Kitabı oku: «Im Auftrag des Feindes», sayfa 4
Kapitel 11
Im US-Hauptquartier im Berliner Stadtteil Zehlendorf in der Clayallee saßen der U.S. Commander Major General Thomas D. Phillips, John Rider und Michael Madsen zusammen, um über Sendungen von verschlüsselten Botschaften über ein Radioprogramm zu sprechen. Madsen benötigte die guten Kontakte von Phillips. Major General Phillips war eine imposante Erscheinung. Bei einer Größe von 1,91 m brachte er stattliche 115 Kilogramm auf die Waage. Sein fein geschnittenes Gesicht zierte ein dauerhafter drei Millimeter langer Drei-Tage-Bart. Seine dunklen Augen waren stets hellwach. Nachdem er sich im Koreakrieg als Kampfpilot einen Namen gemacht hatte, wechselte er Anfang der sechziger Jahre zur CIA. Im Vietnam-Krieg koordinierte Phillips die Geheimdienstaktivitäten. Seit 1975 war er in West-Berlin stationiert. Er war über Madsens Auftrag informiert und sollte ihm beratend zur Seite stehen, wenn Probleme auftauchten.
»Also, mein Favorit wäre RIAS. Ich kenne den Programmdirektor sowie den Intendanten persönlich. Wie stellen Sie sich die Nachrichtenübermittlung vor? Wann soll sie stattfinden?«
Phillips wandte sich fragend an Madsen. Dieser lehnte sich im Stuhl zurück und sah versonnen an die Zimmerdecke.
»Ist es zu empfehlen, dass es zu einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Sendung geschieht? Es soll definitiv ein Code sein, ein Gewirr aus Zahlen und Buchstaben. Wir können den Empfänger nicht rund um die Uhr erreichen, da er berufstätig ist. Mir schwebt eine abendliche Sendung vor. Immer am gleichen Wochentag. Wie wäre es in der Sendung Treffpunkt? Ich habe gehört, dass die Sendung sich großer Beliebtheit erfreut, sowohl in West als auch in Ost.«
Phillips nickte. Nachdenklich redete er langsam vor sich hin.
»Klingt gut. Ich werde also versuchen, Folgendes zu arrangieren. In der Montagssendung zwischen 20 und 21 Uhr werden zwischen zwei Liedern, die dort gespielt werden, die Zeilen durchgesagt. Eine Wiederholung gibt es, für den Fall, dass ihr Mann die erste Sendung verpasst hat, am darauf folgenden Mittwoch zwischen 21 Uhr und 22 Uhr. Wie klingt das?«
Madsen nickte erfreut.
»Das klingt hervorragend. Was meinen Sie? Wann können wir loslegen?«
Phillips kratzte sich am Kinn.
»Lassen Sie mir zwei Wochen Zeit. Dann sollte ich alles in Sack und Tüten haben.«
»Ausgezeichnet. Dann schon mal vielen Dank für Ihre Unterstützung.«
»Gern geschehen. Mein Büro steht Ihnen immer offen. Ich helfe Ihnen, wo ich kann, das habe ich meinem alten Kumpel Ross Miller versprochen.«
Kapitel 12
Es waren schon zwei Monate vergangen seit dem Balaton Urlaub, und nichts rührte sich. Hartmann glaubte schon, dass sich die Angelegenheit erledigt hatte. Eigentlich schade, dachte er, während er an einem Auto herumschraubte.
Hartmann war in den letzten Monaten förmlich aufgeblüht. Er trug nun die Haare länger und hatte sich auf Dagmars Drängen hin eine Nickelbrille besorgt, was bei der geringen Auswahl in der DDR kein leichtes Unterfangen war. Die alte glanzlose Hornbrille verschwand in den Tiefen der Wohnzimmeranrichte. Die gemeinsame Wohnung in der Kommandantenstraße im Stadtteil Lichterfelde war eine helle Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung mit vielen bunten Möbelstücken, die Dagmar zum Teil selbst bepinselt hat. Ihr Lieblingsmotiv waren Sonnenblumen, die wirklich überall zu sehen waren und in jeder Form auftraten. Als Aufkleber von Pril, die sie von einem Bekannten aus dem Westen bekommen hatte, oder als künstliche Blume, die sie selbst gebastelt hat.
Als er abends von der Arbeit nach Hause kam und die Post aus dem Briefkasten nahm, lag ein Brief von einem ihm nicht bekannten Absender aus dem Westen darin. Hartmann erstarrte. Dann schaute er sich um, ob er beobachtet wurde, und als er das ausschließen konnte, stieg er hastig die Treppen zu seiner Wohnung hoch. Dort angekommen ging er ins spärliche Wohnzimmer zu der Anrichte und holte aus einer Schublade, in der er seine alte Briefmarkensammlung verstaut hatte, eine Lupe. Wie gut, dass ich die alten Sachen nicht weggeworfen oder verschenkt habe, dachte er sich, während er sich auf dem Sofa positionierte, um unter optimalen Lichtbedingungen den Klebeverschluss des Briefes zu inspizieren. Der war schon einmal offen, dachte er. Unter Gegenlicht war ein ganz dünner Klebstofffilm zu sehen.
Wie in Trance schaute Hartmann auf die Rückseite und las den Absender.
Wolfgang Wiegand
Mehringdamm 27
1000 Berlin 36
Bundesrepublik Deutschland
Mit zitternden Händen griff Hartmann zum Brieföffner. Nach zwei Versuchen fuhr die Klinge in den Schlitz und öffnete den Brief. Atemlos zog er das Schreiben heraus und begann zu lesen.
Lieber Heinz,
ich hoffe, es geht Dir gut. Bei uns ist es im Moment sehr turbulent. Wie Du ja weißt, geht es Tante Klara immer schlechter, und wir befürchten, Sie in ein Pflegeheim bringen zu müssen. Sie ist nur noch bettlägerig, und Susanne hat so langsam nicht mehr die Kraft, die tägliche Pflege zu übernehmen. Die Kinder leiden genauso darunter. Naja, ich werde Dich auf dem Laufenden halten. Was macht das Briefmarken sammeln? Ich habe Dir extra eine ganz neue auf den Brief geklebt. Ich hoffe, die hast Du noch nicht. Melde Dich mal wieder. Mit lieben Gruß von allen
Dein Wolfgang
Hartmann stand auf und ging mit weichen Knien ins Bad. Er drehte den Wasserhahn auf und benetzte sich das Gesicht.
Lieber Heinz. Das Stichwort. Es geht los. Hartmann zitterte.
Reiß dich zusammen, dachte er. Er ist verschlüsselt. Du musst ihn entschlüsseln. Es ist ganz einfach. Siegfried hat es dir genau erklärt. Es ist Geheimpapier.
Hartmann kehrte ins Wohnzimmer zurück und nahm sich einen Bleistift und ein Blatt Papier aus der Schublade seiner Wohnzimmeranrichte. Dann holte er aus der Küche das Codebuch, das er aus dem hohlen Frühstücksbrettchen nahm, das bei den anderen Frühstücksbrettchen im Küchenschrank stand. Er ging ins Wohnzimmer zurück und setzte sich an den Tisch, um mit der Entschlüsselung zu beginnen.
Der Absender hatte zuerst mit einem leeren Kugelschreiber eine Zahlen- und Buchstabenfolge auf das leere Blatt Papier geschrieben. Dann hat er mit normaler Tinte den Brief geschrieben. Hartmann musste jetzt mit dem Bleistift das Blatt schraffieren, um die Abdrücke und somit den zu dechiffrierenden Text zu erkennen.
Nach ein paar Sekunden war die Struktur sichtbar. Hartmann konnte die Ziffernfolge erkennen und schrieb sie noch einmal ab. Dann nahm er das kleine Codebuch, das ihm Heine gegeben hatte, und schlug es auf. Nach einer Viertelstunde hatte er den Text fertig.
Bitte Informationen über die sowjetische Radaranlage in Pankow sammeln. Antwort bitte in den nächsten 14 Tagen.
Hartmann atmete tief durch. Hier war sie, die erste Aufgabe. Zum Glück kannte er den Standort der Anlage. Bei einigen seiner unzähligen Fototouren rund um Berlin war er oftmals auf militärische Anlagen gestoßen, ohne näheres Interesse daran zu zeigen. Bislang hatte er zugesehen, so schnell wie möglich von dort wegzukommen. Nun ist es umgekehrt, dachte er. Ich muss vorsichtig vorgehen, aber ich habe ja meinen Fotoapparat als Vorwand, wenn mich jemand anspricht. Plötzlich durchzuckte ihn ein Gedanke. Ich muss den Zettel verbrennen. Und den Brief ebenfalls.
Bevor er die Papiere verbrannte, notierte er sich die Adresse auf einem Zettel, den er in seinem Portemonnaie steckte. Nun geht es los, dachte er und kaute nervös an einem Fingernagel. Er schaute auf die Uhr.
»Verdammt!«, schrie er auf.
Es war 18.10 Uhr. Er war um 17.30 Uhr mit Dagmar verabredet gewesen.
Hartmann betrat das kleine Café und sah sich um. Er entdeckte Dagmar alleine an einem Tisch. Sie rührte gelangweilt mit einem Löffel in ihrem Kaffee. Er setzte sich ihr gegenüber und nahm ihre Hände in seine.
»Entschuldige bitte«, stammelte Hartmann.
»Ich musste länger machen in der Werkstatt. Irgend so ein hohes Tier von der Partei hatte ein Problem mit seinem Wagen.«
Dagmar sah ihn prüfend an.
»Du bist ganz blass, geht es dir nicht gut, Schnecke? Und schwitzen tust du auch. Naja, ist ja auch noch schön warm draußen.«
Schnecke nannte sie ihn immer. Er musste immer grinsen, weil er sich nicht an diesen Kosenamen gewöhnen konnte. Auch dieses Mal.
»Nein, alles in Ordnung. Es war ein langer Tag. Wollen wir noch rausfahren? Du wolltest mir noch etwas zeigen.«
Dagmar blickte ihn geheimnisvoll an.
»Na klar, ich bin so weit.«
Hartmann stand auf.
»Na dann mal los.«
Sie fuhren mit der S-Bahn Richtung Straußberg. Die Abendsonne in diesem Spätsommer war noch angenehm warm. Dagmar hatte am Morgen einen Korb mit etwas Brot und Wurst, einer Kanne Tee sowie einer Wolldecke gepackt.
Als sie aus der S-Bahn ausstiegen gingen sie Händchen haltend Richtung Ortsausgang. Der Verkehr wurde jetzt deutlich weniger. Es kamen ihnen auch nur noch vereinzelt Passanten entgegen. Irgendwann waren sie ganz alleine auf einem Schotterweg unterwegs. Sie unterhielten sich über den Tag auf der Arbeit. Bald erreichten sie große Felder mit Mais und Getreide.
Dagmar zog Bernd sanft Richtung Maisfeld. Sie gingen ca. 20 Meter in das Feld hinein, bis Dagmar stoppte. Hartmann beobachtete, wie sie die hohen Pflanzen im Umkreis von zwei Metern umknickte und auf den Boden drückte.
»Und wenn ein Bauer kommt?«, fragte Hartmann, während er unsicher auf jedes Geräusch achtete.
»Nicht um diese Zeit. Die essen alle zu Abend.«
Dagmar breitete die Decke aus und fing an, sich auszuziehen. Hartmann betrachtete sie mit neugierigen Blicken.
»Glotz nicht, mach dich auch nackig«, forderte sie ihn lachend auf.
Hartmann zog sich ebenfalls aus, ohne seine Augen von ihr abzuwenden. Dagmar hatte die Zöpfe aufgemacht und schüttelte ihren langen rotblonden Schopf. Einladend legte sie sich auf die Decke und klopfte mit der flachen Hand auf den Platz neben sich. Hartmann folgte der Aufforderung und zog sie an sich heran. Dann liebten Sie sich innig und leidenschaftlich.
Kapitel 13
Hartmann war aufgeregt. Er freute sich auf der einen Seite über die erste Aufgabe, die er bekommen hatte. Andererseits hatte er Angst, ein zu großes Risiko einzugehen. Dennoch war er fest entschlossen, heute seine ersten Erkundigungen einzuholen.
»So, tschüss bis morgen dann.«
Nachdem er sich die Hände gewaschen und umgezogen hatte, verabschiedete sich Hartmann von seinen Arbeitskollegen und trat aus der Kfz-Werkstatt ins Freie. Links neben dem Gebäude stand seine Schwalbe vom Typ KR 51. Einen PKW hatte Hartmann wegen der langen Lieferzeiten von bis zu zehn Jahren noch nicht.
Er stieg auf das Moped, steckte den Zündschlüssel hinein und startete es mit einem kräftigen Antritt. Der schrill kreischende Motor mit 1,8 PS sprang sofort an. Bernds Ziel an diesem späten Nachmittag war der alte Wasserturm neben der Grundschule von Pankow-Heinersdorf im Norden von Berlin. Dort stand die sowjetische Radaranlage zur Überwachung des Luftraumes von Berlin und des gesamten Umlandes, über die er weitere Informationen sammeln sollte.
Sein Herz schlug bis zum Hals, als er losfuhr. Die schlechte Straße, zum Teil noch mit Kopfsteinpflaster versehen, forderte seine volle Konzentration, so dass er sich ein wenig beruhigte.
Nach einer guten Viertelstunde war er am Ziel. Er stellte die Schwalbe in einer Nebenstraße ab, nahm seine Kamera aus der Satteltasche und schlenderte in Richtung Anlage. Auf dem Grundstück waren einige Uniformierte zu sehen. Hartmann machte diese als Soldaten der NVA, der nationalen Volksarmee, aus. Als er sich der Anlage bis auf fünf Meter genähert hatte, versuchte er, den Durchmesser der Parabolantenne zu schätzen.
»Schöne Antenne, nicht wahr?«
Hartmann zuckte zusammen. Ein NVA-Soldat hatte ihn von der anderen Seite des Zaunes gesehen und ihn angesprochen.
»Da bekommt man viele Radiosender mit, oder?«, entgegnete Hartmann.
Der NVA-Mann lachte.
»Ne, damit visieren wir den Flugverkehr an, hier und drüben.«
Der Mann zog an seiner Zigarette und schnippte sie dann weg. »Und nun verschwinden Sie, sonst muss ich Meldung machen.«
Hartmann wirkte sichtlich erleichtert.
»OK. Danke.«
»Nichts für ungut, Genosse.«
Hartmann warf einen letzten Blick auf die Umgebung. Dann drehte er um und ging zur Rückseite des Turms, wo einige Militärfahrzeuge parkten. Auch hier waren einige Wachsoldaten zu sehen. Insgesamt ca. 20 Soldaten als Wachmannschaft, versuchte er sich zu merken.
Hartmann schlenderte die Straße hinunter bis zur nächsten Abbiegung. Er machte noch ein paar Fotos von den Pflanzen am Wegesrand. Dort ging er einen weiten Bogen um die Radaranlage zurück zu seinem Moped. Er hatte genug gesehen.
Erleichtert, seine erste Aufgabe erledigt zu haben, startete er die Schwalbe und fuhr nach Hause. Das ist ja wirklich kinderleicht, dachte er. Ich muss nur ein wenig vorsichtiger an die Objekte herangehen. Das heute war zu ungestüm. Wenn der NVA-Mann schlechte Laune gehabt hätte, wäre es vielleicht unangenehmer geworden. Ich muss mir auch ein paar Ausreden zurechtlegen. Und der Fotoapparat muss immer dabei sein.
Mark Madsen fuhr wie jeden Tag in dieser Woche zu dem getarnten Briefkasten, um zu schauen, ob Post vom neuen Agenten aus Ost-Berlin gekommen ist. Heute lag ein Brief im Kasten. Na, da bin ich aber gespannt, dachte er. Madsen nahm den Brief und stieg wieder in sein Auto, einen BMW.
Nach einer halben Stunde hatte er die amerikanische Vertretung in der Clayallee erreicht. Er parkte sein Fahrzeug und ging in das Gebäude. Auf dem Weg zu seinem Büro traf er Darlene. Sie verabredeten sich für den nächsten Tag, um zusammen ins Kino zu gehen. Darlene schlug `Ein Rabbi im wilden Westen` mit Gene Wilder und Harrison Ford vor. Mark war es ziemlich egal, ihm war es nur wichtig, mit Darlene zusammen zu sein.
Nachdem er sein Büro betreten hatte, vergewisserte er sich, dass er ungestört war. Dann fing er an, den Umschlag zu untersuchen. Der Brief war zweifelsohne geöffnet worden. Mark fand aber keinerlei Spuren oder Beschädigungen. Er vermutete, dass die Kontrolleure heißen Wasserdampf benutzten. Als Absender stand Heinz Friedrich drauf. Ob die Adresse stimmte, wusste Madsen nicht. Hoffentlich hat er ans Verschlüsseln gedacht, hoffte Madsen. Er hatte schon viele Pannen erlebt. Aber seine Befürchtungen waren grundlos.
Nachdem er den Umschlag geöffnet hatte, zog einen Briefbogen heraus. Schnell erkannte er mit seinem geschulten Auge leichte Spuren, die auf eine Verschlüsselung hinwiesen. Dann begann er zu lesen.
Lieber Wolfgang,
das sind ja keine schönen Nachrichten von Tante Klara.
Ich wünschte, ich könnte euch helfen. Wäre ja auch für Sabine angenehmer. Aber leider ist das nicht möglich. Vielen Dank für die Briefmarke. Die hatte ich noch nicht. Bei mir gibt es sonst auch nichts Neues. Ich war gerade für zwei Wochen am Plattensee im Urlaub. Nun hat mich der graue Alltag wieder. Kommst du an die Briefmarkenserie zur Funkausstellung heran? Die wäre echt der Hammer. So, jetzt ist erst einmal Schluss. Du bist wieder dran mit Schreiben.
Oder ich höre anders von dir. Ist vielleicht besser, da ich immer noch schreibfaul bin. Liebe Grüße
Dein Heinz
Madsen machte sich umgehend an die Dechiffrierung des Briefes. Nach einer Viertelstunde war er fertig und las das Ergebnis.
Radaranlage wird von NVA bewacht. Ca. 50 Mann starke Mannschaft, wenn rund um die Uhr bewacht wird. Steht auf altem Wasserturm in Berlin Pankow. Ziemlich großes Modell. Zeichnet alle Flüge auf. Von Russen hier keine Spur. Bin angesprochen und dann verjagt worden.
Zufrieden lehnte sich Madsen im Stuhl zurück. Das Spiel hatte begonnen. Nun galt es, diesen Mann zu treffen, um ihm einige wichtige Tipps zu geben. Er war schließlich dort drüben auf sich alleine gestellt. Außerdem sollte er sein zugesagtes Geld bekommen. Rider schien schon darauf zu brennen, ihn kennenzulernen. Zunächst aber musste er ihm die Radiofrequenz senden. So wurde das Risiko mit den Briefen eingeschränkt. Phillips hatte bereits Einigung mit RIAS erzielt. Umgehend setzte er einen verschlüsselten Brief auf.
Nachdem er fertig war, leitete er die Botschaft von Hartmann an die zuständige Abteilung Aufklärung weiter. Dann musste er Rider informieren. Er sah auf die Uhr. Das wird ein langer Tag, dachte Madsen.
Kapitel 14
Hartmann zog die letzten Schrauben an der Motorabdeckung fest. Der alte Trabant sollte jetzt mit den neuen Zündkerzen wieder wie geschmiert laufen. Hartmann setzte sich auf den Fahrersitz und drehte den Ölhahn auf. Anschließend betätigte er den Zündschlüssel. Der Zweitakter sprang sofort an, und der Motor machte die normalen Geräusche. Zufrieden stellte Hartmann den Motor ab und stieg aus. Mit einem Lächeln ging er zu einem Mann, der am Garageneingang stand.
»Läuft wieder wie geschmiert, Herr Dr. Pawlick. Es waren lediglich die Zündkerzen, die erneuert werden mussten.«
Dr. Werner Pawlick war Anfang 50, leicht untersetzt. Auf seiner Nase saß eine mächtige Hornbrille mit dicken Gläsern.
»Na, da bin ich aber froh, ich hatte schon Angst, dass es richtig teuer werden könnte«, entgegnete Pawlick.
»Nein, nein.«
Hartmann winkte ab.
»Alles halb so wild. Sie bekommen dann eine Rechnung, wie immer«, sagte Hartmann und reichte dem Mann den Schlüssel.
»Vielen Dank, Herr…?«
»Hartmann, Bernd Hartmann.«
»Ja, vielen Dank, Herr Hartmann. Hier ist meine Karte, falls Sie mal einen Anwalt brauchen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.«
Pawlick nahm den Schlüssel und ging zu seinem Auto. Nachdem er sich angeschnallt hatte, startete er den Wagen und fuhr mit einem Winken aus der Garage. Hartmann sah hinterher und ging in die Sanitärräume, um sich die Hände zu waschen. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es bereits wieder Feierabend war. Er drehte nachdenklich die Visitenkarte in den Händen. Anschließend legte er sie in den Spind und kleidete sich um.
Der Tag ist wieder wie im Flug vergangen, dachte er. Hoffentlich ist zuhause endlich mal wieder was im Briefkasten. Auf jeden Fall geht es gleich zu Dagmar nach Hause. Wie sehr ich mich nach ihr sehne und das, obwohl ich sie schon so lange kenne, dachte er. Nachdem er sich umgezogen hatte, verabschiedete sich Hartmann wie jeden Tag von den Kollegen und setzte seine Schwalbe in Gang.
Endlich! Gespannt nahm Hartmann den Brief mit Absender Wiegand aus dem Briefkasten und eilte die Treppe hinauf zu der Wohnung. Er schleuderte seine Arbeitstasche in die Ecke und schaute, ob Dagmar zuhause war. Anscheinend machte sie noch ein paar Besorgungen. Hastig öffnete er den Brief und machte sich an die Dechiffrierung.
Instruktionen ab sofort montags 20.00 Uhr über RIAS 1 auf
Kurzwelle 6005 kHz. Wiederholung mittwochs 21.00 Uhr. Baldiges Treffen wird arrangiert. Gute Arbeit bisher.
Hartmann nickte zufrieden und merkte, dass es kalt war in der Wohnung. Er zündete den Holzkohleofen an, und als die Kohle gut durchgeglüht war, verbrannte er den Brief.
Was bin ich froh. Keine Briefe mehr im Kasten, dachte er. Ihn nie wieder mit zittrigen Händen öffnen. Das Radio konnte er leise abhören und sich Notizen machen. Aber beim Öffnen des Briefkastens kann mal jemand neben ihm stehen. Was wäre, wenn der Brief hinunter fällt? Vielleicht steht ja gerade der Hausvertrauensmann neben ihm und hebt ihn auf. Und dann sieht er den Absender aus dem Westen. Hartmann liefen bei dem Gedanken kalte Schauer über den Rücken.
Er hörte, wie die Tür aufging und Dagmar hereinkam. Sie trug zwei Plastiktüten mit Lebensmitteln, die sie in die Küche brachte. Dann kam sie zu ihm, um ihn zu begrüßen.
»Hallo, Schatz.«
Sie schmatzte ihm einen Kuss auf den Mund.
»Wie war dein Tag?«
»Gut«, sagte Hartmann und lächelte zufrieden.
»Was gibt es zu essen?«
Nach dem Abendessen wollte Dagmar noch ein wenig stricken. Der Winter kommt mit großen Schritten, hatte sie prophezeit. Bernd fragte nicht nach, was genau sie fabrizierte. Im letzten Winter gab es mit dicken Socken und einem langen, bunten Schal eine schöne Weihnachtsüberraschung. Er zog sich in die Küche zurück und holte das Grundig-Radio von Siegfried hervor, welches er in der Eckbank versteckt hatte.
Nach kurzer Suche hatte er die Frequenz von RIAS Berlin gefunden. Er achtete darauf, nicht zu laut zu stellen. Westliche Musik wurde nicht besonders gerne gehört, und er wollte auf keinen Fall auffällig werden.
»Das war Thin Lizzy mit Whiskey in the Jar. Und bevor wir jetzt mit einem Klassiker der Rockgeschichte weitermachen, hier ein Gruß vom Wolfgang an den Heinz. B99OO H7Z66 J6666 44RR44T2 Z00ZZOO 4431123 GT44RT55 ZZE33SS.«
Aufgeregt notierte sich Hartmann die Nachricht, die vom Radiosender erklang. Mittlerweile war er geübt in der Dechiffrierung der Nachrichten, so dass er nach kurzer Zeit den Klartext vor sich liegen hatte.
Beim Lesen der Kurzmitteilung stieß er einen kurzen Pfiff aus.
01.11. 15.00 Uhr Tierpark Friedrichsfelde bei den
Sibirischen Tigern.
Hartmann dachte nach. Die wollen mich also kennen lernen. Siegfried hatte es ja gesagt, dass das kommt. Ich treffe mich mit dem Feind hier im Osten. Hoffentlich geht das gut. Und ich bekomme auch sicherlich mein erstes Geld. Nachdenklich lehnte er sich zurück. Nach einem kurzen Augenblick stand er auf und verbrannte seine Notiz im Holzkohleofen.
In der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit in Ost-Berlin herrschte helle Aufregung.
»Haben sie das mitgeschrieben, Gefreiter?«, schrie Hauptmann Kemmer.
Der Gefreite nahm erschrocken seine Kopfhörer ab und fing an zu stammeln.
»Nein, Genosse. Es ging alles viel zu schnell. Ich konnte doch nicht ahnen……«
Hauptmann Kemmer winkte ab.
»Dann frage ich wegen Störfunk besser nicht nach. Rufen Sie umgehend Oberstleutnant Schrelle an. Sagen Sie, es ist von höchster Wichtigkeit. Er muss sofort hier erscheinen.«
Hauptmann Kemmer stürmte aus dem Funkraum. Es war lange ruhig im Westen. Zu lange. Und auf einmal wurde eine verschlüsselte Nachricht über RIAS durchgegeben.
Es war schon weit nach Mitternacht. Die Gemüter hatten sich beruhigt. Oberstleutnant Schrelle hat das Verpassen der Nachricht mit Fassung getragen. Im Grunde war er genauso überrascht wie alle anderen auch.
Doch ab sofort war man vorbereitet. Wenn die nächste verschlüsselte Nachricht gesendet wurde, sollte umgehend ein Störfunk rausgelassen werden. Alle Mitarbeiter der Aufklärung wurden informiert und hatten ab sofort zu zweit Dienst.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.
