Kitabı oku: «Die chinesische Messaging-App WeChat als virtuelle Sprachinsel», sayfa 11
7.5.3.3. Momente (liken/kommentieren)
Neben dem Lesen der WeChat-Momente anderer UserInnen gibt es innerhalb dieses Bereichs analog wie bei vergleichbaren Messaging-Applikationen die Möglichkeit, Postings zu liken bzw. zu kommentieren. Hier wurde innerhalb unserer Erhebung nach dem Nutzerverhalten gefragt. Die Resultate sind wie folgt dargestellt:
Grafik 17:
Aktivität durch Liken und Kommentieren von Momenten in WeChat
Liken bzw. Kommentieren sind Aktivitäten, die eine kommunikative Rückkopplung bieten. Es wird auf einzelne Kommunikate reagiert. Insofern liegt an dieser Stelle eine aktive Kommunikation mit bestimmten Kontakten vor, die in der Sphäre der Momente für gemeinsame Kontakte der KommunikantInnen sichtbar ist. 51 UserInnen (knapp 25 %) liken oder kommentieren die Momente anderer Personen in WeChat nie. Eine etwas größere Gruppe, nämlich 57 Befragte (gut 27 %), tut dies nach eigenen Angaben nur selten. 54 Befragte (knapp 26 %) liken oder kommentieren WeChat-Momente gelegentlich. Auch hier gibt es eine aktive Gruppe von UserInnen (zusammen machen sie mit 46 Personen nicht ganz ein Viertel der Befragten aus): 32 Befragte geben an, häufig zu liken oder zu kommentieren, 14 Befragte tun dies sogar sehr häufig. Hier ergibt sich ein relevanter Vergleich zum Lesen (vgl. vorhergehender Abschnitt, 7.5.3.2.): Während über ein Drittel der UserInnen häufig bis sehr häufig die ,Momente‘ Anderer liest, kommentieren gut 20 % der Befragten diese Momente aktiv. Der Unterschied hierbei liegt darin, dass ein gut 50 Prozent der InformantInnen sich nie oder höchstens selten durch Liken oder Kommentieren beteiligen, während in Relation häufiger die Momente Anderer gelesen werden. Es kann angenommen werden, dass an dieser Stelle die Möglichkeit gesehen wird, sich im Rahmen des Netzwerkes der eigenen Kontakte innerhalb der virtuellen Sprachinsel-Community besonders sichtbar zu machen. Es könnte hierbei eine Rolle spielen, dass diejenigen, die WeChat nur im beruflichen Kontext nutzen, sich auf Postings Informationen über oder Werbung für ihre Firmen beschränken und ansonsten in Hinsicht auf das Liken oder Kommentieren bewusst passiv bleiben.
7.5.3.4. Zusammenfassung: Momente
Blickt man zusammenfassend auf produktive und rezeptive Momente-Aktivität der deutschsprachigen Expatriates in China, die WeChat nutzen, so lässt sich folgendes festhalten: Generell sind die Momente-Features weit weniger populär als die zuvor untersuchten Chats und Gruppenchats. Im Schnitt geben knapp 50 UserInnen (knapp 25 % der Befragten) an, in diesem Featurebereich der WeChat-Applikation niemals aktiv zu sein. Es kann eine ausgeprägtere Aktivität im Bereich der Rezeption (v. a. Lesen, weniger beim Liken/Kommentieren) festgestellt werden als im Bereich des Verfassens von Momenten. Dies könnte daran liegen, dass das Bedürfnis des Sich-Mitteilens in den sozialen Medien den aus Europa oder anderen Teilen der Welt mitgebrachten kommunikativen Gewohnheiten folgend bereits über andere Applikationen und Kanäle gestillt wird. Andererseits könnten sich diejenigen Expatriates, die sich gegen eine aktive Produktion von Momenten entscheiden, angesichts ihrer vielleicht heterogen zusammengesetzten potenziellen RezipientInnen (Kontakte aus China vs. dem deutschsprachigen Umfeld; Arbeit vs. private Kontakte) eher abgehalten als ermutigt fühlen, ihre Aktivitäten zu teilen. So könnte sich eine Lehrende an einer Hochschule, deren mit ihr vernetzte Studierende ihre Postings in den ,Momenten‘ sehen könnten, angesichts der Tatsache, dass die Studierenden sonst womöglich zu viele private Informationen erhalten könnten, eher restriktiv beim Teilen verhalten (vgl. auch Kap 5., in dem die Funktionalitäten von WeChat besprochen werden). Manager könnten durch eine digitale Selbstdisziplin, in der (womöglich teure/luxuriöse) private Aktivitäten nicht gepostet werden, dem Anstoßen bzw. Schüren von neidbedingten Konflikten mit MitarbeiterInnen aus dem Weg gehen. Eine im Vergleich kleine Gruppe lässt sich aber auch durch die o.g. Überlegungen nicht abhalten, in einem Medium wie WeChat ihre relevanten Communitys mittels Postings auf dem Laufenden zu halten. Im Bereich der ,Momente‘ ist die virtuelle Sprachinsel WeChat tendenziell offener als bei anderen Features.
7.5.4. Sprachnachrichten
Der nächste untersuchte Bereich innerhalb der Nutzungserhebung zu WeChat im Gebrauch durch deutschsprachige Expatriates in China betrifft die Verwendung von Sprachnachrichten. Hierzu wurden die folgenden Resultate bezogen auf die Häufigkeit der Verwendung ermittelt:
Grafik 18:
Nutzung des Sprachnachrichten-Features von WeChat
Wie sich aus Grafik 18 herauslesen lässt, haben die Befragten am häufigsten angegeben, Sprachnachrichten per WeChat gelegentlich zu verschicken. Insgesamt geben dies 63 NutzerInnen an (ca. 30 %). Danach schließt sich mit den zweitmeisten Nennungen (43; gut 20 %) eine seltene Verwendung von Sprachnachrichten an. Insgesamt 73 UserInnen (ca. 35 % der InformantInnen) geben an, Sprachnachrichten häufig (38) oder sehr häufig (35) in WeChat zu nutzen – damit sind dies nur ca. ein Drittel verglichen mit Chats (Kap. 7.5.1. oben) –, während 29 Befragte (ca. 14 %) nach eigenen Angaben nie von diesem Feature Gebrauch machen. Auch wenn der Gebrauch von Sprachnachrichten im Vergleich zu z. B. Chats (über 90 % der Befragten nutzen sie mindestens häufig) somit deutlich weniger frequent ist, so kann doch festgehalten werden, dass die unter ChinesInnen sehr populären Sprachnachrichten auch in der deutschsprachigen Community Chinas akzeptiert und genutzt werden. Das Medium Sprachnachricht (zur Telefonie vgl. Kap. 7.5.6. unten) unterstützt potenziell natürlich auch die Verbundenheit der Expatriates untereinander durch das mögliche Verwenden der ihnen gemeinsamen deutschen Sprache (vgl. zur Sprache der Sprachnachrichten Kap. 7.6.3. unten) im Kontext der virtuellen Sprachinsel WeChat.
7.5.5. Fotos/Selfies/Videos
Die Fotografie- und Videofeatures in WeChat werden hier gemeinsam betrachtet. Für Selfies gibt es keine separate Funktion, die sich gesondert aufrufen lässt. Wegen der besonderen Popularität von Selfies – speziell in China, aber auch im Rest der Welt – wurden die Aktivitäten, Selfies zu machen bzw. zu versenden, mit aufgenommen.
7.5.5.1. Fotos machen
Zunächst wird die Fotografierfunktion innerhalb von WeChat im Gebrauch durch deutschsprachige Expatriates in China analysiert. Die Befragten geben wie folgt an, diese zu benutzen:
Grafik 19:
Nutzung des Fotos (machen)-Features von WeChat
Das Fotografieren innerhalb von WeChat ist insofern besonders, als dass hier eine sonst ohnehin im genutzten Smartphone vorhandene Funktion quasi ,gedoppelt‘ vorhanden ist. Mittels der Fotografie unmittelbar innerhalb der Applikation lassen sich Fotografien (noch) schneller in Chats oder Momente einbinden, als das über das Aufrufen über das im Telefon vorhandene Fotoalbum möglich wäre. WhatsApp besitzt ein analoges Feature. Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse aus der obigen Grafik 19 einzuordnen. 59 Befragte (gut 28 %) geben an, das Fotofeature innerhalb von WeChat nie zu benutzen, 54 (ca. 26 %) nennen eine seltene Nutzung. Gelegentlich wird die Fotografie in WeChat von 47 Befragten genutzt (ca. 22,5%), 28 Personen nutzen sie häufig, 20 sehr häufig. Die Gruppe der häufigen bzw. sehr häufigen NutzerInnen (48 Personen; ca. 23 %) ist im Vergleich somit z. B. deutlich größer als etwa beim Verfassen von ,Momenten‘ (vgl. 7.5.3.1. oben, Grafik 15; 29 Personen unter den Befragten verfassen häufig oder sehr häufig ,Momente‘ auf WeChat). Dies hat ggf. mit der fehlenden Privatsphäre der für die eigenen Kontakte öffentlichen Momente zu tun, an die die Fotos (unmittelbar) versendet werden.
Das Fotografieren ist in beruflichen (Gruppenfotos), gesellschaftlichen und privaten Kontexten in China wie in anderen asiatischen Ländern praktisch omnipräsent. Treffen mit wichtigen Personen und Urlaube an exotischen Orten, die man dokumentieren kann, gelten oft als Statussymbole.1 Nicht nur Personen können bzw. müssen fotografiert werden, sondern auch Gegenstände und im beruflichen Kontext Dokumente. Bei Letzteren kann es um chinesische Texte gehen, die man entweder von einer anderen Applikation automatisch übersetzen lässt oder einem Kontakt mit entsprechenden Sprachkenntnissen zuschickt, um eine Zusammenfassung/Einschätzung zum Inhalt zu erhalten. Es ist anzunehmen, dass die Fotografie-Aktivitäten über WeChat hinaus auch bei den befragten Expatriates ausgeprägter sein dürften, als die Auswertung, die sich nur auf WeChat selbst bezieht, anzeigt. Es kann angenommen werden, dass ein häufiges Fotografieren von Expatriates (auf WeChat oder z. B. einfach mit der Kamera), wenn es nicht eine explizite Nachahmung chinesischer Gewohnheiten darstellen sollte, doch zumindest aus chinesischer RezipientInnenperspektive als eine solche gelesen bzw. verstanden werden könnte. Dies gilt auch für die nachfolgend analysierte Praktik des Selfie-Machens.
7.5.5.2. Selfies machen
Grafik 20:
Selfies aufnehmen mit WeChat
Es wurde bereits oben erwähnt, dass WeChat kein gesondertes Feature zum Machen von Selfies (inkl. Bearbeiten etc.) enthält. Dennoch wurden die Selfie-Aktivitäten der befragten deutschsprachigen Expatriates mit WeChat hier untersucht, da es mindestens in den großen Städten wie Shanghai, Beijing etc. ständig zum Straßenbild gehört, dass Menschen ganz verschiedenen Alters sich in Selfie-Pose, einzeln oder in Gruppen, fotografieren. Insofern scheint es berechtigt, zu überprüfen, inwiefern diese immer noch recht neue, aber auch schon erforschte Kulturtechnik (v. a. Reichert 2020), bei der befragten Gruppe Deutschsprachiger vielleicht auch sukzessive Akzeptanz findet. Die Erhebung ergab die folgenden Resultate: 114 Befragte (somit knapp 55 %) geben an, nie innerhalb von WeChat Selfies zu machen, 56 Befragte (knapp 27 %) tun dies nach eigenen Angaben selten. 24 Befragte machen gelegentlich WeChat-Selfies, acht Befragte tun dies häufig, sechs sehr häufig. Mit 16 Personen (knapp 8 % der InformantInnen) ist die Gruppe der heavy users dieser Praktik vergleichsweise klein (vgl. das Verfassen der ,Momente‘, 7.5.3.1., oder das gewöhnliche Fotografieren; vorhergehender Abschnitt). Angesichts der potenziellen Neu- bzw. Fremdheit, die mit WeChat einerseits und dem häufigen Selfie-Machen in Asien andererseits verbunden ist, kann festgehalten werden, dass trotz der Tatsache, dass über 50 Prozent der Befragten nie solche Selfies innerhalb der Applikation (vielleicht aber darüber hinaus?) machen, knapp die Hälfte doch auf diese Möglichkeit am ehesten selten bis potenziell häufig/sehr häufig zurückgreift.
7.5.5.3. Fotos senden
Im vorliegenden Abschnitt wird die Praxis des Versendens von Fotos (Selfies: siehe 7.5.5.4., folgender Abschnitt) innerhalb von WeChat analysiert. Dabei ist es unerheblich, ob diese Fotos innerhalb der Applikation gemacht bzw. empfangen worden sind oder aus anderen Quellen stammen. Die Befragten geben innerhalb der Erhebung zu dieser Frage Folgendes an:
Grafik 21:
Nutzung des Fotos (senden)-Features von WeChat
Beim Versenden von Fotos innerhalb von WeChat zeigt sich, dass die deutschsprachigen Expatriate-UserInnen hier weit aktiver sind als beim Anfertigen von Fotos innerhalb der Applikation. Dies mag daran liegen, dass WeChat der meistgenutzte Kommunikationskanal innerhalb der chinesischen Expatsphäre ist. Zumeist geben die Befragten an, Fotos per WeChat häufig zu versenden; insgesamt äußern sich 80 Personen (gut 38 % der Expatriates) so. Danach folgt die Angabe, gelegentlich Fotos zu versenden, und zwar von 54 UserInnen. Mit ,sehr häufig‘ antworteten 47 Befragte; dies entspricht hier einem Anteil von knapp 23 Prozent der UmfrageteilnehmerInnen. 19 InformantInnen versenden selten Fotos mit Hilfe von WeChat, acht Personen tun dies nie. Aufgrund der oben (Kap. 7.5.5.1.) diskutierten Resultate lässt sich vermuten, dass Fotos mittels WeChat zumeist eher weitergeleitet werden. Ca. 60 % der UserInnen versenden Fotos häufig bis sehr häufig; dies ist im Vergleich zur Verwendung etwa von Sprachnachrichten (ca. 35 %, vgl. Kap. 7.5.4.) ein weit größerer Prozentsatz, im Vergleich zu den von ca. 90 % der Befragten genutzten Chats jedoch deutlich weniger. Geht man davon aus, dass ca. 60 % der InformantInnen WeChat im beruflichen Kontext nutzen, so wäre aufgrund der hier ermittelten Resultate die mediale Präferenz (von häufig nach weniger häufig): Chat → Foto → Sprachnachricht.
7.5.5.4. Selfies senden
Das Versenden von Selfies mittels WeChat wird hier gesondert betrachtet. Die aus der Erhebung ermittelten Resultate sind in der nachstehenden Grafik zusammengefasst:
Grafik 22:
Selfies senden mit WeChat
Die in Grafik 22 dargestellte Verteilung ähnelt derjenigen in Grafik 20 oben (Kap. 7.5.5.2.) zum Anfertigen von Selfies. Dort hatten 114 Befragte (ca. 55 %) angegeben, nie Selfies aufzunehmen. Hier geben 90 Befragte an, mit WeChat nie Selfies zu versenden (gut 43 %). 66 Personen (knapp 32 %) tun dies selten, 30 UserInnen (gut 14 %) gelegentlich. Häufige VersenderInnen von WeChat-Selfies sind nach eigenen Angaben 15 Befragte, sieben Personen schätzen sich als sehr häufige Selfie-VersenderInnen ein. Somit können 22 Befragte (ca. 11 %) zu den besonders aktiven VersenderInnen von Selfies gezählt werden. Insgesamt lässt sich in Grafik 22 eine verteilungsmäßige Parallele zum Verfassen der ,Momente‘ (vgl. 7.5.3.1. oben, Grafik 15) sehen, jedoch mit dem Unterschied, dass im Vergleich viel mehr Befragte gelegentlich Momente verfassen als Selfies senden (57 Expatriates verfassen ,Momente‘ gelegentlich; es gibt 30 Personen, die gelegentlich Selfies versenden). Die Gruppen der beide genannten Features häufig bzw. sehr häufig Verwendenden sind vergleichbar klein (bei den ,Momenten‘ sind es 29 Personen, bei den versendeten Selfies 22; vgl. 7.5.3.1. oben).
7.5.5.5. Videos machen
Das nächste untersuchte Feature betrifft innerhalb der WeChat-App gemachte Videos (diese können innerhalb der Momente gepostet oder in Chats versendet werden; vgl. auch 7.5.5.6 unten). Zum Anfertigen solcher Videos mit dem entsprechenden App-Feature machen die Befragten unserer Erhebung die folgenden Angaben:
Grafik 23:
Nutzung des Videos machen-Features von WeChat
87 Befragte nutzen das Videofeature in WeChat nie, um eigene Clips anzufertigen (dies entspricht knapp 42 %). 70 Personen (gut 33 %) nutzen es nach eigenen Angaben selten, während 36 UserInnen (gut 17 %) angeben, diese Funktion gelegentlich anzuwenden. Elf Befragte (gut 5 %) nutzen die Videofunktion häufig, während vier InformantInnen (knapp 2 %) diese sehr häufig verwenden. Damit nutzen nur 15 UserInnen (gut 7 % der Befragten) diese Funktion mindestens häufig; beim Aufnehmen von Fotos lag die vergleichbare Angabe bei 23 %, d.h. drei Mal so hoch. Die Verteilung ähnelt von ihrer Struktur her sehr derjenigen zum Versenden von Selfies (7.5.5.4., Grafik 22 oben).
7.5.5.6. Videos senden
Auf die Frage danach, wie häufig sie Videos innerhalb von WeChat versenden, antworten die Befragten in der Erhebung wie nachfolgend dargestellt:
Grafik 24:
Videos senden mit WeChat
Die meisten TeilnehmerInnen versenden laut eigener Angaben selten (69 Nennungen) bis gelegentlich (55) Videos innerhalb der WeChat-Applikation. Diese Gruppe umfasst 124 Personen (ca. 60 % der UmfrageteilnehmerInnen). 21 Befragte geben an, häufig Videoclips zu versenden. Zehn Personen versenden innerhalb von WeChat sehr häufig Videos. Insgesamt 31 Befragte (knapp 15 %) benutzen somit das Videos senden-Feature mindestens häufig. Damit ist es u. a. populärer als das Versenden von Selfies, wenn auch die Werte in der häufigen/sehr häufigen Nutzung nicht sehr weit auseinandergehen (22 Befragte; vgl. Kap. 7.5.5.4. oben). Dies mag mit einer potenziell hohen Aktivität bei der Weiterleitung von selbst erhaltenen Videoclips und einer technisch leichten Ein-Klick-Weiterleitung innerhalb der WeChat-Applikation zu tun haben. Bei dem Vergleich mit dem Versenden von Fotos fällt auf, dass dieses gegenüber dem Versenden von Videos deutlich öfter mindestens häufig (von ca. 60 % der Befragten) genutzt wird.
7.5.5.7. Zusammenfassung Fotos/Selfies/Videos
Die Auswertungen im Bereich Fotos/Selfies/Videos innerhalb der Nutzererhebung zum Gebrauch von WeChat durch deutschsprachige Expatriates in China können folgendermaßen zusammengefasst werden: Das Machen von Fotos und Selfies ist unterschiedlich ausgeprägt. Eine jeweils recht große Gruppe der Befragten nutzt diese Möglichkeiten nie (59 Personen (28 %) bei den Fotos, 114 (55 %) bei den Selfies; hier gehen die Zahlen bereits deutlich auseinander), zumeist sind seltene bzw. gelegentliche Foto-/Selfieaufnahmen die Regel. In der Spitze gibt es jeweils eine Anzahl heavy users, die WeChat in diesem Bereich extensiv benutzen: Fotos werden von ca. 25 % der Befragten häufig bis sehr häufig mit WeChat gemacht, während knapp 8 % die Applikation zum Aufnehmen von Selfies nutzen. Beim Versenden von Fotos ändert sich die Perspektive: Hier wird WeChat tendenziell häufig bis sehr häufig genutzt, und nur sehr wenige NutzerInnen geben an, dieses Feature selten oder nie anzuwenden. Beim Versenden von Selfies bietet sich ein vergleichbares Bild wie beim Aufnehmen von Fotos oder Selfies innerhalb der WeChat-Applikation: Die Tendenz geht dazu, am ehesten selten bis gelegentlich Bilder von sich selbst zu verschicken; ein großer Teil der Befragten tut dies (zumindest über WeChat) nach eigenen Angaben gar nicht. Parallel zu der Auswertung des Verwendens von Selfies kann diejenige zur Häufigkeit der Aufnahme von Videos in WeChat gesehen werden; hierbei gibt es unter den Befragten eine große Gruppe, die gar keine Videos macht, während dieses Feature meist selten bis gelegentlich zur Anwendung kommt. Im Bereich der versendeten Videos ist die Gruppe derjenigen Befragten, die das Feature nie benutzen, im Vergleich zu den ,nie‘-Antworten bei Fotos bzw. Selfies kleiner, jedoch ist ebenfalls die Tendenz, selten bzw. gelegentlich Videos zu verschicken. In allen untersuchten und hier zusammengefassten Bereichen gibt es eine Anzahl von sehr aktiven UserInnen, die potenziell die Speerspitze der Social Media-Aktiven unter den in China ansässigen deutschsprachigen Expatriates ausmachen dürften – über WeChat ganz sicher, potenziell aber auch über weitere soziale Plattformen (hierzu kann die vorliegende Studie jedoch keine gesicherten empirischen Aussagen treffen). Potenzielle weitere Studien müssten Daten zu den versendeten Inhalten erheben, die mittels WeChat über Foto- und Videofunktionen zirkuliert werden (bei Selfies wissen wir, dass die Expatriates sich jeweils selbst in Szene setzen). Damit könnte die Relevanz der Kommunikate für die/innerhalb der virtuelle/n Sprachinsel besser eingeschätzt werden (z. B. Sind die verschickten Videos deutschsprachig?).
7.5.6. Telefonie
Innerhalb von WeChat existiert ein Telefonie-Feature, das analog wie bei WhatsApp kostenlose Gespräche von TeilnehmerIn zu TeilnehmerIn ermöglicht. Die in der Erhebung Befragten geben wie nachstehend grafisch dargestellt an, diese Funktion zu nutzen:
Grafik 25:
Nutzung des Telefonie-Features von WeChat
Die Ergebnisse zeigen, dass insgesamt nur acht der 208 InformantInnen (unter 4 %) nie auf dieses Feature zurückgreifen. 29 Befragte (knapp 14 %) geben an, selten WeChats Telefoniefunktion zu nutzen, während 57 Personen (gut 27 %) dies gelegentlich tun. Häufige NutzerInnen von Telefonie in WeChat sind nach eigenen Angaben 72 deutschsprachige Expatriates (knapp 35 %), 42 zählen sich zu den sehr häufigen VerwenderInnen (ca. 20 %) dieser Funktion. Die Telefonie wird somit weit häufiger genutzt als Sprachnachrichten (ca. 30 % NutzerInnen mit mindestens häufiger Nutzung) und trägt in Relation zu dem Konzept der virtuellen Sprachinsel nach unseren Resultaten mehr bei, wenn wir davon ausgehen, dass vorwiegend auf Deutsch telefoniert wird. Gegenüber den Chats (mindestens häufig von ca. 90 % der Befragten benutzt) fällt die Telefonie wie die anderen untersuchten Features zurück.
Das in China trotz gedrosselter Internetgeschwindigkeiten häufig an öffentlichen Orten vorhandene kostenfreie und meist taugliche WLAN trägt vermutlich zu einer frequenten Verwendung des Telefonie-Features bei. Dennoch kann die Annahme einer Dominanz der Telefonierfunktion von WeChat wie bei Kuang (2018 [2014]) aber nach unseren Analysen nicht bestätigt werden. Im Vergleich zu Chats (Kap. 7.5.1.) und anderen Features (z. B. Gruppenchats, Kap. 7.5.2.) ist in der Gruppe der befragten deutschsprachigen Expatriates die Telefonie über WeChat relativ gesehen mäßig populär.
