Kitabı oku: «Vom Winde verweht», sayfa 2

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Nun waren sie beide in sie verliebt, und India Wilkes und Letty Munroe aus Lovejoy, der Brent halben Herzens den Hof gemacht hatte, waren bei ihnen gänzlich in den Hintergrund getreten. Was der tun sollte, der Scarlett einmal nicht bekam, falls sie einen von ihnen erhörte, danach fragten sie nicht weiter. Das Hindernis wurde genommen, wenn es soweit war. Für den Augenblick waren sie völlig zufrieden, wieder eines Sinnes über ein Mädchen zu sein; Eifersucht gab es zwischen ihnen nicht. Die Nachbarn hatten ihren Spaß daran, und die Mutter ärgerte sich, denn sie hatte nichts für Scarlett übrig.

»Wenn die schlaue kleine Person einen von euch nimmt, geschieht es euch ganz recht«, sagte sie. »Am Ende nimmt sie euch alle beide, und dann

müßt ihr nach Utah ziehen, falls die Mormonen euch haben wollen - was

ich mir nicht recht denken kann ... Meine einzige Sorge ist, daß ihr euch

beide nächstens einmal betrinkt und wegen dieses kleinen

doppelgesichtigen grünäugigen Frauenzimmers eifersüchtig aufeinander werdet, und dann schießt ihr einander tot. Übrigens gar kein schlechter Gedanke.«

Seit jener Versammlung hatte Stuart sich in Indias Gegenwart unbehaglich gefühlt. Nicht, daß India ihm Vorwürfe gemacht oder ihn auch nur durch eine Bewegung hätte fühlen lassen, daß sie sein jähes Abschwenken bemerkt hatte. Dazu war sie zu sehr Dame. Aber Stuart fühlte sich schuldig und befangen vor ihr. India liebte ihn, und das war seine Schuld. Sie liebte ihn immer noch. Er wußte es und hatte tief im Innern das Gefühl, sich nicht ganz als Gentleman benommen zu haben. Er mochte s ie noch immer gern und hatte große Hochachtung vor ihrer kühlen Wohlerzogenheit, ihrer Liebe zu Büchern, ihrer Bildung und all den gediegenen Eigenschaften, die sie sonst noch besaß. Aber sie war nun einmal so verdammt farblos und uninteressant und ewig sich selber gleich neben Scarletts glänzenden, stets wechselnden Reizen. Man wußte immer, wie man mit India daran war, und bei Scarlett hatte man nie die leiseste Ahnung davon. Das reichte wohl hin, einem den Kopf zu verdrehen.

»Gut, gehen wir also zu Cade Calvert zum Abendessen. Scarlett sagte, Cathleen sei aus Charleston zurück. Vielleicht wissen sie etwas Neues über Fort Sumter, was wir noch nicht gehört haben.«

»Cathleen? Nein. Ich wette zehn gegen eins, sie weiß nicht einmal, daß das Fort da draußen im Hafen liegt, und noch viel weniger, daß es voll von Yankees steckte, bis wir sie hinausgeschossen haben. Sie weiß nur von den Bällen, auf denen sie war, und von den Verehrern, die sie um sich versammelt hat, sonst nichts.«

»Es macht aber doch Spaß, sie reden zu hören, und es wäre doch ein Unterschlupf, bis Ma im Bett ist.«

»Teufel, ja! Ich mag Cathleen wohl leiden, sie ist zum Lachen, und ich höre gern etwas über Caro Rhett und die übrige Charlestoner Gesellschaft. Aber der Teufel soll mich holen, wenn ich noch eine Mahlzeit mit ihrer Yankee-Stiefmutter überstehe.«

»Du mußt nicht ungerecht sein, Stuart, sie meint es gut.«

»Ich bin gar nicht ungerecht, sie tut mir leid, aber Leute, die mir leid tun, kann ich nicht leiden. Und sie macht immer so viel Umstände und sucht das Richtige zu finden, damit man sich gemütlich fühlt, und bringt es fertig, immer genau das Verkehrte zu sagen und zu tun. Sie macht mich verrückt Und sie hält uns aus den Südstaaten für wilde Barbaren. Das hat sie sogar

Ma gesagt, sie hat Angst vor uns. Jedesmal, wenn wir da sind, sieht sie aus,

als habe sie eine Todesangst. Sie sitzt auf ihrem Stuhl wie eine gemauserte Henne und hat leere bange Augen, als wollte sie, sobald nur jemand ihr nahe kommt, anfangen zu gackern und mit den Flügeln zu schlagen.«

»Eigentlich dürftest du nichts gegen sie sagen. Du hast Cade ins Bein geschossen.«

»Ich war betrunken, sonst hätte ich es nicht getan«, sagte Stuart, »und Cade hat es mir nicht nachgetragen, auch Cathleen, Raiford und Mr. Calvert nicht, nur diese Yankee-Stiefmutter zeterte, ich sei ein wilder Barbar und anständige Leute wären in den Südstaaten ihres Lebens nicht sicher.«

»Trotzdem kannst du nichts gegen sie sagen, denn schließlich hast du Cade doch angeschossen, und er ist ihr Stiefsohn.«

»Deswegen braucht sie mich doch nicht gleich zu beleidigen. Du bist Ma's Fleisch und Blut, aber hat sie etwa getobt, als Tony Fontaine dich ins Bein schoß? Nein, sie ließ einfach den alten Dr. Fontaine kommen, dich zu verbinden, und fragte ihn, seit wann denn Tony nicht mehr richtig zielen könne, der Schnaps werde ihm noch seine ganze Schützenkunst verderben. Weißt du noch, wie das Tony wild gemacht hat?«

Die beiden bogen sich vor Lachen.

»Ma ist ein ganzer Kerl«, sagte Brent anerkennend, »man kann immer darauf rechnen, daß sie das Richtige tut und einen nicht vor den Leuten blamiert.«

»Ja, aber es sähe ihr ähnlich, uns heute abend, wenn wir nach Hause kommen, vor Vater und den Mädchen gewaltig zu blamieren«, sagte Stuart düster. »Sieh mal, Brent, das wird wohl heißen, daß wir nicht nach Europa dürfen. Man hat doch gesagt, wenn wir noch einmal hinausgeworfen werden, dürfen wir unsere große Reise nicht machen.«

»Zum Teufel, was liegt uns schon daran, was gibt es denn Großes in Europa zu sehen? Die dort können uns nichts zeigen, was wir nicht ebensogut in Georgia haben. Ich wette, ihre Pferde sind nicht so schnell und ihre Mädchen nicht so hübsch, und ich weiß genau, daß ihr Whisky bei weitem nicht an Vaters heranreicht.«

»Ashley Wilkes sagt, es gäbe da eine Menge Landschaft und Musik. Der hat Europa gern und spricht immerfort davon.«

»Nun, du weißt ja, wie die Familie ist, sie sind alle so sonderbar mit Musik und Büchern und Landschaften. Ma sagt, das kommt, weil ihr Großvater aus Virginia ist. In Virginia sollen die Leute viel auf so etwas geben.«

»Das schenke ich ihnen. Gib mir ein gutes Pferd zum Reiten, einen guten

Schnaps zum Trinken, ein gutes Mädchen für die Liebe und ein böses fürs

Vergnügen, dann können die da ihr ganzes Europa behalten ... Und wenn wir nun jetzt in Europa wären und es gäbe Krieg, dann kämen wir nicht rechtzeitig nach Hause. Ich gehe tausendmal lieber in den Krieg als nach Europa!«

»Ich auch, lieber heute als morgen ... Hör mal, ich weiß, wohin wir zum Abendessen gehen, wir reiten zur Able Wynder und melden uns fertig zum Exerzieren zurück.«

»Das ist ein guter Gedanke. Dort hören wir alles Neue von der Truppe und erfahren endlich, zu welcher Farbe sie sich für die Uniformen entschlossen haben.«

»Wenn es die Zuavenuniform ist, so hol mich der Teufel, wenn ich noch Lust dazu habe. Ich komme mir in den weiten roten Hosen wie ein Waschlappen vor. Die sehen ja aus wie die Flanellhosen bei den Weibern.«

»Wollen denn Masters beide zu Master Wynder?« ließ sich jetzt Jeems vernehmen. »Da gibt nicht viel Abendbrot, Köchin ist tot und sie noch keine neue kaufen, und nun kochen eine Pflückerin, und die Schwarzen mir erzählen, das die schlechteste Köchin im ganzen Staat.«

»Du meine Güte, warum kaufen sie sich denn keine neue Köchin?«

»Wie sollen denn weißes Bettelpack sich Farbige kaufen? Die nie mehr als höchstens vier Stück haben.«

In Jeems' Stimme klang unverhohlene Verachtung. Seine eigene gesellschaftliche Stellung war gesichert, denn Tarletons besaßen hundert Farbige, und wie alle Sklaven der großen Plantagenbesitzer sah er auf die kleinen Farmer herab, die nur wenige Sklaven hielten.

»Ich ziehe dir das Fell über die 0hren!« Stuart war wütend. »Daß du mir Able Wynder nicht >weißes Pack< nennst! Gewiß ist er arm, aber durchaus kein Pack, und hol mich der Teufel, wenn ich erlaube, daß irgend jemand, weiß oder schwarz, wegwerfend von ihm spricht. Einen besseren Mann gibt es nicht in der Provinz. Warum hätte die Truppe ihn sonst zum Leutnant gewählt?«

»Das ich auch nie verstehen«, erwiderte Jeems, der sich durch den Anschnauzer seines Herrn nicht aus der Ruhe bringen ließ. »Ich immer denken, sie wählen alle 0ffiziere unter den reichen Masters und nicht aus demPack vom Unterland.«

»Ich sage dir, es ist kein Pack, willst du ihn etwa mit richtigem weißen Pack wie den Slatterys vergleichen? Able ist nun einmal nicht reich, aber wenn wir alle so viel von ihm halten, daß wir ihn zum Leutnant wählen, dann hat kein Schwarzer über ihn herzuziehen. Die Truppe weiß schon, was sie tut.«

Vor drei Monaten war die Kavallerietruppe aufgestellt worden, an demselben Tag, an dem sich Georgia von der Union lossagte, und von dem Augenblick an hatten die Rekruten nach Krieg geschrien. Einen Namen hatte das Kontingent noch nicht, obwohl an Vorschlägen kein Mangel war. Jeder hatte seine eigenen Gedanken und wollte sie durchaus nicht lassen, ebenso wie jeder bei Farbe und Schnitt der Uniform mitzureden haben wollte. »Die Wildkatzen von Clayton«, »Feuerfresser«, »Husaren von Nordgeorgia«, »Zuaven«, »Jäger aus dem Innern« (obwohl die Truppe mit Pistolen, Säbeln, Jagdmessern und nicht mit Flinten bewaffnet war), »Die Grauen von Clayton«, »Blut und Donner«, »Rauh und Rasch« - alles hatte seine Anhänger. Bis darüber Beschluß gefaßt war, hieß die 0rganisation überall »die Truppe«, und trotz dem hochtönenden Namen, der schließlich angenommen wurde, war sie bis zum Ende ihres Dienstes einfach als »die Truppe« bekannt.

Die 0ffiziere wurden aus den Reihen der Truppe gewählt, denn niemand aus der Provinz verfügte über militärische Erfahrungen, außer ein paar Veteranen aus dem Mexikanischen Krieg und den Kämpfen gegen die Seminolenindianer, und überdies hätte die Truppe einen Veteranen als Führer verachtet, wenn sie nicht Zuneigung und Vertrauen zu ihm gehabt hätte. Jeder mochte die vier Tarletons und die drei Fontaines gern, konnte sie aber nicht wählen, weil die Tarletons zu rasch benebelt waren und dann gern Unsinn machten und weil die Fontaines so mörderisch unbesonnen von Temperament waren. So wurde Ashley Wilkes zum Hauptmann gewählt; denn er war der beste Reiter in der Provinz, und man rechnete darauf, daß er mit seinem kühlen Kopf wenigstens einen Schein von 0rdnung zu halten imstande wäre. Raiford Calvert wurde zum 0berleutnant gemacht, weil er bei jedermann beliebt war, und Able Wynder, Sohn eines Trappers und selbst kleiner Farmer, wurde Unterleutnant.

Able war ein gescheiter, ernster Riese, ungebildet, gutherzig, aber älter als die anderen Burschen und in Gegenwart von Damen von reichlich so guten Manieren wie sie. Standesdünkel gab es kaum in der Truppe. Dafür waren zu viele ihrer Väter und Großväter aus der Klasse der kleinen Farmer zu Reichtum gekommen. Able war der beste Schütze der Truppe, ein richtiger Scharfschütze, der auf fünfundsiebzig Schritt einem Eichhörnchen das Auge ausschießen konnte, und obendrein wußte er über alles Bescheid, was zum Leben im Freien gehört, konnte im Regen ein Feuer anmachen, Wild aufspüren und Quellen finden. Die Truppe hatte Achtung vor echtem Wert, und weil man Able außerdem gern hatte, machte man ihn zum 0ffizier. Er trug die Auszeichnung mit Ernst, einfach, als ob sie ihm zukomme, und bildete sich nichts darauf ein, aber die Damen und die

Sklaven der Pflanzer konnten nicht wie ihre Männer und Herren über die

Tatsache hinwegkommen, daß er nicht als Herr geboren war.

Im Anfang waren nur Pflanzersöhne in der Truppe angemustert worden. Es war ein Herrenkontingent. Jeder hatte für sein eigenes Pferd, für Waffen, Ausrüstung, Uniform und Burschen aufzukommen. Aber in der noch jungen Provinz Clayton gab es nicht viele reiche Pflanzer, und um die Truppe vollzählig zu machen, war es notwendig geworden, unter den Söhnen der kleinen Farmer, der Jäger im Urwald, der Trapper in den Prärien und in ganz wenigen Fällen sogar der weißen Proletarier, soweit sie über dem Durchschnitt dieser Schicht standen, Rekruten auszuheben.

Diese jungen Leute brannten ebenso ungeduldig wie ihre reicheren Nachbarn darauf, im Kriegsfall mit den Yankees zu kämpfen; aber da war die heikle Frage des Geldes. Nur wenige kleine Farmer hatten eig ene Pferde. Sie taten die Feldarbeit mit Maultieren und hatten auch daran keinen Überfluß, selten mehr als vier. Die Maultiere waren unentbehrlich und konnten deshalb nicht zu Kriegszwecken benutzt werden, selbst wenn die Truppe bereit gewesen wäre, sich mit ihnen zu behelfen, wogegen sie sich aber energisch verwahrte. Die Proletarier hielten sich schon für wohlhabend, wenn sie ein einziges Maultier besaßen. Die Leute aus dem Urwald und von den Niederungen hatten weder Pferde noch Maultiere, sie lebten ausschließlich von den Erzeugnissen ihrer Ländereien und dem Wild aus den Steppen. Ihr Geschäft betrieben sie meist als Tauschhandel und bekamen höchstens einmal im Jahr fünf Dollar in bar zu sehen. Pferde und Uniformen waren für sie unerschwinglich. Aber sie waren ebenso unbändig stolz in ihrer Armut wie die Plantagenbesitzer in ihrem Reichtum und wollten nichts annehmen, was nach Wohltätigkeit ihrer reicheren Nachbarn aussah. Um also niemand vor den Kopf zu stoßen und dennoch die Truppe auf Kriegsstärke zu bringen, hatten Scarletts Vater, John Wilkes, Buck Munroe, Jim Tarleton, Hugh Calvert, überhaupt jeder große Plantagebesitzer aus der Provinz mit einziger Ausnahme von Angus Macintosh Geld dazu beigesteuert, die Truppe mit Mann und Roß vollständig auszurüsten. Schließlich kam es darauf hinaus, daß jeder Plantagenbesitzer sich bereit erklärte, die Ausrüstung seiner eigenen Söhne und einer gewissen Anzahl anderer junger Leute zu bezahlen, und es wurde alles so eingerichtet, daß die weniger wohlhabenden Leute im Kontingent Pferde und Uniformen annehmen konnten, ohne daß ihre Ehre darunter litt.

Zweimal wöchentlich kam die Truppe in Jonesboro zusammen, um gedrillt zu werden und um zu beten, daß der Krieg beginnen möge. Noch waren die Verhandlungen über die Aufbringung der vollen Anzahl Pferde nicht abgeschlossen; wer aber ein Pferd hatte, führte, was er für kavalleristische Künste hielt, auf dem Felde hinter dem Gerichtsgebäude vor, wirbelte eine große Menge Staub auf, schrie sich heiser und schwang

den Säbel der Revolution, den er in der väterlichen Halle von der Wand genommen hatte. Wer noch kein Pferd hatte, saß auf dem Kantstein vor Bullards Kaufhaus und sah den berittenen Kameraden zu, kaute Tabak und spann sein Garn. 0der man schoß um die Wette. Schießen b rauchte niemand erst zu lernen. In den Südstaaten wird fast jeder mit dem Gewehr in der Hand geboren, bringt sein Leben auf der Jagd zu und wird von selbst zum Scharfschützen.

Bei jeder Musterung kamen die verschiedenartigsten Feuerwaffen aus den Pflanzerhäusern und Blockhütten zum Vorschein. Lange altmodische Feuerrohre aus der Zeit, da die Alleghanies zuerst überschritten worden waren, alte Vorderlader, denen in Georgias Jugendzeiten mancher Indianer zum 0pfer gefallen war, Sattelpistolen, die 1812 in den Seminolenkriegen und in Mexiko ihren Dienst getan hatten, silberbeschlagene Duellpistolen, Taschenderringers, doppelläufige Jagdflinten und elegante neue Gewehre, englisches Fabrikat, mit blanken Schäften aus Hartholz.

Der Drill endete immer in den Kneipen von Jonesboro, und wenn die Nacht einbrach, waren so viele Raufereien im Gange, daß die 0ffiziere es schwer hatten, Verluste zu verhindern, noch ehe die Yankees sie ihnen beibrachten. In einer dieser Schlägereien hatte Stuart Tarleton Cade Calvert angeschossen und Tony Fontaine Brent. Als die Truppe aufgestellt wurde, waren die Zwillinge gerade von der Universität Virginias nach Hause geschickt worden und ließen sich voller Begeisterung anmustern. Aber nach dieser Schießerei vor zwei Monaten hatte ihre Mutter sie wieder auf die Universität ihres eigenen Staates geschickt, mit gemessenem Befehl, dort zu bleiben. Die aufregenden Abwechslungen des Drills hatten sie in jener Zeit schmerzlich vermißt. Was war ihnen Wissen und Bildung, wenn sie nur reiten und schreien und schießen konnten!

»Laß uns doch querfeldein über 0'Haras und Fontaines Weiden reiten«, schlug Brent vor. »Dann sind wir im Nu da.«

»Wir da kriegen nur 0possum und Grünkram zu essen«, wendete Jeems ein.

»Du kriegst überhaupt nichts«, grinste Stuart, »denn du reitest nach Hause und sagst Ma, daß wir nicht zum Abendessen kommen.«

»Nein, das ich nicht tun«, schrie Jeems voller Angst. »Das ich nicht tun! Ich auch nicht Spaß haben, von Misses Beatrice verprügelt werden. Zuerst sie mich fragen, wie ich es fertigbringen, daß Masters wieder rausgeschmissen, und dann, warum ich Masters heute abend nicht mitbringen, damit sie uns alle prügeln kann. Und dann sagen, ich bin an allem schuld. Und wenn Masters mich nicht mit zu Master Wynder nehmen, ich die ganze Nacht draußen im Wald liegenbleiben. Besser mich Landjäger beim Kragen nehmen, als Misses Beatrice!«

Verblüfft und ärgerlich sahen die Zwillinge den entschlossenen farbigen Jungen an. »Er wäre gerade dumm genug, sich vom Landjäger fassen zu lassen, und dann hätte Ma wochenlang etwas Neues zu reden. Du kannst mir glauben, mit den Schwarzen hat sie es noch schwerer als mit uns; manchmal denke ich, daß die ganz recht haben, die den Sklavenhandel abschaffen wollen.«

»Nun, es wäre unrecht, Jeems dem auszusetzen, wovor wir Angst haben. Wir müssen ihn schon mitnehmen. Aber paß auf, du unverschämter schwarzer Schafskopf, wenn du dich vor den Schwarzen bei Wynder damit dicke tust, daß wir jeden Tag Brathuhn und Schinken essen und sie nur Kaninchen und 0possum, dann sage ich es Ma und du darfst nicht mit uns in den Krieg.«

»Dick tun? Ich mich nicht vor billigen Farbigen dick tun! Ich bessere Manieren, haben mir Misses Beatrice ebenso gute beigebracht wie Masters.«

»Das ist ihr bei uns allen dreien nicht besonders gut gelungen«, sagte Stuart. Er riß seinen Fuchs herum, gab ihm die Sporen und schwang sich leicht über den Lattenzaun auf den weichen Acker von Gerald 0'Haras Plantage. Brents Pferd setzte hinterher, und ihm nach Jeems, der sich am Sattelknopf festklammerte. Jeems setzte nicht gern über Zäune, aber er hatte schon höhere als diese nehmen müssen, um mit seinen Herren Schritt zu halten.

Als sie im immer tieferen Dunkel durch die roten Furchen den Hügel hinab bis zur Flußweide ihren Weg verfolgten, rief Brent mit lauter Stimme seinem Bruder zu: »Stu! Kommt es dir nicht auch so vor, als ob Scarlett uns eigentlich zumAbendessen einladen wollte?«

»Das ist mir die ganze Zeit so vorgekommen«, schrie Stuart zurück. »Warum, meinst du, hat sie ...«

Als die Zwillinge Scarlett in Tara an den zur Veranda führenden Stufen verlassen hatten und ihr Hufschlag verhallt war, kehrte sie wie schlafwandelnd zu ihrem Stuhl zurück. Ihr Gesicht war wie vor Schmerz erstarrt, der Mund tat ihr weh, so hatte sie ihn wider Willen zum Läc heln gezwungen, um ihr Geheimnis nicht preiszugeben. Müde setzte sie sich, zog einen Fuß unter sich, und das Herz schwoll ihr vor Weh, bis es sie fast für ihre Brust zu groß dünkte. Es schlug mit wunderlichen kleinen Anläufen; ihre Hände waren kalt, ein Gefühl schweren Unglücks drückte sie nieder. Aus ihren Zügen sprachen Schmerz und Verwirrung, die Verwunderung eines verzogenen Kindes, das auf jede Bitte seinen Willen bekommt und nun zum erstenmal auf die unerbittliche Härte des Lebens stößt.

Ashleyheiratet Melanie Hamilton.

Aber das konnte ja nicht sein! Die Zwillinge irrten sich, oder sie trieben wieder einmal Spaß mit ihr. Ashley konnte und konnte nicht in das Mädchen verliebt sein. Niemand konnte sich in ein so kleines Mausgeschöpf wie Melanie verlieben. Voller Verachtung sah Scarlett die magere kindliche Gestalt und das ernsthafte herzförmige Gesichtchen vor sich, unansehnlich und hausbacken. Ashley konnte sie übrigens seit Monaten nicht gesehen haben; seit der Gesellschaft, die er voriges Jahr in Twelve 0aks gegeben hatte, war er höchstens zweimal in Atlanta gewesen. Nein, Ashley konnte Melanie nicht lieben, weil ... ach, es konnte doch kein Irrtum sein, weil sie selber, Scarlett, es war, die er liebte! Das wußte sie!

Sie spürte den Fußboden der Halle unter Mammys schwerfälligen Schritten erbeben. Hastig zog sie den Fuß wieder hervor und suchte ihrem Gesicht einen ruhigeren Ausdruck zu geben. Auf keinen Fall durfte Mammy den Verdacht schöpfen, daß etwas nicht in 0rdnung sei. Mammy lebte in dem Gefühl, alle 0'Haras gehörten ihr zu eigen mit Leib und Seele und sämtlichen Geheimnissen. Nur die Andeutung eines Geheimnisses genügte, sie erbarmungslos wie einen Spürhund auf die Fährte zu setzen. Wenn Mammys Neugier nicht sofort befriedigt wurde, so brachte sie bei Ellen die Rede darauf, und dann mußte Scarlett ihrer Mutter alles anvertrauen oder sich eine glaubwürdige Lüge ausdenken, das wußte sie aus Erfahrung. Nun erschien Mammy an der Tür der Halle, ein riesenhaftes altes Weib, mit kleinen klugen Elefantenaugen. Sie war eine Farbige reinsten Wassers, glänzend schwarz und den 0'Haras bis zum letzten Blutstropfen ergeben, Stab und Stütze für Ellen, die Verzweiflung ihrer drei Töchter, der Schrecken der anderen Dienstboten. Mammy war eine Schwarze, aber ihr Sittenkodex und ihr Stolz standen ebenso hoch, ja höher als der ihrer Eigentümer. Aufgewachsen war sie im Schlafgemach. Solange Robillards, der Mutter Ellen 0'Haras, einer unnahbar kühlen, vornehmen Französin, die Kindern und Dienstboten keine Strafe für einen Verstoß gegen die Schicklichkeit erließ. Mammy war Ellens Amme gewesen und, als Ellen heiratete, mit ihr aus Savannah nach dem Norden gekommen. Wen Mammy liebhatte, den züchtigte sie, und da ihre Liebe zu Scarlett und ihr Stolz auf sie keine Grenzen kannte, so wurde Scarlett eigentlich ohne Unterbrechung gezüchtigt.

»Sind die Herren weg? Wie kommt es, daß du sie nicht zum Abendessen geladen hast, Miß Scarlett, ich habe Pork gesagt, er soll zwei Gedecke für sie auflegen. Was sind das für Manieren?«

»Ach, ich habe keine Lust, sie immer nur von Krieg reden zu hören, und hätte es bei Tisch nicht ausgehalten, wenn auch Pa noch die ganze Zeit mitgeredet und über Mr. Lincoln getobt hätte!«

»Du hast Manieren wie eine Pflückerin vom Feld, und das nachdem Misses Ellen und ich uns mit dir so abgequält haben, und da sitzt du nun wieder ohne deinen Schal, und gleich kommt die Abendluft, ich habe es dir immer wieder gesagt, daß du von der Abendluft Fieber bekommst, wenn du nichts umdie Schultern hast, kommherein, Miß Scarlett.«

Scarlett wandte sich mit künstlichem Gleichmut von Mammy ab und war froh, daß die Alte in ihrem Eifer wegen des Schals ihr Gesicht nicht gesehen hatte.

»Nein, ich will hierbleiben und die Sonne untergehen sehen, das ist so schön. Bitte, hol mir doch meinen Schal, Mammy, ich bleibe hier, bis Pa zurückkommt.«

»Deine Stimme klingt, als hättest du dich schon erkältet«, sagte Mammy argwöhnisch.

»Ich habe mich nicht erkältet.« Scarlett wurde ungeduldig. »Du holst mir jetzt meinen Schal.«

Mammy watschelte durch die Halle zurück, Scarlett hörte sie durch das Treppenhaus nach dem Stubenmädchen rufen, hörte die Stiege knarren und stand leise auf.

Wenn Mammy zurückkam, würde sie sich wieder über Scarletts Unhöflichkeit verbreiten, und Scarlett konnte solches Gerede einfach nicht ertragen, während ihr das Herz brach. Da stand sie nun, zögerte, wußte nicht, wo sie sich verstecken sollte, bis das Herzweh ein wenig nachließ. Da kam ihr ein Gedanke. Ihr Vater war nach Twelve 0aks, der Wilkesschen Plantage, hinübergeritten, um Dilcey, die Frau seines Dieners Pork, zu kaufen. Dilcey war Frauenaufseherin und Hebamme in Twelve 0aks, und seit ihrer Heirat vor sechs Monaten hatte Pork seinem Herrn Tag und Nacht in den 0hren gelegen, er möge doch Dilcey kaufen, damit sie auf derselben Plantage zusammen leben könnten. Geralds Wiederstandskraft war allmählich fadenscheinig geworden, und so hatte er sich an diesem Nachmittag aufgemacht, umauf Dilcey ein Gebot abzugeben.

»Pa weiß sicher«, dachte Scarlett, »ob die schreckliche Geschichte wahr ist. Wenn er nichts gehört hat, so hat er doch vielleicht etwas bemerkt, vielleicht einige Aufregung bei Wilkes gespürt. Wenn ich ihn vor dem Abendessen noch unter vier Augen sehe, so bekomme ich vielleicht die Wahrheit heraus, daß es nämlich weiter nichts ist als eine dumme Lüge der beiden Tarletons.«

Es war an der Zeit, daß Gerald zurückkam, und wenn sie ihn allein sehen wollte, blieb ihr nichts übrig, als bei der Mündung der Auffahrt in die Landstraße auf ihn zu warten. Leise ging sie die Stufen hinunter, sah sich behutsam um, ob Mammy sie etwa von oben aus einem Fenster beobachten konnte, und als sie kein schwarzes Gesicht mit schneeweißem Turban mißbilligend zwischen wehenden Vorhängen hervorlugen sah, raffte sie entschlossen ihr grünes geblümtes Kleid zusammen und lief, so schnell ihre Füße sie tragen wollten, durch den Garten zur Einfahrt hinunter.

Die dunklen Zedern zu beiden Seiten schlossen sich über ihr zu einem Gewölbe zusammen und verwandelten die lange Allee in einen dämmerig en Tunnel. Sobald sie sich dann geborgen fühlte, ging sie langsamer. Sie keuchte noch, denn sie war zu fest geschnürt, als daß sie schnell hätte laufen können. Bald war sie am Ende der Auffahrt draußen auf der Landstraße, aber sie hielt erst an, als sie um die Ecke gebogen war und eine große Baumgruppe zwischen sich und demHause hatte.

Atemlos und mit erhitzten Wangen setzte sie sich auf einen Baumstumpf und wartete auf ihren Vater. Er hätte schon hier sein müssen, aber sie war froh, daß er sich verspätete, so hatte sie Zeit, Atem zu holen und ihr Gesicht so weit zur Ruhe zu bringen, daß er keinen Verdacht schöpfen konnte. Jeden Augenblick mußte Hufschlag erschallen, und sie würde ihn in seinem halsbrecherischen Tempo den Hügel heraufgaloppieren sehen. Aber die Minuten vergingen, und Gerald kam nicht, das Herz wurde ihr wieder bitterlich schwer.

Ihre Gedanken folgten den Windungen der Straße, die nach dem Frühlingsregen blutrot vor ihr lag, den Hügel hinab bis an den trägen Flintfluß, durch das Gewirr der sumpfigen Wiesen und gegenüber den Hügel wieder hinauf nach Twelve 0aks, wo Ashley wohnte. Nur das war jetzt der Sinn dieser Straße: sie führte zu Ashley nach dem schönen Haus mit den weißen Säulen, das den Hügel krönte wie ein griechischer Tempel

»0 Ashley! Ashley!« Das Herz schlug ihr rascher.

Etwas von der eiskalten Verwunderung und Unglückseligkeit, die auf ihr lasteten, seitdem die Tarletons ihr den Klatsch erzählt hatten, glitt in die Tiefen ihres Gemüts zurück und machte dem Fieber Platz, von dem sie seit zwei Jahren besessen war.

Jetzt kam es ihr sonderbar vor, daß sie Ashley früher nie besonders anziehend gefunden hatte. Damals sah sie ihn kommen und gehen und hatte keinen Gedanken für ihn. Aber seit jenem Tag, vor zwei Jahren, als Ashley nach seiner langen Europareise seinen ersten Besuch in Tara machte, hatte sie ihn geliebt. Sie hatte auf der Veranda vor der Eingangstür des Hauses gesessen, als er in seinem grauen Tuchanzug die lange Allee heraufgeritten kam. Wie untadelig seine breite schwarze Krawatte über dem fein gefältelten Hemd saß! Noch jetzt entsann sie sich jeder Einzelheit seiner Kleidung, der blank gewichsten Schuhe, der Kamee mit dem Medusenkopf an der Krawattennadel, des breiten Panamahutes, den er abnahm, sobald er sie erblickte. Er war abgestiegen und hatte die Zügel einem farbigen Kind zugeworfen. Da stand er und sah zu ihr hinauf, lachend und die verträumten grauen Augen weit geöffnet. Die Sonne schien so hell auf sein blondes Haar, daß es wie eine glänzende Silberkappe aussah. Dann hatte er gesagt: »Nun bist du also erwachsen, Scarlett«, war die Stufen heraufgesprungen und hatte ihr die Hand geküßt. Ach, seine Stimme! Nie konnte sie vergessen, wie ihr Herz geklopft hatte, als hörte sie zum erstenmal die gedehnten klangvollen Laute. In jenem ersten Augenblick hatte sie ihn begehrt, einfach und ohne alle Überlegung nach ihm verlangt, wie sie nach Speisen verlangte, nach Reitpferden und nach ihrem weichen Bett, darin zu schlafen.

Zwei Jahre lang war er in der Provinz ihr Verehrer gewesen, auf Bällen, bei Picknicks und auf Gerichtstagen, nicht so oft wie die Zwillinge Tarleton oder Cade Calvert, nicht so aufdringlich wie die Brüder Fontaine, aber immerhin war keine Woche vergangen, ohne daß Ashley auf Tara vorsprach.

Gewiß, erklärt hatte er sich ihr nie, und in seinen klaren grauen Augen war nie etwas von jener Hitze erschienen, die Scarlett so gut bei anderen Männern kannte. Und dennoch wußte sie, daß er sie liebte, sie konnte sich nicht irren. Der Instinkt, der stärker war als die Vernunft, und ein Wissen, das aus Erfahrung stammte, sagten es ihr. Zu oft war sie seinem Blick begegnet, wie er sie ansah mit einer Sehnsucht und zugleich einer Traurigkeit, die ihr rätselhaft war. Sie wußte doch, daß er sie liebte, aber warum sagte er es ihr nicht? Das konnte sie nicht begreifen, und es gab so viel an ihm, das sie nicht begreifen konnte. Er war immer höflich, aber fern und unnahbar. Nie wußte jemand, woran er dachte, und sie am allerwenigsten. In einem Land, wo jeder zu sagen pflegte, was er da chte, sobald ihm ein Gedanke nur kam, konnte Ashleys Zurückhaltung sie zur Verzweiflung bringen. Bei den üblichen Zerstreuungen, der Jagd, dem Spiel, dem Tanz und der Politik, tat er sich nicht minder hervor als die andern, und zu Pferd übertraf er sie alle. Was ihn aber von allen andern unterschied, war, daß all diese angenehmen Zeitvertreibe weder Zweck noch Ziel seines Lebens bedeuteten. Mit seiner Liebe für Bücher und Musik, mit seinem Hang zum Dichten und Träumen stand er allein.

Ach, warum sah er so gut aus und war so blond, warum so unnahbar und höflich und so aufreizend langweilig in seiner Unterhaltung über alles mögliche, das sie nicht interessierte - und dabei doch so liebenswert! Nacht für Nacht, wenn Scarlett mit ihm im Halbdunkel auf der Veranda vor der Eingangstür gesessen hatte und dann zu Bett ging, warf sie sich stundenlang ruhelos herum und tröstete sich nur mit dem Gedanken, daß er ihr das nächste Mal einen Antrag machen würde. Aber das nächste Mal kam und ging, und es geschah nichts - nichts, als daß das Fieber in ihren Adern immer heißer wurde. Sie liebte ihn, sie begehrte ihn, und sie begriff ihn nicht. Ihr Wesen war so einfach und gerade wie die Winde, die über Tara wehten, wie der gelbe Fluß, der es umströmte, und bis an das Ende ihrer Tage würde sie nicht lernen, etwas Zwiespältiges zu verstehen. Hier stand sie zum erstenmal in ihrem Leben vor einer vielseitigen Natur.

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