Kitabı oku: «Die Gewissensentscheidung», sayfa 9

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***

So verging die Zeit auf Soulebda. Im Laufe der Monate wurde ich im Palast als Respektsperson angesehen, meine Ideen wurden mit Interesse gehört. Auf mein Urteilsvermögen konnte man sich immer verlassen und Heylah ai Youhaahb, die Regentin, unterhielt sich sehr gerne mit mir. Ihr Gatte bewunderte mich eigentlich nur wegen zwei Dingen. Das waren einmal mein Aussehen, genauer gesagt mein Busen, und zum anderen meine erstklassigen Schießergebnisse bei den Wettkämpfen.

Ja, das Aussehen und die Kleidervorschriften, das hatte mir am Anfang etwas Kopfzerbrechen bereitet. Im Regierungspalast waren nur traditionelle Kleider erlaubt, für Männer einen blauen Stoffrock und die Damen mussten in kurzen, knappen Uniformen erscheinen, die mehr zeigten, als sie verbargen. Im Traditionsbüro achtete man peinlich genau auf diese uralten Sitten. Das war ein alter Brauch. Es war früher einmal wohl etwas vorgefallen, das dazu führte, dass heute das Verstecken von Waffen durch diese Kleidungsvorschriften unmöglich gemacht wurde.

Ich war jedenfalls sehr erleichtert, als meine roten Haare endlich lange genug waren, um meine Brüste zu bedecken. Im Laufe der Zeit gewöhnte ich mich aber auch an diese kurzen Kleider und die Sonne verwöhnte unsere Haut dafür mit einer fast nahtlosen Bräune.

***

Tel Aviv

Wie jeden Tag ließ sich der General des Mossad, Dagan Mayr, von seinen Abteilungsleitern einen genauen Lagebericht geben. Da er die Männer und Frauen, die seine Abteilungen führten, sehr sorgfältig auswählte, wusste er, dass er sich auf die gelieferten Informationen absolut verlassen konnte.

"Also, ich fasse zusammen", meinte er, nachdem alle Bericht erstattet hatten, "die Welt ist ein gefährlicher Ort." Darauf gaben alle ein höfliches Lachen von sich. "Vielen Dank." Damit löste der General das Briefing auf und die Abteilungsleiter verließen den Konferenzraum, bis auf die zwei Majore, Benjamin Levi und David Lem, sowie Hauptmann Soraya Davidson, die auf ihren Plätzen blieben. Dagan wartete geduldig, bis der Letzte die Tür geschlossen hatte, dann lehnte er sich etwas bequemer zurück und auch die anderen wurden etwas lockerer. Jetzt saß hier kein General mit seinen Untergebenen am Tisch, sondern vier sehr gute Freunde waren beisammen, die einiges zusammen er- und überlebt hatten.

"Ben?", wandte sich Dagan zuerst an Levi. "Wie weit ist Krischan?"

"Krischan kam vorgestern in Alexandria an. Er nahm dort Kontakt zu einem Werber des alten Franzosen auf. Wie es scheint, treibt dieser Halunke sein Unwesen zurzeit in unserer Nachbarschaft. Aufgrund Krischans hervorragenden Referenzen wies ihn der Werber an, erreichbar zu bleiben."

"Dass die Referenzen ausgezeichnet sind, glaube ich sofort! Wie hast du das gedreht?"

"Wir hatten das Glück, einen irakischen Attentäter zu schnappen, bevor er sich selbst umbringen konnte. Sein Name ist Kata ben Hali. Er arbeitete lange Zeit auf eigene Rechnung, bis er merkte, dass seine Dienstleistungen sehr gut bezahlt werden. Allerdings stand er noch am Beginn einer Karriere, als wir ihn schnappten. Zu unserem Glück ist Halis Gesicht weitgehend unbekannt, also dachten wir, ersetzen wir ihn doch durch einen unserer Leute und schauen nach, wer Interesse an einem Attentäter hat. Und siehe da, prompt kam ein Angebot aus Kairo.

"Der alte Franzose in Kairo…", brummte Dagan, "das gefällt mir nicht."

"Unseren ägyptischen Freunden gefällt das sicher auch nicht. Es ist aber gut möglich, dass Kairo nicht das Ziel, sondern nur der Sammelpunkt für eine andere Aktion ist. Das ist noch nicht klar."

Mayr, der Levi gut kannte, zog die Augenbrauen zusammen. "Wo drückt dich der Schuh?"

"Caroline."

"Caroline? Caroline ist auf Soulebda, was hat sie…? Caroline?!"

"Die beiden stehen sich schon immer nah. Aber… in letzter Zeit stehen sie sich näher als sonst."

"Caroline und Krischan sind beide Profis, die wissen, was sie tun."

"Ich weiß! Ich will ihnen auch nicht unterstellen, dass sie unprofessionell oder gar unvorsichtig sind, aber… wir wissen alle, wie gefährlich es für uns da draußen ist. Jede Ablenkung und sei es nur ein Gedanke zur falschen Zeit, kann dich dein Leben kosten. Ich … ich habe bei der Sache einfach ein mieses Gefühl."

Das weckte Dagans Aufmerksamkeit! Wenn Levi ein mieses Gefühl hatte, war es besser, darauf einzugehen. "Wie weit ist die Operation?"

"Zu weit. Entweder wir ziehen es durch oder wir riskieren es, Krischan auffliegen zu lassen."

"Was denkst du?"

"Wir lassen den Einsatz weiterlaufen. Die Chance, den alten Franzosen zu erwischen, steht zu gut, um sie jetzt aufzugeben."

"Lem?", wandte sich Dagan an diesen.

"Ja… auch ich würde Krischan im Einsatz lassen. Der alte Franzose wiegt das Risiko auf."

Dagan ließ sich die Meinungen durch den Kopf gehen, als Soraya sich zu Wort meldete, "Ich weiß, keiner wird mich nach meiner Meinung fragen, aber ich würde Krischan von dem Auftrag abziehen, bis er seinen Kopf wieder frei hat."

Levi schmunzelte leicht, denn genau wie Lem wusste er, dass Dagan Soraya ganz sicher nach ihrer Meinung gefragt hätte. Aber sie genoss es einfach zu sehr, einem General unaufgefordert ihre Meinung zu sagen. Denn Sorayas Ideen und Überlegungen hatten schon zu viele Leben gerettet, als dass Dagan sie ignorieren würde.

Nun lag die Entscheidung bei ihm…

"Wir lassen den Einsatz weiterlaufen", entschied er schließlich und sah anschließend zu Levi. "Sonst noch etwas, das ich in Bezug auf Caroline wissen müsste?"

"MacFroody sucht sie noch immer, glücklicherweise ist er noch nicht auf die Idee gekommen, in der Südsee zu suchen. Allerdings wird er Caroline irgendwann aufspüren. Wir sollten ihm zuvorkommen."

"Der Mann ist, nein, er war, Vizedirektor der CIA, wir können ihn also umlegen, ohne dass unsere Freunde hinterm großen Teich verrückt werden."

"Wenn ich richtig liege, wird die CIA selbst dafür sorgen, dass MacFroody verschwindet, bevor er Schaden anrichten kann. Fest steht, dass wir Caroline auf Soulebda nicht so beschützen können, wie wir es hier tun könnten."

"Da ist was dran. Lem?"

"Wir sollten uns einen Plan zurechtlegen. Sobald MacFroody weiß, wo Caroline ist, muss sie von dieser Insel verschwinden. Soulebda ist nicht unser Spielplatz und wir sollten dafür sorgen, dass Froody zu uns kommen muss."

"Hierher wird er sich niemals wagen."

"Natürlich wird er das nicht, also lassen wir ihn in dem Glauben, dass er den Spielplatz wählt."

"Was schwebt dir vor?"

"Deutschland, dort wird sich MacFroody sicher fühlen."

"Deutschland… Hm, gibt’s was Neues aus Deutschland?"

"Momentan gibt es keine akuten Bedrohungen, aber da ist eine Sache, die uns etwas Kopfschmerzen bereitet, oder besser gesagt, jemand, der uns vielleicht einmal Kopfschmerzen bereiten könnte. Gerhard Trommer! Seines Zeichen Oberstaatsanwalt in Mainstadt und auf dem steilen Weg nach oben. Wir beobachten ihn erst seit kurzem und so wie es aussieht, wird er in Mainstadt der nächste Generalstaatsanwalt werden. Doch eine Analyse lässt mich zu dem Schluss kommen, dass er ein Ministeramt oder noch mehr anstrebt."

"Sehr schön, weiter."

"Normalerweise ist das ja nichts Ungewöhnliches, doch um seine Ziele zu erreichen, scheint sich Trommer der PfR-Partei zu bedienen, deren Parteimitglieder, wie wir wissen, nicht unsere Freunde sind. Ich stelle mir die Frage, benutzt dieser Trommer die Partei nur, da diese verblendeten Idioten jedem hinterherlaufen, solange er ihre Klischees bedient, oder teilt er deren Gedankengut? Dieser Fall wäre für uns der schlimmere."

"Ich hasse diese Nadelstreifen-Nazis!", fauchte Levi. "Da sind mir diese hohlköpfigen Glatzköpfe in ihren Springerstiefeln tausendmal lieber."

"Da bin ich ganz bei dir!", meinte Soraya.

"Du hast Recht, diese Sache müssen wir im Auge behalten. Ah, ich verstehe… du willst Caroline nach Mainstadt schicken. So kann sie Trommer beobachten und wir können gleichzeitig MacFroody in unsere Arena locken." Dagan blickte in die Runde und alle drei nickten ihm zu. "Mainstadt", lächelte Dagan und auch die anderen grinsten verschwörerisch, "ich kenne da zwei gute alte Freunde, die uns in dieser Sache sicherlich weiterhelfen können."

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Washington / Dulles Airport

"Ich rieche wie ein Ziegenbock", dachte Mike Smith, während er einer Sicherheitsbeamtin seinen Ausweis entgegenhielt. "Wenigstens stinkt Dave genauso." Colonel Mike Smith und Lt. Colonel Dave Miller waren vor wenigen Minuten nach einem Langzeitflug von einem geheimen Auftrag aus Pakistan zurückgekehrt. Ihre Dienstränge und ihre Tätigkeit für die CIA garantierten, dass sie schnellstmöglich durch die Kontrollen kamen und den Ausgang erreichten, wo ein Fahrer bereitstand, um sie zu ihren Wohnungen zu chauffieren.

"Hör mal, Mike", sagte Dave, bevor sie in den Wagen einstiegen, "du sollst wissen, dass ich voll hinter dir stehe. Ich meine, der Chef wird ausrasten, wenn er mitbekommt, was wir da gedreht haben, aber ich werde dich nicht hängen lassen."

Mike, der mit Dave schon eine Ewigkeit zusammenarbeitete und den er besser kannte als sich selbst, nickte. Ja, der Chef würde bestimmt durchdrehen… Vor drei Wochen waren sie nach Pakistan geflogen, um ein Abkommen mit einem der Warlords im afghanischen Grenzgebiet abzuschließen. Dabei ging es hauptsächlich darum, gegen einen nicht ganz geringen Geldbetrag den Opiumschmuggel im Gebiet des Warlords zu unterbinden. Doch als Mike die Chance sah, durch ein gelegentliches Zudrücken seiner Augen gefangene US-Soldaten der Taliban freizubekommen, änderte er eigenmächtig die Verträge. "Mach dir mal keine Gedanken", antwortete er Dave, "Jetzt ist es Samstagabend, morgen ist Sonntag und bis am Montagmorgen habe ich mir etwas überlegt, das ich dem Boss erzähle…" Er brach ab, als sein Handy vibrierte. Mit einem Seufzen las er die Nachricht, sich sofort zu melden. "Scheint so, als ob ich schneller denken muss."

"Nein, scheint so, als ob wir uns beide schnell etwas überlegen müssen", meinte Dave, hielt sein Handy ebenfalls hoch und stieg ein.

***

Dreißig Minuten später traten Mike und Dave aus einem Waschraum, nachdem ihnen ein Offizier vom Dienst, der sie am Eingang schon erwartete, fünf Minuten gewährt hatte, sich etwas frisch zu machen. Nun führte sie der Offizier am Büro ihres Abteilungsleiters vorbei und steuerte die massive Flügeltür des Direktors an. "Ach, du dickes Ei, hätte nicht gedacht, dass es so schlimm ist." Bisher hatte Mike öfter seine Befehle gedehnt oder angepasst, je nachdem wie es die Situation erforderte, doch bisher hatte sein Boss ihm den Rücken freigehalten, da er Erfolg damit hatte, doch wenn sie zum Direktor mussten…

"Uff", stöhnte auch Dave, als er erkannte, auf welche Tür sie zusteuerten. Dort angekommen klopfte der Offizier an und wurde sofort aufgefordert, hereinzukommen. Er öffnete die Tür, trat zur Seite und ließ Mike und Dave eintreten, bevor er die Tür wieder von außen schloss.

Im Büro saß hinter seinem Schreibtisch der Direktor der CIA, neben ihm auf einem Stuhl saß Trout, der stellvertretende Chef der Abteilung Nachrichtenauswertung, und im Hintergrund sein Boss Kivel, Chef der Nachrichtenbeschaffung.

"Smith, Miller, reinkommen!", befahl Direktor Burnside. Mike versuchte, im Gesicht seines Bosses zu lesen, wie schlimm es stand, doch der hatte ein Pokerface aufgesetzt, also beschloss Mike, die Initiative zu ergreifen. "Angriff ist die beste Verteidigung!", sagte sich Mike, stellte sich stramm vor den Schreibtisch Burnsides und meldete: "Sir, ich möchte Sie bitten, keine dienstlichen Schritte gegen Lt. Colonel Miller einzuleiten. Das Abändern des Abkommens entstand allein durch meine Initiative. Ich habe die Möglichkeit, das Leben von US-Bürgern zu retten, gegen gelegentliche Drogenlieferungen im Grenzgebiet ab gewägt und mich für das Leben unserer Leute entschieden. Ich betone nochmals, dass ich diese Entscheidung allein getroffen habe."

Das ließ Dave allerdings nicht gelten! Ohne auf Mikes warnenden Blick zu achten, baute er sich neben Mike auf und sagte: "Sir, das stimmt nicht! Wir haben die Entscheidung gemeinsam getroffen!"

Burnside sah die zwei ausdruckslos an, dann blickte er an ihnen vorbei zu deren Abteilungsleiter: "Kivel, wovon reden diese Schwachköpfe?"

"Die Colonels Smith und Miller kommen gerade aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Smith sollte ein Abkommen mit einem der örtlichen Warlords treffen. In seinem Vorabbericht meldete Smith, dass er eigenmächtig den Vertrag mit dem Warlord änderte."

"Hören Sie, Kivel, Pakistan geht mir gerade am Arsch vorbei!", sagte der Direktor und schaute dann zu Mike und Dave, die noch immer strammstanden. "Seid ihr fertig? Wenn ja, dann halten Sie Ihre Klappe, packen Sie Ihren Arsch auf einen Stuhl und hören Sie zu!"

"Was zum Teufel ist hier los?!", zischte Dave, als er Mike anschaute, während sie auf zwei Stühle zusteuerten.

"Keine Ahnung, aber der Laden scheint zu brennen. Was sollte das gerade, willst du auch gefeuert werden?"

"Ich habe…"

"Sind Sie fertig mit Ihrem Schwätzchen?!", donnerte Burnside.

"JA, SIR!", riefen die zwei gleichzeitig.

"Schön! Trout, setzen Sie diese Spezialisten ins Bild!"

"Sir", nickte Trout, erhob sich und schaltete einen Beamer ein, der das Bild eines Mannes zeigte. Sofort verschlug es Mike den Atem! Nun wusste er, wieso sie im Büro des Direktors saßen! Das Bild zeigte John Allister MacFroody III, Trouts Boss! "Ich sehe, Sie wissen, wer das ist", kommentierte Trout Mikes Reaktion trocken. "Wie Sie sich sicher erinnern, wurden die Söhne von MacFroody vor nicht allzu langer Zeit im Staatsgefängnis von Phoenix hingerichtet."

"Ja, Sir ich erinnere mich. Ich muss sagen, obwohl ich ein Gegner der Todesstrafe bin, rechtfertigte die Abscheulichkeit der von den beiden Mistkerlen begangenen Verbrechen ein solches Urteil."

"MacFroody sah das etwas anders. Er hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seine Söhne freizubekommen. Pech für ihn, dass die Eltern des Opfers mehr Einfluss auf den Gouverneur hatten als er."

"Was eine eindeutige Schwäche unseres Systems ist! Wäre das Opfer eine namenlose Prostituierte gewesen, hätte MacFroody sicher keine Probleme gehabt, seine missratenen Bälger freizubekommen."

"Das mag sein, doch es ist nicht Gegenstand unserer Unterredung!", wies ihn Trout zurecht und warf ein neues Bild an die Wand. Das Bild zeigte eine sehr attraktive rothaarige Frau mit einem kühlen Blick. "Das ist die Frau, die das Urteil vollstreckte. Ihr Name ist Caroline Miles, sie ist israelische Staatsbürgerin und absolviert in Fort Benning eine Spezialausbildung, dazu arbeitet sie nebenberuflich im Strafvollzug.

Falls Sie wissen wollen, wieso sie als nicht US-Bürgerin als Henkerin arbeitet, die Anzahl von Freiwilligen, die diesen Beruf ausüben wollen, ist sehr beschränkt. Nach Vollstreckung des Urteils musste das FBI eingreifen und Miles außer Landes bringen, seitdem ist sie spurlos verschwunden. MacFroody hat seinen Abschied genommen, sich in Phoenix niedergelassen und all seine Energie darauf verwendet, Miles zu finden. So wie es aussieht, ist MacFroody fündig geworden, denn er hat sein gesamtes Vermögen zu Geld gemacht und ist abgetaucht. Egal, wie exzentrisch und korrupt MacFroody auch sein mag, er war nicht umsonst Chef der Nachrichtenauswertung. Er hat das Handwerk von Anfang an gelernt und hat unzählige Kontakte und Informanten, die ihn auch jetzt noch mit Informationen und Logistik unterstützen. Ihr Job ist es, finden Sie MacFroody, bevor er Miles findet!"

"Sir?", fragte Mike und Trout nickte. "Wie konnte Miles spurlos verschwinden? Ich meine, selbst wenn das FBI sie außer Landes gebracht hat, konnte es doch kein Problem für MacFroody sein, sie ausfindig zu machen. Besonders da er, wie Sie selbst sagen, noch zum Teil über die Ressourcen der CIA verfügt." Zu Mikes Verwunderung antwortete nicht Trout auf seine Frage, sondern Burnside, "Miles ist nicht irgendeine israelische Staatsbürgerin", sagte er finster, "Caroline Miles ist das Protegé von diesem Mann!"

"Ach, du Scheiße!", flüsterte Dave, der das Gesicht ebenfalls erkannte, das Trout an die Wand warf. Das Bild zeigte Dagan Mayr, General und Legende des Mossad. Der Mann, der wahrscheinlich nach dem Papst mehr Geheimnisse kannte als sonst jemand in der Welt.

"Sie kennen bestimmt die Gerüchte über Dagans geheimnisvolle Sonderabteilung, seinen Nichten und Neffen, und ich kann Ihnen versichern, sie sind alle wahr", übernahm Trout wieder. "Miles ist die Nichte Nr. 1! Ich muss Ihnen wohl nicht erklären, was es bedeuten würde, sollte MacFroody die Miles umbringen. Der Mossad würde Amok laufen und selbst, wenn nicht die CIA als solches Ziel der Vergeltung sein wird, wäre die Zusammenarbeit mit dem Mossad auf unbestimmte Zeit irreparabel geschädigt und das zu einer Zeit, in der wir im Nahen Osten zwingend auf deren Mithilfe angewiesen sind."

"Normalerweise wiederhole ich mich nicht", sagte Burnside, "aber finden Sie MacFroody und ziehen Sie ihn schnell aus dem Verkehr, bevor er Miles findet." Er hob einen versiegelten Umschlag hoch und hielt ihn Mike entgegen, der aufsprang und den Umschlag ergriff. "Vom Präsidenten persönlich. Sie sind ermächtigt alle Machtmittel einzusetzen, um MacFroody als Bedrohung für die Sicherheit unseres Landes auszuschalten. Kivel, übernehmen Sie!"

"Ja, Sir! Los, ihr zwei, mitkommen!" Kivel stand auf und verließ mit Mike und Dave Burnsides Büro und ging in sein eigenes.

***

Der Auftrag

"Was für eine Scheiße, Boss", fluchte Mike, als sie in Kivels Büro angekommen waren.

"Das können Sie laut sagen."

"Wieso wir?", fragte Mike. "Ich meine, Trout hat doch sicher genug Spezialisten, die MacFroody besser kennen als wir, und die wissen, wie er denkt."

"Genau das ist Trouts Problem. MacFroody ist ein hervorragender Networker, Trout weiß nicht, mit wem MacFroody noch in Kontakt steht. Burnside hat euch aus zwei Gründen gewählt. Erstens: ihr seid zurzeit die einzigen, denen Burnside traut."

"Und zweitens?"

"Zweitens", schnaubte Kivel, "Zweitens: Burnside kennt dich und deine Methoden ganz genau. Denkst du, er weiß nicht, dass du im Einsatz deine Befehle so auslegst, wie du es für richtig hältst? Bis jetzt hattest du lediglich Glück, dass deine Eigenmächtigkeit zu einem guten Ergebnis geführt hat. Du hast einen Freibrief vom Präsidenten bekommen, fängst du MacFroody und Miles geschieht nichts, bist du Burnsides Mann der Stunde. Legst du MacFroody um oder Miles beißt ins Gras, bist du der Idiot, der seine Befehle missachtet hat."

"Das ist Bullshit!"

"Nein, Mike", antwortete Kivel, ohne eine Miene zu verziehen, "das ist Politik. Und jetzt ab nach Hause mit euch, ihr stinkt wie eine Herde Alpakas."

***

Deal or no deal?

Am folgenden Tag ging ich über den Flur, als ich eine bekannte Stimme hörte.

"Hallo, Herr Stein." Es war Trommer, der "zufällig" im Flur meines Büros erschien. "Ich hatte gerade hier zu tun. Hätten Sie wohl eine Minute Zeit für mich?"

"Selbstverständlich, Herr Oberstaatsanwalt. Am besten gehen wir in mein Büro", lächelte ich scheinbar ahnungslos und schloss die Tür auf. Trommer trat ein und ich erwartete, dass er sich erneut auf meinen Stuhl setzte, doch Trommer nahm dieses Mal betont locker auf dem Sofa Platz. "Ob du hier auch so locker sitzen würdest, wenn du wüsstest, dass ich vor weniger als vier Stunden hier eine heiße Nummer Sex hatte?", schoss es mir durch den Kopf, denn da hatten Vera und ich eine durchaus leidenschaftliche BDSM-Session auf dem Sofa genossen. Daran hatte auch Veras Liebe zu Beate nichts geändert, doch ich hielt lieber den Mund.

"Ich möchte mich trotz all der Unannehmlichkeiten, denen Sie ausgesetzt waren, dafür bedanken, dass Sie Frau Fischer entgegen Ihrer Bedenken in den gelockerten Vollzug verlegten."

"Ihnen ist schon zu Ohren gekommen, dass Frau Fischer dort erstochen wurde?"

"Ja, das war eine unschöne Sache."

"Unschön?! Nein, das ist scheiße! Unser Job ist es, die Sicherheit der uns überantworteten Menschen zu gewährleisten, dabei spielt es keine Rolle, ob diese Menschen schuldig sind oder nicht."

"Was wollen Sie hören? Dass es mir leidtut, dass ich einer Frau das Recht zukommen ließ, das ihr zustand? Das ich mir vorwerfe, mich an das Gesetz zu halten? Kommen Sie von Ihrem Thron herunter, Stein! Wenn Sie nicht in der Lage sind, unsere Gesetze und Ihre Aufgaben in Einklang zu bringen, suchen Sie sich einen anderen Job. Aber bitte", Trommer hob beschwichtigend die Hände, "ich bin nicht hier, um mit Ihnen zu streiten. Ich habe ein Problem, bei dem ich hoffe, dass Sie mir helfen können."

"Wenn es in meiner Macht steht, gerne."

"Herr Stein, ich bin etwas verwirrt", begann Trommer, "ich habe eine Obduktion der Leiche von Frau Fischer angeordnet und bekam keine Ergebnisse. Als ich beim Institut für Rechtsmedizin nachfragte, sagte man mir, dass die Leiche von Frau Fischer dort nicht ankam."

"Ja, da gab es wohl eine Verwechslung. Frau Fischer wurde nach Frankfurt gebracht und dort scheint man sie mit einer anderen Leiche verwechselt zu haben."

Ich konnte sehen, dass mir Trommer kein Wort glaubte, also holte ich die Unterlagen der Institute aus meinem Schreibtisch hervor. "Hier habe ich die Unterlagen von Frankfurt, die die Überstellung belegen."

"Ja, ich habe die Kopien der Institute gesehen… doch ich bitte Sie! Rote, lange Haare, perfekte Figur, grüne Augen… eine Frau wie Fischer würde sicher jedem Mitarbeiter im Gedächtnis bleiben. Doch niemand scheint Frau Fischer in Frankfurt gesehen zu haben… das macht mich nachdenklich."

"Nun, wie Sie sicher annehmen, würde eine derartige Erscheinung auch hier auffallen. Daher bin ich sicher, dass Frau Fischer auch nicht mehr hier ist, zumal es für Tote in unserer JVA nur sehr wenige Lagerplätze gibt. Eigentlich gibt es dafür überhaupt keine Lagerplätze bei uns."

"Ja, da stimme ich Ihnen zu, eine tote Frau Fischer würde sicherlich auffallen…"

Damit teilte er mir wohl mit, dass er mir Beates Tod nicht mehr abkaufte und eröffnete so die Verhandlungen. "Ich habe mit dem Bestatter geredet, und dessen Handydaten belegen seine Aussage, dass er von Mainstadt nach Frankfurt fuhr, ohne anzuhalten. Er sagte auch, dass nicht er, sondern dass Sie und Frau Müller den Sarg in den Transporter schoben und dass dieser recht leicht war." Nun war der Spaß vorbei, denn er sah mich scharf an. "Wo ist die Leiche?!"

Jetzt legte ich mich bequem zurück, als ich antwortete: "Ich habe da ein kleines Problem. Sie werden es kaum glauben, aber auch ich habe ein Rechtsempfinden. Ja, manchmal kotzt es mich an, wenn ich sehe, wie Abschaum, der einen großen Namen trägt, hier nach ein paar Jahren wieder herausspaziert, während kleine Fische die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Ich finde es scheiße, wenn Mörder hier im Warmen sitzen, während die Opfer sehen müssen, wo sie abbleiben! Aber mit all dem habe ich zu leben gelernt, womit ich nicht klar komme ist, dass Beate Fischer unschuldig ist, was den Mord an Ella betrifft. Wissen Sie, Beate hat ihre Kleine nicht umgebracht."

"Was soll das?", fragte er drohend.

"Ich dachte nur, Sie sollten das wissen."

"Lassen Sie den Quatsch. Ich weiß, dass Sie mit Meyer geredet haben und herumschnüffeln. Also, wollen Sie sich mit mir anlegen?"

"Ja, am liebsten würde ich dir eine in die Fresse hauen!", dachte ich mir, aber ich blieb ganz ruhig. "Nein, ich will mich keinesfalls mit Ihnen anlegen, ich dachte nur, Sie könnten mir vielleicht auch einmal einen Gefallen tun."

"Ich habe mich Ihrer Kollegin Tanja Schiller angenommen. Die obere Instanz wird sich mit Totschlag und 3 Jahren zufriedengeben. Das war der Deal und ich habe ihn erfüllt. Jetzt sind Sie dran."

"Der Deal war, Beate in den gelockerten Vollzug zu verlegen, trotz der Gefahr, die ihr drohte. Den habe ich genauso erfüllt wie Sie Ihren Part. Jetzt aber geht es darum, eine Unschuldige auszuliefern! Ich schätze, da ist ein neuer Deal nur angemessen."

Trommer stand auf, holte sich einen der Besucherstühle und stellte ihn vor mich, dann setzte er sich mir gegenüber.

"Reden Sie!"

"Ich will Petra Strass." Ich ging davon aus, dass er mich fragen würde, ob ich verrückt sei, doch er dachte ganz in Ruhe nach und forderte mich anschließend auf, weiterzureden.

"Sehen Sie, ich persönlich glaube nicht, dass ein Mann wie Sie sich mit dem Posten eines kleinen Generalstaatsanwalts zufriedengeben wird. Ich denke, Sie sind auf den Weg nach ganz oben. Ich weiß, dass Meyer und die anderen mit ihrer Falschaussage Ihnen den Weg geebnet haben und das könnte fatale Auswirkungen für diese Leute haben. Doch grundsätzlich bin ich ein Fan von Ihnen, also schlage ich Ihnen eine Zusammenarbeit vor."

"Und wie soll die aussehen?"

"Ich könnte es so drehen, dass wir, um Beates Leben zu schützen, ihren Tod vorgetäuscht und sie sozusagen in Schutzhaft genommen haben, das würde ihr wundersames Auftauchen erklären. Im Gegenzug sorgen Sie dafür, dass die wahre Schuldige, Petra Strass, zur Verantwortung gezogen wird."

Trommer lehnte sich gedankenverloren nach hinten und schien über das Angebot nachzudenken. Mit Sicherheit überlegte er sich, wie er Beate und Petra Strass umlegen konnte, denn eines war klar! Beate durfte auf keinen Fall reden! "Also gut. Lassen Sie Beate von den Toten auferstehen und ich kümmere mich um Frau Strass."

"Ich werde Beate auferstehen lassen, sobald Frau Strass ihre gerechte Strafe erhalten hat."

Wir fixierten uns gegenseitig und keiner gab nach. Schließlich stand er auf, ohne den Blick von mir abzuwenden.

"Ich warne Sie, wenn Sie versuchen, mich hereinzulegen, werde ich Sie fertig machen."

"Keine Sorge, Herr Oberstaatsanwalt, ich betrachte das als Gentleman-Agreement. Sie bekommen Beate und ich die Strass. Und wer weiß… vielleicht können wir auch in Zukunft ähnliche Arrangements treffen."

"Das wird sich zeigen, wenn wir diese Geschichte hinter uns gebracht haben. Guten Tag, Herr Stein!"

Trommer marschierte aus meinem Büro und ließ mich zurück. "Das wird ein Wahnsinns-Showdown werden", dachte ich mir. Danach ging ich sofort zu Jessika, um ihr von dem neuen Deal mit Trommer zu berichten.

"Was denkst du, wird er machen?", wollte ich von ihr wissen.

"Trommer wird die Strass abschießen, und zwar mit einem Riesenrummel. Schätze, wir haben ihm gerade zum neuen Generalstaatsanwalt gemacht."

***

Aufstand der Häuptlinge

Leider gab es auf Soulebda nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Einige Jahre zuvor waren seltene Erden auf Soulebda gefunden worden und diese stellten einen unglaublichen Wert dar. Die Verwertung war geregelt und die Gewinne wurden durch die Regierung verwaltet und aufgeteilt. Aber auf zwei der größeren Nachbarinseln lebten und herrschten Häuptlinge, die sehr machthungrig waren. Sie waren mit der Gewinnverteilung nicht einverstanden und wollten die größten Anteile, obwohl sie auf ihren Inseln nichts zum Gewinn beigetragen hatten.

Im Norden, auf Ni’jamong, war das Häuptling Kazt’taeel und im Südwesten, auf Ka’Ihlih, handelte es sich um Häuptling Nick’Takk. Sie konkurrierten mit den Häuptlingen der anderen, kleineren Inseln und wollten schließlich sogar die Regentschaft auf Soulebda anfechten. Das konnte nicht ungestraft bleiben und die beiden Häuptlinge wurden zur Anhörung einbestellt. Aber anstatt sich bei ihrer Regentin zu melden, brachen sie einen Streit vom Zaun, der sich zu einem blutigen Aufstand entwickelte.

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich mit Penelope auf der Schießbahn des Palastes, wo wir für die anstehenden Wettbewerbe trainierten. Plötzlich rannten zwei Mädchen der Leibgarde zu uns in den Raum.

"Penelope ai Youhaahb, Miss Miles, wir wurden alarmiert. Eine Revolte ist ausgebrochen und oben vor dem Palast wird geschossen. Penelope, wir bringen Sie in den sicheren Raum. Wollen Sie uns begleiten Miss Miles?"

"Nein, bleiben Sie bei Penelope zur Sicherheit, ich werde mich oben nützlich machen." Die Leibgarde begleitete Penelope in den sicheren Schutzraum. Mit ihren .45 Colts sahen die Mädchen der Leibgarde schlecht bewaffnet aus, aber mehr hatten sie damals einfach nicht zur Verfügung.

Lediglich zum Sport wurden die 9mm Parabellum Pistolen eingesetzt. Rasch sammelte ich alle Magazine und Munition, die ich fand und machte mich auf den Weg zum Kommandopunkt. Dort befanden sich bereits hinter dicken Schutzwällen einige Soldaten und ein Oberst der Garde, die mit der Absicherung beschäftigt waren. Ihre alten .45 Colts waren keine besonders gute Hilfe, aber es war nun einmal die Standardwaffe der Garde.

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811 s. 2 illüstrasyon
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9783753190808
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Serideki Birinci kitap "Soulebda Reihe"
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