Kitabı oku: «Die chinesische Messaging-App WeChat als virtuelle Sprachinsel», sayfa 13
7.6 Genutzte Sprachen und Sprachmischung
Im vorliegenden Abschnitt werden Angaben der befragten deutschsprachigen Expatriates zu den bei der Verwendung der WeChat-Applikation genutzten Sprachen und zur Sprachmischung analysiert. Zunächst wird hierzu auf die hauptsächlich genutzten Chatsprachen abgehoben (7.6.1.), wonach die Sprachmischung in Chats und Gruppenchats thematisiert wird (7.6.2.). Dabei wird nach der aktiven Sprachmischung innerhalb von Chats gefragt (7.6.2.1.), und welche Sprachen dabei gemischt werden (7.6.2.2.). Eine weitere Frage richtet den Blick auf mögliche Sprachmischung innerhalb derselben Chatnachricht (7.6.2.3.), ebenfalls unter Einbeziehung der verwendeten Sprachen (7.6.2.4.). Den Abschluss dieses Abschnitts bildet die Analyse der für Sprachnachrichten verwendeten Sprachen (7.6.3.).
7.6.1. Hauptsächlich genutzte Chatsprachen
Die befragten deutschsprachigen Expatriates machen zur Verwendung der jeweils hauptsächlich genutzten Chatsprache innerhalb von WeChat die nachfolgend grafisch dargestellten Angaben:
Grafik 36:
Hauptsächlich durch deutschsprachige Expatriates genutzte Chatsprachen in Chats und Gruppenchats innerhalb von WeChat
Hierbei zeigt sich, dass Englisch mit 119 Nennungen (gut 57 % der Befragten) die dominierende Sprache darstellt. Hauptsächlich auf Deutsch chatten 64 VerwenderInnen von WeChat (knapp 30 % der Befragten), 23 Personen (ca. 11 %) nutzen vorwiegend Mandarin-Chinesisch. Zwei Personen haben die Antwortalternative ,Andere‘ gewählt, hierbei kommen jedoch keine weiteren Sprachen zur Konstellation hinzu, sondern eine pragmatische Auswahl je nach den kommunikativen Erfordernissen: Einmal wird angegeben, es gebe keine Hauptsprache, entsprechend seien Deutsch, Englisch und Chinesisch prinzipiell gleichberechtigt; im anderen Fall wurde keine Angabe zu einer Hauptsprache innerhalb der Chats gemacht, es komme auf den jeweiligen Chat an. Insgesamt kann hier eine Art globalisiertes Nebeneinander der Sprachen konstatiert werden: Zwar ist Englisch im Kontext der deutschsprachigen Expatriates in China die am häufigsten verwendete Sprache innerhalb von WeChat, allerdings weisen die Ergebnisse der Erhebung auch aus, dass dem Deutschen, ebenso wie dem Chinesischen, signifikante Rollen in der Chatkommunikation zukommen.
Zur Erläuterung der Zahlen kann weiter angeführt werden, dass viele der befragten Expatriates mit WeChat im beruflichen Kontext auf Englisch kommunizieren (vgl. 7.3.2., Grafik 11). Dies ist ohnehin die lingua franca global agierender Konzerne, auch wenn sie aus den deutschsprachigen Ländern kommen, wenn nicht gar Konzernsprache, wie u. a. bei Volkswagen1. Die deutschsprachigen Expatriates kommunizieren insgesamt nicht ausschließlich unter sich, obwohl WeChat im Kontext des vorliegenden Bandes als virtuelle Sprachinsel verstanden wird. Sprachkontakt findet dennoch stetig statt.
Mit Blick auf die private Nutzung von WeChat möchte ich eigene Beobachtungen aus meiner Zeit in China 2014-17 anführen, nach denen es in der deutschsprachigen Community dieser Zeit viele Paare gab, in der ein Partner (meist der Mann) deutschsprachig war, die PartnerIn aber aus einem nicht deutschsprachigen Land (oft Drittland, nicht China) kamen. Hierbei wird Englisch oft zwangsläufig zur gemeinsamen Sprache, da es von beiden Partnern beherrscht und Deutsch dann nicht (immer) ergänzend gelernt wird (vgl. u. a. auch Grafik 41 unten, Kap. 7.6.3., zur Nutzung des Englischen in Sprachnachrichten). In der Grundschulklasse meiner Tochter an der Deutschen Schule Shanghai Pudong wurden z. B. bei 17 SchülerInnen elf verschiedene Sprachen als L1 bzw. L2 zuhause gesprochen. In der Elternschaft gab es durch diese Konstellationen nachvollziehbar Hinwendungen zum Englischen.
7.6.2. Sprachmischung innerhalb von Chats und Gruppenchats
Im vorliegenden Abschnitt werden relevante Fragen zur Sprachmischung innerhalb von WeChat-Chats und -Gruppenchats erforscht. Hierbei handelt es sich analog zum bisher gewählten Vorgehen um Selbsteinschätzungen der InformantInnen. Gesonderte Sprachdaten aus WeChat, die entsprechend analysiert werden könnten, liegen bis dato nämlich nicht vor.
7.6.2.1. Aktive Sprachmischung
Zunächst rückt die aktive Sprachmischung in den Blick. In der Erhebung wurden die deutschsprachigen WeChat-NutzerInnen in China danach gefragt, ob sie verschiedene Sprachen innerhalb ihrer Chats mischen. Darauf antworten sie wie nachfolgend dargestellt:
Grafik 37:
Mischen Sie Sprachen innerhalb eines (Gruppen-)Chats?
142 der 208 Befragten, insgesamt gut 68 %, antworten mit ,ja‘, während 57 Befragte ,nein‘ angeben. Neun Personen machen keine Angabe. Anhand dieser Zahlen lässt sich erkennen, dass das Mischen von Sprachen, ohne dass es bis hierhin näher spezifiziert wird, eine sprachliche Praktik darstellt, die innerhalb der WeChat-Kommunikation der Befragten wie selbstverständlich Raum einnimmt und potenziell häufig zur Anwendung kommt. Sukzessive werden die zu diesen Sprachmischungen in den Chats verwendeten Sprachen näher aufgeschlüsselt.
7.6.2.2. Zur Sprachmischung verwendete Sprachen
Es werden folgende Sprachen, die zur Sprachmischung innerhalb von Chats und Gruppenchats in WeChat verwendet werden, angegeben (hierbei waren in der Online-Erhebung Mehrfachnennungen möglich):
Grafik 38:
Zur Sprachmischung verwendete Sprachen innerhalb eines (Gruppen-)Chats
Aus Grafik 38 können wir entnehmen, dass Englisch, wie in Kapitel 7.6.1. bereits festgestellt, die populärste Sprache darstellt – nun aber ausgeweitet auf den Kontext der Chats und Gruppenchats, in denen Sprachmischungen vorliegen. 130 Befragte (62,5%) geben an, Englisch zu verwenden. Im gegebenen Setting folgt das Deutsche mit 117 Nennungen (gut 56 %), hierbei ist die Differenz zum Englischen mit 13 vergleichsweise klein. Chinesisch folgt mit 97 Nennungen (gut 46 %). Insgesamt gesehen liegt hier ein multilinguales Miteinander der drei dominierenden Sprachen Englisch, Deutsch und Chinesisch vor, die in Chats – wohl teils bewusst – gemischt werden. Dies deutet neben den Kompetenzen in den jeweiligen Sprachen darauf hin, dass gewisse Inhalte, v. a. im beruflichen Kontext, vielleicht präferiert in bestimmten Sprachen, gegenüber anderen Sprachen, ausgedrückt werden können oder ggf. sollen. Es kann vermutet werden, dass entsprechende interkulturelle Ausdrucks- und Kompetenzfragen die Sprachenwahlen explizit beeinflussen.
Insgesamt vier NutzerInnen geben andere Sprachen an, die in ihren Chats hinsichtlich Sprachmischungen eine relevante Rolle spielen. Je einmal werden Filipino, Ungarisch und Französisch angegeben; dies hat vermutlich mit den ethnischen Wurzeln der jeweiligen UserInnen zu tun. Eine NutzerIn gibt an, die Pinyin-Umschrift des Chinesischen zu nutzen. Hier habe ich diese besondere Verwendung (wohl im Chinesisch als Fremdsprache-Kontext zu sehen) gesondert aufgeführt, da westliche Buchstabenschrift verwendet wird, um nicht die chinesische logographische Schrift nutzen zu müssen. Die Verwendung von Pinyin (übrigens eine gängige Methode, um auf dem Smartphone chinesische Schriftzeichen zu erzeugen) deutet darauf hin, dass die VerwenderIn sich nicht oft genug zutraut, die respektiven chinesischen Schriftzeichen zu erkennen, um auch sicher schreiben zu können. Gleichzeitig dürfte sie/er aber schon gewisse Kompetenzen im Chinesischen, vor allem beim Sprechen, haben, da eine gewisse Ausdrucksfähigkeit über die Kompetenz in der Umschriftvariante Pinyin demonstriert wird. Ein weiterer, umgekehrter Erklärungsansatz läge darin, dass bewusst Pinyin gewählt wird, um RezipientInnen mit entsprechend geringerer Kompetenz im Chinesischen das Lesen bzw. Verstehen zu erleichtern.
7.6.2.3. Sprachmischung innerhalb derselben Nachricht
Im vorliegenden Abschnitt wird dokumentiert, wie die deutschsprachigen Befragten in China bei ihrer Verwendung von WeChat ggf. innerhalb derselben Nachricht verschiedene Sprachen verwenden. Dazu machen die Expatriates die folgenden Angaben:
Grafik 39:
Mischen Sie Sprachen innerhalb derselben Nachricht?
Während 122 der Befragten (knapp 59 %) verneinen, innerhalb derselben Nachricht verschiedene Sprachen vermischt anzuwenden, geben 85 Personen (knapp 41 %) an, solche Sprachmischungen zu praktizieren. Daher kann insgesamt davon ausgegangen werden, dass es sich bei Sprachmischungsphänomenen innerhalb derselben Nachricht um einschlägig relevante sprachliche Praktiken handelt. Eine Person machte zu dieser Frage keine Angaben.
7.6.2.4. Zur Sprachmischung innerhalb derselben Nachricht verwendete Sprachen
Diejenigen Expatriates, die bei der vorherigen Frage, ob sie innerhalb derselben Nachricht Sprachen mischen, mit ,ja‘ antworteten (7.6.2.3.), wurden gefragt, welche Sprachen sie entsprechend verwenden. Dabei ergeben sich die folgenden Resultate (Mehrfachnennungen waren möglich):
Grafik 40:
Zur Sprachmischung innerhalb derselben Nachricht verwendete Sprachen
In Grafik 40 sehen wir ein zahlenmäßig fast äquivalentes Nebeneinander von Englisch (69 Nennungen; 33 %), Deutsch (62; knapp 30 %) und Chinesisch (59; gut 28 %). Daraus können wir schließen, dass prinzipiell alle Kombinationen aus diesen drei Sprachen ungefähr gleich häufig verwendet werden, und dass es nicht die eine präferierte Sprachmischkonstellation gibt, die akzentuierter auftritt als andere. Es kann für die aktiv die Sprachen in der WeChat-Kommunikation Mischenden davon ausgegangen werden, dass sie zumeist in den drei hier diskutierten Sprachen Englisch, Deutsch und Mandarin jeweils eine vergleichsweise hohe Sprachkompetenz haben dürften und dementsprechend selbstbewusst zwischen den Sprachen hin und her wechseln können, so wie es die jeweilige kommunikative Situation erfordert. Es könnten mit Blick auf den spezifisch chinesischen Kontext gewisse Begriffe wie der oben erwähnte laowai (Ausländer), ayi (Haushälterin, eigentlich ,Tante‘) etc. zur Anwendung kommen, die gängig und in der Community geläufig sind und keiner Übersetzung bedürfen. In der Sprache der Wirtschaftsmanager dominiert häufig das Englische; in das Deutsche werden zahlreiche Fachbegriffe mit eingemischt, die über den gängigen Anglizismengebrauch weit hinausgehen. Das Code-Switching ist ein weit beachtetes und beforschtes Feld innerhalb der Soziolinguistik; innerhalb der computervermittelten Kommunikation können für das Code-Switching in der Chat-Kommunikation seit Androutsopoulos/Hinnenkamp (2001) bis zuletzt z. B. Franko (2019) zahlreiche Beiträge angeführt werden, die sich diesem Thema widmen und Verwendungspraktiken und -tendenzen aufzeigen. Für das Code-Switching innerhalb von WeChat stehen einschlägige Untersuchungen, die ein Desiderat darstellen, noch aus. Hierzu bedarf es dem Aufbau geeigneter Korpora (d.h. es müssten Chatdaten gespendet werden, vgl. auch den Ausblick, Kap. 8.).
Außer den drei hier bereits erwähnten Sprachen gibt es noch drei Nennungen anderer Sprachen, die zur Sprachmischung genutzt werden, und zwar werden je einmal das Russische, das Ungarische sowie die Pinyin-Umschrift des Chinesen angegeben (vgl. zu Pinyin auch Kapitel 7.6.2.2. oben).
7.6.3. Sprache(n) der Sprachnachrichten
Die deutschsprachigen Expatriates in China wurden im Rahmen der Erhebung ihrer Kommunikationsgewohnheiten mit WeChat dazu befragt, welche Sprache sie hauptsächlich für die Aufnahme von Sprachnachrichten verwenden. Dazu ergeben sich die nachfolgend grafisch dargestellten Ergebnisse:
Grafik 41:
Welche Sprache nutzen Sie hauptsächlich für Sprachnachrichten?
Wie aus Grafik 41 ersichtlich wird, kommt am häufigsten das Englische zum Einsatz, das 98 Mal genannt ist, also von fast der Hälfte der InformantInnen (gut 47 %). Dies lässt die Vermutung zu, dass Sprachnachrichten akzentuiert im beruflichen Kontext eingesetzt werden, da häufig das private Umfeld der Expatriates (auch) mehrheitlich deutschsprachig ist (es sollte aber erwähnt werden, dass es im betrachteten Umfeld auch Ehen gibt, in denen Englisch die gemeinsame Sprache ist). Ausnahmen könnten Kontakte mit anderen Expatriates aus Drittländern bilden. Deutsch folgt mit 84 Nennungen (gut 40 %), somit kann hier konstatiert werden, dass gesprochenes Deutsch auch im gegebenen Kontext weiterhin wichtig ist. Zumindest ist es deutlich häufiger genutzt als das Chinesische, das 22 Personen (knapp 11 % der Befragten) als Hauptsprache ihrer Sprachnachrichten nennen. Einerseits scheint es somit so zu sein, dass das Englische eine lingua franca-Funktion bei den Sprachnachrichten v. a. in der beruflichen Sphäre der Expatriates erfüllt, aber gleichzeitig das Deutsche noch wichtig bleibt (vgl. Grafik 36 in Kap. 7.6.1. oben). Im Vergleich mit Chats, die zu ca. 30 % in deutscher Sprache genutzt werden, geht hier die Tendenz eher zum mündlichen Gebrauch. Vermutlich ist das Deutsche eher für private Kontexte reserviert, aber auch innerhalb der beruflichen Kommunikation mag Deutsch für Sprachnachrichten innerhalb von WeChat eine relevante Rolle spielen. Sollte dies so sein, müsste entsprechend, wenn nicht mit L1-SprecherInnen, mit im Deutschen sehr kompetenten Personen kommuniziert werden, was bedeutet, dass dies im Beruf ungefähr auf einer vergleichbaren Hierarchieebene angesiedelte Personen sein müssten (mit Ausnahme komplett deutschsprachiger Entitäten wie Behörden, d.h. diplomatischen Vertretungen, oder z. B. Schulen), die entsprechend deutschsprachig sind oder ausgezeichnete Deutschkenntnisse erworben haben. Bei größeren hierarchischen Gefällen, wie sie z. B. innerhalb von Fabrikations- und Produktionsstätten vorkommen (in Führungspositionen solcher Fabriken arbeiten viele Deutschsprachige in China), ist es potenziell weniger wahrscheinlich, dass das Deutsche in Sprachnachrichten zur Anwendung kommt. Raum für (auch interkulturelle) Missverständnisse gibt es in solchen Konstellationen entsprechend weniger als im Privaten.
Vier Personen nennen andere Konstellationen für ihre Nutzung von Sprachnachrichten: Eine von ihnen gibt an, keinerlei Sprachnachrichten zu verwenden. Eine Person stellt fest, dass sie keine Hauptsprache für Sprachnachrichten nennen kann, wohl deswegen, da Deutsch, Englisch und Chinesisch zur Anwendung kommen. Eine UserIn gibt an, Englisch und Chinesisch gleichberechtigt zu verwenden. Eine AnwenderIn nutzt Spanisch für Sprachnachrichten.
7.7. Sprachrichtigkeit
Im vorliegenden Abschnitt werden die Einschätzungen der TeilnehmerInnen der Erhebung zum WeChat-Gebrauch deutschsprachiger Expatriates in China zur Sprachrichtigkeit untersucht. Ihnen wurde die Frage gestellt, ob sie auf die sprachliche Richtigkeit ihrer Kommunikate innerhalb der Applikation achten; dies geschah differenziert (in der Reihenfolge der Umfrage) für das Deutsche (7.7.1.), das Chinesische (7.7.2.), das Englische (7.7.3.) und andere weitere Sprachen (7.7.4.).
7.7.1. Sprachrichtigkeit im Deutschen
Zunächst wurden die deutschsprachigen WeChat-NutzerInnen danach gefragt, ob sie in ihrer Kommunikation innerhalb der Applikation auf Sprachrichtigkeit im Deutschen achten. Dazu machen die Befragten wie folgt Angaben:
Grafik 42:
Sprachrichtigkeit im Deutschen
Wie aus Grafik 42 ersichtlich wird, achtet der überwiegende Teil der NutzerInnen sehr darauf, im Deutschen den gängigen Normen gemäß zu kommunizieren. 110 der 208 TeilnehmerInnen (knapp 53 % der Befragten) geben an, sehr häufig auf Sprachrichtigkeit Acht zu geben. Häufig tun dies 65 der befragten Personen (gut 31 %). Somit achten gut 84 % der Befragten mindestens häufig auf die Sprachrichtigkeit ihrer deutschen WeChat-Kommunikate. 23 UserInnen (ca. 11 %) rücken die Sprachrichtigkeit im Deutschen in ihrer WeChat-Kommunikation gelegentlich in den Fokus. Selten tun dies sieben Befragte (gut 3 %), nur drei NutzerInnen (gut 1 %) geben an, nie darauf zu achten. Als L1-SprecherInnen sind die Expatriates entsprechend kompetent, sprachbewusst und zumeist formal gebildet (die meisten in China beruflichen tätigen Expatriates dürften UniversitätsabsolventInnen sein), um potenziell immer darauf bedacht zu sein, in einem Medium wie WeChat sprachlich korrekt zu kommunizieren. Im beruflichen Kontext wird WeChat von ca. 60 % der Befragten mindestens häufig genutzt; dort möchte man sich akzentuiert korrekt ausdrücken. Im interkulturellen Spannungsfeld Deutsch-Chinesisch kann es (diese Einschätzung beruht auf subjektiven Erfahrungen) vorkommen, dass chinesische KommunikationspartnerInnen besonders viel Wert auf formale Ausdrucksweisen und Stilistik im Deutschen legen (Anrede, Höflichkeit etc.), insofern passt dieses Resultat zu den wahrgenommenen interkulturellen Gepflogenheiten der Kommunikation.
Auch wenn Tendenzen zu einer Lockerung gewisser Normen v. a. in der der WeChat vergleichbaren WhatsApp-Kommunikation festzustellen sind, v. a. hin zu einer konzeptionellen Mündlichkeit bei medialer Schriftlichkeit in Erweiterung von Koch/Oesterreicher (1986), wie u. a. Dürscheid (2016) in Feilke/Hennig (2016) diskutiert, so scheinen diese zumindest auf der Grundlage der hier ausgewerteten Befragung noch nicht unbedingt äquivalent durchzuschlagen. Dies mag auch damit zu tun haben, dass der größte Teil der Befragten mittleren Alters ist, während die angesprochenen Tendenzen sich potenziell eher bei UserInnen aus jüngeren Altersgruppen manifestieren dürften.
7.7.2. Sprachrichtigkeit im Chinesischen
Zur Sprachrichtigkeit im Chinesischen innerhalb ihrer WeChat-Kommunikation geben die deutschsprachigen Expatriates in der Erhebung die folgenden Einschätzungen ab:
Grafik 43:
Sprachrichtigkeit im Chinesischen
48 Befragte (gut 23 %) geben an, sehr häufig auf die Sprachrichtigkeit im Chinesischen Wert zu legen, 41 Personen (knapp 20 %) achten häufig darauf, im Chinesischen richtig zu kommunizieren. In Kapitel 7.1. oben hatte die Umfrage (Grafik 2) ergeben, dass 21 InformantInnen (ca. 10 % der Befragten) Chinesisch als L1 angegeben haben. Wenn man annimmt, dass alle dieser Befragten entsprechend sehr häufig auf Sprachrichtigkeit im Chinesischen Wert legen, so bleiben 27 weitere InformantInnen (knapp 13 %), die Chinesisch nicht auf L1-Niveau beherrschen, aber dennoch besonders gut in dieser Sprache kommunizieren wollen. Einige der deutschsprachigen Expatriates sind an Universitäten ausgebildete SinologInnen, die teils langjährig in China beheimatet und der chinesischen Sprache entsprechend mächtig sind. Hinzu kommen noch die 41 häufig auf die Sprachrichtigkeit im Chinesischen Achtenden (knapp 20 %). Somit legen fast 90 der 208 Befragten (knapp 43 %) ein ausgeprägtes Sprachbewusstsein für das Chinesische an den Tag. Dem gegenüber steht eine Gruppe von 76 UserInnen (ca. 37 %), die angeben, nie auf Sprachrichtigkeit im Chinesischen zu achten. Die Größe dieser Gruppe kann damit zu tun haben, dass viele der so Antwortenden kein Chinesisch beherrschen, es deswegen in ihrer WeChat-Kommunikation nicht gebrauchen und entsprechend auch nicht auf Sprachrichtigkeit Wert legen. Verhältnismäßig kleine Gruppen von AnwenderInnen (je ca. 10 %) geben an, selten (21 Befragte) bzw. gelegentlich (22 Befragte) auf ihr Chinesisch im WeChat-Kontext zu achten. Von daher kann die Verteilung in Grafik 43 oben im Prinzip als Zweiteilung gelesen werden: Entweder wird ausgeprägt auf ein gutes Chinesisch geachtet, wenn WeChat genutzt wird, oder gar nicht, d.h. man beherrscht das Chinesische recht gut bis fast auf L1-Niveau oder praktisch nicht. Eine Art ,Grauzone‘ mit einer eher gleichgültigen Haltung zur Qualität des benutzten Chinesischen (selten/gelegentlich auf Sprachrichtigkeit achten) wird durch eine relativ kleine Gruppe (ca. ein Fünftel der Befragten) repräsentiert.
