Kitabı oku: «Unsere Heilige Ehre», sayfa 4

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KAPITEL ACHT

07:30 Uhr Eastern Standard Time

Das Lagezentrum

Das Weiße Haus, Washington, D.C.

Der Aufzug öffnete sich und Luke betrat das ovale Lagezentrum.

Der große Kurt Kimball stand am anderen Ende des Raums. Seine Glatze strahlte im Licht und er erkannte Luke sofort. Kurt führte diese Meetings normalerweise mit einer eisernen Hand. Er hatte so ein tiefes, scheinbar intuitives und nahezu enzyklopädisches Wissen über das Weltgeschehen, dass ihm jeder ohne irgendwelche Fragen gehorchte.

„Agent Stone“, begrüßte er ihn. „Danke, dass Sie so früh hier sein konnten.“

Hörte er da einen Unterton in seinen Worten, vielleicht sogar Sarkasmus? Luke entschied sich, darüber hinwegzusehen.

Er zuckte mit den Schultern. „Die Präsidentin hat mich angerufen. Ich bin hergekommen, so schnell ich konnte.“

Er sah sich im Lagezentrum um.

Dieser Raum war ultramodern und viel mehr als nur ein simpler Konferenzraum – die Einrichtung war so optimiert, den vorhandenen Platz so gut es ging auszunutzen. Bildschirme waren alle paar Meter in die Wände eingelassen und eine riesige Leinwand hing am anderen Ende des Konferenztisches. Auf dem Tisch selbst befestigt befanden sich Tabletcomputer und kleine Mikrofone – sie konnten, wenn nötig, eingefahren werden, falls jemand sein eigenes Gerät verwenden wollte.

Jeder gepolsterte Ledersessel am Tisch war heute besetzt – Luke erspähte einige uniformierte Generäle sowie Beamte in teuren Geschäftsanzügen. Die meisten Anwesenden waren mittleren Alters und übergewichtig – Regierungsmitarbeiter, die viel Zeit in solchen gemütlichen Stühlen verbrachten und gerne ausgiebig aßen. Die Stühle sahen allesamt aus wie Kapitänssessel eines Raumschiffs, das gerade quer durch die Galaxie fliegt. Übergroße Armlehnen, gepolsterte Lederbezüge, hohe Rückenlehnen, ergonomisch korrekt und mit Lendenstütze.

Die Sitze entlang der Wände – kleinere, rot gepolsterte Stühle – waren voll mit jungen Assistenten und Assistentinnen, die Kaffee aus Plastikbechern schlürften, Nachrichten auf ihren Tablets eintippten oder leise in ihre Handys murmelten.

Susan saß in einem Ledersessel an Lukes Ende des Lagezentrums. Sie trug einen blauen Nadelstreifenanzug. Sie hatte die Beine übereinandergeschlagen und hörte gerade einem jungen Assistenten zu. Luke versuchte, sie nicht anzustarren.

Nach einem kurzen Moment sah sie auf und nickte ihm zu.

„Agent Stone“, sagte sie. „Danke, dass Sie gekommen sind.“

Luke nickte. „Madam President. Natürlich.“

Kurt klatschte in seine riesigen Hände, als ob Lukes Ankunft das Signal gewesen wäre, auf das er gewartet hatte. Sein Klatschen klang, als wäre ein schweres Buch auf einen Steinboden gefallen. „Aufgepasst, alle miteinander! Ruhe, bitte.“

Stille machte sich im Lagezentrum breit. Zumindest fast. Ein paar Militärs am Konferenztisch ließen sich nicht dabei stören, sich weiter zu unterhalten.

Kurt klatschte erneut in die Hände.

KLATSCH. KLATSCH.

Sie sahen ihn an. Er hob seine Arme, als wollte er sagen: „Seid ihr jetzt fertig?“

Endlich wurde der Raum komplett still.

Kurt bedeutete einer jungen Frau, die in einem Stuhl zu seiner Linken saß, loszulegen. Luke hatte sie schon oft hier gesehen. Sie war Kurts unersetzliche Assistentin. Ihr rotbraunes Haar war zu einem kurzen Bob frisiert, so wie Susans – kurze Bobs waren unter jungen Frauen heutzutage äußerst beliebt. Das war natürlich auch den Zeitschriften und Tratschsendungen im Fernsehen aufgefallen. Kritiker nannten die Frisur den Hopkins-Bob, wenn sie ihnen gefiel und den Hopkins-Helm, wenn nicht. Für die jungen Damen, die sich ihr Haar so richteten, gab es allerdings nur einen allgemeingültigen Namen.

Susans Armee.

Luke gefiel diese Bezeichnung. Er trug zwar keinen Bob, aber er schätzte, dass auch er ein Teil von Susans Armee war.

„Amy, mach die Karten auf, bitte“, sagte Kurt. „Israel und den Libanon.“

Auf dem Bildschirm erschienen blaue und gelbe Symbole, die Explosionen darstellen sollten, im südlichen Libanon. Sie reichten im Norden bis zur südlichen Grenze von Beirut.

„Vor wenigen Stunden hat die israelische Luftwaffe mit ihrer Bombardierung begonnen. Sie greifen die Hisbollah-Tunnelsysteme und Stützpunkte entlang der Blauen Linie an, sowie die von der Hisbollah kontrollierten Stadtteile im Süden von Beirut. Das ist keine große Überraschung und wurde uns sogar von Yonatan Sterns Regierung gestern Abend bereits angekündigt.“

Auf dem Bildschirm tauchten nun rote Symbole in Israel auf. Insgesamt waren es vielleicht fünfzehn. Einen Augenblick später erschienen kleinere rote Symbole im Norden von Israel. Von diesen gab es Dutzende.

„Kurz nachdem Israel mit seinem Luftangriff begann, hat die Hisbollah damit angefangen, Raketen nach Israel zu schicken. Das ist nicht weiter ungewöhnlich für Schlachten zwischen den beiden Fronten. Der Krieg im Jahre 2006 verlief sehr ähnlich. Doch es gibt ein Problem. Seitdem hat die Hisbollah sich bessere Feuerkraft gesichert.“

Ein Foto einer großen Rakete auf einer mobilen Startplattform erschien.

„Das ist die Fateh-200, ein iranisches Waffensystem. Langstreckenrakete mit mehreren Sprengköpfen, die einiges an Schaden anrichten können. Werden sie aus dem Libanon gestartet, können sie nahezu jedes Ziel in Israel erreichen, außer vielleicht die nur leicht besiedelte Negev-Wüste im Süden. Mit ihrer ausgeklügelten Steuerung und Navigation hat die Hisbollah zum ersten Mal Möglichkeiten für Präzisionsschläge.“

Kurt hielt einen Moment inne. „Laut unseren Quellen verfügt die Hisbollah inzwischen über die Fateh-200. Wir glauben, dass sie bis jetzt ungefähr zwanzig bis dreißig dieser Raketen gestartet haben. Jede von ihnen trug bis zu zwölf Sprengköpfe. Sie haben zivile und militärische Ziele in Bevölkerungszentren in ganz Israel anvisiert, einschließlich Tel Aviv, dem westlichen Rand von Jerusalem, dem Zentrum von Haifa und anderen Städten. Israels Flug- und Raketenabwehrsystem, auch bekannt als Davids Schleuder, hat vielleicht zwei Drittel dieser Angriffe abgewehrt. Doch das hat nicht gereicht.

„Mehrere zivile Nachbarschaften wurden getroffen und zahlreiche Gebäude wurden zerstört. Einer der Sprengköpfe traf ein Ziel, das nur einen halben Kilometer von der Knesset entfernt war, Israels Parlament, während gerade eine Sitzung tagte.“

„Wie viele Tote gibt es bis jetzt?“, fragte Haley Lawrence, der Verteidigungsminister.

„Bis jetzt kennen wir nur die offiziellen Zählungen, die veröffentlicht wurden. Mehr als 400 zivile Opfer, tausende Verletzte und eine Menge Zerstörung und Panik. Zahlen über Militäropfer wurden bis jetzt noch nicht veröffentlicht, doch die Israelis bereiten sich auf einen totalen Krieg vor und rufen momentan sämtliche Reserven und einsatzfähige Veteranen dazu auf, sich zu melden. Sie haben ihre Bombardierungen im Libanon drastisch hochgefahren, vermutlich um die restlichen Fateh-200-Raketen zu zerstören, bevor sie gestartet werden können.“

„Haben sie Erfolg gehabt?“, fragte Luke, kannte die Antwort aber bereits.

Kurt schüttelte seinen Kopf. „Das wissen wir noch nicht. Wir bezweifeln es aber. Noch während wir hier sitzen, startet die Hisbollah weiterhin kleine, ungerichtete Raketenschläge in Richtung Nordisrael und demonstriert damit, dass sie immer noch die Möglichkeiten haben, Angriffe zu unternehmen. Wir glauben, dass sie die restlichen Fateh-200-Raketen im Moment noch zurückhalten, später aber einsetzen könnten.

„Israel hat den Iran öffentlich dafür beschuldigt, die Hisbollah mit den neuen Raketensystemen auszustatten. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben sie damit recht. Die Hisbollah ist ein Handlanger für den Iran. Vor dreißig Minuten hat Israel damit gedroht, den Iran anzugreifen, falls auch nur eine weitere Fateh-200 oder eine ähnliche Rakete gestartet wird.“

Kurt holte kurz Luft. „Zehn Minuten später hat der Iran die Israelis darüber in Kenntnis gesetzt, dass jeglicher Angriff seitens Israel dazu führen wird, dass sie mit einem Atomschlag antworten werden. Außerdem haben sie sie darüber informiert, dass sie diesen Atomschlag auch auf den amerikanischen Luftwaffenstützpunkt in Doha, Qatar, sowie auf unsere Botschaft in Bagdad richten werden.“

Das Lagezentrum war mehrere Sekunden lang totenstill. Luke stand in einer Ecke und beobachtete die Gesichtsausdrücke der Anwesenden. Mehrere Mitarbeiter wurden rot, als wäre ihnen etwas peinlich. Andere starrten mit weit aufgerissenen Augen und Mündern ins Leere.

„Der Iran hat keine Atomwaffen“, sagte jemand. „Das ist nicht möglich.“

Kurt schüttelte seinen Kopf. „Jedes internationale Abkommen und jede Vereinbarung besagt, dass der Iran keine nuklearen Fähigkeiten hat und es ihnen untersagt ist, welche zu entwickeln. Doch das heißt nicht unbedingt, dass sie keine Atomwaffen besitzen. Amy, den Iran, bitte.“

Eine neue Karte tauchte auf dem Bildschirm auf. Luke fühlte sich bei ihrem bloßen Anblick unwohl. Er war schon einmal im Iran gewesen. Nicht gerade sein Lieblingsort.

„Die Islamische Republik Iran ist eine schiitisch-islamische Theokratie. Wir wissen, dass sie seit der Islamischen Revolution im Jahre 1979 schon Ambitionen hegen, Atomwaffen zu erlangen.“

„Aber wenn sie jemals einen Atomwaffentest durchgeführt hätten“, sagte Susan, „würden wir davon wissen.“ Es war das erste Mal, dass sie etwas gesagt hatte, seitdem das Meeting begonnen hatte.

„Ich wünschte, dem wäre so“, sagte Kurt. „Untergrundtests werden in aller Welt immer beliebter – sie sind äußerst schwer aufzuspüren und zu dokumentieren. Fortgeschrittene Detektionssysteme für radioaktive Strahlung können zwar sehr kleine Mengen Strahlung entdecken, die in die Atmosphäre abgegeben werden. Diese Daten, kombiniert mit Berechnungen von Windstärken, können uns relativ genau sagen, wo die Strahlung herkommt. Wenn ich allerdings ‚relativ genau‘ sage, bedeutet das eine Fehlerquote von mehreren hundert Kilometern. Und da der Iran nicht weit von Pakistan entfernt ist – und Pakistan bekannterweise über Atomwaffen verfügt – ist es schwer, eine Strahlungsquelle ausfindig zu machen und eindeutig festzustellen, dass sie aus dem Iran kommt.“

„Aber dieses Tests schlagen sich doch auch auf Seismographen nieder“, sagte Susan. „Sie sind quasi wie kleine Erdbeben.“

Kurt nickte. „Und das ist es, was die Sache im Iran noch schwieriger macht. Der Iran ist einer der seismologisch aktivsten Orte auf der ganzen Welt. Dort finden ständig Erdbeben statt, auch häufig sehr große. Die letzte Katastrophe war im Jahre 2003, als ein Erdbeben der Stärke 6,6 mindestens dreiundzwanzigtausend Menschen in der Stadt Bam getötet hat. Aber abgesehen von diesen großen Katastrophen gibt es ständig kleinere Beben im Iran. Wir verfolgen die seismologischen Aktivitäten dort täglich. Es ist, als hörte man den Wellen an einem Strand zu. Es hört niemals auf, dort zu rumpeln.“

„Was willst du mit all dem sagen, Kurt?“, fragte Susan. „Sag es einfach.“

„Iran könnte theoretisch Atomwaffen bauen und sie testen“, sagte er, „ohne, dass wir jemals davon erfahren.“

Luke hatte plötzlich eine Idee. Sie war einfach so in seinem Kopf aufgetaucht. Er hatte nicht groß darüber nachgedacht. Vielleicht gefiel sie ihm nicht, aber sie war da – und er sprach sie aus.

„Warum schicken wir kein verdecktes Infiltrationsteam los?“, schlug er vor. „Sie könnten in den Iran eindringen und herausfinden, ob sie bluffen oder nicht. Wenn nicht, finden sie den Standort der Atomwaffen heraus und fordern einen Luftangriff an.“

Zugegeben hatte er sich nicht sämtliche Details des Plans genau überlegt, aber sobald er es ausgesprochen hatte, wusste er, dass es eine gute Idee war.

„Für so einen Einsatz haben wir nicht die notwendigen Teams“, sagte ein Mann in grüner Uniform. „Es könnte Wochen, oder sogar Monate dauern –“

„General, da würde ich widersprechen“, sagte Luke. „Wir haben die notwendigen Leute. Meine Organisation, das Special Response Team, ist bereit für den Einsatz.“

KAPITEL NEUN

08:15 Uhr Eastern Standard Time

Der Westflügel

Das Weiße Haus, Washington, D.C.

„Das ist eine Katastrophe“, sagte Susan. „Das ist verrückt. Das werde ich niemals erlauben.“

Sie gingen zu dritt durch den Westflügel zurück zum Oval Office – Susan, Kurt und Kat Lopez. Susans und Kats Absätze klackerten auf dem Marmorboden. Drei große Geheimdienstagenten folgten ihnen, zwei gingen ihnen voraus.

Die Doppeltüren zum Oval Office lagen vor ihnen, flankiert von zwei weiteren Agenten. Susan und der Schwarm an Begleitern gingen so schnell, dass sie sich fühlte, als befände sie sich auf einem Förderband, das ins Oval Office führte. Sie fühlte sich, als hätte sie keine Kontrolle über das Geschehen. Sie wollte dieses Meeting nicht abhalten. Noch vor ein paar Monaten hätte es sie nicht weiter gestört, ihre besten Agenten auf eine lebensbedrohliche Mission zu schicken.

„Susan, wir haben noch ein Problem“, sagte Kurt.

„Raus damit.“

„Die Israelis schicken uns keine Daten mehr über ihre Opfer oder über ihre Pläne. Yonatan Stern ist außer sich. Er will den Iran sofort angreifen, aber wir haben ihn darum gebeten, sich noch zurückzuhalten. Er bombt bereits den gesamten Südlibanon auseinander, doch die Hisbollah antwortet immer noch mit ihren Raketen. Er bezeichnet ihre Angriffe und die Bedrohung durch den Iran eine Demütigung und er gibt uns die Schuld. Er ist kurz davor, unseren Botschafter aus dem Land zu schmeißen. Er möchte mit dir sprechen.“

Susan schüttelte ihren Kopf. „Das wird ja immer besser und besser.“

Sie gingen durch die Doppeltüren ins Oval Office.

„Soll ich ein Gespräch mit ihm anmelden?“, fragte Kat.

Susan zuckte mit den Schulten. „Klar doch. Ich rede mit ihm. Kurt, bittest du jemanden darum, die wichtigsten Gesprächspunkte vorzubereiten? Was soll ich ihm überhaupt sagen? Warum vertragt ihr euch nicht einfach? Warum ladet ihr die Typen, die euch bombardieren, nicht zu einer Runde Kaffee und Kuchen ein?“

„Natürlich“, sagte Kurt und zog sich in eine Ecke des Büros zurück. Er hatte sein Telefon bereits in der Hand.

Kat verschwand durch die Türen.

Susan blickte sich im Oval Office um. Vor ihr waren die drei großen Fenster, die einen Ausblick auf den Rosengarten boten. Draußen war es ein sonniger Wintertag. Mit ihr im Büro waren mehrere Leute. Luke Stone saß in einem großen Ledersessel im Sitzbereich. Unter seinen Füßen war das große Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Neben ihm saß Haley Lawrence, der Verteidigungsminister. Er sah aus, als hätte er ein wenig zugenommen – Susan dachte, dass das zusätzliche Gewicht an ihm wie Babyspeck aussah. Der weit über ein Meter achtzig große Mann sah eher aus wie ein kleiner Junge.

Zwei weitere Männer standen bei ihnen. Sie trugen grüne Paradeuniformen – Susan schätzte sie auf Mitte fünfzig. Sie sahen äußerst fit aus und ihre Haare waren kurzgeschoren. Sie hätten fast Zwillinge sein können – Diedeldum und Diedeldei.

„Madam President“, sagte Diedeldum. Er streckte seine Hand aus. „Ich bin General Steven Perkins vom Verteidigungsnachrichtendienst.“

Sie nickte ihm zu, während seine Hand ihre geradezu verschluckte.

„General.“

Diedeldei streckte seine Hand ebenfalls aus. „Madam President, mein Name ist Mike Sobchak vom Marinenachrichtendienst.“

„Admiral.“

Sie schüttelte ihren Kopf. „Okay, wie lautet unser aktueller Stand?“, fragte Susan. „Was für einen Plan haben Sie und Agent Stone ausgeheckt?“

Kurt war zurück, nachdem er ganze elf Sekunden lang in sein Handy geflüstert hatte. „Bitte schließen Sie die Türen“, sagte er an die Geheimdienstagenten gerichtet.

„Es handelt sich um eine streng geheime Mission“, erklärte Haley Lawrence.

Susan zuckte mit den Schultern. „Das habe ich mir schon gedacht. Schießen Sie los.“

„Wir entsenden per Flugzeug vom Außenministerium ein kleines Team nach Israel“, sagte Kurt. „Seit gestern haben wir bereits drei Flugzeuge vom Außenministerium herübergeschickt, also würde es für jeden Beobachter nicht weiter auffällig wirken – Krisendiplomaten, die auf dem Weg sind, die Situation zu entschärfen.“

„Niemand würde auf die Idee kommen, dass wir Spione entsenden“, sagte Susan.

„Wenn das Team ankommt, wird es vom israelischen Geheimdienst über mögliche Standorte iranischer Atomwaffen in Kenntnis gesetzt. Das Team wird mit den Israelis zusammen das Eindringen vorbereiten und schließlich im Schutze der Dunkelheit in den Iran abspringen. Das Team bahnt sich mit allen Mitteln seinen Weg zu den wahrscheinlichsten Standorten und bestätigt die Existenz von Atomwaffen an diesen Orten – oder auch nicht. Falls sie die Waffen finden, fliegen wir Lufteinsätze an diese Koordinaten und zerstören die entsprechenden Silos.“

„Lufteinsätze? Von wem?“, fragte Susan. „Uns Amerikanern oder den Israelis?“

„Von uns“, antwortete Diedeldum. „Wir brauchen starke Bunkerbrecher, Bomben, die Untergrundziele zerstören können und aus großer Höhe abgeworfen werden. Wahrscheinlich MOABs aus B-52 Bombern, wenn wir die entsprechenden Bunker denn überhaupt mit konventionellen Waffen zerstören können. Das muss nicht unbedingt der Fall sein. Wir glauben nicht, dass die Israelis über solche Waffen verfügen.“

„Wir glauben nicht?“, fragte Susan. „Wissen wir das etwa nicht?“

„Wir sprechen hier von Israel“, sagte Diedeldei. „Vielleicht haben sie solche Waffen, vielleicht auch nicht. Sie sind nicht gerade offen, wenn es um solche Informationen geht. Wie dem auch sei, wenn die Israelis selbst Bomben auf iranische Raketensilos werfen, könnte das den Dritten Weltkrieg auslösen. Die Russen sind enge Verbündete des Iran. Außerdem hassen die sunnitischen Länder die iranischen Schiiten. Aber nur so lange, bis die Israelis sie bombardieren. Ab dem Moment sind sie auf einmal alle verbündete Muslime und jegliche israelische Aggression muss vergolten werden. Wenn wir allerdings die Bomben abwerfen …“

Er zuckte mit den Schultern. „Die Russen werden wir schon beschwichtigen können. Und die sunnitischen Länder werden einfach damit leben müssen.“

„Warum schicken die Israelis nicht ihre eigenen Agenten, um nach den Waffen zu suchen?“, fragte Susan.

„Wir haben mit ihrem Geheimdienst gesprochen. Sie glauben, dass eine solche Mission schief gehen wird. Sie würden lieber den Iran zerbomben und jede einzelne iranische Militärbasis zerstören und einfach darauf hoffen, dass sie eventuelle Atombomben dabei mit erwischen. Wir raten ihnen momentan – sehr nachdrücklich – dazu, das nicht zu tun. Das Risiko, den Iran ungerichtet zu bombardieren und dabei auch nur eine Atombombe intakt zu lassen, ist einfach zu hoch, als dass …“

Susan sah zu Luke. „Hallo, Agent Stone.“

Er blickte ihr direkt in die Augen. Das war der Moment, den sie hasste, der Moment, vor dem sie sich gefürchtet hatte. Sie würde am liebsten hier und jetzt die Zeit anhalten.

„Madam President.“

„Sie haben vor, diese Mission anzunehmen?“

Er nickte. „Ja. Natürlich. Sie war schließlich meine Idee.“

„Für mich klingt das nach einer Selbstmordmission, Agent Stone.“

„Ich habe schon schlimmere Vorschläge gehört“, entgegnete Luke. „Wie dem auch sei, das ist genau der Grund, warum das Special Response Team existiert. Ich habe bereits mit meinem Team gesprochen. Wir können innerhalb von ein paar Stunden starten.“

Sie versuchte es mit einem anderen Ansatz. „Agent Stone, Sie sind der Direktor des Special Response Teams. Laut meinen Aufzeichnungen sind Sie zweiundvierzig Jahre alt. Würden Sie nicht sagen, dass ein jüngeres Mitglied Ihrer Agentur besser geeignet wäre? Jemand, der ein wenig sportlicher ist?“

„Ich werde mit Ed Newsam zusammenarbeiten“, sagte Luke. „Er ist fünfunddreißig. Und ich bin selbst noch ziemlich sportlich für einen alten Greis.“

„Agent Stone und Agent Newsam haben beide ausführliche Einsatzerfahrung im Mittleren Osten“, sagte Diedeldum. „Sie sind beide Eliteveteranen, waren beide bereits tief Undercover und kennen sich mit der israelischen, arabischen und persischen Kultur aus. Beide können sich auf Farsi verständigen.“

Susan ignorierte ihn. Sie blickte sich im Büro um. Alle schienen sie anzustarren. Sie wusste, dass sie über die Einzelheiten der Mission sprechen wollten. Sie wollten, dass sie sofort das grüne Licht gab, sodass sie die Vorbereitungen treffen und einen Plan B aufstellen konnten. Es war ihnen egal, wer genau auf den Einsatz ging – es stand bereits fest.

„Ich würde mich gerne kurz mit Agent Stone unter vier Augen unterhalten.“

* * *

„Luke, bist du vollkommen verrückt?“

Die anderen Anwesenden, auch die Geheimdienstagenten, waren ausgetreten.

„Ich würde nicht einmal meinen schlimmsten Feind auf so eine Mission schicken. Du willst per Fallschirmsprung in den Iran einfallen und dann im ganzen Land, das voll mit Leuten ist, die dich töten wollen, umherirren, bis du zufällig auf ihre Atomwaffen stößt?“

Er lächelte. „Naja, ich hoffe, dass wir das Ganze ein bisschen besser planen als wie du es darstellst.“

„Du bringst dich noch damit um.“

Er stand auf und ging zu ihr. Er versuchte, sie zu umarmen. Einen Moment lang versteifte sie sich, dann entspannte sie sich jedoch und erwiderte seine Umarmung.

„Weißt du, wie lächerlich es wirkt, wenn die Präsidentin der Vereinigten Staaten sich übermäßige Sorgen um das Leben eines ihrer Spezialagenten macht, dessen gesamte Karriere aus dieser Art von Missionen besteht?“

Sie schüttelte ihren Kopf. „Das ist mir egal. Das hier ist anders. Ich kann keine Mission erlauben, auf der du umkommen könntest. Das ist doch verrückt.“

Er sah zu ihr herunter. „Willst du mir sagen, dass ich meinen Job an den Nagel hängen muss, um mit dir zusammen zu sein?“

„Nein. Du bist der Chef deiner eigenen Agentur. Du musst nicht selbst raus. Du musst dich nicht freiwillig melden. Schicke jemand anderen.“

„Du willst, dass ich jemand anderen auf diese Selbstmordmission schicke?“

Sie nickte. „Genau. Schick jemanden, den ich nicht liebe.“

„Das kann ich nicht machen, Susan.“

Sie drehte sich von ihm weg und plötzlich standen Tränen in ihren Augen. „Ich weiß. Das weiß ich doch. Aber um Gottes willen, bitte pass da draußen auf dich auf.“

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Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
04 ocak 2021
Hacim:
331 s. 3 illüstrasyon
ISBN:
9781094342863
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