Kitabı oku: «Die chinesische Messaging-App WeChat als virtuelle Sprachinsel», sayfa 10
7.2 Kontakt mit WeChat und anderen Messengern
7.2.1. Bekanntheit von WeChat vor Einreise nach China
Zunächst wurde danach gefragt, ob der Messenger WeChat den InformantInnen vor Ankunft in China bekannt gewesen sei. Dies war für den überwiegenden Teil nicht der Fall, wie Grafik 6 zeigt:
Grafik 6:
Kannten Sie WeChat, bevor Sie nach China kamen?
Insofern mussten 172 der 208 Befragten (knapp 83 %) WeChat erst kennenlernen und sich die Benutzung der Applikation allmählich aneignen.
7.2.2. Erstkontakt mit WeChat
Die InformantInnen wurden im nächsten Schritt gefragt, wie sie letztlich auf WeChat aufmerksam (gemacht) wurden. Die Antworten verteilen sich wie folgt (Mehrfachnennungen waren möglich):
Grafik 7:
Wie wurden Sie auf WeChat aufmerksam?
In erster Linie machten Freunde bzw. Bekannte die Befragten auf die Existenz und womöglich den Nutzen von WeChat aufmerksam, dies geben insgesamt 176 der 208 Personen an (knapp 85 % der InformantInnen). Bei 81 Personen (knapp 39 %) wiesen teils KollegInnen auf WeChat hin. Internet (8) bzw. Presse/Radio/TV (6) waren in diesem Zusammenhang selten genutzte Quellen der InformantInnen. 13 Befragte gaben über die Freitexteingabe an, über andere Wege/Personen von der Existenz der Applikation erfahren zu haben:
Familie, Ehefrau (2x), Ehemann
WhatsApp hat fast keiner
Gruppenzwang, wie Facebook und WhatsApp
Chinesische Freunde
Von China Business Reisen
Meine Agentur hat es mir empfohlen, da ich als Au-Pair ansonsten keine Kommunikation mit den chinesischen Agenturen habe
China Seminar, „Integrationsseminar“, Arbeitgeber
Aus diesen genannten anderen Quellen, die sie zur Nutzung von WeChat brachten, können mit der Familie einerseits bzw. Seminaren andererseits noch zwei potenziell wesentliche und für noch mehr Expatriates relevante Orte der Information über die Applikation isoliert werden. Dass man sich innerhalb von Familien (so man denn mit Familie in China ist) gegenseitig informiert, liegt nahe. Bei Seminaren zur Vorbereitung auf einen (längeren) Aufenthalt in China steht zu erwarten, dass WeChat aufgrund seiner gesellschaftlichen Relevanz an prominenter Stelle eines jeden Seminars genannt werden müsste.
7.2.3. Nutzung anderer Messaging-Dienste
Selbst wenn WeChat eine exponierte Stellung unter den in China verwendeten Messaging-Diensten einnimmt, so sind die TeilnehmerInnen der hier ausgewerteten Erhebung in der Regel primär anders sozialisiert, was die Nutzung von Messengern anbetrifft. Dies wird bei der Beantwortung der Frage nach deren Nutzung deutlich, wie die nachfolgende Grafik 8 veranschaulicht:
Grafik 8:
Nutzen Sie noch andere Messaging-Dienste außer WeChat?
Der mit knapp 87 Prozent überwiegende Teil der Befragten (180 von 208) setzt auf eine Nutzung unterschiedlicher Messenger parallel zu WeChat. Dennoch ist der Anteil derjenigen InformantInnen, die ausschließlich mittels WeChat kommunizieren, mit 28 der 208 Befragten (gut 13 %) m.E. relativ hoch einzuschätzen; in Kap 7.1., Grafik 2 oben hatten 21 Befragte angegeben, Chinesisch auf L1-Niveau zu sprechen. Hier sind große Überschneidungen dieser beiden Gruppen wahrscheinlich. Weiter könnte eine Erklärung darin liegen, dass WhatsApp seit Herbst 2017 in China blockiert wird und ggf. Expatriates, die nach diesem Zeitpunkt in China angekommen sind, gerne alle ihre Kommunikation über eine einzige Applikation abwickeln möchten.
Zurück zur parallelen Verwendung verschiedener Messenger, die im Folgenden näher betrachtet wird. Hierzu sind die Angaben in der nachstehenden Grafik 9 festgehalten (Mehrfachnennungen waren möglich):
Grafik 9:
Welche anderen Messagingdienste nutzen Sie parallel zu WeChat?
Bei der Auswertung kann man die in der Expatriate-Sphäre wie der übrigen (westlichen) Welt exponierte Stellung von WhatsApp deutlich herauslesen. Insgesamt gaben 172 Befragte an (knapp 83 %), WhatsApp zu benutzen. Der Facebook Messenger wurde mit 62 NutzerInnen (ca. 29,8%) am zweithäufigsten genannt, gefolgt von anderen Messengern (siehe nächster Absatz) mit 26 Nennungen, Telegram mit 14 UserInnen sowie Viber mit sieben Nennungen. Bei den anderen genutzten Messengern außer den in der Erhebung vorgegebenen (Facebook Messenger, Telegram, Viber) wurden über die Freitexteingabe folgende Applikationen/Software/Medien ergänzend genannt:
Threema, QQ, Signal: je 4
iMessage: 3
Skype, LinkedIn, KaKaoTalk: je 2
Discord, Slack, Xing, Instagram, Line, Jabber, SMS: je 1
Hierbei zeigt sich keine der ein breites Spektrum abdeckenden genannten Anwendungen als von der Häufigkeit her signifikant.
7.3 Häufigkeit der WeChat-Nutzung
Im vorliegenden Abschnitt wurden die Befragten um ihre Einschätzung gebeten, wie häufig sie WeChat allgemein, beruflich und privat nutzen (7.1.1.-7.3.3.). In dieser Reihenfolge werden die Resultate nachfolgend betrachtet. Die zur Auswahl stehenden Antwortmöglichkeiten waren jeweils ,nie‘, ,selten‘, ,gelegentlich‘, ,häufig‘ sowie ,sehr häufig‘. Für die gesamte durchgeführte Untersuchung gilt, dass die InformantInnen selber einschätzen konnten, wie sie die jeweiligen Antwortalternativen verstehen. Nach konkreten Zahlenangaben oder -bereichen wurde mit Blick auf das Auswertungsverfahren, das ansonsten anders und im Vergleich aufwändiger gestaltet hätte werden müssen, nicht gefragt. Es wurde vielmehr auf relative Antwortalternativen gesetzt, um zu vermeiden, dass der ohnehin ausführlich angelegte Fragebogen nicht aufgrund zu vieler Zahlenangaben nicht komplett beantwortet wird. Außerdem wäre bei absoluten erfragten Zahlen eine höhere Streuung durch fehlerhafte Angaben wahrscheinlich; besser wäre in einem solchen Fall die Auswertung von gespendeten Chat- und Nutzungsdaten gewesen. Da aber solche bisher nicht in geeigneter Form vorliegen, wurde die Umfrage so wie hier vorgestellt durchgeführt.
7.3.1. Allgemeine Nutzung von WeChat
Zur allgemeinen Nutzungshäufigkeit von WeChat machen die in der Erhebung Befragten Angaben, die in die nachstehende Grafik münden:
Grafik 10:
Allgemeine Nutzungshäufigkeit von WeChat
Aus Grafik 10 lässt sich ableiten, dass von einer allgemein sehr häufigen Nutzung von WeChat durch die Befragten auszugehen ist. 125 von ihnen gaben an, die Applikation sehr häufig zu nutzen, 48 Befragte gaben eine häufige Verwendung an. Damit nutzen gut 83 % der Befragten die Applikation mindestens häufig. Für 173 Befragte ist WeChat somit Teil ihres Expat-Alltags in China, und eine frequente Verwendung für sie selbstverständlich. 24 Befragte (knapp 12 %) verwenden WeChat gelegentlich, nur acht Personen (knapp 4 %) verwenden die App selten, drei Befragte (knapp 1,5%) gaben an, nie auf WeChat zurückzugreifen.
7.3.2. Berufliche Nutzung von WeChat
Blickt man auf die berufliche Nutzung von WeChat durch die deutschsprachigen Expatriates in China, so ergibt sich folgendes Bild:
Grafik 11:
Berufliche Nutzungshäufigkeit von WeChat
83 Befragte von 208 (knapp 40 %) geben an, WeChat beruflich sehr häufig zu nutzen, 38 Personen (gut 18 %) benutzen die Applikation im Beruf häufig. 37 Befragte (knapp 18 %) nutzen WeChat gelegentlich beruflich, 24 (knapp 12 %) selten und 26 (12,5%) nie. Insgesamt geht hier die Tendenz zu einer sehr häufigen bzw. häufigen Nutzung, wobei signifikante Anteile der Befragten (jeweils mehr als zehn Prozent der 208 InformantInnen) mit ,gelegentlich‘, ,selten‘ oder ,nie‘ antworten. Dies mag damit zu tun haben, dass manche der Befragten (z. B. wegen Begleitung der EhepartnerInnen, oder weil sie noch zur Schule gehen, studieren oder sonstigen Tätigkeiten nachgehen) nicht berufstätig sind und deswegen mit ,nie‘ antworten. Über 20 Befragte (vgl. Grafik 5 oben, Kap. 7.1.) geben an, als Begleitung mit in China zu sein. Die hier erhobenen Zahlen sind dahingehend relevant, dass der Einsatz von WeChat in beruflichen Situationen für mehr als die Hälfte der Befragten eine digitale Routine darstellt.
7.3.3. Private Nutzung von WeChat
Zum Abschluss der Auswertung der Häufigkeit der WeChat-Nutzung kommt die private Dimension in den Blick. Die Frage nach privater Verwendung der Applikation wird wie folgt beantwortet:
Grafik 12:
Private Nutzungshäufigkeit von WeChat
Es zeigt sich hier, dass der weit überwiegende Teil der Expatriates angibt, WeChat sehr häufig (136 Nennungen; gut 65 %) oder häufig (45 Nennungen; knapp 22 %) privat zu nutzen. Insgesamt macht dies 181 der Befragten (87 %) aus. Eine gelegentliche private Nutzung geben 15 Befragte an, eine seltene private Nutzung neun Befragte. Drei Befragte geben an, WeChat nie privat zu benutzen. Dies dokumentiert die Relevanz von WeChat auch zur Gestaltung des privaten kommunikativen Alltags. An dieser Stelle hätten die deutschsprachigen Expatriates eigentlich die Wahl, auf andere Apps auszuweichen, anders als vielleicht im Berufsleben, in dem WeChat von den chinesischen KollegInnen benutzt und es von den deutschsprachigen MitarbeiterInnen erwartet wird, es auch anzuwenden (oder die Verwendung der App quasi vorgeschrieben ist). Sie bleiben aber trotzdem bei WeChat, obwohl zahlreiche Alternativen zur privaten Kommunikation zur Verfügung stehen. Die Applikation fassen wir – wie eingangs gesagt – als virtuelle Sprachinsel auf. Die hier vorliegenden Resultate zur privaten Nutzung stützen diese These. Sie legen nahe, dass WeChat der zentrale virtuelle Ort ist, wo sich die deutschsprachige Community in China trifft und austauscht. Die App funktioniert ohne technische Einschränkungen wie die sog. Golden Firewall, viele Features (vgl. unten) machen das Expat-Leben potenziell leichter. Alle Kontakte im Gastland China sind auch auf WeChat zu finden. Die Vorteile bei der privaten Nutzung überwiegen nach unseren Ergebnissen.
7.4. Zusammenfassung der Abschnitte 7.1.-7.3.
Zusammenfassend lässt sich für die bis hierhin ausgewerteten Umfragebereiche festhalten, dass die Applikation WeChat bei den befragten Expatriates vor ihrer Ankunft in China mehrheitlich unbekannt war. Vor allem Freunde und Bekannte bringen die Expats dann sukzessive in Kontakt mit der App, dies wird aber auch von KollegInnen besorgt. Von den parallel genutzten Messagingdiensten sind vor allem zwei signifikant häufig genannt, nämlich WhatsApp und der Facebook Messenger. Bei der Frage der allgemeinen Nutzung von WeChat wurde zumeist angegeben, dass die Applikation sehr häufig oder häufig benutzt wird. Beruflich hingegen ist die Nutzung vergleichsweise abgeschwächt; jeweils über zehn Prozent der Befragten gaben an, WeChat in diesem Kontext nie oder nur selten zu verwenden. Dennoch ist für gut die Hälfte der InformantInnen WeChat auch im Beruf eine alltäglich verwendete Applikation. Bei der privaten Nutzung zeigt sich eine zugunsten der häufigen/sehr häufigen Verwendung verschobene Verteilung: Insgesamt nutzen also gut 180 der 208 InformantInnen die Applikation mindestens häufig (knapp 87 %). Insofern ist die Applikation im Alltag der deutschsprachigen Expatriates in China sehr präsent, hauptsächlich privat, jedoch auch allgemein und vergleichsweise leicht nachrangig selbst beruflich.
7.5. Nutzung der Features von WeChat
Im vorliegenden Abschnitt wird anhand der Angaben der Befragten ausgewertet, welche der Features von WeChat wie häufig benutzt werden. Die in der Erhebung zur Verfügung gestellten wählbaren Antwortalternativen sind die selben wie in den vorherigen Abschnitten, d.h. ,nie‘, ,selten‘, ,gelegentlich‘, ,häufig‘ und ,sehr häufig‘ (vgl. auch die Bemerkungen zu Beginn von Kap. 7.3.). Die Reihenfolge der Auswertungen folgt derjenigen in der Online-Umfrage.
7.5.1. Chats
Zunächst wurde untersucht, wie häufig die Befragten das Chat-Feature innerhalb von WeChat verwenden. Dabei ergeben sich die folgenden Resultate:
Grafik 13:
Nutzung des Chat-Features von WeChat
Es zeigt sich, dass der Chat ein zentrales Feature innerhalb der Nutzung von WeChat durch die deutschsprachigen Expatriates ist. 135 von ihnen (knapp 65 %) geben an, Chats sehr häufig zu nutzen, häufig nutzen 53 Befragte (gut 25 %) das Chatfeature. Ca. 90 % der Befragten nutzen somit Chats mindestens häufig. Nur vergleichsweise wenige NutzerInnen benutzen Chats nur gelegentlich (11), selten (7) oder nie (2). Die Ergebnisse bestätigen die allgemeine Popularität von chatbasierten bzw. -fokussierten Messaging-Applikationen. WeChat bildet hier keine Ausnahme. Die Ähnlichkeit der hier ermittelten Ergebnisse mit der Grafik 12 (7.3.3.) zur privaten Nutzung von WeChat sind augenfällig (fast 90 % der NutzerInnen nutzen es häufig bis sehr häufig privat). Insofern lässt sich hier die interpretatorische Parallele von Chat-Nutzung gleich quasi privater Nutzung bzw. umgekehrt privater Nutzung von WeChat gleich Nutzung des Chat-Features sehen. Die private Nutzung wurde oben als mit zentraler Anwendungsbereich für die Verwendung der Applikation als virtuelle Sprachinsel genannt. Somit kommt den hier diskutierten Resultaten zur häufigen, parallel angelegten Verwendung des Chatfeatures besonderes Gewicht zu. Der Austausch mittels Chats ist für die deutschsprachigen Expatriates in ihrer Community zentral.
7.5.2. Gruppenchats
Analysiert man den Gebrauch von Gruppenchats innerhalb von WeChat durch die deutschsprachigen NutzerInnen, so stellt sich eine etwas andere Verteilung dar als für die Chats:
Grafik 14:
Nutzung des Gruppenchat-Features von WeChat
Es sind zumeist sehr häufige (86; knapp 42 % der Befragten) oder häufige (69; gut 33 %) Verwendungen von Gruppenchats genannt (155 Befragte oder knapp 75 %). Damit gibt es im Vergleich zu Chats deutlich weniger sehr häufige NutzerInnen dieses Features. Die Tendenz zur mindestens häufigen Nutzung von Gruppenchats ist insgesamt jedoch ähnlich ausgeprägt wie für die Chats. 30 Befragte (gut 14 %) geben an, Gruppenchats gelegentlich zu verwenden, während 14 Nennungen einer seltenen Verwendung vorliegen (knapp 7 %). Lediglich neun Befragte (entspricht gut 4 %) geben an, nie Gruppenchats innerhalb von WeChat zu nutzen. Insgesamt kann dennoch festgehalten werden, dass Gruppenchats unter den deutschsprachigen Expatriates zu den populären WeChat-Features gehören. Zwar werden sie gegenüber den Chats (vgl. vorhergehender Abschnitt) etwas weniger häufig verwendet, ihnen kommt jedoch mit Blick auf das Konzept der virtuellen Sprachinsel, als die wir WeChat hier verstehen, ebenfalls eine große Relevanz zu. Durch Gruppenchats finden soziale Gruppen zu den verschiedensten Themen, problemlos über die Applikation organisiert, kommunikativ zusammen. Niemand muss in der potenziell als fremdartig wahrgenommenen neuen Heimat China allein oder gar isoliert bleiben. Soziale Gruppen-Kontakte sind nur einen Klick entfernt. Gleichsam müssen diesen Gruppenchats nicht ausschließlich Personen aus der virtuellen Sprachinsel-Community angehören; somit entsteht Interaktion bzw. eine Öffnung in Richtung von Personen von außerhalb.
Interessant wären in diesem Zusammenhang auch quantitative Studien zur Verwendung von Gruppenchats v. a. in WhatsApp, um adäquat vergleichen zu können. Noch gibt es diese nicht, aber einschlägige Forschungen nähern sich solchen Fragestellungen bereits: König (2015) arbeitet u. a. zur Sequenzierung in der WhatsApp-Gruppenkommunikation, Hector (2017: 20) wirft in seinem Papier zu Sprachnachrichten auf WhatsApp relevante Fragen dazu auf.
7.5.3. Momente
7.5.3.1. Momente (verfassen)
Die Verwendung der Features zu den auf Deutsch so genannten ,Momenten‘ (ähnlich der Timeline bei Facebook) stehen nun im Fokus. Zunächst blicken wir hierbei auf das Feature des Postens innerhalb des Bereichs Momente (,verfassen‘). Dazu machen die Befragten die folgenden Angaben:
Grafik 15:
Nutzung des Momente (verfassen)-Features von WeChat
Aufgrund der Verteilung der Antworten betrachten wir hier die Häufigkeit nicht wie bisher absteigend, sondern analysieren aufsteigend. 67 Befragte (gut 32 %) geben an, das Momente (verfassen)-Feature nie zu nutzen. 55 von ihnen (gut 26 %) nutzen es selten, 57 gelegentlich (gut 27 %). Da alle Kontakte auf WeChat die eigenen Momente-Postings sehen können, zögert man vielleicht, auch eher oberflächlichen beruflichen Kontakten seine privaten Aktivitäten mitzuteilen (die Rezeption der ,Momente‘ Anderer ist aber potenziell interessant; vgl. folgender Abschnitt). Nur eine relativ kleine Gruppe von NutzerInnen gehört zu denjenigen, die ihre Aktivitäten über diesen Kanal aktiv kundtun: 16 Befragte (knapp 8 %) geben an, häufig Momente auf WeChat zu verfassen, 13 nennen eine sehr häufige Aktivität in diesem Bereich (gut 6 %). Insgesamt nutzen somit 29 Befragte (knapp 14 %) dieses Feature mindestens häufig. Hieraus lässt sich ableiten, dass nur wenige der befragten Expatriates die WeChat-Momente als geeignete Plattform für eine (ggf. hohe) Social-Media-Aktivität bzw. -Sichtbarkeit auffassen. Das Verfassen von ,Momenten‘ ist potenziell eine aktive Kommunikation mit allen Kontakten, mit denen man über WeChat vernetzt ist (tendenziell also die virtuelle Sprachinselcommunity ergänzt um berufliche Kontakte). Darüber hinausgehend (also mit Blick auf die Heimatländer bzw. eine globale unbeschränkte Sichtbarkeit) müssten eher andere Plattformen (Facebook etc.) genutzt werden.
Es spielt im Zusammenhang des ,Momente‘-Verfassens keine Rolle, ob die Kommunikation privat oder beruflich ist, da man innerhalb der Applikation nicht verschiedene RezipientInnengruppen selektieren kann, an die ausgewählte Postings jeweils versendet werden (ähnlich wie etwa bei Facebook). Entsprechend wurde hier auch nicht danach gefragt, in welchen/für welche Kontexte(n) die ,Momente‘ verfasst werden. Dieses Feature erlaubt leicht die Ausdehnung der kommunikativen Sphäre auch über die eigentliche virtuelle Sprachinsel hinaus, d.h. die Sphäre reicht zumeist auch in Bereiche chinesischer RezipientInnen hinein. Dies mag erklären, warum dieses Feature vergleichsweise weniger angenommen wird. Für geeignetes Zirkulieren community-relevanter Informationen reichen u.U. schon Chats und/oder Gruppenchats aus.
7.5.3.2. Momente (lesen)
Wir schreiten im Bereich der ,Momente‘ von der Produktion (Verfassen) zur Rezeption (Lesen) fort. Die Befragten unserer Erhebung machen zu ihrer Aktivität beim Lesen von ,Momenten‘, d.h. Postings Anderer, die folgenden Angaben:
Grafik 16:
Nutzung des Momente (lesen)-Features von WeChat
Die meisten Befragten (65 Personen, gut 31 %) geben an, gelegentlich die Momente anderer UserInnen zu lesen. Danach folgt eine häufige Rezeption (49 Nennungen; knapp 24 %), darauf die sehr häufige (37 Nennungen); damit lesen 78 Personen (über ein Drittel der Befragten) mindestens die Momente Anderer. Es schließt sich ein seltenes Momente-Lesen (34 Personen; gut 16 %) an. 23 Befragte (ca. 11 % der Befragten) geben an, sich nie die Momente-Postings anderer WeChat-NutzerInnen anzuschauen. Dass vergleichsweise wenige eigene Momente verfasst werden, heißt somit offenkundig nicht, dass die rezeptive Wahrnehmung der Momente-Aktivitäten der eigenen Kontakte die Befragten unserer Studie nicht interessieren. Aus der RezipientInnensicht betrachtet ist daher nach unseren Daten die ,Bühne‘ der Momente innerhalb der von uns so verstandenen virtuellen Sprachinsel WeChat an sich ein relevanter Ort, um digital wahrgenommen zu werden. Warum gehen die Zahlen aber tendenziell hin zu einem gelegentlichen Wahrnehmen dieser Kommunikate? Je mehr Kontakte man selbst auf WeChat hat, desto mehr unterschiedliche Momente rezipiert man potenziell. Die Grenzen verschwimmen zwischen öffentlicher und privater Kommunikation, bis hin zu privaten Postings der chinesischen KollegInnen (diese Inhalte sind möglicherweise außerhalb der beruflichen Sphäre völlig uninteressant), oder Bildern von Mahlzeiten, deren Foodporn-Charakter keinen sonstigen Informationsgehalt aufweist. Dies könnte einerseits zu viel Zeit kosten, andererseits ist es potenziell auch mühsam, alle Inhalte wahrzunehmen, v. a. wenn sie mehrheitlich auf Chinesisch verfasst sind (trotz der Option der Übersetzungsfunktion; vgl. Kap. 7.9.). Die hier ermittelten Zahlen scheinen nahe zu legen, dass andere Kanäle (wohl v. a. Facebook) genutzt werden, um über die Social-Media-Aktivitäten der eigenen Kontakte auf dem Laufenden zu bleiben. Durch die potenziell häufige Konfrontation mit chinesischsprachigen Inhalten kann im Zusammenhang mit dem Konzept der virtuellen Sprachinsel WeChat festgehalten werden, dass die rezeptive Wahrnehmung der ,Momente‘ ein eher nachrangiges Feature für die deutschsprachige Expatriate-Community darstellt.
