Kitabı oku: «Perry Rhodan-Trivid Prolog», sayfa 4
»Aber vielleicht kennst du die Frau, die er entführt hat.«
Sie hatte das Bild ignoriert. Es war zu verstörend. »Findest du? Wieso sollte ich?«
»Ich zeig es dir noch mal.«
»Nein, lass das, ich …«
»Positronik, Bildelement 3486«, sagte er ungerührt.
Na klasse. »Du scheinst die Botschaft schon auswendig zu kennen.«
Er ging nicht darauf ein. Und das Trivid-Bild zeigte das Gesicht der Entführten in Großaufnahme, aus dem Moment, ehe der Bohraufsatz des Roboters auftauchte.
»Hier sind die Gesichtszüge deutlicher zu sehen als später, als sie …« Er brach kurz ab. »Als sie schreit.«
Der Knebel verbarg die Mundpartie, aber das Kinn, die Nase, die Augen, die Farbe der zerzausten Haare … es war überdeutlich.
Perry Rhodan schaute Lian auffordernd an. Der verdammt wichtigste Mann der Menschheitsgeschichte schaute sie an und wartete auf ihre Reaktion. Na gut, warum sollte sie ihm den Gefallen nicht tun? »Sie ähnelt mir. So könnte ich in zwanzig oder dreißig Jahren aussehen.«
»Deine Mutter?«
Lian schüttelte den Kopf. »Ist tot.«
»Die Ähnlichkeit ist überdeutlich. Das kann kein Zufall sein. Schon gar nicht, wenn in der Botschaft ausgerechnet dieser Kode auftaucht.«
»Mutter ist tot«, wiederholte sie.
»Sieht aus, als würde sie noch leben. Was weißt du über ihren …«
»Ich war ein kleines Kind. Und, Perry, sie ist tot. Das ist meine älteste Erinnerung. Ich habe sie gefunden, und … können wir das Thema wechseln?«
»Gern. Von den vierundzwanzig Stunden, die mir der Unbekannte zugestanden hat, bleiben vierzehn. Zeit, die wir nutzen sollten. Darf ich eine DNS-Probe von dir nehmen?«
»Warum?«
»Um den Eintrag in der polizeilichen Datenbank zu überprüfen. Etwas ist daran seltsam.«
»Was?«
»Zum Beispiel die Tatsache, dass dein Genom nicht nach deiner Geburt in den Medosystemen abgelegt worden ist.« Er winkte ab. »Es steht dir frei, ob du der Entnahme zustimmst.«
Sie musste nicht lange nachdenken. »Das Ganze hat mit mir zu tun, das ist für mich Grund genug. Ich bin einverstanden, aber nur, wenn ich dazu nicht zu einem Arzt muss.«
»Nicht nötig. Wir können das gleich hier erledigen.«
»Klar. Du bist Perry Rhodan und so.«
»Gut beobachtet.« Er lächelte.
»Und du hast bestimmt alles vorbereitet, weil du wusstest, dass ich zustimme.«
Er verschwand aus dem Zimmer und kehrte nach Sekunden zurück, mit einem roten Gerät, flach wie eine Scheibe und gerade so groß wie ein Handteller. Eine Stelle an der Unterseite schimmerte grün. »Darf ich?«
»Was brauchst du?«
»Deinen Arm, deinen Nacken – was dir lieber ist.«
»Wird’s wehtun?«
»Du spürst es kaum.«
Sie hielt ihm die rechte Hand hin. Er fuhr mit dem grünen Bereich des Geräts über ihren Daumen; es ziepte leicht. »Das war’s. Meine Servosysteme analysieren das schnell; dauert trotzdem ein wenig.«
Lian winkte ab. »Ich möchte die Aufzeichnung noch einmal sehen. Mir ist etwas aufgefallen.«
»Hier!«
Lian saß auf der Couch, die Beine im Schneidersitz auf der Sitzfläche abgelegt. Rhodan betrachtete sie nachdenklich: schwarze Haare, leicht asymmetrischer Schnitt, akzentuierte Augenbrauen, insgesamt ein sehr selbstbewusster Blick. Lian sah aus, als trainiere sie regelmäßig; ein trägerloses Hemd ohne auffallende Farbmuster, wie sie derzeit Mode waren, und eine schwarze Hose betonten die Figur.
Spätestens bei diesem Wort wusste Perry Rhodan, dass die junge Frau über eine erstaunliche Beobachtungsgabe verfügte. Sie stoppte das Bild der aufgezeichneten Trivid-Botschaft an einer Stelle, der er keine besondere Beachtung geschenkt hatte.
Ein Fehler!
Der Medoroboter war offenbar von der Gefangenen weggestoßen worden und fiel gegen die Jalousie. Der ausgestreckte Tentakelarm mit dem Bohraufsatz schlug durch die Lamellen, krachte an das Fenster. Es dauerte nur eine Zehntelsekunde, bis die Maschine den Arm zurückzog und sich der Sichtschutz wieder schloss.
Höchstens eine Zehntelsekunde lang zeigte ein kleiner Bildausschnitt, was hinter der Scheibe lag.
»Ist es dir nicht aufgefallen?«, fragte Lian.
»Nein«, gab Rhodan zu. »Du bist gut. Aber die Positronik hatte mich bereits darauf gestoßen. Die Vergleichsdaten müssten jeden Moment eintreffen.«
Lian trat in das Trivid-Bild und berührte den Ausschnitt des Fensters. »Positronik, zoome diesen Bereich größer.«
Die Darstellung änderte sich, der Medoroboter wuchs ins Riesenhafte, und Lian erschien mit einem Mal winzig. »Spektralanalyse und Bildvergleich!«, forderte sie. »Was sehen wir hier?«
Rhodan ging durch die Holo-Wiedergabe des Tentakelarms. »Du machst das nicht zum ersten Mal. Wer bist du? Die Gensequenz brachte mir deinen Namen und die Adresse, aber sonst nichts.«
»Ich bin Künstlerin«, sagte sie.
»Welches Gebiet? Malen? Schreiben?«
»Gedächtnis- und Trivid-Künstlerin.«
»Trivid-Künstlerin«, wiederholte er. »In einem Entführungsfall, in dem mir via Trivid eine Botschaft überbracht wird, die zu allem Überfluss mit ›TRIVID 0‹ signiert ist?«
»Ganz genau. Und das wird kaum Zufall sein. Wir können später über meinen Job plaudern, wenn wir das hier geklärt haben. Positronik, wo bleibt die Spektralanalyse des Lichts hinter dem …?«
»Die Landschaft liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 93,7 Prozent auf dem Mars«, unterbrach der Hausrechner. »Das Maß der Helligkeit und das Spektrallinienmuster eines Quarzes, der aus dem Boden ragt, sprechen dafür.«
Lian fluchte, sagte »Mars« und fluchte erneut.
»Was stört dich daran?«
»Ich bin erst seit vier Jahren auf der Erde. Meine Familie stammt …«
»… vom Mars?«
»Ich bin in der Siedlung Valerysion geboren.«
Rhodan deutete auf den Fensterausschnitt. »Dort?«
»Keine Ahnung. Man sieht viel zu wenig. Außerdem kann ich mich sowieso nicht mehr an die Umgebung erinnern. Ich war drei, als meine Mutter starb und ich wegging. Erst mal zum Jupitermond Europa.«
»Mit deinem Vater?«
»Den kannte ich nie. Ist eines Abends gegangen, um Zigaretten zu holen. Muss eine recht seltene Marke sein, denn er ist noch nicht zurückgekehrt.« Sie zuckte mit den Achseln. »Und nun bloß kein Mitleid! Ich habe mich durchgeschlagen, bis ich vor vier Jahren nach Terra kam und meine Karriere begann. Ich war eine Waise. Na und? Das waren viele, mein Gott!«
Rhodan suchte ihren Blick. »Du kannst gern Perry zu mir sagen.«
»Was?« Sie schaute ihn verwirrt an. Und lachte. »Du bist gut. Die meisten machen irgendwelche peinlichen Sprüche, wenn sie von meiner traurigen Kindheit erfahren. Positronik, stammt diese Aufnahme aus der Mars-Siedlung Valerysion? Zieh alles vergleichende Bildmaterial in die Analyse mit ein.«
Rhodan wandte sich an Lian. »Notfalls greife ich auf aktuelle Bilder zu. Wir werden es bald wissen.«
»Die Vermutung ist korrekt«, informierte der Hausrechner. »Der Blick geht aus einem Gebäude am nördlichen Rand von Valerysion in Richtung des großen Raumhafens Marsport VII. Die Siedlung liegt im Oudeman-Krater.«
Lian drehte sich um, ging einige Schritte und ließ sich auf Rhodans Couch fallen. Sie massierte sich die Schläfen. »Wie schnell können wir aufbrechen?«
»Gar nicht.«
»Wieso? Es gibt eine Spur, und jetzt gehen wir los und befreien diese Frau, die angeblich meine Mutter sein soll. Es bleiben … dreizehn Stunden und siebenunddreißig Minuten? Genug, um rasch zum Mars zu reisen oder uns von einem Transmitter dorthin versetzen zu lassen. Wir zeigen diesem Entführer, dass wir uns von ihm nicht …«

