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2 Quellen zu Mohammeds Leben
Die islamischen Quellen, die für Mohammed zur Verfügung stehen, sind zahlreich. Die wichtigsten seien genannt: der Koran, die Lebensbeschreibung des Propheten und die Sunna (Gewohnheit [des Propheten]), aus der die Hadithe entstanden.
Der Koran weiß über das Leben Mohammeds kaum etwas zu berichten. Er ist im Unterschied zu den Evangelien, die als „Erinnerungen der Apostel“ (Justin der Märtyrer, um 150 n. Chr.) an Jesus von Nazareth gelten, keine wie auch immer geartete Lebensbeschreibung des Propheten. Wenige Male wird aber der Prophet im Koran genannt: Sure 47 trägt die Überschrift „Mohammed“ und in V 2 heißt es: „Denen aber, die glauben und tun, was recht ist, und die an das glauben, was auf Mohammed (als Offenbarung) herabgesandt worden ist – es ist (ja) die Wahrheit (und kommt) von ihrem Herrn–, denen tilgt er die schlechten Taten und bringt alles für sie in Ordnung.“ Der Vers hält nur fest, dass Mohammed der Empfänger der göttlichen Offenbarung ist, die für diejenigen, die daran glauben, die Vergebung der Sünden bringt und ein Leben in Harmonie mit der göttlichen Ordnung.
Wie geht man nun vor, wenn der Name Mohammed hier unpassend erscheint und man ihn eliminieren möchte? Man sagt z. B., dass der Eigenname „Mohammed“ gar nicht existierte, sondern „der Gepriesene“ zu lesen und damit Jesus gemeint sei.
Auf gleiche Weise wird mit Sure 3,144 [med]: „Und Mohammed ist nur ein Gesandter. Vor ihm hat es schon (verschiedene andere) Gesandte gegeben. …“ verfahren (K. H. Ohlig 2007: 257 ff.).
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Grundsätzlich ist dazu zu sagen: „Nun lernt man im arabischen Elementarunterricht spätestens in der zweiten Woche, daß muḥammad in dieser syntaktischen Position kein – indeterminiertes – Prädikatsnomen, sondern nur ein dem Sinn nach determiniertes Subjekt sein kann; lediglich in der Funktion eines Eigennamens kann ein der grammatischen Form nach indeterminiertes Nomen dem Sinn nach determiniert sein.“ (T. Nagel 2008a: 839) Die Grammatik ist also eindeutig genug, um die Eliminierung des Personennamens „Mohammed“ als Schimäre zu erweisen.
Der Name geht auf die semitische Wurzel „ḥmd“ (verlangen, loben, preisen) zurück, die in vielen semitischen Sprachen belegt ist (L. Köhler/ W. Baumgartner 1958: 308; W. Baumgartner/B. Hartmann/E. Y. Kutscher 1967: 312 f.; G. Wallis ThWAT II 1020–1032; J. Levy II 1963: 70). Schon im Alten Testament (Gen 36,26; 1 Chr 1,41) ist der Personenname „Hemdan“ bzw. „Hamdan“, der von dieser Wurzel gebildet ist, bekannt und im Altsüdarabischen der Name Mohammed. Die verschiedenen Namensformen sind daher längst vor dem arabischen Propheten Mohammed vorhanden gewesen (vgl. die Belege bei T. Nagel 2008: 100).
Für Sure 33,40 [med]: „Mohammed ist nicht der Vater von (irgend)einem eurer Männer (auch wenn dieser sein Nennsohn ist). Er ist vielmehr der Gesandte Gottes und das Siegel der Propheten (d. h. der Beglaubiger der früheren Propheten, oder der letzte der Propheten). Gott weiß über alles Bescheid.“ wird nicht bestritten, dass hier der arabische Prophet gemeint ist, allerdings behauptet, ohne einen schlüssigen Beweis vorzulegen, dass ein Großteil dieser Sure erst vom Ende des 8./Anfang des 9. Jhs. n. Chr. stamme, als die Vita des Propheten ohne einen historischen Hintergrund entstanden sei (B. Köster 2010: 138 f.). Sure 33,50 gestattet dem Propheten auch die Heirat mit mehr Frauen als sonst dem Muslim. Von diesem Kontext her ist es klar, dass niemals Jesus als „der Gepriesene“ gemeint sein kann. Man ist also gezwungen, eine viel spätere Entstehung dieser Verse anzunehmen, um die eigenen Schlussfolgerungen zu retten. Wie im Kapitel über den Koran noch zu zeigen sein wird, entbehrt die Annahme der viel späteren Entstehung des Heiligen Buches jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.
Es ist nicht viel, was der Koran direkt über Mohammed aussagt, aber doch Entscheidendes und Grundsätzliches. Er ist der Empfänger der
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Offenbarung, der endgültige Gesandte und Prophet Gottes. Ihm wird auch von Gott gestattet, mehr Frauen zu ehelichen als anderen Gläubigen, denen nur vier Ehefrauen erlaubt sind.
Sure 33,56: „Gott und seine Engel sprechen den Segen (hier übersetzt R. Paret und übersetzen praktisch alle anderen völlig abgeschwächt; es heißt wörtlich: „vollziehen gegen den Propheten gewendet das rituelle Gebet“) über den Propheten. Ihr Gläubigen! Sprecht (auch ihr) den Segen (wörtlich: vollzieht das rituelle Gebet gegen ihn gewendet) über ihn und grüßt (ihn), wie es sich gehört!“ Der Vers könnte so verstanden werden, dass Gott und seine Engel Mohammed göttliche Verehrung zubilligen und die Gläubigen diesem Beispiel folgen sollen. Der Vers ist nach dem siegreichen Grabenkrieg (ca. 626/27 n. Chr.) Mohammeds entstanden (T. Nagel 2008a: 723).
Da ein solches Verständnis jedoch der Verkündigung Mohammeds, Gott keinen anderen als göttlichen Partner beizugesellen, diametral widerspricht und den absoluten Monotheismus des Islam ad absurdum führen würde, kann der Vers nicht so verstanden worden sein. Er spricht aber dennoch von einer unglaublichen, wenn auch nicht göttlichen Erhöhung des Menschen Mohammed, der in manchen Richtungen des Islam fast zu einer Apotheose des Propheten geführt hat (T. Nagel 2008b). Wollte man den Schlussfolgerungen von K. H. Ohlig u. a. folgen, dass in der Frühzeit des Islam unter „Mohammed“ Jesus, „der Hochgelobte, der Gepriesene“ verstanden worden sei, so würde das deren Argumentation völlig kippen, Jesus sei im Gegensatz zur orthodoxen Lehre der Großkirche, die Jesus vergöttlicht hätte, als rein menschlicher Prophet von den Arabern verstanden worden. Man müsste von einem christlichen Kontext dieses Verses her annehmen, dass gerade die „christlichen“ Muslime Jesus göttlich verehrt hätten, was natürlich ein Widersinn in sich ist; denn die Geschichte zeigt ja mit aller Deutlichkeit, dass es nie christliche Muslime gegeben hat.
Wie ist nun die älteste und bekannteste Lebensbeschreibung des Propheten von Ibn Ishaq (Ed. Rotter 42008) zu werten?
Ibn Ishaq (704–767/68) kann nicht einfach als Autor dieses Werkes angesprochen werden. Er sammelte und verarbeitete alle Überlieferungen, die ihm über Mohammeds Leben zur Verfügung standen und schuf
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rund 120 Jahre nach dem Tod Mohammeds eine Art Idealbiographie des Propheten, beginnend mit dem Stammbaum und endend mit dem Begräbnis. Das Werk hat zweifellos einen hohen historischen Stellenwert, will jedoch nicht nur die historische Gestalt des Propheten dem Leser aufzeigen, sondern seine heilsgeschichtliche Bedeutung, wie sie sich im Laufe von über 100 Jahren nach seinem Tod entwickelt hat. Geschichte, Theologie und Legende sind daher ineinander und miteinander verquickt, so dass es nicht einfach ist, das eine vom anderen zu unterscheiden. Eine rein rationale Betrachtung der Vita würde ihr jedoch nicht gerecht, da sich in der Legende häufig auch eine wichtige historische wie theologische Wahrheit darstellen kann. Auch wenn Wunderberichte etc. variantenreich überliefert sind, müssen sie nicht als ahistorisch abgetan werden. Der Welt, in der Mohammed und auch Ibn Isaq lebten, war der Glaube an wunderbare Zeichen und Ereignisse, die über die alltäglichen Erfahrungen hinausgingen, eine Selbstverständlichkeit und Realität. Das sollten wir Heutigen bedenken, wenn wir uns dieser alten Welt nähern.
Man kann sich die Vita des Propheten in einem Vergleich etwa so vorstellen, als ob die vier kanonischen Evangelien zu einer Evangelienharmonie gestaltet wären und mit weiteren Materialien aus den apokryphen Evangelien ergänzt würden.
Bevor nun versucht wird, das Leben des Propheten historisch kurz zu umreißen, muss noch ein Wort zur „Gewohnheit“ Mohammeds, wie sie in den Hadithsammlungen zum Ausdruck kommt, und zu außerislamischen Quellen über Mohammed gesagt werden. Ein Hadith (Neuigkeit, Erzählung) weist eine strenge formale Gliederung auf: Er bringt zuerst die Augen- und Ohrenzeugen, die die Echtheit stützen und dann den Bericht (leicht zugängliche Hadithsammlungen auf Deutsch sind z. B. Ed. D. Ferchl 2010 und Ed. M. Schöller 2007). Islamische Gelehrte der Frühzeit haben die Hadithe gesammelt, verschriftet und verschiedene Abstufungen bezüglich ihrer Authentizität festgelegt. Ein Hadith ist „gesund“ (sahih), wenn die Zeugen ohne Unterbrechung bis auf Mohammed zurückreichen, ihre Wahrheitsliebe bezeugt ist, und der Bericht selber der übrigen Tradition nicht widerspricht. „Schön“ („hasan“) wird ein Hadith genannt, wenn er zwar nicht alle vorher genannten Kriterien erfüllt, dennoch aber auf anerkannte Gewährsleute des Propheten zurückgeht.
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„Schwach“ („daif“) ist ein Hadith dann, wenn ihm alle Merkmale fehlen. Völlig wertlos ist ein gefälschter Hadith.
Schon Kalif Omar II. (717–720 n. Chr.) traf die Verfügung für eine schriftliche Aufzeichnung der Hadithe, aber erst im 9. Jh. n. Chr. entstanden die großen Ausgaben, als deren vorzüglichste bis heute die des al-Buchari (810–870 n. Chr.) gilt. In einem vierbändigen Werk „al-dschami as-sahih“ (Die authentische Sammlung) hat al-Buchari die Erzählungen mit großer Sorgfalt in chronologischer Reihenfolge zusammengestellt. Nicht minder wichtig ist die Hadithsammlung von Muslim (817–875 n. Chr.). Beide Werke gelten im Islam als kanonisch, für alle verbindlich. Großes Ansehen haben in der islamischen Welt ferner die Hadithsammlungen von as-Sidschistani (gest. 888 n. Chr.), von at-Tirmidhi (gest. 883 n. Chr.), ar-Rahman an-Nasai (gest. um 900 n. Chr.) und von Abu abd Allah Muhammad b. Maga (gest. 886 n. Chr.).
Als Beispiel sei ein Hadith aus der Sammlung des al-Buchari 2,7 angeführt. Der Sammler hat diesem Hadith folgende Überschrift gegeben. „Von der Pflicht des Muslim, seinem Bruder das zu wünschen, was er sich selber wünscht.“ Der überlieferte Text lautet folgendermaßen: „Musaddad erzählte uns, er sagt: Yahya erzählte uns nach der Aussage des Shuba, nach der Aussage des Qatada, nach der Aussage des Anas vom Propheten, Gottes Segen und Gruß sei über ihm, und nach der Aussage des Husain al-Muallim, welcher sagte: Qatada erzählte uns nach Aussage des Anas vom Propheten Gottes, Gottes Segen und Gruß sei über ihm, welcher sagte: Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht seinem Bruder das wünscht, was er sich selber wünscht.“ (zitiert nach H. Stieglecker 1962: 597; vgl. Matth 7,12)
Die Hadithliteratur wurde von westlichen Wissenschaftlern sehr kritisch gesehen. Einer der ersten war I. Goldziher (II 1890), dem bis heute einige gefolgt sind (vgl. den Überblick bei B. Köster 2010: 41–50); doch die große Mehrheit der Arabisten und Islamwissenschaftler sehen im Hadith eine wertvolle Quelle, die freilich immer auch kritisch zu prüfen ist, wieweit sie die Situation zur Zeit des Propheten tatsächlich wiederzugeben vermag oder ob sie eine spätere religiöse Praxis bezeugt, die durch die Autorität des Propheten gestützt werden will. Wer könnte aber z. B. die Authentizität des vorher zitierten Hadith verneinen? Abgesehen von der
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lückenlosen Traditionskette entspricht die Aussage völlig dem ethischen Verständnis des Propheten. Unter „Bruder“ versteht Mohammed hier vermutlich nur den Glaubensbruder und nicht allgemein den Mitmenschen.
Ähnlich wie die Vita des Propheten sind auch die Hadithsammlungen zu verstehen als ein Ineinander von Geschichte und der Glaubens- und Lebenspraxis der Frühzeit. Ich möchte wieder einen Vergleich bemühen. In den Sammlungen der „Legenden und Laude“ (Ed. O. Karrer 1945) des hl. Franz von Assisi ist mehr und weit Tieferes über die Spiritualität, die Lebenspraxis dieses Heiligen und über die frühe franziskanische Bewegung zu erfahren als in einer exakten Biographie des Heiligen. Ähnlich verhält es sich mit den Hadithen. Es wäre eine Missachtung von Quellen, diese nicht für das Leben des Propheten kritisch auszuwerten, wobei „kritisch“ hier nicht so verstanden werden darf, zuerst die Aussage der Quelle zu leugnen und dann die eigene Phantasie am Schreibtisch ins Kraut schießen zu lassen. Eine solche Anwendung der historisch-kritischen Methode, die manche fordern, führt zu keinem wissenschaftlichen Ergebnis, sondern nur zu unbewiesenen und unbeweisbaren Hypothesen, wie sie große Teile der Bibelwissenschaft des 19. und des 20. Jahrhunderts geprägt haben.
K.-H. Ohlig (2007: 223–325) hat zuletzt in einer ausführlichen Untersuchung die christlichen Quellen über Mohammed und den frühen Islam untersucht. Auf den ersten Blick gewinnt man den Eindruck, es handelt sich um eine seriöse Studie zu diesem Thema. Bei genauerem Hinsehen fällt es jedoch auf, dass versucht wird, ideologisch bedingte Vorurteile – Mohammed sei keine historische Person und der frühe Islam sei nichts anderes als die arabische Form des Christentums, die in Jesus nur einen Propheten gesehen habe – „wissenschaftlich“ nachzuweisen. Die Vorgehensweise ist praktisch immer die gleiche: Wo die Quellen zu Ungunsten dieser fragwürdigen Behauptung sprechen, wird gesagt, dass es sich um spätere Hinzufügungen handle (z. B. K.-H. Ohlig 2007: 239.265.267). Dabei bemüht K.-H. Ohlig (2007: 224) auch das Beispiel des „Testimonium Flavianum“ (JosAnt XVIII 63–64), das eine christliche Einfügung in den Text des Josephus sei; nur wer keine Ahnung von Textkritik und Textgeschichte hat, kann noch im 21. Jahrhundert einen solchen Unsinn vertreten. Die Authentizität des Testimoniums steht spätestens seit der
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Studie von S. Pines (1971; vgl. die neueren Studien von U. Victor 2010; K. Jaroš 2011: 84–86) fest.
Bereits um 640 n. Chr. spricht ein christlicher Text aus Nordafrika, die „Doctrina Jacobi“, von einem „neuen Propheten“, der unter den Arabern aufgetreten ist. Es ist eindeutig, dass hier nur Mohammed gemeint sein kann (G. Dragon 1994: 80). Eine Reihe weiterer christlicher Texte aus etwa derselben Zeit nennt auch den Namen des Propheten Mohammed.
Viel wichtiger als diese einfachen Nennungen sind jedoch die Zeugnisse zweier Personen, die den Islam bereits durch die Erfahrung von drei bzw. sechs Generationen genau kannten.
Johannes von Damaskus (um 675–ca. 754 n. Chr.) wurde vom Kalifen Abd al-Malik (685–705 n. Chr.) als Sekretär in die Finanzverwaltung aufgenommen. Als unter dem Kalifen Omar II. (717–720 n. Chr.) der Druck auf hohe christliche Beamte im Kalifat immer intensiver wurde, zog sich Johannes in das Mar Saba Kloster der judäischen Wüste zurück. Seine Vorfahren standen bereits im Dienst des Kalifats. Sein Großvater wurde nach der muslimischen Eroberung von Damaskus im Jahre 735 n. Chr. als byzantinischer Beamter in der Leitung des Finanzwesens von den neuen Herren übernommen und auch sein Vater war in der Finanzverwaltung des Kalifats tätig. Darin zeigt sich auch die seit Jahrtausenden im Orient geübte Praxis, dass neue Eroberer die bestehenden Infrastrukturen für Jahrzehnte übernehmen, bis ein eigener Beamtenapparat geschaffen werden konnte. Wer könnte daher heute behaupten, Johannes von Damaskus habe den Islam nicht genau gekannt? In seinem Hauptwerk, „Quelle der Erkenntnis“, Kapitel 100, das er in Mar Saba gegen Ende seines Lebens schrieb, setzt sich Johannes Damascenus mit dem Islam auseinander (A.-Th. Khoury 1969: 12–15). U. a. heißt es: „Und obwohl er (= Mohammed) in dieser Schrift (= Koran) noch von vielen anderen lächerlichen Dingen phantasiert, behauptet er hartnäckig, daß sie von Gott auf ihn herabgekommen sei. […] doch wir stellen die Frage, wie die Schrift von oben auf ihn herabkam, als er schlief. […] Wenn wir wiederum fragen: Da er euch in eurer Schrift befohlen hat, nichts ohne Zeugen zu tun oder anzunehmen, wieso habt ihr ihm dann nicht gesagt: ‚Beweise erst einmal selbst durch Zeugen, daß du ein Prophet bist, daß du von Gott kommst, und welche Schrift Zeugnis über
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dich ablegt!‘?– dann schweigen sie vor Scham.“ (zitiert nach A. Lexutt/ D. Metz 2009: 18 f.)
Als ein ebenso guter Kenner des Islam erweist sich Theodor Abu Kurru (750–820/25 n. Chr.; A.-Th. Khoury 1969: 15–20), Bischof des nordsyrischen Harran. Aus Opusculum 19 sei hier nur der Anfang zitiert: „Bei den heuchlerischen Sarazenen herrscht die Gewohnheit, wenn sie einen Christen treffen, nicht zu grüßen, sondern gleich zu sagen: ‚Christ, lege Zeugnis ab, dass der eine und unaussprechliche Gott Muhammad zu seinem Diener und Gesandten bestellt hat!‘“ (zitiert nach A. Lexutt/ D. Metz 2009: 25), um zu zeigen, wie klar und einwandfrei ein christlicher Bischof des 8. Jahrhunderts um den arabischen Propheten und seine Sendung Bescheid wusste.
Anderes ist auch nicht zu erwarten; denn es ist wohl eine der übelsten Geschichtsfälschungen der letzten Jahre zu behaupten, die Gestalt Mohammeds sei nur eine literarische Fiktion des 9. Jhs. n. Chr. Um diese Behauptung endgültig in das Reich der Fabel zu verweisen, sei auf zwei Inschriften des Felsendomes von Jerusalem hingewiesen. Der Felsendom wurde vom Kalifen Abd al-Malik (685–705 n. Chr.) erbaut und die arabischen Inschriften stammen aus dem Jahr 692 n. Chr.
Der Felsendom ist ein schönes Beispiel, das zeigt, wie sehr die arabischen Eroberer in den ersten Jahrzehnten nicht nur auf den byzantinischen Beamtenapparat, sondern auch auf Architekten und Künstler angewiesen waren. Der byzantinische Oktogonalbau, der aus der Badehausarchitektur kommt, ist seit der ersten Hälfte des 4. Jhs. n. Chr. im Osten heimisch geworden. Der Jerusalem am nächsten liegende Oktogonalbau größeren Ausmaßes war die Theotokos Kirche am Berg Garizim mit einer Länge von 37 m und einer Breite von 30 m (Abb. 4).
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Abb. 4 Rekonstruktion der oktogonalen Garizimkirche. (Quelle)
Dieser prachtvolle Bau wurde unter Kaiser Justinian (527–565 n. Chr.) errichtet und unter Kalif al-Mansur (754–755 n. Chr.) zerstört. Die Anlage weist mit dem Felsendom solche Ähnlichkeit auf, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sie byzantinische Architekten im Auftrag des Kalifen Abd al-Malik als Vorbild für den Felsendom verwendeten (A. M. Schneider 1946–51: 211–234; K. Jaroš/B. Deckert 1977: 49 f.).
In diesem Kontext muss auch die Frage gestellt werden, worin sich muslimische von christlichen Sakralbauten unterscheiden, wenn die Muslime der ersten beiden Jahrhunderte ihrer Zeitrechnung eigentlich „Christen“ gewesen sein sollen? Wenn sie solche gewesen wären, hätten sie die christlichen Sakralbauten eins zu eins übernehmen können?
Grundsätzlich kann gesagt werden, dass sich die Architektur eines muslimischen Sakralbaues (Moschee) von einer christlichen Kirche nicht unterscheiden muss, sehr wohl jedoch in der Einrichtung. Für eine Moschee unabdingbar sind die Gebetsnische („Mihrab“), die die Richtung nach Mekka anzeigt und rechts davon die Kanzel („Minbar“). Eine der ältesten Moscheen ist die al-Aqsa auf dem Jerusalemer Tempelberg in der Nähe des Felsendomes, der eigentlich keine Moschee, sondern
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eine Memoria ist. Die al-Aqsa Moschee wurde noch unter Kalif Abd al-Malik gegen Ende des 7. Jhs. n. Chr. begonnen und von seinem Sohn Kalif al-Walid I. um 705 vollendet. Dieser Bau ersetzte einen früheren, der nur aus Holz war. Diesen Vorgängerbau der al-Aqsa bezeugen die Pilger Bischof Arkulf und der Abt Adomnanus (um 680 n. Chr.) in den Berichten über ihre Pilgerreise I 14: „Übrigens haben an dem berühmten Ort, wo vorzeiten der Tempel prächtig errichtet war, in der Nähe der östlichen Mauer gelegen, die Sarazenen jetzt ein viereckiges Bethaus gebaut, das sie mit aufrecht stehenden Brettern und großen Balken über einigen Trümmerresten aufgeführt haben; sie besuchen es fleißig, und das Haus kann – wie berichtet wird – etwa 3000 Menschen fassen.“ (zitiert nach H. Donner 1979: 337). Es dürfte deutlich sein, dass der Vorgängerbau und die ihm folgende Moschee keine Sakralbauten einer christlichen Gruppe, sondern Sakralbauten einer anderen Religion waren. Dies zeigt sich auch an der Omajjadenmoschee von Damaskus, die ursprünglich eine Johannes dem Täufer geweihte Basilika war und 705 n. Chr. vom Kalifen al-Walid in eine Moschee umgebaut wurde. Der Schrein und die Verehrung Johannes des Täufers wurden beibehalten, da Johannes von den Muslimen als Prophet verehrt wird.
Von großem Interesse sind auch die 1973 in Ramla (Israel) entdeckten Mosaiken eines privaten arabischen Komplexes aus dem 8. Jh. n. Chr. Auf einem oben beschädigten Mosaikfußboden, ca. 1,15 m mal 0,90 m, ist eine Gebetsnische, die nach Mekka orientiert ist, mit einer dreizeiligen arabischen Inschrift zu sehen (Abb. 5). Die Inschrift lautet:
1. Mache dich [an dein Gebet!].
2. Und nicht sei einer von den Unacht-.
3. -samen!
(M. Rosen-Ayalon 1976: 104–119; Pls. 23–25; K. Jaroš 2001: Nr. 275).
Nach der Aufforderung zum Gebet erfolgt in den Zeilen zwei und drei Sure 7,205, um die Gläubigen vor der Verrichtung des Gebetes daran zu erinnern, die Formulierung der guten Absicht („nija“) nicht zu vergessen. Dieses Mosaik ist das bisher früheste bekannte Zeugnis einer privaten, nach Mekka orientierten Gebetsnische, also außerhalb einer Moschee oder einer Privatmoschee; bisher auch das einzige Zeugnis einer
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arabisch-koranischen Schrift auf einem Mosaikfußboden. Es ist evident, dass dieser Fund aus dem 8. Jh. n. Chr. nicht von christlichen Arabern, sondern von arabischen Muslimen stammt.

Abb. 5 Gebetsnische. (Quelle)
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Nun zu den beiden Inschriften im äußeren und inneren Oktogon des Jerusalemer Felsendomes.
Das äußere Schriftband lautet: „Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah, er hat keinen Gefährten. Sprich: Er ist Allah, ein einziger; er ist Allah ganz und gar; er hat nicht gezeugt und wurde nicht gezeugt, und niemand ist ihm ebenbürtig (Sure 112). Mohammed ist der Gesandte Allahs. Der Segen Gottes sei auf ihm. Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah allein, er hat keinen Gefährten. Mohammed ist der Gesandte Allahs. Allah und seine Engel vollziehen gegen ihn gewendet das rituelle Gebet. Ihr aber, die ihr glaubt! Vollzieht auch ihr gegen ihn gewendet das rituelle Gebet und grüßt ihn mit dem Friedensgruß (Sure 33,56)! Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah allein. Preis sei Allah, der sich kein Kind nahm, keinen Gefährten in der Herrschaft hat und keinen Schutzpatron gegen die Erniedrigung (braucht); und preise ihn aufs höchste (Sure 17,111)! Mohammed ist der Gesandte Allahs. Allah vollziehe gegen ihn gewendet das rituelle Gebet, desgleichen seine Engel und seine Gesandten! Der Friedensgruß werde ihm entboten, die Barmherzigkeit Allahs (werde ihm zuteil)! Es gibt keinen Gott außer Allah allein, er hat keinen Gefährten. Er hat die Herrschaft inne, ihm gebührt das Lob. Er gibt das Leben und den Tod. Er ist zu allem mächtig (Sure 57,2). Mohammed ist der Gesandte Allahs. Allah vollziehe gegen ihn gewendet das rituelle Gebet und nehme am Tag der Auferstehung seine Fürsprache für die Gemeinde an! Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah allein. Er hat keinen Gefährten. Mohammed ist der Gesandte Allahs. Allah vollziehe gegen ihn gewendet das rituelle Gebet!“ (zitiert nach T. Nagel 2008: 722; Basmala und Eulogie jeweils ergänzt). Die Inschrift endet mit der Auskunft, dass Kalif al-Mamun den Felsendom im Jahre 72 (nach der Hidschra), also im Jahre 694 n. Chr. errichtet hat. In Wirklichkeit war der Erbauer Kalif Abd al-Malik. Sein Name wurde von al-Mamun überschrieben.
Das innere Schriftband lautet: „Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah allein, er hat keinen Gefährten. Er hat die Herrschaft über Himmel und Erde. Er macht lebendig und läßt sterben und hat zu allem die Macht (Sure 57,2). Mohammed ist
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der Knecht Gottes und sein Gesandter. Allah und seine Engel vollziehen gegen ihn gewendet das rituelle Gebet. Ihr aber, die ihr glaubt! Vollzieht auch ihr gegen ihn gewendet das rituelle Gebet und grüßt ihn mit dem Friedensgruß (Sure 33,56)! Der Segen und der Friede Gottes sei auf ihm und möge Gott ihm gnädig sein. Ihr Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt gegen Gott nichts aus, als die Wahrheit! Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist nur ein Gesandter Gottes und sein Wort, das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht (von Gott, daß er in einem) drei (sei)! Hört auf (so etwas zu sagen)! Das ist besser für euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darüber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört (vielmehr alles), was im Himmel und auf der Erde ist. Und Gott genügt als Sachwalter. Christus wird es nicht verschmähen, ein (bloßer) Diener Gottes zu sein, auch nicht die (Gott) nahestehenden Engel. Und wenn einer es verschmäht, Gott (w. ihm) zu dienen, und (zu) hochmütig (dazu) ist (hat das nichts zu bedeuten). Er wird sie (d. h. die Menschen) (dereinst) alle zu sich versammeln (Sure 4,71 f.). Gott, vollziehe gegen deinen Gesandten und deinen Diener Jesus, den Sohn der Maria, gewendet das rituelle Gebet. Heil sei über ihm am Tag, da er geboren wurde, am Tag, da er stirbt, und am Tag, da er (wieder) zum Leben auferweckt wird (Sure 19,15)! Das ist Jesus, der Sohn der Maria, gemäß dem Wort der Wahrheit, über die sie im Zweifel sind. Es ziemt sich für Allah nicht, daß er sich irgendein Kind genommen hätte. Wenn er eine Sache entscheidet, dann sagt er zu ihr nur: ‚Sei!‘ und sie ist. Allah ist mein Herr und euer Herr. Ihn verehrt! Das ist eine gerade Straße (Sure 19,34–36)! Allah bezeugt, daß es keinen Gott außer ihm gibt, desgleichen (bezeugen es) die Engel und die Wissenden. Er setzt die Gerechtigkeit durch. Es gibt keinen Gott außer ihm, dem Mächtigen, dem Weisen. Die (wahre) Glaubenspraxis ist bei Allah der Islam. Diejenigen, die das Buch erhalten hatten, wichen (vom Islam) erst ab, als das Wissen zu ihnen gelangt war. Wer nicht an die Wunderzeichen Allahs glaubt, nun, Allah rechnet schnell ab“ (Sure 3,18 f.; zum Teil nach T. Nagel 2008: 722 f. zitiert).
Die beiden Monumentalinschriften des Kalifen, reichlich durchsetzt mit Texten aus dem Koran, bezeugen zuvorderst den absoluten Monotheismus des Islam.
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An die Christen ergeht die Warnung, Gottes Einheit nicht in einen Tritheismus – nach islamischer Auffassung – aufzuspalten und Jesus als Gesandten Gottes zu glauben, nicht als göttlichen Sohn Gottes. Es ist deutlich, dass diese Aussagen unter der ständigen Betonung des strengen Monotheismus sich vom christlichen trinitarischen Monotheismus absetzen wollen.
Im äußeren Schriftband erscheint fünfmal der Satz: „Mohammed ist der Gesandte Gottes“ und im inneren Schriftband einmal: „Mohammed ist der Knecht Gottes und sein Gesandter.“
Wiederum ist zu fragen, was zu tun sei, falls man den Namen „Mohammed“ aus dieser Inschrift eliminieren möchte? Da es sich diesmal um eine singuläre Inschrift handelt, versagt das „Argument“, der Name sei erst nachträglich eingefügt worden, zumal der epigraphische Befund auch zeigt, dass im Bereich des Namens keine Änderungen etc. feststellbar sind (z. U. des Namens Abd al-Malik, der mit al-Mamun überschrieben wurde). Folglich bemüht man eine andere „Methode“ um sich des Namens zu entledigen. Man behauptet, dass hier nicht der Name „Mohammed“ steht, sondern dass „Gepriesen sei der Knecht Gottes …“ zu übersetzen sei und sich dieser Satz auf Jesus beziehe (C. Luxenberg 2005: 126 ff.; B. Köster 2010: 122 ff.). Man hat dabei allerdings, wie schon zuvor erwähnt, die Grammatik der arabischen Sprache außer Kraft gesetzt, nach der nur der Eigenname, also „Mohammed“ gelesen werden kann. Das Argument der Grammatik schließt daher die Auffassung aus, dass „gepriesen“ gelesen werden kann.
Aber auch ein Satz des äußeren Inschriftenbandes: „Mohammed ist der Gesandte Gottes … und (Gott) nehme am Tag der Auferstehung seine Fürsprache für die Gemeinde an!“ verbietet diese Deutung. Am Tag des Gerichts und der Auferstehung ist Jesus nach islamischer Auffassung Zeuge des Gerichts, wenn die Christen zum Gericht erscheinen, und nicht Fürsprecher für die Gläubigen des Islam.
Die beiden Inschriften und die prächtige Architektur des Felsendomes zeigen noch etwas anderes: Kalif Abd al-Malik war sich durchaus bewusst, dass er mit diesem Memorialbau der Himmelfahrt des Propheten über dem Heiligen Felsen, an dem einst der Salomonische und Herodianische Tempel standen, demonstrierte, dass das Judentum
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durch den Islam abgelöst ist; ebenso das Christentum (Inschriften), dessen Manifestation der Kalif in der konstantinischen Anastasis mit ihrer Kuppel wahrgenommen hat und durch die viel größere und prächtigere Kuppel des Felsendomes architektonisch überbietet (vgl. dazu auch H. Busse 1981: 169 f.).
Das bisher Gesagte sei folgendermaßen zusammengefasst: Bereits der Koran bezeugt die Existenz des Propheten und Gesandten Gottes Mohammed, die Vita des Propheten von Ibn Ishaq und zahlreiche Hadithe liefern genug Material – auch wenn diese Literatur von zahlreichen Legenden durchsetzt ist–, um das Leben des Propheten verlässlich darzustellen. Die nach Mekka orientierten Gebetsnischen in Moscheen und in einem Privathaus aus der Frühzeit des Islam erweisen diese Bauten als solche einer anderen Religion als der christlichen. In den beiden Inschriftenbändern des Felsendomes wird der Gesandte Gottes Mohammed bezeugt; „muhammad“ ist als Personenname des arabischen Propheten zu verstehen.
Christliche literarische Quellen kennen den arabischen Propheten bereits ab 640 n. Chr., wobei Johannes Damascenus und Theodor Abu Kurru die wichtigsten Zeugen sind, die nicht nur um den Propheten Mohammed, sondern ausführlich über die neue Religion des Islam Bescheid wissen. Besonders Johannes von Damaskus, sein Großvater und sein Vater, sind ein Beispiel, wie sehr die neuen Herren jahrzehntelang auf den byzantinischen Beamtenapparat angewiesen waren. Der Felsendom ist wiederum ein Zeichen, wie die byzantinische Architektur von den Eroberern übernommen und weitergeführt wurde.
