Kitabı oku: «Partnerschaftliche Rollenteilung - ein Erfolgsmodell», sayfa 5
ELEONORA RIZ À PORTA UND UELI BÜRGI
»Es war uns wichtig, dass beide die Möglichkeit hatten, weiterzukommen«
Mit dem Tram in ein Außenquartier von Basel. Den telefonisch erhaltenen Anweisungen folgend, um ein paar Straßenecken hinein in die Lothringerstrasse. Dort wohnen Eleonora Riz à Porta (55) und Ueli Bürgi (58) in einem Haus, das sie vor längerer Zeit, zusammen mit Freunden, erworben haben. Kennzeichen ist der große Bananenbaum beim Eingang. Der Hauseingang ist breit und Lagerort für Velos und andere Geräte. Links ist die Eingangstür zur geräumigen Wohnung. Wir setzen uns in den lauschigen Garten, und bei Kaffee und Kuchen erzählen mir Eleonora und Ueli die Fortsetzung ihrer Familiengeschichte.
Berufliche Entwicklungen Als ich sie vor über zwanzig Jahren zum ersten Mal besuchte, waren beide Partner in Pensen von 50 bis 60 Prozent als Erwachsenenbildner tätig. Neben der Erwerbsarbeit teilten sie sich die Betreuung ihres Sohnes Gian und den Haushalt. Nach vier Jahren kam Tochter Sina dazu, und Ueli Bürgi machte sich – neben seiner Festanstellung – sukzessive als Bildungsfachmann selbstständig.
Seit jenem ersten Gespräch haben beide qualifizierende Weiterbildungen absolviert und entsprechende Diplome und Zertifikate erworben. Nun arbeitet Eleonora Riz à Porta als HR-Leiterin im Universitätsspital Basel, wo sie für 1200 Mitarbeitende zuständig ist. Ihr Arbeitspensum beträgt seit rund sieben Jahren offiziell 100 Prozent, inoffiziell – wie bei Führungskräften oft der Fall – einiges mehr. Wie begründet Eleonora, dass sie ihr Pensum aufgestockt hat? »Die Kinder haben nicht mehr die komplette Betreuungszeit in Anspruch genommen, wodurch Freiräume entstanden sind. Es hat auch viel mit dem Ziel ›Verantwortung übernehmen‹ zu tun. Ich empfinde es als sehr befriedigend, wenn ich im Betrieb merke, dass ich Dinge erreichen kann und einen guten Bezug zu den Leuten habe.«
Ueli Bürgi hat seine selbstständige Tätigkeit 2006 wieder aufgegeben und ist jetzt – ebenfalls mit Vollzeitpensum – an der Akademie für Erwachsenenbildung (AEB) in Luzern tätig. »Nun arbeite ich zum ersten Mal in meinem Leben 100 Prozent. Zu 50 Prozent meines Pensums bin ich Angebotsleiter, und zu 50 Prozent mache ich Ausbildungen im Bereich ›Ausbildung von Ausbildenden‹. Die Mischung von Führung und eigener Praxis finde ich sehr interessant.«
Die Kinder reagierten auf die Erhöhung der Arbeitspensen unterschiedlich. »Gian fand damals, dass das für ihn in Ordnung sei«, berichtet die Mutter. »Sina hingegen hatte gar keine Freude daran. Sie hat das zu Beginn nicht akzeptiert. Später war sie der Ansicht, dass ich zu viel arbeite und dass das nicht gut sei.« – »Sie hat manchmal den Spruch ›die Rabeneltern‹ gebracht«, ergänzt Ueli. »Ein kleines bisschen Wahrheit steckt dahinter – es ist nicht nur ein Spruch.«

Karriereziele erreicht Beide Partner sind der Meinung, Karriere gemacht zu haben. »Es war uns wichtig, dass beide die Möglichkeit hatten, weiterzukommen«, berichtet Eleonora. »Alles andere wäre nicht gut gewesen. Ich habe vor zwanzig Jahren gesagt, dass ich unglücklich wäre und alle verrückt machen würde, wenn ich nur zu Hause wäre.« Auch Ueli wünschte sich Verantwortung. »Dies war unter anderem der Grund, weshalb ich eine Anstellung eingegangen bin. Ich bin heute stellvertretender Geschäftsleiter und in der Leitung der AEB im engsten Führungskreis.«
Teilzeitarbeit als Voraussetzung egalitärer Rollenteilung Im Arbeitsfeld von Ueli arbeiten sehr viele Leute Teilzeit. »Es gibt jene, die andernorts noch Aufträge und Jobs haben, und es gibt auch jene, die Kinder haben – sowohl Männer wie Frauen. Wir versuchen, Teilzeit zu ermöglichen. Auch wenn man ein relativ kleines Pensum arbeitet, kommt man bei uns in die Pensionskasse rein.«
Eleonora bezeichnet Spitäler als »Paradebeispiele von Teilzeitarbeit«. Sie ist überzeugt, dass diese ohne Teilzeitpensen gar nicht mehr funktionieren könnten. »Die Arbeit ist für die Menschen teilweise so belastend, dass sie es nur bewältigen können, wenn sie Teilzeit arbeiten.« Die Akzeptanz von Teilzeitarbeit scheint je nach Fachrichtung und Person zu variieren. Eleonoras Erfahrung zeigt, dass sie »sehr von der Haltung der jeweiligen Chefärztin oder des jeweiligen Chefarztes abhängt. Ich erlebe es immer öfter, dass Assistenzärztinnen und -ärzte – aber auch Oberärzte – kommen und sagen, dass sie nicht mehr achtzig Stunden in der Woche arbeiten möchten.« Diskussionen um die Einhaltung der vereinbarten Arbeitszeiten seien immer häufiger, und sie versuche jeweils, eine pragmatische Haltung einzunehmen. »Wenn Diskussionen um die Höhe der Pensen aufkommen, versuchen wir, die betriebliche Seite und die Seite der Einzelperson wahrzunehmen und es zu ermöglichen.« Schon länger gefördert werden jegliche Formen des unbezahlten Urlaubs oder des Mutterschaftsurlaubs. »Es ist selbstverständlich, dass man nicht zwei Monate nach der Geburt bereits wieder da sein muss – zumindest in meinem Bereich nicht. Die Frauen können den Urlaub auch wirklich in Anspruch nehmen. Doch die Arbeitgeber stehen auch in der Pflicht, Entlastung in der Kinderbetreuung zu bieten. Wir haben im Universitätsspital ein Angebot an Kinderbetreuung, das über die letzten Jahre stark ausgebaut wurde. Es ist für mich das A und O, dass man in einem Betrieb ein solches Angebot hat und dass man es flexibel handhabt.«
Weitere berufliche Perspektiven Beide Partner arbeiten gerne und genießen es, neue Erfahrungen zu machen. Eleonora Riz à Porta hofft, in den verbleibenden zehn Jahren ihre Arbeitsbelastung einschränken und damit ihren Energiehaushalt besser im Gleichgewicht halten zu können. »Ich merke, dass ich älter werde und länger brauche, um mich zu erholen. Die Freude am Arbeiten habe ich – aber es braucht meine Kräfte. Ich bin heute 55 Jahre alt. Wenn ich mir vorstelle, dass es in fünf Jahren immer noch so intensiv läuft, denke ich, dass es ›too much‹ wäre.«
Ueli Bürgi sieht den kommenden Jahren zuversichtlich entgegen. »Ich werde mich aber nicht vor 65 Jahren pensionieren lassen können. Ich hatte als Selbstständigerwerbender stellenweise keine Pensionskasse, nur eine Lebensversicherung. Vielleicht werde ich ab 65 in einem kleineren Pensum weiterarbeiten, bevor ich schließlich ganz aufhöre.«
Hausarbeitsteilung Wie Eleonora erzählt, hat sich die Hausarbeitsteilung so verändert, »dass Ueli unter der Woche mehr kocht, weil ich häufig erst sehr spät nach Hause komme. Einkaufen gehe ich heute noch am Wochenende, auch das Bügeln übernehme ich. Aber gekocht habe ich früher deutlich mehr.« Ueli betont, Eleonora störe sich schneller daran, wenn nicht aufgeräumt sei. (Zu ihr) »Wenn Zeugs rumliegt, räumst du schneller auf. Ich mache es auch irgendwann, aber für mich ist es jeweils nicht so dringend.« Eine Putzfrau sorgt alle zwei Wochen für Entlastung. Eleonora betont, es gebe im Haushalt heute »weniger Konflikte, die täglich anfallen«. – »Das heißt nicht, dass wir nicht mehr streiten«, relativiert Ueli. »Aber wir wissen, worum es geht, und können es wieder auflösen.«
Geteilte Kinderbetreuung – auch mit Nachbarn Mit der seit über zwei Jahrzehnten praktizierten partnerschaftlichen Rollenteilung ist das Paar sehr zufrieden. Dank dem Kindertausch mit Nachbarn und ergänzender Kinderbetreuung im Tagesheim haben sie es geschafft, Familie und Beruf gut unter einen Hut zu bringen. Ueli betont: »Wir waren auch darauf angewiesen, mit Freunden und Freundinnen Lösungen zu finden, weil unsere Eltern zu weit weg wohnten und auch nicht mehr in der Lage waren, die Kinder zu betreuen. Wir brauchten folglich diese Ergänzung, damit wir die Kinder nicht nur in einen Kindergarten oder eine Kinderkrippe geben mussten.« Das Elternpaar teilte die Kinderbetreuung mit anderen im Haus wohnenden Eltern. Eleonora äußert sich darüber sehr zufrieden. »Die Form der gemeinsamen Betreuung mit Freunden hat für mich die schöne Konsequenz, dass die Kinder heute wie Geschwister sind.«
Beurteilung der eigenen Rollenteilung Wie zufrieden ist das Paar mit der von ihm praktizierten Rollenteilung? Für Ueli ist klar: »Ich würde es wieder machen. Es war unser Wunsch, dass wir sowohl ein Berufsleben als auch ein Leben mit den Kindern haben. Ich kann heute sagen, dass ich diesbezüglich reich bin. Ich spüre es durch die Beziehungen, die ich zu meinen Kindern habe. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass ich im Berufsleben nur verzichtet hätte und keine Karriere machen konnte. Es hat vielleicht ein wenig länger gedauert – aber es ging gut.«
Auch Eleonora betont, sie würde die egalitäre Rollenteilung wieder wählen. »Doch das Modell – mit dem ständigen Absprechen, dem kontinuierlichen Rücksichtnehmen und dem Aufeinanderschauen – war auch anstrengend. Ich habe immer wieder gemerkt, wie ich an den Rand meiner Geduld gestoßen bin.« Trotzdem findet auch Eleonora, es habe sich gelohnt. Das Modell habe mitgeholfen, eine gute Beziehung zu den Kindern aufzubauen, und es habe auch die Beziehung zwischen den Partnern gestärkt. Ueli bestätigt: »Durch die beruflichen Felder gab es viele Austauschmöglichkeiten und interessante Begegnungen.« Er weist allerdings auch auf eine Schwierigkeit hin: »In diesem Modell besteht die Gefahr – und die haben wir auch real gespürt –, dass man zu schnell zu viel arbeitet und dadurch in der Familie nicht mehr so präsent ist.«
Was ist aus den Kindern geworden? Die Kinder Gian und Sina sind erwachsen. Gian (24) hat sein Jus-Studium in Basel mit dem Bachelor abgeschlossen und macht nun noch den Master. Er ist vor drei Jahren zu Hause ausgezogen und wohnt nun im selben Quartier in einer Männerwohngemeinschaft. Sina (20) hat nach der Matura ein Zwischenjahr eingelegt. Sie weilt aktuell in Peru und will nachher ein Architekturstudium an der ETH in Angriff nehmen. Die Mutter geht davon aus, »dass sie sich eine Wohnung in Zürich suchen wird. Weil sie jedoch immer am Reisen ist, kann sie sich gar keine Wohnung suchen.«[7]
Die Eltern sind glücklich, dass sich die Beziehungen zu ihren Kindern trotz pubertärer Turbulenzen gut entwickelt haben. Ueli bezeichnet dies als »Riesengeschenk« und ergänzt: »Sie sind sehr offen. Wir sind erstaunt darüber, was sie uns alles erzählen. Sie erzählen uns auch von ihren Beziehungen und so weiter. Das ist sehr eindrücklich.« Die Mutter hat den Eindruck, »dass sie sowohl persönliche als auch fachliche und inhaltliche Dinge mit uns besprechen und dass sie wissen, dass sie mit uns zwei Ansprechpersonen haben. Sie scheinen genau zu wissen, dass es in bestimmten Momenten besser ist, mit der einen statt der anderen Person über etwas zu sprechen.« Der Vater ergänzt: »Sie nehmen auch immer wieder unsere Hilfe in Anspruch.«
Rollenprägung der Kinder Die Eltern vermuten bei ihren Kindern ein eher partnerschaftliches Rollenverständnis. »Wir hatten keine großen Gespräche darüber, wie sie zu unserem Modell stehen, aber man kann es trotzdem rausspüren«, erzählt der Vater. »Beide haben immer wieder gesagt, dass wir Exoten und anders als alle anderen seien. Sie haben uns keine Vorwürfe gemacht, sondern im Gegenteil gesagt, dass die anderen es nicht ›gecheckt‹ hätten. Sie haben einen gewissen Stolz diesbezüglich.«
Wie die Kinder die Rollenteilung schließlich handhaben werden, steht in den Sternen. Der Vater ist vor allem bei Gian gespannt, »wie er Karriere und Kinder unter einen Hut bringen möchte. Das geht für mich noch nicht ganz auf. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er eine Lösung finden wird.« Die Mutter stellt fest, dass ihr Sohn vermehrt Bereitschaft zeigt, im Haushalt zu helfen. »Gian hat mich jeweils abends um neunzehn Uhr im Büro angerufen und gesagt, dass er heute Abend kochen möchte. Seit er ausgezogen ist, merkt man bei ihm, dass das Thema ›man macht etwas‹ präsenter ist als früher.« Ihre Tochter nimmt Eleonora ganz anders wahr. »Sina kocht und haushaltet nicht gerne. Sie sagt beispielsweise ganz klar, dass sie niemals nur zu Hause bleiben möchte.« – »Manchmal«, ergänzt der Vater, »sagt sie im Witz, dass sie sich jemanden holen wird, der für sie den Haushalt macht.«
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen Eleonora und Ueli würden das partnerschaftliche Modell auch heutigen jungen Paaren empfehlen, stellen aktuell allerdings einen Traditionalisierungstrend fest. Ihres Erachtens liebäugeln junge Frauen wieder vermehrt mit dem Hausfrauenmodell. Sie geben bei der Heirat zudem ihren Namen auf, was für Frauen älterer Generationen undenkbar gewesen wäre. Eleonora ist auch der Ansicht, die Diskussion um die Teilzeitarbeit habe sich nicht wahnsinnig weiterentwickelt. »Auch bei der Thematik des Wiedereinstiegs – wenn jemand für ein halbes Jahr oder ein ganzes Jahr nicht berufstätig war – fehlt es in vielen Betrieben an Verständnis.« – »Was sich langsam verbessert hat«, betont Ueli, »ist die Tatsache, dass die jungen Männer Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen. Diesbezüglich hat sich schon etwas verändert. Letztlich ist es aber so, dass der Hauptteil der Betreuung immer noch bei den Frauen liegt.« Ueli findet auch, Kinderkrippen seien zu teuer. »Wir haben irgendwann aufgehört, sie zu nutzen, weil das – mit unseren Einkommen – einfach zu teuer geworden ist. Ich bin der Ansicht, dass die Kinderkrippen grundsätzlich günstiger sein müssten, damit Eltern sie vermehrt nutzen könnten.«

CORINNE HAFFTER UND DANI SCHAFFNER
»Wir haben uns für dieses Modell entschieden und alle damit gewonnen«
Corinne Haffter holt mich am Bahnhof Winterthur ab. Sie wartet in der Unterführung, und wir erkennen uns auf den ersten Blick wieder. Beim Velostand packt Corinne ihr mit Plastikblumen dekoriertes Fahrrad und macht sich – es neben sich her stoßend – mit mir auf den Heimweg. Irgendwann biegen wir in eine Seitenstraße ein. Und dann sehe ich sie, die wunderschöne an die hundert Jahre alte Backsteinsiedlung, in der Corinne Haffter (60) und Dani Schaffner (62) mit Nachbarn und als Wohngenossenschaft ein denkmalgeschütztes Haus bewohnen. In der Wiese vor dem Hintereingang steht ein runder Tisch, der schon zum Essen gedeckt ist. Links und rechts auf der Treppe Töpfe mit bunten Frühlingsblumen. Bunt geht es auch im Inneren weiter. Zahlreiche Sachen verweisen hier auf lebensfrohe kreative Menschen. Eine hohe Glasvitrine ist gefüllt mit Dingen, welche die drei Kinder früher modelliert und bemalt haben: Tiere, Figuren, Objekte. Die Zeit ist begrenzt. Corinne muss um dreizehn Uhr wieder zur Arbeit. Darum direkt an den Küchentisch und rein ins Interview.
Berufliche Entwicklungen Wie hat sich die berufliche Situation des Paares entwickelt? Corinne hat ihr Ziel erreicht, als Psychotherapeutin beruflich selbstständig zu werden. 2005 hat sie ihren Job als Psychologin am kinder- und jugendpsychiatrischen Dienst Winterthur aufgegeben und die private Praxis, die sie schon zu 20 Prozent betrieb, weiter ausgebaut. Da sie schon lange in Winterthur arbeitete und gut vernetzt war, hatte sie keine Mühe, Klientinnen und Klienten zu finden. Die Institutionen, mit denen sie zusammenarbeitet, kannten sie ebenfalls schon lange. Corinne arbeitet heute 80 Prozent. Da sie ihre Klientinnen und Klienten auch am Abend empfängt, kommt sie nie vor neunzehn Uhr nach Hause. Es hat sich darum eingespielt, dass abends vor allem ihr Mann kocht. Corinne besorgt dafür am Freitagvormittag den wöchentlichen Gemüse- und Früchteeinkauf und erledigt am Nachmittag Hausarbeiten.
Dani arbeitet noch immer am Naturmuseum, wo er für technische Belange zuständig ist. Er hat einen kreativen Wirkungsbereich, in dem er sehr selbstständig arbeiten kann: technische Aufgaben, interaktive Projekte, Fotografie. Dani betrachtet es »als ein gewisses Privileg, diese Stelle und diese Möglichkeit zu haben. Es ist nicht selbstverständlich, dass man so eine spannende Stelle bekommt.« Seine Arbeit ist im Zeitverlauf allerdings komplexer und anforderungsreicher geworden. Deshalb ist er froh, mehr Zeit zur Verfügung zu haben als früher. Nach einigen Jahren hat er von 50 auf 60 Prozent aufgestockt; inzwischen ist sein Pensum ebenfalls auf 80 Prozent angewachsen. Dani ist jetzt Dienstag- und Mittwochmorgen zu Hause, erledigt Hausarbeiten und nutzt die Zeit für Schlagzeugproben.
Bedeutung der beruflichen Tätigkeit Dani ist mit seiner Arbeit grundsätzlich sehr zufrieden. Das Schöne an seinem Job sei, dass er als Einziger für seine Arbeit zuständig sei. Er fühlt sich am Arbeitsplatz als Teilzeitangestellter aber zu wenig ernst genommen, was er schon in früheren Gesprächen bemängelt hat. Man akzeptiere die Teilzeitarbeit von Frauen voll und ganz, jene von Männern nur bedingt. Dies hänge stark von der Einstellung des/der jeweiligen Vorgesetzten ab. Manche hätten Verständnis für die Bedürfnisse Teilzeit arbeitender Väter, andere leider nicht.
Dass Corinne und Dani ihre Pensen nach und nach aufgestockt haben, hatte auch mit dem Älterwerden der Kinder zu tun. Diese brauchten zunehmend weniger Betreuung, sodass ihnen die Eltern längere Abwesenheiten zumuten konnten. Mehr Arbeit bedeutete zudem mehr Lohn. Dieser war hochwillkommen, kosteten die Ausbildungen und die Hobbys der Kinder doch eine Stange Geld. Die Eltern standen jedoch voll hinter dieser Situation. Sie rieten ihren Kindern, einen Beruf (bzw. ein Studium) zu wählen, das ihnen wirklich Freude machte. Die bisherige Entwicklung zeigt, wie richtig das war.
Entwicklung der Kinder Die Kinder – Florian, Bigna und Laurin – sind alle erwachsen, haben eine Erstausbildung abgeschlossen und absolvieren nun ergänzende Studien. Sie stehen mit beiden Beinen im Leben und beteiligen sich neben dem Studium noch an kreativen Projekten. Die jungen Erwachsenen leben nicht mehr im Elternhaus, sondern mit Wohnpartnern, bei denen sie ihre Sozial- und Haushaltskompetenzen unter Beweis stellen können. Einer der Söhne hat von seiner Mutter den Brauch übernommen, für den Sonntagmorgen einen Zopf zu backen, was seine Mitbewohnenden sehr schätzen.
Florian (30) hat in Genf internationale Beziehungen studiert, den Bachelor gemacht und eine Journalistenausbildung absolviert. Nach einem Master in Volkswirtschaft und einem Studienaufenthalt in China arbeitet er nun als Assistent an der Uni Zürich und schreibt seine Doktorarbeit. Er lebt mit seiner Partnerin zusammen.
Bigna (28) hat sich zur Primarlehrerin ausbilden lassen und anschließend zwei Jahre in London in verschiedenen Schulen und Einrichtungen gearbeitet. Ab Herbst 2015 macht sie berufsbegleitend eine Textilfachausbildung in Zürich und plant zu zweit ein Textilatelier. Sie lebt als Jüngste in einer Genossenschaftswohngemeinschaft in Zürich.
Laurin (25) hat eine Lehre als Möbelschreiner gemacht und danach als Zivildienstleistender dreizehn Monate lang in einer Kita gearbeitet.[8] Anschließend hat er den Vorkurs für die Zürcher Hochschule der Künste absolviert und studiert nun Industriedesign. Auch er lebt in Zürich in einer Wohngemeinschaft.
Eltern-Kind-Beziehung Obwohl selbstständig, pflegen die Kinder einen herzlichen Kontakt zu ihren Eltern. Sie haben diese beispielsweise zum Besuch der Weltausstellung in Mailand eingeladen. Die ganze Familie hat dort ein Wochenende verbracht. Doch auch untereinander haben die Kinder viel Austausch und Unterstützung. Die Eltern freuen sich darüber, zumal das nicht selbstverständlich ist. Der Vater stellt eine große gegenseitige Vertrautheit fest und auch Dankbarkeit der Kinder in Zusammenhang mit den Ausbildungen. »Dass sie das machen können«, berichtet er, »betrachten sie nicht als selbstverständlich, auch wenn sie vergleichen mit Kindern, denen es – vom Elternhaus her – nicht so gut geht.«
Prägungen durch die Eltern Die Kinder haben – wie Corinne betont – auch praktische Fähigkeiten von ihren Eltern erlernt. »Diese Selbstverständlichkeit, wie sie sich in Wohngemeinschaften einbringen und sich organisieren und austauschen, da haben sie sicherlich vieles von uns und von der Art, wie sie aufgewachsen sind, mitbekommen.« Sie wurden in früheren Jahren regelmäßig und selbstverantwortlich zur Hausarbeit herangezogen. Es gab einen Aufgabenplan, mit dem ihre Mitarbeit eingefordert wurde. Wer mehrfach dagegen verstieß, musste einen Kuchen backen, woran letztlich alle ihre Freude hatten.
Bezüglich handwerklicher Fähigkeiten wurden die Kinder vor allem von Dani gefördert. Bigna hat von ihm gelernt, ein Velo zu reparieren. Und als Florian nach Genf zog, schickte er Dani eine Anfrage per SMS: »Papa, wie muss ich meine Lederjacke behandeln, damit sie schön bleibt?»
Zufriedenheit mit der partnerschaftlichen Rollenteilung Die Frage, ob sie die egalitäre Rollenteilung wieder wählen würden, auch in der heutigen Zeit, wird von Corinne und Dani mit einem überzeugten Ja beantwortet. Sie hatten sich bei der Familiengründung gewünscht, viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Darum starteten sie mit einem Halbe-Halbe-Modell, d. h. zwei 50-Prozent-Pensen, und teilten die Kinderbetreuung auf. Das stand im Gegensatz zu ihren Herkunftsfamilien, wo traditionelle Rollenvorstellungen dominierten. Corinne und Dani setzten ihren Plan, die Rollen zu teilen, konsequent um. Dank Kooperationen mit Freunden und Nachbarn (Kindertausch, Mittagstisch usw.) waren sie recht flexibel und hatten auch die Möglichkeit, eigene Beziehungen und Hobbys zu pflegen. Dani spielt ab und zu an Konzerten Schlagzeug und organisiert(e) in einem Kleintheater auch Jazzkonzerte. Corinne spielt Querflöte, singt in einem Chor mit, ist in verschiedenen Vereinen aktiv und engagiert(e) sich auch an diversen Quartieraktivitäten.
Kinderbetreuung Familienergänzende Kinderbetreuung war für Corinne und Dani früher keine Option, obwohl sie gut fanden, dass es sie gab. Im heutigen Umfeld würden sie sich allerdings überlegen, die Kinder zeitweise in eine Kita zu geben. Das Angebot habe sich – auch in den Schulen – so gut entwickelt, dass dies eine prüfenswerte Option wäre. Corinne begrüßt es, »dass es heute gute außerfamiliäre Betreuungen gibt. Aber es ist schade, wenn die Zeit dabei verloren geht, in der die Eltern mit den Kindern den Alltag leben können. Ich finde, dass die Entwicklung mehr in die Richtung gehen sollte, dass Eltern mehr Ferien und Freiräume haben, um Zeit mit Kindern zu gestalten.« Auch Dani äußert sich skeptisch gegenüber Paaren, die 80 und 100 Prozent arbeiten und die Kinder fast vollständig fremdbetreuen lassen. Diese kommen ihm jeweils wie »Anhängsel« vor.
Akzeptanz der Teilzeitväter Dani hat als junger Vater oft erlebt, dass er auf dem Spielplatz der einzige Mann unter vielen Frauen war – keine einfache Erfahrung. Corinne wurde von Kolleginnen und Nachbarinnen um ihren Mann beneidet. Im Familienkreis gab man ihr hingegen lange zu verstehen, eigentlich wäre doch sie für die Kinder verantwortlich. Doch die Zeit hat zu ihren Gunsten gearbeitet – heute ist ihr Modell auf privater Ebene weitgehend akzeptiert. Im gesellschaftlichen Bereich würden sich Corinne und Dani noch familienfreundlichere Strukturen wünschen. Dani findet, die Firmen sollten mehr Teilzeitstellen anbieten. Corinne denkt, »die Männer sollten mehr Unterstützung bekommen, damit sie als Väter wirklich zu Hause engagiert sein können. Heutzutage hat der Beruf wieder einen so hohen Stellenwert. Der Stress ist gestiegen, und es ist darum für viele schwierig.«
Ausblick und Rückblick Corinne und Dani haben mit partnerschaftlicher Rollenteilung gute Erfahrungen gemacht und das Modell immer wieder an wechselnde Bedürfnisse anpassen können. Bis zur Pensionierung darf es gerne so weitergehen. Dani hätte die Möglichkeit, mit 63 in Pension zu gehen, möchte aber lieber bis 65 weiterarbeiten. Er begründet es damit, dass er lange 50 Prozent gearbeitet und entsprechend wenig in die Pensionskasse einbezahlt habe. Zudem arbeite er auch gerne im Museum. Für Corinne, als Selbstständigerwerbende, stellt sich die Frage der Pensionierung noch nicht konkret – sie kann den Zeitpunkt ja selbst festlegen.
Die Bilanz bezüglich Partnerschaft und Rollenteilung fällt rundum positiv aus. Corinne stellt bei ihnen als Paar, aber auch als Familie eine große Zufriedenheit fest. »Wir haben uns für dieses Modell entschieden und alle damit gewonnen. Ich würde es wieder so machen, eindeutig.« Auch Dani teilt ihre Meinung. So stoße ich mit den beiden bei Spargeln, Schinken und Salat auf das Erreichte und ihre weitere Zukunft an. Sie haben Mutiges gewagt und, wie mir scheint, auf der ganzen Linie Erfolg gehabt.

