Kitabı oku: «Robert Musil: Gesammelte Werke», sayfa 135

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Buch über Kritik

Grundstandpunkt: Die deutschen Dichter haben sich, … Mann hoch, zu einem Parnaß, in der von den Herren Prof. Bernstein und Ludwig Fulda gegründeten Dichterakademie zusammengeschlossen. Ich bin – obgleich ich in der Stärke und Art meiner Wirkung hinter einem großen Teil dieser Ausgezeichneten nicht zurückstehe, nicht in ihrem Kreise, teils weil ich es nicht wollte, teils weil sie, wie ich annehme, mit einer richtigen Ahnung es nicht für angezeigt fanden. Das erinnert mich an die Jahre voll Hoffnung, als ich ein junger Mensch war und selbst noch nicht recht wußte, ob ich ein deutscher Dichter werden solle oder lieber etwas anderes. Es ist eine äußerst angenehme Erinnerung, so wie sie aus allen alten Zeichen der Jugend aufsteigt. Ich hatte nämlich, überlegend, was ich tun wolle, schon damals das ganz deutliche Gefühl, daß ich kein Dichter sein will, wenn ausschließlich das für Dichter gilt, was ich vor mir fand.

Das war nicht Überhebung. Ich bin ebenso fähig der Bewunderung fremder Leistungen wie irgendwer; aber ich will jetzt nicht mehr darüber sagen, da ich diesen Zustand der Bewunderung ja untersuchen werde. Ich würde es auch für ein sehr übles Zeichen halten, blind dafür zu sein, daß die Fähigkeiten verteilt sind und immer der eine in irgendeiner Weise mehr kann als der andere. Das Gefühl der Ablehnung, von dem ich spreche, ist ein Gefühl der Fremdheit im Ganzen. Ich will sagen: unabhängig davon, was ich am Einzelnen anerkenne oder sogar bewundere, fühle ich, daß die „Literatur“, an der er Teil hat, nicht die Literatur ist, an der ich Teil habe. Wir – die deutschen Dichter meiner Zeit (aber ein ahnungslos-kündender hat das W. und seine Zeit genannt) – und ich gehören verschiedenen geistigen Systemen an. Auch das ist natürlich nur mit Einschränkung wahr, aber nicht auf diese kommt es an, sondern auf den grundsätzlichen, den Artunterschied, den ich herausarbeiten will.

Und ich glaube auch gar nicht, allein zu stehn, sondern man muß sich nur aussprechen, so finden sich schon die, welche das gleiche denken.

Was ist eine Literatur oder eine „Nationalliteratur“, wie man zur Urväterzeit sagte. Es ist darüber, namentlich früher, so viel geschrieben worden, daß ich einfach wie ein Barbar darüber urteilen will: Eine Literatur ist zunächst ein Haufen von Büchern. Sodann eine Überlieferung; eine Abhängigkeit dieser Bücher voneinander, was man den nationalen Geist nennt und von gleichzeitigen Ereignissen und dergleichen, was man den Zeitgeist nennt. Sodann gehört zu einer Literatur auch noch eine Literaturgeschichte, ein Schulunterricht und eine Kritik.

Ich möchte aber gleich da ein wichtiges Gesetz hinzufügen über das Entstehen einer Literatur; nämlich Literatur entsteht dadurch, daß man die Bücher nicht liest. – Die übliche Behauptung ist freilich eine andere, nämlich die, daß sich das Bedeutende, über das die Zeitgenossen nicht ganz sicher urteilen können, im Lauf der Zeit selbst durchsetze.

Jean Paul könnte da eine Ausnahme machen. Ich will auch nicht darauf bestehn, daß der Grad der Schätzung zum Beispiel bei Georg Büchner immer noch nicht stimmt oder bei Novalis (überhaupt bei den Dichtern mit schmalem, tiefen Werk). Betrachten wir doch einfach das berühmteste Beispiel, Goethe und Schiller. Heinrich Heine war Zeitgenosse des alten und von ihm bewunderten Göthe, er hat unmittelbar die Wirkung der Klassiker teils selbst erlebt, teils aus erster Hand empfangen und wenn sein Zeugnis auch durch Lebendigkeit der literarwissenschaftlichen Forschung verdächtig sein sollte, so dürfte es in diesem Fall doch einigermaßen stimmen. Heine also erzählt in seinen hinreißenden Berichten über die Philosophie und Literatur in Deutschland, die ein Jahr nach Goethes Tod geschrieben sind, zunächst, wie der alte – hölzerne oder eherne – Voss gegen die romantische Schule gewettert und sodann Goethe „damals eine sehr zweideutige Rolle gespielt“ hat. Das ist so heutig, daß ich es ausführlich zitieren will: „Es ist wahr, die Herren Schlegel haben es nie ehrlich mit ihm gemeint; vielleicht nur weil sie in ihrer Polemik gegen die alte Schule auch einen lebenden Dichter als Vorbild aufstellen mußten, und keinen geeigneteren fanden als Goethe, auch von diesem einigen literarischen Vorschub erwarteten, bauten sie ihm einen Altar und räuchertem ihm und ließen das Volk vor ihm knien. Sie hatten ihn auch so ganz in der Nähe. Von Jena nach Weimar führt eine Alle hübscher Bäume, worauf Pflaumen wachsen … und diesen Weg wanderten die Schlegel sehr oft, und in Weimar hatten sie manche Unterredung mit dem Herrn Geheimrat von …

Literatur und Politik (1933-1937)

Bedenken eines Langsamen

Die revolutionäre „Erneuerung des deutschen Geistes“, deren Zeugen und Teilnehmer wir sind, läßt zwei Richtungen ihrer Bewegung und Führung unterscheiden. Die eine möchte nach der Eroberung der Macht den Geist zur Mithilfe am inneren Ausbau überreden und verspricht ihm ein goldenes Zeitalter, wenn er sich ihr anschließe, ja sie stellt ihm sogar ein gewisses Mitbestimmungsrecht dabei in Aussicht. Die andere dagegen bezeugt ihm ihr Mißtrauen durch die Erklärung, daß die revolutionäre Methode einstweilen noch aufs Unabsehbare weitergehe und demnächst besonders den Geist in die Arbeit nehmen werde; oder sie versichert ihm auch, daß sie ihn gar nicht brauche, weil ein neuer Geist schon da sei, so daß sich der alte nur noch freiwillig ins Feuer stürzen könne, auf daß er entweder zu Asche verbrenne oder sich bis in die Elemente läutere. Was bis zu dem Augenblick geschehen ist, wo diese Worte niedergeschrieben werden, läßt keinen Zweifel daran, daß das zweite der Marsch ist, das erste der begleitende Gesang. Es kann auch gar nicht anders sein, als daß eine so kraftvoll auftretende Bewegung wie die gegenwärtige von allem fordere, daß es sich ihr völlig angleiche und unterordne. Aber anderseits ist es möglich, daß es der Geist nicht kann, ohne sich selbst aufzugeben. Sicher gibt es da eine Grenze, denn nichts ist unbedingt. Und so ist es eine gute Prüfung für den Geist, daß heute über ihn allenthalben eine Art Sondergerichtsbarkeit verhängt worden ist, die ihn nicht nach seinen eigenen Gesetzen beurteilt, sondern nach dem Gesetz der Bewegung.

Mit einem Opfersinn ohnegleichen hat Deutschland in wenigen Wochen auf Forscher und Gelehrte verzichtet, unter denen sich nicht wenige befinden, die unersetzlich sind, wenn es auf die Kennzeichen ankommt, nach denen sich das geistige Leben durch Jahrhunderte gerichtet hat, und keine Erörterung dieser Lebensbedingungen kann an dem Geschehenen gleichgültig vorbeisehn. Es gibt da keine Wahl. Entweder man sagt: die deutschen Juden haben ehrenvollen Anteil am deutschen Geistesleben, oder man muß sagen: dieses ist so von Grund aus verdorben, daß ihm kein Urteil mehr einwohnt. Denn wenn wir, die selbst lange daran beteiligt sind, unsere Erfahrung befragen, so zeigt sie uns im Kampf des Geistes mit dem Ungeist Menschen jeder Herkunft auf beiden Seiten in entsprechender Zahl, und wir können nicht plötzlich unsere Erfahrung umstoßen. Was geschehen ist, erscheint uns ungerecht; aber selbst wenn wir ihm die Gerechtigkeit zugestehen wollten, müßte uns noch die Form ihres Gebrauchs in einer Weise ungesittet erscheinen, die – sich leider aufs genaueste mit der Verletzung einer Sittlichkeit deckt, die heute außer Kurs gesetzt ist, nämlich der des Humanen.

Humanität ist ebenso wie Internationalität, wie Freiheit und Objektivität jetzt ein Wert, der den verdächtig macht, der ihn besitzt, ja wer eine dieser Ideen verteidigt, macht sich der andern verdächtig, denn er zeigt, daß er nicht die Unteilbarkeit der Verwandlung begriffen hat. Diese Verwandlung setzt eine Totalität an die Stelle einer anderen, und wie sie das letzte Argument gegen jeden einzelnen Einwand abgibt, ist sie auch der Sinn dessen, was in Bausch und Bogen das „verdorbene System“ genannt wird. Eine solche Argumentation mag nicht richtig sein, sie mag zur Folge haben, was sie will, auch ist sie der Form nach nicht logisch, doch ficht sie das nicht an, weil sie sich als eine „Umwertung aller Werte“ fühlt.

Und dieses Gefühl ist keine Einbildung. Dunkel, aber doch sichtlich, enthält es etwas, das sich ungefähr in den Worten aussprechen läßt, daß das Ganze der Herr seiner Teile sei, daß es ihnen nicht nur vor-, sondern irgendwie auch vorangehe, daß es nicht nur ihr Herr sei, sondern überhaupt erst ihren Sinn vollende. Das war immer eine biologische Auffassung, und aus vielerlei Gründen hat dieser Gedanke, daß jedes Ganze mehr als eine Summe oder ähnlich teilnahmlose Zusammenfassung seiner Teile sei, ja daß sich die Welt ebensowohl aus Ganzheiten wie aus Einzelheiten aufbaue, in der Philosophie unserer Zeit einen breiten Anwendungsbereich gefunden; aber in die Gesellschaft politischer Geschehnisse ist diese werdende und beiweitem noch nicht fertige Erkenntnis erst durch das Unvermögen der Demokratie gekommen, in schwierigen Augenblicken um den unabsehbar gewordenen Kampf aller gegen alle wirklich oder auch nur suggestiv den Ring des Ganzen zu legen. Dieses Unvermögen ist zwar noch nicht allgemein bewiesen, denn die stärkeren Demokratien stehen noch, doch ist der Kollektivismus, die antiindividualistische und antiatomistische Gesamtheitsgesinnung heute schon in verschiedener Form und Stärke über die halbe Welt verbreitet. Das ist auch die wirkliche Aktion in der deutschen Bewegung, die sich dagegen verwahrt, daß ihr neuer Nationalismus als Reaktion nach der Art älterer Verwandter verstanden werde.

Man mache das Gedankenexperiment, ob man sich den Nationalsozialismus politisch durch etwas anderes ersetzt denken könne. Ein Gefühl, das unabhängig von Wünschen und Befürchtungen ist, ja diesen sogar oft zuwiderlaufen wird, antwortet trotzdem in der Regel, daß sich eine solche Veränderung nicht mehr einfach als Wiederkehr des alten oder eines noch älteren Zustands vollziehen könne. Dieses Gefühl ist wohl nicht anders auszulegen, als daß der Nationalsozialismus seine Sendung und Stunde hat, daß er kein Wirbel, sondern eine Stufe der Geschichte ist. Ein solches Gedankenexperiment haben in unseren Tagen sehr viele angestellt, die früher anders dachten. Man beachte aber auch noch etwas anderes: Ist in diesen Wochen nicht moralisch etwas sehr Merkwürdiges geschehn? Die Grundrechte der sittlich selbstverantwortlichen Person, die Freiheit des Meinungsäußerns und -hörens, das Gebäude der unveräußerlichen Überzeugungen …: alles das zeigte sich Millionen, die daran aufs innigste zu glauben gewohnt waren, mit einem Schlag abgeschafft, – ohne daß sie auch nur einen Finger dafür rührten! Sie hatten geschworen, ihr Leben für ihre Grundsätze zu lassen, und sie rührten kaum einen Finger! Sie fühlten, daß man ihnen den Geist raube, erkannten aber plötzlich, daß ihnen ihr Körper wichtiger sei. In den Tagen, wo das geschah, bot Deutschland zur Hälfte das Bild stürmischer Sieger, zur andern Hälfte das von eingeschüchterten, ratlosen Menschen. Man darf sogar ruhig sagen, von Feiglingen, denn das Problem liegt gerade darin, daß ein großer Teil dieser Feiglinge vorher im Krieg keine Gefahr gescheut hat, sich als Helden zu erweisen. Daraus ist sowohl der Schluß zu ziehen, daß ihm die Heiligtümer, die er diesmal zu verlieren schien, doch nicht mehr heilig waren, wie auch der andere, daß der heutige Mensch unselbständiger ist, als er meint, und erst im Verband zu etwas Festem wird. Beide Schlüsse liegen im Sinn des Nationalsozialismus. Doch ist da keine falsche Mythologie statthaft: es war nicht „das Gestern“, das feige kapitulierte und nun beseitigt ist, sondern Menschen taten das, die weiterleben und nun dem neuen Geist die gleiche Aufgabe stellen, die der alte nicht bezwungen hat.

Zwei Vorüberlegungen, Notizen und ein Gliederungsversuch

Rollentausch. Kann sich eine Erneuerung der Nation ohne Dichter, ohne Philosophen, ohne Gelehrte, ohne Künstler ereignen? Soll sich ein neuer Geist bilden ohne die wichtigsten Teile? Denn es ist doch nicht zu verschweigen, daß sich fast alle, die bis gestern die Würden und Lasten des Geistes getragen haben, dem Heute gegenüber teils feindlich, teils mißtrauisch, teils abwartend verhalten.

Die Ausnahmen fallen nicht ins Gewicht, zumal wenn man Lockung und Bedrohung berücksichtigt, die dem Geist zusetzen. Verstehen sie ihre Zeit nicht oder versteht ihre Zeit sie nicht? Im ganzen liegt Schweigen über dem geistigen Deutschland, während das politische und wirtschaftliche (nicht nur) lebhaft versichert, daß es den Geist erneuert haben werde, (sondern auch, daß es ihn schon ungeheuer erneuert habe, ehe noch der Neubau des Staates über die Grundmauern hinaus ist). Ja, viele Geistige spähen nach einer politischen Umwandlung aus, die ihnen wieder zu Hilfe kommen könnte. Es hat eine merkwürdige Vertauschung der Rollen stattgefunden, und diese Revolution wird wahrhaftig ihren historischen Platz nicht nur in der politischen, sondern auch in der Geistesgeschichte finden.

Bei einer Sintflut trachtet jeder sein Schäfchen ins Trockene zu bringen: es widerstrebt mir ein wenig.

Die Abhängigkeit des Geistes. (Korrektur: Ein Gedanke gewinnt. Man kann sich das sozusagen exponentiell denken:) In der Führung der Bewegung lassen sich zwei geistige Neigungen unterscheiden, wenngleich sie zu einer Einheit verbunden sind: die eine ist konservativ, die andere revolutionär; es möchte die erste nach der Eroberung der Macht den Geist zur Teilnahme überreden, es sagt die zweite zu ihm: wenn Du nicht selbst willst, hast Du ohnehin abgedankt! Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein! In der Geschichte der Welt finden beide ihre Beispiele. Der Geist läßt sich durch Politik beeinflußen, ja er läßt sich sogar vernichten und erzeugen: dagegen zu trotzen, hat wenig Zweck, ja es hieße, den Geist nicht kennen; auch das muß man wissen, wenn man Politik ohne Verluste machen will. Aber er ist zäh und unbelehrbar und kommt auf Schleichwegen und ungeheuren Umwegen doch wieder zu seiner Vergangenheit zurück:

Der Brand der Alexandrinischen Bibliothek, die Umstürzung der griechischen Bildwerke bilden die vollkommensten Beispiele dafür, wie man den Geist in Einklang mit der allgemeinen Entwicklung bringen kann. Auf seiner hohen Entwicklungsstufe war er abhängig von Einrichtungen, wie es Bibliotheken und Schulen sind; und die Personen, die ihn verkörperten, waren auf Wohlwollen und Duldung durch die Allgemeinheit angewiesen. Eine Änderung des Zeitwillens (summarisch gesprochen) genügte, alles das wegzufegen. Ein Kind von Geist war da: Unähnlich dem Vater. Merkwürdig pathologisch und tief im Gesichtsausdruck. 1000 (?) Jahre später zum Mann erwachsen, hätte dieses Kind viel darum gegeben, mehr von seinem Vater zu wissen.

Wollen wir diese „Reue der Jahrhunderte“ vermeiden – und das gilt nicht nur für uns Augenblickliche, denn die Zeit ist voll Ähnlichem – so müssen wir uns halbwegs klarmachen, wie der Geist von seinen eigenen und wie er von den Gesetzen seiner Umwelt abhängt. Wenn man zu berücksichtigen versteht, was nicht übereinstimmt, bleibt es ein ausgezeichneter Vergleich, Vorgänge im Geist der Gesamtheit sich ähnlich persönlicher vorzustellen, ebenso wie das Verhältnis von Geist und Körperlichkeit überhaupt. Das Denken, Fühlen und Wollen der Nation setzt sich aus dem der Einzelnen zusammen, bestimmt dieses aber auch. Das Verhältnis des Geistes zu seinem Körper: Von Stimmungen und Gefühlen abhängig, die zum Teil gar nicht bewußt werden. Kann sie aber auch beeinflußen. /Die Tendenzen des Geistes sind abhängig von denen des Körpers, (? Träge Körper, lebendiger Geist)/ Die Erfahrungen des Geistes, sein Werden aus den Erfahrungen sind in großem Maße unabhängig.

Ich habe bisher den Realitätssinn für das Entwickeltste am heutigen Deutschen gehalten. Dieser ist aber auch ein Romantiker in überraschender Weise. Die Zweiteilung: Verstand und Wahrnehmung – Triebe und Gefühle. Dazwischen Handeln und Erfahren, mit beidem verknüpft. Das wiederholt sich auch im Großen. Zu berücksichtigen ist, daß das, was ich da als Affekt behandeln möchte, doch auch schon Geist ist, nämlich Sektengeist. In einem revolutionären Staatszustand überwiegen Triebe und Gefühle. Wir wissen aus dem Einzelleben, welcher Ausschweifungen sie fähig sind. Wenn ein Ganzes eine einheitliche begünstigende Grundstimmung hat, die Hemmungen geschwächt sind, summieren sie sich mit der gleichen Rücksichtslosigkeit. Es gibt Manien, Delirien, Zwangsideen. Es gibt wahnsinnige Gemeinschaften von gesunden Bestandteilen. Heilmittel: Ernüchterung durch Schmerz und Auffangen der Affekte durch eine neue ideologische Statik.

Wie werden Revolutionen stabil, wenn man sie psychologisch betrachtet? Die Widerstände verändern das Programm. Sehr oft wird dieses durch die Widerstände schärfer. Immer wird es verändert. Das heißt, manche Triebe werden gehemmt, speisen andere und begünstigte. Das Feld zieht sich auseinander. Das gleiche Bild auf seiten der Widerstände. Im Endzustand überwiegt je nachdem der Charakter einer Konstruktion oder der eines Kompromisses. Auf beiden Seiten überwiegen gegen Ende die elementaren, die dicken Interessen. Das heißt: Revolutionen gehen immer davon aus, den Menschen zu ändern und gerade ihn ändern sie am wenigsten. Und wir können nicht plötzlich dem nicht mehr traun, was wir immer gesehn haben. Die Politik schreibt dem Geist das Gesetz vor: Das ist neu. Und wir können nicht plötzlich unsere Erfahrung umstoßen. So scheint uns doch, daß es die Richtung weist, von der man nicht abweichen kann. Umwertung. Geschehn sie plötzlich? Muß sie einen Zentralwert haben? Beschwichtigungshofrat! Mäßigung! Geist! Menschen jeder Herkunft = veraltetes Fühlen (Aufklärungsphilosophie). Man muß entweder sagen, deutsche Juden habe den größten Anteil am Geistesleben oder dieses als verdorben bezeichnen.

Ihr geistiges Quellgebiet. Dann daß man alles unter der Perspektive post 14 verstehen muß, wird Willensbildung. Verhältnis der Unterdrückung zu einer Zeit setzen, die sie überschätzt.

1) Die revolutionäre Beeinflußung … läßt ihrer Bewegung und Führung … Beide Richtungen scheinen aber darin einig zu sein, daß die Politik das Recht und die Pflicht habe, mit dem Geist nach ihren Zwecken umzuspringen. Dem entspricht auch Wirkung + Absetzen, Abstoßen.

2) Wer abseits bleibt, den erfüllt namentlich der Antisemitismus mit Besorgnis, nein mit Verzweiflung über Deutschlands Zukunft. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß er nur Agitationsmittel; er ist ein Hauptglaubensstück. Wir fürchten für die Erneuerungsbewegung .. Tuch .. Feind – Aber jeder Versuch das zu beweisen, wird damit beantwortet, daß wir unter dem Einfluß der Juden stünden. Man kann vielleicht heute nur die einfachste Pflicht tun und auf engstem Gebiet Zeugnis ablegen:

3) Die Darstellung. Es wäre Unendliches zu tun. Aber nicht einfach noch wachsen.

4) Man muß auch das aussprechen, daß die Bewegung nicht geistigen, sondern gemischten Ursprungs ist. Auch daß sie alles enthält. Daß ihr das Üble zuläuft. Es geht nicht an, zwischen Rechts- und Linksschriftstellern zu unterscheiden. Sehr zusammengefaßt.

5) Man kommt aber bei allen diesen Fragen auf ein heikles Verhältnis des Geistigen zum Politischen. Das Politische ist in diesem Fall ein Willensvorsatz und seine Verwirklichung. Der Geist besitzt keine solche Identitätskarte (Ausweis). Er ist eine lockere Summe, eine keineswegs durchsichtige Integration (Durchdringung) vom Höchsten bis zum Albernsten. In der reinen fühllosen Wissenschaft hat er wenigstens das Kriterium der Wahrheit, aber selbst da muß er sich Zurechtweisungen gefallen lassen. (Rußland) Im schöngeistigen Gebiet sind gefühlsmäßig sichere Fragen wie eklatante Wertlosigkeit theoretisch aufs schwierigste zu beantworten. Ich will versuchen, einige Notizen über das Verhältnis des Geistigen zum Geschehen zu Papier zu bringen. /Die Zukunft hängt von der Erfassung des Geistes durch die Politik ab/ Es wird heute alles in Frage gestellt: Objektivität, Sachlichkeit, Autonomie ..

6) Ich war immer gegen den Aktivismus. Das heißt, gegen die direkte Einmengung des Geistes in die Politik und Lebensgestaltung. Und zwar aus geistigem Aktivismus. Aus Beurteilung der Aufgabe und Möglichkeit. Eines schickt sich nicht für alle. Man schreibt nicht mit dem Fuß; man steht nicht auf der Hand. Meine politische Voraussicht ist ganz durchschnittlich. Diese Auffassung hatte nun nicht bloß einen Teil der Geistigen gegen sich, sondern heute auch die Politik. Ihr Primat wird gefordert.

7) Wie war es denn aber? Wie sind die Ideen in die Politik gekommen? Im Großen gesehn, aus dem Geist. Der Geist hat die Idee der Freiheit, der Humanität .. er hat auch die der Grausamkeit, des Kampfes .. Dann hat die Politik sie aufgenommen, umgebildet, ihnen entfremdet. Das ist die Autonomie.

8) Der Geist hat strenge Gesetze. Wenn er vieldeutig (morbid) wird, soll es die eindeutige Vieldeutigkeit sein (um die ich mich bemüht habe). Die Verletzung tötet.

9) Damit soll nicht die umgekehrte Abhängigkeit übersehn sein. Gerade das heutige Beispiel. Als Abschluß käme dann das Verhältnis von Affekt und Geist. Der Affekt, der sich seinen Geist gebildet hat und nun mit dem größeren in Berührung kommt.

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10 haziran 2026
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5257 s. 13 illüstrasyon
ISBN:
9782377871742
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