Kitabı oku: «Traum oder wahres Leben», sayfa 5

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Ich nick­te zur Be­stä­ti­gung, ohne den Blick vom Fürs­ten ab­zu­wen­den.

›Gut, nun zum ei­gent­li­chen Zweck die­ses Ge­sprä­ches.‹

Die An­span­nung der letz­ten Mi­nu­ten schi­en ein klein we­nig von Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga ab­zu­fal­len.

›Der Fürst muss, so­bald wir in Edo sind, beim Sho­gun um eine Au­di­enz bit­ten und ihm Be­richt er­stat­ten. Zu die­ser Au­di­enz darf ihn kei­ner be­glei­ten, schon gar nicht du mit dei­nem of­fen­kun­dig aus­län­di­schen Aus­se­hen.‹

Ich hol­te Luft, um einen Ein­wurf zu ma­chen, doch er un­ter­brach mich so­fort.

›Ich er­klä­re das spä­ter in Ruhe!‹

Ich at­me­te aus und neig­te leicht den Kopf.

›Gut, Date Ma­sa­mu­ne hät­te gern einen Rat von dir. In ei­nem Ge­spräch nach dem Kampf hat­test du ge­sagt, du wür­dest dem Sho­gun die Rei­se nach Shao­lin als not­wen­dig und er­folg­reich schil­dern. Der Fürst möch­te wis­sen, wie er das ma­chen soll.‹

›Nun, dazu wäre es sinn­voll, wenn ich wüss­te, was der ei­gent­li­che Zweck des Be­suchs am chi­ne­si­schen Kai­ser­hof war.‹

Da Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga nicht gleich mit der Über­set­zung be­gann, mach­te ich eine auf­for­dern­de Hand­be­we­gung, denn ich woll­te, ein­ge­denk sei­ner Wor­te, den Blick nicht vom Dai­myo ab­wen­den.

Zö­gernd über­setz­te er mei­ne Fra­ge und ern­te­te nur zwei Wor­te und ein Kopf­schüt­teln.

›Der Fürst kann und darf dir den Grund die­ser Rei­se nicht mit­tei­len!‹

›Hm, ich hat­te et­was in der Art er­war­tet. Nun gut, ich muss also ein we­nig ra­ten und gehe des­halb da­von aus, dass es mit den im­mer wie­der auf­tre­ten­den Feind­se­lig­kei­ten zwi­schen Chi­na und Ja­pan zu­sam­men­hängt.‹

Shi­ge­na­ga über­setz­te flie­ßend mei­ne Wor­te, und Date Ma­sa­mu­ne hob am Ende leicht die Schul­tern. Da­bei mach­te er eine Ges­te, die ich als »viel­leicht« deu­te­te. Ich ver­such­te, ein Grin­sen zu un­ter­drücken, und fuhr fort:

›Gut. In ei­nem un­se­rer Ge­sprä­che, die wir nach dem Kampf in Chi­na ge­führt ha­ben, sprach der Fürst da­von, dass er an ei­ner In­va­si­on in Ko­rea be­tei­ligt war, in der es auch zu Kämp­fen mit den Trup­pen des chi­ne­si­schen Kai­sers kam. In­so­fern gehe ich da­von aus, dass die Rei­se den Zweck hat­te, ent­we­der in Er­fah­rung zu brin­gen, ob eine neu­er­li­che In­va­si­on er­folg­reich sein könn­te, oder ob die Ge­fahr be­steht, dass Chi­na oder Ko­rea et­was in der Art pla­nen.‹

Ich mach­te eine Pau­se und schau­te den Dai­myo fra­gend an.

Wie­der die glei­che Ges­te, doch auch er konn­te ein Grin­sen kaum un­ter­drücken.

›Wenn das so sein soll­te, dann sind na­tür­lich alle In­for­ma­tio­nen, die mit der Aus­bil­dung der chi­ne­si­schen Trup­pen zu tun ha­ben, von Be­deu­tung. Date Ma­sa­mu­ne hat Ge­rüch­te ge­hört oder un­ter der Hand von Zu­trä­gern ei­ni­ges über die kämp­fen­den Shao­lin-Mön­che er­fah­ren. Ihm kam zu Oh­ren, dass sie die kai­ser­li­chen Wa­chen und hohe Of­fi­zie­re aus­bil­den, ein ge­wis­ses Trup­pen­po­ten­ti­al ha­ben und ak­tiv in Kon­flik­te ein­grei­fen. Dar­über hi­n­aus wur­den sie als her­vor­ra­gen­de Kämp­fer ge­rühmt, die von ei­nem großen Ge­ne­ral an­ge­führt wer­den.‹

Ich mach­te eine klei­ne Pau­se, denn ich be­merk­te die An­span­nung in Ma­sa­mu­nes Blick und Hal­tung. Sei­ne auf­ge­wühl­ten Ge­dan­ken wa­ren von mei­nem ge­schul­ten Geist leicht zu be­mer­ken, da ich sei­ne Spra­che noch nicht ver­stand, nahm ich je­doch im Mo­ment nur wir­re Bil­der wahr. Es ge­lang mir nicht, die­se rich­tig zu­zu­ord­nen, und mir wur­de klar, dass ich ihm ver­mut­lich mehr ver­ra­ten hat­te, als er be­reits wuss­te.

War das rich­tig von mir?

Mir blieb kei­ne Zeit, dar­über nach­zu­den­ken, denn mit ei­ner Ges­te for­der­te er mich auf wei­ter­zu­spre­chen.

›Wenn mei­ne bis­he­ri­gen Ver­mu­tun­gen rich­tig sind, dann ist es lo­gisch und im Sin­ne des Auf­tra­ges zwin­gend er­for­der­lich, den Wahr­heits­ge­halt die­ser In­for­ma­tio­nen zu prü­fen. Da dies am Kai­ser­hof nicht mög­lich war, blieb nur die Rei­se zum Shao­lin-Klos­ter üb­rig. Man könn­te dem Sho­gun die Fra­ge stel­len, ob er in die­ser Si­tua­ti­on nicht die glei­che Ent­schei­dung ge­trof­fen hät­te.‹

Ich schau­te er­war­tungs­voll in das Ge­sicht des Fürs­ten, und nach ei­ner klei­nen Pau­se, in der er sei­ne Hän­de in­ten­siv be­trach­tet hat­te, be­gann er lang­sam und ru­hig zu spre­chen:

›Das sind sehr in­ter­essan­te Ge­dan­ken, die du da ge­äu­ßert hast. Wo­mit Date Ma­sa­mu­ne na­tür­lich nicht sa­gen will, dass dei­ne Ver­mu­tun­gen zu­tref­fen.‹

Ich konn­te das Lä­cheln in Shi­ge­na­gas Ge­sicht wahr­neh­men, ohne dass ich es sah.

›Der Dai­myo muss dir viel­leicht noch ei­ni­ge Hin­ter­grün­de er­klä­ren, die die­se Si­tua­ti­on et­was kom­pli­zier­ter ma­chen.‹

Ma­sa­mu­ne mach­te eine kur­ze Pau­se, um zu war­ten, bis der Dol­met­scher mir das bis­her Ge­sag­te über­setzt hat­te.

›Bis­her ha­ben wir im­mer nur vom Sho­gun als dem am­tie­ren­den Macht­ha­ber und obers­ten Lan­des­herrn ge­spro­chen. In Wahr­heit sind die Macht­ver­hält­nis­se in un­se­rem Land um ei­ni­ges kom­pli­zier­ter. Auch wir ha­ben einen Kai­ser, den Ten­no. Er wird als Gott­kai­ser ver­ehrt und soll­te mit dem Ho­fadel ei­gent­lich das Land re­gie­ren. Doch die Macht liegt in den Hän­den des Sho­gun und sei­ner engs­ten Be­ra­ter. Der am­tie­ren­de Sho­gun ist To­ku­ga­wa Ie­mit­su, aber das ist nur nach au­ßen hin so, denn er hat das Amt von sei­nem Va­ter vor­zei­tig ver­erbt be­kom­men, um Macht­kämp­fen vor­zu­beu­gen. Die ei­gent­li­che Macht liegt im­mer noch in den Hän­den von To­ku­ga­wa Hi­de­ta­da.‹

Date Ma­sa­mu­ne sprach im glei­chen ru­hi­gen Ton­fall wei­ter:

›Im­mer wie­der ent­ste­hen klei­ne­re und grö­ße­re Kon­flik­te, da der Sohn nur un­gern den Ein­fluss sei­nes Va­ters gel­ten lässt. Mein Herr ist To­ku­ga­wa Hi­de­ta­da in meh­re­ren Punk­ten sehr ver­pflich­tet. Sein erst­ge­bo­re­ner Sohn – Date Hi­demu­ne – ist nur dank der gu­ten Be­zie­hun­gen des Date-Clans zu ihm, Dai­myo von Uwa­ji­ma ge­wor­den. Der Sho­gun kann ihm die­ses Le­hen aber je­der Zeit wie­der ent­zie­hen. Auch die Ver­ein­ba­rung be­treffs Date Ta­da­mu­ne wur­de mit dem Va­ter ge­trof­fen, wes­halb der Fürst die Chi­na-Rei­se an­tre­ten muss­te.‹

Mein Dol­met­scher hol­te tief Luft.

›Mein Herr ist also dem al­ten Sho­gun in vie­ler­lei Hin­sicht ver­pflich­tet. An­de­rer­seits wird ir­gend­wann To­ku­ga­wa Ie­mit­su der al­lei­ni­ge Macht­ha­ber sein, und des­halb darf sich Date Ma­sa­mu­ne ihn nicht zum Feind ma­chen. Auch die­ser kann dem Date-Clan je­der­zeit großen Scha­den zu­fü­gen. Als wir die Rei­se an­ge­tre­ten ha­ben, hat der am­tie­ren­de Sho­gun un­miss­ver­ständ­lich kund­ge­tan, dass er das Un­ter­neh­men nicht gut­heißt. Doch konn­te er sich sei­nem Va­ter ge­gen­über nicht durch­set­zen, und nun be­fürch­tet Date Ma­sa­mu­ne, dass ihm das, auch we­gen der Rei­se nach Shao­lin, zum Scha­den ge­reicht.‹

›Warum stand der am­tie­ren­de Sho­gun die­ser Rei­se ab­leh­nend ge­gen­über?‹

›Nun, der Va­ter ist ein we­nig weltof­fe­ner als der Sohn. Auch er ist vor­sich­tig und be­merkt, dass die christ­li­che Missio­nie­rung der Macht­po­si­ti­on un­se­res Stan­des nicht för­der­lich ist. Er ist wie der Sohn der Mei­nung, dass die Ei­gen­stän­dig­keit un­se­res Lan­des durch den Ein­fluss der west­li­chen Län­der ge­fähr­det wird. Aber im Ge­gen­satz zum Sohn be­fürch­tet er mehr Nach­tei­le durch eine Ab­schot­tung nach au­ßen. Er denkt, dass es der Lan­des­ent­wick­lung för­der­li­cher wäre, wenn wir uns vor­sich­tig öff­nen und einen gut kon­trol­lier­ten Han­del mit an­de­ren Län­dern füh­ren. Vor al­lem Chi­na als un­ser nächs­ter großer Nach­bar könn­te in die­sem Punkt sehr wich­tig wer­den. Ent­we­der als ein gu­ter Han­del­s­part­ner oder, na ja, viel­leicht auch als ...‹

Er ließ die­sen Satz un­voll­en­det und schloss sei­ne Er­läu­te­rung mit der In­for­ma­ti­on, dass der am­tie­ren­de Sho­gun das Land nach au­ßen kom­plett ab­schir­men möch­te, um alle frem­den Ein­flüs­se zu un­ter­bin­den.

›Hm, das sind na­tür­lich schwie­ri­ge Ver­hält­nis­se, aber viel­leicht ist es gar nicht so schlimm, wie es auf den ers­ten Blick scheint.‹

Nach­denk­lich strich ich mir mit der rech­ten Hand über Mund und Kinn.

›Muss der Fürst nur dem al­ten Sho­gun, bei­den gleich­zei­tig oder in ge­trenn­ten Ge­sprä­chen Be­richt er­stat­ten?‹

Shi­ge­na­ga über­setz­te mei­ne Fra­ge, und ohne groß nach­zu­den­ken, kam die Ant­wort vom Dai­myo:

›Er denkt, dass es eher un­wahr­schein­lich ist, dass er bei­de gleich­zei­tig in­for­mie­ren muss. Ver­mut­lich wird ihn erst der Va­ter zur Be­richt­er­stat­tung ein­be­stel­len, bei dem das Ze­re­mo­ni­ell nicht so um­fang­reich ist. Doch auch dem am­tie­ren­den Sho­gun muss er auf je­den Fall Rede und Ant­wort ste­hen, da er nach au­ßen hin die Rei­se an­ge­ord­net hat.‹

›Nun, viel­leicht ist das ganz güns­tig. Dem al­ten Sho­gun, Taka ... Wie hieß er doch gleich?‹

›To­ku­ga­wa Hi­de­ta­da.‹

›Ach ja, To­ku­ga­wa Hi­de­ta­da wür­de ich so in­for­mie­ren, wie wir es vor­hin be­spro­chen ha­ben. Ich wür­de ver­su­chen, das Ge­spräch so zu len­ken, dass es ihm wich­tig er­scheint, ein star­kes Chi­na nicht zu un­ter­schät­zen. Dass es aber gleich­zei­tig not­wen­dig ist, ge­wis­se Ver­bin­dun­gen auf­recht­zu­er­hal­ten, um auf dem Lau­fen­den zu blei­ben.‹

Ich mach­te eine kur­ze Pau­se, um mei­ne Ge­dan­ken zu ord­nen.

›Dem Sohn wür­de ich den glei­chen Be­richt er­stat­ten, doch das Ge­spräch ein we­nig an­ders len­ken. Er soll­te am Ende zu der Ein­sicht kom­men, dass sei­ne Denk­wei­se rich­tig ist und er ein star­kes, ei­ni­ges Land re­gie­ren muss, das al­len äu­ße­ren Ein­flüs­sen ge­wach­sen ist. Na­tür­lich birgt das auch die Ge­fahr, dass sich die bei­den dar­über aus­tau­schen und dann den­ken, der Fürst hat je­dem einen an­de­ren Be­richt ge­ge­ben. Aber in die­sem Fall kann sich Date Ma­sa­mu­ne dar­auf be­ru­fen, dass er je­dem das Glei­che er­zählt hat und je­der nur zu an­de­ren Schuss­fol­ge­run­gen ge­kom­men ist.‹

Nach­dem Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga das über­setzt hat­te, ent­stand eine klei­ne Pau­se, in der Date Ma­sa­mu­ne ge­bannt auf sei­ne Hän­de blick­te. Dann schau­te er mir in die Au­gen und sag­te:

›Die Ge­fahr, dass sich die bei­den dar­über aus­tau­schen, ist eher ge­ring, denn sie pfle­gen meist nur Kon­takt, wenn es öf­fent­lich not­wen­dig er­scheint. Aber wie soll ich die Ge­sprä­che in die ge­wünsch­te Rich­tung len­ken, wenn ich je­dem den glei­chen Be­richt er­stat­te.‹

Ich lä­chel­te und schlug vor, dass wir den Ge­sprächs­ver­lauf üben, in­dem er den Sho­gun spielt und ich sei­nen Part über­neh­me.

Die sich an­schlie­ßen­den Dia­lo­ge nah­men viel Zeit in An­spruch, da wir ver­schie­de­ne Va­ri­an­ten durch­spiel­ten. Erst als uns eine Schlecht­wet­ter­front er­reich­te, be­en­de­ten wir das Ge­spräch, denn die Mann­schaft hat­te alle Hän­de voll zu tun, um das Schiff si­cher auf Kurs zu hal­ten. Wir räum­ten den Platz beim Heck­mast, um nicht im Weg zu sein, und ich sah ge­bannt der Mann­schaft bei ih­rer Ar­beit zu. Die Sicht wur­de im­mer schlech­ter, star­ker Re­gen setz­te ein, und das Schiff muss­te mit ho­hen Wel­len­ber­gen kämp­fen. Un­ter hef­ti­gem Schlin­gern und Schau­keln ging es die gan­ze Nacht und auch den fol­gen­den Tag wei­ter. Erst als wir die ja­pa­ni­sche Küs­te er­reich­ten, wur­de das Wet­ter bes­ser. Aber als wir in die Mee­ren­ge zwi­schen Kyus­hu und Hons­hu ein­lie­fen, ver­schlech­ter­ten sich die Be­din­gun­gen wie­der. Der Ka­pi­tän ent­schloss sich, den nächs­ten Ha­fen an­zu­lau­fen und erst bei Wet­ter­bes­se­rung die Fahrt fort­zu­set­zen. Der klei­ne Ha­fen lag in ei­ner Bucht, die durch eine Hü­gel­ket­te vor dem Wind ge­schützt war. Da es nur ein Fi­scher­ha­fen war ver­ließ kei­ner das Schiff, und ich wur­de wie­der zu Date Ma­sa­mu­ne ge­ru­fen, um un­ser Ge­sprächs­trai­ning fort­zu­set­zen.

Am nächs­ten Mor­gen bes­ser­te sich das Wet­ter, und wir setz­ten un­se­re Rei­se fort. Shi­ge­na­ga soll­te recht be­hal­ten, denn auf der gan­zen rest­li­chen Fahrt hat­te das Schiff ge­gen wid­ri­ge Win­de an­zu­kämp­fen. Zwi­schen den großen In­seln gab es vie­le klei­ne­re und kleins­te, manch­mal nur Fels­klip­pen, de­ren Um­schif­fen der Be­sat­zung die vol­le Auf­merk­sam­keit ab­ver­lang­te. Erst als wir das of­fe­ne Meer er­reich­ten und in nord­öst­li­che Rich­tung um­schwenk­ten, wur­de es ein­fa­cher. Der Wind war nicht mehr ganz so stark und sei­ne Rich­tung auch ein we­nig güns­ti­ger. Wir folg­ten mehr oder we­ni­ger dem Küs­ten­ver­lauf von Shi­ko­ku und ka­men bes­ser vor­an. Die­se See­rei­se nahm fast drei Wo­chen in An­spruch, in de­ren Ver­lauf ich im­mer wie­der zum Dai­myo ge­ru­fen wur­de, da sei­ne Be­den­ken noch nicht rest­los zer­streut wa­ren. Die Ge­sprä­che wa­ren sehr lang­wie­rig, weil ich ja im­mer noch Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga als Dol­met­scher brauch­te. Aus die­sem Grund und we­gen des un­auf­hör­li­chen Re­gens be­kam ich auf der gan­zen Fahrt nicht viel zu se­hen. Zur Ent­schä­di­gung hat­ten wir seit der Ein­fahrt in die Bucht, in der Edo lag, das schöns­te Wet­ter. Die Son­ne wärm­te von ei­nem strah­lend blau­en Him­mel, und das Schiff durch­pflüg­te ru­hig und gleich­mä­ßig das nur leicht ge­kräu­sel­te Was­ser. Ich stand mit Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga an der Re­ling und schau­te auf die wei­te Ebe­ne, der wir ent­ge­gen­streb­ten.

›Was er­war­test du von un­se­rem Land, und wie stellst du dir dein wei­te­res Le­ben hier vor?‹, frag­te mich Shi­ge­na­ga un­ver­mit­telt.

Aus mei­nen Ge­dan­ken ge­ris­sen, schau­te ich hoch und über­leg­te.

›Ich weiß es nicht. Ich bin mir auch nicht si­cher, ob es rich­tig war, dem Ruf von Date Ma­sa­mu­ne zu fol­gen. Die we­ni­gen Bro­cken eu­rer Spra­che, die du mir bis­her bei­brin­gen konn­test, sind auch nicht dazu an­ge­tan, mei­ne Un­si­cher­heit zu zer­streu­en. Des­we­gen füh­le ich mich im Mo­ment sehr un­wohl bei dem Ge­dan­ken, wie­der ein­mal ganz von vorn an­zu­fan­gen.‹

Er lach­te kurz auf.

›Was er­war­te­test du denn? Hast du wirk­lich ge­glaubt, dass ich dir in den we­ni­gen Stun­den, die uns bis­her zur Ver­fü­gung stan­den, un­se­re Spra­che hät­te bei­brin­gen kön­nen? Ging das bei dei­nem Ein­tref­fen in Chi­na so schnell?‹

›Nein‹, ich schüt­tel­te den Kopf. ›Na­tür­lich nicht, doch was ich bis­her von dir er­fah­ren habe, er­scheint mir ziem­lich kom­pli­ziert, und ich habe ein­fach Be­den­ken, dass ich mich falsch ver­hal­te oder die Er­war­tun­gen des Fürs­ten nicht er­fül­len kann.‹

›Mach dir nicht schon jetzt Ge­dan­ken über Din­ge, die du noch gar nicht ein­schät­zen kannst. Ich habe mit mei­nem Herrn dar­über ge­spro­chen, und er hat mich be­auf­tragt, dir un­se­re Spra­che bei­zu­brin­gen. Au­ßer­dem soll ich in der ers­ten Zeit im­mer in dei­ner Nähe sein, um dich mit un­se­ren Sit­ten und Ge­bräu­chen ver­traut zu ma­chen.‹

Er wand­te sich von mir ab und deu­te­te in die Fer­ne.

›So­bald wir im Ha­fen von Edo an Land ge­gan­gen sind, ach­test du bit­te ge­nau auf das, was ich tue. Da du kei­ne Schwer­ter trägst und alle nach dei­nem äu­ße­ren Er­schei­nungs­bild dar­auf schlie­ßen wer­den, dass du zur un­te­ren Stan­des­rie­ge ge­hörst, musst du be­stimm­te Din­ge ge­nau be­ach­ten. Ich wer­de dir im­mer die ent­spre­chen­den Hin­wei­se ge­ben.‹

Shi­ge­na­ga dreh­te sich zu mir um und sag­te fast ein we­nig fei­er­lich:

›Date Ma­sa­mu­ne hat mir mit­ge­teilt, dass er so­bald als mög­lich die­sen Um­stand ver­än­dern möch­te. Ich weiß es nicht ge­nau, aber ich ver­mu­te, dass er dich zu ei­nem Bus­hi mit ei­nem an­ge­mes­se­nen Rang ma­chen will. Doch dazu musst du un­se­re Spra­che schon ei­ni­ger­ma­ßen be­herr­schen, und zu­dem wird es erst in Sen­dai ge­sche­hen kön­nen.‹

›Sen­dai?‹

›Hab ich dir noch nichts von Sen­dai er­zählt?‹

Ich schüt­tel­te den Kopf.

›Oh, dann wird es Zeit, denn Sen­dai ist die Re­si­denz­stadt des Fürs­ten. Er hat vor vier­und­zwan­zig Jah­ren die­ses klei­ne Dorf dazu aus­er­ko­ren. Auf dem Hü­gel der grü­nen Blät­ter ne­ben dem Fluss Hi­ro­se ließ er sei­ne neue Burg er­rich­ten. Dass er die Er­laub­nis des Sho­gun be­kam, war eine große Ehre, denn fast al­len Dai­myos wur­de es un­ter­sagt, Bur­gen zu bau­en, und vie­le be­ste­hen­de Bur­gen wur­den zer­stört oder ih­rer Ver­tei­di­gungs­an­la­gen be­raubt.‹

Er schau­te mich er­war­tungs­voll an, um zu se­hen, wel­chen Ein­druck die­se Wor­te auf mich mach­ten. Doch ich wuss­te im­mer noch zu we­nig über die hie­si­gen Ver­hält­nis­se, um es auch nur an­nä­hernd ein­schät­zen zu kön­nen.

Ein we­nig ent­täuscht fuhr er fort:

›Nun, vor zwan­zig Jah­ren sind wir in Sen­dai ein­ge­zo­gen. Aber fast die Hälf­te der seit­dem ver­gan­ge­nen Zeit war der Fürst im Auf­trag des Sho­gun un­ter­wegs oder in Edo. Auch ich habe Sen­dai schon län­ger nicht mehr be­sucht und freue mich, es bald wie­der­zu­se­hen.‹

Sehn­süch­tig wan­der­te sein Blick in die Fer­ne.

›So­bald wir die Er­laub­nis be­kom­men, wer­den wir Edo ver­las­sen. Doch wer kann schon sa­gen, wann das sein wird.‹

Nach ei­nem kur­zen Schwei­gen setz­ten wir mit be­lang­lo­se­ren The­men un­se­re Un­ter­hal­tung fort, bis wir in den Ha­fen von Edo ein­lie­fen.

Das Schiff hat­te, seit es ge­sich­tet wor­den war, große Auf­merk­sam­keit er­regt, denn am Haupt­mast war das Wap­pen des Date-Clans ge­hisst. Die Men­schen am Kai deu­te­ten auf­ge­regt zum Schiff, und im­mer mehr Be­woh­ner ström­ten in den Ha­fen.

Als Date Ma­sa­mu­ne an Land ging, wur­de ihm ehr­er­bie­tig Platz ge­macht, und alle ver­neig­ten sich tief vor ihm. Er setz­te eine ziem­lich hoch­mü­ti­ge Mie­ne auf, die ich bis jetzt noch gar nicht an ihm wahr­ge­nom­men hat­te. Auch Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga ver­hielt sich ähn­lich, und die­se hoch­mü­ti­ge Art mach­te ihn für den Au­gen­blick ein we­nig un­sym­pa­thisch. Doch die Bli­cke, die er mir zu­warf, und die Zei­chen die er mir gab, lie­ßen mich er­ken­nen, dass es nur der Wah­rung der Stel­lung diente. Wie ver­ab­re­det, wur­de ich von den an­de­ren Be­glei­tern des Fürs­ten in die Mit­te ge­nom­men, so dass mich die Bli­cke der Neu­gie­ri­gen kaum er­reich­ten.

Zwei Trä­ger mit ei­ner Sänf­te und eine Es­kor­te eil­ten her­bei. In dem Mo­ment ver­stand ich erst, warum es so lan­ge ge­dau­ert hat­te, bis wir von Bord ge­gan­gen wa­ren. Der Fürst muss­te sich stan­des­ge­mäß zu sei­ner Re­si­denz in Edo be­ge­ben, wes­halb er die An­kunft der Sänf­te ab­war­te­te.

Nach­dem Date Ma­sa­mu­ne in der Sänf­te Platz ge­nom­men hat­te, setz­te sich un­ser Zug in Be­we­gung. Durch mei­ne Po­si­ti­on in die­ser Pro­zes­si­on konn­te ich fast nichts von der Um­ge­bung wahr­neh­men, und nach ei­ner Wei­le gab ich es auf, die Dä­cher der meist ein­stö­cki­gen Ge­bäu­de an­zu­star­ren.

Eine hal­be Stun­de moch­te der Marsch durch die en­gen Stra­ßen und Gas­sen ge­dau­ert ha­ben, als wir das nahe bei der Burg des Sho­gun er­bau­te fürst­li­che An­we­sen er­reich­ten. Wir folg­ten eine Wei­le dem Ka­nal, der die Burg­mau­er um­floss, und bo­gen schließ­lich in das An­we­sen des Dai­myo ein. Ma­sa­mu­ne ver­ließ die Sänf­te, wur­de von sei­nem Hof­staat emp­fan­gen, und der Zug lös­te sich auf. Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga kam zu mir und for­der­te mich auf, ihm zu fol­gen. Wir gin­gen auf ein nicht weit ent­fern­tes klei­ne­res Ge­bäu­de zu, und Shi­ge­na­ga er­klär­te mir, dass es sein Haus sei. Mit Stolz wies er dar­auf hin, dass er auf Grund sei­ner her­vor­ra­gen­den Stel­lung, die er bei sei­nem Herrn in­ne­hat­te, im An­we­sen des Dai­myo woh­nen durf­te, wenn er sich in Edo auf­hielt. Wir be­tra­ten das Ge­bäu­de durch einen mit vie­len Schnit­ze­rei­en ver­zier­ten Ein­gang, und ich wur­de in das Gäs­te­zim­mer ge­lei­tet. Dort ver­ließ er mich, um sei­ne An­ge­hö­ri­gen zu be­grü­ßen.

Ver­un­si­chert ließ ich mich in der Mit­te des Rau­mes in Me­di­ta­ti­ons­hal­tung nie­der, um zur Ruhe zu kom­men. Doch es dau­er­te nicht lan­ge, als eine jun­ge Frau die Tür öff­ne­te und mich durch Zei­chen bat ihr zu fol­gen. Wir be­ga­ben uns zu einen klei­ne­ren Ge­bäu­de, das als Ba­de­haus ge­nutzt wur­de. Dort be­fand sich ein großer Zu­ber mit war­mem Was­ser, und fri­sche Klei­dung lag für mich be­reit. Nach­dem mir mei­ne Be­glei­te­rin dies be­greif­lich ge­macht hat­te, ver­ließ sie mich, und ich be­gann mich aus­gie­big zu rei­ni­gen. Ein we­nig un­schlüs­sig stand ich vor der Klei­dung, doch ein­ge­denk der Er­fah­run­gen, die ich bei mei­ner An­kunft in Shao­lin ge­macht hat­te, leg­te ich sie an. Es war un­ge­wohnt, und ich hat­te ei­ni­ge Pro­ble­me da­mit. Un­schlüs­sig, was nun zu tun war, öff­ne­te ich die Tür, und so­fort er­hob sich die jun­ge Frau, die auf der klei­nen Ter­ras­se ge­war­tet hat­te. Mit ei­ner freund­li­chen Ges­te for­der­te sie mich auf, ihr zu fol­gen. Be­vor wir Shi­ge­na­gas Haus durch den Gäs­te­ein­gang wie­der be­tra­ten, zog sie ihre Reiss­troh­san­da­len aus. Ich folg­te ih­rem Bei­spiel, was sie mit ei­nem freund­li­chen Lä­cheln quit­tier­te. Mei­ne Be­glei­te­rin ging am Gäs­te­zim­mer vor­bei und ge­lei­te­te mich zum Emp­fangs­raum. Dort blieb ich, mei­ne Um­ge­bung mus­ternd, ste­hen. Mir ge­gen­über, am an­de­ren Ende des Rau­mes, saß mein Dol­met­scher auf ei­nem klei­nen Hocker, rechts ne­ben ihm ein jun­ger Sa­mu­rai und auf der an­de­ren Sei­te eine Frau mitt­le­ren Al­ters. Mit ihr hat­te er sich ge­ra­de un­ter­hal­ten, als er zu mir auf­blick­te.

Kurz auf­la­chend wink­te er mich zu sich he­r­an.

›Oje, ich muss dir wirk­lich noch viel bei­brin­gen und er­klä­ren.‹

Er deu­te­te auf einen Platz vor sich und for­der­te mich zum Sit­zen auf. Der jun­ge Mann ne­ben ihm mach­te ein er­staun­tes Ge­sicht, und sei­ne Hand zuck­te schon in Rich­tung sei­ner Schwer­ter. Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga be­merk­te es und wies ihn barsch zu­recht. Nach ei­nem kur­zen Wort­wech­sel wur­de ich ein we­nig freund­li­cher, doch for­schend ge­mus­tert. Der Herr des Hau­ses wand­te sich wie­der mir zu und sag­te:

›Du musst das Ver­hal­ten mei­nes Soh­nes ent­schul­di­gen, die­ser form­lo­se Um­gang mit ei­nem an­schei­nend dem nied­rigs­ten Stand An­ge­hö­ri­gen ist für ihn un­ge­wohnt. Ich habe ihm ge­ra­de er­klärt, dass du kei­nes­wegs das bist, was er ver­mu­tet. Nach mei­nen Er­klä­run­gen hält er dich jetzt für einen So­hei. So wer­den bei uns die Krie­ger­mön­che ge­nannt. Das kommt dem, was du bist, ja auch am nächs­ten, und vom Stand her ste­hen die­se Män­ner nur we­nig un­ter den Bus­hi. Ich habe ihm er­klärt, dass du Date Ma­sa­mu­nes und mein Le­bens­ret­ter bist. Aber ich glau­be, am meis­ten hat ihn be­ein­druckt, dass ich sag­te, dass du ein weit bes­se­rer Krie­ger bist als die meis­ten Sa­mu­rai, die er kennt.‹

Ich hol­te Luft und setz­te zu ei­ner Er­wi­de­rung an, doch er un­ter­brach mich.

›Ich weiß, dass du das nicht magst‹, fuhr er lä­chelnd fort. ›Aber du musst be­den­ken, dass bei uns an­de­re Wer­te gel­ten, und ich habe auf kei­nen Fall ge­lo­gen.‹

Da­mit war für ihn das The­ma ab­ge­schlos­sen, und er deu­te­te auf den jun­gen Mann.

›Also, das ist mein Sohn Yos­hi­mo­to‹, ich neig­te das Haupt vor ihm, und er grüß­te zö­gernd zu­rück.

Shi­ge­na­ga wand­te sich nach der an­de­ren Sei­te und deu­te­te auf die Frau.

›Und das ist sei­ne Mut­ter, mei­ne Kon­ku­bi­ne.‹

Auch sie be­grüß­te ich auf die glei­che Wei­se, und lä­chelnd neig­te sie den Kopf.

›Eine mei­ner Töch­ter hast du ja auch schon ken­nen ge­lernt‹, er deu­te­te zum Ein­gang und zeig­te auf die jun­ge Frau, die sich dort nie­der­ge­las­sen hat­te.

Ich wand­te mich um und ern­te­te eine höf­li­che Ver­beu­gung.

›Nun, in mei­nem Haus und wenn kei­ne an­de­ren Per­so­nen an­we­send sind, ist es nicht not­wen­dig, einen förm­li­chen Un­gang zu pfle­gen. Wir kön­nen so zwang­los wie auf dem Schiff mit­ein­an­der um­ge­hen, doch nun muss ich dich in ei­ni­gen Re­geln und Ri­tua­len un­ter­wei­sen.‹

Er sprach kurz mit sei­nen Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen, und nach­dem sei­ne Toch­ter uns Tee ge­reicht hat­te, ver­lie­ßen sie uns.

Als wir al­lein wa­ren, er­klär­te er mir, dass die­se drei die ein­zi­gen en­gen Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen sei­en, die sich in Edo auf­hiel­ten. Alle an­de­ren, dar­un­ter auch sei­ne Frau, be­fan­den sich in Sen­dai.

Nach die­ser kur­zen Ein­lei­tung be­gann er mich dar­über auf­zu­klä­ren, wie ich mich im An­we­sen des Dai­myo zu ver­hal­ten hät­te. Bei die­ser Ge­le­gen­heit setz­ten wir auch mei­nen Sprach­un­ter­richt fort. Das Er­ler­nen der ja­pa­ni­schen Spra­che ge­stal­te­te sich et­was leich­ter als der ers­te Sprach­un­ter­richt, den ich in mei­nem neu­en Le­ben be­kom­men hat­te. Zum einen lag es dar­an, dass mein Leh­rer dies­mal das Chi­ne­si­sche, in dem wir uns gut ver­stän­di­gen konn­ten, zur Er­klä­rung nutz­te. Zum an­de­ren fiel es mir sehr viel leich­ter, weil ich gleich­zei­tig sei­ne Ge­dan­ken­bil­der wahr­nahm. Das Wort hat­te also ein Bild oder bes­ser ge­sagt, eine Ge­stalt, wo­durch es sich mir bes­ser ein­präg­te.«

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