erst jetzt langsam bewusst.
Mein Plan, Trommer mit irgendwelchen Ermittlungsergebnissen dazu zu bringen, Beate zu rehabilitieren war jedenfalls gestorben. Meyer würde kein Wort verlieren. Gleichzeitig geriet ich in Rage. Rage? Das war gar kein Ausdruck für die Wut, die in mir hochstieg!
Ich arbeite in einem Rechtsstaat. Gerichtsurteile, an deren Umsetzung ich beteiligt bin, werden von unabhängigen Gerichten gesprochen und dieser Mistkerl hat das Gericht dazu benutzt, seinen schmutzigen Plan in die Tat umzusetzen. Schlimmer noch! Trommer hatte nicht nur das Gericht benutzt, er hatte MICH benutzt. Gut, wir konnten die Umsetzung dieses Verbrechens an Beate verhindern, doch nun wurde mir klar, dass ich mich mit ihrer Rettung selbst in eine Sackgasse begeben hatte, aus der es keinen Ausweg mehr gab … außer… Beate starb. Natürlich kam das nicht in Frage, doch eine Lösung schien jetzt noch unerreichbarer als vor zwei Wochen!
"Überleg es dir gut, ob du einen Kreuzzug gegen Trommer startest. Und falls ja, dann mach dir keine Hoffnung. Du stehst allein!"
Mit diesem Satz fischte Meyer einen Geldschein aus der Tasche, legte ihn auf den Tisch und verschwand.
Ich blieb noch ein paar Minuten sitzen und ordnete meine Gedanken. Als Erstes musste ich meine Wut unter Kontrolle bringen, dann erst konnte ich mich auf den Rückweg machen. Zwanzig Jahre Berufserfahrung hatten mich gelehrt, dass dies eine gute Idee ist. Als ich zu meinem Wagen kam, standen dort zwei Männer am Auto und warteten scheinbar auf mich.
"Sieh mal an, der Bad-Man", meinte der eine. Es war der Hundesohn aus der Kantine mit einem zweiten Kerl. Beide waren in Zivil und die beiden waren sicher nicht dienstlich an meinem Wagen interessiert.
"Tu dir selbst einen Gefallen und verschwinde", riet ich dem Idioten.
"Du triffst dich mit den falschen Leuten, Bad-Man. Ich dachte, ich weise dich vorsichtshalber darauf hin."
Obwohl ich meine Wut unterdrückt hatte, brodelte in mir noch immer eine riesengroße Portion Hass. Ich merkte, wie sie begann, von mir Besitz zu ergreifen.
"Und ich weise dich vorsichtshalber darauf hin, dass ich dir in fünf Sekunden die Fresse poliere, wenn du nicht abhaust!"
Diese Warnung nahm der Typ nicht ernst und kam einen Schritt auf mich zu, dabei setzte er sogar noch einen obendrauf, indem er freundschaftlich seinen Arm um mich legte.
"Hör zu, Bad-Man. Damit das klar ist…"
Weiter kam er nicht. Mein linker Fuß krachte auf sein Knie und gleichzeitig packte ich ihn in den Haaren, zerrte seinen Kopf nach unten und mein Knie nach oben. Es traf ihn mitten ins Gesicht, bei dem die Nase knirschend nachgab. Noch während er zusammenklappte, hatte ich ihm seine Pistole aus dem Halfter gerissen und hielt sie seinem Kollegen unter die Nase.
Der hatte auch die Hand an seiner Waffe, doch er war so überrascht, dass er sie noch nicht gezogen hatte. Deutlich hörbar entsicherte ich die Waffe.
"Ich würde es nicht darauf anlegen!", sagte ich mit eiskalter Stimme, dabei hielt ich die Waffe ohne das geringste Zittern. "Die Pfoten weg von der Waffe!"
Ganz langsam nahm er die Hand von seiner Waffe und hob die Hände schön so, dass ich sie sehen konnte.
"Jetzt klemm dir die Pfeife unter den Arm und verschwinde! Und bevor ihr Blödsinn macht, beim nächsten Mal kommt ihr nicht so gut davon!"
Ich hielt die Pistole weiter auf ihn, bis er das Arschgesicht in ihr Auto gepackt hatte, dann deutete ich ihm die Seitenscheibe herunterzufahren. Als die Scheibe offen war, warf ich das Magazin aus der Pistole, entlud sie und warf Waffe und Magazin durch die offene Scheibe in den Innenraum. Arsch Nr. 2 gab Vollgas und verschwand, während ich in mein Auto stieg und zur JVA zurückfuhr.
Was für eine Scheiße! Ich machte mir zwar keine Gedanken, dass die beiden eine Anzeige schreiben würden, aber irgendjemand überwachte mich. Wer das war, darüber musste ich nicht rätseln. Trommer! Und die beiden Pfeifen würden sicher bereits mit ihm reden. Na ja, reden würde wahrscheinlich nur einer der beiden. Immer noch kochend vor Wut saß ich später im Büro. Langsam erkannte ich das Netz, in dem ich mich verfangen hatte. Was immer Trommer für einen Plan hatte, ich hatte keine andere Wahl, als mitzumachen. Beate war tot. Wie sollte ich erklären, dass sie noch lebte? Wer würde mir glauben?
Niemand! Es war, wie Meyer gesagt hatte, ich stand allein da.
***
"Na, du Ermittler?", grinste Vera. "Ich muss gleich auf die Krankenstation und wollte nur kurz vorbeischauen." Meinte sie und setzte sich auf das Sofa gegenüber vom Schreibtisch.
"Hm", grunzte ich.
"Mach es nicht so spannend, was hast du herausgefunden?"
Ich erzählte Vera alles, was ich von Meyer erfahren hatte und auch, was im Anschluss geschehen war. Vera wurde blass, als sie die Wahrheit über Beates Fall erfuhr.
"Endlich, jetzt wissen wir was wir machen müssen, um Beate zu helfen!"
"Hast du nicht zugehört? Trommer wird niemals zulassen, dass wir ihn kompromittieren. Womit auch? Beate ist tot, hast du das schon vergessen? Wenn wir da irgendwie rauskommen wollen, gibt es nur einen Weg! Wir lassen die Bombe platzen und gehen zu Frank. Mit etwas Glück behalten wir unseren Job, Beate wird von den Toten auferstehen und kommt in den geschlossenen Vollzug. Dann muss sich Trommer etwas Neues ausdenken."
Als die Worte bei Veras Gehirn ankamen, wich alle Farbe aus ihr.
"Nein!", flüsterte sie. "Nein, das darfst du nicht!"
"Vera…"
"Nein!" Vera war aufgesprungen und schrie fast. "Das werde ich nicht zulassen!"
"Vera, du weißt besser als jeder andere Mensch auf dieser Welt, dass mir das keinen Spaß macht, aber…"
Da geschah etwas, was mich fassungslos machte.
Vera ging vor mir auf die Knie!
"Ich flehe dich an, tu es nicht!"
Sie sah mir direkt in die Augen. In diesem Blick lag wirklich alles! Der Blick sagte mir, dass sich Vera unsterblich in Beate verliebt hatte.
Die Angst, diese Liebe zu verlieren und die Bereitschaft für diese Liebe zu kämpfen, koste es, was es wolle.
Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Nein, ich war ... keine Ahnung! Völlig schwindelig kniete ich mich zu Vera und nahm sie in den Arm, als sie anfing zu weinen und dabei bebte, während ich sie hielt.
"Versprich es mir! Versprich mir, dass du sie beschützt!", flehte sie tränenüberströmt.
Was sollte ich nun tun? Vera war der wichtigste Mensch für mich auf dieser Welt.
"Ich verspreche dir, dass ich nicht zu Frank gehe, egal was geschieht, ich beschütze sie."
"Ich muss zum Dienst. Sieh mir in die Augen und sag mir, dass du dein Wort hältst."
Mit der Hand griff ich unter Veras Kinn, hob ihren Kopf und sah ihr in die Augen. "Ich verspreche es."
Noch immer weinend ging sie heraus und ich blieb erschüttert zurück.
Jetzt war es keine "unpersönliche" Sache mehr. Vera liebte Beate! Seltsamerweise kam kein Funken Eifersucht in mir auf, obwohl mir bewusst war, dass ich Vera verloren hatte. Nun war Veras Schicksal mit dem von Beate verbunden. Wenn Beate unschuldig in Haft käme und dabei war es sehr wahrscheinlich, dass es früher oder später einen neuen Anschlag gab, würde Vera das nie überwinden. Das kam nicht in Frage, weder heute noch an einem anderen Tag.
Genau jetzt, an diesem Punkt hatte ich die Wahl. Was war mir wichtiger? Veras Sicherheit ober aber das Wort, das ich ihr vor wenigen Sekunden gegeben hatte?
NEIN! ICH HATTE KEINE WAHL! Niemals könnte ich Vera hintergehen und mein Wort zu brechen, kam für mich erst recht nicht in Frage! Vielleicht würden wir alle draufgehen, aber dann, verdammt nochmal, gingen wir kämpfend unter!
***
Übersee-Einsatz
Mein Onkelchen meldete sich einige Wochen später erneut bei mir, um meine Hilfe bei einem besonderen Fall einzufordern. Sein Anruf begann stets mit den gleichen lieblichen Worten: "Mischka, meine Kleine, wir haben da ein Problem!"
"Ich schick dir über den anderen Kanal eine Datei, melde dich, wenn du Fragen hast, ja?" Damit begann ein weiterer interessanter Einsatz für meinen lieben Onkel. Die gesicherten Daten ergaben, dass sich ein Verräter nach Perth absetzen wollte und dass diese Person die geheimsten Pläne der US-Verteidigung verraten wollte. Das Dumme an der Angelegenheit waren zwei Dinge: Man wusste im Moment nicht genau, wer der Verräter war, und auch nicht, was als Übergabemedium gewählt wurde – also Film, Datenspeicher oder was auch immer.
Eines aber wusste man genau, welchen Fluchtweg der Verräter gerade nahm. Damit kam ich ins Spiel. Beide als Verräter in Betracht gezogene Personen waren auf Mikronesien ausfindig gemacht worden, aber dann in Richtung Nauru und den Solomon-Inseln entkommen. Das war mein Gebiet und ich machte mich auf den Weg nach Honiara. Der Flughafen Lungga hatte von seiner herrlichen Lage noch immer nichts eingebüßt. Ich stand bereit und wartete auf neue Informationen, als mein Handy summte. Endlich kamen die Neuigkeiten, auf die ich so dringend wartete.
"Mischka, wir haben es jetzt. Der Verräter hat detailliertes Wissen über die US-Alarmierungskette in Luft- und Wasser. Er kennt den Platz jeder Sonarsonde und auch die versteckten in den Sektoren B07 bis B09."
Der eigentliche Spion war also enttarnt. John Mercury, so nannte sich der Mann, die Bilder zeigten einen attraktiven Mann. Unter den Merkmalen stand "sexuell aktiv, eidetisches Gedächtnis", er war also ein Mann mit fotografischem Gedächtnis, der nichts anbrennen ließ.
Endlich, eine Stunde vor der Landung der Maschine, kam die Bestätigung von Onkelchen, dass dieser Mann tatsächlich in der Maschine wäre und definitiv der Verräter war.
Die Übergabe würde in Perth stattfinden, ich musste also vorher an ihn herankommen. Die Informationen lauteten, dass er die Nacht hier in einem guten Hotel verbringen wollte und am Morgen weiter nach Australien fliegen wollte. Ich musste also schnell handeln.
***
John Mercury hatte seine Augen überall, als er die Boeing verließ. "Auf Wiedersehen, ihr Hübschen!", rief er noch und die Stewardessen lächelten ihm dankbar zu.
Heimlich prüfte er seine Umgebung und war sich sicher, dass er noch nicht aufgefallen war. Deswegen hatte er diesen abgelegenen Flughafen gewählt. Nach der Zollabfertigung huschte er eilig um eine Ecke und rannte dabei eine Frau um, als er sich gerade wieder einmal hektisch umsah. Eine Frau? Aber was für eine Frau! Das enganliegende, teure Kostüm war zerdrückt, das sah er auf den ersten Blick, und einer der sündhaft teuren Manolos war am Absatz gebrochen. Die attraktive Frau blickte verwirrt vom Boden zu ihm auf.
"Entschuldigen Sie bitte tausendmal, ich habe Sie völlig übersehen! Ich war auf der Suche nach meinen Flugdaten, sind Sie verletzt?"
"Mein Kopf schmerzt, ich glaube, ansonsten bin ich in Ordnung. Oh, mein Fuß tut auch weh und ich kann nicht aufstehen. Nein, mein Schuh ist auch noch kaputt!"
"Oh, ich befürchte, der ist hinüber, hier bitte halten Sie sich an mir fest beim Aufstehen." Ganz galant half er der Frau in dem eleganten Kostüm auf. Sie betrachtete kurz die Manolos. "Der ist wohl nicht mehr zu retten." Ohne viel zu reden, zog sie den anderen Schuh ebenfalls aus.
"Verzeihen Sie bitte, Miss ...?"
"Mellow, Yasmin Mellow, und Sie sind?"
"John Mercury, es tut mir unsäglich leid und selbstverständlich übernehme ich all Ihre Auslagen, die Sie jetzt durch mich haben."
Im Laufe des Gespräches erfuhr Mercury, was er wissen musste. Sie war jung und ledig, aber durch den Zusammenprall etwas angeschlagen. Offenbar hatte sie Angst, im Leben noch etwas zu verpassen, gab sie John Mercury das Gefühl. Also ließ er sich auf das Spiel ein.
Rasch hatte er ihr ein paar Drinks spendiert und diese zeigten ihre Wirkung. In einem luxuriösen Schuhgeschäft versorgte er die hübsche Frau mit ihren langen, roten Haaren und tollen Brüsten mit neuen Markenschuhen. Danach schlenderten sie durch die Hotelanlage. Yasmin ging neben John und sie betrachteten diese und dann jene Auslage in den vielen Geschäften.
"Wann müssen Sie weiter, Yasmin? Mein Flieger geht erst morgen zur Mittagszeit?"
"Ich habe auch noch einige Zeit, mein Flug steht für 14:30 Uhr auf dem Plan."
"Darf ich Sie zu einem gemütlichen Abendessen einladen, quasi zur Wiedergutmachung? Hier gibt es einen wunderbaren Italiener, der zaubert die besten Pizzen dieser Region."
"Ich liebe italienisches Essen und habe einen Bärenhunger. Bitte!" Damit hakte sich Yasmin bei John am Arm ein und sie gingen zusammen los. Das Abendessen war sehr gut und es floss reichlich Wein. Daher hielt es John Mercury für sehr vorteilhaft, dass er Yasmin mit in sein Hotelzimmer nehmen konnte.
***
Nach einer Weile und reichlich Rotwein lag sie in seinen Armen und nach einer wilden Nacht erwachte John, deutlich von den Anstrengungen der Nacht gezeichnet. Yasmin Mellow hatte ihm alle Wünsche erfüllt. Dennoch überprüfte er ihren Ausweis und die sonstigen Dinge in ihrer Handtasche. Aber alles sah so aus, wie er es sich vorgestellt hatte. Eine erfolgreiche, junge Geschäftsfrau, die einfach nur leben wollte. Vielleicht ergab es sich nochmal, dass er Yasmin treffen konnte.
Ein prüfender Blick in das Bett, ihr wunderschöner Körper lag da und er wusste, dass er sich frisch machen musste, schließlich wollte er danach noch einen weiteren Termin bei ihr haben. Schnell stieg er unter die Dusche und der heiße Dampf umgab ihn. Die Dusche war erfrischend heiß und brachte ihm seine Lebensgeister wieder zurück.
Beschwingt entstieg er der Dusche, suchte im Dampf das Badetuch und rutschte plötzlich auf einem Stück Seife aus. Unglücklich stürzend fiel er mit dem Kopf auf einen Hocker, der an einem ungünstigen Platz stand. Mit einem leisen Knacken brach sich John dabei sein Genick.
Die Tür öffnete sich nun vollständig und die Dame aus dem Bett trat in die Dusche ein. Aus Yasmin Mellow war wieder Caroline Miles geworden, die eiskalt berechnend ihrem Job nachging.
Sie löste ein dünnes Seil vom Hocker und prüfte die Reaktion der Pupillen des Gestürzten mit einer kleinen Taschenlampe. John Mercury war eindeutig tot! Offensichtlich beim Liebesspiel im Bad unglücklich gestürzt. Mit einem raschen Drehen seines Kopfes versicherte sich Caroline, dass er tatsächlich nicht mehr erwachen würde. Daraufhin ließ sie den Dampf abziehen und schoss zwei Bilder des Verräters mit ihrem Handy, mailte die Bilder über eine besonders gesicherte Leitung und löschte sie anschließend wieder von ihrem Handy.
Nach einem kurzen Reinemachen verließ sie das Bad und anschließend völlig neu eingekleidet auch das Hotel. Kurz darauf flog sie in einer Privatmaschine hinaus auf die offene See und verschwand.
Als der Zimmerservice schließlich John Mercury fand, lief alles nach Plan. Das erschrockene Zimmermädchen schrie nach Herzenskräften und einer der Hotelgäste kam zu ihr. "Meine Gute, was haben Sie denn, kann ich Ihnen helfen?"
"Da drinnen in der Dusche! Schrecklich, der Mann liegt mit offenen Augen in der Dusche."
"Bitte rufen Sie die Polizei, ich bin Internist, ich warte, bis die Polizei kommt, vielleicht kann ich ja helfen."
Die Polizei untersuchte den Fall. Es gab keine Aufregung und nur die örtliche Presse schrieb später vom "Letzten Liebesspiel eines Galans" und machte eine richtige Lovestory mit einer schönen Unbekannten daraus.
Dass der Verstorbene ein Verräter war, würde auf der kleinen Insel niemand erfahren. Mein Onkelchen hatte die Daten bereits, als ich ihm vom erfolgreichen Abschluss des Auftrages berichtete. Er informierte mich, dass der Mann sogar ein Doppelagent war und in Australien Geschäfte mit den Chinesen und Russen zugleich machen wollte.
Sein Wissen über die US-Alarmierungskette in Luft- und Wasser wären dabei sehr wertvoll gewesen. Die Daten, die er im Kopf hatte, waren brisant gewesen. Aber jetzt kam niemand mehr an diese Daten heran. Die Geheimnisse waren wieder sicher.
In Perth warteten einige Agenten aus unterschiedlichen Ländern vergeblich auf einen Mann und lasen später von dem Liebesunfall. Spätestens da war ihnen klar, dass ihr Spion nicht mehr kommen würde und sie zogen ab.
***
Konsequenzen
Zwei Tage war der Vorfall mit Trommers Arschgesichtern nun her und Trommer hatte sich noch immer nicht gemeldet, obwohl die beiden Pfeifen ihm mit Sicherheit alles gesteckt hatten.
Vera hatte Beate berichtet, was ich herausgefunden hatte und wohl auch, was für Konsequenzen uns allen drohten. Gestern Abend, als Vera Dienst hatte, saß ich bei Beate und wir sprachen über Meyers Entscheidung, den Mund zu halten. Sollte Vera Beate auch erzählt haben, dass ich in Erwägung gezogen hatte, die Notbremse zu ziehen, um Trommers Plan zu vereiteln, verbarg sie es gut. Irgendwann stand sie auf, kam zu mir und setzte sich auf dem Zweisitzer-Sofa neben mich.
"Peter, ich liebe Vera. Ich weiß, es ist völlig verrückt… meine Familie… und dennoch liebe ich sie mehr als alles andere, was mir auf dieser Welt geblieben ist. Vera gibt mir etwas, das ich nach dem Tod von Ella für immer verloren glaubte… bedingungslose Liebe. Sie gibt mir den Glauben an das Gute in uns und sie gibt mir Hoffnung! Falls es Vera schützt, dann geh zu deinem Chef und beende die Sache!"
Schweigend saß ich neben ihr und schaffte es nicht, ihr in die Augen zu sehen. "Gestern wollte ich es tun, da ich keinen anderen Weg sah, aber Vera hat mich angefleht, es nicht zu tun. Ich gab ihr mein Wort, es nicht zu tun. Warum?... Ich habe ihre Augen gesehen... Trommer will, warum auch immer, deinen Tod! Doch wenn du stirbst und das könnte ich nur verhindern, wenn wir dich in Einzelhaft stecken, dann wird Vera für immer gebrochen sein. Das werde ich nicht zulassen! Darum werde ich kämpfen, auch wenn es mein Untergang ist."
Beate sah mich an und drehte mein Kinn in ihre Richtung. Zum ersten Mal sah ich diese schöne Frau aus dieser Nähe. Die Gesichtszüge waren sehr fein gezeichnet, ihr Mund hatte genau die richtige Größe und ihre wunderschönen smaragdgrünen Augen funkelten wie kleine Diamanten. Kein Wunder, dass sich Vera in Beate verliebt hatte. Sie nahm meine Hand in ihre und sagte dann zu mir: "Wir kämpfen zusammen. Für Vera!"
"Für Vera", schwor ich ihr.
Beate lehnte sich gegen mich und ich legte meinen Arm um sie. Über eine Stunde saßen wir so zusammen und keiner wollte den anderen loslassen, bis sie mich schließlich fragte: "Bist du mir nicht böse wegen Vera?"
"Böse? Nein! Vor Vera hatte ich nie eine längere Beziehung, erst als sie in mein Leben trat, wusste ich, was es bedeutet, jemanden wie sie an der Seite zu haben. Sie verdient es, glücklich zu sein, genau wie du."
***
Jetzt saß ich hier und hatte noch immer keine Ahnung, wie ich meinen Kampf zu führen hatte, als Jessika in mein Büro kam. In der linken Hand trug sie zwei Kaffeetassen und in der rechten den Generalschlüssel. Sie schloss die Tür, steckte den Schlüssel ins Schlüsselloch und sperrte die Tür hinter sich ab.
Mit einem fragenden Gesicht reichte mir Jessika eine der Tassen und setzte sich mir gegenüber auf den Besucherstuhl.
"Also?", wollte sie wissen.
"Also, was?"
"Ich habe diesen Blick in deinen Augen schon einmal gesehen. Vor über 20 Jahren, du warst verzweifelt und wusstest nicht weiter. Es ist genau derselbe Blick wie damals."
Ich grinste verlegen. Ja, Jessika kannte mich besser als ich mich selbst. Ihr reichte ein kurzer Blick in mein Gesicht und schon wusste sie einfach alles. Natürlich hatte ich Jessika über die Entwicklung informiert und ihr jede Neuigkeit mitgeteilt, doch von meinem inneren Kampf wusste sie nichts.
"Peter, wir hatten doch ausgemacht, dass wir das zusammen durchstehen, was soll also diese Lonely-Ranger-Nummer?"
"Ganz ehrlich?"
"Du erwartest hoffentlich keine Antwort darauf!"
"Ich habe Angst um dich und ich habe Angst um Vera. Wir haben Trommer von Anfang an unterschätzt und nicht annähernd mit einer solchen Skrupellosigkeit gerechnet. Als wir die Idee hatten, Beate zu retten, kam mir der Gedanke, diesem Mistkerl in die Suppe zu spucken, echt toll vor. Im Gegenteil, ich hielt es für genau die Action, die ich schon immer wollte. Aber jetzt, wo ich damit konfrontiert werde, dass vielleicht die wichtigsten Menschen in meinem Leben dadurch in Gefahr geraten, kommt mir die Idee nicht mehr so großartig vor."
"Es ist etwas spät, sich darüber Gedanken zu machen, oder?"
Da ich nicht antwortete, fuhr Jessika einfach fort. "Angenommen, nur mal angenommen, wir hätten genau gewusst, was für ein Schweinehund dieser Staatsanwalt ist… denkst du wirklich, wir hätten uns anders entschieden?! Wir hätten genau dieselbe Nummer durchgezogen und Vera hätte ebenfalls keinen Rückzieher gemacht! Also, hör auf zu jammern, pack die Ellbogen aus und fang an zu kämpfen! Oder muss ich dich daran erinnern, wieso du hier im Knast Bad-Man genannt wirst?!"
Wieder einmal hatte Jessika den richtigen Ton getroffen und ich sah sie dankbar an. "Nein, Wonder-Woman, das musst du nicht", grinste ich. Unsere "Team-Namen" hatten wir schon vor vielen Jahren bekommen und mittlerweile waren sie Programm. Ich, der Bad-Man, hatte kein Problem damit, einem Möchtegern, ob Anwalt oder Ministeriumsfuzzi seine Grenzen aufzuzeigen. Ging mir so einer gegen den Zeiger, ließ ich ihn schon einmal ins offene Messer laufen, was mir eine Menge Feinde, Anzeigen und Dienstaufsichtsbeschwerden eingebracht hatte. Jessika, die Wonder-Woman, fand dagegen immer einen Weg Vorschriften, Gesetze oder Anweisungen so auszulegen, dass Frank keinen Ärger hatte. Damit stellten wir einfach das perfekte Team da. "Du hast Recht, es ist Zeit die Ellbogen auszupacken!"
***
Ein Freund namens Krischan
Einer meiner Lieblingskollegen hieß Krischan. Er war ein waschechter Kasache und hatte recht früh die Heimat mit seinen Eltern verlassen. Mit ihm hatte ich meine ersten Missionen im Kampfeinsatz. Später kamen noch einige Weitere dazu. Wir lernten uns besser kennen und wurden ein heimliches Liebespaar. Mein Onkelchen hatte da bereits seine Hand schützend über mich gehalten und er war sich sicher, dass ich trotzdem weiter lernte und Erfahrungen sammelte.
"Dagan, das ist nicht gut, wenn eine so junge Agentin sich in einen erfahrenen Kommandoführer verliebt, das wissen Sie genau", hatte der Truppführer zu Dagan gesagt, aber dieser beruhigte ihn. "Lassen Sie die Kleine machen, ich vertraue ihr vollkommen. Sie wird hier viel lernen und sich dabei ihre Hörner abstoßen. Ich habe mich mit Krischan unterhalten und wir wollen das weiterlaufen lassen."
"Gut, Sie sind der Boss, ich halte diesen rothaarigen Wirbelwind aber für ein paar Nummern zu sexy."
"Danke, Ferdinand, aber diese Kleine ist besser als Eleonore Finkally, vertrauen Sie mir."
"Eleonore Finkally, die war bi und eine Spitzenagentin. Sie hat Mann und Frau geleichermaßen vernascht und umgekehrt oder sie eben erledigt."
"Sehen Sie, Caroline wird noch besser als sie, merken Sie sich meine Worte!" Dagan wusste eben, dass ich ein kleine Wilde war und das galt auch für das private Leben. Krischan konnte mich immer wieder zügeln und mir meine Grenzen aufzeigen, er war mein Ausbilder und Freund und Liebhaber dazu. Die Härte des Jobs sollte ich recht schnell und brutal erfahren.
Damals waren wir in der Karibik eingesetzt. Wir hatten auf einer Insel einen Auftrag und sollten eine Familie befreien, die den dortigen Machthabern als Druckmittel und Geiseln diente. Krischan war der Kommandoführer und ich seine Stellvertreterin, Scharfschütze und Funker. Unser dritter Mann, Herale Livingston, war der Sprengstoffexperte, Sanitäter und als begnadeter Nahkämpfer nahezu unbesiegbar. Krischan wies uns nochmals in die Lage ein.
"Herale und ich erkunden hier diese Gebäude, hier, hier und das da. Caroline, du gibst uns von hier oben aus Feuerschutz. Sammelpunkt ist dieser Stall da unten. Die Aufständischen sind garantiert randvoll mit Drogen und fackeln nicht lange. Caroline, du hältst Kontakt zur Einsatzzentrale. Unser Auftrag ist eindeutig. Rettung der Bürger und der Kinder. Keine Feindhandlungen, ist das allen klar? Funkkanal 13, Backup ist 31, die Luftretter sind dieses Mal Jellyfish 1 und 2. Noch Fragen?" Dann kam die verhängnisvolle Stunde, als Krischan und Herale die Häuser erkundeten.
Unser Befehl lautete: verdeckt die Lage aufklären, einen Rettungsweg auskundschaften und sichern, keine Kampfhandlungen ausführen. So lautete damals der Befehl, heute würde das anders aussehen.
Als Krischan und Herale von den Aufständischen überrascht wurden, erhielten ihre Funkgeräte Treffer infolge von Splittern. Dadurch war ich taub und ohne Informationen und konnte nur warten. Plötzlich ging die Schießerei los und ich konnte nicht einordnen, ob meine Freunde dabei waren oder nicht. Ich wusste nur, dass unsere Schutzpersonen zwei Häuser weiter nördlich waren und auf uns warteten.
Doch leider waren wir alle drei verraten worden.
Unser ganzer Plan war offengelegt worden und nur die Tatsache, dass ich meine Positionsänderung selbstständig durchführte und das Haus wechselte, rettete mein Leben. Der Dachstuhl jedenfalls, in welchem ich liegen sollte, ging kurz darauf durch zwei Handgranaten in Flammen auf.
Sie hatten Krischan und Herale gefesselt und trieben sie aus dem Haus auf die Straße. Die Terroristen würden sie für alle gut sichtbar aufhängen, das war mir klar. Und ich, ich hielt mich damals an meine Befehle, und die hießen: keine Kampfhandlungen. Ich wartete also auf meine Chance. Aber die Chance kam nicht. Verstärkung hatte ich bereits zweimal angefordert, aber auch sie kam nicht.
Stattdessen hatten die fünf Terroristen meine Freunde gefangen, zogen die beiden Kinder unserer Schutzpersonen aus dem Haus und stellten sie genau vor Krischan und Herale.
Offenbar wussten die Terroristen auch von mir, nur waren sie sich nicht ganz sicher, ob ich in dem brennenden Dachstuhl umgekommen war. Der Suchtrupp traute sich nicht in das brennende Haus hinein.
Jetzt hatte ich vor mir die beiden Kinder, dahinter meine Freunde und insgesamt fünf verrückte und zugedröhnte Terroristen, die alle und jeden ermorden würden.
Über Funk forderte ich erneut Verstärkung an, aber es gab keine und es hieß nur: "Halten Sie sich an Ihre Befehle!"
Unten auf der Straße tobten die Terroristen und schrien wirre Kommandos. Die Lage drohte aus dem Ruder zu laufen. Schließlich zog einer der Terroristen den Vater der Familie aus dem Haus, ließ ihn vor den Kindern hinknien und schrie ihn an.
Der Anführer baute sich vor dem zitternden Mann auf: "Du Volksverräter, du hast einen Pakt mit den Gringos gemacht. Wieso hast du für uns nicht die Drogen geschmuggelt? Du bist ein Verräter und Verräter dulde ich hier nicht!"
Dann erschoss er den Vater vor den Augen der heulenden Kinder. Anschließend drehte er sich wie ein Verrückter bei einem Veitstanz und schoss mehrfach in die Luft. Die Kinder schrien und rissen sich los. Auch wenn es noch so grausam war, das war meine Chance. Meine einzige Chance.
Noch nie in meinem Leben hatte ich so schnell dreimal hintereinander geschossen und akkurat getroffen. Von den Terroristen fielen fünf getroffen zu Boden, vier der Terroristen hatte ich glatt paarweise durchschossen, weil sie hintereinanderstanden. Den Einzelnen, der den Vater aus dem Haus gezogen hatte und wie verrückt tanzte, hatte ich als Letzten getroffen.
Aber es gab Opfer. Der Vater der Familie lag erschossen am Boden und Herale war schon vorher an der Lunge verwundet worden und spuckte Blut. Er starb auf dem Heimflug an einer Embolie in meinen Armen.
Mit Tränen in den Augen starrte ich Krischan fragend an. "Wieso haben die mich nicht schießen lassen, ich hatte sie alle im Visier. Ich hätte sie ausgeschaltet und Herale würde noch leben, ich habe versagt!"
"Nein, Caroline, Schatz, komm her zu mir, da setz dich. Du konntest nicht anders, unsere Befehle waren nun einmal so. Das ist manchmal ein verdammt dreckiger, harter Job, aber hier sind noch zwei unserer Agenten versteckt und die wären womöglich dann aufgeflogen. Das war wichtiger. Herale war mein Freund, einer meiner besten Freunde sogar, aber auch er kannte das Risiko." Ich sah in seine wunderbaren Augen, die mich anfunkelten.
"Schatz, du hast dich ganz hervorragend verhalten. Du hast die restliche Familie und die beiden Agenten und mich gerettet. Also komm her, weine dich aus, aber unser Job verlangt ab und zu Blutzoll!"
"Verdammt, ich sehe den Vater noch genau vor mir", sagte ich zu Krischan und er lächelte mich an. "Ja, ich kenne das, mein Liebling. Das geht dir nie wieder aus dem Kopf, also erinnere dich daran, damit du dir immer die vollen 100% der Leistung abverlangst." Auf dem Flug zurück erzählte er mir, wie auch sein erster Einsatz mit Verlusten abgelaufen war, und ich erkannte in seinen Augen, dass diese Erinnerungen unvergessen blieben.

