Kitabı oku: «Die chinesische Messaging-App WeChat als virtuelle Sprachinsel», sayfa 14
7.7.3. Sprachrichtigkeit im Englischen
Auch für das im Kontext von WeChat verwendete Englisch wurden die deutschsprachigen Expatriates um eine Selbsteinschätzung hinsichtlich der Sprachrichtigkeit gebeten. Die Resultate sind nachfolgend grafisch dargestellt:
Grafik 44:
Sprachrichtigkeit im Englischen
Hier ergibt sich, wie Grafik 44 zeigt, ein analoges Bild zu den in Kapitel 7.7.1. oben diskutierten Einschätzungen zur Sprachrichtigkeit im Deutschen, auf die ausgeprägt geachtet wird. Dies wird ebenso für das Englische deutlich, wenn man die hier gegebenen Antworten auswertet: 88 der befragten Expatriates (gut 42 %) geben an, sehr häufig auf die Sprachrichtigkeit ihrer englischsprachigen WeChat-Kommunikate zu achten. ,Häufig‘ wird in diesem Zusammenhang von 79 Personen (knapp 38 %) genannt. Insgesamt 167 der 208 TeilnehmerInnen an der Erhebung (gut 80 %) achten somit verstärkt auf eine korrekte sprachliche Gestalt ihrer WeChat-Nachrichten. Hierzu kann vermutet werden, dass es häufig um berufliche Inhalte und Anweisungen gehen dürfte, die nicht missverstanden werden sollen/dürfen. Im komplexen interkulturellen Spannungsfeld China wird auch eine ansonsten global relativ gut funktionierende lingua franca wie das Englische häufig auf die Probe gestellt. Bei der Entsendung von deutschsprachigen MitarbeiterInnen in die Welt gehen die entsendenden Firmen davon aus, dass die Englischkompetenz der Entsendeten hoch genug ist. Selbst wenn diejenigen deutschsprachigen Personen, die vermutlich KollegInnen Anweisungen auf Englisch per WeChat erteilen, dies sprachlich richtig anstreben und auch tun, so ist u.U. noch lange nicht garantiert, dass diese Anweisungen auch richtig verstanden werden. Um pragmatisch zumindest produzentenseitig Fehlern und Missverständnissen vorzubeugen, dürften die Expatriates häufiger große Sorgfalt darauf verwenden, sich klar auszudrücken. Außerdem herrscht potenziell Druck, besonders gute Kommunikationskompetenz in der englischen Sprache mitbringen zu müssen, da es nicht selten sein kann, dass v. a. chinesische Führungskräfte bei Kooperationspartnern oder auch in den eigenen Firmen an englischsprachigen Top-Universitäten ausgebildet sind und ein entsprechend hervorragendes Englisch sprechen. Englisch wird außerdem in internationalen Familienkonstellationen benutzt; hier dürfte es zentral darauf ankommen, klar verstanden zu werden. Damit kommt der Sprachrichtigkeit eine entsprechend akzentuierte Rolle zu.
Vergleichbar wie beim Deutschen (Kap. 7.7.1. oben) umfassen die weiteren Nennungen, nämlich ,gelegentlich‘ (26), ,selten‘ (9) oder ,nie‘ (6) auf Sprachrichtigkeit im auf WeChat verwendeten Englisch zu achten, relativ kleine Anzahlen von NutzerInnen.
7.7.4. Sprachrichtigkeit in anderen Sprachen
Neben den drei hauptsächlich im chinesischen deutschsprachigen Expatriatekontext auf WeChat verwendeten Sprachen Deutsch, Chinesisch und Englisch wurden die TeilnehmerInnen der Erhebung danach gefragt, wie sie ihre Einstellung hinsichtlich der Sprachrichtigkeit für weitere andere Sprachen einschätzen, wenn sie in diesen mittels WeChat kommunizieren. Dabei ergaben sich die folgenden Resultate:
Grafik 45:
Sprachrichtigkeit in anderen Sprachen
Wie Grafik 45 oben zeigt, sind andere Sprachen auf die Gesamtzahl der an der Erhebung teilnehmenden NutzerInnen innerhalb der Kommunikation per WeChat nur bedingt relevant. 99 Befragte (gut 47 %) geben an, im relevanten Kontext nie auf die Sprachrichtigkeit in anderen Sprachen zu achten – sehr wahrscheinlich, da sie keine anderen Sprachen außer Deutsch, Chinesisch oder Englisch benutzen. Insofern fällt hier knapp die Hälfte der 208 Befragten aus der aktiven Rolle der SprachverwenderInnen heraus. Blickt man auf diejenigen Expatriates, die in WeChat aktiv andere Sprachen benutzen, so zeigt sich, dass von ihnen 48 sehr häufig auf Sprachrichtigkeit in den jeweiligen Sprachen Wert legen (ca. 23 %). 24 Personen (knapp 12 %) geben an, häufig in den von ihnen benutzten anderen Sprachen auf Sprachrichtigkeit zu achten. Somit achtet gut ein Drittel der Befragten auf die Sprachrichtigkeit in weiteren Sprachen auf WeChat. Die Gruppe, der die Sprachrichtigkeit in Sprachen außer Deutsch, Chinesisch oder Englisch eher gleichgültig ist, umfasst 38 Personen (gut 18 %) (25 Befragte (ca. 12 %) geben an, sich gelegentlich um die Sprachrichtigkeit zu kümmern, 13 (6,25%) tun dies nach eigener Einschätzung selten).
7.8. Deutsch und Chinesisch im Austausch mit der jeweils anderen Kultur
Im vorliegenden Abschnitt werden die Sprachen Deutsch und Chinesisch im Austausch mit der jeweils anderen Kultur betrachtet. Dazu wurden den InformantInnen in der Erhebung relevante Fragen gestellt. Zunächst geht es in diesem Zusammenhang um die Verwendung des Deutschen mit Chinesinnen und Chinesen (7.8.1.), danach um die Verwendung des Chinesischen mit SprecherInnen des Deutschen (7.8.2.).
7.8.1. Verwendung des Deutschen mit Chinesinnen und Chinesen
Zur Frage nach der Verwendung des Deutschen mit Chinesinnen und Chinesen in der WeChat-Kommunikation äußern sich die befragten deutschsprachigen Expatriates wie nachfolgend grafisch dargestellt:
Grafik 46:
Nutzen Sie Deutsch mit Chinesinnen und Chinesen?
Wie man aus Grafik 46 ableiten kann, ist das Deutsche auf WeChat in der Interaktion der befragten Expatriates mit Chinesinnen und Chinesen eine potenziell häufig genutzte Sprache. In der intensiven deutsch-chinesischen Zusammenarbeit in der Wirtschaft kommt dem Deutschen häufig eine Schlüsselrolle zu, weil es potenziell – trotz aller interkulturellen Differenzen, die eine Kommunikation von vornherein schwierig machen – besser geeignet für das Verständnis der einander oft fremden Kulturen ist als das Englische. Die Deutschsprachigen können ihre L1-Sprache verwenden, und diejenigen Chinesinnen und Chinesen, die gutes Deutsch sprechen und auf die die Deutschsprachigen im beruflichen Alltag treffen, haben zumeist einen germanistischen wie wirtschaftlichen Studienhintergrund. Dies trägt zu einer potenziell gelingenden Kommunikation über kulturelle Grenzen hinweg bei, auch wenn natürlich nicht alle Unterschiede nivelliert werden können (das Deutsche wird dann vermutlich gewählt, um ganz sicherzugehen, dass die Kontakte die Kommunikate auf jeden Fall richtig verstehen). Beim Englischen, das beide Sprechergruppen als potenzielle L2-Sprache sprechen und bei dem in der Sprachbeherrschung bei einigen Deutschsprachigen wie Chinesen Möglichkeiten zur Verbesserung bestehen (trotz einer (wohl oft zu) selbstbewussten Einschätzung der L1-SprecherInnen des Deutschen zu ihrer Englischkompetenz; vgl. Metadaten, Kap. 7.1.), misslingt potenziell aufgrund der sprachlichen wie kulturellen Andersartigkeit öfter die Kommunikation. In privaten Kontexten ist die Nutzung des Deutschen im Austausch mit dem oft weniger gebildeten und entsprechend nicht fremdsprachigen Dienstpersonal (Fahrer, Haushälterinnen etc.) eher unwahrscheinlich.
22 Befragte (knapp 11 %) geben an, sehr häufig mit Chinesinnen und Chinesen mittels WeChat Deutsch zu verwenden, 37 Personen (knapp 18 %) nutzen Deutsch innerhalb der Applikation häufig. Dies ist insgesamt ein gutes Viertel der Befragten; die anderen Antwortalternativen ,gelegentlich‘ (54 Befragte, knapp 26 %), ,selten‘ (52 Befragte, 25 %) sowie ,nie‘ (42 Befragte, gut 20 %) werden – sehr grob – angenähert von ebenfalls je ca. einem Viertel der InformantInnen gewählt. Bis auf 42 Befragte benutzen somit alle InformantInnen das Deutsche in der WeChat-Kommunikation mit Chinesinnen und Chinesen. Eine Person machte zu dieser Frage keine Angaben.
Für die Auffassung von WeChat als virtueller Sprachinsel haben die obigen Ergebnisse die Relevanz, dass Deutsch in dafür affinen kommunikativen Konstellationen innerhalb der Applikation potenziell die Funktion einer die Community öffnenden Sprache haben kann.
7.8.2. Verwendung des Chinesischen mit SprecherInnen des Deutschen
Warum stellt sich die Frage, unter den in China basierten deutschsprachigen Expatriates im Rahmen einer Studie zu ihren Kommunikationsgewohnheiten auf WeChat die Verwendung des Chinesischen mit SprecherInnen des Deutschen zu untersuchen? Auf den ersten Blick könnte sie als marginal relevant angesehen werden; dies vor allem aus dem pragmatischen Grund, dass es ggf. für Außenstehende wenig wahrscheinlich erscheint, dass eine Verwendung des Chinesischen mit anderen L1-SprecherInnen des Deutschen überhaupt stattfindet. Den Anlass, dies hier zu untersuchen, gaben Beobachtungen im Kontext von Face-to-face-Interaktionen bei sozialen Veranstaltungen wie Empfängen, Netzwerktreffen o.Ä. Dabei zeigte sich, dass es im Laufe solcher Events bei der Kopräsenz von Chinesinnen und Chinesen und Deutschsprachigen je nach Gesprächsverlauf häufig zu Konstellationen kam, in denen mehrere Deutschsprachige mit mehreren L1-SprecherInnen des Chinesischen interagierten. Zumeist ist in solchen Situationen nolens volens schnell das Chinesische die dominante Sprache, und will man als Deutschsprachige/r den Gesprächsfluss nicht unterbrechen (oder ChinesInnen die kein Deutsch sprechen, nicht ausschließen), so ist es in solchen Momenten praktikabel, selbst bei der Ansprache einer L1-SprecherIn des Deutschen beim Chinesischen zu bleiben, so man dafür die notwendige Sprachkompetenz besitzt.
Eine andere Konstellation ergibt sich, wenn schon länger in China beheimatete (womöglich mit chinesischsprachiger PartnerIn), entsprechend sinophile Deutschsprachige aufeinandertreffen. Ich bin selbst Zeuge solcher Begegnungen gewesen, bei denen die InteraktantInnen jeweils ein beeindruckend fortgeschrittenes Kompetenzniveau im gesprochenen Chinesisch aufwiesen und entsprechend die Gelegenheit ergriffen, dies zu demonstrieren. Potenziell konnte so in der Imitierung von L1-SprecherInnen des Chinesischen vereinzelt sogar Situationskomik entstehen.
Von daher liegt es m.E. nahe, gerade im Kontext der Verwendung von WeChat eine solche Frage zu stellen, insbesondere da man über Übersetzungsapps und die Weiterleitungsfunktionen potenziell leichter chinesisches Sprachmaterial auch an Deutschsprachige kommunizieren kann, als dies in der reinen mündlichen Interaktion mit einem niedrigen Level an Sprachkompetenz möglich wäre. In der digitalen Sphäre ist die Hemmschwelle tendenziell vielleicht besonders niedrig, da man keinen großen Druck verspürt, mit Blick auf Sprachrichtigkeit und interkulturelle Pragmatik korrekt zu agieren.
Aus der Erhebung ergeben sich für die hier betrachtete Frage die folgenden Resultate:
Grafik 47:
Nutzen Sie Chinesisch mit SprecherInnen des Deutschen?
Wie man aus Grafik 47 ersehen kann, nutzt knapp die Hälfte der Befragten niemals Chinesisch mit anderen SprecherInnen des Deutschen auf WeChat. Insgesamt geben dies 103 Personen (knapp 50 % der Befragten) an. Selten kommt das Chinesische in der Interaktion mit anderen Deutschsprachigen bei 49 NutzerInnen der Applikation (knapp 24 %) zur Anwendung, gelegentlich bei 36 Personen (gut 17 %). Jeweils neun InformantInnen (je gut 4 %) geben eine häufige bzw. sehr häufige Nutzung des Chinesischen bei der WeChat-Kommunikation mit anderen Deutschsprachigen an (dies ist annähernd übereinstimmend mit der Zahl UserInnen, die Chinesisch als auf L1-Niveau beherrschen). Zwei Personen machten zu dieser Frage keine Angaben. Wie die empirische Auswertung zeigt, so ist das Chinesische auf WeChat für etwa die Hälfte der Befragten mindestens gelegentlich eine genutzte Sprache, wenn mit anderen Deutschsprachigen kommuniziert wird. Dies deutet m.E. auf die Relevanz chinesischsprachiger Inhalte auf WeChat hin, die mit einer interessierten Community ausgetauscht werden sollen. Somit existiert eine vergleichsweise breitere Dimension als eine direkte Interaktion im Chat. Hier besteht ein Bedarf zur weiteren Erforschung des gegebenen Spannungsfeldes.
7.9. Übersetzungsfunktion
Die TeilnehmerInnen der Erhebung zum Gebrauch von WeChat durch deutschsprachige Expatriates wurden zu ihrer Nutzung der in der Applikation verankerten Übersetzungsfunktion befragt, die sich sowohl innerhalb von Chats als auch im Bereich der ,Momente‘ (Posting wie etwa bei Facebook) anwenden lässt. Dazu machen die InformantInnen die folgenden Angaben:
Grafik 48:
Nutzen Sie die Übersetzungsfunktion, um Beiträge zu verstehen?
Wie Grafik 48 zeigt, nutzt ein signifikanter Teil der deutschsprachigen Expatriates, die zu ihrer WeChat-Nutzung befragt wurden, die Übersetzungsfunktion, um Beiträge zu verstehen. 51 NutzerInnen (knapp 25 %) geben an, dieses Feature sehr häufig zu verwenden, 43 von ihnen nutzen die automatisierte Übersetzung häufig. 94 der 208 Befragten, also gut 45 %, nutzen somit diese Funktion mindestens häufig. 49 InformantInnen (knapp 24 %) geben an, gelegentlich auf die Möglichkeit der Übersetzung bei der Rezeption von Beiträgen zurückzugreifen. Selten von dieser Funktion Gebrauch machen 22 Befragte (knapp 11 %), während 41 Personen (knapp 20 %) nie WeChats Übersetzungsfunktion nutzen. Insgesamt kann dies bedeuten, dass sich nach den ausgewerteten Daten auch knapp 40 UserInnen mit der L1 Deutsch in WeChat ohne Nutzung der Übersetzungsfunktion zurechtfinden. Zur Erinnerung: In Kapitel 7.1. hatten 21 InformantInnen (gut 10 % der Befragten) angegeben, Chinesisch auf L1-Niveau zu sprechen (vgl. Grafik 2). Die restlichen 10 % bzw. knapp 20 Befragten beherrschen entweder Chinesisch so gut, dass sie keine Übersetzungsfunktion brauchen, oder sie benutzen diese nicht, weil sie z. B. den Bereich ,Momente‘ nie rezipieren (gut 20 Befragte, vgl. Kap. 7.5.3.2., Grafik 16) und nur in solchen Sprachen per Chat kommunizieren, die sie auch gut beherrschen. Eine andere Interpretation mit Blick auf das eingangs des Bandes eingeführte Konzept der virtuellen Sprachinsel wäre, dass gewisse Expatriates innerhalb der Applikation alles an Sprachmaterial, was in den Momenten über Deutsch oder Englisch hinausgeht, also v. a. das Chinesische, schlicht ignorieren und sich so in einer ,Blase‘ bewegen.
Insgesamt kann aus den Zahlen geschlossen werden, dass ein Bedarf an Übersetzungen – wohl natürlich v. a. aus dem Chinesischen ins Deutsche – besteht, da einerseits die Sprach- und im Speziellen die Lesekompetenz vieler Expatriates nicht ausreicht, andererseits aber potenziell an vielen Postings inhaltliches Interesse besteht. 170 der Befragten (knapp 82 %) nutzen diese Funktion zumindest hin und wieder.
7.10. Internetsprache
Im vorliegenden Kapitel sind diejenigen Resultate aus der Erhebung zur WeChat-Nutzung Deutschsprachiger in China festgehalten, die sich um die Verwendung von Internetsprache drehen. Hierbei wird zunächst nach dem Einsatz typischer Abkürzungen wie lol (laughing out loud) und Ähnlichem gefragt (7.10.1.) (zu stilistischen Merkmalen digitalen Schreibens vgl. etwa Dürscheid/Frick 2016: 73-92). Danach liegt der Fokus auf der Verwendung von Emojis und den damit verbundenen funktionalen Intentionen, mit denen diese Bildzeichen in WeChat benutzt werden (7.10.2.). Beißwenger/Pappert (2019a, b, 2020) wurden erst nach der Durchführung meiner Erhebung publiziert und konnten entsprechend im Umfragedesign nicht mehr berücksichtigt werden. In einem dritten Schritt wird daran anschließend auf die innerhalb der Applikation ebenfalls einsetzbaren Sticker geblickt (7.10.3.; Gu i.V. wird auf Emojis und Sticker in WeChat und WhatsApp fokussieren). Analog wie bei der Analyse der Emoji-Verwendung werden nicht nur Selbsteinschätzungen zur Frequenz der Nutzung von Stickern untersucht, sondern auch die Angaben der Expatriates zum funktionalen Hintergrund der Verwendung.
7.10.1. Internet-typische Abkürzungen
Auf die Frage danach, ob sie internet-typische Abkürzungen innerhalb ihrer WeChat-Kommunikation gebrauchen, machen die deutschsprachigen Expat-InformantInnen in der Erhebung die nachfolgend grafisch dargestellten Angaben:
Grafik 49:
Benutzen Sie internet-typische Abkürzungen wie „lol“ (laughing out loud) o.Ä.?
Wie aus der Darstellung in Grafik 49 hervorgeht, gibt es eine Gruppe von etwa einem Drittel der Befragten, die nie internet-typische Abkürzungen in ihrer WeChat-Kommunikation verwenden. Insgesamt 68 NutzerInnen (gut 32 %) geben dies an. 140 der 208 InformantInnen (gut 67 %) machen aber zumindest selten von dieser Art Kommunikation Gebrauch: Eine seltene Verwendung wird von 76 NutzerInnen (knapp 37 %) angegeben. In Richtung eines häufigeren Gebrauches internet-typischer Abkürzungen nimmt die Anzahl der Nennungen jeweils ab: 39 Personen (knapp 19 %) nutzen internet-typische Abkürzungen gelegentlich, vierzehn Personen (knapp 7 %) tun dies häufig, und neun Expatriates (gut 4 %) geben eine sehr häufige Verwendung an. Besonders akzentuiert verwenden Internetsprache also 23 UserInnen (ca. 11 %). Insgesamt lässt sich so für die Befragten konstatieren, dass keine große Affinität zu gängigem Internetjargon besteht. Häufig wird WeChat im beruflichen Expatriate-Kontext verwendet. In solchen Verwendungskontexten dürften internet-typische digitale Ausdrucksweisen vermutlich produzenten- wie rezipientenseitig als unpassende sprachlich-stilistische Alternativen angesehen werden. Die Nutzung von internet-typischen Abkürzungen, die meist auf englischsprachigen (lol), bisweilen auch auf deutschsprachigen (hdgdl) Formulierungen basieren, wird durch die Andersartigkeit der Schriftzeichen im Chinesischen (hauptsächlich auf Chinesisch chatten ca. 10 % der Befragten, vgl. Grafik 36 oben, Kap. 7.6.1.) erschwert, hier müsste es entsprechendes Code-Switching speziell hin zu den verwendeten Abkürzungen geben, damit diese realisiert werden könnten (vgl. zum Code-Switching Kap. 7.6.2.). Potenziell läge in diesem Fall die Verwendung von Emojis (vgl. folgender Abschnitt, Kap. 7.10.2.) daher näher.
Wie bereits mehrfach mit Blick auf einzelne Features von WeChat festgestellt wurde, so gibt es auch hier eine kleine Gruppe von NutzerInnen, bei der die gängigen Abkürzungen durchaus häufig zum Sprachgebrauch gehören. Es könnte sich angesichts der Altersverteilung (vgl. Metadaten in Kap. 7.1.) um die jüngeren NutzerInnen unter den Befragten handeln.
7.10.2. Emojis
7.10.2.1. Verwendung von Emojis
Zur Frage nach der Verwendung von Emojis in ihrer Kommunikation über die Applikation WeChat machen die Befragten die folgenden Angaben:
Grafik 50:
Benutzen Sie Emojis?
Wie aus Grafik 50 hervorgeht, erfreut sich die Nutzung von Emojis in der WeChat-Kommunikation der befragten deutschsprachigen Expatriates einer großen Beliebtheit, über 60 % von ihnen verwenden Emojis mindestens häufig: 62 NutzerInnen (knapp 30 % der Befragten) geben an, Emojis sehr häufig zu verwenden. 66 UserInnen (knapp 32 %) nutzen die kleinen Bildzeichen häufig, 54 gelegentlich (knapp 26 %). Die seltenen NutzerInnen von Emojis in WeChat sind mit 15 Personen (gut 7 %) in der Minderheit, elf Befragte (gut 5 %) geben an, Emojis nie in WeChat zu verwenden. Diese Resultate zeugen von einer Affinität zu digitaler Kommunikation mit Emojis, die man vermutlich eher mit im Schnitt jüngeren UserInnen der Applikation WeChat im Speziellen und von Messengerkommunikation im Allgemeinen verbinden würde1. Es kann gezeigt werden, dass Emojis auf der Basis der hier vorgelegten empirischen Resultate ein Phänomen auch jenseits der originären VerwenderInnengruppen der jüngeren digital natives darstellen. Zur Akzeptanz der Emojis durch die deutschsprachigen Expatriates dürfte außerdem beitragen, dass die digitale unmittelbare Umgebung in China von Emojis geradezu penetriert ist, sie sind dort de facto omnipräsent. Dies erleichtert und suggeriert potenziell eine Übernahme auch in die eigene WeChat-Kommunikation. Noch weiß man innerhalb der interkulturellen Verwendungsforschung zu Emojis (Deutsch – X) z. B. nicht genau, ob Emojis teils als Platzhalter für Satzglieder aktiv verwendet werden und somit potenziell Teil einer möglicherweise so aufzufassenden emergenten bildzeichenbasierten lingua franca (im Sinne von Ge/Herring 2018) sein könnten. Unsere Befunde (Grafik 37, Kap. 7.6.2.1. oben) zeigen, dass fast 70 % der Befragten Sprachen innerhalb ihrer Chats mischen. Potenziell lässt sich durch die zahlenmäßige Analogie vermuten, dass wer Sprachen in Chats mischt, auch affin dazu ist, Emojis mit aufzunehmen. Diese Annahme soll aber nicht suggerieren, dass wir oder die NutzerInnen die Emojis bereits als eigene Sprache auffassen; die von Ge/Herring (2018) in diesem Zusammenhang für die Stützung einer solchen These genannten Punkte scheinen eher abwegig. Emojis müssten vielmehr vor dem jeweiligen kulturellen bzw. interkulturellen Hintergrund genutzt wie rezipiert werden, v. a. semantische Universalität dürfte nur bei der ikonischen Darstellung konkreter Objekte/Personen potenziell funktionieren. Das weite Feld der Emotionen hingegen ist jeweils schon intrakulturell diffizil, interkulturell noch weit schwieriger. Von daher erscheint es an dieser Stelle zu weit ausgreifend, Emojis trotz ihrer hier nachgewiesenen empirischen Relevanz zu weitgehende Qualitäten zuzuschreiben.
