Kitabı oku: «Traum oder wahres Leben», sayfa 3

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Ich hielt die Ge­sprä­che sehr kurz, denn die Ver­sor­gung der Ver­letz­ten er­schi­en mir wich­ti­ger. Als Ers­tes führ­te ich den Wund­hei­ler zu dem Mann mit der Bauch­wun­de, den er ein­ge­hend un­ter­such­te. Nach­dem er den Ver­band ent­fernt und die Wun­de aus­gie­big be­gut­ach­tet hat­te, stand er mit ei­nem be­dau­ern­den Ge­sichts­aus­druck auf.

›Ich wer­de al­les ver­su­chen, was ich kann, doch ich ma­che mir we­nig Hoff­nung, dass die­ser Mann den mor­gi­gen Tag über­lebt. Selbst wenn ich so­fort zu Stel­le ge­we­sen wäre, hät­te er ver­mut­lich nicht über­lebt, denn es sind in­ne­re Or­ga­ne ver­letzt.‹

Ich sah hi­n­un­ter auf die frei­ge­leg­te Wun­de und er­schrak über de­ren Aus­se­hen. Die Wun­drän­der wa­ren zwar ver­klebt, doch es war al­les ge­rö­tet, und die gan­ze Haut des Ver­letz­ten hat­te eine un­ge­sun­de gel­be Far­be. Es sah aus, als wür­de je­den Au­gen­blick Ei­ter aus der Wun­de her­vor­bre­chen. Auch der all­ge­mei­ne Zu­stand des Man­nes schi­en sich von Mi­nu­te zu Mi­nu­te zu ver­schlech­tern. Ich mach­te mir im­mer mehr Vor­wür­fe, dass wir nicht zu­erst die­sem Mann ge­hol­fen hat­ten. Viel­leicht hät­te un­se­re Kraft aus­ge­reicht, um ihn zu ret­ten.

Der Mönch hat­te mich die gan­ze Zeit be­ob­ach­te­te, be­merk­te mei­nen See­len­kampf, konn­te sich aber nicht er­klä­ren, warum ich so be­drückt war.

›Wie­so be­drückt dich der Zu­stand die­ses Man­nes so sehr? Als wel­chem Grund bist du so nie­der­ge­schla­gen?‹

Aus mei­nen Ge­dan­ken hoch­ge­schreckt, sah ich ihn an.

›Ich ma­che mir Vor­wür­fe, dass ich viel­leicht einen Feh­ler be­gan­gen habe.‹

Er schüt­tel­te den Kopf und stand auf.

›Die Wun­de hät­tet ihr mit dem Wis­sen und den Mit­teln, die ihr habt, nicht bes­ser ver­sor­gen kön­nen. Selbst ich kann nichts an den in­ne­ren Ver­let­zun­gen ma­chen. Wenn der Kör­per sie nicht selbst hei­len kann, sind auch mir die Hän­de ge­bun­den.‹

›Ja, und ge­ra­de des­halb hät­ten wir erst die­sem hier hel­fen müs­sen, um ihm ge­nü­gend Kraft zur Selbst­hei­lung zu ge­ben!‹, sag­te ich trau­rig.

Rat­los sah er mich an und er­kun­dig­te sich dann nach dem, was wir ge­tan hat­ten, und warum ich so dach­te. Ich führ­te ihn zu dem Mann mit der Hals­ver­let­zung und schil­der­te ihm un­ser Vor­ge­hen. Mit je­dem Wort, das ich sag­te, wur­den sei­ne Au­gen grö­ßer. Er mus­ter­te mich und Wang Lee mit ei­ner Mi­schung aus Er­stau­nen und Hoch­ach­tung.

›Ich wuss­te nicht, dass Han Li­ang Tian sein Wis­sen um die­se Kräf­te wei­ter­ge­ge­ben hat und dass es ihm ge­lun­gen ist, je­mand zu fin­den, der die­se Kräf­te auch nut­zen kann. Ich selbst hat­te es ver­sucht, doch mir fehlt die in­ne­re Kraft, um das zu be­wir­ken, was ihr be­herrscht.‹

Er schau­te sich den Mann mit der Hals­ver­let­zung nä­her an und ließ sich den Ver­lauf noch ein­mal ge­nau schil­dern.

›Ich den­ke, ohne die Hil­fe, die ihr ihm ge­ge­ben habt, hät­te er nicht über­lebt. Das Blut, das er he­r­aus­würg­te, wäre nach und nach in die Lun­gen ge­ra­ten und hät­te ihm ein qual­vol­les Ende be­rei­tet. Ihr habt mit eu­rer Kraft et­was be­wirkt, was kein Hei­ler mit nor­ma­len Mit­teln er­rei­chen kann. Und ich bin si­cher, wenn ihr das erst bei dem an­de­ren ge­tan hät­tet, dann wäre Hil­fe bei die­sem hier nicht mehr mög­lich ge­we­sen.‹

Er schau­te noch ein­mal von ei­nem zum an­de­ren und schüt­tel­te wie­der mit dem Kopf.

›Nein, so grau­sam es klingt, ihr habt un­be­wusst die rich­ti­ge Ent­schei­dung ge­trof­fen, denn so hat we­nigs­tens ei­ner die Mög­lich­keit zu über­le­ben!‹

Ich spür­te, dass es ihm ernst war mit dem, was er sag­te, doch es be­ru­hig­te mich nur we­nig. Noch lan­ge mach­te ich mir Vor­wür­fe, dass ich zu die­sem Zeit­punkt eine falsche Ent­schei­dung ge­trof­fen hat­te.

Der Hei­ler ging wie­der zu dem mit der Bauch­ver­let­zung. Zu­sam­men mit ei­nem an­de­ren Mönch, der sich in der Zwi­schen­zeit schon um den Mann ge­küm­mert hat­te, rei­nig­ten und ver­ban­den sie die Wun­de noch ein­mal. Dann flöß­ten sie dem Mann einen stär­ken­den Trunk ein, doch fast un­mit­tel­bar da­nach wand er sich in Krämp­fen, bis er zit­ternd und schwach at­mend in eine tie­fe Ohn­macht fiel.

Da ich die Ver­letz­ten in gu­ten Hän­den wuss­te, ging ich zu Liu Shi Meng. Ihn hat­te ich seit sei­ner An­kunft noch nicht ge­spro­chen, und ich woll­te ger­ne wis­sen, wie sei­ne Su­che ver­lau­fen war.

Er stand bei Chen Shi Mal, und sie un­ter­hiel­ten sich ge­ra­de über die letz­ten Er­eig­nis­se.

›Warst du er­folg­reich Liu Shi Meng?‹, frag­te ich, als ich bei ih­nen an­kam.

›Ja, ich hat­te doch noch sehr gut in Er­in­ne­rung, wie Han Li­ang Tian mir da­mals den Weg in das Dorf be­schrie­ben hat­te. Als ich den Dorf­be­woh­nern von den letz­ten Er­eig­nis­sen be­rich­te­te und sie frag­te, ob sie uns hel­fen wür­den, ver­spra­chen sie es so­fort. Sie be­rei­ten al­les für un­se­re An­kunft vor, und Män­ner des Dor­fes wer­den mor­gen früh hier sein, um uns beim Trans­port zu hel­fen.‹

›Das ist wirk­lich eine gute Nach­richt! Nun müs­sen wir nur noch se­hen, dass wir auch be­reit sind, mor­gen früh auf­zu­bre­chen.‹

›Wie­so soll­ten wir nicht?‹, warf Chen Shi Mal ein.

›Nun, wir müs­sen uns ja noch um die To­ten küm­mern! Oder willst du sie ein­fach so lie­gen las­sen?‹

Chen Shi Mal sah sich er­staunt um, denn er hat­te die Lei­chen nir­gend­wo ge­se­hen. Das konn­te er auch nicht, denn die Ja­pa­ner hat­ten alle To­ten am Vor­tag in die Sei­ten­schlucht ge­tra­gen, aus der der klei­ne Fluss kam.

Wir mach­ten uns auf den Weg, um uns vor Ort einen Über­blick zu ver­schaf­fen, und kurz vor dem Ziel er­hiel­ten wir Ge­sell­schaft. Wang Lee, Date Ma­sa­mu­ne und der Dol­met­scher schlos­sen sich uns an.

Der Blick in die Sei­ten­schlucht öff­ne­te sich, und wir sa­hen die to­ten Ja­pa­ner, die, so gut das mit den vor­han­de­nen Mit­teln ging, eh­ren­voll auf­ge­bart wa­ren. Da­vor stand ei­ner der nur leicht ver­letz­ten Sol­da­ten und hielt Wa­che. In ei­ni­ger Ent­fer­nung an der Fels­wand wa­ren die to­ten Chi­ne­sen lieb­los auf einen Hau­fen ge­wor­fen. Es war ein trau­ri­ger An­blick, und ich stock­te kurz, um das zu ver­ar­bei­ten.

Der Fürst sah mich fra­gend an, und der Sa­mu­rai sprach aus, was die­ser dach­te:

›Fin­den Sie die Be­hand­lung der to­ten An­grei­fer un­ge­recht­fer­tigt?‹

Ihm in die Au­gen bli­ckend, ant­wor­te­te ich:

›So wür­de ich das nicht aus­drücken. Ich fin­de den sinn­lo­sen Tod so vie­ler Men­schen be­drückend und be­dau­re, dass Ih­nen und Ih­ren Män­nern so viel Leid zu­ge­fügt wur­de.‹

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga nick­te und über­setz­te dem Fürs­ten mei­ne Ant­wort, um mir gleich dar­auf des­sen Wor­te zu über­mit­teln.

›Date Ma­sa­mu­ne be­dankt sich für Ihre freund­li­chen Wor­te und möch­te wis­sen, wie es wei­ter­geht.‹

Ich er­klär­te ihm, dass wir am nächs­ten Mor­gen in das Dorf auf­bre­chen woll­ten, uns aber vor­her noch um die To­ten küm­mern müss­ten. Der Fürst stimm­te zu und frag­te, ob es uns mög­lich wäre, sei­ne Lands­män­ner mit bud­dhis­ti­schen Bräu­chen zu be­stat­ten.

Ich be­riet mich kurz mit mei­nen Freun­den, und wir ka­men über­ein, dass Chen Shi Mal mit zwei wei­te­ren Mön­chen die Su­tren, also die Re­den des Bud­dha, vor­le­sen wür­de. Au­ßer­dem soll­te je­der, der ein we­nig Zeit hat­te, sich zu ih­nen ge­sel­len, um der To­ten zu ge­den­ken. Ich woll­te in der Zwi­schen­zeit mit Hil­fe von Wang Lee und Liu Shi Meng die Grä­ber am Fluss­rand aus­he­ben.

Als wir die Ja­pa­ner schließ­lich be­stat­tet hat­ten, häuf­ten wir über ih­ren Grä­bern klei­ne Stein­py­ra­mi­den an, da­mit die­ser Ort auch von zu­fäl­lig Vor­bei­kom­men­den ent­spre­chend ge­ehrt wur­de. An­schlie­ßend woll­ten wir die Chi­ne­sen da­ne­ben be­stat­ten, doch der Fürst ver­wahr­te sich ener­gisch da­ge­gen, und um kei­ne Miss­s­tim­mung auf­kom­men zu las­sen, wur­den sie an der Fels­wand be­gra­ben. Da es dort nicht mög­lich war, tief ge­nug in den Bo­den ein­zu­drin­gen, war es am Ende nur ein großer Stein­hau­fen, der das Grab kenn­zeich­ne­te.

Die Su­tren wur­den auch bei die­sen To­ten ge­le­sen, doch zu de­ren Ge­den­ken fand sich kei­ner au­ßer Wang Lee und mir ein. Je­der von uns bei­den hing stumm sei­nen ei­ge­nen Ge­dan­ken nach.

Ich über­leg­te, was die­se Män­ner wohl be­wo­gen hat­te, so eine Tat zu be­ge­hen, und warum sich Men­schen im­mer wie­der ge­gen­sei­tig um­brin­gen. Doch ich kam zu kei­nem rech­ten Er­geb­nis, da es so vie­le Grün­de gibt, die zu sol­chen Ta­ten füh­ren, dass ein­fach kei­ne Ver­all­ge­mei­ne­rung mög­lich war. Nur eins ist in al­len Fäl­len gleich: Alle, die eine sol­che Tat be­ge­hen, sind in die­sem Mo­ment von der Rich­tig­keit ih­res Han­delns über­zeugt, und nur we­ni­ge ma­chen sich am Ende Ge­dan­ken dar­über oder be­reu­en, was sie ge­tan ha­ben. Ich hat­te bis­her kei­nem Men­schen per­sön­lich das Le­ben ge­nom­men, doch in­di­rekt zum Tod ei­ni­ger die­ser Chi­ne­sen bei­ge­tra­gen. Nun stand ich da und ver­such­te, vor mei­nem Ge­wis­sen die­ses Han­deln zu recht­fer­ti­gen.

Im Grun­de wuss­te ich, dass mein Ein­grei­fen die ein­zi­ge Mög­lich­keit ge­we­sen war, den Be­dräng­ten zu hel­fen. Es wür­de wohl auch kei­nen ge­ben, der mich des­we­gen ver­ur­tei­len wür­de, den­noch war ich be­drückt.

Als ich durch Chen Shi Mal aus die­sen sich stän­dig im Kreis dre­hen­den Ge­dan­ken ge­ris­sen wur­de, war ich sehr froh.

›Darf ich dich kurz stö­ren, Xu Shen Po?‹

Ich rich­te­te mich auf und sah ihn an.

›Na­tür­lich! Was gibt es denn?‹

›Der ja­pa­ni­sche Fürst möch­te dich ger­ne spre­chen und bit­tet dich, zu ihm zu kom­men.‹

Ich nick­te Wang Lee zu, der sei­ne An­dacht gleich­falls be­en­det hat­te, und be­gab mich zum Fürs­ten, der mich mit dem dol­met­schen­den Sa­mu­rai er­war­te­te.

›Ent­schul­di­gen Sie, das wir Sie ge­stört ha­ben, doch der Fürst muss ei­ni­ge wich­ti­ge Din­ge klä­ren!‹

›Kein Pro­blem! Um was han­delt es sich denn?‹

›Da wir mor­gen in die­ses Dorf auf­bre­chen, in dem die Ver­letz­ten ge­sund ge­pflegt wer­den sol­len, möch­te Date Ma­sa­mu­ne ger­ne wis­sen, wie lan­ge es wohl dau­ern wird, bis wir wei­ter­rei­sen kön­nen?‹

›Oh, das kann ich Ih­nen nicht ge­nau sa­gen. Doch ich den­ke, dass die Schwer­ver­letz­ten erst in zwei bis drei Wo­chen dazu fä­hig sind. Selbst dann wird es nur lang­sam und mit Be­hin­de­run­gen vor­an­ge­hen.‹

Mit ei­nem mür­ri­schen Ge­sichts­aus­druck dis­ku­tier­te der Fürst nach mei­ner Ant­wort mit dem Sa­mu­rai. Erst nach ei­ni­ger Zeit sprach mich Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga wie­der an.

›Der Fürst be­fin­det sich der­zeit in ei­ner schwie­ri­gen Lage. Zum einen ist die­ser lan­ge Auf­ent­halt in kei­ner Form beim Sho­gun ent­schuld­bar, und der Fürst möch­te so zei­tig wie nur ir­gend mög­lich auf­bre­chen. Au­ßer­dem hat er un­ser Schiff zur Mün­dung des Qjang­wei He nach Lia­nyun­gang be­or­dert, das uns dort in den nächs­ten Ta­gen er­war­tet. Wenn wir uns gar zu sehr ver­spä­ten, wird es viel­leicht wie­der da­v­on­se­geln. Aber er möch­te auch sei­ne Män­ner nicht im Stich las­sen und nicht ohne sie auf­bre­chen. Nun über­legt er, ob er ohne die Ver­letz­ten los­ge­hen soll­te. Er könn­te sich bei dem Schiff mel­den und an­schlie­ßend am Kai­ser­hof eine of­fi­zi­el­le Be­schwer­de über den Vor­gang ein­rei­chen. Die Ver­wun­de­ten könn­ten sich nach ih­rer Ge­ne­sung zur Küs­te be­ge­ben und wür­den dann mit auf­ge­nom­men, um ge­mein­sam die Rück­rei­se an­zu­tre­ten.‹

Ich über­leg­te einen Au­gen­blick und war mir nicht si­cher, ob ich un­se­ren Ver­dacht er­wäh­nen soll­te, doch schließ­lich ent­schloss ich mich, sie ohne eine di­rek­te Aus­sa­ge auf die glei­chen Ge­dan­ken zu brin­gen.

›Ich weiß nicht, ob der Ge­dan­ke gut ist! Vor al­lem we­gen der Be­schwer­de am Kai­ser­hof. Als Sie dort den Wunsch zu die­ser Rei­se äu­ßer­ten, hat­ten Sie da den Ein­druck, dass man be­geis­tert über das An­sin­nen war?‹

›Nein, ei­gent­lich nicht! Im Ge­gen­teil, man hat lan­ge ver­sucht, es dem Fürs­ten aus­zu­re­den. Doch wie­so fra­gen Sie jetzt da­nach?‹

›Nun, kurz be­vor Sie ka­men, wur­den wir durch einen Bo­ten vom Kai­ser­hof an­ge­wie­sen, nichts von den Kampf­küns­ten der Mön­che preis­zu­ge­ben. Wir soll­ten den Ein­druck er­we­cken, dass es sich nur um ein ein­fa­ches bud­dhis­ti­sches Klos­ter han­delt und die Ge­rüch­te um die Kampf­mön­che maß­los über­trie­ben sei­en. Der Über­brin­ger die­ser Nach­richt hat sich wäh­rend Ih­rer An­we­sen­heit noch im Klos­ter auf­ge­hal­ten und al­les be­ob­ach­tet. Er war aber mit ei­ni­gen Din­gen nicht ganz zu­frie­den. Vor al­lem der Zwi­schen­fall, bei dem zwei Ih­rer Män­ner Wang Lee und mir aus­wi­chen, hat ihm sehr miss­fal­len.‹

Ich stock­te kurz, denn ich war drauf und dran, al­les preis­zu­ge­ben. Ein we­nig vor­sich­ti­ger sag­te ich des­halb:

›Nun, was glau­ben Sie, was ge­schieht, wenn sich der Fürst am Kai­ser­hof be­schwert? Ich den­ke, man wird sein Be­dau­ern aus­drücken, ver­spre­chen, den Vor­fall zu un­ter­su­chen, und viel­leicht auch eine un­lieb­sa­me Per­son als Sün­den­bock hin­stel­len. Doch ins­ge­heim wird man sich höchs­tens är­gern, dass nicht die ge­sam­te Ge­sandt­schaft in den Ber­gen ver­schol­len ist.‹

Nach­denk­lich sah mich der Sa­mu­rai an und über­setz­te das Ge­hör­te wie­der dem Fürs­ten. Des­sen Ge­sichts­aus­druck ver­fins­ter­te sich bei je­dem Wort mehr, und es folg­te eine sehr ge­reiz­te Dis­kus­si­on zwi­schen den bei­den. Nach ei­ni­ger Zeit wand­te sich Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga wie­der an mich und sag­te:

›Der Fürst ist sehr auf­ge­bracht über das Ver­hal­ten des Kai­ser­ho­fes, hat aber selbst schon die­se Ver­mu­tun­gen ge­habt. Er über­legt nun, wie er sich ver­hal­ten soll.‹

›Warum will er un­be­dingt dar­auf re­agie­ren? Wie hät­te er sich denn in der Si­tua­ti­on des Kai­ser­ho­fes ver­hal­ten? Si­cher­lich nicht viel an­ders, den­ke ich. Au­ßer­dem ist nicht dar­auf re­agie­ren viel be­las­ten­der für die Be­trof­fe­nen. Ich wür­de in der Si­tua­ti­on des Fürs­ten je­den­falls so han­deln.‹

Der Sa­mu­rai sah mich an und schi­en zu über­le­gen, ob und wie er das dem Dai­myo über­set­zen soll­te.

›Über­set­zen Sie ru­hig, was ich ge­sagt habe. Ich ste­he dazu, und wenn der Fürst ehr­lich ist, wird er mir zu­stim­men.‹

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga zö­ger­te im­mer noch und über­leg­te krampf­haft, wie er es be­schö­ni­gen könn­te. Doch der Dai­myo wur­de un­ge­dul­dig und frag­te barsch nach. Dar­auf­hin gab der Sa­mu­rai mei­ne Wor­te un­ver­än­dert wie­der. Im ers­ten Mo­ment stieg Zorn­rö­te in das Ge­sicht des Fürs­ten, doch schon we­ni­ge Au­gen­bli­cke spä­ter lä­chel­te er und sag­te mit ei­nem ver­söhn­li­chen Ge­sichts­aus­druck:

›Sie ha­ben recht, ich hät­te si­cher ähn­lich ge­han­delt! Aber es ist schwie­rig, das hin­zu­neh­men und nicht dar­auf zu re­agie­ren, ohne sein Ge­sicht zu ver­lie­ren.‹

Der Sa­mu­rai über­setz­te sei­ne Wor­te so­fort und schi­en sicht­lich er­leich­tert zu sein. In der Zwi­schen­zeit hat­te der Fürst schon wei­ter­ge­spro­chen, und Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga hat­te Mühe, mit dem Über­set­zen nach­zu­kom­men.

›Die wei­te­re Hand­lungs­wei­se, die sich der Fürst über­legt hat­te, ist also hin­fäl­lig. Nun steht er wie­der am An­fang und fragt, was Sie tun wür­den.‹

Ich hat­te mir schon wäh­rend des vor­an­ge­gan­ge­nen Ge­sprächs Ge­dan­ken über den wei­te­ren Ver­lauf ge­macht und sag­te nun:

›Das Bes­te wäre nach mei­ner An­sicht, erst ein­mal einen Bo­ten zum Schiff zu schi­cken, der es auf die Ver­spä­tung hin­weist und zum War­ten auf­for­dert. Ei­ner von uns könn­te mit ei­nem Schrift­stück des Fürs­ten die­se Auf­ga­be über­neh­men. Dann wür­de ich ihm emp­feh­len, hier aus­zu­har­ren, bis sich alle wie­der auf die Rei­se be­ge­ben kön­nen. Viel­leicht ist es auch mög­lich, dass ei­ni­ge von uns die­sen Zug be­glei­ten, um eine si­che­re Rück­kehr zu ge­währ­leis­ten. Dem Sho­gun wür­de ich die­se Rei­se als not­wen­dig und de­ment­spre­chend er­folg­reich schil­dern. Ich ken­ne nicht den Grund Ih­res Be­su­ches am chi­ne­si­schen Kai­ser­hof, doch ich den­ke, dass es ir­gend­wie in Ih­ren Auf­trag pas­sen wür­de, wenn Sie so vor­ge­hen. Mit ein we­nig Ge­schick kön­nen Sie das so­gar als Er­folg ver­bu­chen.‹

Wie­der stock­te der Sa­mu­rai beim Über­set­zen und sah mich prü­fend an. Auch der Dai­myo re­agier­te so, als ihm das Ge­sag­te über­setzt wur­de.

›Sie er­stau­nen uns im­mer wie­der!‹, fass­te Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga sei­ne und des Fürs­ten Ge­dan­ken zu­sam­men. ›Nach­dem wir Sie nun bes­ser ken­nen ge­lernt ha­ben, fällt es uns schwer, in Ih­nen den ein­fa­chen Mönch zu se­hen, der Sie nach au­ßen zu sein schei­nen. Der Fürst und auch ich den­ken mitt­ler­wei­le, dass Sie eher ein ge­wand­ter Di­plo­mat sind, der ir­gend­wie hier ge­stran­det ist.‹

Ich lach­te kurz auf.

›Nun, Sie ha­ben recht und auch wie­der nicht! Ich bin nicht von hier, son­dern durch selt­sa­me Um­stän­de hier­her ge­langt! Ein Mönch bin ich nicht, wie Sie rich­tig er­kannt ha­ben, doch bin ich nach den Jah­ren, die ich hier schon lebe, ein Mit­glied des Klos­ters und ein Teil die­ses Lan­des. Aber ein Di­plo­mat bin ich be­stimmt nicht! Ob­wohl ich in mei­nem al­ten Le­ben ein Händ­ler oder nach Ih­rem Ver­ständ­nis eher ein Kauf­mann war und die­se Ar­beit ei­ni­ges di­plo­ma­ti­sches Ge­schick ver­langt. Da­her weiß ich auch, dass man, ohne zu lü­gen oder den an­de­ren zu be­trü­gen, oft Din­ge er­rei­chen kann, die der Ver­hand­lungs­part­ner vor­her gar nicht woll­te. Mit Ge­schick und Fein­ge­fühl kann ich die Ge­dan­ken mei­nes Ge­gen­spie­lers in eine mir güns­ti­ge Rich­tung len­ken und mein Ziel er­rei­chen, ob­wohl der an­de­re denkt, dass er sein Ziel er­reicht hat.‹

Lä­chelnd über­setz­te der Sa­mu­rai die­se Wor­te sei­nem Fürs­ten. Die­ser nick­te an­er­ken­nend und sag­te:

›Es ist Date Ma­sa­mu­ne eine Ehre, Sie ken­nen ge­lernt zu ha­ben, und er fragt, ob es Ih­nen mög­lich ist, ihm die­se Kunst nä­her­zu­brin­gen. Er war im­mer ein Kriegs­herr, in di­plo­ma­ti­schen Din­gen hat er sich meist auf an­de­re ver­las­sen, doch jetzt wird es im­mer drin­gen­der, auch dar­in be­wan­dert zu sein.‹

Wie­der lach­te ich kurz auf.

›Kunst!? Na ja, viel­leicht ist es et­was in die­ser Art, und viel­leicht könn­te ich dem Fürs­ten auch den einen oder an­de­ren Rat­schlag ge­ben, aber das Ge­fühl da­für muss er selbst ent­wi­ckeln, und das dau­ert sei­ne Zeit.‹

Der Dai­myo war mit mei­nem Vor­schlag über das wei­te­re Vor­ge­hen ein­ver­stan­den und be­gab sich zu sei­nem Ge­päck, um ein Schrift­stück auf­zu­set­zen, das ei­ner von uns zu sei­nem Schiff brin­gen wür­de.

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga blieb noch kurz ste­hen und sag­te zu mir:

›Sei­en Sie sich der großen Ehre be­wusst, die der Fürst Ih­nen eben er­wie­sen hat, denn Kauf­leu­te sind bei uns die un­ters­te Stan­des­rie­ge und wer­den meist nur ver­ach­tet. Ich neh­me aber an, dass er in Ih­nen nicht den Kauf­mann, son­dern den großen Krie­ger sieht, der Sie auch sind. Aber ich wür­de Ih­nen ra­ten, ei­nem ja­pa­ni­schen Sa­mu­rai ge­gen­über nie­mals wie­der zu er­wäh­nen, dass Sie Kauf­mann wa­ren. Es wür­de Ih­nen nur zum Nach­teil ge­rei­chen.‹

Er nick­te mir freund­lich zu und folg­te dem Fürs­ten.«

Das An­ge­bot

»Am nächs­ten Mor­gen weck­te mich eine Un­ru­he, die bei den Ver­letz­ten aus­ge­bro­chen war. Der Hei­ler hat­te sich gleich beim ers­ten Ta­ges­licht zu ih­nen be­ge­ben und fest­ge­stellt, dass der Mann mit der Bauch­ver­let­zung in der Nacht ge­stor­ben war. Als ich hin­zu­kam, sah er mich mit ei­nem be­dau­ern­den Blick an und sag­te:

›Was ich be­fürch­tet hat­te, ist ein­ge­tre­ten. Die Ver­let­zun­gen die­ses Man­nes wa­ren so schwer, dass es uns nicht ge­lun­gen ist, ihm zu hel­fen. Schon der ers­te Ein­druck hat­te mich das be­fürch­ten las­sen, den­noch ha­ben wir ihn nicht auf­ge­ge­ben, aber all un­ser Be­mü­hen war ver­geb­lich.‹

Trau­rig blick­te ich auf die­sen wei­te­ren To­ten, und die Ge­dan­ken, et­was ver­säumt oder falsch ge­macht zu ha­ben, stie­gen wie­der in mir auf. Der Hei­ler, der dies sah, über­leg­te schon, wie er mir hel­fen könn­te, als wir vom Dai­myo und sei­nem dol­met­schen­den Sa­mu­rai ge­stört wur­den.

›Gibt es Pro­ble­me mit den Ver­letz­ten?‹, frag­te Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga.

Ich hol­te tief Luft und ant­wor­te­te:

›Lei­der ist die­ser Mann sei­nen schwe­ren Ver­let­zun­gen er­le­gen. Alle Kunst der Mön­che konn­te ihm nicht mehr hel­fen, und wir müs­sen den an­de­ren Grä­bern ein wei­te­res hin­zu­fü­gen.‹

Be­dau­ernd be­trach­te­ten ihn die bei­den Ja­pa­ner, und der Sa­mu­rai über­setz­te die Wor­te des Fürs­ten:

›Er war ein gu­ter Mann, und er wird als sol­cher wie­der­ge­bo­ren. Wir wer­den ihm die ge­büh­ren­de Ehre er­wei­sen.‹

Da wir bald auf­bre­chen woll­ten, ging ich mit Wang Lee dar­an, ein neu­es Grab aus­zu­he­ben, wäh­rend ei­ni­ge Mön­che die nö­ti­gen bud­dhis­ti­schen Ri­ten voll­zo­gen.

Die Son­ne hat­te schon einen großen Teil ih­rer Vor­mit­tags­bahn hin­ter sich, als auch die­ser Ja­pa­ner sei­ne letz­te Ruhe ge­fun­den hat­te. Die Män­ner aus dem Dorf wa­ren in­zwi­schen an­ge­kom­men und hat­ten mit­ge­hol­fen, die Ver­wun­de­ten trans­port­fä­hig zu ma­chen. Nach­dem das al­les ge­sche­hen war, ver­lie­ßen wir die­sen Ort, den ich auch nie­mals wie­der­se­hen soll­te.

Die nächs­ten drei Wo­chen ver­gin­gen auf Grund der vie­len Ar­beit, die wir hat­ten, wie im Fluge. Mit un­se­rer Hil­fe bau­ten die Dorf­be­woh­ner in­ner­halb kur­zer Zeit eine neue Hüt­te auf, in der alle Ver­wun­de­ten un­ter­ge­bracht wur­den. Es war be­stimmt kein Meis­ter­werk, doch für die vor­läu­fi­ge Un­ter­brin­gung in die­sen war­men Som­mer­mo­na­ten war die Be­hau­sung aus­rei­chend. Die Dorf­be­woh­ner gin­gen da­nach er­leich­tert wie­der ih­ren täg­li­chen Ar­bei­ten nach. Froh über ihre bis­he­ri­ge Hil­fe, un­ter­stütz­ten wir sie, wo wir nur konn­ten.

In ei­ni­gen Nacht-und-Ne­bel-Ak­tio­nen wur­de Nach­schub aus dem Klos­ter ge­holt, und auch die Dorf­be­woh­ner wur­den reich­lich ent­schä­digt. Al­ler­dings muss­ten sie da­für ver­spre­chen, für im­mer über die­se Vor­gän­ge zu schwei­gen, und auf Grund der ab­ge­le­ge­nen Lage des Dor­fes be­stand die be­rech­tig­te Hoff­nung, dass das auch ge­sche­hen wür­de. Au­ßer­dem hat­ten sie mit der Hüt­te, die wir ge­baut hat­ten, einen Spei­cher­raum ge­won­nen, den sie ge­mein­sam nut­zen woll­ten, und wa­ren froh, dass sie die­se Un­an­nehm­lich­kei­ten auf sich ge­nom­men hat­ten.

Der Tag des Auf­bruchs kam nä­her, und ich saß mit Wang Lee, Chen Shi Mal und den Ja­pa­nern bei­sam­men, um das wei­ter Vor­ge­hen zu be­spre­chen.

›Mei­ne Män­ner ha­ben sich so weit er­holt, dass wir un­se­re Rei­se fort­set­zen kön­nen. Die zwei, die noch nicht so gut zu Fuß sind, be­kom­men die Pfer­de, die uns das Klos­ter freund­li­cher­wei­se zur Ver­fü­gung ge­stellt hat. Ich möch­te des­halb in den nächs­ten Ta­gen auf­bre­chen. Wer­den die Kampf­mön­che, die uns be­glei­ten sol­len, bis da­hin hier sein?‹, frag­te der Dai­myo.

Alle au­ßer mir, Wang Lee und Chen Shi Mal wa­ren, so­weit sie nicht mehr ge­braucht wur­den, nach und nach ins Klos­ter zu­rück­ge­kehrt. Dem Abt war es ge­lun­gen, die wah­ren Hin­ter­grün­de ih­rer Ab­we­sen­heit zu ver­schlei­ern, und jetzt soll­ten zehn Kampf­mön­che zur Be­glei­tung der Ja­pa­ner kom­men. Ich wuss­te nicht, wie Hu Kang das be­grün­den woll­te, doch ihm wür­de schon et­was ein­fal­len. Wir er­war­te­ten täg­lich ihre An­kunft, was ich dem Fürs­ten auch mit­teil­te:

›Ich den­ke, sie könn­ten heu­te schon kom­men, und dann steht Ih­rem Auf­bruch nichts mehr im Wege.‹

›Und Sie, wer­den Sie Ihre Rei­se zu dem an­de­ren Klos­ter jetzt fort­set­zen?‹, frag­te mich Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga.

Ich hat­te mich über die­sen Punkt schon mit Wang Lee und Chen Shi Mal un­ter­hal­ten. Bei die­sen Ge­sprä­chen hat­te ich be­schlos­sen, dass mich ei­gent­lich nichts dräng­te und ich des­halb ger­ne die Rei­se zur Küs­te mit­ma­chen wür­de. Auch Wang Lee und Chen Shi Mal woll­ten mit­kom­men, um dann ge­mein­sam mit ih­rem Freund Liu Shi Meng, der mit dem Schrift­stück des Fürs­ten zum Schiff auf­ge­bro­chen war, wie­der zu­rück­zu­rei­sen. Ich hat­te mir vor­ge­nom­men, von der Küs­te aus auf ei­nem an­de­ren Weg nach Wu­dang zu wan­dern, um so Land und Leu­te noch bes­ser ken­nen zu ler­nen. Des­halb sag­te ich:

›Ich hat­te ge­hofft, Sie wür­den mir und mei­nen Freun­den ge­stat­ten, Sie bis zu Ih­rem Schiff zu be­glei­ten.‹

›Na­tür­lich ger­ne, doch wir hat­ten an­ge­nom­men, dass es Sie auf Grund die­ses lan­gen Auf­ent­halts drän­gen wür­de, Ihre Rei­se zu dem an­de­ren Klos­ter so schnell wie nur mög­lich fort­zu­set­zen.‹

›Mich drängt nichts, und ich wer­de auch nicht er­war­tet. Also spielt es kei­ne Rol­le, wann ich an­kom­me. Die­se Rei­se ist oh­ne­hin ein Ab­schied von Shao­lin, da ich das Klos­ter ver­las­sen möch­te, um nicht stän­dig Kon­flik­te he­r­auf­zu­be­schwö­ren.‹

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga über­setz­te mit viel­sa­gen­den Mie­ne mei­ne Ant­wort, und der Dai­myo blick­te über­rascht auf.

›Der Fürst möch­te ger­ne wis­sen, ob das nur ein zeit­wei­li­ger Ab­schied von Shao­lin ist und warum Ihre An­we­sen­heit für Kon­flik­te sorgt.‹

›Nun, dar­auf kann ich nicht so ein­fach ant­wor­ten, aber ei­ni­ge sind der Mei­nung, dass ich nicht in die­ses Klos­ter ge­hö­re, und sie las­sen es mich auch un­miss­ver­ständ­lich spü­ren. Zu ei­nem Teil ha­ben sie durch­aus recht, denn ich bin kein Mönch, son­dern nur ein Gast, und Gäs­te soll­ten nach ei­ner ge­wis­sen Zeit den Ort ver­las­sen, den sie be­su­chen.‹

Wang Lee woll­te wi­der­spre­chen, doch ich un­ter­brach ihn mit ei­ner Hand­be­we­gung und fuhr fort:

›Es wäre nicht wei­ter schlimm, da nur we­ni­ge so den­ken, mitt­ler­wei­le lei­den aber auch jene dar­un­ter, die sich zu mir be­ken­nen und die ich zu mei­nen Freun­den zäh­le. Um die­sen Zu­stand zu be­en­den, habe ich mich ent­schlos­sen, in das an­de­re Klos­ter zu ge­hen, da ich dort bei mei­nen bis­he­ri­gen Be­su­chen im­mer will­kom­men war. Das Dum­me ist aber, dass ich auch dort nur ein Gast bin‹, sag­te ich nach­denk­lich.

Das An­ge­bot, dass mir der Dai­myo dar­auf­hin mach­te, über­rasch­te mich sehr.

›Da Sie an nichts ge­bun­den sind, möch­te der Fürst Sie fra­gen, ob Sie ihn nach Ja­pan be­glei­ten wür­den? Er ist Ih­nen dank­bar für all die Hil­fe, die Sie uns ge­leis­tet ha­ben, und möch­te sich auf die­se Art da­für be­dan­ken.‹

Ich muss wohl ein we­nig selt­sam drein­ge­schaut ha­ben, denn er füg­te schnell hin­zu:

›Nicht als Gast, son­dern als Leh­rer in di­plo­ma­ti­schen Din­gen, was ent­spre­chend ent­lohnt wür­de. Date Ma­sa­mu­ne hat sehr viel Ach­tung vor Ih­nen und Ih­ren Fä­hig­kei­ten, und er möch­te ei­ni­ges da­von ler­nen.‹

›Ich bin mir nicht si­cher, ob ich dazu in der Lage bin. Denn mich führt in sol­chen Din­gen oft mein Chi, und das kann man nicht so ein­fach wei­ter­ge­ben.‹

›Ma­chen Sie sich dar­über kei­ne Ge­dan­ken, der Fürst ist über­zeugt da­von, und das reicht. Sie müs­sen sich auch nicht gleich ent­schei­den. Da es Date Ma­sa­mu­ne sehr recht ist, wenn Sie uns bis zur Küs­te be­glei­ten, ist es aus­rei­chend, wenn Sie Ihre Ent­schei­dung an un­se­rem Ziel be­kannt ge­ben.‹

Mit die­sem Ge­dan­ken muss­te ich mich erst ein­mal an­freun­den, wür­de es doch be­deu­ten, dass ich wie­der in eine neue, un­be­kann­te Um­ge­bung wech­seln müss­te. Mich wie­der mit ei­ner neu­en Spra­che, an­de­ren Sit­ten und Ge­bräu­chen an­zu­freun­den er­schi­en mir im ers­ten Mo­ment auch we­nig er­stre­bens­wert. Des­halb war ich un­schlüs­sig, was ich ant­wor­ten soll­te. Doch die­ses The­ma wur­de erst ein­mal fal­len­ge­las­sen, und wir wand­ten uns wie­der den an­ste­hen­den Auf­ga­ben zu.

Am Ende un­se­rer Zu­sam­men­kunft ka­men wir über­ein, al­les für die Rei­se vor­zu­be­rei­ten und nur noch die Kampf­mön­che ab­zu­war­ten. Die Dorf­be­woh­ner hat­ten zwar auch Vor­tei­le von un­se­rer An­we­sen­heit ge­habt, aber al­les in al­lem wa­ren sie froh, dass wie­der Ruhe ein­keh­ren wür­de. Um die Mit­tags­zeit des fol­gen­den Ta­ges tra­fen die Kampf­mön­che im Dorf ein, und der Auf­bruch wur­de auf den nächs­ten Mor­gen fest­ge­legt.

Die Grup­pe be­stand aus­schließ­lich aus Mön­chen, die in das alte Klos­ter­le­ben zu­rück­ge­kehrt wa­ren und die ich alle sehr gut kann­te. Je­der von ih­nen war ver­trau­ens­wür­dig, und kei­ner wür­de je­mals mit Nicht­ein­ge­weih­ten dar­über spre­chen.

Hu Kang hat­te als of­fi­zi­el­len Grund eine Hil­fe­leis­tung für ein ent­fern­te­res Dorf an­ge­ge­ben und die Dau­er die­ses Ein­sat­zes of­fen ge­las­sen. Auch für die lan­ge Ab­we­sen­heit von Wang Lee, Chen Shi Mal und Liu Shi Meng hat­te er eine gute Be­grün­dung ge­fun­den. Alle glaub­ten, dass sie mich aus Freund­schaft nun doch wei­ter be­glei­te­ten als ur­sprüng­lich ge­plant, und so ganz un­wahr war das ja auch nicht.

Als wir am Mor­gen des nächs­ten Ta­ges auf­bra­chen, wur­den wir freund­lich von den Dorf­be­woh­nern ver­ab­schie­det. An der Spit­ze un­se­rer Ge­sell­schaft gin­gen Wang Lee, Chen Shi Mal und ich. Uns folg­te die ja­pa­ni­sche Ge­sandt­schaft, die zum großen Teil be­rit­ten war. Die bei­den ja­pa­ni­schen Sol­da­ten, die als ein­zi­ge zu Fuß gin­gen, führ­ten die Pack­pfer­de. Ih­nen folg­ten am Ende un­se­rer Rei­se­ge­sell­schaft die Kampf­mön­che. Es wur­de nicht viel ge­spro­chen, und ich konn­te un­ge­hin­dert mei­nen Ge­dan­ken nach­hän­gen. Die­se dreh­ten sich haupt­säch­lich um das An­ge­bot des Fürs­ten. Lan­ge wäg­te ich das Für und das Wi­der ab, be­vor ich einen Ent­schluss fass­te, der erst an der Küs­te fest­stand.

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