Kitabı oku: «...denn ihrer ist das Himmelreich», sayfa 6
1.
Februar
„Mein Kind, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.“
Sprüche l,10
In einer Stadt lebten einmal ein Vater und eine Mutter, denen hatte Gott mehrere Kinder geschenkt. Nun denkt euch, gerade im kalten Winter, als die Eisblumen an den Fenstern glitzerten und es draußen viel Schnee und Eis gab, wurde der Vater krank. Er wurde so sehr krank, dass der Arzt geholt werden musste. Der Arzt verschrieb eine Medizin und empfahl, dem Vater frische Eier zu geben. Die Mutter schickte ihre älteste Tochter in die Stadt: „Geh in die Apotheke und hole die Arznei für den Vater und dann gehst du noch gleich in die Kirchstraße zu Frau Müller und bringst dreißig frische Eier mit. Beeil dich aber und halte dich nirgends auf.“
Christine nahm einen Korb samt dem Rezept und eilte zur Apotheke. Dann lief sie schnell zu Frau Müller und kaufte dort die Eier. Auf dem Rückweg traf sie eine größere Kinderschar, die auf dem zugefrorenen Fluss mit ihren Schlitten fuhren. Sie waren alle sehr fröhlich, bauten Schneemänner und warfen mit Schneebällen.
„Christine, Christine“, rief einer der Jungen, den sie von der Schule her kannte. Christine aber tat so, als würde sie nichts hören und ging weiter. Aber der Junge ließ nicht nach und schrie: „Christine, warte einmal!“
„Nein, ich habe keine Zeit“, rief sie zurück, „mein Vater ist krank und ich muss ihm die Medizin bringen.“
„Aber ein wenig kannst du doch warten“, sagte der Junge, der sie eingeholt hatte. „Komm doch ein bisschen mit uns auf das Eis, da ist es lustig und schön. Nur zehn Minuten -solange hast du bestimmt Zeit.“
Christine ließ sich überreden: „Aber nur einen Augenblick!“ sagte sie. Auf dem Eis ging es lustig zu, bei allem Vergnügen vergaß sie ganz den kranken Vater. Nach einer Stunde fiel es ihr brennend ein, dass sie ja so schnell wie möglich nach Hause kommen sollte. Sie nahm ihren Korb und lief eilig über das Eis. Plötzlich stieß sie mit dem Fuß an einen Eisklumpen und fiel hin. Alle Eier gingen dabei entzwei. Traurig schlich Christine nach Hause. Sie musste noch eine gute Wegstrecke laufen. Die Mutter stand schon am Fenster und hob drohend den Finger in die Höhe: „Christine, Christine, wo bleibst du so lange?“
Christine weinte bitterlich: „Mutter, bitte sei nicht böse, ich war ungehorsam. Ich bin auf das Eis gegangen und ausgerutscht. Dabei sind alle Eier zerbrochen.“ „Das ist ja eine schöne Bescherung“, rief die Mutter, „hast du nicht daran gedacht, dass der Vati schwerkrank im Bett liegt? Zur Strafe darfst du zwei Wochen nicht aus dem Haus gehen.“ Die Mutter schickte schnell jemand anderes fort, um frische Eier zu holen. Christine aber musste immer wieder an das Wort in der Bibel denken: „Wenn dich die bösen Buben locken, so folge ihnen nicht.“ In diesen zwei Wochen half sie fleißig der Mutter beim Geschirrspülen und Abtrocknen. Aber auf die Straße durfte sie nicht gehen.
Nun wollen wir beten: Herr Jesus, gib uns immer ein gehorsames Herz. Erinnere uns daran, dass auch du deinem Vater im Himmel allezeit gehorsam warst. Amen.

2.
Februar
„Der junge Samuel aber nahm immer mehr zu an Alter und Gunst bei Gott und den Menschen.“
l. Samuel 2,26; Bruns
Der Pfarrer liest gerade die Geschichte von dem kleinen Samuel und dem Hohepriester Eli. Kennt ihr diese Geschichte? Wenn nicht, dann will ich sie euch erzählen. Der Hohepriester Eli war der höchste Kirchenleiter in Israel. Er war aber schon alt und seine Augen begannen schwach zu werden, er war fast blind. Einst schlief Eli in seinem Bett, Samuel aber schlief im Tempel neben dem Altar, wo eine Lampe brannte. Da rief Gott der Herr den Samuel. Er antwortete: „Hier bin ich!“ Nun lief Samuel zu Eli und sagte: „Hier bin ich, weshalb hast du mich gerufen?“ Der Hohepriester antwortete: „Ich habe dich nicht gerufen. Vielleicht hast du geträumt! Leg dich nur wieder schlafen.“ Samuel legte sich wieder schlafen. Da rief Gott der Herr noch einmal: „Samuel!“ Der Junge stand wieder auf und ging zu Eli und sprach: „Hier bin ich! Du hast mich gerufen.“ Eli war erstaunt und sagte zu Samuel: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn, gehe wieder und lege dich schlafen.“ Samuel wusste noch nicht, dass Gott auch ganz deutlich mit den Menschen reden konnte. Da rief Gott den Samuel zum dritten Mal. Wieder stand Samuel auf und ging zu Eli und sprach: „Hier bin ich! Du hast mich wieder gerufen.“ Jetzt merkte der Hohepriester, dass Gott den Jungen rief, darum sagte er zu ihm: „Gehe wieder zum Altar und wenn dich Gott noch einmal ruft, dann antworte: „Rede, Herr, dein Knecht hört.“
So ging Samuel wieder hin und legte sich schlafen. Da kam der Herr und rief wie vorher: „Samuel! Samuel!“ Samuel sagte laut: „Rede, Herr, dein Knecht hört dir zu.“ Nun sagte Gott dem Samuel, dass er Eli und seine beiden Söhne hart bestrafen werde, denn die Söhne Elis waren sehr böse. Diese Söhne waren schon groß und selber als Priester im Tempel beschäftigt. Aber sie machten, was sie wollten, und achteten nicht auf die Gebote Gottes. Wenn Eli sie ermahnte, lachten sie ihn aus. Damit verachteten sie auch das sechste Gebot. -
Wie heißt denn das sechste Gebot? Kennt ihr es schon? Es lautet: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!“ Gott sagte also dem Samuel, dass er auf die Söhne Elis böse sei, weil sie nicht gehorchten und dass er auch auf Eli böse sei, weil er seine Söhne nicht erziehen konnte. Samuel schlief danach wieder ein. Am Morgen fragte ihn Eli, was Gott denn zu ihm geredet habe. Erst wollte Samuel gar nicht antworten. Aber Eli bat ihn, alles zu sagen. Samuel erzählte alles, was Gott der Herr zu ihm geredet hatte. Das war gar nicht so einfach für den kleinen Samuel. Vielleicht fragt ihr jetzt: „Ja, kann denn Gott auch heute noch zu den Menschen reden?“ - O ja, wie er zu den Menschen reden kann, will ich euch dann morgen erzählen.
Nun wollen wir beten: Lieber Gott, wenn du mit uns reden willst, dann hilf uns, dass wir es gut verstehen können, was du sagen willst. Wir danken dir, dass wir deinen Willen schon in der Bibel erkennen können. Wenn da aber mit uns reden willst, dann wollen wir ganz still sein, damit wir deine Stimme gut vernehmen. Amen.

3.
Februar
„Ach, dass ich hören sollte, was Gott der Herr redet.“
Psalm 85,9
Gestern las der Pfarrer die Geschichte vom kleinen Samuel, wie Gott ihn mitten in der Nacht rief und ihm deutlich sagte, er würde über Eli, den Hohepriester, und seine Söhne ein großes Unglück kommen lassen. Nun hat der Pfarrer seinem kleinen Sohn Karl die Geschichte erzählt. „Vati“, sagte der Junge, „ich möchte auch einmal die Stimme Gottes hören. Wie hört man denn, wenn Gott redet?“ „Mein liebes Kind“, erwiderte der Pfarrer, „immer, wenn du etwas Böses tun willst, wirst du hören, dass eine leise Stimme in deinem Herzen dich bei deinem Namen ruft. Das ist die Stimme Gottes, die dich warnt.“ „Kann ich denn die Stimme nicht mit meinen Ohren hören?“ fragt Karl. „Nein, mein Kleiner, nur in deinem Herzen, hier innen in deiner Brust, ist dir dann so, als würde jemand sagen: „Tue es nicht!“ Aber du musst ganz still sein, um diese Stimme in deinem Herzen zu verstehen.“
„Ja, das will ich auch“, versicherte Karl.
Einige Tage nach diesem Gespräch war die Mutter fortgegangen und Karl mit dem Kindermädchen allein daheim geblieben.
„Ich habe großen Hunger“, klagte Karl, „kann ich nicht etwas zu essen haben?“ Ja“, sagte das Kindermädchen, „in der Speisekammer im Schrank liegt ein schöner Apfel, den kannst du essen.“ Karl ging in die Speisekammer und öffnete den Schrank. Er suchte sich den schönsten von den roten Äpfeln aus. Gerade, als er den Schrank wieder schließen wollte, sah er einen Teller mit feinem Kuchen dort stehen. Er langte schon nach einem Stück und dachte bei sich: „Die Mutter wird es nicht erfahren, wenn ich mir ein Stückchen nehme, es sieht ja auch niemand.“ Da hörte er eine leise Stimme in seinem Herzen rufen: „Karl, tue es nicht!“ Schnell schloss er den Schrank zu und entfernte sich so rasch er nur konnte aus der Speisekammer, indem er zu sich selber sagte: „Ich darf diesen Kuchen doch nicht ohne Erlaubnis essen.“ Die Mutti hatte zu ihm immer gesagt, wenn er etwas vom Kuchen essen wolle, dann sollte er sie fragen. Schnell sprang er in den Garten und spielte fröhlich mit seinen Kameraden. Er war so froh, der warnenden Stimme in seinem Herzen gehorcht zu haben. Als der Vater ihm am Abend einen Gute-Nacht-Kuss geben wollte, flüsterte er ihm ins Ohr: „Vati, ich glaube, der liebe Gott hat heute zu mir wie zu dem kleinen Samuel gesprochen. Ich habe auf sein Wort gehört und bin gehorsam gewesen.“ Der Vater gab ihm einen ganz lieben Kuss und sagte noch:
„Wenn du aber einmal die Stimme Gottes gehört und anders gehandelt hast, dann sagst du es dem lieben Gott und uns, dann beten wir, denn Gott vergibt uns alle Schuld.“ An diesem Abend schlief der kleine Karl ganz glücklich ein.
Nun wollen wir beten: Wir danken dir, lieber Gott, dass du immer noch zu den Menschen redest, damit sie deinen Willen verstehen und tun können. Wir wollen auch beim Beten eine Zeitlang still lauschen, um dich gut hören zu können. Amen.

4.
Februar
„Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn; und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat.“
Sprüche 19,17
Kriege hat es schon immer gegeben. Seit Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, sind viele, viele Menschen in den Krieg geschickt worden. Der Maler Ludwig Richter, der ja alle diese Holzschnitte gemalt hat, sah als kleiner Knabe auch einen furchtbaren Krieg. Die große Armee des Kaisers Napoleon war in Russland geschlagen worden und nun kamen Tag und Nacht ganz zerlumpte Flüchtlinge durch die Straßen. Ludwig Richter schreibt darüber: „Im Anfang des Jahres 1813 sah ich eines Tages bei wildem Schneegestöber über die Elbbrücke einen Zug wankender Gestalten kommen. Die armen, sonderbar vermummten Menschen waren Franzosen, die aus Russland zurückkehrten. Reiter, aber zu Fuß, in Pferdedecken gehüllt, auf Stöcke sich stützend, schlichen gebückt und matt daher. Andere hatten Weibermützen auf dem Kopf. Über die Uniform gezogene Bauernkittel sollten sie vor der schneidenden Kälte schützen.“
Ein anderer Mann berichtete von einigen Soldaten, die in ein Dorf kamen, um dort etwas Essen zu erbetteln. Ein ganz armer Soldat bat einen Bauern um einen alten Mantel, aber niemand gab ihm etwas anzuziehen. Der arme Soldat klopfte an eine andere Tür. Dort wohnte ein alter Herr, der vor dem Krieg geflohen war und nun hier eine Wohnung gefunden hatte. Er hatte selbst nichts mehr als nur die Kleider, die er am Leib trug, aber er gab dem Soldaten seinen Mantel. Die Soldaten zogen weiter, während es unaufhörlich schneite.
Der alte Mann hatte nun sein Letztes gegeben, aber er dankte Gott, weil er bei diesem Wetter doch ein warmes Zimmer hatte und einem fremden Menschen helfen konnte. Durch diesen Krieg hatte er seine ganze Familie verloren. Er wusste nichts von seinem Sohn, der von den Franzosen als Soldat mit in den Krieg genommen worden war. Plötzlich klopfte es mitten in der Nacht heftig an seine Tür. Ein Offizier mit einer vornehmen Uniform stand im Dunkeln vor ihm. Der alte Mann hielt seine Stalllaterne hoch und erkannte mit großer Freude seinen Sohn. „Rudolf, mein Sohn, mein Junge, wie hast du mich gefunden? Ich habe Gott immer darum gebeten, er möge dich zu mir führen. Wie bist du in dieses verlassene Dorf gekommen?“ „Ich habe einen Soldaten gesehen, Vater, der trug deinen Mantel, den gleichen, den du damals in unserer Heimat vom Schneider anfertigen ließest. Der hat mir den Weg zu dir beschrieben.“ Der Vater fiel seinem Sohn um den Hals. Beide weinten vor lauter Freude und dankten Gott für seine Gnade, Treue und Güte.
Ja, „wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn; und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat.“
Weil der arme Flüchtling seinen letzten Mantel hergegeben hatte, konnte ihn sein Sohn wiederfinden.
Nun wollen wir beten: Herr, wir danken dir, dass du immer Gutes für uns tun willst. Schenke uns täglich Freude daran, anderen Menschen Gutes zu tun. Amen.

5.
Februar
„Denn der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest.“
Psalm 84,4
Wenn wir in diesen Tagen am Morgen erwachen, dann hören wir vielleicht, wie die Leute noch auf dem verschneiten Weg laufen oder mit ihren Schneeschiebern den Fußweg freischaufeln. Wir vermissen immer noch den fröhlichen Gesang der Vögel.
Hans und Christa saßen eines Tages im kalten Winter mit ihren Eltern am Tisch. Draußen lag überall hoher Schnee, leise pfiff der Wind, die Wetterfahne quietschte hin und wieder. Auf einmal pickte es am Fenster. Christa stand leise von ihrem Platz auf und beobachtete hinter der Gardine zwei Vögel. Ganz vorsichtig zog sie die Gardine zur Seite und öffnete das Fenster ganz sacht. Die Vögel waren durch den anhaltenden Frost sehr geschwächt - sie flogen nicht fort, sondern kamen in die warme Stube und setzten sich gleich auf das Ofengitter. Die Kinder richteten ihnen eine Futterstelle und ein Nestlein ein.
So blieben die Vögel in der warmen Behausung der Menschen. Am Mittag, wenn die Kinder aus der Schule kamen, sangen sie ihnen ein Lied vor. Die Vögel wurden durch den Gesang ermuntert und zwitscherten ihre Melodien mit. Oft sagte die Mutter dann: „Nun seid doch endlich still, ihr kleinen Schreier, dieses Gepfeife macht mich ganz nervös.“ Aber die Vögel gaben keine Ruhe und die Kinder hatten ihre helle Freude an ihnen. Morgens, wenn sie erwachten, saßen die Vögel schon an ihrem Bett, so zutraulich waren sie geworden. Oft pfiff Hans die Melodie: „Gott ist die Liebe, lässt mich erlösen, Gott ist die Liebe, er liebt auch dich.“ Einer der Vögel versuchte schon einige Tage dieses Lied nachzuahmen. Hans und Christa freuten sich sehr über ihre gelehrigen Schüler und riefen auch die Nachbarskinder. Dann sangen sie alle zusammen: „Drum sag ich‘s noch einmal, Gott ist die Liebe, Gott ist die Liebe, er liebt auch dich.“
Als aber der Frühling kam, pickten die Vögel wieder an die Fensterscheibe, jetzt von der Innenseite. Sie wollten nun wieder hinaus in den Wald fliegen. Doch die Kinder mochten ihre lieben Freunde gar nicht fortlassen. Da sagte der Vater zu ihnen: „Seid ihr denn bei schönem Sonnenschein auch so gern im Zimmer eingesperrt?“
„Nein“, antworteten die Kinder, „wir wollen sie fortfliegen lassen. Aber sie müssen bald wiederkommen.“
Dann öffneten sie das Fenster und husch - waren die Vögel in die freie Natur geflogen. Die Kinder legten nun Moos und Wolle auf das Fensterbrett. Damit bauten die Vögel ein richtiges Nest im Garten. Bald legten sie acht Eier ins Nest.
Als Hans und Christa wieder einmal im Garten saßen, sahen sie, wie sechs kleine Vögel ihre Schnäbelchen aufsperrten und von den Vogeleltern gefüttert wurden. Seht ihr die sechs fröhlichen Jungvögel im Fliederbusch pfeifen und singen? Die Kinder legten im nächsten Winter wieder Futter aufs Fensterbrett. Ob die Vögel aber wieder ins Zimmer gekommen sind, weiß ich nicht. Wenn ich Hans und Christa wieder einmal treffe, dann will ich sie fragen.
Nun wollen wir beten: Jedes Tierlein hat sein Essen,
jedes Blümlein trinkt von dir,
hast auch meiner nicht vergessen,
lieber Gott, ich danke dir. Amen

6.
Februar
„Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“
Josua 24,15
Am Tisch sitzt der Vater und hat seine Hände über der geöffneten Bibel gefaltet. Die Mutti und die Kinder beten auch. Es ist immer gut, wenn wir am Abend noch beten, denn wir wissen nicht, was in einer Nacht alles passieren kann. Da habe ich eine Geschichte gelesen, die sich im vorigen Jahrhundert zugetragen hat.
In einem großen Haus wohnte eine Familie mit zwei Söhnen. Der ältere hieß Frank, der jüngere Wilhelm. Eines Abends brachte die Mutter ihren Kleinen ins Bett.
„Wir haben noch nicht gebetet, Mutter“, sagte der kleine Wilhelm.
„Wir werden morgen beten“, antwortete die Mutter.
Wilhelm flehte: „Mutti, lass uns doch jetzt beten.“
Die Mutter strich dem Kleinen über das Köpfchen: „Im Sprechzimmer wartet noch Besuch auf mich, jetzt habe ich keine Zeit, aber morgen können wir beten“, dabei stellte die Mutter das Licht auf den Tisch und ließ die Tür halb geöffnet, damit sie hörte, wenn jemand rief. Doch der Wind blies durch die Tür und löschte das Licht aus.
„Komm, wir wollen noch aufstehen und beten“, flüsterte Wilhelm.
„Es ist doch so kalt und finster“, meinte Frank. „Das macht nichts, Gott sieht uns auch im Finstern.“
„Die Mutter hat ja gesagt: ,Wir wollen morgen beten‘“, antwortete Frank.
„Und wenn der liebe Gott nicht warten will bis morgen? Komm Frank, ich bete mit dir.“
Eine Zeitlang war es ganz still im Raum, Frank hörte ein leises Geräusch.
„Was machst du?“ fragte er. „Ich knie am Bett und bete auch für dich, Frank.“
Als Wilhelm wieder ins Bett kam, sagte Frank: „Hui, wie bist du kalt, Wilhelm.“
Wilhelm zitterte: „Das macht nichts, ich freue mich darüber, noch einmal zu dem lieben Heiland gebetet zu haben. Wenn ich in dieser Nacht sterbe, dann werde ich im Paradies sein.“
„Ich will aber lieber bei Vati und Mutti und meinen Spielsachen bleiben“, flüsterte Frank.
„Wenn wir aber im Himmel sind, dann hören wir die Engel Gottes singen und mit ihnen können wir auch spielen“, meinte Wilhelm. So ging das Gespräch noch eine ganze Zeit hin und her.
Morgens stand Frank allein auf. Die Mutter fragte ihn: „Wo ist denn Wilhelm?“ „Er schläft noch!“
„Nun, dann halten wir ihm das Frühstück warm und lassen ihn schlafen, solange er will.“
Am Tisch sagte die Mutter zum Vater: „Ich glaube, Wilhelm scheint krank zu sein, er hat gestern so rot ausgesehen. Als ich ihn fragte, ob ihm etwas fehle, sagte er: ,Ich habe nur ein wenig Kopfweh, es wird bald wieder gut sein.‘“
Nun mischte sich Frank in das Gespräch ein: „Ich hatte heute Nacht einen sonderbaren Traum von Wilhelm.“
„Was hast du denn geträumt?“ wollte der Vater wissen.
Nun erzählte Frank, wie Wilhelm am Abend gebetet und so viel vom Himmel und vom Paradies gesprochen habe. „Als er ins Bett kam, war er ganz schrecklich kalt. Als ich eingeschlafen war, sah ich im Traum, wie er noch immer betete und ich nicht. Der Mond schien ganz hell, als plötzlich zwei Engel vor unserem Fenster erschienen. Sie zeigten auf Wilhelm und der eine sagte zum anderen: ,Diesen sollen wir ins Himmelreich führen, der andere muss noch lernen zu beten.‘ Dann wurde es ganz hell im Zimmer. Wilhelm streckte seine beiden Hände einem Engel entgegen, der hat ihn auf seinen Arm genommen und Wilhelm schlang seine Arme um den Hals des Engels. Dann schwebten die Engel mit Wilhelm durch die Luft, bis ich ihn nicht mehr sah. Als ich heute früh aufwachte, war ich sehr froh, dass Wilhelm noch im Bett lag. Aber er schlief ganz fest und war genauso kalt wie gestern Abend, als er ins Bett kam. Ich rief leise: , Wilhelm, Wilhelm!‘, aber er wachte nicht auf.“

Den Eltern wurde ganz sonderbar zumute, sie ließen den Kaffee stehen und eilten schnell ins Kinderzimmer. Da lag Wilhelm mit geschlossenen Augen und lächelte wunderschön. Als sie ihn aber anrührten, war er ganz kalt. Im Bett lag nur noch sein Körper, der Geist und seine Seele waren schon im Paradies bei Gott. Da weinte die Mutti bitterlich, weil sie am Abend nicht noch einmal mit ihrem kleinen Sohn gebetet hatte.
Nun wollen wir miteinander beten:
„Und die Kindlein, und die Kindlein zieht er an die Brust,
die ihm kindlich ihre Herzen hier schenkten voll Lust.
O dann werden sie glänzen wie die Sterne so rein,
in des Heilandes Krone als Edelgestein.“ Amen.
7.
Februar
„Ein gütiges Auge wird gesegnet; denn er gibt von seinem Brot den Armen.“
Sprüche 22,9
Der Herr Jesus hat seinen Jüngern gesagt, dass wir zu Gott beten sollen: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Es ist nicht selbstverständlich, dass wir immer satt zu essen haben. Auf unserem Bild nebenan sehen wir, wie sich die Kinder freuen, als ein Mann zwei große Brote ins Haus bringt. Nur Brote? - Keine Schokolade oder Kuchen, keine Bonbons oder sonst etwas zum Naschen? Hört die Geschichte, wie wunderbar Gott Hilfe schickt.
Eine arme Witwe, die fünf Kinder zu ernähren hatte, wusste eines Tages nicht mehr, was sie ihren Kindern zu essen geben sollte, die Speisekammer war nämlich gänzlich leer. Aber sie vertraute Gott und dachte: „Was unser Gott erschaffen hat, das wird er auch erhalten; darüber wird er früh und spät mit seiner Gnade walten.“
Sie betete zu Gott und dankte ihm für die Hilfe, die sie immer wieder erhalten hatte. Sie war ja eine fleißige Frau und ihre Kinder hatten auch den Heiland sehr lieb, waren gehorsam und halfen der Mutti. Eines Morgens sagte die Mutter: „Kinder, an diesem Morgen kann ich euch nichts zu essen geben, ich habe kein Brot, kein Mehl und nicht einmal ein Ei; aber betet jetzt nur fleißig, der liebe Gott ist reich und mächtig. Er hat gesagt: ,Rufe mich an in der Not, so will ich euch erhören.‘“ Der kleine Christian ging ganz betrübt ohne ein Stückchen Brot zur Schule. Als er auf dem Weg war, kam er an einer offenen Kirchentür vorbei. Er ging ins Gotteshaus hinein und, da er niemand erblickte, betete er laut: „Lieber Heiland, gib uns doch etwas zu essen, unsere Mutter hat kein Brot, kein Mehl und nicht einmal ein Ei. Hilf du uns doch, du kannst doch alles verwandeln, du hast es in deinem Wort versprochen, so halte nun dein Wort.“ Dann stand er auf und ging mit leerem Magen in die Schule.
Während der Pause, als die Kinder auf dem Schulhof spielten, dachte er immer: „Ob der Heiland nun mein Gebet erhört hat?“
Als er nach Hause kam, sah er zwei große Brote, eine Schüssel voll Mehl und einen Korb mit Eiern auf dem Tisch stehen.
„Gott sei Dank!“ rief das Kind, „er hat mein Gebet erhört, Mutter. Hat ein Engel Gottes das alles hierher gebracht?“
„Nein“, sagte die Mutter, „aber Gott hat trotzdem dein Gebet erhört. Während du in der Kirche gebetet hast, saß die Frau des Bürgermeisters neben dem Altar, wo du sie nicht sehen konntest. Sie hat gehört, was du gebetet hast. Nun hat sie uns all die schönen Sachen schicken lassen. Sie ist der Engel gewesen, den Gott gesandt hat, wir wollen Gott danken, denn er hat es so geführt, dass gerade die Frau des Bürgermeisters in der Kirche sitzen musste, als du dort gebetet hast. So macht es Gott oft.“
Dann sangen sie alle miteinander: „Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn; denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.“
Nun wollen wir beten: Du großer Gott im Himmel, wir danken dir, dass du alle Gebete in der weiten Welt erhörst und auch dieser armen Familie geholfen hast. Darum wollen wir dir alle Ehre geben. Amen.
