Kitabı oku: «Im Auftrag des Feindes», sayfa 3
Bernd verzog ein wenig den Mund.
»Kontakte zu Freunden oder Verwandten gibt es eher weniger. Einige mögen Dagmar nicht, weil sie gerne redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Zu Weihnachten fahren wir immer zu Dagmars Eltern. Meine Eltern lebten zuletzt in Rostock. Sind beide bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Das war ein ziemlicher Schlag für mich. Mein Vater war im Ortsvorstand der SED und jammerte mir immer wieder die Ohren voll, wie schön er es fände, wenn ich mich auch ein wenig politisch engagieren würde. Ich habe allerdings nach meiner Zeit bei der FDJ keinerlei Interesse mehr auf staatliche Einrichtungen. Es interessiert mich einfach nicht. Ich will in Ruhe gelassen werden. Aber nach Vaters Tod meldete sich mein Gewissen. Ich habe mit mir gerungen, mich in der Partei zu engagieren. Sozusagen als Dankeschön an meine Eltern. Letztendlich habe ich es gelassen.«
Siegfried hakte nach.
»Und Dagmars Eltern. Wo leben die?«
Bernd grinste.
»Die sind eigentlich ganz in Ordnung. Sie wohnen in Brieselang, das ist nur eine halbe Stunde von uns entfernt. Dann und wann besuchen wir sie. Von ihnen haben wir den Wagen für den Urlaub bekommen. In Berlin fahren wir meist Straßenbahn. Wenn es schön ist, habe ich noch eine Schwalbe, mit der ich zur Arbeit fahre.«
»Was arbeitet ihr? Ich bin Unternehmensberater. Selbstständig also.«
»Ich bin Kfz-Mechaniker. Dagmar arbeitet als Schneiderin. Durch sie kommen wir billig an Kleidung.«
Heine schaute auf sein Weinglas und drehte es am Fuß ein wenig. Nachdenklich blickte er auf.
»Sag mal, Bernd, wenn ich dir eine Sache anbieten könnte, die dir ein wenig Geld mehr im Monat bringt, wärst du interessiert? Dann wäre auch irgendwann der Farbfernseher drin, soviel wird es dann schon sein.«
Hartmann schaute seinem Gegenüber neugierig in die Augen.
»Mehr Geld kann nie schaden. Es ist ja nicht so, dass wir keine Träume haben. Womit kann ich dir denn von der DDR aus helfen? Du weißt, dass ich von drüben aus eingeschränkt bin. Ich möchte auch nicht unangenehm auffallen. Die sind bei uns schon sehr darauf bedacht, alles unter Kontrolle zu halten.«
Heine beobachtete seinen Freund. Anscheinend hatte er angebissen. Zumindest grübelte er nach.
»Ich sehe, wie du deine Stirn runzelst. Es ist ganz simpel. Selbst von der DDR aus. Komm, ich erkläre es dir. Ich bin fest davon überzeugt, dass es dir gefallen wird«, sagte der gemütliche Österreicher.
Nun kommt es drauf an, dachte Heine.
»Also. Als Unternehmensberater arbeite ich auch für staatliche Unternehmen. Eines davon hat Interesse daran, zu wissen, was in der DDR und besonders in Ostberlin vor sich geht. Du würdest regelmäßig Briefe bekommen, in dem die Wünsche der Firma drin stehen. Du gehst dann los, schaust nach und schreibst die Sachen für die Leute auf. Das Ganze ist ungefährlich für dich, da du es verschlüsselt bekommst und auch verschlüsselt zurückschickst. Kein anderer außer dir und der Firma wissen, was geschrieben steht.«
Hartmann schaute ein wenig misstrauisch. Er schien zu überlegen. Der Österreicher schaute ihn gespannt an. Das ist der entscheidende Moment, dachte er. Wenn er jetzt anbeißt, habe ich ihn.
»Wie bei For Eyes Only – Streng geheim mit Armin Müller-Stahl? Den habe ich neulich im Fernsehen gesehen. Ist ein Agentenfilm. Das klingt bei dir jedenfalls auch so. Ist es so etwas?«
»Naja, den Film kenne ich nicht. Aber ein wenig wie ein Agent wärst du schon. Und wie gesagt: Es lohnt sich für dich und ist völlig ungefährlich. Das Verschlüsseln ist kinderleicht. Das bringe ich dir schnell bei. Keiner wird etwas wissen oder ahnen können. Also, wenn ich du wäre….«
Hartmann nahm einen Schluck Rotwein, sah auf sein Glas in der Hand und hielt es Heine hin. Heine schenkte grinsend nach.
»Du hast doch Träume. Was ist denn dein größter Traum?«
Hartmann musterte das Glas in seiner Hand und schaute den Rotwein durch das Licht an. Heine überlegte, was wohl in ihm vorging.
»Freiheit.«
Die Antwort überraschte Heine. Er sah Hartmann verblüfft an. Dieser merkte es aber nicht und erzählte verträumt weiter.
»Freiheit ist ein ganz großer Traum für mich. Einfach ohne diese ganzen Zwänge leben. Reisen, wohin man möchte, ohne vorher irgendwo eine Erlaubnis einzuholen. Glaubst du, das wäre durch diesen Job eines Tages möglich?«
Heine zuckte mit den Schultern.
»Warum nicht? Vielleicht machst du deine Sache ja so gut, dass die Firma dich in ihren Reihen haben möchte. Man soll niemals nie sagen.«
»Freiheit.«
Hartmann sagte dieses Wort zu sich selbst. Er blickte auf und sah Heine in die Augen.
»Ich wünschte, es würde wahr. Ich werde mich ins Zeug legen für diese Firma.«
Heine lächelte.
»Dann stoßen wir darauf an. Versuchen wir es. Und vertrau mir. Du wirst es nicht bereuen. Ganz bestimmt nicht.«
Die nächsten zwei Abende verbrachten die Freunde damit, Hartmann die Grundkenntnisse eines Geheimagenten zu vermitteln. Wenn Dagmar sich müde zurückgezogen hatte, legten sie los. Hartmann lernte das Dechiffrieren und das Abfassen von Geheimbriefen. Nebenbei floss literweise der ungarische Rotwein.
Kapitel 9
Einen Abend hatte Siegfried die beiden Ost-Berliner zum Essen eingeladen. Die drei steuerten ein ungarisches Lokal an. Siegfried betonte, schon oft hier gewesen zu sein, und lobte das Essen als einmalig gut.
Der Wirt empfing seine Gäste auch dem entsprechend. Nach der überschwänglichen Begrüßung brachte er wie selbstverständlich eine Flasche Weißwein. Siegfried nahm ihn gleich zur Seite, und flüsterte ihm einige Worte ins Ohr. Der Wirt nickte, und ging wieder.
»Mal kurz zur Erklärung, ihr beiden. Eine Speisekarte wird Lajos nicht bringen. Ich habe die Bestellung schon aufgegeben. Ihr werdet staunen, was für wunderbare Sachen in dieser kleinen Küche gezaubert werden. Und nun lasst uns auf einen schönen Abend anstoßen.«
Er hob sein Glas. Dagmar und Bernd stießen mit ihm an.
»Ich bin schon ganz gespannt, was du uns hier servieren lässt. Außer Palatschinken kenne ich eigentlich gar nichts. Wir haben uns sonst immer selbst etwas gekocht am Zelt«, sagte Dagmar.
»Die ungarische Küche ist äußerst würzig. Ich hoffe, ich enttäusche euch nicht, wenn es keinen Fisch gibt. Wir sind zwar hier am See, aber bei Fisch bin ich immer sehr vorsichtig. Aufgepasst, es geht los.«
Der Wirt brachte einen großen Teller mit unterschiedlichen Wurstsorten darauf.
»Lajos, erklärst du meinen Gästen bitte, was du uns hier Schönes gebracht hast.«
Lajos nickte und erklärte in gebrochenen deutsch.
»Wir hier haben véres hurka, das ist Blutwurst. Májas hurka, eine Leberwurst. Eine gute Debreziner. Kolbász, das ist Paprika, sehr pikant. Dazu Tarhonya und für guten Geschmack Erós Pista.«
Siegfried rieb sich die Hände und sah zu Lajos auf.
»Danke, mein Freund. So ihr beiden, dann lasst uns alles kosten.«
Nachdem der Vorspeisenteller leer war, orderte Siegfried noch eine weitere Flasche Wein.
»Das Zeug ist toll gewürzt, aber macht sehr durstig.«
Bernd nickte zustimmend und leerte sein Glas mit einem Zug.
»Können wir noch ein Wasser dazu bekommen, sonst bin ich bald betrunken«, merkte Dagmar an.
»Natürlich, meine Liebe«, antwortete Siegfried und bestellte bei Lajos noch eine Karaffe Wasser.
Als Hauptspeise gab es dann Pórkólt, eine Art Gulasch mit Túrógombóc, sogenannte Topfenbällchen mit Sauerrahm. Die Freunde genossen die ihnen unbekannten Gerichte.
»Wirklich sehr lecker, Siegfried. Ich glaube, ich bekomme nichts mehr runter«, stöhnte Dagmar nach dem zweiten Gang.
»Ich lass euch eine kleine Pause, aber um den Nachtisch kommt ihr nicht herum«, lachte Siegfried.
Nach einer Weile servierte Lajos dann das Dessert.
»Der Höhepunkt eines jeden Mahles bei Lajos«, freute sich Siegfried. »Esterházy-Torte. Bring uns dazu doch bitte einen Mokka.«
Nach dem Essen ließ Siegfried noch einen Barack kommen, einen Aprikosenschnaps.
»Der ist zur Verdauung nötig. Es gibt nach diesem Essen nichts Besseres. Prost.«
Die beiden Ost-Berliner hatten das Gefühl, sich nicht mehr bewegen zu können. Als sie auf dem Fußweg ins Ferienhaus waren, ging Dagmar extra langsam, um tief durchzuatmen. Nachdem die Hartmanns sich überschwänglich bei ihrem Gastgeber bedankt hatten, zogen sie sich auf ihr Zimmer zurück.
»Hast du das gesehen?«, wetterte Dagmar.
»Was meinst du denn?«, fragte Bernd, in diesem Moment nicht wissend, was seine Frau zu Meckern hatte.
»Na, dieses Bündel Geldscheine von Siegfried. Der hat dem Ungar einen dicken Batzen Geld für das Essen gegeben. Was meinst du denn, warum der so freundlich war und sich so bemüht hat, um diese ganzen Sachen zu servieren. Ich sage dir, wenn wir ins diesem Lokal alleine gesessen wären, der hätte uns doch mit dem Arsch nicht angeschaut. Das ist der Kapitalismus, das ist genau so gewesen, wie die Genossen es immer beschrieben haben. Jetzt verstehe ich erst, was damit gemeint ist. Ohne Geld bist du ein Niemand. Und dagegen kämpft unser System, unser Arbeiter- und Bauernstaat.«
Bernd nahm Dagmar in den Arm.
»Nun beruhigt dich mal. So ist das nun mal. Das änderst du auch nicht, wenn du dich jetzt so aufregst.«
Dagmar gab Bernd einen Kuss und ging ins Badezimmer. Bernd setzte sich auf die Bettkante und las in dem Buch, was er sich mitgebracht hatte. Als Dagmar im Bad fertig war, putzte sich Bernd die Zähne und kam dann ins Bett.
»Hast du dich beruhigt?«, fragte er vorsichtig.
Dagmar sah ihn an und lächelte.
»Mach das Licht aus«, sagt sie und schloss die Augen.
Heine war beeindruckt, wie schnell Hartmann lernte. Nach vier Tagen, Dagmar war in der Küche und wusch das schmutzige Geschirr vom Essen ab, nahm Heine Hartmann nochmals zur Seite.
»Ich habe es zu Anfang nicht erwähnt. Du erfährst über das Radio, was du anschauen sollst. Das Radio gebe ich dir mit. Zu einer bestimmten Zeit auf einer bestimmten Frequenz wirst du eine verschlüsselte Botschaft erhalten. Nachdem du alles analysiert hast, verfasst du einen Geheimbrief und sendest ihn an eine imaginäre Adresse. Dort wird keiner wohnen, nur ein Briefkasten ist belegt. Dort wird deine Post regelmäßig abgeholt und ausgewertet. Ein Kinderspiel. Zu Anfang wirst du allerdings ein bis zwei Briefe bekommen. Spätestens im zweiten Brief findest du die Informationen, wann auf welchem Sender deine Botschaften gesendet werden.«
»Na, dann kann ich ja kaum erwarten, dass es losgeht. Was mache ich mit den Briefen? Zerreißen?«
»Die Briefe musst du gleich nach dem Lesen verbrennen. Du darfst schließlich keine Spuren hinterlassen. Lasse also niemals irgendetwas liegen, sondern vernichte es sofort. Bis auf das Codebuch, was ich dir mitgebe. Das musst du ziemlich gut verstecken. Das darf definitiv nicht in die Hände von Fremden fallen.«
Bernd nickte verstehend.
»Wie läuft das mit der Bezahlung?«
»Dein erstes Geld bekommst du persönlich überreicht. Die im Westen werden dich einmal treffen wollen, um dich kennen zu lernen. 6000 Ostmark, 50 Westmark, dazu ein Konto im Westen und das monatliche Gehalt eines Soldaten. Aber vorsichtig, mein Lieber. Werde nicht verschwenderisch und kaufe dir plötzlich Unmengen von Sachen. Das würde auffallen, und ich glaube, dein Leben wäre dann nicht mehr so angenehm. Nimm nur gelegentlich etwas von dem Geld, wenn du etwas dringend brauchst. In ein paar Jahren sind es halt Ersparnisse, und dann fällt es nicht mehr so auf.«
»In Ordnung.«
Hartmann nickte.
»Ein Konto im Westen. Verrückt!«
Hartmann schaute verträumt auf sein Weinglas.
»Dann lass uns anstoßen. Und viel Spaß, alter Agent«, sagte Heine lachend.
Dagmar hatte in der Küche aufgeräumt und kam nun hinzu.
»Na, ihr beiden, was seid ihr so fröhlich?«
»Bernd hat mich bei unserem Spiel heute das erste Mal besiegt, stimmt´s Bernd?«
Siegfried hob das Glas in Bernds Richtung.
»Ja, Schatz. Es war zwar schwer, aber ich bin halt ein Gewinner.«
»Das ist mir neu«, erwiderte Dagmar lachend.
An den letzten beiden Abenden bekam Bernd immer wieder verschlüsselte Schreiben von Heine, um das Dechiffrieren zu üben. Immer dann, wenn Dagmar sich um die Küche kümmerte oder müde nach oben in ihr Schlafzimmer ging. Das hatte sich so eingebürgert. Siegfried kochte, Dagmar räumte auf und wurde vom Rotwein schnell müde. Meist machte Siegfried absichtlich mehr schmutzig als nötig, damit er und Bernd mehr Zeit hatten. Nach einer Weile klappte es mit dem Dechiffrieren schon sehr gut.
»Mensch, Bernd. Du bist zum Agenten geboren. Es ist sehr einfach, wenn man weiß, wie es funktioniert. Was denkst du?«
»Ich denke, mein lieber Siegfried, dass ich startklar bin.«
»Dann übergebe ich dir mal die Sachen, die du brauchst. Die Dinge musst du irgendwie nach Hause schmuggeln. Am besten in der Schmutzwäsche versteckt. Als erstes ein Kofferradio von Grundig mit Ohrhörern. Damit hörst du die Nachrichten an dich ab. Hier ist dein Codebuch. Dazu gibt es dieses Frühstücksbrett. Ist ziemlich dick, ist aber Absicht. Das ist manipuliert, sieh mal.«
Der Österreicher klappte das Brett in zwei Hälften. Der Innenteil war ausgearbeitet, so dass das Codebuch hinein passte.
»Und nun noch ein paar Blatt Geheimpapier für das Schreiben der Briefe. Damit bist du bestens ausgerüstet. Dein Codename lautet Heinz Friedrich. Auch das solltest du dir unbedingt merken. Heinz Friedrich.«
Hartmann betrachtete die Dinge mit erstauntem Blick.
»Was ich dich nochmal fragen wollte, ohne dir zu nahe treten zu wollen. Hast du jemals an Flucht gedacht?«
Bernd lächelte.
»Manchmal denke ich schon daran, wie es wäre, im Westen zu leben. Aber wegen der Familie meiner Frau und den Repressalien, die sie zu erwarten hätten, kommt eine Flucht nicht in Frage. Uns geht es ja soweit auch nicht schlecht.«
»War auch nur eine Frage, keine Aufforderung, alter Freund«, lachte Siegfried.
»Na, ihr großen Kinder, spielt ihr wieder euer Spiel?«
Dagmar war wie immer in der Küche fertig und kam mit einem Glas Wein dazu.
»Was ist das?«, fragte sie Bernd und zeigte auf das Radio und die anderen Sachen, die Siegfried ihm gegeben hatte.
»Schau mal, ein West-Radio. Hat uns Siegfried geschenkt. Das andere ist nur ein Buch zu unserem Spiel.«
»Versteckt es gut, damit es euch bei der Heimreise morgen nicht sofort wieder abgenommen wird, das ist nämlich ein richtig gutes Radio. Das neueste vom Neusten sozusagen.«
»Das kriegen wir hin, nicht wahr, Schatz?«, sagte Dagmar und kraulte ihrem Mann den Nacken.
Kapitel 10
Madsen saß in seiner kleinen Wohnung und sah fern, als es an der Tür klopfte. Er stellte den Ton ab und stand auf, um nachzusehen, wer da etwas von ihm wollte. Er öffnete die Tür und sah einen Botschaftsmitarbeiter vor sich stehen.
»Guten Tag, Herr Madsen. Der Botschafter Jonathan Brinks wünscht, Sie zu sehen.«
Madsen nickte.
»Sagen Sie ihm, ich komme sofort.«
Er schloss die Tür und ging zum Fernseher, um ihn auszuschalten. Anschließend nahm er seine Jacke vom Kleiderbügel an der Garderobe, versicherte sich, dass seine Zigaretten in der Jackentasche waren, nahm seine Schlüssel und verlies seine Wohnung.
Madsen klopfte an. Die Tür wurde vom Botschafter selbst geöffnet, der anscheinend auf ihn wartete.
»Madsen, schön dass Sie so schnell kommen konnten. Kommen Sie bitte herein.«
Madsen folgte Brinks zu seinem Schreibtisch, vor dem bereits ein Mann saß.
»Ich darf Sie kurz vorstellen, Michael Madsen. Das ist John Rider.«
Brinks legte seine Hand auf den Arm des Fremden, der sich erhob und Madsen die Hand reichte.
»Kaffee?«
Madsen nickte und schaute neugierig zu dem fremden Mann. Nachdem Brinks Madsen eine Tasse frischen Kaffee eingeschenkt hatte, zeigte er auf den freien Stuhl vor seinem Schreibtisch.
»Bitte setzen Sie sich.«
Brinks schob Madsen eine Akte zu und lächelte. Madsen nahm sie und blätterte die erste Seite auf. Nach einigen Schlucken Kaffee und dem Studium der Akte meldete sich der Botschafter zu Wort.
»Da ist alles enthalten, was Sie über Mr. Rider wissen müssen. Ihr Chef in Langley hat ihn uns entsandt mit seinen besten Empfehlungen. Er soll sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Rider hat bereits in Berlin gearbeitet, Sprache und Menschen sind ihm nicht fremd. Da Sie ja als offizieller Botschaftsmitarbeiter tätig sind, soll Rider die Sachen erledigen, die sie als Offizieller besser nicht tun sollten.«
»Dann sollte er das freie Büro neben meinem bekommen.«
»Schon erledigt. Darlene hat sich bereits um alles gekümmert. Auch die Wohnung liegt direkt neben der Ihren.«
Madsen musste beim Gedanken an Darlene lächeln. Er sah zu Rider und fragte sich, ob Darlene ihm auch den Kleiderschrank so schön eingeräumt hatte.
Madsen trank seinen Kaffee aus und stand auf. Er reichte Rider, der sich ebenfalls erhob, die Hand.
»Na dann, ich kann jede Unterstützung gebrauchen. Auf gute Zusammenarbeit. Sie kommen am besten gleich mit mir.«
Brinks sah vom Schreibtisch aus zu, wie die Männer das Büro verließen, und lächelte zufrieden.
Madsen hatte sich durch Riders beeindruckende Akte gearbeitet. Er war bereits seit 6 Jahren bei der Agency und hatte auch in Berlin schon diverse Aufträge erledigt. Er galt als absolut zuverlässig, und ihm wurde eine große Zukunft bei der CIA vorausgesagt.
Nun galt es, ihn in die aktuellen Geschehnisse einzubinden. Es stand ein Treffen mit Siegfried Heine in Wien an. Madsen war mitten in den Vorbereitungen auf das Gespräch und beschloss, Rider dorthin mitzunehmen. Aber als erstes musste er ihn auf den aktuellen Stand der Dinge bringen. Einen Teil wusste er bereits, den Rest konnte er ihm während des Fluges nach Wien erzählen.
Hoffentlich war Heine auch erfolgreich, dachte Madsen. Ich brauche so langsam etwas Nachweisbares, sonst bin ich schneller wieder in den Staaten, als mir lieb ist.
Der Flug war kurz und angenehm. Madsen und Rider nahmen am Flughafen ein Taxi und ließen sich zum Prater bringen. Nachdem sie bezahlt hatten, gingen sie noch ein ganzes Stück zu Fuß zum verabredeten Treffpunkt. Mehrfach blickten sich die Männer vorsichtig um, blieben an Schaufenstern stehen, um in der Scheibe nach potentiellen Verfolgern Ausschau zu halten. Diese Sicherheitsmaßnahme schien allerdings nicht notwendig zu sein. Unbesorgt betraten sie das Café. Heine wartete bereits im hinteren Teil, von wo er den Raum gut überblicken konnte.
Als die beiden Amerikaner an den Tisch herantraten, stand er auf und reichte Madsen die Hand.
»Hallo Mark.«
»Hallo Siegfried, du siehst gut aus. Wie war der Urlaub?«
»Erholsam und erfolgreich.«
»Ich darf euch erst einmal vorstellen. Siegfried Heine.
John Rider. John ist meine rechte Hand in Berlin. Aber setzen wir uns doch.«
Als sie saßen, fragte Madsen neugierig nach.
«Wie ist es gelaufen? Kannst du uns einen Mann präsentieren?«
»Es wird dich freuen zu hören, dass ich den Rekruten gewinnen konnte.«
Die Bedienung im kleinen, aber durchaus charmanten Café kam an den Tisch. Heine hatte den Platz bewusst ausgewählt, damit die Männer sich ungestört unterhalten können. Zum einen war man hier durch den regen Publikumsverkehr am Wiener Wahrzeichen völlig unauffällig. Zum anderen kannte er die Gegend wie seine Westentasche. Durch das Fenster des Cafés hatte Heine einen sehr guten Überblick und konnte schnell reagieren, falls es den Anschein nahm, dass die Männer beobachtet wurden. Alle drei bestellten Wiener Melange. Als die Bedienung gegangen war, wandte sich Heine an Madsen.
»Ich habe ihm bereits die erste Aufgabe zukommen lassen. Die Absenderadresse ist der Briefkasten am Mehringdamm, wie besprochen. Du solltest aber schleunigst den Radiosender klarmachen, damit mein neuer Freund durch die viele Post aus dem Westen nicht auffällig wird«, sagte er.
Madsen nickte. Der CIA-Agent wusste nur zu gut um die Gefahr, der Hartmann ausgesetzt war.
»Das mache ich so schnell wie möglich, ich denke, wir können ihm nächste Woche einen weiteren Brief mit der Frequenz senden. Mit der Entschlüsselung kommt er hoffentlich klar?«
»Kein Problem. Mein Freund hat eine hohe Auffassungsgabe. Hier sind die persönlichen Daten von ihm. Mir ist es auch gelungen, ein Andenkenfoto von ihm und seiner Frau zu schießen. Die abgesprochenen finanziellen Dinge übernehmen wir nach Absprache. Ich werde versuchen, ihn gelegentlich zu besuchen und den Kontakt zu halten. Wie du weißt, komme ich als Handelsreisender viel herum, auch in der DDR.«
Heine überreichte Madsen eine Akte.
»Das geht in Ordnung. Gute Arbeit. Aber ich habe von dir nichts anderes erwartet. Danke.«
Madsen lächelte Heine an.
»Wie stehen die Chancen auf weitere Anwerbungen? Wir brauchen noch weitere Hilfe, besonders in Dresden, Cottbus, Rostock und Karl-Marx-Stadt. Natürlich erst, wenn der Neue konstant und unproblematisch läuft.«
Die Bedienung brachte den Kaffee. Madsen zahlte sofort und wartete, bis die Bedienung sich wieder entfernt hatte.
Heine nickte.
»Ich werde zusehen, was sich machen lässt. Ich melde mich wieder. Wir sollten aber jetzt unser Hauptaugenmerk auf den Berliner legen. Danach sehen wir weiter.«
Madsen nickte zustimmend.
»Da gebe ich dir Recht. Dann bin ich mal gespannt, was dein neuer Freund so zu berichten hat. Wie geht es Sabine und den Jungs?«
Wie Madsen wusste, war Heine geschieden und hatte zwei Söhne, acht und elf Jahre alt.
»Erfreuen sich bester Gesundheit. Ich bin froh, dass ich mit Sabine nach all dem Zirkus mit der Scheidung wieder einen normalen Umgangston pflegen kann. Erst am letzten Wochenende waren die Jungs bei mir. Es sind schon prächtige Burschen.«
Madsen nickte zustimmend, während er die Tasse Kaffee leerte. Er hatte Sabine bei ihrem letzten beruflichen Zusammentreffen kennen gelernt.
»Schön. Siegfried, so leid es mir tut, aber ich muss wieder los. Ich melde mich bei dir. Bis dahin viel Glück, auch für deinen Freund.«
»Ok, Mark. Und vielen Dank für den Kaffee«, sagte Heine.
»Geht wieder auf Kosten der Firma«, grinste Madsen.
Er nahm die Akte an sich und stand auf. Rider und Heine erhoben sich ebenfalls, und alle schüttelten sich die Hände. Anschließend verließen die Amerikaner das Cáfe. Heine wartete noch fünf Minuten und ging dann ebenfalls.
