Kitabı oku: «Im Auftrag des Feindes», sayfa 2
»Ja, ich hatte in Italien mit ihm zu tun. Mehrfach, er hatte einen guten Eindruck hinterlassen. Ich sehe, Sie nehmen nur die am besten ausgebildeten Leute für diese Aufgabe.«
Miller fühlte sich ein wenig geschmeichelt.
»Heine wird Ihnen helfen, einen Agenten anzuwerben und auch auszubilden. Sie sollen ja möglichst nicht in Erscheinung treten. Sozusagen im Hintergrund die Strippen ziehen. Dann ist da noch vom US-Hauptquartier im Berliner Stadtteil Zehlendorf in der Clayallee der U.S. Commander Major General Thomas D. Phillips. Phillips kann Ihnen mit seinen guten Kontakten helfen. Passen Sie allerdings auf, dass er Ihnen nicht das Heft aus der Hand nimmt. Er hat gerne die Kontrolle über alles. Er ist informiert und wird Ihnen jederzeit zur Verfügung stehen.«
Madsen nickte anerkennend. Die Sache musste echt brennen, wenn schon der Direktor persönlich zuarbeitete. Miller trank einen Schluck Kaffee. Als er die Tasse absetzte, sah er Madsen gespannt an.
»Ihr Flug ist bereits gebucht. Sie sind bereits in der nächsten Woche in Europa. Ich hoffe, dass macht Ihnen nichts aus. Aber die Dringlichkeit der Angelegenheit…..«
Madsen winkte lächelnd ab. Er war bereit, diese Aufgabe so schnell wie möglich anzutreten. Sie reizte ihn sehr.
»Schon in Ordnung. Ich habe sowieso nichts weiter vor«, war seine ehrliche Antwort.
Kapitel 5
Siegfried Heine rührte in seinem Kaffee und schaute immer wieder zur Uhr. Wo bleibt er nur, dachte er und schaute sich besorgt um. Draußen begann es zu regnen. Viele Menschen spannten ihre Schirme auf, um sich vor dem warmen Frühsommerregen zu schützen. Es war zurzeit viel los in Wien. Die Urlaubszeit brach an und brachte regelrechte Besucherströme in die Stadt. Wohin man auch sah, es wimmelte von fotografierenden Touristen. Die Museen waren so voll, dass sich Schlangen an den Kassen bildeten. Die Wiener Kutschfahrer machten das Geschäft Ihres Lebens. Die Luftballonverkäufer am Prater ließen die Herzen der Kinder höher schlagen. Mit dem einsetzenden Regen strömten die Menschen nun über die Franzensbrücke über dem Donaukanal in Richtung Innenstadt.
Heine genoss es, in den kleinen Cafés seiner Heimatstadt die Touristen zu beobachten. Menschen verschiedenster Couleur in jedem Alter waren hier zur Sommerzeit vertreten. Touristen aus den USA, Studenten aus ganz Europa. Alles trifft sich in Wien, stellte er stolz fest. Während er seine Tasse Kaffee austrank, betrat ein hochgewachsener Mann das Café. Heine erkannte ihn. Er sieht müde aus. Bestimmt der Jetlag, dachte Heine. Er hob die Hand und winkte den Mann zu seinem Tisch.
Mark Madsen war in der Tat müde. Nach intensiven Vorbereitungen war er gestern Abend in Wien gelandet. Nach einem ausgedehnten Abendessen hatte er versucht, früh zu schlafen, fand aber keine Ruhe und lief lange Zeit rauchend im Hotelzimmer auf und ab. Madsen wollte noch am heutigen Tag nach West-Berlin fliegen, um dort noch ein wenig auszuruhen, bevor er mit aller Kraft seiner neuen Aufgabe nachging.
Er schaute sich kurz um, entdeckte Heine und ging zielstrebig auf den Tisch zu. Heine stand auf und reichte Madsen die Hand.
»Hallo Mark, schön dass du da bist.« Madsen ergriff die Hand und lächelte den Österreicher an.
»Hallo Siegfried, ich hoffe, ich habe dich nicht zu lange warten lassen. Es ist ganz schön was los in der Stadt.«
Die Männer setzen sich.
»Ja, der Sommer steht vor der Tür. Die Urlaubszeit bricht an, und ich glaube nicht, dass es in den nächsten Monaten anders wird. Ich genieße es, die vielen Menschen zu beobachten. Aber reden wir von dir. Ich freue mich wirklich sehr, dich zu sehen. Ist hier alles in Ordnung? Hotel? Restaurants? Wenn du Hilfe brauchst, sag es mir einfach.«
Madsen winkte ab.
»Alles bestens. Wirklich. Ich fliege sowieso heute noch nach Berlin.«
Der Kellner kam und nahm ihre Bestellung auf. Heine orderte einen weiteren Kaffee, während der US-Amerikaner einen Cappuccino wählte. Als der Kellner sich entfernte, kam Madsen zur Sache.
»Unsere Leute sind sehr unruhig. Nicht nur, dass bei den Sowjets irgendetwas vor sich geht, auch unsere Agenten in der DDR fliegen neuerdings reihenweise auf. Deswegen bin ich hier. Du hast die Aufgabe, einen neuen Agenten, möglichst in der Nähe von Berlin wohnend, zu rekrutieren. Tarne das Ganze als Urlaub. Reise nach Ungarn oder Bulgarien. Finde jemanden, bilde ihn ordentlich aus und dann informiere uns. Den Rest machen wir wieder. Du hast in der Vergangenheit schon mehrfach deinen guten Instinkt bewiesen, wenn es um das Anwerben geht. Die Kosten trägt wie immer die Firma.«
»Was geht denn in der UdSSR vor? Kannst du mir Näheres sagen?«
Madsen trank einen Schluck und nickte.
»Unsere Leute in Moskau erzählen von enormen Truppenbewegungen. Die offizielle Verlautbarung deutet auf Manöver-Vorbereitung. Allerdings ist es im Nachbarstaat Afghanistan momentan auch sehr unruhig. Unsere Analytiker sehen einen Zusammenhang. Bislang haben sich die Sowjets zurückgehalten, obwohl der afghanische Regierungschef ihnen dauernd in den Ohren liegt und Unterstützung anfordert. Seit der Ermordung Mohammed Daoud Khans und seiner Familie gleicht Afghanistan einem Pulverfass. Die CIA unterstützt seit Jahren die Revolution, um die Demokratie und westliche Denkweise durchzusetzen. Mit einer vermeintlichen Einflussnahme der Sowjets wäre unsere jahrelange Arbeit zerstört. Deswegen brauchen wir so viele Informationen wie möglich. Wo bewegt der Russe etwas, werden Truppen verlegt? Das ist die große Frage. Unsere Analytiker übernehmen dann den Rest.«
»Was hat der Neue für Aufgaben?«
»Er soll lediglich beobachten. Er soll hier und da mal einen Blick auf die sowjetischen Stützpunkte werfen und melden, was auffällig ist. Eventuelle Truppenbewegungen, Mannschaftstärken, Fahrzeuge zählen und so weiter. Wir wissen beide, wie stark die sowjetischen Truppen an der deutsch-deutschen Grenze vertreten sind. Aber im Grunde genommen steckt hinter den Aufgaben nichts Wildes, völlig ungefährlich. Der Mann begibt sich also keinesfalls in Lebensgefahr oder bekommt irgendwelche Mordaufträge. Dafür haben wir Spezialisten. Das Ganze läuft unter dem Codenamen Heinz Friedrich.«
Heine nickte.
»Da sehe ich kein Problem, etwas Passendes zu finden. Ich melde mich bei dir, sobald ich zurück bin.«
Die Männer tranken ihren Kaffee aus. Als Heine zahlen wollte, winkte der Amerikaner ab.
»Geht auf Kosten der Firma.«
Er stand auf und schüttelte Heine die Hand.
»Viel Glück, Siegfried. Wir brauchen dringend Leute in Ost-Berlin, also versuche alles in deiner Macht Stehende, um neue Agenten auszubilden. Und vergiss bitte nicht, dass die Sache unserem Präsidenten sehr am Herzen liegt.«
Heine nickte.
»Keine Bange. Du sollst einen gut ausgebildeten Mann bekommen. Und danach suche ich weitere Kandidaten.«
Madsen drehte sich um und ging zur Theke, bezahlte und verließ anschließend das Cafe. Heine wartete einen Moment und ging dann ebenfalls.
Vor der Tür sog er die warme Frühlingsluft ein. Es wird Sommer, dachte er. Herrlich.
Kapitel 6
Nachdem er eine Nacht in einem Hotel verbracht und sich richtig ausgeschlafen hatte, checkte er aus und rief sich ein Taxi, dass ihn zur US-Vertretung in der Clayallee bringen sollte. Er war in der Vertretung offiziell als Vermittler für die neu eröffnete amerikanische Botschaft in Ost-Berlin angemeldet. Die reguläre US-Botschaft befand sich in Bonn, der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Die neue Botschaft befand sich in der Neustädtischen Kirchstrasse, direkt in Berlin-Mitte. Sie durfte sich wegen des 4-Mächte-Status Berlins nur Botschaft bei der DDR nennen. Durch die Tarnung als Botschaftsmitarbeiter konnte Madsen zwischen den Staaten reisen, ohne auffällig zu wirken. Als Madsen das Taxi bezahlt hatte und ausgestiegen war, sah er sich erst einmal um. Dann betrat er das Botschaftsgelände. Madsen zeigte am Eingang seinen Ausweis und ließ sich beim offiziellen Vertreter der Vereinigten Staaten vom Amerika in West-Berlin, Jonathan Brinks, anmelden. Eine Sekretärin des Vertreters holte ihn am Eingang ab und stellte sich als Darlene vor. Madsen fand sie sehr attraktiv. Zusammen stiegen sie in den Fahrstuhl, der im dritten Stockwerk hielt. Die Sekretärin führte ihn in das Büro des Vertreters. Madsen stellte seinen Koffer ab und ging auf den Schreibtisch zu. Jonathan Brinks war ein kräftig beleibter Mann, der allerdings einen sehr flinken Eindruck machte. Er kam erstaunlich schnell um den Schreibtisch herum, um Madsen die Hand zu schütteln.
»Herzlich willkommen in Berlin. Bitte setzen Sie sich.«
Die Sekretärin schüttete beiden Männer Kaffee aus einer Kanne ein und zog sich zurück. Dabei nahm sie den Koffer von Madsen mit.
»Wir haben Ihr Büro und Ihre Wohnung fertig. Ich hoffe, Sie werden sich wohlfühlen bei uns. Sind Sie mit der aktuellen politischen Situation vertraut?«
»Ich hatte ein intensives Briefing, bevor ich über Wien hierher kam.«
»Wunderbar. Dann brauche ich nicht lange reden und Sie können sich in die Arbeit stürzen.«
Brinks nahm einen Schluck Kaffee aus der mit der US-Flagge verzierten Tasse und fuhr fort.
»Offiziell treten Sie als Vermittler zwischen den Botschaften in West- und Ost-Berlin auf. Entsprechende Papiere liegen in Ihrem Schreibtisch. Sie haben dadurch unbegrenzten Zugang in den Ost-Sektor der Stadt. Der Botschafter drüben heißt Seymour Wallace, ein angesehener Diplomat, der schon in Botschaften in Prag und Moskau gearbeitet hat. Sie sollten sich als erstes mit ihm treffen. Wenn Sie wünschen, lasse ich einen Termin für Sie vereinbaren.«
»Sehr gerne«, erwiderte Madsen. »So kann ich mir die Örtlichkeiten direkt anschauen. Vielleicht kann er eine kleine Rundfahrt durch Ost-Berlin organisieren. In West-Berlin war ich schon einmal, ich denke, dass ich mich hier zurecht finde.«
»Mal sehen, was sich machen lässt. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrer neuen Aufgabe. Meine Sekretärin wird Ihnen nun alles zeigen.«
Die Männer standen auf. Wie auf Kommando kam die Sekretärin herein.
»Darlene, bitte zeigen Sie Mister Madsen alles, was er hier kennen muss.« Brinks reichte Madsen die Hand.
»Wenn Sie Probleme haben, melden Sie sich einfach. Ich habe Order, Ihnen zu helfen, wo ich kann.«
Madsen nahm die Hand und bedankte sich.
»Es ist gut zu wissen, dass man Unterstützung hat.«
Darlene führte ihn in sein neues Büro, welches abgeschlossen war. Sie überreichte ihm die Schlüssel, nachdem sie aufgesperrt hatte. Madsen pfiff erstaunt durch die Zähne. Ein Personal-Computer von IBM thronte massiv auf dem im rechten Winkel angeordneten Schreibtisch. Eine dicke Akte mit dem Vermerk `Top Secret` lag auf dem Tisch. Von Notizzetteln bis hin zu Heftklammern und einem Telefon war alles vorhanden, was ein modernes Arbeitszimmer haben musste.
»In der Akte finden Sie alles über die Mitarbeiter hier und in der DDR. Für den Zugriff auf die Datenbanken können Sie Ihr bisheriges Passwort benutzen. Sie sind über eine sichere Leitung direkt mit Langley verbunden. Das gilt auch für das Telefon. Zudem gibt es einen abhörsicheren Raum im Keller für Konferenzen für bis zu 10 Personen, der Ihnen bei Bedarf zur Verfügung steht.«
Sie zeigte nach draußen auf den Flur.
»Dort drüben finden Sie eine kleine Bar mit Kaffee und kalten Getränken, die rund um die Uhr geöffnet ist. Im Erdgeschoss gibt es eine kleine Kantine, wo täglich zwei Mahlzeiten zur Auswahl stehen. Im Keller haben wir Ihnen ein kleines Zwei-Zimmer-Appartement eingerichtet. Der Schlüssel ist mit dem Schlüssel für Ihr Büro identisch. Es ist die Zimmernummer 34. Ihr Koffer ist bereits dort.«
Sie lächelte. Madsen nickte anerkennend.
»Tja, herzlich willkommen und viel Spaß im neuen Job. Wenn Sie Fragen haben, wissen sie, wo Sie mich finden. Eine Telefonliste liegt in der Schreibtischschublade. Ich heiße Kennedy mit Nachnamen.«
Darlene sah ihn lächelnd an und verschwand. Madsen schloss die Bürotür und hängte seine Jacke an einen Kleiderhaken hinter der Tür.
Nach einer kurzen Inspektion der Schreibtischschubladen und der routinemäßigen Suche nach Wanzen holte er sich einen Kaffee und begann, die Akte zu durchstöbern.
Später betrat er seine kleine Wohnung im ersten Stockwerk. Klein war noch untertrieben in dem Fall. Es gab einen Miniraum, in welchem ein Sessel, ein Tisch sowie ein Fernsehgerät standen. Das Schlafzimmer war etwas größer. Es war sogar Platz für einen geräumigen Kleiderschrank. Das Bett sah sehr bequem aus und hatte mindestens 1,40 Meter Breite. Sein Koffer war schon leer oben auf dem Schrank platziert. Madsen öffnete die linke Schranktür und pfiff durch die Zähne. Die Hemden und Sakkos sowie seine Lederjacke waren ordentlich auf Kleiderbügel gehängt worden. Er öffnete die rechte Hälfte des Schrankes und nickte anerkennend. Darlene war anscheinend ein Engel. Hosen, Pullover, Unterwäsche sowie seine Schuhe waren ordentlich im Schrank eingeräumt und zwar zweckmäßig. Oben die Pullover, in der Mitte die Hosen und dann folgten die Unterwäsche und die Schuhe. Madsen schloss die Schranktüren und ging zum Badezimmer. Es war ebenfalls nicht sehr geräumig. Ein Waschbecken, eine Toilette und eine Dusche. In einem kleinen Spiegelschrank über dem Waschbecken waren seine Toilettenartikel eingeräumt. Madsen drehte sich einmal um sich selbst.
»Mehr passt auch nicht hier rein«, murmelte er. Es klopfte an der Tür. Madsen öffnete und erblickte Darlene.
»Ich wollte mich nur kurz erkundigen, ob alles in Ordnung ist?«, fragte sie lächelnd.
Madsen lächelte zurück.
»Alles wunderbar. Vielen Dank für das Einräumen meiner Kleidung.«
Darlene sah verlegen nach unten.
»Ich hoffe, Sie nehmen mir diesen kleinen Eingriff in Ihre Privatsphäre nicht übel. Es ist halt mein Job, dafür zu sorgen, dass alles bestens ist.«
»Nein, natürlich nicht. Ist schon ok. Sieht jedenfalls sehr ordentlich aus bei mir. Mal sehen, wie lange ich diesen Zustand aufrechterhalten kann.«
Madsen grinste schelmisch und fuhr dann fort.
»Darf ich mich vielleicht mit einem Essen revanchieren? Ich kenne mich ja noch nicht so aus und würde gerne mal etwas typisch Deutsches essen.«
Darlene strahlte.
»Sehr gerne. An welche Zeit dachten Sie?«
Madsen sah auf seine Uhr.
»Gleich? Ich habe schrecklichen Hunger.«
Darlene sah nicht nur phantastisch aus, sie war auch noch ein sehr angenehmer Gesprächspartner. Madsen erfuhr, dass sie in Deutschland hängen geblieben war, obwohl ihr hier stationierter Vater mitsamt der restlichen Familie längst wieder in die USA zurückgekehrt war.
»Die Liebe«, erklärte Darlene verlegen, als sie seinen fragenden Blick bemerkte. »Ich hatte gedacht, er wäre es. Der Mann fürs Leben. Aber ich habe gemerkt, dass ich mich getäuscht hatte. Es gab noch andere Frauen neben mir. Seitdem bin ich alleine und immer noch hier in Berlin. Mir gefällt es hier. Die Menschen sind auf ihre Art etwas Besonderes. Und es gibt nichts Schöneres im Sommer, als an einen der vielen Seen hier in der Umgebung baden zu gehen. Und was ist mit Ihnen, Mark? Was hat Sie bewegt, hierher zu kommen? So ganz alleine.«
Sie lächelte ihn fragend an. Mark stellte fest, dass er sich in ihrer Gegenwart sehr wohl fühlte. Er trank einen Schluck von dem deutschen Bier und lächelte zurück, darauf bedacht, seine makellose Zahnreihe zu zeigen.
»Der Job. Meine Ungebundenheit macht es möglich. Wissen sie Darlene, es fällt mir schwer, mein bisheriges Dasein zu erklären, aber ich kann es mal versuchen. Selbstverständlich gab es hier und da mal jemanden. Aber mein Job und die vielen langen Reisen haben Konkreteres verhindert. Auf der anderen Seite genieße ich meine Unabhängigkeit. Ich kann meine Seele baumeln lassen, wann ich will und wenn ich es brauche. Das ist für mich unbezahlbar.«
Darlene grinste spitzbübisch.
»Aber wenn es passiert dann passiert es. Ist das die Philosophie Ihres Lebens?«
»Gute Frage. Die habe ich mir noch nicht gestellt. Zum Glück kann man nicht in die Zukunft blicken.«
Madsen trank sein Bier aus und suchte nach dem Kellner. Er fand ihn und hob den Arm, um ihn herbeizurufen.
»Lassen Sie uns zahlen und zurückgehen, Darlene. Es war sehr nett mit Ihnen. Wirklich. Aber ich habe noch ein wenig zu tun. Ich bitte um Ihr Verständnis.«
Darlene nickte.
»Auch wenn das jetzt sehr plötzlich endet, können wir das gerne wiederholen. Ich mag Sie, Mark. Und das, obwohl ich Sie erst seit ein paar Stunden kenne. Ich verlange eine Wiederholung. Und lassen Sie mich nicht zu lange warten. Ich bin Sternzeichen Löwe. Und wehe, ich brülle.«
Sie lachte und trank ihr Glas Rotwein aus. Der Kellner kam, und Madsen zahlte. Anschließend verließen sie das Lokal und gingen zur Vertretung zurück.
Kapitel 7
Seymour Wallace war genau so, wie Madsen sich ihn vorgestellt hatte. Weltmännisches Auftreten, gepaart mit einer aristokratischen Ausstrahlung. Der drahtige Mann hatte zum ersten offiziellen Treffen mit Madsen einiges vorbereitet.
»Herzlich willkommen in Ost-Berlin. Ich hoffe, Sie gewöhnen sich schnell ein und genießen Ihre neue Aufgabe. Es ist uns hier in der Botschaft ein großes Anliegen, einen Beitrag zur Verständigung der Völker zu leisten. Als erstes möchte ich Ihnen ein wenig von der Stadt zeigen. Sie werden erstaunt sein, wie modern und fortschrittlich hier alles ist.«
Mit einem Zwinkern zeigte der Botschafter auf den Ausgang. Gemeinsam gingen Sie ins Erdgeschoss und auf die Straße. Sie stiegen in ein Fahrzeug, das bereits mit laufendem Motor wartete. Als der Wagen fuhr, wandte sich Wallace an Madsen.
»Verzeihen Sie diesen theatralischen Auftritt. In der Botschaft werden wir komplett abgehört. Das gegenüber liegende Gebäude ist zur Hälfte von der Staatssicherheit angemietet, und die sitzen dort den ganzen Tag und lauschen mit Richtmikrofonen. Einzig hier im Fahrzeug können wir frei sprechen. Der Wagen wird dreimal täglich nach Wanzen untersucht.«
Madsen nickte anerkennend.
»Ich bin erfreut, mit Profis arbeiten zu dürfen. Zu meinem Plan. Ich habe vor, einen neuen Agenten anzuwerben. Dieser soll möglichst aus Ost-Berlin kommen. Ich werde wegen der Kommunikation einen toten Briefkasten in West-Berlin und in Nürnberg installieren, wohin dieser Agent seine Informationen senden soll. Die ganze Aktion ist von Washington abgesegnet. Ich werde bei Ihnen in der Botschaft nur ab und an erscheinen. Ich brauche allerdings, um den Schein zu wahren, alle offiziellen Termine, an denen ich versuche teilzunehmen. Da hoffe ich auf Ihre Unterstützung.«
Seymour lächelte Madsen an.
»Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass ich lange genug dabei bin, um zu wissen, worum es geht. Meine Unterstützung haben Sie, aber Sie werden nicht so viele Termine haben. Das gesellschaftliche Leben hier hält sich in Grenzen. Oh, sehen Sie nur. Kennen Sie schon die so hoch gelobten Plattenbauten von Erich Honecker?«
Seymour zeigte aus dem Fenster.
»Wir sind hier in Hohenschönhausen. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so etwas Hässliches gesehen«, brummte Seymour.
»Willkommen in der DDR.«
Kapitel 8
Die Sonne schien bereits den ganzen Tag. Das Thermometer zeigte 29°C Grad an. Es wehte ein leichter Wind, der von den am Nordrand des Plattensees wachsenden Mandelbäumen abgeschwächt wurde.
Heine beobachtete das gestern eingetroffene Paar schon den ganzen Vormittag. Gegen Mittag stand fest, dass er es versuchen wollte. Beide waren offenbar kinderlos, zudem scheinen sie ohne Freunde angereist zu sein.
»Schatz, wollen wir eine Runde schwimmen gehen?«, hörte er den Mann die Frau fragen.
Die Frau war schlank, mit einem wohlgeformten Po und kleinen festen Brüsten. Ihr langes rötliches Haar trug sie zu einem Zopf geflochten. Heine schätzte sie auf Ende Zwanzig. Sie war gut einen Kopf kleiner als ihr etwas älterer Mann.
»Gerne«, sagte sie lächelnd und stand von ihrer Liege auf.
Zusammen gingen sie zum See hinunter und tasteten sich langsam ins Wasser. Die Frau war schneller in dem kühlen Nass und fing an, den zögerlichen Mann zu bespritzen.
Heine folgte Ihnen ins Wasser. Vielleicht ergab sich eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme.
»Na warte, das gibt Rache.«
Der Mann sprang seiner Frau entgegen und die beiden tollten gedankenlos herum wie zwei Frischverliebte. Die anderen Urlauber, die ebenfalls im Wasser waren, entfernten sich sicherheitshalber von den beiden. Heine paddelte genau neben dem ausgelassen Paar vor sich hin. Er spürte plötzlich ihre Fingernägel an seinem Arm. Die Gelegenheit!
»Hey, passen Sie doch auf. Sie haben mich gekratzt.«
»Entschuldigung«, entgegnete die Frau.
Die beiden hörten sofort auf mit ihren Spielchen und folgten Heine, der nun langsam zum Ufer ging.
»Ist es schlimm?«
»Halb so wild. Ich habe mich nur erschrocken. Nur ein kleiner unbedeutender Kratzer.«
Die Frau ließ nicht locker.
»Zeigen Sie mal her.«
Sie stand nun neben dem etwas rundlichen Mann.
»Hier«, zeigte er.
Da waren in der Tat zwei kleine, ganz leicht blutende Kratzer von den Fingernägeln. Die Frau nahm die Wunden in Augenschein und entschuldigte sich nochmals bei dem Mann, der nun lächelte. Der Ehemann kam hinzu und schaute neugierig auf Heines Arm.
»Alles halb so wild. Ich habe mich nur erschrocken. Sie können mich ja auf ein Gläschen Rotwein einladen. Dann heilt es schneller.«
Der Mann lachte nun. Das Paar musste auch lachen, allerdings mehr vor Erleichterung.
»Mein Name ist Siegfried, ich bin alleine hier im Urlaub. Gegen ein bisschen Gesellschaft hätte ich nichts einzuwenden. Ich hoffe, ich bin nicht zu aufdringlich.«
Der Mann übernahm nun das Gespräch.
»Wenn Sie Lust haben, können wir heute Abend gerne ein Gläschen zusammen trinken. Wir sind Dagmar und Bernd.«
Bernd reichte ihm die Hand, die der korpulente Mann annahm.
»Wo kommen Sie her? Ihr Dialekt kommt mir bekannt vor.«
»Ich bin Österreicher. Aus Wien. Und ihr beide?«
»Aus Berlin. Deutsche Demokratische Republik. Wir zelten hier. Gleich dort hinten.«
Bernd zeigte in die Richtung, wo ihr Zelt neben dem Trabant stand.
»Dann kommen sie heute Abend zu mir. Ich habe hier in der Nähe ein kleines Häuschen gemietet. Sie können gerne zum Essen kommen. Ich habe alles da, was man für ein leckeres Abendessen braucht. Nur Gesellschaft fehlt noch.«
Dagmar lächelte.
»Klar. Wir kommen gerne. Wann sollen wir da sein?«
»So gegen 19 Uhr?«
Der Wiener beschrieb den beiden den Weg zu seinem Ferienhaus.
»Sie können es gar nicht verfehlen. Dann also bis um Sieben. Ich freue mich.«
Heine nahm sein am Strand liegendes Handtuch und ging. Das ist wirklich ausgezeichnet gelaufen, dachte er.
Dagmar und Bernd sahen sich an.
»Scheint sehr nett zu sein«, sagte Bernd.
»Ein Freund aus dem Westen kann auch nicht schaden. Haben wir noch gar nicht gehabt.«
Beide gingen zurück ins Wasser, um noch ein wenig zu schwimmen.
Am Abend begab sich das Pärchen zu dem Ferienhaus. Bernd hatte noch einen Kanister Rotwein besorgt, den er mitnahm. Die Tür stand offen, der Österreicher erwartete sie bereits.
»Hallo. Schön, dass sie gekommen sind«, begrüßte sie der gemütliche Wiener.
»Kommen Sie rein.«
Sie betraten das Haus und sahen sich neugierig um. Die Wohnung bestand aus 2 Schlafzimmern im oberen Geschoss, einer kleinen Küche, einem Wohnraum mit TV sowie einem Bad.
Die Ausstattung war eher schlicht gehalten. Ein Stoffsofa in Beige, ein Schrank aus Birkenholz. Die Gardinen in den bunten Farben der frühen Siebziger. In der Küche sorgte ein Durchlauferhitzer für warmes Wasser. Der Fußboden war komplett mit einem grauen Teppich ausgelegt, der schon einige Gebrauchsspuren zeigte.
»Wir essen hinten auf der Terrasse. Ich habe bereits gedeckt. Das Essen ist auch schon im Ofen. Es dauert noch eine Viertelstunde, denke ich.«
Sie gingen durch die Wohnung zur Terrasse. Dort stand ein runder, weißer Tisch, der mit einer bunten Plastiktischdecke bedeckt war. Gedeckt war für drei Personen. Um den Tisch standen vier Plastikstühle, von denen drei mit einem Sitzkissen ausgestattet waren. Dagmar sah sich fasziniert um. Der Sichtschutz bestand aus einer zwei Meter hohen Hecke. Einige lieblos positionierte Blumentöpfe aus Kunststoff fielen ihr auf. Sie sah Bernd an und verdrehte die Augen.
»Ist sehr schön hier. Und ziemlich groß. Hier sind Sie ganz alleine?«
Bernd warf Dagmar einen bösen Blick zu. Wie immer war seine Frau sehr direkt. Der Österreicher nahm es anscheinend gelassen.
»Wissen Sie, ich bin schon alleine. Meine Frau hat mich vor 5 Jahren wegen eines Gigolos verlassen. Da kann man nichts machen. Aber deswegen muss ich ja nicht unbedingt zelten. Das ist mir zu unbequem. Hier habe ich durch den Fernseher noch zusätzliche Unterhaltung, obwohl ich von dem Gefasel kein Wort verstehe. Meistens lese ich nebenbei. Ich habe mir ein paar Romane mitgebracht.«
»Entschuldigen Sie bitte, wir wollten ihnen nicht zu nahe treten.«
Bernd war die Sache sichtlich peinlich.
»Schon gut. Ich mag diese Art. Direkt und unverblümt. Und lassen wir doch das Sie weg. Ich bin einfach der Siegfried.«
Bernd nickte zustimmend.
»Das ist gut. Und wir sind einfach Dagmar und Bernd.«
»Und jetzt setzt Euch. Ich hole das Essen. Vielleicht könnt ihr ja schon mal etwas von dem köstlichen Tropfen einschenken.«
Siegfried ging in das Haus. Dagmar nahm den Kanister mit dem Wein und fing an, die Gläser voll zu schenken.
Nachdem sie gegessen und abgeräumt hatten, holte der Österreicher drei Schnapsgläser und eine Flasche Obstler.
»So, zur Verdauung gibt es etwas ganz Edles. Den hier habe ich von Zuhause mitgebracht. Habt ihr schon einmal Obstler getrunken?«
Die Hartmanns sahen sich an.
»Nein, noch nie.«
»Dann gebe ich euch einen Tipp. Erst ein wenig im Mund behalten und dann erst herunterschlucken. Dann schmeckt ihr die feine Note.«
Die neuen Freunde hoben die Gläser und prosteten sich zu. Dann tranken sie. Der Österreicher nahm den Schnaps in einem Zug, während Dagmar und Bernd vorsichtig an dem Obstler nippten. Dagmar musste leicht husten. Bernd schnalzte mit der Zunge.
»Also ehrlich, Siegfried. Klasse. Ganz große Klasse.«
»Na dann, Bernd, hier ist noch einer.«
Siegfried schenkte nach.
»Auf einen schönen Urlaub.«
Die neuen Freunde verbrachten seit ihrem Abendessen jeden Tag zusammen. Mittlerweile hatte Siegfried den beiden Berlinern das zweite Schlafzimmer angeboten. Die beiden hatten das Angebot mit Freude angenommen und ihr Zelt abgebaut. Nun lagen sie auf der Terrasse auf den Liegen und ließen es sich gut gehen. Bernd wandte sich lächelnd an seine Frau.
»Das mit der Ferienwohnung ist eine gute Idee gewesen. Schatz, das sollten wir das nächste Mal auch so machen. Ich habe gestern Nacht so richtig gut geschlafen, das wäre bei dem Krach auf dem Campingplatz nicht möglich gewesen. Selbst du, die ja nun leidenschaftlich gern zeltet, hast es genossen. Gib es zu!«
Dagmar seufzte nur ein zufriedenes Ja. Siegfried wandte sich an Bernd.
»Weißt du, Bernd, die paar Mark mehr machen den Kohl ja auch nicht fett. Wir wollen uns doch erholen. Ich finde, der Urlaub ist die wichtigste Zeit des Jahres. Außerdem lege ich Wert auf ein richtiges Bett. Mein Kreuz schmerzt doch in letzter Zeit immer öfter. Tja, wir werden eben nicht jünger. Zudem will ich mit dir heute Abend in Ruhe reden, das wäre im Zelt auch ein Problem. Man hat in einer Wohnung mehr Privatsphäre.«
»Du machst mich neugierig.«
Bernd drehte sich zu seinem neuen Freund.
»Hast du mir eine Überraschung mitgebracht?«
»Warte ab, du wirst begeistert sein. Bei einem Gläschen leckeren Roten.«
Bernd grinste.
»Nachdem Dagmar uns etwas Feines zu Essen gezaubert hat. Glaub mir, die macht aus einem Geschirrtuch noch was Essbares. Und bis dahin noch ein kleines Nickerchen«, sagte er verträumt und schloss die Augen.
Am Abend zogen sich die Freunde nach einem ausgiebigen Essen ins Wohnzimmer zurück, während Dagmar in der Küche aufräumte und Geschirr spülte. Heine schenkte dem Freund und sich ein Glas Rotwein ein.
»Sag mal, Bernd, wie ist das so in der DDR?«
»Wie soll das sein? Ich schätze mal, wie woanders auch.«
Heine nahm das Glas Rotwein und starrte Gedankenverloren die Flüssigkeit an.
»Erzähle mir ein wenig von deinem Leben. Was arbeitest du? Wie viel verdienst du? Ist das viel, was ihr zwei an Geld im Monat habt? Habt ihr eine Wohnung? Gibt es genug zu essen? Man hört bei uns so vieles. Sicherlich sind manche Sachen stark übertrieben. Aber das interessiert mich. Ich erzähle dir dann auch, wie es bei uns in Österreich ist.«
»Also, eine Wohnung haben wir. Als wir geheiratet haben war, es einfach, eine kleine Wohnung zu finden. Wir haben ja vom Vater Staat einen Zuschuss bekommen, so dass wir uns einrichten konnten. Ich verdiene ca. 750 Mark, Dagmar so um die 500 Mark. Eigentlich genug zum Leben, die Waren bei uns sind aber ziemlich teuer. Wir haben als Beispiel einen kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher. Ein Farbfernseher kostet so 5.000 Mark. Das können wir uns einfach nicht leisten. Ein Problem ist auch, die Waren überhaupt zu bekommen. Die meisten Dinge gibt es entweder beschränkt oder in extremen Mengen. Das ist ganz unterschiedlich. Es ist zum Beispiel immer so, wenn es etwas in einem Laden gibt, das sehr beliebt ist, dann darf man die Ware nur einmal nehmen. Diese Waren haben immer eine Markierung, woran man sie sofort erkennen kann. Da wir zu Zweit einkaufen, geht es allerdings. Wir teilen uns auf und dadurch bekommen wir die Sachen doppelt. Es wird nicht namentlich erfasst, wer wie viel kauft.«
»Das ist bei uns anders. Es gibt alles im Überfluss. Wenn du in den Supermarkt gehst, dann kannst du alles kaufen, was du willst. Nur bei Weihnachtsbutter ist es beschränkt. Da darf jeder nur eine bestimmte Menge kaufen. Das kann man allerdings auch jeden Tag machen, so dass man mehr als genug bekommt. Es kontrolliert keiner wirklich. Wie sieht es mit Freunden und Verwandten aus?«
