Kitabı oku: «Ragnarök», sayfa 3
Lokis Hilfe
ᛚᛟᚲᛁ
Nach dem Vorfall mit der Jotin Skadi wollte Odin seine Verteidigung in Asgard ausbauen. Ein neues Mitglied der Asenfamilie war mit Hödur hinzugekommen, dem zweiten Sohn aus der Ehe Odins und Freyas. Hödur war jedoch blind geboren. Freya gab Skadi und ihrem Fluch die Schuld, Odin jedoch liebte Hödur trotz seines fehlenden Augenlichts.
Zur Verstärkung an Asgards Kräften wollte der Allvater seinen Söhnen Thor und Hermod die Kunst des Seidr beibringen, doch beide lehnten vehement ab. Seidr war eine boshafte Magie, die für Schwache von Nutzen wäre; sie aber waren stark und benötigten nicht diese „weibische“ Kraft. Loki hingegen zeigte Interesse an dieser Kraft und bat den Allvater, ihm Seidr beizubringen. Gegen Freyas Willen unterrichtete Odin den Jotenjungen in der Kunst des Seidr, der Magie.
Tatsächlich war Loki williger als die anderen Götter, Odin bei der Anhäufung von Macht und Schutz zu helfen. Loki wettete mit einen entfernten Cousin damit, Asgards Mauern innerhalb vom Wechsel dreier Jahreszeiten auszubauen. Dieser nahm den Auftrag nur an, wenn er Freya als Frau haben können würde, sollte er siegen. Odin vertraute in Lokis Wort, dass jener Jote die Mauern ausbauen und dennoch nichts kriegen würde.
Bevor die Mauern gänzlich und pünktlich errichtet wurden, nutzte Loki Seidr und verwandelte sich in eine Stute und bezirzte den Hengst des Joten, welcher ihn beim Errichten der Mauern geholfen hatte. Der Jote war alleine unfähig, die Mauern Asgards komplett auszubauen und verlor die Wette und damit seinen Kopf. Loki wurde als Stute schwanger und gebar ein Achtbeiniges Fohlen. Er schenkte es Odin für sein Vertrauen in ihm. Das achtbeinige Pferd, genannt Sleipnir, war geboren mit und durch Seidr, weshalb es deformiert war; außerdem behielt es magische Kräfte und galoppierte dadurch so schnell wie der Wind.
Loki war allseits bekannt für seine Streiche und Täuschungen. Sein Freund Thor war zum heiratsfähigen Alter angewachsen und sollte in einigen Wochen die wunderschöne Asin Sif zur Frau nehmen. Seit sie in Thors leben eintrat, waren er und Loki seltener durch die Welten gereist und hatten seltener miteinander zu tun. Loki schlich sich eine Nacht in die Kammer von Sif und rasierte ihr ihr wundervolles blondes Haar ab. Thor war bestürzt und wütend auf seinen Freund. Er würde ihn dafür nicht töten, aber alle seine Knochen brechen und wieder brechen für jedes verlorene Haar von Sifs Haupt. Loki bat um Thors Verständnis, dass er nur Sif neues Haar zu schenken dachte; Haar, welches weitaus schöner sein würde als sie es gehabt hatte. Nur weil sie Freunde seit der Kindheit waren, gab Thor ihm eine Woche Zeit, um das neue Haar zu besorgen. Loki sah sich in einer aussichtslosen Lage und begab sich nach Nidavellir zu den Zwergen. Dort ging er zum Schmied Ivaldi, der damals Odins Vater Bor den unzerbrechlichen Speer Gungnir geschmiedet hatte. Ivaldis drei Söhne nahmen den Auftrag im Namen Odins an und schmiedeten Loki eine Perücke für Sif, die noch goldener war als ihr echtes Haar zuvor. Außerdem schmiedeten sie als Hochzeitsgeschenk für Odins Sohn ein Schiff, Skidbladnir, das faltbar war wie Pergament bis es in einen Beutel passte.
Loki war besonnen, die Fähigkeit der anderen Zwerge zu sehen, wenn die jungen Söhne Ivaldis bereits solche außergewöhnlichen Dinge schmieden konnten. Er fand zwei Zwergenbrüder, Brokr und Sindri, und zeigte ihnen Skidbladnir und das goldene Haar. Loki verspottete sie und wettete mit ihnen um seinen Kopf, dass sie nichts schmieden könnten, was auch nur annähernd so praktisch oder kunstvoll war. Die Zwergenbrüder begannen umgehend mit den Schmiedearbeiten. Ständig wurden sie von einer Fliege gestochen und an der Arbeit gestört. Ihr erstes Werk war ein goldener Eber, den sie Gullinborsti nannten. „Ah wie toll. Wildschweine haben wir genug in Asgard, da brauchen wir nicht noch eins. Und es leuchtet golden? Ja, damit man es als Erstes erlegt“, spottete Loki.
Die Brüder waren verärgert und schmiedeten als Nächstes einen Ring, Draupnir, der jede neunte Nacht acht Kopien von sich selbst produzieren würde. „Ihr könnt einen Ring schmieden, dass kann jeder hier. Und dann behaupten, dass es nach neun Tagen magisch ist. Pfff.“
Brokr und Sindri versprachen, dass ihr nächstes Stück dem Meisterwerk, das Gungnirs Speer war, in Nichts nachstehen würde. Sie hämmerten das glühende Eisen. Als sie es zum Härten in eine Vene Yggdrasils niederlegen wollten, wo das Wasser wieder zur Krone raufgetragen wurde, stach eine Fliege in Brokrs Auge und er ließ das Eisen vor der Härtung fallen. Was geplant war als ein Kriegshammer aus reinem Eisen wurde nicht mehr als ein Handwerkerhammer mit übergroßem Kopf, da der Großteil des Stils abbrach. Zurück in seiner Jotunform lachte er die Zwerge aus. Während Sindri sich um die Wunde seines Bruders kümmerte, sackte Loki ihre Werke ein, band sie an Gullinborstis Sattel und ritt zurück nach Asgard. Er war erstaunt, dass die Zwerge nicht gelogen hatten und der goldene Eber tatsächlich über Wasser und Luft rennen konnte.
In kurzer Zeit war er wieder in Thorheim beim Namensgeber, wo auch Odin und Frey waren; Frey wollte sehen, wie Thor Lokis Knochen brach, während Odin dort war, um sicherzustellen, dass Thor ihn nicht umbringen würde. Loki setzte persönlich die Perücke auf Sifs Schädel. Ihr neues Haar glänzte noch goldener als das Dach Gladsheims. „Dann wolltest du wirklich nur das Beste für sie und mich?“ fragte Thor und drückte seinen alten Freund brüderlich.
„Aber natürlich“, log Loki und grinste verklemmt. „Hier, als Wiedergutmachung.“ Er überreichte seinem Freund das Hämmerchen. „Unzerbrechlich wie Gungnir.“
„Wie Gungnir?“ fragte Odin, der den Hammer inspizierte. „Nein. Dieser Hammer kehrt nicht zurück wie Gungnir. Hier, mein Sohn.“ Odin schnitt mit der Spitze Gungnirs Runen in das Eisen des Hammers.
Thor nahm den gravierten Hammer in die Hand und schmiss ihn durch ein Fenster. Er öffnete seine Hand. Wie ein Donner brach der Hammer die Luft und kehrte blitzschnell zurück durch das zerbrochene Fenster in Thors Hand. Er lachte und nannte seine neue Waffe Mjöllnir, weil es alles zertrümmern würde.
„Ich hab auch einen Ring für die Braut“, sagte Loki und holte den goldenen Ring Draupnir hervor.
Sif, die von ihrem neuen Haar abgelenkt war, merkte nicht, dass Thor ihr Draupnir über den Finger ziehen wollte, der Ring aber war zu klein für sie. „Passt nicht“, sprach Thor und legte den Ring in Odins Hand. „Nimm du ihn, Vater. Vielleicht können wir ihn einschmelzen.“ Der Allvater spürte, dass der Ring eine magische Energie von sich gab und nahm ihn dankend an.
„Was ist mit dem Schwein?“ fragte Frey.
„Natürlich deins“, grinste Loki.
„Ich habe mich vielleicht in dir getäuscht, Loki. Du bist doch ein guter Mann“, sagte Frey und klopfte dem Joten auf die Schulter. Dann streichelte der Wane den goldenen Eber und öffnete den Beutel, der um Gullinborsti hing. Er nahm das Pergament und faltete es auf. Da realisierte Loki seinen Fehler, aber schwieg, dass das Schiff nicht an Frey bestimmt war. Dieser faltete das Pergament weiter und weiter auf. „Ein Schiff?“
„Nicht in meinem Haus! Geh raus“, sagte Thor und öffnete mit seinem neuen Hammer ein Loch in die Mauern seines Palastes.
Nach einigen Tagen erschienen die Zwergenbrüder Brokr und Sindri vor Himinbjörg. Heimdall ließ sie Asgard betreten, da sie kamen, um Lokis Kopf zu holen. Der Wächter der Asen führte die Zwerge persönlich zu Odin. Er und die Götter, die die Geschenke von Loki erhalten hatten, bedankten sich alle bei den Zwergen und rühmten sie für ihre außergewöhnliche Schmiedekunst. Loki versteckte sich aus Angst um sein Leben in einem von Asgards Wäldern. Skadi wurde beauftragt ihn ausfindig zu machen und liebend nahm sie diesen Auftrag an.
Als Adler überflog sie die Wälder und hielt Ausschau nach dem flüchtenden Verlierer. Sie landete auf einem Ast und beobachtete eine Herde Rothirsche, die an Knospen Yggdrasils nagten. Einer der geweihten Tiere verhielt sich untypisch: Es fraß Gras. Skadi verwandelte sich in einen Hasen und hopste näher an diesen Hirsch ran, um einen besseren Blick auf ihn zu werfen. Als sie dessen Auge gesehen hatte—ein rotes und ein blaues—verwandelte sie sich zurück in ihre Jotunform. Die Hirsche flüchteten umgehend, doch die Jägerin konnte den verwandelten Loki ins Bein schießen und fangen.
„Wartet doch, wartet“, flehte Loki, als sein Kopf auf den Holzstamm zur Enthauptung gelegt wurde.
„Die Zwerge haben genug gewartet“, sagte Heimdall.
„Und können einen Moment länger warten“, entgegnete Brokr, sein Bruder Sindri stimmte ihm zu. Tyr senkte das Beil und ließ Loki seine letzten Worte sprechen.
„Hihihoh“, lachte der Täuscher, „Ich habe euch meinen Kopf versprochen—ja, das ist wahr—aber ich habe nicht meinen Hals verwettet.“
„Ist das wahr?“ fragte Tyr, der die Exekution richten sollte. Die Zwerge blickten sich einander an und nickten. „Dann werde ich seinen Hals nicht schaden.“
Empört sprangen Skadi und Heimdall auf und dieser beklagte sich für die Zwergenbrüder: „Tyr, willst du dich denn auch von diesem Joten überlisten lassen?“
Tyr antwortete ihm vorerst nicht und löste stattdessen Lokis Fesseln. Dann sprach der Ase: „Er hat euch überlistet und damit es nicht so bald wieder vorkommt, werden wir seinen Mund zunähen.“
Die Zwerge gaben sich geschlagen und stimmten dem Kompromiss Tyrs zu. Heimdall schwor Brokr und Sindri jedoch: „Sollte der Tag kommen, an dem der Täuscher am Ende ist, werde ich ihm persönlich den Kopf nehmen.“
Das Mundwerk des Täuschers wurde geschlossen und die Welten waren kurzweilig von seinen Witzen verschont.
3 Monster aus einem Schoß
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Bald nach der Vermählung Thors und Sifs suchte sich Loki aus Einsamkeit auch eine Frau an seiner Seite. Viele Asen mochten ihn, aber die Eltern wollten dennoch ihre Töchter nicht einem Täuscher überlassen, besonders seit sie von seiner ehrlosen Wette mit den Zwergen erfuhren. So blieb Loki nichts übrig als in Jotunheim nach einer Frau zu suchen. Dort fand er die Jotin genannt Angrboda. So wie Thor Vater von der Asin Thrud wurde und seither in ihren Ehren Thorheim in Thrudheim umbenannt hatte, so sollte auch jener Täuscher ein Vater werden.
Loki stand seiner Frau bei der Geburt zur Seite. Angrboda war in sichtlichen Schmerzen. Sie meinte, es würde sich so anfühlen als würde ein Wurm in ihrem Bauch rumkriechen. Odin bat Freya, einige ihrer Gehilfinnen bei der Geburt bereit zu stellen. Die Wanin meldete sich freiwillig, der Jotin zu helfen. Freyas loyale Dienerin Hlin schaute nach, dass das Kind bei der Geburt sofort versorgt würde und sollte das Kind aus Angrboda aufnehmen. Hlin schrie auf. Ein Schlangenkopf kroch aus Angrbodas Scheide. Es war wie aus einem Alptraum, die Schlange schlängelte sich heraus, blutbefleckt waren ihre Schuppen. Verstört vom Aufschrei nahm Loki Hlins Platz ein und zog die Schlange beim Kopf heraus. „Bei den Göttern, was ist das für ein Monster?“ weinte seine Frau Angrboda in Agonie. Loki legte die blutbedeckte Schlange sanft auf seine Schulter, wo es sich um seinen Hals schlängelte und seine Wangen mit ihrer gespaltenen Zunge ableckte.
„Jörmungand“, sagte Loki lächelnd. „Es ist mein Kind, unser Kind, Angrboda. Wir sind Eltern.“
Angrboda schüttelte den Kopf. Sie weinte bis sie einschlief. Freya hatte den Geburtssaal umgehend verlassen und berichtete Odin in Gladsheim von der Geburt. „Zwei Joten. Und nun ein wahres Monster in Asgard. Ich sagte dir, dass es ein Fehler war, solche Wesen hier aufzunehmen.“
„Von wie vielen Joten hast du gehört, dass sie Schlangen gebären? Keine!“ proklamierte Odin. Er lief denkend auf und ab. „Es muss wohl an Loki liegen…als wir unser Blut mischten…als ich ihm mein Asenblut gab.“
„Er zeugte schon ein Pferd, nun ist es eine Schlange. Was wird noch Folgen, bevor du es ihm verbietest?“
„Ich kann keinem verbieten, Kinder zu kriegen.“
„Dann befiehl es ihm! Du bist Gott aller Götter!“
Der Allvater warf seinen Wunschmantel um und teleportierte zu Loki und seiner Frau, die in Thors Palast Bilskirnir hausten—die damals größte Einrichtung in ganz Asgard. Freya hatte nicht gelogen: Eine schwarze Schlange mit Flecken rot wie Blut kroch über Loki umher, während er neben der schlafenden Mutter lag. „Was ein schöner Tag heute ist, nicht wahr, Allvater?“ sprach Loki euphorisch. „Schau nur wie lebhaft Jörmungand ist.“ Sie beobachteten wie Lokis Kind sich an den Säulen des Bettes hochwickelte und dort oben Insekten verspeiste.
„Loki, findest du es nicht merkwürdig, dass ihr Joten eine Schlange gezeugt habt? Nie habe ich von dergleichen gehört“, sagte Odin besorgt.
„Nein, warum auch? In Jörmungand fließt mein Blut–“
„Und dadurch etwas von mir. Ich fürchte, dies ist der Grund, weshalb ihr kein Jotenkind habt…“
Loki stand auf und nahm die Schlange von der Säule. Sie schlängelte sich über seine Schulter sanft um seinen Hals. „Allvater. Ich liebe meine Tochter. Mir macht es nichts aus, dass sie die Form einer Schlange hat. Und es ist keinesfalls dir verschuldet. Möchtest du sie mal halten?“ Loki nahm Jörmungand von seinem Hals und legte sie Odin in die Arme. Sie rollte sich ein und schlief in seinen offenen Händen ein. „Sie mag dich, hihihoh“, lächelte Loki. Odin legte die aufgerollte Schlange vorsichtig aufs Bett, wo die Sonne einen wärmenden Kreis zeichnete und die blutroten Schuppen glänzen ließ.
Odin vermochte nicht, Loki sein Glück des Vaterseins zu rauben und Angrboda wurde wieder schwanger. Diesmal war Odin selbst bei der Geburt dabei, damit er und Freya zur Not mit Seidr beistehen könnten. Dies blieb jedoch aus, die Geburt verlief ohne Komplikationen. Angrboda hatte eine gesunde Jotin zur Welt gebracht. Es war ein Mädchen. Sie nannten sie Hel. Die Mutter weinte auch bei dieser Geburt, nun aber aus Freude als aus Furcht. Doch ihr Glück war nicht von langer Dauer: Als die Jotin ihre Tochter das erste Mal gestillt hatte, deformierte das Kind. Der Säugling schrie und brannte von innen. Als die Milch aus der Brust spritzte, schmolz Hels Haut dahin und entblößte ihre Knochen darunter. Am schrecklichsten war es im Gesicht. Ihr blanker Schädel war zur Hälfte sichtbar, ihr grasgrüne, linke Auge floss aus der Sockel, ihre Nase sank zum Kinn herab und ihr Mund war lippenlos, aber so verschmolzen, dass es wie ein ständiges Grinsen aussah. Niemand vermochte dieses grässliche Kind—halb schwarz von der geschmolzenen Haut und halb weiß von den entblößten Knochen—anzusehen, geschweige denn zu pflegen—nicht einmal ihre Mutter. Loki jedoch sah über das Äußere seiner Tochter hinweg, so wie er es bei Jörmungand tat; er schätzte, was sie werden würde, und liebte sie von tiefstem Herzen. Er allein sorgte sich um ihre Wunden und Kummer, nährte sie gar an seiner eigenen verzauberten Brust.
Die Asen versammelten sich—ohne Lokis Wissen—zum Rat, dem Odin besorgt zustimmte. Freya leitete die Diskussion und verlangte, dass Lokis Kinder aus Asgard verbannt würden und das Jotunpaar ebenfalls. Als Tyr und Heimdall zustimmten, schlossen sich weitere Freyas Vorschlag an. Der Wane Njörd stellte sich dagegen: „War Hel nicht eine gesunde Jotin, als sie das Licht der Welt erblickte? War es nicht so, Freya?“
„Ja“, fügte Thor hinzu. „Vater hat sie auch gesehen!“
„Das mag sein“, erwiderte Freya ihrem Stiefsohn, „aber sieh sie dir jetzt an, wenn du dich traust!“
Odin hob sich vom Sessel und schlug auf den Tisch: „Schweigt! Weil Hel gesund geboren wurde, erlaube ich Angrboda und Loki ein weiteres, gemeinsames Kind zu haben. Sollte es jedoch wieder missgestalten sein, so werde ich sie persönlich aus Asgard bringen.“
Jahre vergingen, bevor Angrboda sich traute, wieder mit Loki zu liegen—oder überhaupt mit jemanden zu liegen, denn in Ehe oder Treue waren sie schließlich nicht gebunden. Die Jotin hatte keinen Kontakt mit ihren Töchtern haben wollen und Loki zog sie alleine auf. Hel war ein begabtes und kluges Mädchen und er brachte ihr Seidr bei und zeigte einige Runen, die er über Odins verzauberte Gegenstände lernte. Jörmungand wuchs schneller und größer, als es den Asen lieb war. Schon nach fünf Jahren umkreiste ihr Körper Bilskirnir. Eines Tages beim Spielen griff die Schlange Thors Tochter Thrud an. Thor hätte sie dort noch umgebracht, wenn Odin ihn nicht rechtzeitig beruhigt hätte. Jörmungand wurde darauf zu den Idafeldern gebracht, wo sie mehr Raum hatte sich auszubreiten. Folglich zog Loki mit Hel dorthin und sie kamen in Räumen in Gladsheim unter.
Odin, Freya und ihre Dienerin Hlin standen Angrboda und Loki wieder bei der Geburt bei Seite. „Diesmal wird alles gut werden“, sagte Hlin und strich der Schwangeren über den angeschwollenen Bauch. Die Jotin war von der mütterlichen Fürsorge der Asin erleichtert und zuversichtlich, dass diesmal alles gut verlaufen wird. Ein Lächeln verzierte ihr sonst trübes Gesicht.
„Freya, würdest du meine Hand halten?“ fragte Angrboda und Freya willigte zögernd ein.
Es war soweit. Loki sprang vor Freude hin und her. Angrboda schrie vor Schmerzen und drückte das Kind in ihrem Leib hinaus. Ein Heulen. Ein Wolfsheulen. „NEIN!“ schrie die Jotin. „Nein. Lass es nicht wahr sein.“
Loki schützte den schwarzen Welpen vor Angrbodas tretenden Beinen und hielt ihn fest in seinen Armen. „Schon wieder ein Monster. Töte es!“ befahl Freya.
Loki schüttelte den Kopf und floh aus dem Raum. Odin eilte ihm hinterher zu Hels Zimmer. Das verschleierte Kind ließ ihr Spielzeug fallen, als ihr Vater mit ihrem Wolfsbruder und Odin hereintraten. „Loki, vertraue mir! Deinen Kindern wird nichts geschehen!“ Der Wolf bellte leise in den Armen seines Vaters. Odin blickte in Lokis Augen, Blau und Rot zitterten vor Angst. „Hel, geh zu deinem Vater und halt dich an ihn.“ Das kleine Mädchen stand auf, stolperte, hob sich erneut und hielt sich fest am Bein Lokis. Odin warf seinen Mantel um Loki und seine Kinder.
Im nächsten Augenblick waren sie an einem unbekannten Ort. Ein gigantischer Wasserfall rauschte neben ihnen. „Wo sind wir?“ fragte Loki. Die Welt um sie war düster und kalt. Es war wie eine Höhle, von der Decke leuchteten Pilze so grell wie Vollmonde.
„Eine Welt zwischen Niflheim und Midgard“, Odin zeigte dabei auf das fallende Wasser. „Niemand weiß von dieser Welt. Deine Kinder können unbeschadet hier leben. Du hast mein Wort.“
Loki setzte den Welpen ab, der sofort auf Hel zulief, ihre Füße ableckte und das Mädchen zum Kichern brachte. „Jörmungand! Meine Tochter ist noch in Asgard!“
Odin warf sich seinen Mantel um und erschien in Asgard. Freya hatte die Nachricht über die Geburt des Wolfes ausgebreitet und die Götter sammelten sich alle im Idafeld. „Wo sind sie?“ fragte seine Frau ihn. „Wo hast du sie hingebracht?“
„STECKT DIE WAFFEN EIN!“ brüllte der Allvater zu den Asen, die auf die Schlange zuliefen. „Ich habe Lokis Kinder aus Asgard gebracht, so wie ich es versprochen hatte. Sie werden nicht getötet.“
„Es ist ein Fehler, sie am Leben zu lassen“, sprach Heimdall, der sein Speer immer noch gegen die gigantische Schlange gerichtet hielt.
„Ich bin Heimdalls Meinung“, fügte Tyr hinzu. „Wir wissen nicht wie sie sein werden, wenn sie einmal ausgewachsen sind.“
„Habt ihr etwa Angst vor einem Tier?“ lachte Thor. Er sprang auf den Kopf der Schlange und setzte sich auf ihr. Jörmungand hisste, worauf Thor einmal auf sie klatschte und dann drohend seinen Hammer hervorzog. Die Schlange blieb ruhig.
„Bringen wir sie im Meer in Midgard unter. Dort gibt es genug Futter und dann können ich und Thor ein Auge auf sie halten“, schlug Njörd vor. Er fühlte sich in Lokis Schuld, da nur durch seinen Streich der Wane seine Jotunfrau Skadi kennengelernt hatte und mit ihr erneut ein temporäres Glück fand.
„So soll es sein. Götter! Packt an! Wir bringen die Schlange runter nach Midgard.“
Nachdem sie Jörmungand über Bifröst trugen und letztlich in das Meer von Midgard geworfen hatten, reiste Odin mit seinem Mantel zu Loki und seinen anderen Kindern. Dort erzählte er ihm, wo sein Schlangenkind nun verweilte. Er versicherte, dass Njörd und Thor sich um sie kümmern würden. Loki blickte auf seine spielenden Kinder, bevor er stumm nickte. „Wie heißt diese Welt?“ fragte er den Asen.
„Es ist dein Heim. Nenn es, wie du willst.“
Der Schleier des Mädchens fiel herab, als ihr kleiner Wolfsbruder auf sie sprang und ihr Gesicht ableckte. „Schau, Vater“, sagte Hel stolz, während der Wolf sie weiter mit seiner Zunge abschleckte.
„Helheim“, sagte Loki. „Dies ist ihr zuhause.“ Odin legte eine Hand auf die Schulter des Joten. „Ich bleibe noch etwas hier bei ihnen.“ Odin verschwand und ließ den Vater mit seinen Kindern zurück. Er würde sie oft besuchen kommen und immer würden die Monsterkinder den Asen liebend begrüßen.
