Kitabı oku: «Partnerschaftliche Rollenteilung - ein Erfolgsmodell», sayfa 7
Verbreitung von Teilzeitarbeit in der Schweiz
Wie erwähnt, sind egalitär teilende Paare auf ein ausreichendes Angebot an Teilzeitstellen angewiesen. Allerdings bedeutet Teilzeitarbeit für Mütter und Väter nicht dasselbe.
Allgemein hat die Verbreitung der Teilzeitarbeit in der Schweiz zwischen 1992 und 2015 stark zugenommen, sowohl bei den erwerbstätigen Frauen als auch bei den Männern. Nach wie vor sind wesentlich mehr Frauen als Männer Teilzeit erwerbstätig. Arbeiteten 1991 rund die Hälfte der Frauen Teilzeit, so waren es 2015 annähernd 60 Prozent. Bei den Männern stieg der Anteil der Teilzeit Arbeitenden im selben Zeitraum von 7,7 auf 16,4 Prozent. Jeder sechste Mann arbeitet somit heute Teilzeit.
Mutterschaft ist ein wichtiger Grund, um das Arbeitspensum zu reduzieren. Die Geburt des ersten Kindes führt zu einer Reduktion der mütterlichen Erwerbszeit von durchschnittlich einem Arbeitstag pro Woche. Väter hingegen arbeiten nach der Familiengründung, statistisch gesehen, nicht weniger als vorher (BFS, 2016, S. 1).
Grafik 3: Beschäftigungsgrad nach Geschlecht 1991 und 2015

Mütter im Erwerbsleben
Die Erwerbsquote der Mütter mit mindestens einem Kind zwischen null und vierzehn Jahren ist in den letzten 25 Jahren erheblich gestiegen (1991: 59,6 Prozent, 2015: 78,8 Prozent). Im internationalen Vergleich liegt der Anteil der erwerbstätigen Schweizer Mütter über dem EU-Durchschnitt, jedoch deutlich unter dem Anteil erwerbstätiger Schweizer Frauen ohne Kinder, die die höchste Erwerbsbeteiligungsquote in Europa haben (BFS, 2016, S. 9 ff.).
Nach wie vor arbeiten die meisten Mütter Teilzeit, aktuell 80,6 Prozent (BFS, 2016). 52,9 Prozent der Teilzeit erwerbstätigen Frauen geben an, aus familiären Gründen auf eine Vollzeiterwerbstätigkeit zu verzichten (verglichen mit 15,7 Prozent der Männer) (BFS, 2014d, S. 1). Mütter schränken ihre Erwerbstätigkeit ein, um den gestiegenen Aufwand für Hausarbeit und Kinderbetreuung bewältigen zu können. Gleichzeitig würden manche Mütter gerne mehr arbeiten, als es ihnen die Umstände erlauben. 23 Prozent der Frauen mit Kinderbetreuung im eigenen Haushalt bekunden, ihr Arbeitspensum erhöhen zu wollen, wenn die Betreuungsfrage gelöst wäre (BFS, 2014c, S. 3). Die weibliche Erwerbsbiografie ist von starken Wechseln geprägt. Die temporäre Einschränkung oder Aufgabe der Erwerbsarbeit ist verbreitet. Nicht selten erhöhen Mütter ihr Arbeitspensum wieder, wenn die Kinder aus der Kleinkindphase heraus sind. Bei Vätern gibt es keine vergleichbaren Wechsel der Erwerbsverhältnisse (Levy, 2016, S. 6 ff.)
Teilzeitarbeit bietet also – insbesondere für Mütter – die Möglichkeit, die familiären Pflichten mit der Erwerbstätigkeit zu vereinbaren. Sie ist jedoch auch mit Nachteilen verbunden, die Frauen häufiger betreffen als Männer: unsichere Arbeitsverhältnisse, schlechtere Sozialleistungen (insbesondere in der Pensionskasse) sowie mangelnde berufliche Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten.
Väter und Teilzeitarbeit
Wie bereits erwähnt, arbeiten Männer heute öfter Teilzeit als vor 25 Jahren. Allerdings sind noch immer 83,6 Prozent der Männer in der Schweiz Vollzeit erwerbstätig. Bemerkenswert ist außerdem, dass die Vaterschaft keinen negativen Effekt auf die männliche Erwerbstätigkeit hat. Väter arbeiten sogar öfter Vollzeit als Männer ohne Kinder (88,6 Prozent der Väter arbeiten Vollzeit, verglichen mit 86,6 Prozent der Männer ohne Kinder) (BFS, 2016, S. 3). Der Grund dafür ist, dass die Ernährerrolle in den meisten Haushalten nach wie vor beim Mann liegt. Da die Mütter nach der Geburt eines Kindes ihre Arbeitszeit zugunsten der Familie reduzieren, müssen die Väter im Gegenzug mehr verdienen, um das Familienbudget zu stabilisieren. Sie stehen nicht nur unter dem Druck, Vollzeit zu arbeiten, sondern auch sich beruflich weiterzuentwickeln, um den wachsenden finanziellen Bedürfnissen ihrer Familie gerecht zu werden. Die Berufstätigkeit der Mutter – und damit ihr Einkommen – ist verhandelbar, das berufliche Engagement des Vaters nicht (vgl. Lengersdorf/Meuser, 2016; König, 2012).
Die gesellschaftliche Akzeptanz der Teilzeitarbeit unterscheidet sich je nach Geschlecht. Ein Mann, der Teilzeit arbeitet, steht im Verdacht, seinen Beruf nicht ernst genug zu nehmen, und riskiert, bei Beförderungen übergangen zu werden (Wiler/Zemp, 2014, S. 29). Zudem ist in vielen klassischen Männerbranchen wie Industrie und Gewerbe Vollzeitarbeit nach wie vor die Regel, während im Dienstleistungssektor, wo viele Frauen arbeiten, Teilzeitarbeit stärker verbreitet ist (Strub, 2003, S. XI). Die meisten Kaderpositionen sind zudem nach wie vor Vollzeitstellen (ebd.). Wer sein Pensum reduziert, gefährdet womöglich den beruflichen Aufstieg.
Es ist also ungewöhnlich für Männer, Teilzeit zu arbeiten. Noch ungewöhnlicher ist es, dies aus familiären Gründen zu tun. Männer mit Familie sehen sich im Dilemma, ein guter Versorger und ein guter Vater zu sein. Dies spiegelt sich darin, dass nur einer von sechs Männern Teilzeit arbeitet, jedoch in Umfragen neun von zehn Männern angeben, ihr Arbeitspensum reduzieren zu wollen (Pro Familia, 2011, S. 8).
Ein Mann, der ein egalitäres Rollenmodell leben möchte, steht also vor der Herausforderung, eine passende Anstellung zu finden. Zudem muss er sich damit auseinandersetzen, dass seine Gründe für den Teilzeiterwerb von der Gesellschaft und möglicherweise auch von seinem Arbeitgeber nicht als triftig betrachtet werden (Bürgisser, 1996, 2006).
Arbeitsteilung im Haushalt
Auch Care ist Arbeit Nicht nur Erwerbstätigkeit, sondern auch Hausarbeit und Betreuung sind gesellschaftlich relevante Arbeiten. Häufig bezeichnet man Erwerbsarbeit als produktive Arbeit und unbezahlte, für die Familie notwendige Tätigkeiten wie Hausarbeit und Kinderbetreuung als reproduktive Arbeit (Knobloch, 2009, S. 27).
Eine besondere Art der reproduktiven Arbeit ist die Sorgearbeit, auch als Care bezeichnet. Care bedeutet, dass innerhalb einer »Dienstleistung« die Beziehung im Vordergrund steht.[11] Es geht nicht nur darum, die Kinder zu waschen oder mit ihnen die Hausaufgaben zu erledigen. Ebenso wichtig ist es, auf die Kinder einzugehen, ihnen zuzuhören und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Typischerweise sind Care-Aufgaben prozesshafter Natur, das heißt, sie müssen periodisch wiederholt werden (Madörin, 2010, S. 87 ff.). Die produktive Erwerbsarbeit und die reproduktive Haus- und Care-Arbeit stehen in einem eng verflochtenen Wechselspiel und sind aufeinander angewiesen. Während es bei der Hausarbeit keine große Rolle spielt, wer sie erledigt – den Boden kümmert es nicht, wer saugt –, ist es bei Care-Aufgaben sehr relevant, wer sie tut, da der Beziehungsaspekt im Vordergrund steht.
Dem herrschenden Leitbild zufolge sind nach wie vor primär die Frauen für Care-Aufgaben zuständig (König, 2012; Meuser, 2012). Ob und welche Veränderungen in der innerfamiliären Arbeitsteilung stattgefunden haben, wird in den folgenden Abschnitten diskutiert.
Mütter im Haushalt Die Anzahl der Stunden, die Mütter mit Kindern unter vierzehn Jahren in Haus- und Familienarbeit investieren, hat sich zwischen 1997 und 2013 praktisch nicht verändert (51,6 vs. 51,3 Stunden pro Woche) (BSF, 2014a). Zudem sind nach wie vor meistens die Mütter hauptverantwortlich für Haushalt- und Sorgeaufgaben. Dieser Effekt ist in Familien mit Kindern deutlich ausgeprägter als bei kinderlosen Paaren, wie unten stehende Grafik zeigt.
Grafik 4: Hauptverantwortung für die Hausarbeit in Paarhaushalten, 2013

In rund drei Vierteln der Paarhaushalte mit Kindern unter fünfzehn Jahren ist die Mutter hauptverantwortlich für die Hausarbeit (BFS, 2013, S. 7). Das Standardmodell ist somit, dass die Mutter den Haushalt organisiert und für das Gros der anfallenden Aufgaben verantwortlich ist, während der Vater sie im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt. Der limitierende Faktor dabei ist die Berufstätigkeit des Vaters, die in diesem Zusammenhang »nicht verhandelbar« ist (Meuser, 2012). Der Trend geht zwar dahin, dass – in Stunden ausgedrückt – Väter mehr Zeit in Haushalt und Kinder investieren und Mütter mehr Erwerbsarbeit leisten. Die Hauptverantwortung für die Familienarbeit liegt jedoch gleichwohl bei den Müttern.
Die Hauptverantwortung für den Haushalt bedeutet auch, dass Sorgeverpflichtungen Vorrang haben, wenn die Ansprüche von Erwerbstätigkeit und Haushalt in Konflikt geraten. In vier Fünfteln der Haushalte bleiben die Mütter zu Hause, wenn die Kinder krank sind, unabhängig von der Arbeitsteilung innerhalb des Paarhaushalts (BFS, 2015a, S. 12).
In dieser Konstellation – die Mutter übernimmt Hausarbeit und Kinderbetreuung, der Vater hilft – entsteht nicht nur eine Diskrepanz in der Zeit, die die Elternteile in den Haushalt investieren. Es entsteht auch ein Machtgefälle, da die Mutter letztlich den Haushalt und den Alltag der Kinder organisiert und diesbezüglich alle Fäden in der Hand hält. Die Väter übernehmen in diesem Gefüge – wie wir noch sehen werden – ausgewählte Aufgaben, die eigentliche Verantwortung verbleibt jedoch bei den Müttern (Meuser, 2012; König, 2012).
Väter im Haushalt Väter übernehmen heute mehr Haus- und Familienarbeit als noch vor zwanzig Jahren. 1997 gaben Väter mit Kindern unter fünfzehn Jahren an, 21,8 Stunden pro Woche in Haushalt und Familie zu investieren. Der Wert stieg seither kontinuierlich an. 2013 betrug der väterliche Beitrag 27,6 Stunden; dies entspricht einem Zuwachs von knapp fünf Stunden pro Woche (BFS, 2014a). Nach wie vor teilen aber nur wenige Väter die Hausarbeit mit ihrer Partnerin, und noch seltener trägt der Vater die Hauptverantwortung (siehe Grafik 4).
Väter leisten nicht nur weniger Haus- und Familienarbeit als Mütter, sie engagieren sich auch nicht in allen Aufgabengebieten gleichermaßen. Generell investieren Väter mehr Zeit in Kinderbetreuung als in Haushaltsaufgaben (BFS, 2013, S. 8). Kinderbetreuung bedeutet für Väter vor allem, mit den Kindern Hausaufgaben zu machen, über ihre Probleme zu sprechen oder mit ihnen zu spielen. Väter beteiligen sich jedoch weniger daran, die Kinder anzuziehen, sie zu waschen oder bei Krankheit zu pflegen (BFS, 2013, S. 8; BFS 2015a, S. 12). Väter setzen sich also vergleichsweise stark mit ihren Kindern auseinander, beteiligen sich aber in geringerem Maße an ihrer Betreuung und Pflege.
Bei der Hausarbeit im engeren Sinne fällt auf, dass Väter vergleichsweise wenig putzen, waschen und kochen. Stärker ausgeprägt ist ihr Engagement in den Bereichen Einkaufen, Gartenarbeit und administrative Arbeiten. Handwerkliche Tätigkeiten werden öfter von Vätern als von Müttern erledigt (BFS, 2013, S. 8). Die klassischen Haushaltsaufgaben verbleiben im Aufgabenbereich der Mütter.
Wenn Väter zupacken sollen, müssen Mütter loslassen Ob Väter Aufgaben innerhalb des Familienalltags übernehmen, hängt auch davon ab, ob die Mütter bereit sind, Zuständigkeiten und Verantwortung abzugeben. Meuser (2012) beschreibt den Mechanismus des »maternal gatekeeping«[12] als »eine Ansammlung von Überzeugungen und Verhaltensweisen, die eine Kooperation von Frauen und Männern in der Familienarbeit erschweren, indem die Gelegenheiten der Männer, durch Beteiligung an der Familienarbeit zu lernen, begrenzt werden«. Meuser betont, »gatekeeping« sei kein bewusstes Handeln, sondern eine unbewusste Strategie, um das geschlechtliche Selbst zu bestätigen (ebd., S. 74). Da unter den herrschenden Bedingungen die Mütter hauptverantwortlich sind für Haushalt und Kinderbetreuung, bleibt es nach Meusers Ansicht nicht aus, dass sie einen Teil ihres Selbstbilds und Selbstbewusstseins aus diesen Aufgaben beziehen. Wenn sich nun die Väter gleichverantwortlich am Haushalt beteiligen wollen, kann dies für das Selbstbild der »guten Mutter« eine Bedrohung darstellen.
Frauen sind nicht grundsätzlich gegen ein männliches Engagement im Haushalt, sie beanspruchen jedoch, die Standards des Haushalts und der Care-Aufgaben zu definieren. So gerät der Vater leicht in die Position des mütterlichen »Assistenten«. Er darf zwar helfen, aber nur unter Anleitung und Kontrolle. Eine weitere subtile Strategie liegt darin, die von Männern geleistete Fürsorgearbeit als etwas Besonderes herauszustreichen. Wenn eine Mutter sich liebevoll um ihre Kinder kümmert, ist es nicht weiter erwähnenswert; tut ein Mann dasselbe, erhält es einen Ausnahmestatus (Meuser, 2012, S. 75 ff.).
Familienergänzende Kinderbetreuung in der Schweiz
Die familienergänzende Kinderbetreuung stellt eine zentrale Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dar (Stern et al., 2013, S. 72; OECD, 2013). Sie gewinnt in der Schweiz zunehmend an Bedeutung. 1991 nutzten lediglich 14 Prozent aller Paarhaushalte mit Kindern unter sieben Jahren bezahlte oder unbezahlte außerfamiliäre Kinderbetreuung, im Jahr 2007 waren es bereits 55 Prozent. Im Jahr 2014 nahmen bereits 59,7 Prozent aller Haushalte mit Kindern im Alter zwischen null und zwölf Jahren ein familienergänzendes Kinderbetreuungsangebot in Anspruch (siehe Grafik 5).
Grafik 5: Inanspruchnahme von verschiedenen Arten der Kinderbetreuung, 2014

Oben stehende Grafik zeigt, dass Eltern hauptsächlich familienergänzende Kinderbetreuung auf privater Basis in Anspruch nehmen. Der größte Teil dieser nichtinstitutionellen Kinderbetreuung wird von Verwandten geleistet, insbesondere von den Großeltern (Lanfranchi, 2010, S. 5).
Die Versorgung mit institutioneller Kinderbetreuung ist in der Schweiz vergleichsweise kompliziert organisiert[13] und schwach ausgeprägt. Durchschnittlich steht für 11 Prozent der Kinder im Vorschulalter und für 8 Prozent der Kinder im Schulalter ein Vollzeitbetreuungsplatz zur Verfügung[14] (Stern et al., 2013). Die Nachfrage nach institutioneller familienergänzender Kinderbetreuung lässt sich nur schätzen. Iten et al. (2005) gehen davon aus, dass bei freier Wahl fast die Hälfte aller Haushalte mit Kindern unter vier Jahren institutionelle Kinderbetreuung in Anspruch nehmen würden. Wenn man dies mit der Zahl der tatsächlich vorhandenen Plätze vergleicht, ist nicht einmal die Hälfte der angenommenen Nachfrage gedeckt[15] (EKFF, 2008). Die Verfügbarkeit von Krippenplätzen hat in den letzten Jahren jedoch deutlich zugenommen, vor allem unter dem Einfluss des 2003 in Kraft getretenen Bundesgesetzes über Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung. Es handelt sich um ein Impulsprogramm zur Schaffung von Betreuungsplätzen; antragsberechtigt sind Institutionen, die solche Plätze anbieten. Das Bundesamt für Sozialversicherungen schätzt, dass in der Laufzeit des Programms 50 600 neue Betreuungsplätze geschaffen wurden, was einer Verdoppelung des Angebots entspricht (BSV, 2016a). Das Impulsprogramm wurde bis 2019 verlängert.
Regional gibt es markante Unterschiede in der Verfügbarkeit von institutioneller Kinderbetreuung. Am meisten Betreuungsplätze pro Kind stehen in der Romandie, in Basel-Stadt und in den Regionen Zürich und Zug zur Verfügung. Am schwächsten ausgebaut ist das Angebot in den ländlichen Regionen der Zentral- und Ostschweiz (Stern et al., 2013). Der Kanton Tessin ist insofern bemerkenswert, als er eine flächendeckende Vorschule mit Tagesstruktur für Kinder ab drei Jahren anbietet, die »scuola dell’infanzia« (EKFF, 2008, S. 13).
In den Großstädten[16] nehmen Familien zudem deutlich häufiger institutionelle Kinderbetreuung in Anspruch als Familien in städtischen und ländlichen Gebieten, unter anderem deshalb, weil das Erwerbspensum der Mütter durchschnittlich höher ist und oft keine private Kinderbetreuung möglich ist (BFS, 2015a, S. 19). Schmid/Kriesi/Buchmann (2011) zufolge ist jedoch der Hauptgrund, dass in Städten das institutionelle Angebot besser ausgebaut ist. In ihrer Studie stellen sie fest, dass ein verbessertes Angebot institutioneller Kinderbetreuung mit einer höheren Nutzung einhergeht, während die privat organisierte Betreuung zurückgeht (ebd., S. 27). Institutionelle Kinderbetreuung wird zudem deutlich häufiger von Familien der oberen Einkommensschichten genutzt, während Familien der mittleren und unteren Schichten entweder keine Kinderbetreuung in Anspruch nehmen oder auf Verwandte zurückgreifen. Erst ab einem Haushaltseinkommen von über 100 000 Franken scheint sich institutionelle Kinderbetreuung für einen Paarhaushalt zu lohnen (ebd., S. 28).
Laut Schlanser (2011) beeinflusst auch die Nationalität der Eltern die Nutzung von institutioneller Kinderbetreuung. Sind die Eltern zum Beispiel Eingewanderte aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien, liegt die Wahrscheinlichkeit, eine Krippe zu nutzen, 70 Prozent tiefer als bei Schweizer Familien[17] (ebd., S. 141). Zudem werden Krippen häufiger von Eltern mit einem hohen Bildungsniveau genutzt. Besonders ins Gewicht fällt ein Abschluss der Mutter auf Tertiärstufe (ebd., S. 141). Die Autorin konstatiert, dass somit Kinder aus sozial benachteiligten Milieus oder mit Migrationshintergrund, die am meisten von institutioneller Kinderbetreuung profitieren könnten, die Angebote am wenigsten nutzen (ebd., S. 139).
Betreuung versus Bildung
Die Perspektive, dass Kleinkinder von institutioneller Betreuung profitieren könnten oder sogar einen Anspruch auf frühkindliche Förderung haben, wird in der Schweiz selten vertreten. Betreuungseinrichtungen, besonders für Kleinkinder, hängt noch immer der negative Ruf aus ihrer Gründerzeit Anfang des 19. Jahrhunderts an, als sie unbetreute Kinder von sozial Bedürftigen zu versorgen hatten (Lanfranchi, 2009, S. 4). Nach wie vor hält sich die Vorstellung, dass eine »zu frühe« Einbindung der Kinder ins institutionelle Lernen ihnen schaden könnte. Gewisse Autoren sehen hier die Erziehungsfunktion der Familie und insbesondere der Mutter in Gefahr (Stamm, 2009, 2011).
Die Vermittlung von Bildung steht in Betreuungseinrichtungen für Kinder unter vier Jahren – zumindest in der Deutschschweiz – nicht im Vordergrund. Dies lässt sich auf die unterschiedlichen Paradigmen der frühkindlichen Erziehung in den Sprachregionen zurückführen: In der Deutschschweiz stand unter Berufung auf Fröbel und Pestalozzi die »Sozialorientierung« und ganzheitliche Betrachtung des Kindes im Vordergrund, während in der Romandie und im Tessin, angelehnt an Piaget beziehungsweise Montessori, eine kognitiv orientierte, schulvorbereitende frühkindliche Förderung dominierte (Stamm, 2009, S. 34).
Gemeinsam Eltern bleiben nach Trennung oder Scheidung
Nach einer Trennung oder Scheidung zeigen sich exemplarisch die Fallstricke der »komplementären« Erwerbsmodelle. In der Regel sind weder Frau noch Mann darauf vorbereitet, eine voneinander unabhängige Existenz zu führen. Wie erwähnt, tragen die Mütter die Hauptverantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung, verdienen jedoch nur ein Nebeneinkommen. Die Väter verdienen den Hauptanteil des Haushaltseinkommens, sind jedoch mit Hausarbeit und Kinderbetreuung wenig vertraut. Die Konsequenz ist zumeist, dass die Kinder nach einer Trennung in der Obhut der Mutter bleiben. Diese trägt in der Folge eine ausgeprägte Doppelbelastung und lebt nicht selten unter materiell eingeschränkten Verhältnissen. Die Väter hingegen sind faktisch vom täglichen Leben der Familie ausgeschlossen und sehen ihre Kinder nur noch zu Besuchszeiten (Bürgisser, 2014, S. 151 ff.).
Auf gesetzlicher Ebene ist eine Tendenz zu mehr Egalität auszumachen: 2014 wurde die geteilte Sorge als Regelfall eingeführt. Vor der Gesetzesrevision war eine geteilte Sorge nur möglich, wenn die Eltern diese gemeinsam beantragten. Ansonsten musste das Sorgerecht zwingend einem Elternteil allein zugesprochen werden. Theoretisch konnte dies der Vater oder die Mutter sein. Doch in der gerichtlichen Praxis wurden die Kinder in der Mehrheit der Fälle der Mutter zugesprochen, welche die Kinder während der Ehe bereits hauptsächlich betreute (Botschaft ZGB Elterliche Sorge, 2011, S. 9088).
Das revidierte Gesetz ist insofern ein Fortschritt, als es klar bekundet, dass die Betreuung und Erziehung der Kinder auch nach der Scheidung Sache beider Elternteile ist. Allerdings muss festgehalten werden, dass gemeinsame Sorge nicht automatisch geteilte Betreuung bedeutet. Auch getrennte Eltern mit gemeinsamer Sorge praktizieren überwiegend eine traditionelle Arbeitsteilung (Büchler/Simoni, 2009).
Die egalitäre Rollenteilung bietet nach einer Trennung gewisse Vorteile, da die bisher praktizierte Arbeitsteilung theoretisch weitergeführt werden kann. Wenn beide Elternteile die geteilte Betreuung der Kinder beibehalten wollen, bieten sich dazu geeignete Modelle an, wie zum Beispiel die geteilte Obhut oder das Nestmodell. Mutter wie Vater können erwerbstätig bleiben und ihre Erwerbstätigkeit, wenn nötig, sogar ausbauen. Vor allem aber bleiben beide Elternteile für die Kinder im Alltag präsent, was für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern einen erheblichen Vorteil darstellt (vgl. Bürgisser, 2014).
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.
