Kitabı oku: «Wunderwelten», sayfa 4

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8. Die großen Astronomen.

Unsre Freunde hatten beschlossen, ihre Zeitrechnung nach irdischem Maßstab einzuteilen, um jeglicher Verwirrung der Begriffe zu entgehen, und so war es, wie die Uhren der Sannah anzeigten, 8 Uhr morgens, als sich alle um den Frühstückstisch im Nordpolzimmer versammelten.

Die Schlafgemächer befanden sich sämtlich in den inneren Räumen, die auf künstliche Beleuchtung angewiesen waren; die vier Säle, die sich in der Äquatorlinie der Sannah befanden, hatten stets abwechselnd eine Stunde Tag und eine Stunde Nacht; im Südpolzimmer dagegen herrschte zurzeit beständige Nacht, im Nordpolzimmer unaufhörlich Tag. Aus diesem Grunde wurde Letzteres zum gewöhnlichen Aufenthaltsort gewählt.

Schultze berichtete eingehend über die Vorkommnisse der vergangenen Nacht und schloss mit den Worten: „Die Tatsache, dass die Erde mit dem Mond so rasch aus unserem Gesichtskreis entschwand, sowie dass das ganze Sonnensystem uns zu entfliehen drohte, ist der erste praktische Beweis für die Richtigkeit des kopernikanischen Systems.“

„Wieso?“, fragte Heinz Friedung erstaunt: „Ich meinte, nichts von der Welt stehe so sicher wie dieses System und es sei längst schon als zweifellos richtig erwiesen!“

„Da sieht man die Schulweisheit!“, lachte der Professor: „Was einer glaubt, verkündigt er, sei es aus Unwissenheit, sei es aus Einbildung, gewöhnlich als zweifellose Wahrheit. So werden den Schülern und selbst den Studenten die anerkannten wissenschaftlichen Vermutungen als felsenfest stehende Wahrheiten verkündigt. Meist lassen sie sich dadurch täuschen, und so kommt es, dass die große Menge sowie auch die von ihrer eigenen Unfehlbarkeit überzeugten Gelehrten glauben, jeden verhöhnen und als ungebildet und rückständig brandmarken zu dürfen, der ihren Glauben nicht teilt und an dem zweifeln zu dürfen glaubt, was als modernster Standpunkt der Wissenschaft gilt.

Es ist wahr, das kopernikanische System ist überaus einleuchtend und erklärt am besten alle astronomischen Erscheinungen auf der Wissensstufe, auf der wir zurzeit stehen; ja, unser ganzes Physikalisches Begriffssystem beruht auf der Voraussetzung seiner Richtigkeit. Aber zweifellos bewiesen ist diese Richtigkeit so wenig, wie irgendeine andre sogenannte „wissenschaftliche Wahrheit“. Es ist sehr unwahrscheinlich, aber durchaus nicht undenkbar, dass ein kommendes, fortgeschritteneres Geschlecht wieder zum ptolomäischen Weltsystem zurückkehrt. Dann müsste allerdings die gesamte astronomische Wissenschaft umgearbeitet und eine neue Physik erfunden werden, die sich auf der ptolomäischen Anschauung aufbauen würde. Wie gesagt, es ist unwahrscheinlich, dass dies geschehen wird, aber durchaus nicht unmöglich, denn unsre Wissenschaft baut sich lediglich auf Vermutungen auf, nicht auf Wissen: Tatsachen sind keine Wissenschaft, sondern erst die stets unsicheren Schlüsse, die wir aus den Tatsachen folgern.“

„Mit Verlaub, Herr Professor“, begann nun John Rieger, der stets bestrebt war, seine Bildung zu vermehren: „Was ist das eigentlich, das polemische und das kopernikanische Weltsystem, wenn ich mir solche Frage aus Unbescheidenheit zu stellen gestatten darf?“

„Gewiss darfst du das, und ich will dich gerne aufklären: Claudius Ptolomäus war ein berühmter Sternkundiger im zweiten Jahrhundert vor Christus und lebte in der Stadt Alexandria in Ägypten. Er glaubte, die Erde bilde den Mittelpunkt der Welt und stehe unbeweglich fest, während Sonne, Mond und Sterne sich um sie bewegten, wie es ja für uns den Anschein hat. Diese Meinung nennt man das ptolomäische Weltsystem, an das man noch 1500 Jahre nach Christus allgemein glaubte.

Nikolaus Kopernikus war ein polnischer Priester, der ein Buch schrieb, auf dem unsere jetzigen Anschauungen beruhen, und das im Jahre 1543 erschien. Hier erklärt er nicht nur, dass die Erde sich um ihre Achse dreht, woraus Tag und Nacht entstehen, sondern dass sie auch in einem Jahre sich um die Sonne bewegt, die den stillstehenden Mittelpunkt unseres Sonnensystems bilde, um den sich auch die andern Planeten oder Wandelsterne drehen. Ja, er entdeckte auch eine dritte Bewegung der Erde, die Schwankung ihrer Achse, die er Deklination nannte, durch welche bewirkt wird, dass das Erdenjahr nicht völlig mit einer scheinbaren Umdrehung des Himmels zusammenfällt, so dass die Tag- und Nachtgleichen etwas zu früh eintreten. Die Ansicht des Kopernikus nennt man das kopernikanische Weltsystem.“

„Na!“, meinte John geringschätzig: „Der Ptolomäus muss ja ein ganz törichter und ungebildeter Mensch gewesen sein und was der Kopernikus behauptet hat, ist nichts Besonderes: Das weiß ja jedes Kind, dass sich die Erde um die Sonne dreht!“

„Weil man es ihm in der Schule sagt, mein Freund. Aber du musst bedenken, dem Kopernikus hat es niemand gesagt, der hat es aus sich selbst heraus gefunden.“

„Halt, Professor!“, widersprach der Lord: „Es ist eine uralte Weisheit der Ägypter, die Kopernikus aufwärmte, wodurch jedoch sein Verdienst nicht geschmälert sein soll. Schon in den ältesten Zeiten gab es große Geister, die auffallend richtige Begriffe über die Erde und unser Sonnensystem besaßen. Sie scheinen dieselben von den ägyptischen Priestern überkommen zu haben und diese vielleicht von den Chaldäern. Aber das Verdienst dieser scharfen Denker ist es, dass sie diese damals so unglaublichen Wahrheiten als richtig erkannten und auf Grund derselben, wissenschaftliche Großtaten vollbrachten.

Denken Sie an die Cheopspyramide, die 3000 Jahre vor Christus erbaut wurde und deren Maße in überraschend genauem Verhältnis zum Umfang der Erde und zu einigen erst in neuester Zeit wieder entdeckten astronomischen Entfernungsmaßen stehen. Ihre Kanten sind nach den vier Himmelsrichtungen gerichtet, und in der königlichen Leichenkammer befindet sich ein Spiegel, der durch einen langen, geneigten Tunnel unaufhörlich nach dem Polarstern blickt. Wer solche Berechnungen auszuführen vermochte, besaß Fähigkeiten und wissenschaftliche Kenntnisse, eine Beobachtungsgabe und eine Denkkraft, die auch von den ersten Größen unserer modernen Astronomie Kopernikus, Keppler, Galilei und Isaak Newton nicht übertroffen wurde.“

„Sie haben recht“, gab Schultze zu: „Die Alten hatten gewaltige Geister, die ohne unsre modernen Hilfsmittel, ohne Teleskop und Spektralanalyse, beinahe so viel erreichten, wie unsre modernsten wissenschaftlichen Größen mit all den Vorteilen der Riesenarbeit ihrer Vorgänger und der vollkommensten Instrumente.

Schon der griechische Weltweise Bion lehrte 500 Jahre vor Christus die Kugelgestalt der Erde und behauptete, es müsse auf unsrer Erde Gegenden geben, auf denen es sechs Monate lang Tag und sechs Monate Nacht sei. Eratosthenes von Alexandria rechnete den Umfang der Erde mit verblüffendem Scharfsinn und erstaunlicher Genauigkeit aus, wobei er zu annähernd demselben Ergebnis kam, wie lange vor ihm die Chaldäer.

Der Geograph Strabo ahnte Amerika, da er sagte, es könne noch zwei oder mehrere unbekannte Kontinente auf der Erdkugel geben. Aristarch wagte es, die Entfernung und Größe des Mondes und der Sonne zu berechnen, wobei er die Größe des Mondes und die Entfernung der Sonne fast genau so angab, wie wir sie heute erforscht haben: Das waren Maßstäbe, die für jene Zeiten geradezu ungeheuerlich erscheinen mussten. Posidonius lieferte eine wahrhaft wunderbare Berechnung der Erdatmosphäre und der Lichtbrechung, und ebenso erstaunlich ist seine Berechnung der Größe der Sonne: Wir ahnen nicht, mit welchen Mitteln er solche verblüffende Ergebnisse erreichte.

Auch Apollonius von Pergä war ein solcher Geistesriese, der den Begriff der Parallaxe entdeckt haben soll, das heißt die Methode zur Berechnung der Entfernung der Gestirne. Hipparch berechnete den Schattenkegel des Mondes mit großer Genauigkeit und schloss daraus auf die Entfernung von Sonne und Mond.

Pythagoras lehrte die Bewegung der Erde als Ursache der scheinbaren Bewegung der Gestirne; Aristarch erkannte, dass die Erde sich um die Sonne drehe und dass die Fixsterne sich in ungeheurer Entfernung von uns befinden. Dies alles scheint übrigens Demokrit schon 400 Jahre vor Christus erkannt zu haben.

Archimedes hatte schon die ersten Ideen von der Gravitation. Aber all diese kühnen Fortschritte lagen hernach jahrhundertelang brach und vergessen, bis Kopernikus sein großes Werk schrieb, zu dessen Prophet sich der unglückliche Giordano Bruno aufwarf.

Dann kam Tycho Brahe, der große Beobachter, dem Kepler so viel verdankte. Johann Kepler stellte die berühmten Gesetze der Planetenbewegung auf, ihre elliptische Bahn um die Sonne, das Gesetz ihrer Bewegungsgeschwindigkeit im Verhältnis zu ihrer Bahn und das Gesetz des Verhältnisses ihrer Umlaufzeit zu ihrer mittleren Entfernung zur Sonne.

Galilei benutzte als Erster das Fernrohr, entdeckte die Monde des Jupiter und die Mondphasen der Venus; Cassini berechnete die Entfernung der Sonne aus ihrer Parallaxse beim Durchgang des Mars; Römer und Leverrier maßen die Geschwindigkeit des Lichts, Newton stellte die Gesetze der Gravitation auf; Kant und Laplace brachten das Weltall mit seinen Bewegungsgesetzen in ein großartiges System und erklärten seine Entstehung, Entwicklung und seine Zukunft. Endlich entdeckte Herschel den Planeten Uranus, Piazzi, Gauß und Olbers die Planetoiden, wiederum Herschel die Eigenbewegung der Fixsterne und das Vorhandensein von Doppelsternen; er war es auch, der die Nebelflecke studierte.

Als nun noch im Jahre 1838 die erste Fixsternparallaxse berechnet wurde, was uns in den Stand setzte die Entfernung und Größe der Himmelskörper außerhalb unsres Sonnensystems zu berechnen, waren die großen astronomischen Entdeckungen zu Ende, wenn wir absehen von den wunderbaren Enthüllungen durch die Spektralanalyse.“

„Danke, weisester aller Professoren!“, sagte Münchhausen lachend: „Sie haben uns da einen Vortrag gehalten, der wahrhaftig ein Abriss der Geschichte der Astronomie in den letzten 10000 Jahren genannt werden darf. Aber in einem Punkte irren Sie: Sie haben sozusagen die großen astronomischen Entdeckungen für abgeschlossen erklärt, und vergessen, dass sie eben jetzt erst recht anfangen, seit wir ausgezogen sind, das Weltall persönlich zu erforschen.“

„Und jetzt haben wir die beste Gelegenheit zu solchen Entdeckungen“, sagte Mietje, die soeben eingetreten war. Sie hatte einen Rundgang durch die Beobachtungszimmer gemacht, wie er abwechselnd jede halbe Stunde ausgeführt wurde, um vor unliebsamen Überraschungen sicher zu sein.

„Was gibt’s?“, fragte Flitmore.

„Wir nähern uns dem Mars mit großer Geschwindigkeit“, erwiderte seine Gattin.

Flitmore stand auf: „Lassen Sie uns sehen, meine Herren“, sagte er, und alle folgten ihm in eines der Äquatorialzimmer, von dem aus die Lady den Planeten beobachtet hatte.

9. Der Mars.

Die Sannah, die seit der vergangenen Nacht, wenn man von einer Nacht reden konnte, nicht mehr von dem Strom der Fliehkraft durchkreist wurde, befand sich in der Anziehungssphäre des Planeten, der seit lange den Beobachtungseifer und die Phantasie der Astronomen am meisten angeregt hat.

Man war ihm schon so nahe, dass man die größeren Gebilde seiner Oberfläche deutlich unterscheiden konnte, ohne das Fernrohr zu benutzen.

„Da hört sich ja alle Wissenschaft auf!“ war das Erste, was Schultze überrascht und enttäuscht ausrief: „Soll das wirklich der Mars sein? Wo sind denn die Kanäle, meine geliebten Kanäle, die ich so fleißig beobachtet und mit solcher Zärtlichkeit studiert habe, das Wunder, das Rätsel des Mars?“

Von Kanälen war in der Tat keine Spur zu sehen.

Flitmore meinte, zum Professor gewendet: „Ich habe nie recht an jene merkwürdigen Kanalbildungen glauben können und vermutete, dass es sich um optische Täuschung handle. Der Mars ist bedeutend kleiner als unsre Erde, sein Halbmesser beträgt wenig mehr als die Hälfte des ihrigen; seine Polarregionen sind von ungeheurer Ausdehnung, namentlich im Winter. Und nun sollen die mutmaßlichen Bewohner des kleinen bewohnbaren Erdstrichs das Land mit einem gewaltigen Netz ungeheurer Kanäle durchzogen haben?“

„Warum nicht?“, fragte Schultze eigensinnig: „Wenn es die Bewässerung des Landes verlangte.“

„Bei den ausgedehnten Eis- und Schneemassen der Pole, den ungeheuren Schneefällen im Winter und angesichts der meist äußerst raschen Schneeschmelze im Frühling kann ich an Wassermangel auf dem Mars nicht glauben.“

„Na! Aber die Kanäle sollten doch den Wasserzufluss regeln, ihn über das ganze Land verteilen und Überschwemmungen verhüten.“

„Ganz schön, wenn es Kanäle von vernünftigen Größenverhältnissen wären und von vernünftigem Verhalten. Aber diese angeblichen Kanäle zeigten eine Breite von 60 bis 300 Kilometern: Ich bitte Sie, was soll das? Das sind ja unsinnige Maße für einen Kanal! Wenn sie nun aber wenigstens beständig so geblieben wären, aber da wurde ein und derselbe Kanal einmal breiter, dann wieder schmäler; mit Vorliebe verdoppelte er sich plötzlich, oft innerhalb 24 Stunden, ebenso rasch konnte die Verdoppelung wieder verschwinden und hie und da der ursprüngliche Kanal ebenfalls; dann wieder verschwand ein alter Kanal und zwei neue erschienen an seiner Stelle.“

„Ja, ja! Das waren eben die Rätsel dieser merkwürdigen Kanäle“, beharrte der Professor.

„Und nun ist ihr Rätsel gelöst“, lachte Flitmore: „Sie sind einfach gar nicht vorhanden, diese famosen Kanäle.“

„Das muss ich allerdings zugeben“, gestand der Gelehrte zu: „Aber die Sache ist nur umso rätselhafter.“

Doch auch ohne diese geheimnisvollen Gebilde erschien die Landschaft merkwürdig genug: weiß leuchtete der Nordpol mit seinen Eis- und Schneefeldern; das schneefreie Land gegen den Äquator erschien rötlich-gelb unterbrochen von dunkelgrün bewachsenen Streifen; einige kleine Meere oder große Seen trennten streckenweise die Kontinente und breite Flüsse zogen silbergraue Bänder durch die Ebenen.

Überhaupt erschien fast alles eben. Größere Gebirge waren keinesfalls vorhanden und kleinere Erhebungen ließen sich aus der Höhe, in welcher sich die Sannah befand, nur an den Schatten erkennen, die sie warfen; wo jedoch die Sonne die Täler voll erleuchtete, konnte Berg und Tal überhaupt nicht unterschieden werden.

Inzwischen stürzte das Weltschiff mit blitzartiger Schnelle gegen den Planeten und man sah alles von Sekunde zu Sekunde wachsen.

Flitmore beeilte sich daher, den Zentrifugalstrom zu schließen; ehe die Sannah in die atmosphärische Hülle des Planeten gelangte, damit ihre Außenwandungen nicht etwa durch die ungeheure Reibung in Glut versetzt würden.

Der Sturz verlangsamte sich nun zusehends, bis die abstoßende Kraft die Fallgeschwindigkeit überwand und das Weltschiff zunächst ganz langsam zu steigen begann.

„Wollen wir eine Landung auf dem Mars unternehmen?“, fragte nun der Lord.

„Hurrah!“, rief Schultze begeistert.

„O ja, bitte!“ schmeichelte Mietje.

„Ich bin dabei!“, sagte Münchhausen: „die Kerkerhaft behagt mir auf die Dauer nicht, wenn sie auch erst zwölf Stunden währt.“

„Das wird herrlich!“, rief Heinz seinerseits begeistert.

„Und was sagst du, John?“ wandte sich Flitmore an den Diener.

„Sir, ich habe nichts dareinzureden, was Ihre unmaßgebliche Entschließungswillkür betrifft; aber was meine Spezialität in dieser Fragesache betreffen möchte, so wäre es mir besonders genehm, freie Luft zu schöpfen, obwohl sozusagen die Luft hier innen ausgezeichnet für die Atmungsorkane ist.“

„Also, wir landen“, entschied der Lord, „da es einstimmig gewünscht wird; die Schimpansen können wir ja nicht um ihre Meinung befragen und so müssen Dick und Bobs sich der Mehrheit fügen.“

Gleichzeitig unterbrach er wieder die Fliehkraft; sobald ihm jedoch die Sturzgeschwindigkeit in bedenklichem Maße zuzunehmen schien, schlosser wieder den Strom auf einige Sekunden.

Durch dieses abwechselnde Öffnen und Schließen wurde ein langsames Fallen ermöglicht, das noch durch die Marsatmosphäre gemildert wurde, sobald man diese erreicht hatte.

10. Eine Landung auf dem Mars.

Sobald die Anziehungskraft des Mars auf die Sannah wirkte, verlangsamte sich ihre Umdrehungsgeschwindigkeit, und als sie sich zuletzt auf den Planeten herabsenkte, hörte ihre Eigenbewegung ganz auf und ihr Schwerpunkt wurde in den Mittelpunkt der Marskugel verlegt; diesmal hatte Flitmore diese Änderungen vorausgesehen und dafür gesorgt, dass die Gesellschaft nicht wieder durch einen Sturz gegen die Wände oder gegen die Decke überrascht wurde.

Der Stoß, den die Landung verursachte, war im oberen Raume, wo sich alle zu dieser Zeit aufhielten, kaum spürbar.

„Wir werden vom Nord- oder Südpolzimmer aus aussteigen müssen“, erklärte der Lord: „Dort liegen die Ausgangspforten neben den Fenstern bei unsrer jetzigen Lage in wagrechter Linie, das heißt parallel zur Marsoberfläche, und mittels einer Strickleiter können wir hinabsteigen.“

„Lassen Sie mich als Ersten die Sannah verlassen“, bat Heinz.

„Nein, junger Freund!“, widersprach Schultze: „Ich werde zuerst hinausgehen; wir kennen die Zusammensetzung der Marsatmosphäre nicht. Wer weiß, ob sie nicht auf unsre Lungen eine gefährliche, vielleicht tödliche Wirkung ausübt.“

„Eben deswegen will ich ja die erste Probe machen“, sagte Heinz.

„Nichts da!“ polterte Kapitän Münchhausen: „Ich will zuerst hinaus; meine Lungen sind die verschiedensten Dünste gewöhnt und können am ehesten etwas aushalten.“

„Sie?“ lachte der Professor: „Seien Sie froh, wenn Sie in normaler Luft schnaufen können! Überhaupt könnten Sie in der Öffnung stecken bleiben oder uns durch Ihr Gewicht die Strickleiter ruinieren. Sie kommen jedenfalls zuletzt daran.“

„Ich gehe voran!“ entschied Flitmore: „Es ist dies sowohl mein Recht als meine Pflicht, da ich der Unternehmer der Weltfahrt bin.“

„Unter keinen Umständen darfst du dich einer solchen Gefahr aussetzen, Charles“, wandte nun Mietje ein: „Ich bitte dich, lass mich den ersten Versuch machen; ich kann ja gleich wieder zurück, wenn ich spüre, dass da giftige Gase sind.“

„Wenn die Herrschaften gütigst zu gestatten belieben wollten“, ließ sich der biedere John vernehmen, „so ist das alles nicht in der Richtigkeit, als dass vielmehr meine Person den Anfang zu machen hat, indem dass mein etwaiger Verlust auch am wenigsten wertvoll wäre.“

Aber Heinz Friedung machte diesem edlen Wettstreit ein Ende durch folgende vernünftige Bemerkung:

„Wir haben ja die beiden Affen, Dick und Bobs; schieben wir die vor: Für sie ist auch am wenigsten Gefahr vorhanden, da ihr Instinkt sie davor bewahren wird, das Fahrzeug zu verlassen, wenn sie draußen keine gesunde Luft wittern.“

„Das ist die beste Lösung“, stimmte der Lord zu: „Daran hätten wir auch gleich denken können! Übrigens bin ich überzeugt, dass die Lufthülle des Mars sich höchstens in der Dichtigkeit von der irdischen unterscheidet.“

Die luftdicht schließende Tür des Südpolzimmers, in das man sich begeben hatte, wurde geöffnet; ein angenehmer frischer Luftzug strich herein. Vergnügt schwangen sich Dick und Bobs durch die Öffnung und turnten an den Rampen, die an der äußeren Hülle der Sannah angebracht waren, hinab.

„Es ist also keine Gefahr“, sagte Flitmore und befestigte mit Johns Hilfe die Strickleiter, um dann als Erster, von seiner treuen Gattin gefolgt, den Abstieg zu wagen.

Nach Mietje kam Heinz und dann der Professor.

Schultze rief dem Kapitän zu: „Dass Sie sich nicht unterstehen, die Strickleiter zu betreten, ehe wir andern alle den sichern Erdboden erreicht haben, denn sonst könnte es uns schlimm ergehen, wenn die Stricke unter Ihrer Last reißen oder die Sprossen krachen und Ihre beträchtliche Masse auf uns herabstürzt.“

Aber Flitmore hatte bei Ankauf der Strickleitern Münchhausens Gewicht in Betracht gezogen. Wohl ächzten die Seile und die Sprossen bogen sich knarrend, als der Kapitän sie hinter John betrat; aber sie hielten vorzüglich.

„Na! Dass Sie nicht in der Türöffnung stecken blieben, nimmt mich Wunder“, lachte Schultze, als alle glücklich unten waren.

Flitmore aber erklärte: „Da ich von vornherein auf die Begleitung unsres werten Kapitäns hoffte, habe ich sämtliche Türenmaße nach seinen leiblichen Verhältnissen berechnet.“

„Das war vernünftig und edel von Ihnen, Lord“, erkannte Münchhausen in gutmütiger Heiterkeit an: „Freilich, unserm bösen Professor hätte es Spaß gemacht, mich hilflos und elend im Türrahmen stecken bleiben zu sehen.“

Inzwischen sah sich die Gesellschaft neugierig auf ihrem neuen Aufenthaltsort um.

Als Erstes war ihnen aufgefallen, dass der Erdboden merkwürdig weich war: die Sannah hatte sich ziemlich tief in ihn eingegraben und bei jedem Schritt sank man ein.

Die Landschaft erschien sanft gewellt und die Bodenwellen liefen meist parallel und geradlinig, wurden aber zuweilen von langen Hügelrücken gekreuzt, die in andrer Richtung verliefen.

Zwischen den Erhöhungen befanden sich mehr oder weniger breite ebene Flächen, die versumpft zu sein schienen und mit einem Gewirr von Dunkeln Pflanzen bedeckt waren. Die Hügelrücken waren zum Teil kahl, meist aber mit Buschwerk und Wäldern bedeckt, vielfach auch mit Präriegras; nirgends aber sah man frisches Grün: Die Gräser, die Blätter der Pflanzen und Bäume waren durchweg gelb und rot oder rotbraun, so dass alles ein herbstliches Aussehen hatte, obgleich in diesen Marsbreiten zurzeit erst der Frühsommer begann.

Da sich übrigens der Abend bereits herabsenkte, wurde John beordert, aus dem Weltschiff Zelte und Esswaren herbeizuschaffen; denn alle freuten sich darauf, im Freien zu kampieren.

Brennholz war reichlich vorhanden; Feuer wurden entzündet zur Bereitung eines warmen Mahles und zur Abhaltung etwaiger wilder Tiere.

Alle, auch Mietje, waren mit Gewehren und Dolchmessern bewaffnet und mit Explosionskugeln versehen.

Flitmore wies auf die langgestreckten Sümpfe: „Sehen Sie, Professor“, sagte er: „Diese endlos erscheinenden dunkeln Streifen, die teils nebeneinander herlaufen, teils einander kreuzen, können sehr wohl bei großer Entfernung den Eindruck von Kanälen machen.“

„Aber die Veränderlichkeit der beobachteten Gebilde erklären sie nicht“, wandte Schultze ein.

„Vielleicht finden wir auch dafür noch eine Lösung“, meinte Heinz.

„Die Marsluft ist übrigens ganz herrlich“, rühmte der Kapitän tiefatmend: „Ich schlage vor, dass wir hier einen Luftkurort und eine Sommerfrische gründen: Ausgezeichnete Geschäfte werden wir damit machen.“

Mietje erhub nun die Frage: „Wie lange wird die Nacht hier dauern.“

„Nicht viel länger als eine gewöhnliche Erdennacht“, belehrte sie Schultze: „Der Mars dreht sich um seine Achse in 24 Stunden, 37 Minuten und 22½ Sekunden. Dagegen sind die Jahreszeiten dahier verhältnismäßig lang: Ein Marsjahr hat 668 Marstage, was etwa 682 Erdentagen entspricht. Auf der nördlichen Halbkugel, auf der wir uns befinden, hat der Frühling 191, der Sommer 181, der Herbst 149, der Winter 117 Marstage; auf der südlichen Halbkugel sind Frühling und Sommer viel kürzer, nämlich 149 und 147 Tage, aber auch viel heißer, weil der Planet in dieser Zeit der Sonne am nächsten kommt; Herbst und Winter mit 191 und 181 Tagen sind dagegen dort um so kälter, da sie mit der Sonnenferne des Mars zusammenfallen.“

Nach eingenommenem Mahl wurden die Nachtwachen verteilt, und dann begab man sich zur Ruhe.

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