Kitabı oku: «Partnerschaftliche Rollenteilung - ein Erfolgsmodell», sayfa 6
CORINA ELMER UND MARKUS BRANDENBERG
»Sie finden es toll, dass ich die Zeit hatte, um mit ihnen zu spielen«
Seit über zwanzig Jahren praktizieren Corina Elmer (55) und Markus Brandenberg (59) eine partnerschaftliche Rollenteilung. Diese hat im Zeitverlauf allerdings gewisse Änderungen erfahren.
Rollenteilung und Hausarbeit Seit die Söhne nicht mehr zu Hause leben, hat sich der Aufwand für Hausarbeiten massiv reduziert. Was es im Haushalt zu tun gibt – beide lieben das Haushalten nicht besonders –, teilen Corina und Markus partnerschaftlich auf. Nach wie vor werden sie auch von einer Putzfrau entlastet. »Wenn wir die jetzige Situation betrachten«, erklärt Markus, »ist das Haushaltsmanagement ein kleiner Teil. Es ist waschen, putzen und das Wichtigste einkaufen. Ich finde, dass wir mit einem Minimum auskommen.« Corina ergänzt: »Man schaut, ob genügend Lebensmittel zu Hause sind, und überlegt sich, ob der andere auch etwas zu essen hat, wenn er nach Hause kommt. (Zu ihm) Du hast dich über die letzten Jahre zu einem veritablen Meisterkoch entwickelt, und ich profitiere sehr davon.«
Die früheren Konflikte – unterschiedliche Ansichten bezüglich Haushalts- und Erziehungsstandards – haben stark abgenommen. »Es war phasenweise eine Herausforderung«, erzählt Corina. (Zu ihm) »Du bist ein Mann, der sehr dezidierte und klare Vorstellungen davon hat, wie die Erziehung vor sich geht und wie die Familie aufgestellt ist.« Sie hatte oft Mühe, das zu akzeptieren. »Bezüglich der Erziehungsfragen haben wir uns immer gestritten. Das hatte mit unseren Persönlichkeiten zu tun.«
Zufriedenheit mit dem egalitären Rollenmodell Die Frage, ob sie das egalitäre Modell wieder wählen würden, beantworten beide mit einem überzeugten Ja. »Ich finde es immer noch sehr gut und bin stolz darauf, dass wir es geschafft haben«, bilanziert Corina. Markus teilt ihre Meinung. »Ich finde das Modell super und würde alles wieder genauso machen. Es war eine direkte Folge des Modells, dass mich unsere Kinder erlebt haben und ich viel mit ihnen unternehmen konnte.«
Das Paar würde sich erneut für das egalitäre Modell entscheiden, dabei aber mehr familienergänzende Kinderbetreuung in Anspruch nehmen. Corina bedauert, »dass wir die Kinder nicht zwei Tage in die Krippe gebracht haben. Dadurch hätten wir mehr Luft gehabt. Und den Kindern tut das gut. Sie sind mit anderen Kindern zusammen und lernen, sich in eine Gruppe zu integrieren. Es gibt super Kitas, die professionell geführt werden und qualitativ gut sind.«
Erwerbsarbeit und berufliche Zufriedenheit Markus arbeitet seit Längerem als Co-Leiter des Bereichs Vorschule an einer pädagogischen Hochschule. Sein Job gefällt ihm gut, weil die PH ein dynamisches Arbeitsfeld ist, das ihn durch diverse Umstrukturierungen immer wieder herausgefordert hat. »Ich empfinde meine Aufgabe als reichhaltig und spannend. Sie bringt mich mit interessanten Leuten in Kontakt.« Gleichzeitig kritisiert Brandenberg die zunehmende Ökonomisierung der Bildungslandschaft. »Im Bildungswesen wird ein zunehmender Einfluss von Finanzleuten, Controllern und nicht bildungsnahen Managern spürbar. Ich habe Mühe, das zu akzeptieren.« Brandenberg arbeitet aktuell 80 Prozent und will dies bis zu seiner Pensionierung beibehalten »Ich möchte die nächsten fünfeinhalb Jahre, bis zu meiner Pensionierung, auch noch hierbleiben. Es kann jedoch sein, dass ich meine Leitungsaufgabe irgendwann abgeben und wieder mehr fachlich arbeiten werde.«
Corina Elmer hat bis 2013 als Co-Leiterin der Fachstelle Limita gearbeitet, die sich für die Prävention von sexueller Ausbeutung einsetzt. Seit zwei Jahren ist sie Leiterin eines Kita-Verbunds der Stiftung GFZ und arbeitet 70 Prozent.[9] »Es ist ein klassischer Frauenjob in der Betreuung von Kleinkindern. Wir haben relativ viele Teilzeitmitarbeitende. Ich selbst habe eine Leitungsaufgabe und bin nicht direkt in der Betreuung tätig.« Zum ersten Mal hat Corina eine Vorgesetzte, woran sie sich erst gewöhnen musste. »Bisher habe ich immer in einem selbstverwalteten Betrieb gearbeitet, der basisdemokratisch organisiert war. Jetzt bin ich zum ersten Mal ein Rad in einer Gesamtorganisation.« Corina ist sich bewusst, dass jede Arbeit Vor- und Nachteile hat. »Auch bei uns sind die betriebswirtschaftlichen Argumente sehr dominant. Als Erstes geht es um die Kosten-Nutzen-Bilanz – erst dann kommen andere Argumente.« Auch die Ansprüche an die Mitarbeitenden sind ihres Erachtens gestiegen. Heute müssen alle, die in einer Leitungsfunktion sind, über eine Managementausbildung verfügen. Corina wie Markus haben deshalb in mehrere CAS-Ausbildungen investiert, um für die Herausforderungen ihrer Führungsfunktionen fit zu sein.
Akzeptanz von Teilzeitarbeit Markus Brandenberg sieht in seinem Erwerbsbereich die Zeichen wieder vermehrt auf Leistung, Präsenz und traditionelle Arbeitszeitformen ausgerichtet. Vermehrt hört er den Spruch »Führung ist unteilbar«. Seine eigenen Erfahrungen widerlegen dieses Vorurteil. »Wir sind das beste Beispiel dafür, dass Co-Leitungen perfekt funktionieren. Alle anderen Abteilungen sind auch doppelt besetzt.« Doch nun sollen die Co-Leitungen auf Abteilungsebene an der Pädagogischen Hochschule wieder abgeschafft und das Rad zurückgedreht werden. Bei einem Großteil des Personals ist Teilzeitarbeit allerdings fest verankert. »Bei den Dozierenden, dem wissenschaftlichen Personal oder auch dem administrativ-technischen-Personal haben wir vor allem Teilzeitmitarbeitende.«
Auch Corina stellt in ihrem Kita-Verbund fest, dass Teilzeitarbeit beim Kader eher rückläufig ist. »Auch bei uns heißt es ›Führung ist unteilbar‹«, betont sie. »Wir versuchen aber, bei den Kita-Leitungen Teilzeitmodelle einzuführen, die bereits im Betrieb arbeiten und gerne eine Familie gründen möchten.«
Unterschiedlich hohe Löhne Corina ist sich bewusst, dass Markus, der Karriere gemacht hat, dafür einen hohen Einsatz leisten musste. Sie selbst wäre nicht dazu bereit gewesen. Ihre Zurückhaltung hat auch mit einer früheren Erkrankung zu tun, derentwegen sie auf ihre Gesundheit achten muss. »Ich wollte keinen Job, bei dem ich so viel Stress habe. Markus war teilweise sehr gefordert und hat nun auch ein entsprechendes Salär. Ich finde es interessant, dass ich 70 Prozent arbeite und er 80 Prozent, aber er verdient zwei Drittel und ich ein Drittel unseres Gesamteinkommens. Das hat auch damit zu tun, dass ich einen klassischen Frauenjob habe.«
Die Söhne sind zu Männern geworden Die beiden Söhne, Elias (24) und Marius (21), sind erwachsen. Elias hat sich zum Informatiker ausgebildet und dann bei einer Großbank ein Praktikum absolviert. Im Rahmen dieser Erfahrung erkannte er, dass seine Interessen auf einem anderen Gebiet liegen. Er begann ein Studium der Sozialarbeit, das ihm sehr gefällt, und denkt nun sogar daran, den Master zu machen. Marius hat das Gymnasium und ein Austauschjahr in den USA absolviert. Nach der Matura ging er auf Reisen, und demnächst wird er ein Studium der Psychologie anfangen. Beide Söhne haben ihren Zivildienst in einer Kita geleistet. Schon als Jugendliche zeigten sie Freude an kleinen Kindern. Im Zivildienst konnten sie ihre Sozialkompetenz unter Beweis stellen. »Beide haben es sehr toll gefunden, in einer Kita zu arbeiten«, betont die Mutter.
Beziehung der Eltern zu den Söhnen Die Beziehung zu den erwachsenen Kindern bezeichnen die Eltern als herzlich. »Vorletzte Woche ging ich mit Elias für einen Tag wandern«, erzählt Markus. »Wir sind ins Appenzell gefahren, und er hat mir von seiner Arbeit und seinem Studium erzählt und davon, was er später machen möchte.« Der Vater freut sich, dass die Söhne sich, wenn sie irgendein Problem mit Versicherungen, Mahnungen usw. haben, gleich bei ihnen melden. »Wir sind dann jeweils eine Beratungsstelle.« Corina schätzt diese Kontakte sehr. »Ich finde es schön, wenn man persönliche Gespräche miteinander führen kann.«
Die Eltern haben die Söhne von klein auf gemeinsam betreut und erzogen. Den Söhnen schien es im Elternhaus wohl gewesen zu sein, sodass man den Älteren fast ein wenig »aus dem Nest schupfen« musste. Der Jüngere wird während des Studiums wieder zu Hause wohnen, was gewisse Diskussionen ums Zusammenleben mit sich bringen dürfte. »Wir waren sehr umsorgend«, meint Markus selbstkritisch. »Aus heutiger Sicht haben wir ihre Frustrationstoleranz zu wenig gefördert.« Corina relativiert: »Das ist eine Frage des Erziehungsstils und hat weniger mit dem Modell zu tun.«
In einem früheren Gespräch sagten Elmer und Brandenberg, ihre Söhne sollten mit Erreichen des achtzehnten Altersjahrs den ganzen Haushalt alleine schmeißen können. Ob das so eingetroffen sei, will ich wissen. »Effektiv«, bestätigt der Vater. »Sie sind fähig, einen Haushalt zu führen.« – »Sie können es«, ergänzt Corina »sie können waschen, kochen, einkaufen, putzen – alles.«
Die Eltern vermuten, dass ihre Söhne sich später auch für die egalitäre Rollenteilung entscheiden werden. »Elias hat in seiner Biografie explizit festgehalten, wie wichtig dieses Rollenmodell für ihn war«, berichtet der Vater. »Er hat geschrieben, wie unterschiedlich wir beide waren und dass das gut für ihn war. Sie haben das Gefühl, dass ich – explizit ich – ein gutes Leben und eine super Zeit hatte. Sie finden es toll, dass ich die Zeit hatte, um mit ihnen zu spielen.«
Zukunftsperspektiven Corina und Markus gehen auf die Sechzig zu und spüren dies auch. »Wir sind nicht mehr gleich leistungsfähig wie mit vierzig«, betont Corina. »Ich komme von der Arbeit nach Hause, bin müde und kann nicht mehr viel erledigen.« Wenn Markus in vier Jahren pensioniert wird, möchte er mehr freie Zeit für sich und seine Hobbys haben. »Es war für mich immer klar – als wir die Kinder hatten –, dass ich auf eigene Bedürfnisse verzichte und diese zugunsten der Familie hintanstelle. Nun genieße ich es, mehr für mich tun zu können. Ich spiele heute viel mehr Klavier, ich koche, ich reise, und ich gehe wandern.« Corina hingegen wünscht sich mehr Zeit, die sie mit ihrem Mann verbringen könnte. Sie hat manchmal den Eindruck, (zu ihm) »dass du ein wenig sehr selbstbezogen geworden bist. Ich empfinde es manchmal so, dass ich stärker – nicht ausschließlich – auf uns beide achte. Wir müssen uns nun neu definieren.«
Verpflichtungen gegenüber den (Groß-)Eltern Betreuungspflichten gegenüber eigenen Eltern gibt es (noch) keine. Markus Brandenbergs Mutter lebt im Altersheim und ist dort gut aufgehoben. »Es heißt für mich jedoch, dass ich sie – wenn möglich alle zwei Wochen, manchmal wird es ein Monat – im Altersheim Zug besuche. Das nimmt einen halben Tag in Anspruch.«
Corinas Eltern sind noch selbstständig und bei guter Gesundheit. Sie ist sich aber bewusst, dass mit zunehmendem Alter ein gewisser Betreuungsbedarf entstehen kann. »Mein Vater wird 87, und meine Mutter ist 77 Jahre alt. Ich rechne damit – es ist jedoch noch nicht der Fall –, dass sie irgendwann viel mehr Unterstützung benötigen werden.«
Vor- und Nachteile des egalitären Rollenmodells Corina Elmer und Markus Brandenberg erkennen am egalitären Rollenmodell Vor- und Nachteile. »In diesem Modell gibt es ein labiles Verhältnis zwischen zwei Leuten mit je unterschiedlichen Vorstellungen«, stellt Markus fest. »Wir mussten viel daran arbeiten, und es ist aufwendig, dass es funktioniert. Es braucht Ausdauer, damit man dranbleibt.« Corina betont, definierte Rollen könnten auch hilfreich sein, »indem sie die Dinge vereinfachen. Wenn nicht klar ist, wer der Außenminister und wer der Innenminister ist, muss man sich vermehrt einigen.« Einen Vorteil des Modells sieht sie darin, »dass beide Partner in beide Bereiche hineinsehen. Man weiß, was es heißt, einen Tag lang mit quengelnden Kleinkindern zu Hause zu sein. Und man weiß, was es heißt, einen Tag lang an Sitzungen teilzunehmen, arbeiten zu müssen und am Abend nach Hause zu den Kindern zu kommen.« Corina ist überzeugt davon, »dass das partnerschaftliche Modell den Kindern extrem guttut. Aus Sicht der Gewaltprävention finde ich es zudem wichtig, dass die Jungen – die eher dazu neigen, ihre Aggressionen nach außen zu tragen – durch das Erleben ihrer Väter gestärkt und in ihrer Identität gefestigt werden.«
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen Corina wünscht sich »ein Betreuungsmodell, das den Eltern erlaubt, das zu wählen, was für sie stimmt. Man müsste vermehrt familienverträgliche Arbeits- und Betreuungsstrukturen schaffen und diese öffentlich unterstützen. Ich bin der Ansicht, dass diesbezüglich der Wille der Öffentlichkeit gering ist und dass die Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern extrem schlecht abschneidet. Auch die Arbeitgeber und die Wirtschaft müssten sich dafür einsetzen. Sie könnten von familienverträglicheren Modellen nur profitieren.«
Beide Partner haben in ihrem beruflichen Umfeld die Beobachtung gemacht, dass junge Menschen zum Teil wieder traditioneller denken. Brandenberg sieht bei seinen weiblichen Studierenden oft »die Einstellung, dass sie zu Hause bleiben möchten, um eine gute Mutter zu sein. Das höre ich heute viel öfter als vor zwanzig Jahren.« Corina bestätigt: »Viele Frauen, die es sich leisten können – die mittelständischen –, ziehen sich, wenn sie Kinder bekommen, aus dem Arbeitsprozess zurück.« Das Paar findet diese Entwicklung bedenklich – und unbegründet. Sie haben ihr Rollenmodell als anspruchsvoll, aber bereichernd erlebt und sehen viele gute Gründe, es weiterzuempfehlen. Sie wünschen sich deshalb geeignete Maßnahmen, die darauf abzielen, die egalitäre Rollenteilung bei jungen Leuten bekannt(er) zu machen.
TEIL II FORSCHUNGSSTAND ZUR EGALITÄREN ROLLENTEILUNG
(Verena Witzig)

DIE EBENE DER ELTERN
Egalitäre Rollenteilung in der Familie – Definition und Bewertung
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen Familien heute leben, und insbesondere mit dem Wandel, der im Zeitraum von 1994 bis 2014 stattgefunden hat. Das Augenmerk liegt dabei vor allem darauf, ob die gesellschaftlichen Verhältnisse für die egalitäre Rollenteilung förderlich sind oder nicht.
Die Beschreibung des egalitären Rollenmodells erfolgt auf Basis der früheren Forschungen der Autorin (siehe Bürgisser, 1995, 1996, 1998, 2006, 2011). Sie definierte egalitäre Rollenteilung als »eine Form familiärer Organisation, bei der zwei Elternteile mit Kind(ern) zusammenleben, wobei beide in annähernd gleichen Teilzeitpensen erwerbstätig sind und sich daneben Hausarbeit und Kinderbetreuung nach eigenem Ermessen zeitgleich und gleichverantwortlich teilen« (Bürgisser, 1998, S. 26 f.). Auf diese Definition werden wir uns im Folgenden beziehen.
An dieser Stelle soll eine Zusammenfassung der beiden 1994 und 2004 durchgeführten Studien der Autorin zur egalitären Rollenteilung erfolgen. Ziel der 1994 durchgeführten Studie (Bürgisser, 1995) war es, die Situation von Elternpaaren zu erforschen, bei denen sich die Partner Gelderwerb, Hausarbeit und Kinderbetreuung teilen. In persönlichen Gesprächen wurden 28 Deutschschweizer Elternpaare über die von ihnen praktizierte Rollenteilung und deren gesellschaftliche Rahmenbedingungen befragt. Dabei fand einerseits die persönliche Perspektive (biografische Determinanten, soziokultureller Hintergrund, Motive für die Wahl des Modells usw.) Beachtung. Andererseits wurde untersucht, wie die betreffenden Paare den beruflichen und familiären Alltag organisierten, ihre Rollenteilung gestalteten und das egalitäre Rollenmodell als Ganzes bewerteten.
Die Analyse zeigte, dass die Befragten die Verbindung der verschiedenen Lebensbereiche als große Bereicherung sahen. Die Frauen schätzten es, die Verantwortung für die Kinderbetreuung mit dem Partner zu teilen. Zudem erlebten sie es als Chance, trotz Mutterschaft eine kontinuierliche Berufstätigkeit zu pflegen. Die Männer betonten primär die Möglichkeit, die Vaterrolle aktiv auszuüben und an der Entwicklung ihrer Kinder teilnehmen zu können. Einige bewerteten es auch positiv, durch die Partnerin in der Existenzsicherung entlastet zu werden. Die Männer gewichteten die mit der Teilzeitarbeit verbundenen Nachteile stärker als die Frauen. Manche wurden am Arbeitsplatz bezüglich Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten benachteiligt. Andere hatten das Problem, sich wegen ihres reduzierten Pensums gegenüber Mitarbeitenden rechtfertigen oder abgrenzen zu müssen. Trotz der erwähnten Schwierigkeiten dominierten bei beiden Geschlechtern die positiven Stellungnahmen. Die meisten Paare beabsichtigten, die egalitäre Rollenteilung weiterhin beizubehalten.
2004 wurden dieselben Elternpaare erneut befragt (Bürgisser, 2006). Drei Paare hatten sich getrennt, 25 übten die egalitäre Rollenteilung nach wie vor aus. Die meisten Paare wohnten noch am selben Ort, oft sogar im selben Haus. Die paarspezifischen Entwicklungen erschienen in manchen Fällen als eine Kette von wechselseitig aufeinander abgestimmten Veränderungen. Entwicklungsverläufe, die einen Partner einseitig begünstigten, erwiesen sich als konfliktträchtig, desgleichen unterschiedliche Praktiken bezüglich Kinderbetreuung und Haushaltsführung. Durch das Heranwachsen der Kinder eröffneten sich den Eltern neue Freiräume, welche die meisten zur Erhöhung der Erwerbsarbeitspensen nutzten.
Als vorteilhaft erwiesen sich in der zweiten Studie vor allem Aspekte der partnerschaftlichen Arbeitsteilung, der Work-Life-Balance, der Rollenvielfalt, des vorteilhaften Ressourcenhaushalts und der Risikominimierung. Auch Vorteile für Unternehmen und Gesellschaft wurden erwähnt. Weniger stark als in den Interviews von 1994 wurden die Vorteile der geteilten Elternschaft betont. Das ist dadurch erklärbar, dass manche Kinder bei der zweiten Befragung bereits erwachsen oder zumindest in der Ablösungsphase waren. Die Beanspruchung durch die Kinderbetreuung war entsprechend gesunken.
1994 wurden Klagen über den hohen Organisations- und Kommunikationsaufwand, über Wesensunterschiede zwischen den Partnern, über Probleme bei der Suche nach adäquaten Teilzeitstellen und über Unverständnis vonseiten des sozialen Umfelds geäußert. 2004 waren solche Klagen seltener. Das egalitäre Rollenmodell hatte bei den Angehörigen, im sozialen Umfeld und am Arbeitsplatz im Zeitverlauf an Akzeptanz gewonnen.
Insgesamt zeigte die zweite Befragung, dass das egalitäre Modell die Erwartungen der Befragten weitgehend erfüllte. Die geäußerte Kritik bezog sich auf ausgewählte Belastungsmomente, nicht auf das Arrangement an sich. Selbst geschiedene Partner beurteilten das Modell rückblickend mehrheitlich positiv. Die große Mehrheit der Befragten war mit der praktizierten Rollenteilung zufrieden und beabsichtigte, sie auch in Zukunft beizubehalten.
Die demografische Verbreitung des egalitären Modells
Grundsätzlich arbeiten Mütter und Väter in der Schweiz etwa gleich viel, wenn wir das Total von Erwerbs- und Familienarbeit betrachten. 2010 arbeiteten die Mütter in Paarhaushalten mit Kindern unter sieben Jahren durchschnittlich 67,4 Stunden pro Woche, Väter 69,5 Stunden. Eltern mit Kindern zwischen sieben und vierzehn Jahren arbeiten wöchentlich etwa fünf Stunden weniger, beide Partner ebenfalls nahezu gleich viel (BFS, 2013, S. 9). Der Unterschied liegt also nicht in der Gesamtarbeitszeit, sondern darin, wer welche Arbeiten verrichtet.
Grafik 1: Durchschnittlicher Zeitaufwand für Haus-, Familien- und Erwerbsarbeit[10], 2010

Im Zeitverlauf hat sich die Aufteilung von Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit zwischen den Geschlechtern tendenziell angeglichen, ohne jedoch einer egalitären Aufteilung nahezukommen. Nach wie vor erledigen Mütter mehr Haus- und Kinderbetreuungsarbeit, während Väter mehr Erwerbsarbeit leisten.
Das Erwerbsmodell, bei dem Mann und Frau Teilzeit erwerbtätig sind, ist gegenüber anderen Modellen wie dem traditionellen (Mann Vollzeit, Frau nicht erwerbstätig) und dem modernisiert-traditionellen Erwerbsmodell (Mann Vollzeit, Frau Teilzeit erwerbstätig) nach wie vor schwach vertreten, doch es gewinnt an Bedeutung. Laut repräsentativen Befragungen lebten 1992 1,7 Prozent der Paarhaushalte mit mindestens einem Kind unter vierzehn Jahren ein egalitäres Teilzeit-Teilzeit-Modell; der Wert stieg über die Jahre kontinuierlich an. 2014 waren es 6,5 Prozent, verglichen mit 23 Prozent, die das traditionelle Familienmodell, und über der Hälfte, die das modernisierte traditionelle Modell lebten (BFS, 2015b).
Grafik 2: Erwerbsmodelle bei Paaren mit und ohne Kind(er) im Haushalt, 2014

So weit die Situation auf der Erwerbsseite. Es folgt die Betrachtung der Arbeitsteilung innerhalb des Haushalts. Nach wie vor leisten Mütter rund doppelt so viel Haus- und Kinderbetreuungsarbeit wie Väter. Lediglich 18 Prozent der Paare, deren jüngstes Kind unter sieben Jahre alt ist, geben an, die Verantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung zu gleichen Teilen auf Vater und Mutter zu verteilen (BFS, 2014b, S. 6). Eine hohe Berufstätigkeit der Partnerin fördert die Beteiligung der Väter an der Hausarbeit, ebenso Teilzeitarbeit der Väter (BFS, 2013, S. 11 ff.).
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es in der Schweiz vergleichsweise wenig egalitär teilende Paare gibt, dass sich ihre Zahl von 1992 bis 2014 jedoch mehr als verdreifacht hat. Auf die Themen Teilzeitarbeit und die Arbeitsteilung im Haushalt wird im Folgenden vertieft eingegangen.
