Kitabı oku: «Wellen meines Lebens», sayfa 4
Aber auch in der Besamungsstation für Rinder war es ganz interessant. Da standen die Riesenbullen, die „abgesamt“ wurden und mit deren verschickten Sperma unsere Kühe dann vom Besamungs-Techniker künstlich besamt wurden. Auch eine örtliche Molkerei besuchten wir und bestaunten die Technik, welche die Milch durchlaufen muss, bis sie in die Läden zum Verbraucher gelangt.
Wir stellten fest, dass die Kühe Musik liebten und dann auch die Milchleistung stieg. Am liebsten hatten sie klassische Musik. Aber auch für unsere Bedürfnisse spielte immer ein Radio während des Melkens. Imposant war, wenn es Nachrichten gab und alle Kühe die Köpfe hoben, als hörten sie zu.
1mal pro Monat war Milchkontrolle. Da wurden von jeder Kuh der Fett- und Eiweißgehalt in der Milch und die Milchmenge gemessen in Milchproben. Dazu mussten die Kühe, die alle Nummern hatten an den Halsbändern, aufgeschrieben werden. Ich hatte ein sehr gutes Zahlengedächtnis und konnte schon anhand der Euter sagen, wer, wer war. Das erleichterte die Sache ungemein, da man dann nicht mehr den engen Gang hinter den Futtertrögen gehen und jede Kuh zum Kopfheben animieren musste, um die Nummer zu sehen. Das sparte viel Zeit. Nach Auswertung der Proben wurden dann die Tiere wieder neu zusammengestellt nach Leistung, neue Futterpläne erstellt und die Tiere herausgesucht, die trockengestellt werden mussten, da ihr Kalbetermin in 8 Wochen dran war. Eine Exkursion in eine Molkerei war, wie schon erwähnt, auch Bestandteil, unserer theoretischen Ausbildung. Wir sollten erfahren, was alles aus der Milch hergestellt werden konnte und welche Rolle die Milchqualität dabei spielte.
Es wurden natürlich auch Wettbewerbe im Leistungsmelken durchgeführt, Prüfungen in Fütterung, Auseinander- und Zusammenbau von Melkzeugen und Wartung der Technik durchgeführt. Hand und Maschinen-Melken waren weitere Prüfungen. Ebenso waren natürlich auch theoretische Fragen Teil der Prüfungen. Auf Kreis- und später auch Bezirksebene machte ich mich da sehr gut und erzeugte einen Teil meiner Aussteuer bei den Siegerehrungen. Geldpreise gab es nicht, nur Sachpreise, auf die ich heute noch stolz bin. Auch die Urkunden und Medaillen habe ich noch als Andenken behalten. Ich lernte bei den höheren Wettkämpfen auch andere Anlagen kennen, was sehr interessant war. Im 2. Lehrjahr wurde ich auf Bezirksebene auserwählt als bester Lehrling meiner Branche und erhielt als Auszeichnung eine Reise nach Leningrad für 8 Tage. Das war eine aufregende Sache. Mit dem Zug waren wir 2 Tage unterwegs. Als wir auf russischem Gebiet waren, mussten die Achsen unter dem Zug getauscht werden, da es in Russland nur Schmalspurgleise gab. Auch des Nachts schliefen wir im Zug. Ich hatte mich mit einem Mädchen aus Neubrandenburg angefreundet, die ich schon in Berlin auf dem Bahnhof kennengelernt hatte. Wir bewohnten dann auch in Leningrad im Hotel gemeinsam ein Zimmer und verstanden uns super. Wir bestaunten den Panzerkreuzer „Potemkin“, besuchten die „Ermitage“, die „Peter-Pauls-Festung“, fuhren über den „Newski-Prospekt“ bei der Stadtrundfahrt und besuchten den Friedhof der gefallenen Soldaten. In unserer Freizeit erkundeten wir die riesige überdachte Einkaufspassage. Dort kauften wir dann auch Andenken für unsere Familien und für uns. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, was mir sehr lange in Erinnerung blieb. Den Heimweg in die DDR legten wir per Flugzeug zurück. Von Berlin aus ging es dann per Zug in den Heimatort. In der Schule hatten wir ja ab der 5. Klasse bis zur 10. Klasse Russisch-Unterricht. Wir kamen mit unseren Kenntnissen auch ganz gut voran in Leningrad, hauptsächlich beim privaten Einkauf. Ansonsten hatten wir Dolmetscher bei den Museumsführungen und bei der Stadtbesichtigung. Danach trennten sich unsere Wege wieder.
Der theoretische Berufsschulunterricht fand im Blockunterricht in der Stadt statt. Da konnten wir dann auch zu Hause wohnen. Während der praktischen Ausbildung waren wir zu viert in Internatszimmern untergebracht. Im oberen Stockwerk alle Mädchen und unten die Jungs. Natürlich des Nachts waren alle Türen unter Verschluss.
Die Internatsleitung (Oma Johanna und Opa Gerhard genannt) achtete da sehr auf Zucht und Ordnung. Aber wir fanden trotzdem Wege, den Anordnungen entgegenzutreten. Dazu aber später.
Das Erlernen zum Führen von Landmaschinen stand eigentlich auf freiwilliger Basis auch im Lehrvertrag, Die theoretische Prüfung bestand ich spielend. Die Stunden dazu wurden im Kinosaal des Ausbildungsortes abgehalten.
Aber für die praktischen Übungsfahrten standen 2 „ZT 300 Schlepper“ zur Verfügung.
Nun war ich ziemlich klein und gar nicht in der Lage, an die Pedale dieser großen Traktoren mit den Beinen heranzureichen. Ich hätte fast liegen müssen und damit wäre mein Blick aus der Frontscheibe unterbunden gewesen. Da führte kein Weg dran vorbei, denn der Sitz ging nicht für meine Größe einzustellen, dass ich vernünftig hätte fahren können. Andere Trecker gab es nicht. Also musste ich dieses Unterfangen leider aufgeben.
Das Weidetreiben war anfangs eine sehr beängstigende Angelegenheit während der Frühschicht. Nur bei Mond- oder Sternenlicht, mit meistens außer Funktion seienden Taschenlampen bewaffnet, mussten wir dann die Standorte der verschiedenen Herden erst mal anhand der Weidenamen kennenlernen. Ein Facharbeiter stand zu Beginn helfend zur Seite. Die Weiden nannten sich dann z. B. Erlenkoppel, Kastanienkoppel, aber auch Mordkoppel, Henkersweg u. a. Ich fragte meinen zukünftigen Schwiegervater nach der Herkunft dieser ominösen Namen. Aber der sagte, dass das mit der Nachkriegszeit zusammenhinge, als die Nazis vor den Russen auf der Flucht waren und an diesen Stellen dann manchmal erwischt und aufgehängt wurden. Seitdem haben sich die Namen der Koppeln auch gehalten.
Kühe verhalten sich auf der Weide sehr leise. Nun war es ja auf den Hauptwegen auch so manches Mal nötig, Drähte zu verändern, um den Herden den richtigen Weg zu weisen. Die Koppeln wurden von der Spätschicht abends immer offen gelassen, nur die Hauptwege wurden zugemacht, damit die Kühe nicht alleine in die Anlage gelangen konnten. Der Weidetreiber der Frühschicht musste dann die Zäune öffnen, um zu den Weiden zu gelangen. Aber bei den Hochleistungskühen drückte die Milch.
So machten sich die Herden dann selber auf den Weg zur Anlage und standen schon an den Zäunen. Da bekam man einen gewaltigen Schreck, wenn mit einem Mal neben einem die Kühe aus dem Nichts auftauchten. Aber ich hatte keine Angst vor ihnen und so fand ich es dann auch recht angenehm, nicht erst noch über die ganze Koppel laufen zu müssen und sie zusammenzutreiben. Es war aber wichtig, die rangniedrigste Kuh zu kennen, um sicherzugehen, dass alle beisammen waren und man keine vergessen hatte. Bei Regen oder schlechtem Wetter kam einem diese Sache dann sehr zupass.
Wir Lehrlinge verstanden es natürlich auch, ausgiebig zu feiern. So brachte einer zu Silvester mal eine starke Früchtebowle mit. Obwohl wir Doppelschicht hatten an dem Wochenende, tranken wir alle etwas über den Durst. Unsere Chefs drückten beide Augen zu wegen des Restalkohols. Ich war dann zu dem Zeitpunkt als Treiber im Karussell eingeteilt. Da war es besonders wichtig, die erste und letzte Kuh einer Gruppe zu kennzeichnen (mit Kreide), damit die Gruppen nicht durcheinander gerieten. Denn es hatte keiner noch Lust zum Sortieren. Ich war so müde, hatte auch eine Weile nichts zu tun und setzte mich auf die Mauer. Ich nickte ein. Gott sei Dank stupste mich zufälligerweise die letzte Kuh der Gruppe an und bewahrte mich damit vor großem Ärger mit dem Meister. Die Gruppe wäre fast durcheinander geraten.
Als die Schicht dann zu Ende war, saßen wir noch ein bisschen zusammen. Ich löffelte die Früchte der Bowle. Diese hatten ordentlich Alkohol intus. Ich war Alkohol überhaupt nicht gewöhnt und völlig neben mir. Wie ich dann ins Internat gekommen war, weiß ich bis heute nicht. Die anderen Lehrlinge stellten mich aber unter die kalte Dusche, wo ich dann langsam ausnüchterte. Schließlich musste ich in vier Stunden die nächste Schicht antreten. Ich war noch nie so betrunken gewesen. Nächsten Tag war dann ein ausgewachsener Kater mein Begleiter. Aber seitdem war ich ein Gegner des Alkohols.
Meine Lehrzeit betrug 2 Jahre. Ich beendete die Lehre mit guten Ergebnissen und war dann weitere 2 Jahre als Jungfacharbeiter in meinem beliebten FGM eingesetzt.
In diesen Zeitraum fiel auch der Winter 1978/79. Das war ein Jahrhundertwinter. Für gutes Wetter und nicht allzu starker Kälte war der Vorzeigebetrieb ja geeignet. Die Kühe hatten in ihren Ställen, in denen sie in Laufstallhaltung gehalten wurden, nur ihre Futter- und Liegeplätze überdacht. Die Ausläufe waren frei.
Wegen des extremen Wintereinbruches kam alles zum Erliegen, so auch die Tierverkäufe und Umstellungen, sodass alle Stallungen überbelegt waren. Das Schleppschaufelsystem war eingefroren, sodass die Gülle nicht mehr ablaufen und weggepumpt werden konnte. Die Liegeplätze der Tiere waren nun auch noch verschmutzt durch über die Ränder laufende Gülle. Zudem war es furchtbar kalt. Wir konnten die Tiere nur noch mit Futter und Wasser versorgen, was aber auch schnell gefroren war. Etliche Tiere erfroren in den bitterkalten Nächten. Sie konnten sich nicht mehr hinlegen, und wenn, froren sie am Boden fest und starben qualvoll. Es war schlimm. Der Tierarzt war fast nur noch am Einschläfern der Kühe, deren Leiden er noch beenden konnte. Oft fiel der Strom aus, sodass wir auch mit der Hand melken mussten. Die Milchleistung der Tiere war zu dem Zeitpunkt sowieso sehr gering, da sie alle Energie in die Wärmegewinnung ihres Körpers stecken mussten. Die Euter waren auch stark unterkühlt, sodass die Tiere Schmerzen beim Melken hatten und sehr stark nach uns schlugen. Aber in den nächsten Tagen gab es wieder wärmere Temperaturen. Der viele Schnee und der klirrende Frost gehörten der Vergangenheit an.
Aber auch der Tierarzt hatte so sein Tun. In einer benachbarten Rinderanlage bekam eine Kuh nach dem Kalben Milchfieber. Da muss der Tierarzt schnell helfen, sonst stirbt die Kuh. Da mit Autos kein Durchkommen war auf den Straßen, nutzte er seinen Vorteil, dass er reiten konnte. Mit seiner Arzttasche auf dem Rücken borgte er sich aus dem Sportstall das größte Pferd und ritt dann durch den hohen Schnee zu der Anlage, um die Kuh zu retten. Es gelang ihm auch.
Meine Zeit als Jungfacharbeiter in der Anlage dauerte nach der Lehre noch 6 Jahre. Während meiner nachfolgenden Meistertätigkeit bildete ich dann auch viele neue Lehrlinge aus. Bei manchen machte es viel Spaß, mit denen zu arbeiten, andere taten sich schwerer, einige brachen die Ausbildung auch ganz ab, weil ihnen die Arbeit und das Schichtsystem zu anstrengend waren. Aber ich muss sagen, dass diese Jahre mit die schönsten in meinem bisherigen Leben waren und man auch mit Kühen eine wunderbare Zeit haben kann.
Im Mai 1985 verließ ich dann den Betrieb, ich hatte eine verantwortungsvollere Stelle in einer anderen Anlage angeboten bekommen. Auch aus privaten Gründen, die in den nächsten Kapiteln erläutert werden, verließ ich den Arbeitsplatz und auch meinen Wohnort. Aber dazu komme ich später.
Erste eigene Erfahrungen mit den Pferden
Ich bin ja hauptsächlich auf das Land gegangen der Tiere wegen. Und da in dem Ort, in dem ich meine Lehre begann, auch eine Reitsportgemeinschaft bestand, war das natürlich auch mein Ziel, da mitzumischen.
Reiten konnte ich nicht, ich musste es erst lernen. Der Reitstall war auf Military-Reitsport spezialisiert, also Gelände, Springen, Dressur.
Mit der Dressur konnte ich mich anfangs nicht so anfreunden. Auch wusste ich erst gar nicht, worauf es da eigentlich ankam. Trotzdem war ich oft in der vorherigen Zeit immer mit dem Rad auch auf nahe gelegenen Turnieren, um zu lernen. Ich schaute mir auch Dressurprüfungen an, um zu erfahren, was die Richter zu den Teilnehmern zu sagen hatten in ihren Urteilen und Platzierungen. Viel las ich auch aus Büchern aus Bibliotheken über die Technik und die Hilfen beim Reiten.
Bei den Besuchen der Reitturniere mit meinen Eltern kam es mir auf die Springprüfungen an. Da sah man, ob die Stange fiel oder nicht und es wurde die Leistung danach bewertet.
Als wir mit der Lehre begannen, meldeten wir 9 Mädchen uns beim Reiten an. Da ging es darum, auf ein großes Reitpferd, Goldnixe hieß die Allround-Fuchsstute, ohne Sattel während des Galopps aufzuspringen. Wenn Goldnixe zum Fahren und Futterholen gebraucht wurde, arbeiteten wir mit dem Fuchswallach Elmsfeuer, welcher noch größer war. Nun war ich aber auch schon fast 20 Jahre alt und nicht mehr so gelenkig wie die kleineren Mitstreiter der Reitgruppe. Anfangs halfen wir uns gegenseitig im Schritttempo beim Aufspringen. Dann sollte es im Galopp klappen. Aber das war sehr schwierig. Dann, nachdem wir alle ein paar Mal heruntergefallen waren, hörten meine Mitlehrlinge alle auf, nur ich blieb bei der Stange. Der Futtermeister war ein älterer Herr und sehr freundlich. Bezahlen musste man damals den Reitunterricht noch nicht.
Aber man musste ihn abarbeiten.
Viele Wochenenden blieb ich im Internat und entschuldigte mich bei den Eltern, dass ich im Stall arbeiten müsse. Welchen Stall, verschwieg ich natürlich. Etwa ein Vierteljahr ging es nur darum, den Turnierreitern den Dreck hinterherzuräumen, den Stall zu fegen und das Sattelzeug zu pflegen. Dann kam endlich der Tag, an dem wir, die noch übrig geblieben waren und auch noch andere Mädchen aus dem Dorf, mit denen ich mich angefreundet hatte, die Pferde der Turnierreiter nach dem Training im Schritt trockenreiten durften. Einer der Turnierreiter, Jörg hieß er und war etwas jünger als ich, vermachte mir seine Reithose (wohl eine Pluderhose aus dem 2. Weltkrieg in grün) und seine Reitstiefel. (Sogenannte Knobelbecher) Aber ich war ganz stolz.
Da ich immer zur Stelle war und auch die dreckigsten Arbeiten ohne zu murren machte, freute das den Futtermeister natürlich sehr. Er hatte auch eine sehr brave eigene Stute mitgebracht. Auf der brachte er mir dann so nach und nach auch das Sitzen auf dem Pferd (ich nenne das Reiten für Anfänger) bei. Ebenso durfte ich das Pferd auch fahren, wenn wir gemeinsam für die Pferde heimlich aus der Anlage Futter klauen waren. Denn die Pferde bekamen nur das schlechteste Futter aus der Anlage. Das gute war immer für die Kühe. Der Sportpferdebestand gehörte mit zum VEG.
Nach einiger Zeit stand ein Dorffest in der Nachbarschaft an, bei dem auch ein Umzug mit kostümierten Reitern stattfinden sollte, es handelte sich um ein Jubiläum der Dorfgeschichte. Wir wurden gefragt. Das war das Highlight. Meine Eltern waren gerade im Urlaub im Harz. Sie hatten mit der Zeit schon mitbekommen, dass ich mich dem Reiten verschrieben hatte. Nun sollte ich in Turnierkleidung mitreiten. Das ging natürlich nicht in den Pluderhosen aus dem 2. Weltkrieg. Die Knobelbecher hatte ich vom Dorfschuster umgestalten lassen, sodass sie Reitstiefeln ähnlich sahen. Ich erzählte meinen Eltern von dem Vorhaben. Es gab in der ganzen Umgebung keine weißen Hosen, wie sie Turnierreiter tragen. Aber auch im Harz gab es so was nicht. Da wir ja im Improvisieren schon immer gut waren, brachten mir meine Eltern Maler Hosen mit. Die waren auch weiß und erfüllten somit erst mal ihren Zweck.
Meine Reitkünste wurden aufgrund des permanenten Trainings auch immer besser. Wir ritten auch viel ins Gelände, da wir nur einen Paddock hatten am Stall und den entfernten Reitplatz, zu dem man gelangte, wenn man das ganze Dorf durchquert hatte. Manchmal durften wir auch allein oder zu zweit zum Reitplatz reiten. Der Reitlehrer kam dann mit dem Rad nach. Da passierte mir eines Tages im November auch ein schrecklich blamables Malheur. Um zum Reitplatz zu kommen, musste man um einen See reiten. Der war wegen des Military-Sportes mit einem Wasser Ein- und Aus-Sprung ausgestattet. Man konnte an den flacheren Stellen aber auch drum herum reiten. Um die Beine der Pferde nach dem Training zu kühlen, nahmen wir die leichtere Variante gerne mit auf dem Heimweg.
Eines Tages nach dem Training wollte ich das auch machen. Ich hatte aber keine Gerte dabei und freute mich, dass mein Pferd mit den Vorderbeinen schön im Wasser planschte. Danach legte es sich dann plötzlich samt Sattel und mir in Wasser und wälzte sich genüsslich. Ich wusste bis dato nicht, dass das Planschen der Vorbote dazu war. Seitdem ritt ich nie wieder ohne Gerte mit einem Pferd ins tiefe Wasser. Meine Stiefel waren voll, die Uhr kaputt, ich klatschnass und fror wie ein Schneider. Und nun musste ich auch noch durch das ganze Dorf reiten, das Pferd trockenreiben und den Sattel trockenföhnen und fetten. Da war ich bedient für den Tag. Ebenso bei einem Geländeritt, der Reitlehrer hatte noch einen Anfänger am Führzügel. Er ritt auch ein Pferd. Eine weitere fortgeschrittene Reitschülerin und ich durften alleine frei reiten. Der Weg führte über eine belebte Straße in ein Waldgebiet. Es war herrliches Wetter und wir durften die beiden Araber reiten. Ich hatte einen Fuchs, meine Kollegin einen Schwarzbraunen. Beide Tiere galten als sehr temperamentvoll. Als wir dann gegen spätem Nachmittag, es dämmerte schon, den Heimweg antreten wollten, überholte mich in rasendem Tempo der dunkle Abu. Mein Fuchs-Abu nahm das als Einladung zum Wettrennen wahr, buckelte wie verrückt und schoss hinterher. (Beide Pferde hatten den Namen „Abu“) Der Weg führte aber nicht auf gewohntem Pfad, wie wir gekommen waren, denn die Pferde kannten von früher eine Abkürzung. Deren Weg führte zwischen zugewuchertem Geäst und Dickicht frontal auf die viel befahrene Straße zu. Meine Kollegin war schon runtergefallen und lag im Dickicht. Ich raste auf einen Baum zu, deren tief hängender Ast nur dem Pferd, aber nicht dem Reiter Platz bot. So musste ich auch runter, egal wie. Seitlich war kein Platz. So ließ ich mich vornüberfallen, gelangte zwischen die Vorderhufe und sah mein Ende kommen. Aber der Abu streifte mich nur ganz leicht, ohne seinen Vorderfuß zu belasten, unter dem Schlüsselbein und galoppierte dann von dannen. Unserem Reitlehrer blieb fast das Herz stehen, als er das alles sah. Aber er konnte ja nicht eingreifen, da er den Führzügel-Reiter noch an der Hand hatte. Uns war nichts passiert außer ein paar Schrammen und Abschürfungen. Wir mussten dann zu Fuß zum Stall gehen. Unsere größte Sorge aber war, wie waren die Pferde angekommen. Die Straße hatten sie ohne Verletzungen überquert, das hätten wir sonst gehört. Aber beide waren weiß wie Schimmel vom Schweiß bedeckt im Stall angekommen. Es waren Turnierpferde und jeden Moment sollte das Training mit den Turniereitern beginnen. Als unser Stallmeister dem Trainer sagte, was passiert war, bekamen wir dann auch noch eine Standpauke zu hören und 3 Wochen Reitverbot.
Da war dann erst mal wieder nur Zuschauen und Arbeiten angesagt.
Als es dann wieder losging, bekam ich zur Dressur auf dem Paddock den Fuchs – Abu – zugeteilt. Ich hatte aber panische Angst vor ihm und traute mich noch nicht mal in seinen Ständer zum Putzen. Da sagte der Chef, es gibt zwei Möglichkeiten, entweder ich reite ihn hier und jetzt auf dem Paddock 2 Runden im Schritt oder ich brauche nie mehr wiederzukommen. Mehr sollte ich gar nicht machen. Ich sollte nur die Angst verlieren. Nach langem Hin und Her überwand ich mich und ritt das Pferd. Ich kam gut mit ihm zurecht. Aber seitdem habe ich immer Angst, ins Gelände zu reiten.
Dann hatten wir noch einen jungen Apfelschimmel. Mit ihm ritt ich mein erstes Turnier. Ich machte bei einer leichten Dressurprüfung mit und belegte gleich den 4. Platz von 15 Teilnehmern. Ich war ganz stolz.
Als ein Highlight galt es, das weltbeste Pferd zu reiten, welches die Piaffe (Traben auf der Stelle) zu der Zeit beherrschte. Der braune Oldenburger Wallach war 20 Jahre alt und unter einem berühmten Dressurreiter 1968 in Mexiko bei der Olympiade erfolgreich geritten worden. Der war so feinfühlig und man konnte viel von ihm lernen. Das Pferd hatte im Stall eine der wenigen vorhandenen Boxen. Eines Tages bekam er eine schlimme Kolik, von der er sich auch nicht mehr erholte. Der Tierarzt konnte ihm nicht helfen, für eine Not-OP war er zu alt. Tag und Nacht führten wir ihn, damit er sich nicht wälzen kann. Aber er hat es doch geschafft und ist somit an einer Darmverschlingung qualvoll in meinen Armen verendet.
Die Box war sehr verwinkelt im Stall angelegt. Es war Winter und das Pferd musste aus dem Stall entfernt werden, damit es vom Abdecker abgeholt werden konnte. Mit dem Traktor kamen wir nicht rein in den Stall. Das Pferd wog ca. 750 kg. Mit Menschenkraft war das auch nicht möglich. Also spannten wir unsere 2 Wagenpferde an und zogen den toten Körper so aus dem Stall. Das war eine sehr schwere Aufgabe, denn die Pferde wollten nicht ziehen. Die anderen in Ständern stehenden Pferde mussten auch aus dem Stall gebracht werden, da sie sehr aufgeregt waren. Aber schließlich schafften wir es dann doch.
Als wir Anfänger dann schon etwas sattelfester waren, durften wir auch mal die Turnierreiter begleiten, als das Training zur Turniervorbereitung für die Pferde auf einem anderen Platz stattfinden sollte. Der war ca. 1,5 Stunden per Ritt von unserem Stall entfernt. Auch mussten wir da durch ein Wäldchen reiten, welches für das Training von Military-Pferden schon ein bisschen hergerichtet war. Es waren sandige „Berge“ aufgeschüttet und auch einige Bäume in den Weg gelegt worden, wo die Pferde dann überspringen mussten. Die „Berge“ waren nicht ohne. Man musste schon etwas Mut beweisen beim bergabreiten, wenn das Pferd sich dabei fast auf den Hintern setzen musste, um nicht kopfüber abzustürzen. Beim bergaufreiten ging es dann im Galopp. Das machte aber auch sehr viel Spaß. Auf dem Platz ritten dann die Turnierreiter die Pferde über den Parcours. Es war ein erlebnisreicher Tag, der noch lange in Erinnerung blieb.
Im Nachbardorf stand eine 750 Jahrfeier an. Unser Verein wurde gefragt, ob wir an einem Umzug teilnehmen wollten. Natürlich waren wir dabei. Unser Reitlehrer trug eine Standarte und ritt auch mit. Wir hatten die Pferde sehr schön herausgeputzt und geschmückt. Das Wetter spielte den Tag auch mit. Ganz stolz ritten wir die Dorfstraße entlang, gefolgt von Erntewagen, welche auch bunt herausgeputzt waren. An beiden Seiten der Straße standen die Dorfbewohner und winkten uns zu. Es war auch ein schöner Tag geworden, als wir dann nach dem Heimritt die Pferde wieder versorgten und alles wieder nach dem Alltagstrott ging.
4. Kapitel - Endlich erwachsen
Wo junge Leute zusammen sind und es auch in den Dörfern noch junge Menschen gab, sind auch die Zusammenkünfte vorprogrammiert. Es gab einmal in der Woche eine Kinovorstellung. Dafür verfügte das Dorf neben dem Kultursaal auch über einen Kinosaal. Der Kinovorführer kam dann mit seinem ganzen Zubehör von der Bezirksstadt und führte einen Film vor. Der Saal war immer gut besucht.
Aber auch eine Disko gab es jeden Monat einmal. Da waren die Lehrlinge aller Fachrichtungen und die Dorfjugend anwesend. Auch aus den Nachbardörfern fanden sich Jungen und Mädchen großer Zahl ein.
Der Kneiper machte dann auch ganz guten Umsatz mit Getränken und kleinen Snacks.
Auf dieses Ereignis freuten wir uns natürlich auch sehr. Wir durften bis 22.00 Uhr bleiben. Danach mussten wir uns wieder im Internat zur Nachtruhe einfinden. Schließlich musste die Frühschicht bereits um 01.30 Uhr wieder aufstehen.
So lernte ich auch beim Tanzen meinen späteren Ehemann kennen. Wir waren fast gleichaltrig, ich war 2 Monate älter, aber das tat nichts zur Sache.
Mein Beuteschema war eigentlich dunkler Typ, schlank und nicht zu groß.
Er war nun aber blond, etwas größer als ich, aber ich konnte noch hohe Schuhe anziehen ohne ihn zu überragen. Er hieß Frank und wohnte im Dorf. Er machte eine Ausbildung zum Tischler. Seine praktische Ausbildung fand in der VEG-eigenen Tischlerei im Ort statt und für den theoretischen Unterricht musste er 80 km in eine andere Stadt fahren.
Er hatte bereits die Fahrerlaubnis für Moped gemacht und fuhr damit auch immer zum Unterricht, welcher alle 14 Tage stattfand.
Unser theoretischer Unterricht fand zur gleichen Zeit statt, sodass wir uns dann immer nur alle 14 Tage sahen, weil ich während des Theorieunterrichtes zu Hause bleiben konnte und nicht ins Internat musste.
Aber während der praktischen Zeit besuchte er mich jeden Abend beim Internat, und wir gingen viel spazieren und lernten uns so ganz gut kennen.
Er rauchte, ich ebenfalls. Er hatte noch 2 jüngere Schwestern, er war der Älteste von 3 Kindern. Auch sein Cousin wohnte im Dorf und kam auch immer mit zum Internat. Aber der interessierte sich nicht für ein Mädchen. Er erlernte den Beruf eines Tischlers.
An meinem 18. Geburtstag verlobten wir uns. Er kam mit dem Zug zu mir nach Hause. Meine Eltern kannten ihn noch nicht. Da sie sehr konventionell waren, wollten wir mit dem gegenseitigen Vorstellen noch etwas warten. Wir trafen uns an der Bushaltestelle.
Wir hatten uns eine angesagte Disko in der Innenstadt auserkoren und wollten da einen Tanzabend verbringen. Die Disko war rappelvoll, nirgends ein bekanntes Gesicht. So wollten wir es. Wir wollten ganz unter uns sein. Zumal wir sowieso nicht bis zum Ende bleiben konnten, da der letzte Zug um 22.30 Uhr fuhr.
Wir stießen mit Sekt an, tanzten viel und amüsierten uns. Es war ein sehr schöner Abend, bis wir dann feststellten, dass der letzte Zug weg war.
Trotz des Sommers konnte ich ihn ja nun auch nicht auf der Straße übernachten lassen. Im Improvisieren war ich ja damals schon sehr geübt.
Nächsten Tag hatte ich mit der Singgruppe einen Auftritt. Mein Gitarrenspiel war noch nicht so toll, dass ich damit auch öffentlich auftreten konnte. So hatten wir Titel mit Akkordeon eingeübt, die wir vorführen wollten.
Mein Vater hatte mir aus Puppenwagengestänge einen Zugwagen für das schwere Instrument gebaut, sodass ich es hinterherziehen konnte und nicht dauernd tragen musste.
Das Oberteil des Puppenwagens war noch im Keller, samt den Kissen und Decken.
Ich hatte den Plan, dass Frank im Keller übernachten sollte. In der Frühe sollte er dann schnell mit dem Bus zum Bahnhof fahren und nach Hause. Da es noch kein Telefon gab, würden seine Eltern sich zwar Sorgen machen und es würde ein Donnerwetter geben, aber da musste er durch. Was Besseres fiel mir auch nicht ein. Es war bereits Mitternacht, als wir bei mir zu Hause ankamen.
Ich hoffte nur, dass meine Eltern bereits fest schliefen, denn sie durften von dieser Aktion natürlich nichts erfahren.
Ich schlich mich leise nach oben in den 4. Stock, organisierte noch ein halbes Brötchen für Frank, nahm den Kellerschlüssel und rannte wieder runter.
Dann baute ich die „Schlafgelegenheit“ auf aus Kissen, Decken und dem Oberteil des Puppenwagens. Alles arrangierte ich auf dem kahlen Kellerboden. Als ich Frank so liegen sah, musste ich mir das Lachen verkneifen. Dann schloss ich ihn im Keller
ein. Hoffentlich musste er nicht pinkeln, denn er hatte doch ganz schön Bier getrunken.
Nächsten Morgen nach dem Frühstück wollte ich ganz schnell los zum Bus. Mein Vater bot mir an, das Akkordeon die Treppe runterzutragen und auf den Wagen zu schnallen. Das fehlte mir noch. Dann wäre ja die ganze Sache mit dem blinden Passagier im Keller aufgeflogen. Das dufte nicht geschehen.
Ich ging schnell mit dem schweren Akkordeon runter, befreite Frank aus dem Keller. Dem drückte die Blase wer weiß wie und er konnte sich kaum rühren, solchen Muskelkater hatte er vom harten Kellerboden. Ich riet ihm, sich schnell in die Büsche hinter dem Haus zu begeben, falls mein Vater doch noch runterkommen sollte.
Sofort flüchtete er. An der Bushaltestelle trafen wir uns dann wieder. Wir lachten über den gelungenen Coup. Später würden wir noch oft an diese Begebenheit zurückdenken.
Da wir uns sehr mochten und auch zusammenbleiben wollten, wurde ich dann auch mit 18 Jahren, noch während der Lehrausbildung, schwanger.
Während eines Kinobesuches bekam ich starke Blutungen und wahnsinnige Bauchschmerzen. Frank brachte mich schnell ins Internat, wo ich dann auf der Toilette eine Fehlgeburt erlitt. Unsere Eltern wussten nichts davon.
Später hatte ich bei einem Kaffeekränzchen Frank mittlerweile auch schon meinen Eltern vorgestellt.
Als ich dann des Abend noch mit einem Krankenwagen in die Klinik gebracht wurde wegen einer Ausschabung, bekamen unsere Eltern die Misere doch mit. Obwohl ich Franks Eltern schon eine Weile kannte und sie auch ganz nett fand, waren sie wegen dieser Sache sehr empört und warfen Frank raus. Meine Eltern hatten da mehr Verständnis, zumal ich sehr traumatisiert war wegen der Fehlgeburt.
Frank übernachtete dann erst mal bei seiner Tante, die ja auch im Dorf wohnte. Einige Zeit später durfte er auch wieder in sein Elternhaus einziehen. Seine Eltern hatten sich wieder eingekriegt.
Zum Ende der Lehrzeit mussten wir ausziehen aus dem Internat.
Vorher hatten wir noch ein ganz spezielles Date, Frank und ich. Gegenüber befand sich der sogenannte „Speicher“. Das war ein vom VEG zu Wohnungen ausgebautes Gebäude für Mitarbeiter. Dort wohnten auch schon ehemalige Zootechniker, die aber noch keine eigene Wohnung hatten. Ein ehemaliger Lehrling ein Lehrjahr über mir, der schon ausgelernt hatte, bewohnte dort auch ein Zimmer. Er war als Charmeur bekannt, spannte auch so manchem Jungen dessen Freundin aus.
Er sah gut aus, war recht schlagfertig und hatte auch immer Chancen bei den Mädchen. Nun waren während der Ausbildungszeit die Treffen mit der Dorfjugend nach 22.00 Uhr immer sehr riskant. Aber bei unserem Zimmer verlief die Feuerleiter. Die nutzten wir des Öfteren für unsere nächtlichen geheimen Stelldichein.
So war es auch diesmal wieder. Mit noch einem Kumpel wollten wir uns in seiner Bude zum Skatspiel treffen.
