Kitabı oku: «Die chinesische Messaging-App WeChat als virtuelle Sprachinsel», sayfa 15

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7.10.2.2. Funktionen der verwendeten Emojis

Welchen Funktionen dienen die verwendeten Emojis? Dies wurden die teilnehmenden Expatriates innerhalb der Erhebung gefragt. Dazu machen die Deutschsprachigen in China die folgenden Angaben (dabei waren Mehrfachnennungen möglich): Wertungen und Bewertungen stehen dabei klar im Fokus. 173 Mal (d.h. von gut 83 % der Befragten) wird die positive Kommentierung einer Aussage genannt, 110 Nennungen (knapp 53 %) betreffen entgegengesetzt negative Kommentierungen. Zur Markierung von Ironie in ihren Aussagen verwenden 131 Personen (knapp 63 %) Emojis in ihrer WeChat-Kommunikation. Zur sonstigen Ausschmückung der Chats benutzen 138 Personen die Bildzeichen. Dies kann im weitesten Sinne mit Beißwenger/Pappert (2019b: 72) und der funktionalen Praktik des Lesbarmachens verbunden werden. Insgesamt elf Personen nennen auch andere Verwendungen für Emojis in WeChat. Dies sind (Zitate aus der Freitexteingabe):

Grüßen; Situativer Humor; Empathie zeigen; Betonung; Gratulationen; Emotionen ausdrücken; Verlegenheit; Statt Worte; Zur Illustration und/oder als Ersatz eines wörtlichen Kommentars; Abkürzung durch ikonisches Sinnbild; Erklärung; Antwort auf Ja-Nein-Fragen mit lächelndem Smiley für ,ja‘

Betonungen, Verwendungen von Emojis statt Worten, Illustration/Ersatz oder Abkürzungen können wie oben ebenso der Praktik des Lesbarmachens zugeordnet wedren. Verkürzungen im Sinne einer kleineren Zeichenzahl und hin zu einer Mischung verschiedener semiotischer Codes innerhalb einzelner Äußerungseinheiten innerhalb von Chats sind sicherlich nicht nur in WeChat und der hier relevanten Erhebung anzutreffen, sondern auch in anderen Medien/auf anderen Plattformen innerhalb der Messengerkommunikation. Bei der pragmatischen Funktion ,Erklärung‘ ist wohl eine Art Dopplung der Aussage gemeint, die vielleicht schon schriftlich formuliert wurde und durch ein Emoji emphatisch visualisierend unterstrichen wird. Der Kommentar Abkürzung durch ikonisches Sinnbild ist sehr verdichtet formuliert. Hierin könnte eine Dimension der Ersetzung von mittels Emojis darstellbaren, nominalen Satzgliedern in einer ansonsten schriftlichen Äußerung gemeint sein, also eine bewusste Mischform dort, wo es die Palette der Emojis entsprechend erlaubt. Die aus der Freitexteingabe erhaltenen funktionalen Erläuterungen des Grüßens, des situativen Humors, des Empathie-Zeigens, der Gratulationen, des Emotionen-Ausdrückens oder der Verlegenheit können mit Beißwenger/Pappert zumeist mit der Praktik des Sichtbarmachens in Verbindung gebracht werden:

Praktiken des Sichtbarmachens haben gemeinsam, dass mit der Emoji-Kommunikation zum Ausdruck gebracht wird, dass der oder die Verwendende die Beziehung zu seinen oder ihren Adressat*innen als wertvoll, bewahrens- und schützenswert betrachtet. (Beißwenger/Pappert 2019b: 73)

Im Bereich der Erforschung von Emojis stehen wir insgesamt noch am Anfang. Für WeChat existieren bisher keine geeigneten großen Korpora, um an Emojis zu forschen. Dies stellt ein Desiderat für zukünftige Forschungen dar.

7.10.3. Sticker
7.10.3.1. Verwendung von Stickern

Die befragten deutschsprachigen Expatriates machen zur Verwendung von Stickern in ihrer WeChat-Kommunikation die nachfolgend grafisch dargestellten Angaben:

Grafik 51:

Benutzen Sie Sticker?

Wie sich aus Grafik 51 erkennen lässt, ist tendenziell eine gelegentliche bis sehr häufige Verwendung von Stickern zu erkennen. Am häufigsten wird von den Befragten eine gelegentliche Verwendung angegeben, und zwar in 61 Fällen (gut 29 %). Darauf folgt die Angabe, Sticker häufig zu nutzen; dies nennen 43 Befragte (knapp 21 %). 34 Personen (gut 16 %) geben an, Sticker in WeChat sehr häufig in ihrer Kommunikation durch die Applikation zu verwenden. Somit nutzen ca. 37 % der Befragten mindestens häufig Sticker. Selten bzw. nie werden Sticker von je 35 Expatriates (jeweils knapp 17 %) verwendet. Für das relativ neue Phänomen des ,Stickers‘ in der Messengerkommunikation überraschen m.E. die hohen Verwendungswerte.

7.10.3.2. Funktionen der verwendeten Sticker

Den Befragten war eine Reihe von Antwortalternativen für die Funktion der in WeChat verwendeten Sticker vorgegeben. Mehrfachnennungen waren möglich. So antworteten 127 Personen (ca. 61 %), dass sie Sticker dazu nutzen, um positive Kommentare zu vermitteln. 121 Mal (von gut 58 % der Befragten) wird die Markierung von Ironie durch Sticker angegeben, 109 Befragte (gut 52 %) nutzen Sticker zu einer (allgemein gehaltenen) Ausschmückung ihrer sonstigen Aussagen in der Kommunikation mit der WeChat-Applikation. 76 Befragte (knapp 37 %) nennen negative Kommentierungen als intendierte Funktion ihrer Sticker-Verwendung.

Über die Freitexteingabe ließen sich über die o.g. Alternativen hinaus weitere Funktionen der Stickerverwendung in WeChat angeben. Es wurden die nachfolgend zitierten genannt:

Grüßen, Humor; Situativer Humor; Scherzen; Der Situation angepasste Sticker; Gratulationen; Statt Worte; Zur Illustration und/oder als Ersatz eines wörtlichen Kommentars; Unterhaltungswert; Wenn ich nicht weiß, wie man eine Konversation starten soll; Zum Spaß; Werbung (unser Firmenlogo)

Hierbei ist m.E. vor allem der Hinweis auf die komplette Substitution einer schriftlichen Äußerung durch Sticker interessant, da hier die Grenzen traditioneller Schriftlichkeit neu definiert bzw. verschoben werden. Auch als Initiierung einer Konversation werden laut der Kommentare oben Sticker gebraucht. Hierbei wird leider keine weitergehende Angabe dazu gemacht, welche Sticker konkret dazu geeignet sind, eine initiierende Funktion zum Beginn einer Konversation zu übernehmen (Gesichtsausdrücke vs. Objekte etc.), und um welche Art Konversationen es sich dann handelt (Sachliche Konversationen vs. Flirts etc.). An dieser Stelle besteht in der einschlägigen Forschung nach meiner Kenntnis ein Desiderat, und dies nicht nur für WeChat, sondern für die Messengerkommunikation allgemein.

7.11. Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Die InformantInnen wurden innerhalb der Erhebung um eine Selbsteinschätzung im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in ihrer Kommunikation mit dem WeChat-Messenger gebeten. Zu diesem Zweck wurden sie gefragt, ob sie sich im Chat eher an der Mündlichkeit orientieren, d.h. eher chatten wie sie sprechen, oder ob eine Orientierung tendenziell eher an der Schriftlichkeit erfolgt, d.h. dass sie eher chatten wie sie schreiben. Hierbei war zur Beantwortung eine Skala von 1 bis 5 angegeben, wobei ,1‘ mit ,Sprechen‘ sowie ,5‘ mit ,Schreiben‘ bezeichnet war und 2, 3 bzw. 4 entsprechende Abstufungen denotieren. Es konnten nur ganzzahlige Antworten durch Anklicken in einem Menü gegeben werden. Nachfolgend sind die Resultate dieser Befragung grafisch dargestellt:

Grafik 52:

Chatten Sie mehr wie Sie sprechen oder wie Sie schreiben?

Aus Grafik 52 lässt sich ablesen, dass die befragten Expatriates laut ihrer Selbsteinschätzung eher dazu tendieren, am Schriftlichkeitspol orientiert zu chatten. Insgesamt nennen 60 Befragte (knapp 29 %) eine klare Orientierung an der Standard-Schriftlichkeit, indem sie auf die o.g. Frage mit dem Maximalwert ,5‘ antworten. 66 Befragte (knapp 32 %) nennen die Antwort ,4‘, die eine deutliche Orientierung in Richtung einer schriftstandardnahen Ausdrucksform anzeigt. Somit sind gut 60 % der Befragten darauf bedacht, mindestens nah an einem schriftsprachlichen Ausdruck zu chatten. Eine im mathematischen Sinne neutrale Antwort (,3‘) nennen 38 Befragte (gut 18 %), die damit zum Ausdruck bringen, dass sie sowohl Elemente der Schriftlichkeit wie auch der Mündlichkeit ungefähr jeweils ausgewogen in ihrer WeChat-Kommunikation verwenden. 27 Befragte (knapp 13 %) antworten mit ,2‘ und schätzen ihre Chats als vorwiegend an einem mündlichen Sprachgebrauch orientiert ein, und insgesamt 16 Personen (knapp 8 %) nennen ihre Kommunikation vollends an der Mündlichkeit modelliert (Antwort ,1‘). Eine InformantIn machte zu dieser Frage keine Angaben. Größere Umbrüche im Sinne einer ,neuen Schriftlichkeit‘ legen zumindest die hier als Selbsteinschätzungen erhobenen Daten nicht nahe.

Bringt man die hier erhobenen Einschätzungen zu Mündlichkeit und Schriftlichkeit in Verbindung mit den Angaben, die die Befragten zur Sprachrichtigkeit in den benutzten Sprachen Deutsch (Grafik 42; Kap. 7.7.1.; ca. 84 % der UserInnen achten mindestens häufig auf Sprachrichtigkeit), Chinesisch (Grafik 43; Kap. 7.7.2.), Englisch (Grafik 44; Kap. 7.7.3.; ca. 80 % der UserInnen achten mindestens häufig auf Sprachrichtigkeit) sowie den anderen verwendeten Sprachen (Grafik 45; Kap. 7.7.4.) machen, so ergeben sich für alle genannten analysierten Sprachen/Sprachgruppen klare Parallelen im Bereich der Korrelierung von Orientierung am Schriftlichkeitspol zusammen mit häufigem bzw. sehr häufigem Beachten der Sprachrichtigkeit der benutzten Sprache. Am ausgeprägtesten sind diese Parallelen für das Deutsche und das Englische, erkennbar werden sie in abgeschwächter Form aber auch für das Chinesische sowie die Gruppe der anderen Sprachen. Sprachrichtigkeit und Orientierung an schriftsprachlichen Standards gehen nach diesen Datenauswertungen Hand in Hand, neue ,gelockerte‘ Schriftlichkeiten lassen sich in diesem Kontext nicht erkennen (vor dem Hintergrund der oben diskutierten teils frequenten Verwendungen von Emojis und Stickern überrascht dies).

7.12. Kommentare zur Nutzung von WeChat

Die befragten Deutschsprachigen hatten zum Abschluss der Online-Erhebung zu ihrem Gebrauch von WeChat die Möglichkeit, freiwillig Kommentare abzugeben. Dieser Abschnitt der Umfrage konnte auf Wunsch übersprungen werden. Die erste Kommentarmaske thematisierte mögliche bei der Nutzung der Applikation auftretende oder aufgetretene Probleme (7.12.1.). In einem weiteren Schritt konnten die Befragten sich dazu äußern, welche weiteren Features ggf. zukünftig in WeChat inkludiert werden sollten oder könnten (7.12.2.). Abschließend gab es die Möglichkeit, weitere freie sonstige Kommentare zur Erhebung und zu WeChat abzugeben (7.12.3.). Im Folgenden werden die Erträge dieser drei Abschnitte zusammengefasst. Über die frei zugänglichen Forschungsdaten (vgl. Kap. 9.) besteht bei Interesse und Bedarf die Möglichkeit, diese Kommentare näher weiter zu betrachten. Daher gibt es in der vorliegenden Publikation keinen Bedarf dafür, die Kommentare als eigenen Anhang zu publizieren.

7.12.1. Kommentare zu Problemen bei der Nutzung von WeChat

Sowohl in den deutschsprachigen Ländern wie unter Deutschsprachigen in China werden die mangelnde Sicherheit für Daten, die Praxis der Online-Zensur und viele weitere Dinge mit Blick auf Chinas digitale Sphäre – sicher oft nicht zu Unrecht – kritisch und distanziert gesehen, problematisiert und diskutiert. Insofern überrascht es ein wenig, bei der Freitexteingabe ohne weitere anklickbare Antwortalternativen insgesamt von 43 UserInnen (knapp 21 % der Befragten) den Kommentar „nein“ zu erhalten. Dies kann für mehrerlei Perspektiven stehen: Einerseits werden vielleicht keinerlei Schwierigkeiten bemerkt. Andererseits ist eine Deutung denkbar, in der die NutzerInnen von WeChat sich der o.g. Problematiken voll bewusst sind, diese aber in der Praxis in China verdrängen, weil ihnen sonst vielleicht die tagtägliche digitale Interaktion mit der Applikation eine zu große praktische oder möglicherweise auch mentale Bürde wäre. Durch das vorhergehende Ausfüllen der Umfrage zu ihren Kommunikationsgewohnheiten und -praktiken mit WeChat könnte ihnen bewusst geworden sein, was genau sie selbst mit der Applikation tun können und de facto auch tun. Insofern liegt vielleicht die hier vorgeschlagene Lesart am nächsten, das Problembewusstsein durch ihren „nein“-Kommentar aktiv zu verdrängen. Die genau gegenläufige Interpretation eines pragmatischen „nein“, die hier sicherlich ebenfalls denkbar ist, wäre ein naives Verwenden der Applikation nicht nur im Sinne einer virtuellen Sprachinsel, sondern vielmehr hin zu einer homogenen Expatriate-Blase, innerhalb der man sich maximal komfortabel aufgehoben fühlt, in der man alles anfallende Digitale bequem erledigen kann und überhaupt kein Problembewusstsein aufbaut. Vermutlich gibt es unter den Befragten VertreterInnen beider Extreme, dies neben solchen Personen, die von ihrer Einstellung eher in die eine oder andere Richtung tendieren, ohne jedoch alle Konsequenzen ihrer WeChat-Nutzung reflektiert zu Ende zu denken und zu abstrahieren; dafür ist WeChat von der Anlage her vielleicht auch zu im positiven Sinne praktisch und den Expatriate-Alltag in der Fremde erleichternd.

Dass diverse NutzerInnen keine Probleme bei der Verwendung der Applikation WeChat sehen, heißt nicht, dass nicht andere von ihnen explizit kritisch mit dem kommunikativen Setting, in das sie durch die App eingebettet sind, umgehen. Datenschutz und Zensur sind Stichworte, die einige Male genannt werden. Dabei ist diese Perspektive zunächst auf die Betreiberseite gerichtet, der man nicht vertrauen könne. Während man den ggf. fehlenden Datenschutz beim Verwenden der Applikation nicht direkt on screen sehen kann, so geben Expatriates an, dass vereinzelt Einträge verschwunden seien. Ohne an dieser Stelle tiefergehend darauf eingehen zu können, decken sich diese Beobachtungen mit verschiedenen in den letzten Jahren v. a. in den englischsprachigen Medien (z. B. CNN) erschienenen TV-Beiträgen1. Ein prägnanter Userkommentar aus der Erhebung zeigt, wie vermutlich einige der Expatriates mit der Frage des defizitären Datenschutzes umgehen:

Datenschutz gibt es meiner Ansicht nach bei Wechat nicht. Die Frage ist, ob man das als Problem empfindet. Für mich persönlich ist der Nutzen und auch die Notwendigkeit von Wechat so groß, dass es keine Alternative gibt und ich mich mit den Bedingungen (kein Datenschutz) abfinde[.] (Kommentar, Spalte CX 83 Excel)

Mit der latenten Unsicherheit hinsichtlich Überwachung in WeChat geht potenziell auch eine Vorsicht einher, sensible Inhalte zu posten oder weiterzuleiten. In diesem Zusammenhang ließe sich auch von einer durch die Befragten teils exerzierten ,Selbstzensur‘ zu sprechen, in deren Zusammenhang konsequent andere Kommunikationswege als WeChat für entsprechend schwierige Inhalte gesucht werden oder ggf. ganz von der Kommunikation solcher Mitteilungen abgesehen wird. Insgesamt kann man mit Blick auf die vorhandenen Kommentare von einer diffusen Unsicherheit und mangelndem bis gar nicht vorhandenem Vertrauen sprechen, die innerhalb der WeChat verwendenden Expatriate-Community in China vorherrscht.

Neben der Datenschutzproblematik gibt es unter den Befragten außerdem Kritik an einigen technischen Aspekten von WeChat. So werden u. a. der limitierte Speicherplatz bzw. der hohe Speicherplatzbedarf der Applikation auf dem Smartphone moniert. Ein weiterer Punkt thematisiert die schwere Zugänglichkeit einiger Funktionen, da man sich als in China ansässige Person mit entsprechenden Credentials registrieren muss: Im Fall von WeChat Pay, der Bezahlfunktion etwa, kann man sich nur mit einem eigenen chinesischen Bankkonto und entsprechender Bankkarte registrieren. Mittlerweile funktionieren allerdings auch ausländische Kreditkarten, die zur Anmeldung genutzt werden können. Im Falle eines Verlusts des Smartphones lassen sich darüber hinaus mit dem alten Telefon getätigte Chats nicht wiederherstellen (eine Archivierungs- oder Backupfunktion wie etwa in WhatsApp existiert nicht).

7.12.2. Weitere eventuelle Features für WeChat

Die befragten deutschsprachigen Expatriates durften auf Wunsch Kommentare dazu abgeben, welche weiteren Features sie sich für WeChat und eine komfortablere Verwendung wünschen. Dabei kamen verschiedene konkrete Aspekte zur Sprache: Mit Blick auf die im vorhergehenden Abschnitt diskutierte Datenschutzproblematik wurde die Verschlüsselungstechnologie der sog. end-to-end-encryption genannt, die aus WhatsApp bekannt ist und die Chats schwerer mitlesbar machen soll. Es wurden außerdem explizite Schnittstellen zu Facebook und Instagram gewünscht; einerseits ist hierzu zu bemerken, dass diese beiden sozialen Netzwerke in China durch die sog. Golden Firewall technisch blockiert werden, andererseits gibt es bei einer Neuregistrierung für WeChat die Möglichkeit, diese unter Zuhilfenahme des Facebook-Kontos (!) vorzunehmen. Dies konnte ich 2017 selbst feststellen, als ich nach dem Verlust eines Smartphones auf einem neuen Gerät WeChat einrichtete.

Schaut man auf die Chats, so wird ein Detail aus WhatsApp innerhalb von WeChat vermisst, nämlich die sich farblich verändernden Häkchen zum Status der Nachricht (zwei graue Häkchen = zugestellt, zwei blaue = gelesen; ein graues Häkchen = gesendet, aber (noch) nicht zugestellt). Dazu kommt, dass einige UserInnen gerne den Online-/Offline-Status anderer Kontakte sehen würden – all dies bietet WeChat bis dato nicht.

Sprachnachrichten sind ein populäres Feature von WeChat, auch unter den für meine Studie befragten Expatriates. Innerhalb der Kommentare wurde angeregt, die Sprachnachrichten gerne weiterleiten zu können, was bisher nicht möglich ist. Die Begrenzung einzelner Sprachnachrichten auf 60 Sekunden wird bisweilen als lästig empfunden (zum Vergleich: bei WhatsApp sind bis zu acht Stunden (!) lange Sprachnachrichten möglich). Innerhalb eines längeren Chats würden einige UserInnen gerne explizit nach Sprachnachrichten suchen können, müssen jedoch bisher ohne die Verfügbarkeit einer solchen Funktion auskommen. Ebenso wenig existiert eine wirklich leistungsstarke Übersetzungsfunktion; zwar gibt es innerhalb der ,Momente‘ die Möglichkeit, sich einzelne Posts übersetzen zu lassen, doch gerade mit der Zielsprache Deutsch (WeChat übersetzt jeweils in die eingestellte Systemsprache) ergeben sich bisweilen kryptisch-unverständliche Übersetzungen.

Wohl mit Blick auf eine berufliche Nutzung gibt es den Wunsch, Gruppen-Telefonate mit mehr als neun Personen gleichzeitig abzuhalten, ebenso wie die Anregung, Gruppen-Videochats zu implementieren. Die Krise um das Coronavirus 2020 könnte hier womöglich eine Inkludierung solcher Erweiterungen bewirken. Es wird außerdem eine bessere Nutzbarkeit außerhalb Chinas angemahnt, ohne dass jedoch technische Details zu möglichen Problemen in diesem Zusammenhang genannt werden.

7.13.3. Sonstige Kommentare

Innerhalb der die Umfrage abschließenden möglichen Kommentare wurde den Befragten die Möglichkeit gegeben, sich mittels Freitexteingabe zu bisher nicht behandelten Themen rund um WeChat zu äußern. Dabei werden verschiedene Aspekte angeführt, die hier zusammenfassend dargestellt sind.

Von den Befragten wird der Kritikpunkt angeführt, dass die ständige Nutzung von WeChat, beruflich wie privat, bisweilen die Grenzen dieser beiden Bereiche verschwimmen ließe. Dies ist einerseits der Omnipotenz der Applikation hinsichtlich ihrer Reichweite geschuldet, dürfte aber auch über den Kontext unserer Erhebung, also über China hinaus, ein Problem sein, das in Expatriate- und Arbeitnehmerkreisen, die sehr stark auf digitale Kommunikation mittels geeigneter Apps und sozialer Netzwerke setzen, existiert – ganz unabhängig davon, welche Applikation gerade genutzt wird (die sog. Work-Life-Balance ist ständig im Fokus medialer Berichterstattung). Weiter werden explizite Schnittstellen zu WhatsApp gewünscht; in diesem Zusammenhang wird eine Foto-Um- bzw. Weiterleitungsfunktion vorgeschlagen, um sich direkt von einem sozialen Netzwerk zum anderen bewegen zu können und diese womöglich simultan zu bedienen (eine solche Funktion existiert z. B. für Twitter und LinkedIn).

Abschließend ist aus den abgegebenen sonstigen Kommentaren noch erwähnenswert, dass die WeChat-Affinität vieler chinesischer NutzerInnen aus der Perspektive deutschsprachiger Expatriates zum Teil ein gesundes Maß übersteigt und schon als suchtartig eingestuft wird. Hierzu lässt sich einwenden, dass Smartphonekomsum in industrialisierten und immer mehr digitalisierten und sich digitalisierenden Gesellschaften oftmals ein Problem darstellt, auch in den deutschsprachigen Heimatländern der befragten Expatriates. Solche Auswüchse sind sicherlich problematisch, andererseits noch nicht hinreichend erforscht. Bevor man den moralischen Zeigefinger gegenüber der WeChat-Nutzung erhebt, muss man sich auch fragen, ob wir es nicht mit einem viel weiter gefassten Problem zu tun haben: Die Online-Aktivitäten steigen allgemein weltweit stetig an. Ein Fokus auf eine einzelne Applikation – auch wenn sie wie bei WeChat den Charakter einer ,Killer-App‘ besitzt – und ihre aktive bis exzessive Nutzung greift letzten Endes zu kurz.

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292 s. 71 illüstrasyon
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9783823302384
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