Kitabı oku: «Die chinesische Messaging-App WeChat als virtuelle Sprachinsel», sayfa 12
7.5.7. Videotelefonie
Parallel zur Telefonie liegt auch ein Videotelefonie-Feature in WeChat vor, ebenfalls analog zu WhatsApp. Zur Nutzung von Videotelefonaten innerhalb der WeChat-Applikation äußern sich die Befragten in der Erhebung folgendermaßen:
Grafik 26:
Nutzung des Videotelefonie-Features von WeChat
Im Grunde ergibt sich für die Videotelefonie – dies kann man aus Grafik 26 im Vergleich mit der vorherigen Grafik 25 (Kap. 7.5.6.) leicht herauslesen – eine ähnliche relative Nutzungshäufigkeit wie bei der Audiotelefoniefunktion. Der deutliche Unterschied liegt hierbei einzig in denjenigen UserInnen, die angeben, niemals Videotelefonate innerhalb von WeChat zu führen; für unsere Erhebung sind dies 29 der 208 Befragten (knapp 14 Prozent, vs. knapp vier Prozent bei der Voice-Telefonie; vgl. vorhergehender Abschnitt). 40 Personen (gut 19 %) geben eine seltene Verwendung der Videotelefonie an, gelegentliche NutzerInnen gibt es insgesamt 60 (knapp 29 %). 53 Expatriates (gut 25 %) nutzen Videotelefonate häufig, und 26 Befragte (12,5%) gehören zur Gruppe der sehr häufigen VerwenderInnen dieses WeChat-Features. Somit nutzen 79 Befragte (knapp 38 %) die Videotelefonie mindestens häufig, und die Gruppe der heavy users ist relativ gesehen viel größer als bei den meisten anderen progressiveren Features von WeChat. Im Vergleich zu den ,traditionellen‘ Voice-Telefonaten ist die Nutzung aber deutlich geringer, wenn man die absoluten wie relativen Zahlen betrachtet (vgl. Grafik 25 oben). Eine weitere Ähnlichkeit ergibt sich zu den für die Nutzung von Sprachnachrichten erhobenen Zahlen (Kap. 7.5.4., Grafik 18), die sehr ähnlich ausfallen. Um die Relevanz der Videotelefonie im virtuellen Sprachinsel-Kontext in zukünftigen Studien geeignet einschätzen zu können, müsste wie bei allen Telefonievarianten nach den präferierten Sprachen gefragt werden, in denen die Telefonate geführt werden.
7.5.8. Standortfunktionen
WeChat bietet eine Funktion zur Standortsendung. Diese ist untergliedert in das Senden eines Standorts in Form einer digitalen ,Momentaufnahme‘ sowie das konstante Senden des sog. ,Echtzeit-Standorts‘, wenn man sich fortbewegt. Dieses Feature, das WeChat nach meiner Erfahrung als User bereits mindestens seit 2014 hat, gibt es seit Herbst 2017 auch innerhalb von WhatsApp1. Innerhalb der Fragen nach der Nutzung der verschiedenen Features von WeChat in der Erhebung unter den deutschsprachigen Expatriates wurde daher entsprechend erst allgemein nach der Verwendung der Funktion ,Standort senden‘ gefragt und danach der ,Echtzeit-Standort‘ gesondert in den Blick genommen.
7.5.8.1. Standort senden
In unserem Kontext antworten die Befragten zur Verwendung der Funktion ,Standort senden‘ wie nachfolgend grafisch dargestellt:
Grafik 27:
Nutzung des Standort-Features von WeChat
55 Befragte (gut 26 %) geben an, nie auf die WeChat-Funktion ,Standort senden‘ zurückzugreifen. Selten nutzen diese Funktion insgesamt 50 Personen. Die gelegentliche Verwendung dominiert bei insgesamt 64 UserInnen (gut 30 %); dies ist in diesem Kontext die größte Gruppe. Eine häufige Verwendung von ,Standort senden‘ geben 26 Expatriates an, 13 Befragte verwenden dieses WeChat-Feature sehr häufig. Insgesamt ergibt sich im Abgleich mit den anderen analysierten Features, dass es sich bei dem Standort-Feature um ein unter den Befragten eher selten genutztes handelt, auch wenn die Gruppe der mindestens häufigen AnwenderInnen mit 39 der 208 Befragten (knapp 19 %) relativ zu den meisten bisher analysierten Features gesehen groß ist. In diesem Kontext sei auf eine nicht empirisch nachvollziehbare Dunkelziffer der Nutzung der Standortfunktion verwiesen, nämlich dürfte WeChat ein GPS-Tracking bei der Nutzung diverser der in Kapitel 5. oben erwähnten Micro-Apps anwenden, speziell bei z. B. dem Bestellen von Taxis oder Kurierdiensten, damit man geortet und physisch angetroffen werden kann. Implizit können solche Applikationen als durch WeChat bedient angesehen werden, und eine aktive Verwendung der Standortfunktion durch die Befragten ist in diesen Kontexten womöglich nicht aktiv mit bedacht, wobei diese Funktion aber im Hintergrund zur Anwendung kommt.
7.5.8.2. Echtzeit-Standort
Nun blicken wir auf die Verwendung der Funktion zum Senden des Echtzeit-Standortes mittels WeChat. Dazu machen die befragten in China ansässigen deutschsprachigen Expatriates die folgenden Angaben:
Grafik 28:
Nutzung des Echtzeit-Standort-Features von WeChat
Mit 68 Personen, die nie das Echtzeit-Standort-Feature von WeChat nutzen, hält sich die größte Gruppe der Befragten (knapp 33 %) von dieser Funktion fern. 66 NutzerInnen greifen selten darauf zurück (knapp 32 %). Die gelegentliche Verwendung geben 44 UserInnen an, hier besteht also ein Unterschied zur Funktion ,Standort senden‘ (vgl. vorhergehender Abschnitt oben), bei der die gelegentliche Verwendung durch die WeChat-NutzerInnen den größten Anteil ausmachte. 21 Personen (gut 10 %) geben eine häufige Verwendung dieser Funktion an, neun Befragte (gut 4 %) nutzen den Echtzeit-Standort in WeChat sehr häufig. Mit Blick auf die Verwendung der verschiedenen Features von WeChat durch die deutschsprachigen Expatriates kann festgestellt werden, dass der Echtzeit-Standort insgesamt zu den weniger häufig verwendeten Funktionen zu zählen ist, auch wenn insgesamt 30 Personen (gut 14 % der Befragten) diese Funktion mindestens häufig innerhalb von WeChat verwenden. Die oft privilegierten deutschsprachigen Expatriates bewegen sich in China mindestens beruflich, aber häufig auch privat, in ihnen zur Verfügung gestellten Autos mit Chauffeur. Für diesen Teil ihres Lebens in China sind sie somit eigentlich nicht darauf angewiesen, sich mittels technischer Hilfsmittel orientieren zu müssen; dies mag die relativ gesehen niedrigen Nutzungszahlen mit erklären. Zur Problematik der Verwendung auch des Echtzeit-Standortes in mit WeChat verknüpften und über die Applikation aufzurufenden Micro-Apps gilt das Gleiche wie oben (Kap. 7.5.8.1.) gesagt: Potenziell kann WeChat zur Bereitstellung gewünschter Dienste GPS-Tracking-Funktionen im Hintergrund nutzen.
7.5.9. Rote Pakete (Hongbao)
Im vorliegenden Abschnitt blicken wir auf die Nutzung des sog. Hongbao (chin. 红包, Pinyin hóngbāo)-Features, bei dem NutzerInnen innerhalb von WeChat für eine zu erstellende Gruppe von Kontakten eine Summe Geldes aus ihrem virtuellen WeChatPay-Account (vgl. unten, Kap. 7.5.10.3.) festlegen können, die unter den Mitgliedern der Gruppe, sobald sie dahingehend aktiv werden, nach dem Zufallsprinzip verteilt wird. Innerhalb der Erhebung unter den deutschsprachigen Expatriates in China wurde jeweils gesondert danach gefragt, ob solche Geldgeschenke aktiv versendet oder empfangen werden.
7.5.9.1. Rote Pakete senden
Auf die Frage, ob sie mittels der Hongbao-Funktion von WeChat Geldgeschenke versenden, antworten die deutschsprachigen NutzerInnen wie folgt:
Grafik 29:
Nutzung des Rote Pakete (senden)-Features von WeChat
Aus Grafik 29 geht zunächst hervor, dass eine große Anzahl der Befragten, insgesamt 96 von ihnen (gut 46 %), niemals Rote Pakete mittels WeChat versenden und somit diese an sich typisch chinesische Gewohnheit in ihrem digitalen Alltag nicht annehmen. 55 Personen (gut 26 %) geben an, die Roten Pakete selten aktiv zu versenden. Ein gelegentliches Verschicken von Roten Paketen nennen 36 deutschsprachige NutzerInnen von WeChat (gut 17 % der Befragten). 15 Personen (gut 7 %) nutzen das Rote Pakete Versenden-Feature häufig, sechs (knapp 3 %) sehr häufig. Auch wenn deutlich wird, dass die Roten Pakete tendenziell selten versendet werden und nach unseren Ergebnissen nicht zu den von den Befragten weithin akzeptierten Features von WeChat gehören, so ist es doch bemerkenswert, hier eine Gruppe von gut zehn Prozent (21) der Befragten vorzufinden, die dieses ,digitale Brauchtum‘ durch mindestens häufige Nutzung annimmt. Die letztgenannte Zahl deckt sich exakt mit der im Rahmen der Metadaten (Kap. 7.1.) erhobenen Anzahl der Chinesisch-SprecherInnen auf L1-Niveau. Dies kann eine naheliegende Erklärung sein: Die L1-Sprache Chinesisch bringt eine kulturelle Nähe zu typisch chinesischen kulturellen Praktiken, hier dem Versenden Roter Pakete in WeChat, mit sich. Die zurückhaltende An-/Übernahme dieser Kulturtechnik spricht für eine in dieser Hinsicht relativ wenig aufgeschlossene virtuelle Sprachinsel-Community.
7.5.9.2. Rote Pakete empfangen
Grafik 30:
Nutzung des Rote Pakete (empfangen)-Features von WeChat
Blickt man auf das Empfangen kleiner Geldgeschenke mittels der Rote Pakete-Funktion innerhalb von WeChat, so lässt sich eine parallel angelegte Aktivität unter den deutschsprachigen InformantInnen festhalten wie beim Versenden der Hongbao-Pakete: 84 NutzerInnen nutzen diese Funktion nie (gut 40 %), 69 Personen (gut 33 %) greifen selten darauf zurück (gesamt 153 der 208 Befragten; ca. 74 %). Gelegentlich machen 35 UserInnen davon Gebrauch (knapp 17 %), Rote Pakete in WeChat zu empfangen. 14 Personen (knapp 7 %) geben an, dieses Feature häufig zu nutzen, wiederum sechs Personen (knapp 3 %) nennen eine sehr häufige Nutzung. Die Einordnung dieser Zahlen fällt analog aus wie für das Versenden Roter Pakete: Es gibt eine nur bedingte Akzeptanz dieses Features; eine kleine Gruppe von Befragten benutzt es dennoch sehr aktiv.
7.5.10. Finanzfunktionen
Im vorliegenden Abschnitt werden die Auswertungen zu drei mit finanziellen Transaktionen verbundenen Features von WeChat betrachtet, nämlich das Überweisen von Geld von Account zu Account (7.5.10.1.), das respektive Empfangen von Überweisungen durch andere WeChat-Accounts (7.5.10.2.) sowie die Bezahlfunktion WeChat Pay, die mittels Scans von QR-Codes funktioniert (7.5.10.3.). Zum Verwenden der genannten Funktionen ist eigentlich primär eine Verbindung zu einem eigenen chinesischen Bankkonto notwendig, um einerseits innerhalb der Applikation auf das eigene virtuelle Konto Geld zu laden sowie direkt vom Konto aus bezahlen zu können, und um andererseits empfangene Summen ggf. auf das Konto zu überweisen. Seit 2019 existiert technisch auch die Möglichkeit, eine westliche Kreditkarte mit einem WeChat-Konto zu verbinden1, um die o.g. Finanzfunktionen nutzen zu können.
7.5.10.1. Geld überweisen
Zunächst wird die Überweisungsaktivität an andere WeChat-Konten ausgewertet. Dabei ergibt sich das folgende Bild:
Grafik 31:
Nutzung des Geldüberweisungs-Features von WeChat
Insgesamt lässt sich dabei erkennen, dass WeChat von den befragten Expatriates relativ häufig für Überweisungen genutzt wird. 29 Personen (knapp 14 %) geben an, diese Funktion sehr häufig zu nutzen, 53 (gut 25 %) schätzen ihre Aktivität als häufig ein. 82 UserInnen (gut 39 %) nutzen somit das Überweisungs-Feature mindestens häufig. 50 Befragte (gut 24 %) benutzen die Überweisungen in WeChat gelegentlich. Das bedeutet, dass 132 der 208 Befragten (gut 63 %) mindestens gelegentlich, aber tendenziell häufiger Überweisungen mittels WeChat tätigen. 20 Personen (knapp 10 %) greifen selten auf dieses Feature zurück, und 56 Personen nutzen die WeChat-Überweisungen nie (knapp 27 %). Potenziell lassen sich die Analyseergebnisse als tendenzielle Akzeptanz von Peer-to-peer-Überweisungen lesen, auch wenn ca. ein Viertel der Befragten nicht auf dieses Feature zurückgreift. In der Umgehung von physisch existierenden Bankhäusern, bei denen Transaktionen sehr aufwändig bearbeitet werden und das Ausfüllen einer Überweisung bisweilen eine Stunde dauert, sowie von Online-Banking im engeren Sinne, liegen die besonderen Vorteile dieses Features der WeChat-Applikation.
7.5.10.2. Überweisungen erhalten
Im nächsten Schritt wurde das Nutzerverhalten in WeChat mit Fokus auf das Erhalten von Überweisungen untersucht. Die Resultate sind grafisch wie folgt dargestellt:
Grafik 32:
Nutzung des Überweisungen (erhalten)-Features von WeChat
Die Auswertung zum Erhalten von Überweisungen in WeChat bietet ein ähnliches Bild wie diejenige zum aktiven Überweisen, jedoch mit dem nuancierten Unterschied, dass insgesamt etwas weniger häufig Überweisungen erhalten werden: 23 Personen (gut 11 %) erhalten nach eigenen Angaben sehr häufig Überweisungen, während 26 Befragte (12,5%) häufig solche Geldsendungen innerhalb von WeChat empfangen; insgesamt 49 Befrage (knapp 24 %) erhalten entsprechend mindestens häufig Überweisungen. 45 NutzerInnen (knapp 22 %) geben an, gelegentlich in der Applikation Geld überwiesen zu bekommen. Somit nutzen 94 Befragte (gut 45 %) mindestens gelegentlich die Möglichkeit, Überweisungen per WeChat zu erhalten. Auch wenn so weniger Personen Überweisungen erhalten als tätigen (132 Personen, gut 63 % der Befragten, überweisen mindestens gelegentlich mit der Applikation, vgl. vorhergehendes Kapitel 7.5.10.1. oben) ähneln die Zahlen in ihren Größenordnungen und Tendenzen denjenigen im vorhergehenden Abschnitt zu selbst getätigten Überweisungen. Der schon angesprochene Unterschied manifestiert sich über die seltene Verwendung, hier von 32 UserInnen (gut 15 %) angegeben, sowie über die ebenfalls höhere Anzahl derjenigen NutzerInnen, die nie Überweisungen in WeChat erhalten – insgesamt geben dies 62 Personen (ca. 30 %) an. Die etwas niedrigeren Werte als beim Versenden von Überweisungen könnten potenziell auch mit Skepsis bezüglich des Datenschutzes zu erklären sein.
7.5.10.3. Bezahlfunktion (WeChat Pay)
Zur Nutzung der Bezahlfunktion von WeChat, WeChat Pay, machen die in unserer Erhebung befragten deutschsprachigen Expatriates folgende Angaben:
Grafik 33:
Nutzung von WeChat Pay
Aus der Auswertung in Grafik 33 oben geht die große Popularität des Bezahlfeatures klar hervor. Insgesamt 71 Befragte (gut 34 %) geben eine sehr häufige Nutzung dieser Funktion an. WeChat Pay erleichtert den Alltag beim Einkaufen erheblich, daher sind die hohen Nutzungsangaben erwartbar. 48 UserInnen (ca. 23 %) geben dazu an, WeChat Pay häufig anzuwenden. Damit nutzen 119 der 208 Befragten (gut 57 %) das Bezahlfeature von WeChat sehr häufig oder häufig. Wenn man sich vor Ort den Alltag v. a. in den großen Metropolen wie Shanghai oder Peking anschaut, so wird man in den Interaktionen an Kassen kaum noch die Verwendung von Bargeld sehen, da die meisten KundInnen mit dem Smartphone bezahlen: Der QR-Code des Händlers wird mit dem Handy gescannt, damit reicht es in größeren Supermärkten und Geschäften meistens, wenn die Gesamtsumme mittels Scannen der Barcodes der Artikel schon erfasst ist. Bei kleineren Händlern (z. B. GemüseverkäuferInnen) muss der QR-Code gescannt, dann der zu entrichtende Betrag von der KundIn selbst eingetippt und mittels Bezahlpasswort bestätigt werden. Bei entgegengenommenen Online-Lieferungen, die erst bei Erhalt bezahlt werden, reicht ebenfalls zumeist das Scannen des QR-Codes, da die zu bezahlende Summe im Computer-System hinterlegt ist. Außer WeChat Pay gibt es noch einen weiteren sehr populären Handy-Bezahlstandard namens Alipay (chin. 支付宝, Zhifubao, Pinyin Zhīfùbǎo). Für die hier befragten Expatriates bietet WeChat Pay an dieser Stelle die Möglichkeit einer vollwertigen Teilhabe an der digitalisierten Gesellschaft in China. Im Vergleich zu Alipay ist WeChat Pay einfacher einzurichten und bereits in WeChat integriert, das die Expats für gewöhnlich schnell nach ihrer Ankunft in China zu nutzen beginnen. Alipay hingegen muss gesondert installiert werden, erfreut sich aber mittlerweile auch zunehmender Beliebtheit bei länger in China beheimateten AusländerInnen. Hierbei ist jedoch die Registrierung mit mehr Aufwand verbunden als bei WeChat.
14 Befragte (knapp 7 %) geben an, WeChat Pay gelegentlich anzuwenden, 18 Befragte (knapp 9 %) nutzen es selten, 57 Personen nie (gut 27 %). Im übergreifenden Vergleich der Bezahlfunktionen zeigt sich, dass knapp 30 % der UserInnen keinerlei Möglichkeiten, die WeChat zum Geldtransfer bietet, nutzen.
7.5.11. Kontaktkarten senden/empfangen
In WeChat ist ein Feature zum Senden und Empfangen von Kontaktkarten integriert, das prinzipiell sehr ähnlich funktioniert wie die vergleichbare Funktion in WhatsApp. Die nachstehende Grafik visualisiert die Verwendung dieses Features durch die Befragten:
Grafik 34:
Nutzung des Kontaktkarten (senden/empfangen)-Features von WeChat
Man kann aus Grafik 34 ablesen, dass das Kontaktkarten senden/empfangen-Feature von WeChat innerhalb der befragten Community weithin angenommen wird, um sich zu vernetzen. Nur 23 Personen (ca. 11 % der Befragten) geben an, diese Funktion nie in der Applikation zu nutzen. 53 Befragte (gut 25 %) verwenden dieses Feature selten, 61 gelegentlich (gut 29 %). 46 NutzerInnen (gut 22 %) nutzen es häufig, 25 Personen (ca. 12 %) sehr häufig. Gut 60 % der UserInnen nutzen das Kontaktkarten-Feature der Applikation mindestens gelegentlich (im beruflichen Kontext nutzen knapp 40 % WeChat sehr häufig, vgl. Kap. 7.3.2., Grafik 11; hier besteht potenziell ein Zusammenhang). Im Vergleich zu den anderen bisher analysierten Features von WeChat durch die deutschsprachigen Expatriates (vgl. oben) werden Kontaktkarten relativ gesehen häufig versendet bzw. empfangen.
7.5.12. Personensuche
Als letztes zu diskutierendes Feature innerhalb der Chatoberfläche der WeChat-Applikation richten wir nun den Fokus auf die sog. Personensuche. Zur Verwendung dieser Funktion machen die befragten Expatriates die folgenden Angaben:
Grafik 35:
Nutzung des Personensuche-Features von WeChat
Wie man in Grafik 35 erkennen kann, ist das Feature der WeChat-Personensuche unter den Deutschsprachigen in China nicht populär. 84 Befragte (gut 40 %) nutzen es nie, 74 (gut 35 %) nur selten, 43 (gut 20 %) gelegentlich. Einzig ein kleiner Anteil (gut 3 %) der UserInnen gibt an, diese Funktion häufig (4) bzw. sehr häufig (3) zu verwenden. Potenziell bekommt man primär chinesische Suchergebnisse, insofern ist diese Funktion – sucht man nicht explizit nach chinesischen Personen – in den oft homogenen Kreisen/Peer Groups der Expatriates in China keine, die viel Potenzial entfalten könnte. Die Vernetzung geschieht daher wohl meist auf anderen Wegen und durch eher direktere Kontaktaufnahme. Daraus lässt sich wohl ableiten, dass trotz der leichten Vernetzungsmöglichkeiten eine gewisse Skepsis zu bestehen scheint, sich ohne weitere Prüfung verbinden zu wollen.
7.5.13. Zusammenfassung der WeChat-Featurenutzung durch die deutschsprachigen Expatriates in China
Wenn man die Featurenutzung innerhalb von WeChat durch die befragten deutschsprachigen Expatriates in China zusammenfasst, so ergeben sich die folgenden Bemerkungen: Generell kann festgehalten werden, dass Chats oft sehr häufig (mindestens häufig von ca. 90 % der UserInnen), Gruppenchats in der Regel häufig verwendet werden. Telefonieren und Sprachnachrichten zu versenden spielen in der virtuellen Sprachinsel WeChat für die Befragten eine weniger ausgeprägte Rolle als das Chatten, aber die eigene L1-Sprache Deutsch kann häufig auch mündlich angewendet werden. Insgesamt lässt sich aus der Popularität dieser genannten wesentlichen verwendeten Features ablesen, dass mehr auf die Kommunikation mit ausgewählten Personen (Individuen oder klar definierten Gruppen) gesetzt wird, als die vage Menge von Kontakten über die Social-Media-Features anzuschreiben. Dies spricht für unsere Auffassung von WeChat als virtueller Sprachinsel. Die eigenen ,Momente‘ zu verfassen – ähnlich wie die Postings in Facebook –, ist weniger populär, Lesen und Liken von ,Momenten‘ anderer Kontakte hingegen findet im Vergleich häufiger statt als das eigene Einstellen von Material in diesem Bereich. Circa ein Drittel der Befragten nutzt häufig oder sehr häufig Sprachnachrichten innerhalb von WeChat.
Das Fotofeature bzw. das Machen von Selfies mit WeChat wird von den Befragten im Vergleich weniger häufig genutzt; beim Versenden von Bildern werden Fotografien gegenüber Selfies favorisiert. Videos werden nur selten direkt innerhalb der Applikation aufgenommen oder versendet. Blickt man auf die verschiedenen Telefonie-Funktionen, die WeChat bietet, so ist die Voice-Telefonie die im Vergleich zur Videotelefonie häufiger verwendete. Ein etwas komplexeres Bild bietet die Verwendung der Standortfunktionen: Hier sehen wir, dass über 60 Befragte (ca. 30 %) gelegentlich ihren Standort senden, und knapp 40 Personen dies häufig oder sogar sehr häufig tun. Ca. 30 Personen nutzen die Echtzeit-Standort-Funktion häufig oder sehr häufig.
Die kulturell typische Funktion des Versendens und Empfangens Roter Pakete (Hongbao; Pinyin hóngbāo) ist unter den Befragten insgesamt wenig populär (vermutlich bleiben diejenigen UserInnen, die Chinesisch auf L1-Niveau beherrschen und dieser Praktik kulturell näherstehen, gewissermaßen unter sich); tendenziell werden eher Geldbeträge empfangen als an Gruppen versendet. Die Überweisungsfunktion hingegen erfreut sich großer Beliebtheit, gut 80 der 208 Befragten nutzen dieses Feature von WeChat häufig oder sehr häufig (knapp 40 %). Hierzu kann gesagt werden, dass die Expatriates bei diesem Feature eher proaktiv agieren: Es wird eher Geld aktiv versendet als empfangen. Die meistverwendete Funktion aus diesem Bereich ist WeChat Pay. Fast 120 Befragte (knapp 60 %) geben an, die Bezahlfunktion, die die Applikation bietet, häufig oder sehr häufig zu nutzen. Das Versenden von Kontaktkarten wird von ca. 65 Befragten häufig bis sehr häufig in WeChat benutzt, während das Feature ,Personensuche‘ hingegen kaum VerwenderInnen hat.
