Kitabı oku: «Perry Rhodan-Trivid Prolog», sayfa 3
Die Gefesselte zerrte an den Riemen, die sie auf den Stuhl schnürten, kam aber nicht frei. Sie stieß dumpfe, verzweifelt klingende Laute aus. Wahrscheinlich war sie geknebelt.
»Ich möchte dir eine Aufgabe stellen«, fuhr die Stimme im Plauderton fort.
Plötzlich verschwand die Frau aus dem Holo, stattdessen erschienen zwei deckenhohe, sich spiralförmig umkreisende Stränge, zwischen denen Verbindungen wie die Sprossen einer Leiter verliefen. Um das Bild schwebten zahlreiche Buchstabenkolonnen. TACCCTGACAAGGT. Immer wieder die gleichen vier Buchstaben in unterschiedlichsten Kombinationen. Sie tanzten durch Perry Rhodans Wohnzimmer, projiziert vom Trivid-System.
»Ein gebildeter Mensch wie du weiß gewiss, was er da betrachtet.« Die Stimme klang weiterhin locker. »Ich sage es dir trotzdem: Vor dir siehst du einen genetischen Kode. Ich habe ihn bewusst in die etwas vereinfachte Darstellung gebracht, wie ihr Terraner sie gerne benutzt, obwohl es weitaus bessere Modelle gibt. Deine Aufgabe ist, herauszufinden, was es damit auf sich hat.«
Die stilisierte Erbgutdarstellung erlosch und machte erneut der gefesselten Frau Platz. Von ihrer Umgebung war mit Ausnahme einer hellen Wand nichts zu erkennen.
»Dir bleiben vierundzwanzig Stunden, dieses kleine Rätsel zu lösen. Dann werde ich mich melden und dir weitere Anweisungen erteilen. Oh, ich weiß, du lässt dir nicht gerne Befehle geben. Erst recht nicht, wenn du ihren Sinn nicht begreifst. Aber ich halte dich für einen Mann mit hohen moralischen Werten. Deshalb will ich für die nötige Motivation sorgen: Solltest du die Aufgabe nicht bewältigen, wird die Gefangene sterben. Solltest du dich an die Polizei, sonstige Ordnungskräfte oder deine Freunde mit den … besonderen Kräften wenden, wird sie sterben. Sollte ich auch nur die Spur eines Verdachts bekommen, dass du nicht kooperierst, wird sie … nun, du weißt schon.«
»Was soll das?«, fragte Rhodan und trat näher an das Holo heran. Auch wenn er nichts tun konnte, wollte er nicht im Sitzen zuhören. »Was bezweckst du mit diesem kranken Spielchen?«
»Du kennst mich nicht«, fuhr der Mann fort, ohne auf die Frage einzugehen. Konnte er Rhodan überhaupt hören? »Also kannst du nicht einschätzen, wie ernst es mir ist. Lass dir sagen: Es ist mir todernst. Ich werde nicht davor zurückschrecken, meinem Gast etwas anzutun. Eine kleine Kostprobe?«
Die Kameraperspektive veränderte sich ruckartig. Die zerzausten Haare rückten näher. Die Aufnahmeoptik fing den schweißnassen Nacken der Frau ein, flog um sie herum, zeigte ihr schweres Atmen. Kurz kam ein Medoroboter ins Bild. Auf einem seiner Behandlungsarme saß ein Bohraufsatz, der just in diesem Augenblick zu rotieren begann.
»Nein!«, rief Rhodan. »Tu das nicht!«
Aber der andere hörte ihn nicht. Oder wollte ihn nicht hören.
Der Bohrer näherte sich der gefesselten Hand. Finger verkrampften sich in die Stuhllehne, ein Zeichen von Angst. Der Bildausschnitt glitt nach oben. Zoomte auf die Augen der Gefangenen, die sich in Schmerz und Panik weiteten. Ein Schrei ertönte, vom Knebel gedämpft; dennoch war die Qual überdeutlich.
Rhodan wich einen Schritt zurück, als könne er so dem Entsetzen und der Fassungslosigkeit entkommen.
Plötzlich brach Chaos aus.
Riesig kam der Robot ins Bild, als wäre es der Frau gelungen, ihn von sich zu treten, und er hätte nicht schnell genug gegengesteuert. Er stieß an die Kamera. Der Raum flog förmlich an Rhodan vorbei. Für den Bruchteil einer Sekunde sah er eine weitläufige Halle, dann eine Lamellenjalousie. Der Medoroboter fiel gegen die Lamellen, schwebte aber sofort wieder auf sein Opfer zu. Der Bildausschnitt raste nach unten zu einem glatten Fußboden. Erneut ertönte der gedämpfte Schrei der Frau.
Die Szenen aus der Lagerhalle und der Schrei brachen ab, und zum zweiten Mal erschienen der Kode und das Meer aus Buchstaben im Holo.
»Denk dran«, sagte die Stimme. »Dir bleiben vierundzwanzig Stunden.«
Es wurde still. Die Übertragung endete. Wie eine Mahnung stand das letzte Bild davon im Raum. Etwas abseits der Kombinationen aus C, G, A und T, direkt neben einer Windung der Doppelhelix, bemerkte Rhodan einen Begriff, der zusätzliche Buchstaben enthielt. TRIVID 0.
»Trivid null?«, las er laut.
Was mochte das bedeuten? Eine Textbotschaft? Ein Hinweis, dass es die erste Nachricht des Entführers an Perry Rhodan war? Aber warum dann nicht TRIVID 1?
Lian starrte den Schriftzug an.
Erst Sekunden, nachdem Rhodan die Aufzeichnung stoppte, löste sie sich aus der Erstarrung und sah den Unsterblichen an. »Das ist … entsetzlich. Wieso hast du die Sendung aufgezeichnet?«
»Das musste ich gar nicht. Der Absender hat es mit einem Signal an die Positronik so gesteuert. Was einleuchtet – schließlich soll ich herausfinden, was es mit diesem Kode auf sich hat. Das ist schwer möglich, wenn ich ihn nur einmal kurz sehe.«
»Ich verstehe trotzdem nicht, wie ich dir helfen könnte. Warum denkst du, ich sei der Schlüssel zu dem Rätsel?« In Wirklichkeit war ihr längst ein Verdacht gekommen; sie wollte, dass Rhodan es aussprach.
Was er auch tat. »Der Kode … es ist deiner.«
»Woher weißt du das? Sind solche Daten nicht vertraulich?«
Rhodan lächelte. »Selbstverständlich. Mit einem guten Namen, einer hohen Sicherheitseinstufung und reichlich Beziehungen habe ich es trotzdem herausgefunden. In den medizinischen Datenbanken tauchst du nicht auf, was ungewöhnlich genug ist. Aber vor drei Jahren warst du in eine Rauferei verwickelt, bei der …«
Lian hob die Arme. »Themenwechsel!«
Damals war sie nach dem Abschluss einer interaktiven Trivid-Serie in eine altmodische Bar gegangen, eine von denen, in denen menschliche Bedienungen die Getränke in echten Gläsern ausschenkten. Sie wollte ein wenig feiern, mit den wenigen Bekannten, die sie hatte.
Der Alkohol in den Getränken war auch echt gewesen, ebenso die arrogante Frau, mit der sie in Streit geraten war. Diese hatte ihrem Partner – einem von Lians Kunden, wie sie schnell heraushörte – aus Eifersucht eine Szene gemacht. Sie hatte behauptet, »dieses maskierte Flittchen« müsse betrügen, weil sie so traumwandlerisch sicher die einzelnen Herausforderungen meistere. »Außerdem stehst du nur auf ihren knackigen Arsch«, hatte sie weitergeschimpft.
Eine handfeste Auseinandersetzung war gefolgt, mit zu viel Alkohol im Blut und mit zu vielen Händen in fremden Gesichtern. Noch Tage danach hatte Lians Kopf gebrummt. Seitdem blieb sie lieber zu Hause, vertiefte sich lieber in ihre Trivid-Welten.
Eine Episode ihres Lebens, an die sie nicht erinnert werden wollte. Und von Perry Rhodan schon gar nicht.
»Wie dem auch sei«, sagte er. »Mir ist egal, was du damals getan hast. Ich bin selbst kein Heiliger, weißt du.«
»So?«
Er grinste. Irgendwie gefiel er ihr.
»Die Polizei hat damals deine Daten erfasst«, fuhr er fort, »und so bin ich nach einigem Suchen darauf gestoßen.«
»Ich verstehe es trotzdem nicht.« Oder? Wieder kam ihr der Gedanke, es könnte einer ihrer Zuschauer sein. Befand sich unter den 900.000 ein Geisteskranker, der sie ausfindig gemacht hatte und ihre Aufmerksamkeit erringen wollte, indem er Perry Rhodan vor seinen Karren spannte? Nein, diese Idee war zu weit hergeholt. »Ich kenne den Typen nicht. Zumindest habe ich seine Stimme nicht erkannt.«

