Kitabı oku: «Traum oder wahres Leben», sayfa 2

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›Sie ge­ben aber auch kei­ne Ruhe. Nun gut, ich wer­de ver­su­chen, Ih­nen die Si­tua­ti­on zu er­klä­ren.‹

Er schau­te sich kurz um, nick­te zu­frie­den und sag­te dann:

›Der zwei­t­äl­tes­te Sohn des Fürs­ten wur­de bis vor ei­nem Jahr be­han­delt, wie es ihm zu­kommt. Er er­hielt eine her­vor­ra­gen­de Aus­bil­dung und hat­te alle Pri­vi­le­gi­en, die ei­nem Sohn und Nach­fol­ger des Pro­vinz­fürs­ten zu­ste­hen. Sei­ne kämp­fe­ri­sche Aus­bil­dung ob­lag mir, und er war ein her­vor­ra­gen­der Schü­ler, der mir am Ende fast ge­wach­sen war. Doch all die­se Din­ge mach­ten ihn über­heb­lich, ar­ro­gant und herrsch­süch­tig. Er er­kann­te sei­ne Gren­zen nicht mehr und über­schritt stän­dig sei­ne Be­fug­nis­se. Nach Date Ma­sa­mu­nes Tod soll er der neue Dai­myo wer­den, und dann hät­te ein sol­ches Ver­hal­ten schwer­wie­gen­de Fol­gen. Die Pro­vinz­fürs­ten sind auf Ge­deih und Ver­derb dem Sho­gun ver­pflich­tet. Sie ha­ben seit ei­ni­ger Zeit nur noch ein­ge­schränk­te Rech­te, vie­le Pflich­ten, und ihr Le­ben ge­hört dem Sho­gun. Un­ter­wer­fung die­sem ge­gen­über ist obers­tes Ge­bot. Der Sohn des Fürs­ten be­gann sich für un­an­tast­bar zu hal­ten, und sein Le­ben wäre am Hofe des Sho­gun si­cher­lich bald ver­wirkt ge­we­sen. Als sich Date Ta­da­mu­ne im­mer öf­ter in Schwie­rig­kei­ten brach­te, er­bat der Fürst vom Sho­gun, sei­nen Sohn als ein­fa­chen Sol­da­ten in eine Trup­pe un­ter mei­nem Kom­man­do zu stel­len und nach Sen­dai, zur Burg des Fürs­ten, zu schi­cken. Da Date Ma­sa­mu­ne ein treu er­ge­be­ner Die­ner des Sho­gun ist, wur­de ihm dies ge­stat­tet. Of­fi­zi­ell han­del­te es sich um eine Be­stra­fung durch den Sho­gun für un­an­ge­mes­se­nes Ver­hal­ten. Kei­nem au­ßer dem Fürst, dem Sho­gun, mir und jetzt Ih­nen sind die wah­ren Hin­ter­grün­de be­kannt. Nur eine Be­din­gung gab es: Der Fürst muss­te die­se Rei­se hier pla­nen und an­tre­ten.‹

Ich sah ihn er­staunt an, und er be­eil­te sich, sei­ne Wor­te ge­nau­er zu er­klä­ren:

›Nicht die­se hier nach Shao­lin, sie wur­de nur we­gen der Neu­gier­de des Fürs­ten un­ter­nom­men, der sehr viel über die Shao­lin-Kämp­fer am Kai­ser­hof ge­hört hat­te. Nein, die Rei­se an den chi­ne­si­schen Kai­ser­hof.‹

Da ich ihn im­mer noch fra­gend an­sah, fuhr er mit sei­nen Er­klä­run­gen fort:

›Mehr kann ich dar­über jetzt nicht sa­gen, nur eins noch: Der Sho­gun be­auf­trag­te Date Ma­sa­mu­ne da­mit, weil schon ein­mal ein Ge­folgs­mann von ihm eine di­plo­ma­ti­sche Rei­se an­ge­tre­ten hat­te. Ha­se­ku­ra Ts­une­n­a­ga war im Auf­trag des Sho­gun bis nach Me­xi­ko und Eu­ro­pa ge­reist. Der Sho­gun ver­traut nun dar­auf, dass Date Ma­sa­mu­ne das glei­che Ge­schick bei die­ser di­plo­ma­ti­schen Missi­on an den Tag le­gen wird. Au­ßer­dem weiß er, dass ich als sein Ge­folgs­mann mit da­bei bin und Date Ma­sa­mu­ne sich durch mei­ne Chi­ne­sisch­kennt­nis­se nicht auf einen frem­den Dol­met­scher ver­las­sen muss.‹

Ich horch­te auf. Hier gab es eine Ver­bin­dung zu Eu­ro­pa, und ob­wohl es eine ganz an­de­re Epo­che war, hat­te ich plötz­lich ein selt­sa­mes Ge­fühl. Ich war neu­gie­rig ge­wor­den und be­gie­rig, mehr dar­über zu er­fah­ren, doch vor­erst er­gab sich die­se Ge­le­gen­heit nicht. Der Sa­mu­rai fuhr aber mit sei­nen Er­klä­run­gen fort.

›Be­vor wir die­se Rei­se an­tra­ten, war es mir ge­lun­gen, den Sohn des Fürs­ten ein we­nig zur Ruhe zu brin­gen. Es fiel ihm schwer, sich un­ter­zu­ord­nen, doch er hat­te kei­ne an­de­re Wahl. Ich den­ke, dass sein Va­ter im rich­ti­gen Mo­ment die rich­ti­ge Ent­schei­dung ge­trof­fen hat. Er woll­te ihn De­mut leh­ren. Ihm zei­gen, dass auch er sich in be­stimm­ten Si­tua­tio­nen un­ter­wer­fen muss, dass auch ihm Gren­zen ge­setzt sind und Will­kür und Hoch­mut schnell zum Ver­der­ben wer­den kön­nen.‹

Ich dach­te über das eben Ge­hör­te nach. Zum Teil konn­te ich den Fürs­ten ver­ste­hen, aber mich ir­ri­tier­te, dass er sich im­mer noch so ab­wei­send ver­hielt und sei­nem Sohn nicht zeig­te, wie sehr er ihn ei­gent­lich lieb­te.

›Ei­ni­ges kann ich nun bes­ser ver­ste­hen, doch warum schließt er jetzt im­mer noch kei­nen Frie­den mit ihm und ver­heim­licht ihm, wie be­sorgt er war?‹

›Zum einen ist er der Mei­nung, dass es noch zu früh dazu ist. Zum an­de­ren ist das eine Ei­gen­schaft un­se­res Vol­kes und un­se­res Stan­des. Es ist nicht so ein­fach, sei­ne Ge­füh­le ei­nem an­de­ren ge­gen­über zu zei­gen, ohne da­bei sein Ge­sicht zu ver­lie­ren, und ich wür­de Ih­nen ra­ten, mit dem Fürst vor­läu­fig nicht dar­über zu spre­chen. Date Ma­sa­mu­ne ist ein Toz­a­ma-Dai­myo, der aber ein ho­hes An­se­hen beim Sho­gun ge­nießt. Er ist also ein re­la­tiv un­ab­hän­gi­ger Fürst, und um die­se Stel­lung zu wah­ren und in den fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen wei­ter aus­zu­bau­en, müs­sen auch sei­ne Söh­ne über je­den Ta­del er­ha­ben sein. Ich kann nicht sa­gen, was mich be­wo­gen hat, Ih­nen das al­les zu er­zäh­len, doch Sie kön­nen si­cher sein, dass es mein An­se­hen beim Fürs­ten ge­wal­tig un­ter­gräbt, wenn er da­von er­fährt.‹

Ich ver­sprach ihm, dar­über zu schwei­gen. Er war auch des­halb re­la­tiv be­ru­higt, da ich durch die Un­kennt­nis der ja­pa­ni­schen Spra­che im Mo­ment so­wie­so nur über ihn mit dem Fürst spre­chen konn­te.

Als wir wie­der im La­ger an­ge­kom­men wa­ren, ge­sell­te ich mich zu Wang Lee und Liu Shi Meng, doch vor­läu­fig herrsch­te nur Schwei­gen. Ich hing mei­nen Ge­dan­ken nach, und die bei­den merk­ten, dass mich et­was be­schäf­tig­te.

Ich mach­te mir Ge­dan­ken über das Ver­hal­ten des Fürs­ten und frag­te mich, ob es wirk­lich der rich­ti­ge Weg war, sei­nen Sohn zu er­zie­hen. Aber an­schei­nend hat­te er da­mit einen ge­wis­sen Er­folg. Au­ßer­dem war es ein an­de­res Land mit an­de­ren Sit­ten, da­her konn­te ich mei­ne Maß­stä­be nicht bei ih­nen an­le­gen. Mir hat­te der Wehr­dienst auch ge­hol­fen, selb­stän­dig und ver­ant­wor­tungs­be­wusst zu wer­den. Da man das hier fast ge­nau­so wer­ten konn­te, blieb nur das ge­spann­te Ver­hält­nis zwi­schen Va­ter und Sohn. Aber ich hat­te auch die Lie­be und Sor­ge un­ter der rau­en Scha­le be­merkt, und so schi­en das Gan­ze nach au­ßen schlim­mer zu sein, als es war.

In­zwi­schen hat­ten sich Wang Lee und Liu Shi Meng über die letz­ten Er­eig­nis­se un­ter­hal­ten, und die letz­ten Wor­te Liu Shi Mengs lie­ßen mich auf­hor­chen.

›Ich bin der Mei­nung, wir soll­ten so schnell wie mög­lich hier ver­schwin­den. Mei­ner An­sicht nach war die Ak­ti­on gut ge­plant und kein zu­fäl­li­ger Über­fall von ei­ner ein­zel­nen Ban­di­ten­grup­pe. Wenn be­merkt wird, dass sie ihr Ziel nicht er­reicht ha­ben, kom­men viel­leicht noch an­de­re, und dann ha­ben wir kei­ne Chan­ce mehr!‹

Da ich durch mein tie­fes Nach­sin­nen nichts vom vor­her­ge­hen­den Ge­spräch mit­be­kom­men hat­te, frag­te ich nach:

›Wie kommst du denn dar­auf?‹

›Ich kann es dir nicht er­klä­ren, aber ich habe kein gu­tes Ge­fühl hier. Mag sein, dass es an die­sem Ort mit den noch sicht­ba­ren Kampf­spu­ren liegt, wie Wang Lee meint, doch ich fin­de, wir soll­ten von hier ver­schwin­den!‹

›Wo willst du hin, ins Klos­ter kön­nen wir die Ver­wun­de­ten nicht schaf­fen, das ist zu weit, und ei­ni­ge von ih­nen wür­den die­sen lan­gen Trans­port si­cher nicht über­le­ben‹, fiel Wang Lee ein.

›Na ja, vor ei­ni­gen Jah­ren war mal ein al­ter Mann im Klos­ter. Er woll­te Me­di­zin für sei­ne kran­ke Toch­ter von Han Li­ang Tian er­bit­ten, doch der Abt ist da­mals gleich selbst mit­ge­gan­gen und hat sie ge­sund ge­pflegt. Als er zu­rück­kam, hat er uns er­zählt, dass er noch nie von die­sem klei­nen Dorf hier oben in den Ber­gen ge­hört hat­te und dass es si­cher­lich auch nicht so schnell von je­mand ge­fun­den wür­de. Wenn ich mich recht an sei­ne Orts­be­schrei­bung er­in­ne­re, dürf­te nicht weit von hier ein schma­ler Weg in die Ber­ge ab­zwei­gen, und et­was ver­steckt in ei­nem Sei­ten­tal ste­hen sechs oder sie­ben Hüt­ten.‹

›Sechs oder sie­ben Hüt­ten!? Liu Shi Meng, wo sol­len wir denn da mit all den Ver­letz­ten un­ter­kom­men? Die Leu­te hier in den Ber­gen ha­ben meist ge­ra­de mal ge­nug Platz für sich selbst, sie le­ben schon auf engs­tem Raum, da ist nie­mals Platz für uns alle.‹

›Ist schon rich­tig, aber wo willst du sonst hin. Selbst wenn nie­mand mehr hier­her kommt, auf die­ser Wie­se kön­nen wir die Ver­letz­ten nie­mals ge­sund pfle­gen.‹

›Da hast du schon recht‹, sag­te ich nach­denk­lich. ›Und selbst wenn wir in den Hüt­ten der Berg­bau­ern nicht un­ter­kom­men, könn­ten wir dort si­cher­lich bes­ser ein pro­vi­so­ri­sches La­ger ein­rich­ten als hier. Weißt du ge­nau, wo die­ses Dorf liegt?‹, frag­te ich Liu Shi Meng.

›Nein, nicht ge­nau. Doch ich wür­de mor­gen früh so zei­tig wie mög­lich auf­bre­chen und da­nach su­chen. Ihr müsst so­wie­so auf die an­de­ren war­ten, und erst dann kön­nen wir von hier ver­schwin­den. Bis das so weit ist, wer­de ich das Dorf si­cher ge­fun­den ha­ben.‹

Da uns nichts Bes­se­res ein­fiel, ei­nig­ten wir uns auf Liu Shi Mengs Vor­schlag, und nach­dem wir noch ein­mal nach den Ver­wun­de­ten ge­se­hen hat­ten, gin­gen wir zur Ruhe.

Die Nacht ver­lief ru­hig, und am Mor­gen küm­mer­ten wir uns als Ers­tes um die Ver­wun­de­ten. Der Zu­stand von zwei der Ver­letz­ten er­schi­en mir recht kri­tisch. Ich be­riet mich mit Wang Lee, und auch er war der Mei­nung, dass die bei­den schnells­tens Hil­fe be­nö­tig­ten.

Ei­ner von ih­nen hat­te eine klaf­fen­de Wun­de am Hals und sehr viel Blut ver­lo­ren. Die Blu­tung hat­ten wir zwar stil­len kön­nen, doch er war durch den ho­hen Blut­ver­lust so schwach, dass wir um sein Le­ben bang­ten. Der an­de­re hat­te eine Bauch­wun­de, und um ihn sorg­ten wir uns ei­gent­lich noch mehr, da wir nicht wuss­ten, ob auch in­ne­re Or­ga­ne ver­letzt wa­ren. Wir hat­ten zwar in Er­man­ge­lung an­de­rer Hilfs­mit­tel die Wun­drän­der mit dem Ver­band fest zu­sam­men­ge­presst, doch wür­de das rei­chen? Kei­ner von uns hat­te Er­fah­rung in der Be­hand­lung sol­cher Ver­let­zun­gen.

Der Dai­myo be­merk­te un­se­re Sor­ge und kam mit dem dol­met­schen­den Sa­mu­rai zu uns.

›Der Fürst Date Ma­sa­mu­ne möch­te wis­sen, wie es um die Ver­letz­ten steht.‹

Ich stand auf und ant­wor­te­te, den Fürst da­bei an­schau­end:

›Den Ver­wun­de­ten geht es so weit gut, nur um die­se bei­den hier ma­chen wir uns Sor­gen. Wir sind kei­ne Hei­ler, und uns fehlt die Er­fah­rung in der Be­hand­lung sol­cher Wun­den. Doch die Hil­fe aus dem Klos­ter müss­te heu­te im Lau­fe des Ta­ges ein­tref­fen, und wir hof­fen, dass es dann noch nicht zu spät ist.‹

Der Dai­myo sah auf die bei­den he­r­un­ter, nick­te, und der Sa­mu­rai über­setz­te uns dann sei­ne Wor­te:

›Date Ma­sa­mu­ne sagt: Es sind gute und star­ke Män­ner, sie wer­den so lan­ge durch­hal­ten wie nö­tig, und wenn es so weit ist, wer­den sie ge­hen, ohne zu kla­gen.‹

Ich sah mir den Fürst ge­nau­er an, denn er ver­wirr­te mich im­mer wie­der. Auf der einen Sei­te wirk­te er be­sorgt und auf­merk­sam sei­nen Män­nern ge­gen­über, doch nach au­ßen schi­en er über die­sen Din­gen zu ste­hen. Es sah im­mer so aus, als dürf­te kei­ner se­hen, dass in die­sem har­ten Mann auch ein wei­cher Kern steck­te. Die­ser Ein­druck wur­de noch durch sein Äu­ße­res ver­stärkt, denn ihm fehl­te das rech­te Auge. Im Klos­ter hat­te er eine Au­gen­klap­pe ge­tra­gen, doch jetzt sah man die ver­wach­se­ne lee­re Au­gen­höh­le, wäh­rend das an­de­re Auge auf­merk­sam al­les um sich he­r­um im Blick be­hielt. Spä­ter er­fuhr ich, dass er das Auge durch eine schwe­re Er­kran­kung ver­lo­ren hat­te, aber er för­der­te auch an­de­re Ge­rüch­te. Die­se und sei­ne Aus­strah­lung tru­gen dazu bei, dass er den Spitz­na­men ein­äu­gi­ger Dra­che er­hal­ten hat­te.

Wäh­rend­des­sen hat­te der Fürst wei­ter ge­spro­chen, und der Sa­mu­rai über­setz­te ge­wis­sen­haft sei­ne Wor­te:

›Date Ma­sa­mu­ne möch­te wis­sen, wie es wei­ter­ge­hen soll. Er fin­det den Platz hier nicht gut und möch­te so schnell wie mög­lich die­sen Ort ver­las­sen.‹

Also hat­te nicht nur Liu Shi Meng ein schlech­tes Ge­fühl.

›Wir ha­ben uns auch schon dar­über un­ter­hal­ten, und Liu Shi Meng möch­te ger­ne ein Dorf su­chen, das hier ganz in der Nähe sein muss‹, ant­wor­te­te ich.

Der Dai­myo nick­te und gab zu ver­ste­hen, dass er so schnell wie mög­lich wei­ter möch­te. Nach­dem ich ihm er­klärt hat­te, dass wir we­nigs­tens die Hil­fe vom Klos­ter ab­war­ten müss­ten und dass wir die Ver­letz­ten auch nicht sehr weit trans­por­tie­ren könn­ten, ging er miss­mu­tig da­von.

Der Sa­mu­rai war bei uns ge­blie­ben, und nach­dem der Fürst au­ßer Hör­wei­te war, sag­te er:

›Sie müs­sen Date Ma­sa­mu­ne ver­ste­hen, er macht sich Sor­gen um un­se­re Si­cher­heit. Au­ßer­dem un­ter­nah­men wir die­sen Ab­ste­cher ins Klos­ter nicht im Auf­trag des Sho­gun. Wenn sei­ne Missi­on jetzt des­halb ge­fähr­det ist, könn­te das sei­ne Stel­lung sehr ne­ga­tiv be­ein­flus­sen. Er macht sich Vor­wür­fe, dass er die­se Rei­se an­ge­tre­ten hat, denn das ei­gent­li­che Ziel war schon er­reicht.‹

›Ich kann das ja ver­ste­hen, doch es ist nun ein­mal ge­sche­hen, und wir müs­sen se­hen, dass wir das Bes­te dar­aus ma­chen. Liu Shi Meng wird auf­bre­chen und nach dem Dorf su­chen. Ich möch­te aber mit Wang Lees Hil­fe ver­su­chen, die­sen bei­den Ver­letz­ten noch ein we­nig Kraft zu ge­ben, da­mit sie durch­hal­ten, bis die an­de­ren ein­tref­fen.‹

Der Sa­mu­rai und auch Wang Lee, mit dem ich noch nicht dar­über ge­spro­chen hat­te, sa­hen mich er­staunt an.

›Was hast du vor? Du willst doch nicht etwa das­sel­be ver­su­chen wie da­mals Han Li­ang Tian bei Hu Kang?‹

›Doch, warum nicht? Schlim­mer kön­nen wir es nicht ma­chen, den­ke ich.‹

›Das weißt du nicht! Wir ha­ben es noch nie­mals ge­tan, und Han Li­ang Tian hat die­se Fä­hig­kei­ten nur im äu­ßers­ten Not­fall an­ge­wen­det.‹

›Ich weiß, aber ich habe Angst, dass die bei­den uns wegs­ter­ben, bis Hil­fe da ist.‹

Der Sa­mu­rai war neu­gie­rig ge­wor­den und un­ter­brach uns.

›Darf ich er­fah­ren, was Sie vor­ha­ben und warum Sie nicht si­cher sind, ob Sie es an­wen­den dür­fen?‹

Ich sah Wang Lee an, und die­ser zuck­te die Schul­tern mit ei­nem Blick, der sag­te: Nun sieh zu, wie du da wie­der raus­kommst, ich hab nicht da­von an­ge­fan­gen. Ich ent­schloss mich, dem Sa­mu­rai mei­ne Ab­sicht so gut wie mög­lich zu er­läu­tern.

›Es be­steht die Mög­lich­keit, an­de­ren Kraft zur Hei­lung zu ge­ben, doch es ge­hört ein sehr star­kes Chi dazu. Wir bei­de ha­ben es noch nicht ohne Hil­fe prak­ti­ziert. Ich habe zwar ein­mal an ei­ner sol­chen Sit­zung teil­ge­nom­men, aber un­auf­ge­for­dert und nur durch die Hil­fe ei­nes in die­sen Din­gen sehr er­fah­re­nen Man­nes mei­ne Kraft bei­steu­ern kön­nen. Wir wis­sen also, wie es funk­tio­niert, doch uns fehlt die Er­fah­rung.‹

›Ich ver­ste­he nicht, warum Sie sich scheu­en, es zu ver­su­chen? Ich habe schon vie­le ver­wun­de­te Män­ner ge­se­hen, und die­se bei­den hier ha­ben ohne so­for­ti­ge Hil­fe kei­ne Hoff­nung zu über­le­ben. So viel kann ich nach mei­nen Er­fah­run­gen ein­schät­zen. Also ver­su­chen Sie, was ih­nen mög­lich ist, auch wenn es eine mir noch un­be­kann­te Ge­fahr ber­gen soll­te. Mei­ner An­sicht nach kön­nen Sie es nicht schlim­mer ma­chen.‹

Ich dach­te ge­nau­so und sah Wang Lee fra­gend an.

›Wenn du meinst, dann ver­su­chen wir’s, ob­wohl ich Zwei­fel habe!‹

›So wird’s aber nichts, Wang Lee. Wenn du Zwei­fel hast, kannst du nicht dei­ne gan­ze Kraft bei­steu­ern, und wir sind von vorn­he­r­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt. Du musst an die Mög­lich­keit glau­ben und die gan­ze Kraft dei­nes Chi nut­zen!‹

›Ich weiß! Lass mich einen Au­gen­blick me­di­tie­ren, um mich auf die­se Auf­ga­be ein­zu­stim­men.‹

Ich nick­te ihm zu und ge­dach­te, das Glei­che zu tun. Bei­de lie­ßen wir uns nie­der und kon­zen­trier­ten uns auf die be­vor­ste­hen­de Auf­ga­be, doch zu­vor bat ich den Sa­mu­rai, da­für zu sor­gen, dass wir nicht ge­stört wur­den. Er nick­te und po­si­tio­nier­te sich so, dass er so­wohl uns als auch alle an­de­ren im Blick hat­te.

In­zwi­schen wa­ren wir in tiefer Me­di­ta­ti­on ver­sun­ken. Nach ei­ni­ger Zeit öff­ne­te ich die Au­gen, denn ich hat­te das Ge­fühl, dass Wang Lee so weit war, und rich­tig, er schau­te mich mit ei­nem ent­spann­ten und kon­zen­trier­ten Blick an.

Da wir gleich ne­ben dem Mann mit der Hals­wun­de sa­ßen, nah­men wir uns die­sen als Ers­ten vor. Wie ich es da­mals bei Han Li­ang Tian ge­se­hen hat­te, leg­te ich mei­ne Hän­de auf Stirn und Brust des Ver­letz­ten, und Wang Lee leg­te die sei­nen auf mei­ne. Nun kon­zen­trier­ten wir un­se­re gan­ze Kraft in den Wunsch, dem Schwa­chen Ener­gie von uns zu ge­ben. Ich ver­such­te es auf die glei­che Art, wie ich es da­mals an Hu Kangs Kran­ken­la­ger wahr­ge­nom­men hat­te, und dach­te im Gleich­klang mit Wang Lee:

›Nimm die­se Kraft von uns, nut­ze sie zu dei­ner Hei­lung! Nimm so viel, wie du brauchst, um wie­der ge­sund zu wer­den! Wir ge­ben dir ger­ne, was wir ge­ben kön­nen! Nimm von uns, um dei­nen Kör­per zu hei­len und die Kraft zu fin­den, dass dein Herz wei­ter­schlägt. Dass dei­ne Lun­ge wei­ter­ar­bei­tet und dein Kör­per das ver­lo­re­ne Blut wie­der er­setzt.‹

Bei die­sen Ge­dan­ken ver­such­te ich mich in den Kör­per des Ver­letz­ten hi­n­ein­zu­ver­set­zen und da­bei zu er­ken­nen, wo die Hil­fe am not­wen­digs­ten war. Nach ei­ni­ger Zeit ge­lang es mir fast so gut wie in mei­nem ei­ge­nen Kör­per, und ich er­kun­de­te die be­trof­fe­nen Stel­len. Die Wun­de am Hals wür­de wie­der hei­len, auch wenn Seh­nen und Mus­keln ver­letzt wa­ren und der Hals viel­leicht bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad steif blei­ben wür­de. Ich er­kann­te auch die Ur­sa­che für sei­nen rö­cheln­den Atem. Er hat­te Blut ver­schluckt und ei­ni­ges da­von in sei­ne Atem­we­ge be­kom­men. Aber sein Kör­per war zu schwach, um das Blut wie­der hi­n­aus­zu­be­för­dern.

Ohne mei­ne bis­he­ri­gen Ge­dan­ken zu un­ter­bre­chen, füg­te ich ih­nen noch den Be­fehl hin­zu, die Atem­we­ge wie­der frei zu ma­chen. Das kos­te­te mich und Wang Lee sehr viel Kraft, und ich ver­such­te wie da­mals Han Li­ang Tian, Ener­gie aus mei­ner ge­sam­ten Um­welt auf­zu­neh­men.

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga, der Sa­mu­rai, der als Dol­met­scher fun­gier­te und nun da­für sor­gen soll­te, dass wir nicht ge­stört wur­den, be­ob­ach­te­te er­staunt, was vor­ging. Mu­te­te ihn die Hand­lungs­wei­se auch selt­sam an, so spür­te er doch die Kraft und Ener­gie, die uns wie eine Aura um­gab. Er be­merk­te, wie sich un­ser gan­zer Kör­per straff­te und sich alle Mus­keln und Seh­nen bis zum Zer­rei­ßen spann­ten, doch bis auf das leich­te Zit­tern der Hän­de und Zu­cken im Ge­sicht war nichts Äu­ßer­li­ches sicht­bar. Ge­bannt be­ob­ach­te­te er uns, und Date Ma­sa­mu­ne sah er erst, als die­ser uns fast er­reicht hat­te. Schnell sprang er auf und ver­neig­te sich vor ihm.

Im­mer noch ver­stimmt we­gen des Auf­ent­halts an die­sem un­güns­ti­gen Ort, frag­te der Dai­myo ge­reizt:

›Was geht hier vor?‹

›Mein Fürst, bit­te stö­ren Sie die­se bei­den nicht, sie wol­len ver­su­chen, dem Ver­let­zen bei der Hei­lung zu hel­fen.‹

›So? Wie soll das ge­hen?‹

›Ich weiß es nicht ge­nau, doch se­hen Sie, es scheint sich et­was zu tun.‹

Der Ver­letz­te hus­te­te und würg­te, und sein Ge­sicht wur­de pu­ter­rot vor An­stren­gung. Den bei­den Be­ob­ach­tern wur­de angst, denn sie fürch­te­ten um das Le­ben des Man­nes. Date Ma­sa­mu­ne war drauf und dran, un­se­re Ak­ti­on ab­zu­bre­chen, als der Ver­letz­te spu­ckend das Blut aus den Atem­we­gen würg­te. Der Fürst stock­te mit­ten in der Be­we­gung und war­te­te ab, was wei­ter ge­sche­hen wür­de.

Der Ver­wun­de­te schi­en schon frei­er zu at­men. Nach­dem sich die­ser Vor­gang mehr­fach wie­der­holt hat­te, sank der Mann gleich­mä­ßig at­mend zu­rück. Sei­ne Haut nahm eine ge­sün­de­re Far­be an, und als wäre er in einen hei­len­den Schlaf ge­fal­len, at­me­te er ru­hig ein und aus.

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga be­ob­ach­te­te uns ge­bannt und er­war­te­te je­den Au­gen­blick, dass wir uns er­he­ben wür­den, als das nicht ge­schah, wand­te er sich wie­der dem Fürs­ten zu:

›An­schei­nend ha­ben sie Er­folg ge­habt. Warum und wie lan­ge sie jetzt noch fort­fah­ren, kann ich aber nicht sa­gen.‹

›Wir wer­den se­hen, doch ihr Wort­füh­rer scheint kein Chi­ne­se zu sein. Ich habe das da­mals im Klos­ter schon ge­dacht, weil er da aber im­mer mit den Mön­chen zu­sam­men war, mich nicht wei­ter dar­um ge­küm­mert. Ir­gend­ein Ge­heim­nis um­gibt ihn, und sei­ne Aus­strah­lung ist sehr groß. Ich möch­te, dass du ihn dar­auf an­sprichst, wenn sie das hier be­en­det ha­ben.‹

›Ja mein Fürst!‹, sag­te der Sa­mu­rai und schau­te dem Dai­myo hin­ter­her, der sich wie­der zu den an­de­ren be­gab.

Von all­dem hat­ten wir nichts mit­be­kom­men, und erst spä­ter hat mir Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga da­von er­zählt. Uns war aber nicht ent­gan­gen, dass wir eine Wir­kung er­zielt hat­ten. Nun woll­ten wir dem Mann noch Ener­gie für die wei­te­re Hei­lung mit­ge­ben und kon­zen­trier­ten uns auf die an­fäng­li­chen Ge­dan­ken.

Erst ge­rau­me Zeit spä­ter ver­stän­dig­te ich mich in Ge­dan­ken mit Wang Lee, und wir öff­ne­ten die Au­gen. Wir sa­hen nicht nur, dass es dem Ver­wun­de­ten bes­ser­ging, wir hat­ten es auch ge­spürt. Er­freut über den Er­folg, stan­den wir auf.

In die­sem Au­gen­blick merk­ten wir, wie viel Kraft uns die­se Ak­ti­on ge­kos­tet hat­te. Wang Lee tau­mel­te ei­ni­ge Schrit­te zur Sei­te, und ich muss­te die Au­gen schlie­ßen, da sich al­les zu dre­hen be­gann. Erst nach ei­ner Wei­le konn­te ich sie wie­der öff­nen, und auch Wang Lee kam, ein we­nig blass, wie­der zur Ruhe. Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga war in der Zwi­schen­zeit zu uns he­r­an­ge­kom­men und frag­te nun:

›Ist es so er­folg­reich ver­lau­fen, wie Sie ge­hofft hat­ten?‹

›Al­lem An­schein nach, ja. Für den Au­gen­blick ist die Ge­fahr ge­bannt, wie sich sein Zu­stand wei­ter­ent­wi­ckelt, kann ich aber nicht sa­gen.‹

›Ver­su­chen Sie es jetzt auch bei dem an­de­ren?‹

›Ich den­ke, so schnell geht das nicht! Wir müs­sen selbst erst ein­mal wie­der Kraft schöp­fen. Es hat uns mehr an­ge­strengt, als ich dach­te. Bit­te gön­nen Sie uns ein we­nig Ruhe, be­vor wir uns um den Zwei­ten küm­mern.‹

Der Sa­mu­rai nick­te und knie­te sich bei dem Mann nie­der, um den wir uns ge­ra­de be­müht hat­ten.

Da ich mich mit Wang Lee auch ohne Wor­te ver­stän­di­gen konn­te, ge­nüg­te ein kur­zer Blick, und wir such­ten uns eine ru­hi­ge Stel­le, um zu me­di­tie­ren. Ich ließ mich voll­kom­men fal­len und kon­zen­trier­te mich nur dar­auf, so schnell wie mög­lich wie­der zu Kräf­ten zu kom­men.

Als ich mich ei­ni­ge Zeit spä­ter, die Son­ne hat­te in­zwi­schen fast ih­ren höchs­ten Stand er­reicht, wie­der er­hob, merk­te ich schnell, dass die ver­brauch­te Ener­gie noch nicht wie­der voll­stän­dig auf­ge­füllt war. Wang Lee ging es nicht an­ders, und nun mach­ten wir uns Sor­gen, ob un­se­re Kraft rei­chen wür­de, um dem zwei­ten Mann zu hel­fen. Dum­mer­wei­se hat­ten wir uns ent­schie­den, dem zu­erst zu hel­fen, bei dem es leich­ter er­schi­en, und jetzt be­fürch­te­ten wir zu ver­sa­gen.

Wir gin­gen zu­erst noch ein­mal zu Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga, der im­mer noch bei dem zu­erst Ver­sorg­ten saß. Er stand auf und frag­te:

›Hel­fen Sie jetzt dem an­de­ren? Bei dem hier ha­ben Sie ein Wun­der be­wirkt. Er ist jetzt viel kräf­ti­ger, rö­chelt über­haupt nicht mehr und hat vor­hin schon die Au­gen ge­öff­net. Ich hof­fe, es war nicht falsch, dass ich ihm Was­ser ge­bracht habe, als er da­nach ver­langt hat?‹

›Nein, im Ge­gen­teil! Er hat sehr viel Blut ver­lo­ren und muss viel trin­ken, um den Flüs­sig­keits­ver­lust aus­zu­glei­chen.‹

Er at­me­te er­leich­tert aus, und ich be­ant­wor­te­te, mich dem mit der Bauch­wun­de zu­wen­dend, sei­ne an­de­re Fra­ge:

›Wir wer­den jetzt ver­su­chen, die­sem hier zu hel­fen, doch ich kann nicht sa­gen, ob un­se­re Kraft da­für noch aus­reicht. Bit­te sor­gen Sie wie­der da­für, dass wir nicht ge­stört wer­den!‹

Er nick­te be­stä­ti­gend, und wir ver­fuh­ren wie­der wie beim Ers­ten. Als wir uns nie­der­knie­ten und dem Mann ins Ge­sicht blick­ten, wur­de uns angst, denn sein Zu­stand schi­en sich sehr ver­schlech­tert zu ha­ben. Als ich in Wang Lees Au­gen sah, be­merk­te ich, dass er die Hoff­nung schon auf­ge­ge­ben hat­te, und ich setz­te mich in Ge­dan­ken mit ihm in Ver­bin­dung:

›Erst wenn wir al­les ver­sucht ha­ben, Wang Lee! Erst wenn wir all un­se­re Kraft ge­ge­ben ha­ben!‹

›Ich wer­de mich be­mü­hen, doch ich habe we­nig Hoff­nung.‹

›Den­ke an­ders, sonst wirkt es nicht, Wang Lee! Bit­te, denk an­ders!‹

›Ich be­mü­he mich!‹, ant­wor­te­te er, und ich spür­te, wie er sich kon­zen­trier­te.

Wir ver­fuh­ren auf die glei­che Wei­se wie bei un­se­rem ers­ten Pa­ti­en­ten. Aber nach ei­ner Wei­le merk­te ich, dass es nicht so lief wie beim ers­ten Mal. Wir dran­gen gar nicht rich­tig zu ihm vor, und er schi­en nicht in der Lage zu sein, un­se­re Hil­fe an­zu­neh­men. Er war so schwach, dass wir den Ein­druck hat­ten, er wäre schon halb in ei­ner an­de­ren Welt.

Nach ei­ni­ger Zeit ga­ben wir frus­triert auf. Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga, der das be­merkt hat­te, kam zu uns he­r­an und er­kun­dig­te sich be­sorgt:

›Was ist? Sie sind bei ihm so schnell fer­tig? Ich habe auch nicht wie vor­hin das Ge­fühl, dass sich sein Zu­stand ge­bes­sert hat.‹

Ich sah ihm in die Au­gen und sag­te:

›Ich weiß nicht, ob wir nicht mehr ge­nü­gend Kraft ha­ben oder ob er schon so schwach ist, dass er un­se­re Hil­fe nicht mehr an­neh­men kann. Auf je­den Fall drin­gen wir gar nicht mehr bis zu ihm vor.‹

›Steht es so schlecht um ihn?‹

›Ich den­ke, ja! Wir ken­nen lei­der nur die­se Me­tho­de, um je­mand Kraft zu ge­ben, und der Be­trof­fe­ne muss be­reit sein, sie an­zu­neh­men. Wenn es mög­lich wäre, ihm die Kraft auf eine an­de­re Art zu ge­ben, hät­ten wir viel­leicht Er­folg, aber so ...‹

Be­stützt sah der Sa­mu­rai auf den nur noch schwach at­men­den Mann. Ich hat­te den Ein­druck, dass ihm je­der die­ser Män­ner wirk­lich ans Herz ge­wach­sen war. Er wür­de sich ei­nem Ja­pa­ner ge­gen­über si­cher­lich nie­mals eine sol­che Emp­fin­dung an­mer­ken las­sen, doch bei uns schi­en ihm die­se Maß­nah­me nicht nö­tig zu sein.

›Ha­ben Sie al­les ver­sucht?‹

Ich nick­te nur be­stä­ti­gend.

›Dann wer­den wir ihn wohl auch noch ver­lie­ren‹, sag­te er trau­rig und wen­de­te sich ab.

Ich wuss­te nicht, was ich dar­auf ant­wor­ten soll­te, und auch Wang Lee, den ich rat­los an­sah, ging es nicht bes­ser. Das währ­te aber nur we­ni­ge Au­gen­bli­cke, dann sprach uns der Sa­mu­rai wie­der an:

›Sie ha­ben ge­hol­fen, so gut Sie konn­ten, und ohne Ihre Hil­fe wä­ren wir jetzt alle tot. Auch bei den Ver­wun­de­ten ha­ben Sie mehr ge­tan, als ich er­war­tet hat­te. Sei­en Sie ver­si­chert, dass wir das nie­mals ver­ges­sen wer­den!‹

Er ver­neig­te sich wie­der ein­mal leicht vor uns, und mir wur­de das lang­sam pein­lich, denn so viel Ehr­er­bie­tung schi­en mir un­an­ge­bracht.

›Sie brau­chen sich nicht im­mer vor uns zu ver­nei­gen. Wir sind nur ein­fa­che Mön­che, und Ihre Stel­lung ist viel be­deu­ten­der als die un­se­re.‹

Ge­schickt nutz­te Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga die Mög­lich­keit, um den Auf­trag sei­nes Herrn zu er­fül­len.

›Ich den­ke, auch in Chi­na ist es nicht un­üb­lich, ei­nem an­de­ren auf die­se Art und Wei­se sei­ne Dank­bar­keit zu zei­gen. Der Rang oder die Stel­lung spie­len da­bei nur eine un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Doch ich habe, ob­wohl Sie chi­ne­sisch spre­chen, als wäre es Ihre Mut­ter­spra­che, den Ein­druck, dass Sie kein Chi­ne­se sind.‹

Wie soll­te ich jetzt re­agie­ren? Ich war un­si­cher, wie viel und was ich ihm über­haupt er­zäh­len soll­te oder durf­te. Mei­ne Un­si­cher­heit mit ei­nem Lä­cheln über­spie­lend, sag­te ich aus­wei­chend:

›Sie lie­gen nicht falsch, aber viel­leicht auch nicht ganz rich­tig mit Ih­rer Ver­mu­tung, aber das ist eine lan­ge Ge­schich­te, die wir uns für eine ru­hi­ge­re Zeit auf­he­ben soll­ten.‹

Ich woll­te erst ein­mal Zeit ge­win­nen, um mir über mei­ne wei­te­re Vor­ge­hens­wei­se klar zu wer­den. Glück­li­cher­wei­se er­for­der­ten in die­sem Mo­ment an­de­re Din­ge un­se­re Auf­merk­sam­keit. Von dem Weg, den wir am Vor­tag ge­kom­men wa­ren, dran­gen Ge­räusche zu uns. Schnell grif­fen die noch kampf­fä­hi­gen Ja­pa­ner zu ih­ren Waf­fen, und auch wir be­ob­ach­te­ten, auf al­les ge­fasst, die Weg­bie­gung.

Er­leich­tert at­me­te ich aus, als ich er­kann­te, dass Chen Shi Mal mit der Hil­fe aus dem Klos­ter kam. Zehn Mön­che hat­te er mit­ge­bracht, und un­ter ih­nen war der bes­te Wund­hei­ler des Klos­ters. Auch ei­ni­ge Pack­pfer­de, die ver­schie­de­ne Din­ge tru­gen, wa­ren da­bei, und ich schöpf­te wie­der Hoff­nung, dass wir dem Mann mit der Bauch­wun­de noch hel­fen konn­ten.

Als uns die­se Grup­pe fast er­reicht hat­te, be­merk­te ich Liu Shi Meng, der aus der an­de­ren Rich­tung auf uns zu­streb­te. Sei­nem Ge­sichts­aus­druck zu­fol­ge hat­te er Er­folg ge­habt, denn er wirk­te fröh­lich und ent­spannt.

Be­vor ich mit ihm spre­chen konn­te, er­reich­te uns aber Chen Shi Mal und be­rich­te­te, wie es ihm er­gan­gen war.

So schnell ihn sei­ne Bei­ne tra­gen konn­ten, war er zum Klos­ter ge­lau­fen und hat­te es spät in der Nacht er­reicht. Ohne Auf­merk­sam­keit zu er­re­gen, weck­te er den Abt, Hu Kang, und be­rich­te­te ihm von den letz­ten Er­eig­nis­sen. Die­ser über­leg­te nicht lan­ge, such­te zehn ver­trau­ens­wür­di­ge Mön­che aus und bat sie, Chen Shi Mal zu be­glei­ten. Nach­dem al­les Not­wen­di­ge ver­schnürt war, bra­chen sie mit den Pack­pfer­den auf. Ih­rer Mei­nung nach hat­te sie nie­mand be­merkt, und der Abt woll­te den wah­ren Grund ih­rer Ab­we­sen­heit auch erst ein­mal ge­heim hal­ten. So hoff­ten wir, selbst wenn die Ver­mu­tun­gen, die wir teil­wei­se heg­ten, zu­tra­fen, vor­läu­fig un­be­hel­ligt zu blei­ben.

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